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The Beloved Devil

GeschichteThriller, Familie / P18 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Hale Caesar Hector
30.11.2013
20.05.2014
18
89.028
 
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Dieses Kapitel
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30.11.2013 6.644
 
Lilith LaCruze


Die Nacht war einfach wunderschön und beruhigend. Der Himmel war seit Tagen wieder richtig klar und befreiend von Wolken und Wind. Fast schien das Wetter sich meiner Stimmung anzupassen, als wolle es sagen: >Hey Lilith, leb deinen Tag. Ich werde dich begleiten<.

Smilee und ich spazierten die einsame Straße hinunter, während einige Autos lautlos an uns vorbei fuhren. Es war schon lange nach zwei Uhr morgens, doch meine Müdigkeit schien verflogen zu sein um Platz für etwas anderes zu schaffen. Ich fühlte mich befreiend, beinahe als wäre mein Leben vollkommen. Es war wie ein Märchen, in dem ich die Hauptrolle spielte und ich auch bestimmen durfte, wie das Ende war.

"Und was wirst du später machen?", fragte ich Smilee und warf ihm einen raschen Blick von der Seite zu.

Kurz schien er über meine Frage nachzudenken, dann sagte er: "Ich glaube ich werde für das Land kämpfen. In die Armee gehen oder zu Navi. Auf jeden Fall etwas, wo ich der Gerechtigkeit diene und das Land beschützen kann"

Gerechtigkeit, echote es in meinen Gedanken wieder, meine Miene wurde düster. Gerechtigkeit war keines der positiven Askepte, die mein Leben bestimmten. Ich ließ mir meine plötzliche Schwere nicht anmerken.

"Wow, du bist ja dann so ein richtiger Kämpfer, was?"

"Das war ich schon immer", erwiderte er besonnen und zwinkerte mir kess zu "Schon als Kind habe ich meine Spielzeuge mit meinem Leben beschützt"

Ich konnte nicht umhin zu lachen. Schon der bloße Gedanke, den kleinen Smilee schützend vor seinem Teddy zu sehen, war zu komisch.

"Und hast du schon einen Plan von wo du dein Land beschützen möchtest? Willst du in St. Spreengs bleiben?"

"Ich will auf jeden Fall in St. Spreengs bleiben, eine Familie gründen und meine Enkelkinder hier aufwachsen sehen"

An seinen Ausdruck konnte ich erkennen, dass es ihm ernst war. Er wünschte sich in der Tat ein Leben in diesem kleinen Loch, mit einer Idyllischen Familie, dazu ein Haus und einen süßen Hund, der jeden Morgen die Zeitung ins Haus brachte. Ich stieß einen schweren Seufzer aus. Das war genau das Leben, was mir als 16. Jährige genommen wurde.

Wir bogen um eine Ecke, die nur schwach beleuchtet wurde.

"Du weißt ja ziemlich genau, was du machen willst", stellte ich nüchten fest.

"Ja", sagte er und ich spürte für eine Sekunde seinen Blick auf mich ruhen. "Was ist mit dir?"

"Hm.." Ich musste über seine Frage nachdenken. Wie stellte ich mir meine Zukunft vor? Wahrscheinlich würde ich auch mit 60 noch Menschen umbringen, um das primitive Geschäft meines Vaters am Leben zu erhalten. Wahrscheinlich würden dann auch noch Hector, Ethan und David um mich herum schwärmen und mir ständig Anweisungen geben. Wieder stieß ich einen entnervten Seufzer aus. Das war zum kotzen.

Dabei gab es nur eines, was ich sehr gerne tun würde.

"Ich würde gerne reisen", gestand ich "Die Welt erkunden. Sehen was dort draußen auf mich wartet und neue Kulturen kennen lernen"

"Was hält dich davon ab?"

"Abgesehen von dem College?", fragte ich mit einen traurigen Lächeln zu ihm. "Meine Familie. Sie tun sich etwas schwer, mich meine eigenen Entscheidungen treffen zu lassen"

"Oh", war alles was Smilee dazu sagte. "Und...bist du glücklich?"

"Ob ich glücklich bin?" Ich warf ihm einen skeptischen Blick zu, doch seine Augen waren auf seine Schuhe gerichtet.

"Ja", sagte er zu seinen Füßen "Bist im Moment angemessen glücklich oder zufrieden ?"

Ich schnaupte sarkastisch. War das sein Ernst?

Zynisch lächelnd sagte ich in einem scharfen Ton: "Zufrieden ganz bestimmt nicht. Das bin ich erst, wenn ich hier raus bin"

"Dann hast du aber noch ein paar Jahre", lächelte er mich an.

Ich guckte ihn böse an. Er warf seinen Kopf zurück und lachte.

"Vielen Dank du Arsch", zischte ich und zog meine Strickjacke um meinen Körper enger zusammen. Ein paar Autos fuhren an uns vorbei, weshalb wir für einen Moment schwiegen.

"Und du?", fragte ich, als wir eine Straße überquerten.

"Ich der Arsch?" Er grinste mich an, worauf ich nur die Augen verdrehen konnte.

"Würdest du sagen, du bist glücklich und unbekümmert?", betonte ich meine Frage genervt "Aber ich schlage dich, wenn du es bist", ergänzte ich todesernst und hob drohend meinen Finger.

Wieder entrang ein samtweiches Lachen seiner Kehle und es klang so harmonisch, dass es mich beinahe anstecken konnte. Dann seufzte er und sagte zum Himmel.

"Im Augenblick würde ich sagen, ja"  Er blieb stehen und auf seinen Lippen erschien ein kleines Lächeln. "Und das ist ein schönes Gefühl"

Zögernd erwiderte ich sein Lächeln, als es mich völlig unvorbereitet traf. Er trat näher zu mir heran, doch ein vorsichtiger Abstand zwischen uns beiden blieb noch immer gewahrt. Wir bemerkten es beide. Keiner von uns machte einen weiteren Schritt auf den anderen zu. Doch ebenso wich keiner von uns auch nur einen Zentimeter zurück.

