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The Beloved Devil

GeschichteThriller, Familie / P18 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Hale Caesar Hector
30.11.2013
20.05.2014
18
89.028
 
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30.11.2013 2.594
 
Kapitel 3: Den Neugierigen straft der Tod






Lilith LaCruze


"Zum tausendsten Mal, Ethan: Ich habe alles im Griff!"

Genervt legte ich mir eine Hand an die Stirn und schaute empor zum schwarzen, wolkenlosen Himmel, während um mich herum der leise Wind fröstelnd seine Spuren zeigte. Immer wieder seufzend ging ich in den großen Garten hinter unserem Haus auf und ab, lauschte der tempramentvollen, tiefen Stimme von Ethan, der mich schon zum zehnten Mal an diesem Abend anrief, um mir Druck zu machen.

Während ich um die Ecke unserer Garage schaute, um Stefan, der vor unserem Haus auf mich wartete, zu bewachen, sagte Ethan: "Lilith. Der Boss verlangt-"

"Mein Vater", berichtigte ich ihn schroff, wobei ich mich wieder zum Garten wandte und meine Stimme senkte, "verlangt nach dem Jungen und seiner Forschung. Wie ich sie zu ihm bringe, spielt keine Rolle!"

"Ich tue nur meine Arbeit."

"Und ich tue alles was in meiner gottverfluchten Macht steht, aber deine ständigen Kontrollanrufe bringen mich in keinster Weise weiter, Ethan. Halt dich einfach an den verdammten Plan und sieh endlich zu, dass du dich nützlich machst!"

Ich war es so Leid, ständig Rechenschaft abzulegen. Mich für jedes Vorgehen - wo, wann und wie-, zu verteidigen. Wenn Vater nicht schon bald mehr Vertrauen in mich stecken und nicht permanent seine Hunde auf mich ansetzen würde, würde ich ein ernstes Wort mit ihm sprechen, und ihm klar machen, dass ohne meine Hilfe seine Geschäfte nicht einmal ansatzweise so reibungslos verlaufen würden.

Ich war schließlich seine Rechte Hand. Diejenige, die alles überprüft und falls Komplikationen entstehen, diese auch aus der Welt schafft.

"Wie du wünscht", sagte Ethan nach einer langen Stille.

Ich klappte das Handy zu, unterdrückte einen vor Wut erstickten Schrei und ging wieder zu Stefan.






Der Tag mit Stefan war genauso, wie in meinen Erwartungen. Nach der Schule verbrachten wir den halben Tag in einem Café, aßen Eis, lernten, und sprachen über so einige Dinge. Zum Beispiel erzählte mir Stefan, dass seine Eltern ihm in allem unterstützten und sie sehr stolz auf ihren Sohn waren. Auch sprach er darüber, wie unbeliebt er durch seine strebsamen Leistungen und das ehrgeizige Zielen war. Er hatte keine Freunde, aber das störte ihn keineswegs. Er lebte für seine Ziele und um diese zu erreichen, würde er alles im Kauf nehmen. Schon bemerkenswert, dachte ich während der Unterhaltung. In der heutigen Zeit war ein hohes gesellschaftliches Ansehen, auch wenn es meist durch Lügen und Intrigen hervorgerufen wurde, für ziemlichen jeden sehr bedeutend. Umso erstaunlicher war es, dass der Junge genau darauf keinen Wert legte. Er lebte nach seinen eigenen Vorstellungen, ohne Zwang und ohne Einfluss. Aber noch erstaunlicher war es, dass er genau durch diese Einstellungen und durch diese Lebensweise etwas erschuf, was den Menschen, die ihm keine Beachtung schenkten, das Leben nehmen konnten.

Ich schob den Gedanken daran bei Seite und trat lächelnd auf den Jungen zu. "Hey entschuldige, Eltern können so was von nerven", sagte ich melodramatisch seufzend.

Stefan drehte sich um und begrüßte mich mit einen verwirrten Lächeln.

"Ich dachte deine Eltern wären gestorben?"

Ach Scheisse! Ich musste mich echt daran gewöhnen ein falsches Leben zu führen!

Ich legte den Kopf schief und grinste ihn verschwörerisch an. "Du hast dich informiert?", fragte ich.

Als der Junge mich nur entschuldigend anlächelte und seine Schultern sich verlegen hoben, lachte ich.

"Okay ertappt", sagte ich und trat einen gezielten Schritt auf ihn zu. "Das war mein Ex. Er kommt über unsere Trennung nicht hinweg. Naja, was soll's."

