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The Beloved Devil

GeschichteThriller, Familie / P18 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Hale Caesar Hector
30.11.2013
20.05.2014
18
89.028
 
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30.11.2013 3.539
 
Lilith LaCruze


"Lilith! Komm schon Kleines, wach auf...."

Am Rande meines Bewusstseins nahm ich wahr, wie mich jemand leise beim Namen rief und mir sanft übers Haar strich.

Ganz langsam öffnete ich meine Augen, ignorierte den pulsierenden Schmerz in meinem Kopf und den steifen Nacken, hob meinen Blick und starrte in blaue, sanft lächelnde Augen.

Ich blinzelte benommen und fragte mich für einen Moment, ob das ein Traum war. Denn der Besitzer dieser interessanten, blauen Augen, in die ich blickte, war niemand Geringeres als....

"Ethan?"

"Bscht" Sachte legte er mir einen Finger auf die Lippen. "Keine Sorge. Ich hol dich hier raus."

Dann hob er meinen Körper an und versuchte mich auf seine Arme zu heben. Ich hätte schreien können vor Schmerzen, und es wurde noch schlimmer, als ihm mein schlaffer Körper aus den Händen rutschte und ich ruckartig auf den Boden aufschlug. Ich hörte ihn fluchen und er machte Anstalten, mich wieder hochzunehmen, doch ich hob meine Hände und schüttelte mit schmerzverkrampften Gesicht den Kopf.

"Nein, Ethan", hauchte ich schwach. "Nicht..."

Es war nicht zum aushalten! Obwohl ich bestimmt 2 Tage lang durchgeschlafen hatte, und meine lebensbedrohlichen Verletzungen geheilt waren, fühlte ich mich noch schrecklicher als zu jenem Moment, als ich den Wunsch verspürte zu sterben. Vielleicht lag es daran, dass meine Wunden noch frisch waren oder einfach nur daran, dass ich am verhungern und verdursten war.

Und ich war müde....

Gott, war ich müde...

Ich spürte, wie Ethan mir eine Strähne aus der Stirn strich und ich hob meinen Blick und schaute in seine Augen. Sie erkundeten jeden Zentimeter meines Gesichtes, dann meines geschundenen Körpers und der Ausdruck endloser Sorge in seinen Blau wurde größer.
 
"Gott, was haben diese Schweine dir angetan?"

Vorsichtig, um mir nicht weh zu tun, setzte er mich auf die Bettkante. Dann setzte er sich neben mir und sah mich an. "Alles in Ordnung?"

"Scheiße, Ethan, was machst du hier? Wie bist du überhaupt reingekommen?"

So langsam kehrten meine Sinne und mein gesunder Menschenverstand zurück und da wurde mir der Ernst der Lage bewusst. Ethan war wahrhaftig hier und nun lag die Frage nach dem Wie und Warum auf der Hand! Es war zwar schön, dass er noch am Leben war, aber was, wenn uns jemand bemerkte? Was, wenn auch noch er als Gefanger der Expendables enden würde? Und ich bezweifelte, dass sie ihm am Leben lassen würden.

"Ich hab mich durch die Hintertür geschlichen. Erst war im Zimmer von diesem Gourilla-"

"Barney?"

"Ja, wie auch immer" Er zuckte die Schultern. "Es hat eine Weile gedauert, bis ich dich gefunden habe. Aber nun bin ich hier und ich werde dich hier rausbringen"

"Nein, das wirst du nicht tun", protestierte ich schwach.

Es dauerte einen Moment, bis Ethan meine Worte realisierte. Er sah mich lange - sehr lange an, bis sich seine Augen vor Entsetzen weiteten. "Was?!"

"Ich werde bleiben"

"Was redest du da für ein Quatsch? Stehst du unter Drogen?" Ethan konnte sich gerade noch zurückhalten, nicht zu brüllen, aber der Frust war ihm deutlich anzuhören. An seiner Stelle würde ich genauso reagieren, aber im Augenblick vertraute ich meinen Instinkten - und dieser riet mir, kein Aufsehen zu erregen.

"Lass den Scheiss", zischte ich. "Wenn ich fliehe, werden sie nach mir suchen und sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch euch und meine Schwester finden. Ich kann kein Risiko eingehen."