Ich schluckte den Kloß in meinen Hals runter.

"Wir sind gleich da", sagte ich wie benommen zu seinen blauen Augen. "Noch eine Straße"

Smilee nickte schwer und an seiner Miene konnte ich den Wunsch ablesen, der auch mich überkam. Ein Kuss, eine Berührung.. Doch keiner von uns wagte einen Versuch und so maschierten wir schweigend und Seite an Seite in die Richtung, wo ich wohnte.

~

"Und nun", sagte ich nach ungefähr 10 Minuten peinlichen Schweigens und zeigte auf ein Haus, das hinter einer Baumkrone hervor ragte. "Sind wir da" Meinen Worten folgte ein alamierendes Bellen aus den Nachbarhaus.

Ich drehte mich erwartungsvoll zu Smilee um, der das Haus mit argwöhnischen Blick musterte.

Nun, es war etwas protzig und ansehlicher, als die anderen Häuser in der Umgebung. Ein hohes Gitter rankte vom Boden auf, auf welches oben markante und gefährliche Dolche angebracht wurden. Hinter dem Zaun stand ein nahezu prächtiges Schloss aus altem Stein und runden Bogenfenster. Eine große Flügeltür als Eingang, die durch die Rechts-und Links erbauten Säulen schon fast majestätisch erschienen. Aber das alles war nur Schein, was mein Vater gerne gebrauchte. Zudem stand er ungemein auf Eleganz und Schönheit.


"Nun", begann ich "Hier wohne ich"

"Ähm..." Smilee sah in meine Augen und auf seinen Wangen schlich sich ein verdächtiger Rotschimmer. "Wenn du..Also ich meine..."

"Möchtest du mit rein kommen?", half ich ihm grinsend auf die Sprünge.

"Ähm...Sind deine Eltern Zuhause?"

"Nein, nur meine Schwester, aber die schläft schon", verkündete ich heiter.

Das war der Moment, wo auch Smilee ein Grinsen kaum noch verbergen konnte. Er kam einen Schritt auf mich zu, so nahe, dass ich seinen Duft von Waschpulver und Marzipan vernehmen konnte.

"Aber..", sagte ich mit einen verschwörerischen Grinsen. "Wir werden kein Sex haben"

~


Überwältigt von der Leidenschaft fiel dir Tür zu meinen Zimmer krachend ins Schloss, als er mich stürmisch an das kühle Holz drückte und seine Lippen meinen Nacken erkundeten.

Ich schloss meine Augen, doch ein Kichern entkam meinen Lippen. "Wir wollten doch leise sein"

Seine raue Hand schob mein Haar aus meinen Nacken, während seine andere Hand meine Hüfte fest umklammerte und mich sehnsüchtig an seine Brust drückte. Seine Lippen streiften mein Ohr.

"Scheiss aus leise sein", flüsterte er heiser, bevor er sich an meiner Wange, an meinen Nacken und dann an meinen glühenden und schon geschwollenen Lippen zu schaffen machte. Es war ein berauschendes Gefühl ihn zu küssen. Seine Küsse waren anders. Sie waren einnehmend, sprühten vor Leidenschaft und Liebe aber sie waren auch sehr, sehr sanft und behutsam. Sie weckten ein Gefühl der Lust und der Anspannung in meinen Unterleib. Begierig seufzte ich und spürte wie seine Lippen sich zu einen Lächeln verzogen.

Seine Hände wanderten bedächtig zu meinen Bauch hinauf zu meinen Brüsten; dann hinunter zu den Saum meines Rocks. Ich reagierte vor Verlangen. Ohne den Kuss zu unterbrechen schob ich uns zu meinen Tisch, wo er mich bestimmend auf die Ablage setzte und sich sanft zwischen meine Beine drängte. Seine Hände lagen warm und besitzergreifend auf meinen Schenkeln, während sich unsere Zungen einen unerbittlichen Kampf leisteten. Nur wage nahm ich wahr, wie seine Finger meine Seiten berührten, sich nach vorne zu meinen Bauch schoben und den Saum meines Tops umfassten.

Meine Erregung wuchs mit jeder Sekunde und ein angespanntes Ziehen durchfuhr mein Unterleib. In dieser Sekunde war für mich alles klar. Ich wollte ihn. Jetzt und für eine lange, lange Zeit. Ich schlang meine Arme um seinen Nacken, spreizte meine Beine und zog ihn noch näher an mich heran. Meine Finger durchkämmten sein weiches, dichtes Haar.

"Gott" Atemlos unterbrach Smilee den Kuss und lächelte mich aus hungrigen Augen an. "Du bist unglaublich", flüsterte er.

Ich lächelte, sagte aber kein Wort. Ich wollte nicht reden. Ich wollte nur Spaß haben und mich meinen Verlangen hingeben. Gott sei Dank erhörte mich der Gott, denn nur eine Sekunde später drängte er seine Lippen wieder auf meine. Seine Hände wanderten unter mein Top, berührten sachte meine nackte Haut. Ich biss mir auf die Lippen und unterdrückte ein sehnsüchtiges Stöhnen.

Als er Anstalten machte, mich von dem lästigen Oberteil zu befreien, wartete er einen Moment, als würde ich protestieren. Doch das hatte ich gar nicht vor. Nicht im Geringsten. Ich wollte ihn so sehr, dass mein Verstand ausetzte, und ich nur noch daran denken konnte, von ihm berührt und eingenommen zu werden.