Es war schon beinahe seltsam, wie schnell die Stimmung des Jungen sich veränderte. Seufzend sackten seine Schultern nach vorne und auf seinen Ausdruck zeigte sich eine Spur aus Trauer und Unbehagen, während er nervös auf den Boden blickte.

Stirn runzelnd dachte ich darüber nach, ihn darauf anzusprechen, aber weder hatte ich damit Erfahrungen eine echte Freundin zu sein, noch hatte ich den Drang und die Lust dazu. Im Grunde war der Junge mir egal und sobald die Sache abgeschlossen war, würde ich ihm niemals wieder unter die Augen treten.

"Ja...Kann ich verstehen", hörte ich den Jungen flüstern, worauf ich fragend die Augenbrauen zusammen zog.

"Bitte?"

Der Blick des Jungen hob sich und durch den Schein des Mondes, das strahlend auf sein Gesicht schien, war das Weiß in seinen trüben Augen beinahe schon fesselnd. So jung, dachte ich, und schon so verflucht.

"Ich kenn dich zwar erst seit heute, aber du scheinst ein besonderes Mädchen zu sein", sagte er abwesend, als er mein Gesicht Zentimeter für Zentimeter genau betrachtete. Seine Lippen verzogen sich zu einen nervösen Lächeln, dann sagte er flüsternd: "Du bist wunderschön, klug und witzig und charmant. Ich habe noch nie jemanden wie dich getroffen. Du.."

Seine Hand hob sich an mein Gesicht und seine Finger berührten ganz sachte meine Wange. Beinahe wäre ich vor Entsetzen nach hinten gesprungen, weil solche Berührungen mich schon immer abschreckten. Doch ich atmete tief durch und schloss meine Augen, in dem Wissen, das gleich alles vorbei war.

"Du bist wirklich etwas besonderes", hörte ich ihn sagen.

Ich konnte kaum behaupten, dass seine Worte mich kalt ließen. Aber sie erwärmten mich auch nicht. Natürlich war es immer schön, solche Komplimente zu bekommen. Sie schmeichelten einen und ließen einen begehrenswert fühlen, aber solche Gefühle waren belanglos, und sorgten zudem für Schwäche. Schon in meiner Jugend schwor ich der Liebe und den Zärtlichkeiten ab und versteifte mich auf ein Leben, als unabhängige und starke Frau.

"Ich-" Ich presste meine Lippen zusammen und schüttelte den Kopf.

Ich sollte ihm keine Hoffnung machen!

Da öffnete ich meine Augen und verstummte prompt, als mein Blick über seine Schulter fiel. Hector stand an der Straße und beobachtete uns. Nein! Kein Beobachten nur das Warten auf mein Zeichen.

"Du ahnst gar nicht wie besonders..."

Stefan blickte in meine Augen, erstaunt wie ernst ich plötzlich klang

"Was?"

"Besonders tödlich würde ich eher behaupten", kam Hectors Stimme immer näher. "Von der einen Sekunde auf die andere, kann sie dir das Licht ausknipsen."

Stefan drehte sich um, und ich nahm die Sekunde dazu, um mit Hector einen bedeutenden Blick auszutauschen.

Beide wussten wir, dass es Zeit für ihn war!

"Wer sind Sie?"

"Mein Name spielt keine Rolle", sagte Hector und winkte lässig mit der Hand ab. Besonnen fügte er hinzu: "Viel wichtiger ist in welcher tragischen Lage du dich befindest. Oder Lilith?"

Seine braunen Augen richteten sich auf mich und ich lächelte selbstgefällig. "Ganz richtig."

"Lilith?"

Stefans fassungsloser Blick traf mich. Sämtliche Gefühlsregungen zeigten sich auf seinem Gesicht. Schock, Verwirrung, Verzweiflung und Angst.

Ehe er sich versah verschwand mein Lächeln und wurde durch ein breites, verführerischen Grinsen ersetzt.

"Lilith LaCruze um präziser zu sein", ergänzte ich und verschränkte arrogant die Arme vor der Brust.

Stefan schüttelte sprachlos seinen Kopf. Dann weiteten sich seine Augen, sein Gesicht wurde bleich und sein Kiefer spannten sich an.

Ich lächelte zufrieden.

Ich kannte den Ausdruck besonders gut. Unzählige Male war ich ihm begegnet, als ich meinen Opfern vor ihren Tod sagte, wie mein Name war.

"Schockiert Schätzchen?", fragte ich spöttisch.

"Was? Warum? Wieso? Du hast mich angelogen?"

Panisch stolperte er zurück. Immer näher zu Hector.