Verständnislos schüttelte er den Kopf. "Ich kann mich nur wiederholen: Stehst du unter Drogen?"

Seufzend rieb ich mir meine Schläfen. "Ethan!"

"Kommt überhaupt nicht in Frage." Ich  starrte meinen Partner an, und in seinen Augen loderte die Herausforderung  "Sollen sie uns doch finden. Hector und ich werden ihnen in den Arsch treten"

"So wie auf dem Flughafen?"

Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen. Noch lebhaft konnte ich mich an seinen jämmerlichen Zustand auf den Airport erinnern und an Hector, der ihm um Haaresbreite aus der Schusslinie brachte. Er wäre tot, wäre ich ihm nicht zur Hilfe gekommen. Und dieser Gedanke - allein der Gedanke - erschreckte mich zutiefst.

Ethan gab ein empörtes Geräusch von sich. Ich ignorierte es.

"Hör zu", sagte ich und drehte mich so, dass ich ihn besser ansehen konnte. Mit sanfter Stimme und einen gezwungenen Lächeln fügte ich hinzu: "Sie werden mich nicht umbringen. Ich habe etwas, was sie dringend brauchen"

"Und das wäre?"

Ich schaute mich um - vergewisserte mich, dass niemand uns belauschte, nahm dann einen tiefen Atemzug und sagte gerade heraus: "Beweise gegen mein Vater..."

Ethan runzelte die Stirn: "Aber dein Vater hatte doch-"

"Alle Beweise unter Verschluss gehalten?" Ich nickte aber ein zufriedenes Lächeln umspielte meine Lippen. "Ganz genau, aber ich bin diesem paranoiden Wichtuer zuvorgekommen, in dem ich mir eine Kopie seiner Daten auf meinen USB gespeichert habe."

Es war kurz nach meinen 16. Geburtstag. Ich war alles andere als einverstanden mit den dubiosen Machenschaften meines Vater und ich war damals der Meinung, es der Polizei zu melden. Doch damals ahnte ich noch nicht, dass die ganze verdammte Stadt unter seinen Einfluss stand. Aber statt die Beweise verschwinden zu lassen, behielt ich Sie für einen brauchbaren Moment - und nun war er gekommen.

"Er ist in meinem Zimmer. Du und Hector-" Ich verstummte, als ich Ethan ansah. Er sah angespannt aus.

"Was ist?", fragte ich.

"Es gibt da ein Problem!"

Ich sagte nichts dazu. Ich wartete nur (verdammt ungeduldig) mit erhobenen Augenbrauen, dass er weitersprach. "Das Haus ist komplett leer"

"Wie, es ist leer!!!" Ich hielt inne und senkte die Stimme wieder auf ein normales Maß. "Was meinst du damit?"

"Jemand hat das Haus geräumt. Es ist alles verschwunden", erklärte Ethan.

Ich suchte in seinen Augen nach einen Hinweis, dass das nur ein blöder Scherz war aber ich sah nur Verärgerung.  

"Auch aus meinem Zimmer?", fragte ich und bemerkte wie meine Stimme schrill vor Entsetzen wurde.

"Aus jedem Zimmer, Lilith!"

Langsam stand ich auf und begann im Raum auf und ab zu gehen. "Was? Wer zum Teufel war das?"

"Die CIA?"

Ich schüttelte den Kopf, ohne ihn anzusehen.

"Nein, auf keinen Fall", sagte ich entschieden. "Die sind viel zu sehr damit beschäftig, den Tod meines Vaters zu verheimlichen. Die werden nicht auch noch unser Haus auf dem Kopf stellen. Nein!"  Ich verstummte und nagte an meiner Unterlippe.

Ich dachte darüber nach, was ich tun konnte. Es war eine ziemlich verfahrene Situation. Die Expendables würden sich kaum wagen, ein Fuß auf unser Gelände zu setzen - genaugenommen kannte ich niemanden, der sich trauen würde, ein streng bewachtes Gelände ohne die Zustimmung-

Dann weiteten sich meine Augen, wie zu einer Erkentnis. Rasch wandte ich mich an Ethan. "Wo ist Ian?"

"Verschwunden" Er schüttelte den Kopf und mein Missfallen spiegelte sich in seiner Miene.