Dann, endlich zog er mir das Top vom Körper. Willig hob ich mein Becken, worauf Smilee lächelnd meinen Rock samt Slip von meinen Beinen strich. Prickende Gänsehaut breitete sich auf meine Haut aus, als ich nur noch im schwarzen Spitzen-BH vor ihm saß und er mich mit seinen flammenden Blicken verschlang. Kaum zu glauben wie erotisch es war, den Blick eines Jungen auf sich zu spüren. Vorsichtig hob er seinen Finger und strich damit vorsichtig über die Tintenstriche an meiner Hüfte.

"Ein Tattoo", sagte er leise. Seine Finger fuhren sachte über mein Blütenmotiv, welches beginnend von meiner Leiste südlich in meine Intimzone verschwand. Ich erschauerte unter seinen Berührungen und er hob seinen Blick. "Interessante Stelle", hauchte er.

Ich wusste kaum noch, worauf ich mich konzentrieren sollte. Auf seine Finger, die dem Tattoo folgten und mich verwöhnten oder auf seine Lippen, die eine brennende Spur von meinen Nacken bis zu meinen Schultern hinterließen, und die mich Sekunde für Sekunde mehr um den Verstand brachten.

Im nächsten Augenblick packten seine festen Hände meinen Po und nur eine Sekunde später lagen wir auf dem Bett. Er stützte seine Hände Rechts und Links neben meinen Kopf ab und er begann mich stürmisch zu küssen. Meine Hände strichen über seine Brust, zogen spielerisch an seinen Hemd, worauf er lachend von mir abließ, um es dann über sein Körper zu streifen. Und dann erblickte ich seinen makelosen Körper an dem kein Gramm Fett sondern nur Muskeln waren. Zärtlich zeichnete ich über seine Beckenmuskulatur hinunter zu seinen seinen Lenden und dann zu seiner Hose, um schlussendlich seinen Reisverschluss zu öffnen.

"Ich will dich", sagte ich mit pochenden Herzen und wilden Verlangen.

"Du hast mich", erwiderte Smilee in meine Augen schauend und befreite sich von seiner Hose. Achtlos landete auch seine Boxa auf den Boden. Ich lächelte und er erwiderte meinen Blick, bevor sich seine Lippen wieder auf meine legten. Es war unglaublich welches Empfinden mich durchströhmte, Lust, Glück und beißendes Verlangen. Ich schloss meine Augen und stöhnte, als ich seine Erregung an meiner Öffnung spürte.

Ich hob meine Beine an, spürte seine Küsse an meinen Nacken, seine schweren Atemzüge, seine Hände überall an meinen brennenden Körper, während er langsam und vorsichtig in mich eindrang und mich vor Lust aufkeuchen lies.

"Alles in Ordnung?", fragte er besorgt und hielt inne, als er mich komplett eingenommen hatte.

Mit geschlossenen Augen nickte ich, entspannte mich und ließ meinen Kopf auf den weichen Kissen fallen. Nur eine Sekunde später, spürte ich seine sanften Lippen auf meine und ich erwiderte den Kuss automatisch, schlang meine Arme um seinen Nacken, während seine Stoße etwas an Stärke und Grobheit gewannen. Mir entkam ein zufriedener Seufzer. Es fühlte sich so verdammt gut an. Einfach alles, seine Berührungen, sein starker Körper auf meinen, seine Hand auf meiner Brust, seine Lippen, die sich auf meinem Hals legten. Es war einfach perfekt und es machte mich wahnsinnig.

In mir zog sich ein spürbares Gefühl des unbändigen Verlangens zusammen. Smilees Atemzüge gingen stockend und angespannt, während seine Stoße immer einnehmender und fester wurden. Ich spürte, wie nahe ich am Höhepunkt war und wie sehr ich ihn mir herbei wünschte. Doch im nächsten Augenblick wurde ich auf seinen Schoß gezogen, er küsste mich und raubte mir den letzten Rest meines Verstandes. Mit seinen Händen drückte er mein Becken gegen seines, sodass er noch tiefer eindringen konnte. Wieder und wieder wurde mein Becken von einen heftigen Beben erfasst. Ich drückte meinen Rücken durch, krallte meine Hände in seinen Haaren und schrie meine angestaute Lust raus und spürte augenblicklich seine harten Lippen auf meine.

Keine Ahnung, wie lange wir uns den Kuss hingaben. Meine Sinne waren vollkommen benebelt. Was ich spürte, waren seine Hände auf meinen Rücken, unsere Körper schweißgebadet aneinander gepresst und die vollkommene Befriedigung.

Als wir den uns voneinander lösten blickten wir uns atemlos in die Augen. In seinen Augen war genau das zu lesen, was ich fühlte. Wir beide waren glücklich.

"Du bist wunderschön", hauchte er und strich mir eine verschwitzte Strähne aus den Gesicht. Ein Lächeln formten seine weichen Lippen.

Ich legte meine Stirn an seine, schloss meine Augen und lächelte seelig. Heute war es in der Tat ein Märchen!






Tessa Ross


Mein Gemütszustand als nervös zu bezeichnen wäre mittlerweile eine glatte Untertreibung gewesen. Als ich mit dem jungen Mann durch die Straßen ging, spürte ich, wie Panik sich meiner bemächtigte. Hilflos rasten meine Gedanken, als versuchten sie zu begreifen, wie ich in solch eine gefährliche Lage geraten konnte - und wir um Himmels willen ich da wieder herauskommen sollte.

"Okay", meinte ich schließlich. "Ist ja echt hübsch hier, aber n'bisschen gruselig. Bist du sicher, dass das eine Abkürzung ist?"

Doch der Junge schwieg immer noch. Ich war mir nicht sicher, aber mein Instinkt warnte mich, dass dies womöglich nicht der kürzeste Weg zu Eisdiele war. Und als mein Begleiter plötzlich stehen blieb, sah ich, dass wir uns vor einer alten Lagerhalle befanden.

