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The Beloved Devil

GeschichteThriller, Familie / P18 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Hale Caesar Hector
30.11.2013
20.05.2014
18
89.028
 
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30.11.2013 3.758
 
Kapitel 1: Alles dient einem Zweck





Lilith LaCruze


"Verdammt, Vater!"

Meine Hand klatschte auf den großen, wunderschönen Mahagonitisch, an dem mein Vater gerade sein Abendessen verspeiste und mich keines Blickes würdigte.

"Nur einmal in meinem gottverdammten Leben würde ich auch gerne etwas normales erleben. Normale Menschen, normale Feiern und vor allem normalen Unterricht. Ein College, Vater."

Ich ignorierte, dass die gesamten Blicke seiner Geschäftspartner am Tisch auf mir ruhten, als würden mir Flügel wachsen. Bestimmt fragten sie sich, warum ich so respektlos zu meinen Vater war. Hm. Die grausame Wahrheit war ganz einfach, dass mein Benehmen weder ihn, noch mich großartig störte. Natürlich war ich an manchen Tagen auch in den Genuss gekommen, seinen Zorn zu spüren, aber dann wusste ich auch ganz genau, wann ich meine Klappe zu halten habe.

Und ganz im Gegenteil zu meinem Vater waren diese Menschen, die sich großspurig die >Handlanger des Bösen< nannten, nur ein winziges Licht, zudem, was mein Vater verkörperte. Denn mein Vater -der Bürgermeister von St. Spreengs und zugleich der Kopf der Nosa Costra war das
Hauptakteur in dem Geschäft der Kriminalität.

"Du bekommst Privatunterricht", bemerkte mein Vater unbeeindruckt, ohne von seinen Essen aufzuschauen.

Oh, wie ich das hasste!

Zwar war Charles LaCruze niemals ein besorgter oder liebevoller Vater, geschweige denn Person gewesen, aber seine rigorose Abneigung der zivilisierten Bevölkerung und ihr gewöhnlicher Alltag, ging mir so dermaßen gegen den Strich.

Von klein auf lehnte er es grundsätzlich ab, meine kleine Schwester Elaine und mich auf eine - in seinen Worten primitive- Schule zu schicken. Und so war es gang und gäbe für uns, jeden Tag eine fremde Person zu sehen, die versuchte, uns das zu verinnerlichen, was jede Schule der Stadt ohne abnormale hohe Bezahlungen getan hätte.

Aber heute zog ich einen Schlussstrich. Ich wollte ein College besuchen und echte Lebenserfahrungen sammeln. Ein wenig Ablenkung von dem, was mich zu Hause Tag ein und Tag aus erwartete.  

"Wenn ich nicht irgendwann aus diesem Loch komme, werde ich noch verrückt", betonte ich ernst.

"Dieses Loch", wiederholte mein Vater sarkastisch, während er sich den Mund mit einem blauen Tuch abtupfte. "Ich kann mich nicht daran erinnern, das es dir hier irgendwann schlecht ergangen wäre."

"Das meine ich auch-"

"Mein letzten Wort ist gesprochen, Lilith."

Seine strengen Augen richteten sich auf mich und für eine Sekunde war ich sprachlos. Nicht ohne Grund galt mein Vater als grenzenlos böse, unberechenbar und kalt. Er handelte stets ohne Gewissen.

"Ohnehin wäre es höchst unzweckmäßg. Du bist und bleibst ein essenzieller Bestandteil meiner Geschäfte."

Ich seufzte geschlagen und schüttelte den Kopf. Seine Geschäfte, hallte es in meinen Gedanken. Sie waren ihm schon immer wichtiger, als das Leben seiner Kinder. Aber irgendwie fand er einen Weg beides zu verbinden und tragischerweise begann alles an meinem 16. Geburtstag.

Jedes Kind bekam Geschenke, eine große Sweet-16-Feier und haufenweise Glückwünsche. Doch ich wurde ganz formell in die Geschäfte meines Vaters eingeweiht und erfuhr zum ersten Mal, wie Vater sein Geld verdiente. Durch Erpressungen, Gewalt, Handel und politische Einflussnahme. Damals lauteten seine Worte:
>Du bist nun erwachsen, mein Kind. Es wird Zeit dir Türen zu öffnen und das Unmöglich wahr werden zu lassen<

Seitdem war ich seine rechte Hand, genaugenommen seine Beraterin in seinen skurrilen Machenschaften. Übernahm Aufträge wozu seine inkompetenten Bedienstete zu dumm waren, kontrollierte die Lieferungen, trieb sein Geld ein und spielte hin und wieder selbst den Henker. Jeder Psychologe würde meinen, das würde meine Jugend bis auf die Grundfesten erschüttert haben Aber ganz im Gegenteil. So fand ich nach 16 Jahren endlich einen Weg sein Respekt und sein Stolz zu bekommen[ich würde den Satz ändern, dass es was mit 'Anerkennung' gibt], ausserdem war ich verdammt gut darin, das Böse zu verkörpern.