"Aber nein", hielt ich fröhlich dagegen und folgte ihm. "Der Tag war trotz der bedauerlichen Wende wirklich schön, finde ich. Wir hatten Spaß, ich habe etwas gelernt. Wir haben sogar zusammen ein Eis gegessen." Das Letzte betonte ich besonders gut gelaunt, während ich grinsend und nickend zu Hector schaute, der sich Mühe gab, das Grinsen zu verbergen.

Seufzend wandte ich mich wieder zu dem Jungen, legte mir bedauernd eine Hand auf die Brust und sagte: "Für mich war der Tag super, vielen Dank Stefan, aber für dich.....Hat er jetzt ein Ende. Tut mir ausgesprochen Leid mein Schatz."

Dann gab ich das Zeichen und Hector schlug den Jungen bewusstlos zu Boden.






Smilee


"Da wären wir"

Voller Unbehagen war Tessa vor ein paar Stufen stehen geblieben, die zu dem Haus von Stefan Bricks führten. Es war von dicken Eichen umgeben, die es in noch größerer Dunkelheit tauchte, als es die Nacht sowieso schon tat. Ich konnte nur vage einen Schimmer von Glaslichter oder Kerzen am Eingang erkennen. Durch die hohen Bogenfenster drang nicht mal eine Ahnung von Licht nach draußen.

"Okay, ja dann..." Ich versuchte unbekümmert zu klingen. "Scheint alles ruhig zu sein"

"Was sonst?"

Ich drehte mich zu Tessa und sah auf sie herab. Sie hatte ihre Arme vor der Brust verschränkt und blickte mich herausfordernd an. Ich seufzte, weil ich ahnte, was die Geste bedeutete.

"Smilee! Ich will jetzt sofort wissen, was hier vor sich geht. Ihr alle macht so ein riesen Drama um den Jungen und seit ich dir von der Neuen erzählt habe, spinnst du vollkommen rum!"

Wütend fuchtelte sie mit den Händen herum und fügte in einem scharfen Ton hinzu: "Irgendwas ist hier im Busch, und ich will sofort wissen was!"

Für einen ewig dauernden Moment schaute ich sie einfach nur an. Ja, sie war wütend, mächtig wütend sogar, aber das änderte rein gar nichts an der Tatsache, dass sie keineswegs irgendetwas wissen durfte. Barney bat mich vor dem Aufbruch noch einmal ausführlich um mein Schweigen, und da er der Boss und der Vater von Tessa war, schuldete ich ihm diesen Gefallen.

Tief durchatmend drehte ich ihr den Rücken zu und stieg die Stufen zum Eingang hinauf.

"Steig ins Auto Tes", sagte ich müde, um eine weitere Auseinandersetzung zu entgehen.

"Hörst du-"

"Doch! Ich höre alles was du sagst, aber die Sache ist..."

Rastlos fuhr ich mir durch die braunen, kurzen Haare und holte tief Luft, um mich zu beruhigen. Es war sinnlos ihr diese Bürde aufzuerlegen, sie würde sich nur grundlos Sorgen machen und das konnten weder die Expendables, noch ich gebrauchen. Sie war nur eine Studentin, ein normales Mädchen, das von dem ganzen Grauen dieser Welt beschützt werden sollte. Ein letztes Mal drehte ich mich um, begegnete ihren ungeduldigen Blick und sagte gedämpft.

"Ich kann es dir einfach nicht sagen, Tes! Ich würde es gerne, aber weder habe ich die Erlaubnis von deinem Vater, noch fühle ich mich wohl bei der Sache."

"Ist es etwas Gefährliches?", hörte ich sie fragen. Sie versuchte locker und ruhig zu klingen, doch ihre Augen waren verdächtig weit aufgerissen.

Beinahe wollte ich sie besänftigen, ihr sagen, das alles in Ordnung sei. Aber aus meinem Mund kam eine ganz andere, warnende Stimme: "Sie sind gefährlich. Und zwar so sehr, dass wir deine Sicherheit in keinster Weise aufs Spiel setzen können."

Es war mein purer Ernst. Wie sonst sollte ich sie davon überzeugen, dass sie gefälligst ihre Finger davon lassen sollte. Tessa war vom Grund auf eine neugierige, wissensdurstige Person, die alles daran tat, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Ihr zu bedeuten, das jegliches Handeln ihrerseits eine Konsequenz mich sich ziehen konnte, war eine weise Entscheidung.

"Steig einfach in das Auto Tes. Ich komme gleich nach", sagte ich dann und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln.

"Versprochen?"

Mein Lächeln wurde breiter. "Versprochen!"