Verwirrt starrte ich auf den verfallenen Eingang. Vor mir gähnte ein düsteres schwarzes Loch. Ich verspürte einen unbändigen Drang, mich umzudrehen und einfach davonzulaufen. Aber meine Hand wurde noch immer von der des jungen Mannes fest umklammert.

"Hey", sagte er. "Bist du jemals in so einem Ding drin gewesen?"

Ich versuchte, mir das Zittern in meiner Stimme nicht anmerken zu lassen. "Nein, und das brauche ich auch nicht"

Doch nun näherte er sich mir und strich mir das Haar vom Hals. Er umarmte mich und drückte mich an sich, viel enger, als das ich es wollte.

"Nun komm schon", lockte er mich mit zärtlicher Stimme. "Wovor hast du Angst?"

Und dann schob er mich durch den Eingang.

Starr vor Schreck stolperte ich hinein. Ich konnte nichts sehen und blinzelte wild, als ich versuchte, meine Augen an die Dunkelheit zu gwöhnen. Nach ein paar qualvollen Sekunden konnte ich einen großen Raum mit gemauerten Wänden erkennen. Eine riesige Treppe rakte am Ende in den zweiten Stock. Hinter mir war die Tür, durch die wir gekommen waren; vor mir sah ich eine wesentlich kleinere Eisentür, die fest verriegelt zu sein schien.

Ich fuhr herum. Nun konnte ich meinen Begleiter erkennen, dessen Silhouette den Eingang zum Lagerhaus ausfüllte und mir den Fluchtweg versperrte. Ich spürte meinen Herzschlag in meinen Ohren pochen.


"Das war nicht besonders witzig." Ich versuchte ruhig und beherrscht zu klingen, aber meine Stimme verriet, dass ich kurz davor war, in Tränen auszubrechen.

Der Junge antwortete nicht. Stattdessen trat er näher. Sein Gesicht lag im Schatten. Ich wich im Halbkreis vor ihm zurück und versuchte näher zur Tür zu gelangen.

"Ich glaube, ich gehe jetzt", sagte ich zu ihm.

"Glaubst du das wirklich?"

Seine Stimme klang nicht mehr zärtlich. Ich hörte die Drohung heraus und machte instinktiv einen Schritt zurück, dann noch einen. Und dann wirbelte ich herum und schrie auf, als ich geradewegs jemanden in die Arme lief.

Vor Schreck hob ich meinen Kopf und schreckte zurück. Der Mann sah noch gemeiner aus als Dale, und seine Augen waren mich fanden, umspielte ein boshaftes Lächeln seine Lippen.

"Sie ist es?", fragte er und blickte meinen Begleiter an.

"Ja" Die Stimme des Jungen klang, als sei er skeptisch. "Sie scheint sein Interesse geweckt zu haben"

"Hm, ich dachte sein Geschmack wäre stilvoller", bemängelte er und schritt lässig die Stufen hinunter in die Raum.

Keine Ahnung, von wem sie sprachen, aber über eines war ich mir ziemlich bewusst. Ich musste hier verschwinden. Sonst würde meine Leiche bald ein Bestandteil dieses Lagerhauses sein. Vorsichtig trat ich einen Schritt zurück, näher zu Tür.

"Du wirst nirgendwohin gehen", teilte der größere mit.

"Lass mich in Ruhe" Ich wollte meine Stimme drohend klingen lassen, doch der Mann kam so schnell auf mich zu, dass ich nicht einmal die Zeit hatte, zurückzuweichen.

"Du gehst nirgendwohin", wiederholte er eindringlich. "Wir haben nämlich einiges mit dir vor, Tessa!"

Als er meinen Namen ausspie, stieß er sein Gesicht in meine Richtung. Und vor meinen entsetzten Augen, holte er ein scharfes, glänzendes Messer aus seinen Gürtel und hielt es gefährlich nahe an meinen Gesicht. Fast berührte die Spitze meine Wange.

Ich schrie auf. Stolperte rückwärts und fiel. Wir durch einen Nebenschleier sah ich Dale, der nun lachte und mich langsam umkreisste. Sein Gesicht war das eine Raubtieres, seine Züge so scheusslich und grausam.

Ich wusste, dass ich sterben würde. Ich sah mich vor den Männern in die Enge getrieben, ihre Messer schwänkten sie spielerisch in meine Richtung, finstere Augen starrten auf mich hinab. Und als ich plötzlich hinter mir eine Stimme ertönte, glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen.

"Na, das ist ja eine nette Versammlung hier", sagte die Stimme.

Hector betrat das Lagerhaus.

Alle blieben wie erstarrt stehen.

"Vielleicht ein kleines bisschen ungemütlich", bemerkte er und fuhr mit einer Hand über das staubige Gelände. "Aber mit einem Spritzer Farbe und ein paar alten Sofakissen könnte man es richtig gemütlich herrichten"

"Hector!", knurrte Dale.

"Dale mein Freund", sagte Hector mit sonniger Stimme. "Schön dich zu sehen. Aber wie ich sehe.." Er deutete in meine Richtung und sagte: "Haben sich deine Angewohnheiten nicht geändert. Ach und dass mein Boss sehr ungehalten ist wegen dir, ist dir bestimmt klar, oder?"

Von dieser unerwarteten Wendung der Dinge überrumpelt, lösten die Männer langsam meinen Griff, mit dem sie mich umklammert hielten.

"Steven, wir sollten gehen", soufflierte Dale, aber sein Freund hatte sich inzwischen ein wenig von seiner Überraschung erholt zu haben

"Noch nicht!", fauchter er.

Hectors Lachen klang in meinen Ohren triumphierend.