Ich atmete tief ein-und aus und wagte einen neuen Versuch.

"Ich werde für immer an deiner Seite bleiben, Vater, aber habe ich denn nicht die Chance verdient etwas vollkommen harmloses außerhalb der ständigen Kämpfe zu erleben? Ich verlange ja nicht von dir, mir zu erlauben, dass ich zurückgezogen auf eine einsame Insel ziehe. Ich will nur auf ein College. Ich möchte früh aufstehen, in die Schule fahren, etwas lernen, mich mit Menschen unterhalten, nach der Schule völlig fertig nach Hause kommen, um mich dann meinen Hausaufgaben zu widmen. Ich verspreche dir auch, dass deine Geschäfte keineswegs darunter leiden werden."

"Dein Versprechen ist unbedeutend, weil ich es dir nicht erlauben werde. Du wirst weiterhin Privatunterricht bekommen und irgendwann wirst du als Nachkomme in meine Fußstapfen treten, um das Geschäft, was unsere Familie über Generationen aufgebaut hatte, zu übernehmen."

Ich konnte nur fassungslos dabei zusehen, wie er sich lächelnd an seine Kollegen wandte und mich zurück ließ.

Die Zähne zusammen beißend, ballte ich meine Hände zu Fäusten und schrie:

"Kannst du einmal in deinen Gott verfluchten Leben ein Vater sein?"

Wo noch gerade Gelächter herrschte, entstand ein betreffendes Schweigen. Acht Augenpaare ruhten auf mir.

"Lilith", begann mein Vater. Seine Stimme war ruhig, doch ich konnte hören, wie seine Geduld zu reißen drohte. "Das sind angesehene Geschäftskunden an meinem Tisch und du bist dabei, mich zu blamieren."

Ich schluckte, hielt seinem Blick aber stand.

"Ich werde mich nicht wiederholen und nun verlange ich von dir, dass du auf dein Zimmer gehst und zur Vernunft kommst."

"War es das?", hörte ich mich verärgert fragen. "War das dein letztes Wort?"

"Das Gespräch ist beendet", stimmte er zu.

Ich senkte meinen Kopf und nickte angeschlagen. Was habe ich mir nur dabei gedacht? Dass mein Vater mich in allem unterstützen würde und mir zu Krönung des Tages noch eine Schulmappe kaufen würde? Dass wir uns zusammen die Schule anschauen und er ganz väterlich darauf achtete, dass die Jungs in meiner Umgebung ihre Finger von mir lassen?

Ich unterdrückte ein hysterisches Lachen, straffte meine Schultern und zwang mich zu einem aufgesetzten Lächeln.

"Schön Tag noch, meine Herren", verabschiedete ich mich förmlich und drehte mich auf der Stelle um.

Hinter meinem Rücken konnte ich noch Gemurmel hören, dann ein schleimiges Lachen und dann so etwas wie Staunen und Zustimmung. Und kurz bevor ich mein Zimmer im zweiten Stock erreichen konnte, hörte ich meinen Vater rufen:

"Lilith? Kommst du bitte noch einmal zurück?"

Skeptisch zog ich meine Augenbrauen zusammen, tat aber das was mir befohlen wurde.

"Ja Vater?" Ich bemühte mich um einen lässigen Ton, als ich die lachenden und grinsenden Gesichter seiner Kollegen bemerkte.
Sie wirkten allesamt so verstohlen und falsch, das selbst mir das Brechen kam.

Ich wandte meinen misstrauischen Blick von seinen >Freunden< ab und konzentrierte mich auf meinen Vater.

"Ich habe nochmal über deine Bitte nachgedacht und bin zu einem Entschluss gekommen."

Ich schwieg und wartete skeptisch auf seine Entscheidung.

Dann stand er auf, hob seinen Glas in meine Richtung und verkündete lächelnd: "Du darfst ein College besuchen."

Perplex öffnete ich meinen Mund; schloss ihn und öffnete ihn wieder. Aber kein Laut kam über meine Lippen, so fassungslos war ich.