"Okay, bis dann"

Und sie machte sich auf den Weg zum Auto. Ich konnte den Anblick kaum ertragen. Sie sah so einsam und unverstanden aus. Um nicht länger hinsehen zu müssen, stieg ich die restlichen Stufen hoch und redete mir ein, dass es auf keinen Fall schlimmer werden konnte, als damals bei der Entführung eines kleinen Mädchens, dessen Verwandten sie ihres Geldes wegen in einen einsamen Bunker sperrten. 2 Monate lang saß sie dort fest, alleine, in einem stickigen, kalten, kleinen Raum, bis wir sie dann endlich fanden. Zwölf Jahre war sie, doch ihr Leben sollte nie wieder das sein, wie es einmal war.

Ich wollte gerade meine Hand auf die schwere Klinke legen, als mir erschreckenderweise auffiel, dass die Tür schon offen war. Gedämpftes Licht drang durch einen kleinen Spalt. Rasch warf ich einen Blick über meine Schulter, doch Tessa saß schon im Auto und beobachtete mich. Also zog ich meine Waffe und betrat vorsichtig das Haus. Für eine Sekunde dachte ich ein leises Knacken gehört zu haben, schenkte dem aber keine weitere Beachtung.  

Im Flur angekommen, richtete ich meine Waffe nach links und nach rechts, doch keiner war zu sehen. Aus der Ferne hörte ich den Fernseher laufen und ein verdächtig flackerndes Licht kam aus dem Wohnzimmer. Zuerst dachte ich, es käme aus dem Fernseher, doch als ich das Zimmer betrat, fiel mir das kaputte Licht auf der Anrichte auf.

"Hallo?", rief ich. "Stefan? Misses und Mister Bricks?"

Keine Antwort. Kein Lebenszeichen!

Ein kalter Schauer durchfuhr mich. Hier stimmte etwas nicht. Die Lichter waren angeschaltet, der Fernseher lief, sogar das Radio in der Küche summte fröhlich vor sich hin, doch keine Menschenseele war aufzufinden. Es war schlicht und einfach nicht richtig!

Ich schritt voran in das kleine, gemütliche Essenszimmer. Der Tisch war für drei Personen gedeckt, aber etwas war seltsam. An einem Platz stand ein kleines Päckchen, geschmückt mit einem blau glänzenden Papier und einer Schleife. Laut den Akten von Tessa war Stefan aber schon vor 5 Monaten 18 geworden. Warum also das Geschenk?

Ich umrundete den Tisch und griff nach dem Päckchen. Eine kleine Notiz war daran befestigt mit der Aufschrift Die Neugierigen straft der Tod

Und dann fiel es mir auf und meine Muskeln verkrampften sich schmerzhaft.

Das leise und unscheinbare Ticken wie von einer Uhr....Wie eine.....

"Oh Fuck!"

Schlagartig ließ ich das Päckchen fallen, sprang über den Tisch und rannte aus dem Zimmer. In meinen Gedanken konnte ich das widerliche Lachen der Nosa Costra hören, denen es auch sicher zu verdanken war, das Stefans Haus gleich in Schutt und Asche liegen würde.

Ich hechtete durch das Wohnzimmer, öffnete die Tür nach draußen und noch im Sprung, spürte ich den heißen, gefährlichen Zug an meinen Gliedern, als die Bombe hochging. Und dann flog ich....

Mein Körper wurde gute fünf Meter fort geschleudert, während das Haus zu einem einzigen Feuerball wurde und alles in sich verschlang. Mit einen Keuchen und leichten Verbrennung landete ich auf dem Bauch, direkt vor meinem Auto, woraus Tessa erschrocken auf mich zugestürmt kam.

"Oh mein Gott, Smilee", rief sie entsetzt und ließ sich neben mir zu Boden fallen. "Alles in Ordnung? Oh Gott, was war das?"

Ich konnte ihr keine Antwort geben. Meine Kopf dröhnte von der Explosion, meine Lungen drohten zu zerbersten und ihre Stimme drang nur aus der Ferne zu mir durch. Mit schmerzverzerrten Gesicht drehte ich mich auf den Rücken und holte ein paar Mal tief Luft.

"Smilee?" Ihren Worten folgte ein Schluchzer.

"Schon gut", keuchte ich und schloss meine Augen. Der Schmerz verebbte langsam und ich griff zu meinem Handy.

Während ich auf Barneys Stimme wartete, griff meine Hand zu der von Tessa und ich lächelte ihr nüchtern zu.

"Das wird schon wieder"

"Hallo?"

"Barney?"

Meine Stimme klang so erstickend, wie ich mich fühlte.

"Was ist los? Hast du den Jungen gefunden?"

"Nein"

Ich holte wieder Luft und meine Augen huschten zu dem Haus, was lichterloh in Flammen lag.

"Aber wir haben ein verdammt großes Problem"
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