Treffer!

Dieser Bastard.

Wahrscheinlich nutzte er den Vorteil, dass Charles LaCruze tot und ich gefangen war aus und tat sich an dem Geld unserer Familie zu schaffen.

Ich setzte mich wieder aufs Bett und nahm Ethans Hand; sah ihm tief in seine Augen."Tu mir den Gefallen und versuche ihn zu finden. Irgendjemand hat sich in unserem Haus ausgetobt und dieser Jemand hat einen Schlüssel um die Sicherheitsmaßnahmen zu überwinden."

Und dann werde ich ihm umbringen, fügte ich im Stillen hinzu. Schon zu lange duldete ich seine Gesellschaft; sein Benehmen aber das war nun Vergangenheit.

"Stimmt was nicht?", fragte ich, als ich Ethans Zögern bemerkte.

"Ich habe ein ungutes Gefühl, dich hier alleine zu lassen", gestand er. Er berührte einen flüchtigen Augenblick lang meine Wange und ein Lächeln erschien auf meinen Lippen.

Ich war gerührt von seiner Sorge und es war schön, zumindest für einen Moment seine Stimme zu hören und seine Augen zu sehen. Es war ein tröstender Gedanke, dass er gesund und unbeschadet war und es gab mir Kraft und den Mut, das hier durchzustehen. Ja, ich brauchte meine Freunde. Sie halfen mir durch die Hölle, schon mein ganzes Leben aber jetzt....Jetzt brauchte ich sie noch mehr, als zuvor - und nicht um meinetwillen.

"Nein, Ethan."  Ich drückte seine Hand und sagte mit Nachdruck in der Stimme: "Du hast mir versprochen auf meine Schwester aufzupassen, weißt du noch?"

Er seufzte tief, als sei er zu müde, um auch nur daran zu denken. Aber er nickte.

"Halte dieses Versprechen. Wir werden uns wiedersehen, versprochen..."

Ethan sah aus, als wollte er darauf antworten, doch dann fiel sein Blick auf etwas auf einem Stuhl an der Tür. Ich  folgte seinen Augen und entdeckte meine Hose.

"Warum ist deine Hose so blau?"

"Ich wurde angeschossen und dann..."  Ich schluckte und verzog das Gesicht. Weil Ethan mich verstand, ergänzte ich seufzend: "Aber es war wirkungslos. Ich lebe noch..."

Für einen ewigen Moment schwieg Ethan und rieb sich grübelnd das Kinn. "Seltsam", sagte er dann ohne den Blick von meiner Hose zu nehmen.

"Wieso?"

Er sah mich an. "Noch am ersten Tag hat dein Vater den Virus an einem lebenden Objekt testen lassen"

"An einem Tier?"

"Nein."

Mit einem harten Schlucken drängte ich den Würgereiz zurück und fragte nur: "Und? Gab es ein Ergebnis?"

Ethan nickte und wurde auf einmal wieder ganz ruhig und vernünftig. "Das Ergebnis war positiv....

Ich verstummte. Mir war plötzlich schlecht.

Der Virus zeigte Wirkung? Aber warum zum Teufel war ich dann noch am Leben? Fragen über Fragen schlugen über mich zusammen, aber bevor ich den Mund öffnen konnte, erklang ein verdächtiges Geräusch auf den Flur und wir beide zuckten zusammen. Unsere Köpfe fuhren herum und mein Herz schlug mir bis zum Hals.

"Was war das?", fragte Ethan.

Ich antwortete tonlos: "Da kommt jemand"





Smilee

Zögernd lag meine Hand auf den Türknauf, unsicher, wie ich mich gleich verhalten sollte. Als ich das letzte Mal bei dem Mädchen war, war sie dem Tode nahe und ich war so entsetzt, dass ich ohne zu zögern handelte und meine Schwester anrief, damit sie ihr das Leben retten konnte.

Zum Glück war Cadence schnell gekommen und sie hatte mir versprochen, dass Lilith Zustand stabil sei und sie überleben würde. Aber sie beharrte darauf, dass sich das Mädchen in einem geeigneteren Umfeld erholen und stets unter Beobachtung bleiben sollte.

Gesagt - getan.