"Aber", fuhr er fort und das Lächeln auf seinen Lippen wurde größer. "Ich bestimme welches College."

Und da begriff ich es!
Seine neue Entscheidung beruhte nicht darauf, mich glücklich zu machen. Nicht im Geringsten! Sie umfasste einen dringlicheren und vorteilhafteren Hintergedanken und der hatte sehr wahrscheinlich etwas mit einem neuen Auftrag, Geld und diesem College zu tun.  






Smilee


Den Freitagabend würde ich auch gerne harmonischer verbringen, als in einem heruntergekommenen Shop mit zahlreichen Akten in der Hand. Oder auf einer braunen, verfranzten Couch zu sitzen, während neben mir ein Mann ständig Messer in die Wand wirft, ein kleiner Chinese seine Lektüre >Kunst des Krieges< präsentiert, der einzige Schwede im Raum seine -nach Backstein klingenden- Kekse frisst und der Boss ständig flucht, weil irgendeine Schraube aus dem Kühler rutscht und er durch seine eingeschränkte Sicht Mühe hatte sie wieder zu finden.

Mit Daumen und Zeigefinger massierte ich meinen Nasenrücken und zwang mich um etwas Konzentration. Von Tool hatten wir einen neuen Auftrag bekommen, und Barney bat mich, ihn mir anzusehen.

Stefan Bricks, 19 Jahre. Jüngster Wissenschaftler der Geschichte steht im Auge der Nosa Costra.

Nosa Costra!

Ich verabscheute diesen Namen. Schon seit Menschen gedenken, waren die Nosa Costra die Macht in South Spreengs. Sie kontrollierten und organisierten die Verbrechen auf den Straßen. Sie beeinflussten Menschen, ihre Drecksarbeit zu verrichten und das schlimme und verstörende war, sie brachten sich in die Politik ein, wodurch es ihnen gelang auch die Regierung für sich und ihre Machenschaften zu gewinnen.

Zähneknirschend wandte ich mich dem Text zu; ignorierte die störenden Geräusche um mich herum.

Stefan Bricks erschuf in seinen jungen Jahren die Formel für einen giftigen Schadstoff, mit dem es möglich sei, alleine durch den Sauerstoff Menschen mit den tödlichen Margburg Virus zu infizieren. Der hochpathogene Erreger verursacht nach einer Inkubationszeit von fünf bis zehn Tagen ein hämorrhagisches Fieber: Das Virus ist in der Lage, die Blutgerinnung zu stoppen und innere Organe zu schädigen, so dass es zu inneren Blutungen kommt. Sobald diese massiv auftreten, führt das zum Tod des Opfers.

Da der Junge und seine außerordentlichen Fähigkeiten, Ziel der Nosa Costra sind, ist hier dringend eine Observation durch die South Spreengs University nötig. Einschreiten bei Notwenigkeit ist gestattet.

"Und wie soll die Überwachung aussehen?", fragte ich in die Runde, ohne vom Text aufzuschauen.

"Wir schicken unseren Jüngsten auf ein College um den Jungen zu beobachten"

"Den Jüngsten?"

Ich hob mein Blick und bemerkte mit Grauen das Grinsen von Barney.

"Nein", zischte ich durch meine Zähne.

Barney und Lee lachten und sagten: "Auf jeden Fall!"

Mit einen wütenden Schnauben warf ich die Akten zurück auf den Tisch.

"Warum soll ich auf ein verschissenes College gehen? Sehe ich aus wie ein verdammter Clown, mit Metall auf den Zähnen?"

"Metall auf den Zähnen?"

Lee hielt beim Messerwerfen inne, sah mich an und schüttelte unglaubwürdig den Kopf.

"Du gehst doch auf keine Highschool, Junge!", hörte ich Barney aus der Ferne. Er schraubte gerade an seinem bereits fünften Auto diesen Abend. "Auf dem College sind die Kinder schon wesentlich reifer."

"Möchte man jedenfalls meinen", stimmte Lee grummelnd zu und ließ sich seufzend neben mir auf die Couch nieder. "Aber an Tes sehen wir alle den feinen Unterschied zwischen reif und-"

"Christmas!", ermahnte Barney seinen besten Freund und sofort verstummte er, worauf ich grinsen musste.

Tessa Ross war die 18 Jährige Tochter von Barney Ross, den Kopf unserer kleinen aber bedeutenden Söldnertruppe. Schon immer haben wir Verbrechen bekämpft und durch die fortlaufenden Aufträge, wie das Aufsuchen einer vermissten Person, oder die Befreiung von hochgradig politischen Männer oder Frauen, waren wir stets auf Achse. Leider aber versagten wir permanent bei den Kampf mit Nosa Costra.