"Tja, wir können es auf die harte Tour abziehen oder....also, ehrlich gesagt, es gibt nur die harte Tour"

Steven wich nicht vom Fleck. "Für mich okay"

"Bist du sicher?", beharrte Hector. "Das wird nicht besonders nett. Wir reden hier von Gewalt, und es ist absolut nicht jugendfrei"

Während er noch sprach, griff Dale ihn mit blitzartiger Geschwindigkeit von hinten an. Ich wollte gerade meinen Mund öffnen, um meinen Retter  zu warnen, doch mit einer einzigen schwunvollen Bewegung riss Hector ein Messer unter seiner Jacke hervor und stieß ihn nach hinten. Es gab einen gedämpften Lauf, als der Mann sich aufgespießt wurde.

Er blieb mit vor Überraschung geweiteten Augen stehen, dann stürzte er zu Boden und hustete permanent Blut.

Hector sah ihn nicht einmal hin, als sein Leben zu Ende ging.

"Da siehst du mal wieder, was einem alles passieren kann, wenn man mich proviziert", sagte Hector zu Steven.

Mir hatte es die Sprache verschlagen. Ich konnte nur noch auf Boden schauen, wo ein lebloser Körper lag.

Steven hingegen hatte wachsam die Augen aufgerissen, war aber keineswegs eingeschüchtert. Langsam schlich er um Hector herum und bereitete sich auf den Kampf vor.

"Er war ein Freund von euch," sagte er verächtlich.

"Bis er uns verraten hat", erwiderte Hector mit einen Achselzucken. "Und nun hat er seine Schuld beglichen"

Ohne Vorwarnung warf sich Steven auf Hector. Hector stellte sich ihm entgegen und parierte Stevens Schläge mit der Präzision eines erfahrenen Kämpfers, während ich mich an die Wand kauerte und versuchte Luft zu durch meine Lungen zu bekommen.

Doch der Kampf dauerte kaum 5 Minuten. Hector wehrte jeden Schlag von Steven ab, bis dieser vor Anstrenung ins Schwanken kam. Das war der Moment, wo Hector seinen Kopf in seine Hände nahm; ich meine Augen von den Geschehen abwendete und eine Sekunde später ein verdächtiges Knacken erklang. Ohne zu Zögern hatte Hector Steven das Genick gebrochen.

"Tessa?"

Zögernd hob ich meinen Kopf und blickte in Hectors besorgten Augen. Er war vor mir in die Hocke gegangen und seine Hand hob sich, um meine Wange zu berühren.

"Alles in Ordnung? Haben sie dir weh getan?"

Das ich weinte, bemerkte ich erst, als Hector sanft eine Träne von meiner Wange strich. Langsan schüttelte ich den Kopf.

"Nein", jappste ich und senkte meinen Blick vor Scharm. Ich wollte nicht weinen. Ich wollte keineswegs schwach vor Hector erscheinen. Doch ein Schluchzer und das Beben meines Körpers verriet mich.

"Hey" Seine Hand umschluss mein Kinn und ich war gezwungen ihm in die Augen zu schauen. Er lächelte gezwungen. "Komm. Ich bring dich nach Hause"






Smilee


"Weisst du wann ich wirklich glücklich bin?", sagte Lilith abwesend, während ihr Finger sachte über meine Brust fuhren. "Um 8 Uhr morgens"

Sie blickte auf und ich schenkte ihr ein sanftes Lächeln, während meine Finger sanft durch ihre Haaren streichelten.

"Dann beginnt mein Morgen", erklärte sie "Ich wache auf und die Sonne scheint zum Fenster auf mein Gesicht. Das ist der Moment wo ich mich befreiend fühle und mich auf den Tag freuen kann. Manchmal bleibe ich noch extra länger im Bett, schaue aus den Fenster und sehe den Vögel beim fliegen zu und erst dann bin ich wirklich zufrieden"

Sie legte ihren Kopf wieder auf meine Brust und ein kleines Lachen kam über ihre Lippen. "Verrückt oder?"

"Nein", sagte ich sanft "Ich verstehe das"

Plötzlich setzte sie sich etwas auf und lächelte mich freudig an. "Willst du ein Wein?"

"Wein? Klar, wenn du auch ein willst?"

"Schön" Nun stand sie auf und suchte auf den Boden nach ihren Kleidern. Dann hob sie ein Hemd - Mein Hemd - auf und grinste mich sündhaft an.

"Du kannst es haben", lachte ich und schon zog sie es sich über und eilte aus den Zimmer.

Grinsend entspannte ich mich in die weichen Kissen.

Später würde mich an diesen Abend, als einer der schönsten Abende meines Lebens erinnern. An einem Abend, an dem alles perfekt war und ich das Mädchen traf, das mich verzauberte. Schon bei der Begegnung in der Gasse erstaunte sie mich, obgleich ihrer scharfen Zunge, ihrer überaschend sanften Persönlichkeit oder wegen ihrer aufgeschlossenen Art. Von Sekunde zu Sekunde schien ich sie mehr zu mögen, schien ich von ihr angezogen zu werden, doch bei der ersten Berührung unserer Lippen war es um mich geschehen. Sie war mit Abstand das unglaublichste Mädchen, was ich jeh begegnet war. Ihr Lächeln war so warm und einladend und doch so frech und gefährlich. Ihre Augen waren so blau, strahlten eine gewisse Erfahrung aus, die ich gerne zu erforschen versuchte. Ihre blonden Haare waren wie Honig, und fühlten sich weich auf meiner Schulter an. Doch auch wenn ihr Äußeres wunderschön und kaum mit anderen (Auch mit Jane) zu vergleichen war, war es doch ihr Charakter der mich auf eine seltsame Art und Weise berührte. Sie war ein kluges Mädchen, was genau wusste, was sie wollte. Sie war berechnend, auf eine positive Art, stark und ausdauernd und sie war gefühlvoll und ehrlich.

Die Tür ging auf und Lilith kam mit einer Flasche Wein und zwei Gläser rein. Elegant schloss sie die Tür mit ihren Bein und sprang nur eine Sekunde später auf das Bett.