Gegen meinen Willen huschten meine Augen zu den Akten auf dem Tisch und mein Grinsen erlosch. Wütend presste ich meine Lippen zusammen und wandte mich an Barney.

"Wo ist der verdammte Unterschied?", kam ich auf das Thema zurück und lehnte mich zurück.

"Der Unterschied-", begann Hale, der gerade mit Toll Road den Shop betrat und sich direkt an eine Flasche Scotch auf dem Tresen gegriffen hatte. "-Sind die Bräute. Ich sage nur: heiß", sagte er und prostete mir zu.

"Die Sache ist ganz einfach", sagte Barney, der seine Hände an einem weißen Tuch säuberte und Hale einen grimmigen Blick zuwarf.

"Wir brauchen einen glaubhaften Studenten, der auf ein College geht. Nur dann können wir den Jungen beobachteten. Und wie ich die Nosa Costra kenne, werden sie keinen Moment unversucht lassen, den Jungen auf ihre Seite zu ziehen. Und sollte das geschehen-"

"Werden sie das Virus für ihre Zwecke missbrauchen", endete ich seufzend.

Ich bekam von allen ein einstimmiges Nicken. Anspannung lag in der Luft. Jedem war genau bewusst, was passieren würde, wenn die Nosa Costra das Virus bekommen. Sie würden es gegen die Menschen anwenden, oder für Geld verkaufen. Anscheinend standen uns keine guten Zeiten bevor.

"Okay" Ich stieß einen frustrierten Seufzer aus und nahm die Akten in meine Hände. Ich sah jeden nacheinander an und fragte dann:
"Wann geht es los?"






Hector


"Hast du eine Ahnung, was dich erwartet?"

"Abgesehen von dem langweiligen Lernstoff?"

Lilith drehte ihren Kopf zur Seite und grinste mich an. "Viele Studenten, die weder ihre Hormone, noch ihre aggressiven Taten im Griff haben. Dann haufenweise penetrante Feiern und Lehrer, die mir sagen werden, dass mein Benehmen unvorteilhaft sei."

Sie zuckte die Schultern und festigte ihren Griff um die Sniper, um dann mit einem Auge durchzuspähen. Ich folgte ihrem Blick auf das Haus, wo gerade ein Mann sein Schlafzimmer betrat. Er schaute aus dem Fenster und lächelte, ohne zu ahnen dass sein schwaches Leben gleich ein grausames Ende fand.

Niemand würde meinen Boss zum Narren halten, ohne die Konsequenzen dafür zu tragen und diese waren unausweichlich der Tod.

"Ich habe mich informiert", sagte Lilith plötzlich. Während sie mit dem Abzug auf ihrem Finger spielte, sagte sie: "Ich werde zwei Jahre ein Grundstudium in Humanbiologie durchführen und dann mein Hauptstudium in Virologie. Ich kann nur hoffen, dass Vater mich lässt."

"Warum sollte er es verweigern?", hörte ich mich leise fragen. Ich warf einen raschen Blick durch die dunklen Bäume, die aufgrund des Windes verdächtig laut waren.

Lilith schnaubte sarkastisch. "Sobald der Junge uns das Virus gegeben hat-"

Sie ließ den Satz in der Luft hängen und schüttelte verärgert den Kopf.
Ihre Lippen waren zu einen dünnen Strich verzogen und ihre Augen angespannt durch die kleine Linse gerichtet.

Wenn ich Lilith nicht schon mein ganzes Leben kennen würde, würde ich ihr die Sniper abnehmen und den Auftrag selbst übernehmen. Doch es gab kein Grund zu Sorge. Lilith war für mich wie eine Schwester, und ihre Professionalität war mir durchaus bekannt und geschätzt. Als sie sechzehn wurde, wurde mir die Aufgabe überlassen, sie in alle Geschäften einzuweihen. Ihr den Umgang mit Waffen beizubringen, während Ethan ihr die Kampfkunst beibrachte und sie auf jeder Mission beschützte. Ausser an diesem Abend, wo ich ihre Begleitung war.

"Lil?"

"Hector?"

Sie hob ihren Blick und ich deutete auf den Mann, der gerade im Begriff war, das Haus zu verlassen.

"Ich weiß, was ich zu tun habe", wies sie mich schroff zurecht. "Ich warte nur auf den richtigen Augenblick."