"Also", begann sie fröhlich, während sie die rote Flüssigkeit in ein Glas schenkte und es mir gab. "Hattest du schon Sex mit Jane?"

Ihre Frage verblüffte mich, weshalb ich eine Sekunde lang sprachlos war.

"Ähm..." Ich räusperte mich und schüttelte den Kopf. "Nein"

"Würdest du gerne?", fragte sie und nippte an ihren Glas. Ihre Augen dabei unverwandt auf mich gerichtet.

Ich seufzte und kratzte mir am Kopf.

"Ja... eigentlich schon. Aber ich hab deswegen keine schlaflosen Nächte.Viel lieber würde ich sie gerne als Freundin haben, als eine Person, die mich liebt und die Tag und Nacht bei mir ist. Die erste, die ich sehe wenn ich aufwache und die letzte bevor ich einschlafe. Naja, diesen ganzen ausgelutschten, kitschigen Zeug eben, wie du ja findest"

Sie lachte aber sie nickte. Dann sagte sie lächelnd: "Die Schlampe und der Einsame", was mich für einen Moment nachdenken ließ.

War ich einsam ohne Jane? Momentan fühlte mich alles andere als einsam.

Bevor ich aber eine Antwort auf meine Frage finden konnte, konzentrierte ich mich auf das Mädchen neben mir. Sie stellte ihr Glas auf den Boden und legte sich zurück in die Kissen. Rasch folgte ich ihr.

"Alles was cool war, ist aus der Welt verschwunden", sagte sie und schaute aus den Fenster. Ein Hauch von Bedauern schwankte in ihrer sonst so ironischen Stimme. "Noch bevor wir auf die Welt gekommen sind. Auch Sex und Beziehungen sind bedeutungslos. Alles ist so schön sicher und für jedermann bequem. Homogenisiert. Die Onlineprofiele reduzieren deine Persönlichkeit auf eine passende Formel für genauere Datingauswahl."

Sie richtete ihre traurigen Augen auf mich und sagte: "Oder nicht? Was ist dein Lieblingsfilm? Was ist deine Lieblingsmusik und schwupp ein Klick genügt und unser Traum wird wahr genau den zu vögeln, der exakt so ist wie wir. Und dann wird geheiratet, es kommen zweieinhalb Kinder und alle unsere schönen Familienbilder posten wir auf Facebook und Twitter" Sie spuckte die Wörter förmlich aus.


Wie Recht sie doch hat, ging es mir durch den Kopf, während ich sie genau beobachtete und ihr aufmerksam zuhörte.

Sie schüttelte frustriert den Kopf. "Man sollte seinen Seelenverwandten auf die altmodische Art finden. Was weiß ich? In einer Bar!"

"Was ist mit einer dunklen Gasse?", fragte ich sie leise. "In der ein Verrückter Selbstgespräche führt"

Lilith sah mich an und holte tief Luft. Schien zu überlegen, bis ihre Augen plötzlich auf meine Hand abschweiften.

"Gib mir deine Hand", sagte sie sanft, während sie ihre Hand selbst hob.

Vorsichtig gab ich ihr meine Hand und sie verschränkte sie ineinander. Ich lenkte meine Augen von ihrem Gesicht auf unsere Hände und es war ein schönes Gefühl ihre Hand zu halten. Es erfüllte mein Herz mit Wärme.

"Und welche bin ich?", fragte sie und zog meine Aufmerksamkeit wieder auf sich. Ihre Augen schimmerten leicht. "Die Schlampe oder die Einsame?"

Ein Lächeln umspielte meine Lippen. "Ich habe noch nie jemanden wie dich getroffen", sagte ich und meinte es auch so. Sie war etwas ganz Besonderes in meinen Augen.

"Eine ziemlich gute Antwort", erwiderte sie lächelnd.

Wir schauten Sekunden lang einander in die Augen, ohne etwas zu sagen. Ich würde sie auch Stunden lang anschauen können, ohne das es mich langweilen würde. Auch Tage, sogar Monate, ohne dass es mein Desinteressse an ihr wecken würde. Sie war einfach so wunderschön, das es mir die Sprache verschlug und auch wenn ich sie hier nach vermutlich nie wiedersehen würde, würde ich sie immer als das Mädchen mit den zauberhaften, blauen Augen, den schrägen Sarkasmus und den Tattoo in Erinnerung behalten.






Hector


"Was? Dale und Steven?"

Bei den lauten Schrei von Ethan hielt ich das Handy etwas von meinen Ohr entfernt und verdrehte die Augen.

Während Tessa an meinen Auto wartete, um sich etwas von den Gegebenheiten zu beruhigen, rief ich Ethan an, um ihm von Steven und Dale und deren Ende zu berichten. Es war aber auch zu erwarten, dass Ethan bei den Namen von Steven in Rage geriet. Steven war nämlich der Kontrahent Nummer eins von Ethan, obgleich es wegen der vergleichbaren Stärke der beiden oder an dem Ansehen in der Gesellschaft war, den beide in großen Zügen genießen durften.

Inzwischen sollte das aber Vergangenheit sein.

"Reg dich ab, Ethan. Beide sind tot"

"Und die Leichen?"

Ich seufzte und hörte selbst wie genervt es klang.

"Unsere Leute sollen sich darum kümmern. Erledigst du die Anrufe? Ich bringe Tessa jetzt nach Hause"

"Das Mädchen von der Feier?"

"Ja", sagte ich, während ich einen Blick auf meinen Wagen erhaschte. Tessa zog sich gerade meine Jacke enger um den Körper zusammen und schaute prüfend durch die Gegend umher. Ihr Ausdruck drückte Sorge und Angst aus.

Ich zwang mich den Blick von dem Mädchen abzuwenden und presste die Kiefer zusammen.