Meine Augen verengten sich und ich fragte: "Welcher könnte richtiger sein, als wenn er alleine in seinem Zimmer ist?"

"Ich brauche keine Zeugen", sagte sie und zeigte auf eine Person, die an der Eingangstür stand und den Mann herzlich begrüßte.

Es war eine junge Frau und beim genaueren Betrachten sah ich, dass sie seine Tochter und zugleich seine Komplizin war.
Beide waren auf dem Video zu erkennen, als sie das Geld aus dem Transporter entwendeten und versuchten, sich davon ein schönes Leben zu gestalten. Schon blöd, wie das Blatt sich wenden kann!, dachte ich und lächelte diabolisch.

"Lil! Das ist die Frau, die-"

"Ich weiss", sagte sie und richtete ihren blauen Augen wieder durch die Linse. Auf ihren Lippen schlich sich ein finsteres Grinsen, als sie sagte: "Lassen wir den Mann doch leben. Es ist immer tragisch, wenn die Eltern ihre eigenen Kinder zu Grabe tragen müssen, oder?"

"Dein Ernst?"

"Finden wir es heraus!"

Unsere Blicke trafen sich und für einen Moment erkannte ich in ihren sonst so jungen und hübschen Augen Zügen ihres Vater wieder. Die selben
stechenden, unberechenbaren Augen. Das selbe dämonische Grinsen und die selbe Entschlossenheit, etwas zu tun, ohne den Hauch eines Gewissens. Würde ich ihnen nicht mit Haut und Haaren loyal zu Seite stehen, würde ich sie ungern als Feinde haben.

"So", begann sie munter und richtete ihre ganze Konzentration auf das junge Mädchen, kaum älter als zwanzig. Sie fokussierte die Mündung direkt
auf ihrem Kopf, zog scharf die Luft ein und sagte:

"Gute Nacht Prinzessin", und schoss.

Ein entsetzlicher Schrei aus Grauen und Schock umfasste den gesamten Wald. Die Vögel brachen unter panischen Rufen auf und flogen
in Scharen in den weiten, tristen Himmel davon. Das Echo des Schusses hallte noch einige Sekunden nach und schon bald war nur noch das Schluchzen, das Weinen und die schrecklichen Schreie des Vaters zu hören, der seine tote Tochter blutüberströmt in den Armen hielt.

"Nun." Heiter sprang Lilith auf die Beine. Sie wirkte so gelassen und so fröhlich, als habe sie nicht gerade zwei Menschenleben zerstört.

"Auf jeden Fall-" Sie verstaute ihre Sniper in einer großen schwarzen Tasche und hievte sie auf ihre Schulter. Lächelnd fuhr sie fort: "Ich freue mich auf das College und wie schwer kann es schon sein, einem Jungen hübsche Augen zu machen."






Tessa Ross


"Mein Großer will also auf das College?"

Mit einen Grinsen auf den Lippen und 3 Bier in der Hand ließ ich mich zwischen Lee und Smilee auf die Couch fallen. Ich war zwar müde und vollkommen erschöpft, aber die Gelegenheit mit meinen Jungs ein Bierchen zu trinken, würde mir keiner nehmen. Ohnehin waren nur noch Lee, Smilee und mein Dad im Shop, während die anderen ihr Unwesen in freier Wildbahn und ohne Aufpasser verichteten.

Oh Gott, bewahre die Menschheit.

Ich gab den beiden Jungs das Bier und zum Dank öffnete Smilee meine Flasche mit seinen Feuerzeug. Als er es mir wiedergab, sagte er brummend: "Habe ich dich wenigstens als meine Fake-Freundin? Ich habe keine Lust auf das ständige Date-Gefrage"

Ich lachte und Lee fragte:

"Ganz schön großes Ego oder?"

"Ein Ego brauche ich nicht, um zu wissen, dass ich verdammt heiß bin."

"Hast du die ganzen Spiegel zu Hause schon abgehangen?", fragte ich, nachdem ich einen großen Schluck zu mir nahm.

Smilee sah mich schief an. Über seinem Kopf bildete sich ein großes Fragezeichen, was mich zum schmunzeln brachte.

"Nein, wieso?"

"Weil ich Angst habe, dass du dich irgendwann selbst flachlegst."

"Oh", kam es nur über Smilees Lippen, doch nur eine Sekunde, brachen wir alle in Gelächter aus.

Wie immer war es einfach nur schön mit den Jungs zusammen zu sein. Sie waren mein Ausgleich, nach der Schule und dem pausenlosen Stress, der mich Tag für Tag einholte. Sie brachten mich zum Lachen, trösteten mich, wenn ich traurig war und gaben beständig auf mich acht. Auch wenn ich zugegeben, gut auf mich selbst aufpassen konnte. Lächelnd hob ich meinen Blick von den Bier und sah zu meinen Vater.

Noch immer schraubte er an seinem Auto. So viel Leidenschaft lag in seinen Bewegungen. Ja, er mochte seinen Beruf, aber noch mehr liebte er es, mit seinen Jungs auf Mission zu gehen. Ich beneidete ihn für seine Risikobereitschaft. Sobald ein Auftrag am Land gezogen wurde,
erblüht er in seiner Arbeit und das war schon immer so gewesen. Nachdem meine Mom verstarb und er für mich alleine sorgen
musste, warf er seine Einstellung als Soldat über den Haufen; um dann auf Alleingang und als sein eigener Chef der Gerechtigkeit nachzugehen.

Nach und nach kamen Hale, Toll Road, Gunnar, Lee, Yang und Billy dazu. Das Schlusslicht bildete Smilee, der aufgrund seines jungen
Alters schon immer als Küken betitelt wurde. Doch ich mochte den großen, starken Teddy mit seinen schwarzen Humor und seinen großen Herz schon damals und es dauerte auch nicht lange, bis wir die besten Freunde wurden.

"Tes?"

Fragend drehte ich meinen Kopf zur Seite. Smilee strich sich nachdenklich über den 3. Tage Bart; seine Augen verloren sich im Nichts.

"Ja?"

"Kennst du den Jungen Stefan Bricks?"

Ich brauchte einen Moment um nachzudenken, dann nickte ich zaghaft.

"Ich glaube schon. Er ist ein helles Köpfchen und der Liebling unserer Lehrer."

"Kein Wunder", bemerkte Lee und setzte die Flasche an seinen Mund.

"Warum die Frage?"

"Weil-"

Etwas hilflos wandte sich Smilee an Lee, der nur ratlos die Schultern hob. Skeptisch zog ich meine Augenbrauen zusammen.

"Jungs?"

"Nicht so wichtig", kam die Antwort von meinen Dad.

Ich blickte auf und ein Lächeln huschte über meine Lippen. "Bist du fertig?"

Auf ein Nicken von meinen Vater stellte ich die leere Flasche auf den Tisch und setzte mich auf. Es war bereits nach Mitternacht und das
Bett rief nach mir.

"So Jungs." Lächelnd nahm ich ihnen das Bier aus der Hand und sagte: "Zeit zum Schlafen."

Smilee war der erste, der seufzte, aber auch er stand auf.

"Für mich ist der Abend noch lang."

"Warum das?", fragte ich, während ich die Flaschen in die Spüle stellte und meine Jacke anzog.

"Ich fahr zu Jane und lass mich über gegenwärtige Beziehung voll quatschen"

"Warum das?" Empört verschränkte ich meine Arme vor der Brust und ging auf ihn zu. "Warum sagst du nicht endlich was Sache ist?"

Jane, oder wie er sie gerne nannte >Janie< war ein Mädchen aus seiner früheren Klasse. Für sie war Smilee nur so etwas wie ein guter Freund doch für ihn, war sie mehr als alles zusammen. Wenn er über sie sprach, strahlten seine Augen voller Liebe und sein Ton wurde so warm, das es mir beinahe das Herz brach, dass sie so mit ihm spielte. Denn auch wenn sie bestimmt kein blassen Schimmer von seinen Gefühlen hatte, (Weil er einfach nicht den Mumm aufbrachte, um es ihr endlich zu sagen) war sie grauenhaft zu ihm, indem sie immer wieder mit ihren neuesten Eroberungen imponierte.

Smilee seufzte angeschlagen, schloss seine Augen und schüttelte den Kopf, als würde er versuchen ein grauenhaftes Bild zu verdrängen.

"Das werde ich noch....wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist."

"Also niemals", mischte sich Lee ein, der sofort einen grimmigen Blick von mir bekam.

"Was denn?", versuchte er sich zu verteidigen.

Über sein Benehmen konnte ich nur verächtlich den Kopf schütteln. Ich ging auf Smilee zu, legte meine Hand auf seine Schulter und meinte: "Deine Freundin werde ich zwar nicht auf den College spielen, aber vielleicht wirst du jemanden finden, die dich genauso liebt, wie du es verdienst."
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