"Hör zu Ethan. Es gibt noch etwas.." Ich senkte meine Stimme: "Dales und Stevens Zusammenarbeit war bestimmt kein Zufall. Beide wurden von der Nosa Costra ausgestoßen, also glaube ich-"

"Dass sie etwas im Schilde führten?"

"Ja, genau", stimmte ich zu und meine Miene wurde düster.

Es war kein Geheimnis das Dale und Steven ein Dorn im Auge von Charles waren. Mein Boss war genauso grausam wie geduldig, wenn es darum ging, die beiden um die Welt zu jagen. Er würde auf keinen Fall aufgeben, sie zu finden und sie das büßen zu lassen, was sie verdienten. Also war es nur allzu verständlich, das Steven und Dale versuchten irgendwie aus der Misäre rauszukommen. Auch wenn es bedeutete, selbst dem Teufel zu vernichten.

"Und wenn das der Fall war, brauchen wir dringend Information. Welches Ziel sie verfolgten! Wo ihr Versteck war! Wer noch alles dahinter steckte! Und wir sollten Charles und Lilith darüber informieren!"

"Verstanden!"

Ich verabschiedete mich von Ethan, der sich gleich an die Arbeit machen wollte, entspannte mich etwas und spazierte dann zu Tessa.

"Tessa?"

Als ich ihren Namen rief, blickte sie vom Boden auf. Sie sah sehr müde aus und auch erschöpft und wer würde es ihr auch verübeln? Sie war Opfer zweier Gewaltverbrecher geworden, die für ihre grausamen Taten durchaus bekannt waren. Jedenfalls in meinen Umfeld.

Ich blieb vor ihr stehen und senkte meinen Kopf, um sie besser anzuschauen.

"Alles in Ordnung?"

"Ja" Sie wich meinen Blick aus und atmete tief durch. "Ich würde gerne nach Hause!"

"Natürlich"

Vorsichtig führte ich sie zur Beifahrerseite, öffnete die Tür und sie stieg leise murmelnd ein. Als ich das Auto umrundere, warf ich ein letzten, forschenden Blick durch die Gegend aber niemand war zu sehen. Was ich am allerwenigsten brauchte, waren nun Verfolger, die Tessa gefährlich werden konnten. Ich seufzte und stieg ein.

~

Ich drückte das Gaspedal bis zum Anschlag durch und fegte über die Kreuzung, als die Ampel gerade auf Rot schaltete. Gleichzeitig überprüfte ich im Rückspiegel ob uns jemand auf den Fersen war. Es war schon langsam der Morgen angebrochen und wer ahnte schon, wer sich um diese Zeit noch auf den Straßen aufhielt. In den Jahren bei Charles LaCruze lernte ich immer vorsichtig zu sein und auf meine Instinkte zu vertrauen. Wenn ich das Gefühl hatte, jemand würde mich verfolgen, reagierte ich, wo noch andere Zweifeln würden. Wenn mir jemand nicht vertrauenswürdig war, würde ich nach Spuren suchen bis ich etwas fand, was mich entweder beruhigte oder mich bestätigte. Ich war nicht paranoid, aber auch keineswegs naiv.

Ich riss das Lenkrad herum, als Tessa das Schweigen durchbrach.

"Ich habe ein paar Fragen"

Ich lächelte in den Seitenspiegel. "Dachte ich mir schon!"

Und es nervte mich. Welche Antworten sollte ich ihr geben?

Sie winkelte ihre Beine an und drehte sich etwas auf den Sitz. Ich spürte ihren festen Blick auf mich, doch ich schaute geradewegs auf die Straße.

"Wer waren diese Männer?"

"Steven Harris und Dale Haward!", kam es aufrichtig über meine Lippen.

Ich legte den nächsten Gang ein und beschleunigte das Tempo. Umso schneller Tessa Zuhause war, desto schneller würde diese Fragerei aufhören.

"Okay" Sie biss sich auf die Lippen und nickte. Dann sagte sie, als wäre es ihr gerade eingefallen. "Du hast gesagt, sie würden deinen Boss verraten haben. Wie meintest du das?"

"Sie haben-" Ich verstummte und runzelte die Stirn. "Sie sind vom Weg abgekommen und haben sich gegen die Gerechtigkeit entschieden"

Es war das einzig Logische was mir in den Sinn kam.

"Sie waren bei der Polizei?"

"Drogendezernat", ergänzte ich promt. Wenigstens war das nur eine halbe Lüge, denn Steven und Dale kümmerten sich um die Lieferung und die Geschäfte der Drogen. Sie beschafften kolumbianisches Gras und verteilten sie unter den Kunden. Ein sehr fließendes und bedeutendes Geshäft.

"Okay. Und was haben sie getan?"

"Sie haben Beweise einbehalten. Als wir ihnen auf die Schliche gekommen sind, haben sie Kameraden auf übelste Weise zugerichtet"

Wieder die Wahrheit. Ich war erstaunt zu welcher Perspektive ich es verdrehen konnte. Innerlich musste ich lächeln.

"Übelste Weise?"

"Sie haben ein reinstes Blutbad hinterlassen. Geld aus den Tresor gestohlen und sind verschwunden. Seitdem suchen wir sie!"

Ich drehte meinen Kopf zur Seite und lächelte sie mitfühlend an.

"Ich wünschte nur, ich hätte sie unter anderen Umständen bekommen"

Tessa erwiderte mein Lächeln und richtete ihren Blick auf die Straße. "Wow..." Sie stieß einen erleichterten Seufzer aus "Also bist du ein Cop?"

"Sozusagen"

"Das eklärt auf jeden Fall deine-" Sie fuchtelte mit ihren Händen rum, als würde sie eine chinesische Kampfhaltung annehmen. Dann grinste sie mich an.

"Sehr beeindruckend"

Ich lachte.

Schon seit den Kindertagen lernte ich das Kampftraining. Einst von meinem Vater, der aber an meinen 12 Geburtstag verstarb und dann von Charles, der mich großzügigerweise in seine Reihen aufnahm. Schon bald wurde ich sein bester Schüler, weswegen er mich in seinen engsten Kreis aufnahm, und mir das Leben seiner Tochter anvertraute. Damals war Lilith 16 und fast noch ein Kind. Aber ich brauchte mich niemals zu beschweren. Charles bot mir ein Leben an, in dem mich frei entfalten konnte. Ich konnte meine Stärke unter Beweis stellen und wurde immer für meine Erfolge belohnt.

"Bist du okay?", fragte ich Tessa, als sie benommen und ruhig aus den Fenster schaute.

Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis sie antwortete.

"Ich glaube schon", sagte sie mit einen traurigen Schulterzucken "Es war schon sehr schockierend aber Gott sei Dank ist alles gut gegangen. Danke Hector und danke für deine Mühe"

Unsere Blicke trafen sich und wir lächelten einander an.

"Keine Ursache"

~

Die Motorgeräusche erstarben, während mein Wagen an einer unscheinbaren, kaum beleuchtenden Werkstatt in einer dreckigen Gasse zum Halten kam. Links und rechts standen halb aufgebaute Karossen mit ausgeblichenen Farben herum. Eine kleine Durchgangstür prankte neben den großen Tor, was von einem Metallgitter beschützt wurde.

"Da wohne ich", sagte Tessa und zeigte lächelnd aus dem Fenster.

Ich zog den Schlüssel aus der Zündung, legte den Gang raus und öffnete die Tür. Die Temperaturen für den Sommer waren ungewöhnlich frostig.

"Weiß dein Vater Bescheid über den Vorfall?", fragte ich, während ich aus stieg.

Tessa lachte spöttisch auf und sah mich über das Autodach an.

"Um Himmels Willen, nein!", sagte sie grinsend "Bei meinem Glück würde er mich einsperren und erst dann wieder raus lassen, wenn ich Rente bekomme"

Dann legte sie sich ein Finger ans Kinn dachte für eine Sekunde nach. "Obwohl..."

"Ein besorgter Vater also?", stellte ich fragend fest.

"Maßlose Untertreibung!", lächelte sie mich an.

Ihr Lächeln was so sanft und rein war, rührte etwas in meinem Herzen. Für einen winzigen Moment raubte es mir die Luft zum Atmen ließ mich etwas warmes in meinen Inneren fühlen. Waren es nur ihre Augen? Ihre Reeaugen die so unschuldig waren? Oder war es ihr Lächeln, was so friedvoll und harmonisch auf mich wirkte.

Ich schüttelte den Kopf und zwang mich um Konzentration.

Seite an Seite spazierten wir den steinigen Bordstein entlang, hinauf zu der kleinen Tür.

Dann drehte sie sich um.

"Danke für den Abend", brachte sie nervös über die Lippen. "Also, ich meine....abgesehen von Steven und Dale war es ein schöner Abend."

Wieder brachte sie mich wegen ihrer naiven Scheu zum Lächeln. "Finde ich auch."

Und das war es durchaus. Obwohl es nur ein Abend sein sollte, an dem ich mich etwas gehen lassen konnte, etwas Spaß haben wollte....... So war es ein Abend, den ich lange Zeit in Erinnerung behalten durfte. Tessa war kein normales Mädchen, das stellte ich schon bei unserer ersten Begegnung fest. Sie war natürlich und rein. Sie strahlte etwas fröhliches aus, etwas ruhiges, was direkte Auswirkungen auf mein Herz hatte.

Dann fügte ich grinsend hinzu: "Das nächste Mal werden die Umstände bestimmt weniger gefährlich sein"

"Nächstes Mal?" Sie schaute in meine Augen und wurde Rot um die Nase "Werde ich dich also wiedersehen?"

Es kam nur flüsternd über ihre Lippen, doch es drückte ihre ganze Sehnsucht aus.

Langsam trat ich auf sie zu; Unsere Blicke ineinander verhangen, bis ich ihre Wärme an meinen Oberkörper spürte. Unsere Gesichter waren nur noch wenige Zentimeter voneinander getrennt und ich spürte deutlich ihren hastigen Atemzügen an meinen Nacken.

"Wenn du das möchtest?", wisperte ich lächelnd.

Ich legte meine Hand auf ihre Wange, und sie schmiegte sich genießend an meine warmen Finger. Ihre Augen schlossen sich flatternd.

"Ja....", flüsterte sie zurück, ohne ihre Augen zu öffnen "Liebend gern"

"Gut"

Dann neigte ich meinen Kopf, ganz langsam und vorsichtig. Tessa hielt den Atem an, hob ihren Kopf und überbrückte den Abstand zu meinen Lippen. Doch kurz bevor sich unsere Münder trafen, passierte es.

Unbewusst erhaschten meine Augen das kleine Schild an der Tür und meine Schultern versteiften sich.

>Expendables<

Tessa Ross? Barney Ross? Kopf der Expendables?

Nein!

Ich senkte meinen Kopf und wich den Kuss aus. Das war das einzig Richtige was ich tun konnte.

"Tut mir leid", sagte ich hauchend.

Verwirrt blinzelte Tessa mich an.

"Was?"

Dann schien sie zu begreifen und zog enttäuscht und traurig den Kopf ein. Wieder blinzelte sie, doch diesmal kämpfte sie mit den Tränen.

"Ich werde jetzt gehen. Wir-" Ich verzog das Gesicht voller Reue und drehte mich auf der Stelle um."Wir sehen uns"

Ich konnte sie nicht küssen. Unter keinen Umständen, durfte ich das Mädchen küssen, deren Vater zu unseren Feinden gehörte.

Es war falsch!

Ich stieg ins Auto; ignorierte schmerzhaft den Anblick von Tessa und fuhr unter quitschenden Reifen davon.
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