Nach der Operation kam Lilith in das Gästezimmer  - auch wenn Barney das nicht im Geringsten duldete. Seine Tochter war es, die sich dafür stark gemacht hatte. Und sie war es auch, die seit 3 Tagen die Aufgabe übernommen hatte, immer mal wieder nach dem Mädchen zu schauen.

Heute aber, war ich an der Reihe und bei den Gedanken daran, dass sie womöglich schon wach war, stellten sich mir die Nackenhaare auf.

Ach, was soll schon passieren? Sie wird kaum in der Lage sein, ganze Wörter zu sprechen oder sonst irgendeinen Unsinn anzustellen.

Also, Augen zu und durch!

Ich holte noch einmal tief Luft, straffte meine Schultern, öffnete die Tür und trat ein.

Lilith lag regungslos im Bett. Sie war bis zu den Schultern zugedeckt, aber ich konnte deutlich die Konturen dicker Verbände darunter erkennen. Ihr Haar war noch immer glanzlos und ihre Haut war blass; ihre Lippen blau und aufgerissen. Aber im Großen und Ganzen sah Sie erholt aus. Sogar ihre Wunde auf der Wange war beinahe verschwunden; nur eine kleine, kaum sichtbare Narbe blieb zurück.

Langsam schreitete ich zum Bett und sah auf Sie hinab. Während Sie schlief, sah Sie aus, wie ein Unschuldiges Mädchen, dass keinem etwas Zuleide tun konnte. Dass Sie eine emotionslose Mörderin war, würde Niemand glauben.

Schon seltsam, wie das Bild einem täuschen konnte.

"Krankenbesuch?" Ich zuckte zusammen und schaute auf. Lilith lächelte mich schwach an. "Wie reizend!"

So viel zum Thema, sie konnte keine ganzen Worte sprechen. Sogar ihren charmanten Ton und das verstohlende Lächeln trug sie ohne Probleme.

Ich presste meine Lippen zusammen, um ein genervtes Stöhnen zu unterdrücken. Dann streckte ich meine Hand aus, um ihre Decke anzuheben.

"Darf ich?", fragte ich höflicherweise.

Ich wollte mir ihre Verletzungen ansehen. Vielleicht brauchte sie ein neuen Verband?

"Nur zu..." Noch immer glänzten mich ihre Augen an. "Du hast mich ja schon nackt gesehen..."

Ihre Bemerkung ignorierend, schob ich die Decke etwas zur Seite. Der Verband an der Hüfte sah noch okay aus - kein Blut und kein Eiter. Also schien die Operation geholfen zu naben und schon bald würde Lilith wieder ganz genesen sein.

"Deine Schwester hat saubere Arbeit geleistet. Richte ihr meinen Dank aus...", sagte Lilith.

Ich nickte, ihren Blick ausweichend und drehte mich um, um das Zimmer zu verlassen.

"Warum hast du das getan?", fragte sie plötzlich.

Ich hielt inne und runzelte die Stirn. "Was?"

"Mein Leben gerettet. Das war echt- "  Sie brach ab, als suche sie nach den richtigen Worten. Ich drehte mich um und bemerkte, dass Sie gedankenverloren an die Decke starrte. "Danke, Smilee", sagte Sie dann und es hörte sich aufrichtig an.

Ich lächelte nicht und versuchte auch nicht, so zu tun, als sei alles in Ordnung zwischen uns. Stattdessen zuckte ich nur die Schultern. "Das war meine Schwester..."

"Und du weißt genau, was ich meine" Lächelnd verdrehte Sie die Augen in meine Richtung. "Du hättest mich sterben lassen können und jeder wäre glücklich gewesen."

Nicht jeder!

"Aber dann wärst du uns doch keine Hilfe mehr gewesen", erinnerte ich sie beiläufig

"War ich euch bisher eine Hilfe? Komm schon, Schatz. Was ist der wahre Grund für deine Heldentat."

"Ich glaube..."

Ja? Was glaubte ich?

Seien wir doch ehrlich! Du hast das Leben des Mädchen gerettet, weil du es nicht ertragen konntest, sie sterben zu lassen. Egal, ob sie der Teufel in Person ist; egal, wie viele Menschenleben sie schon auf den Gewissen hat. Du warst blind gegenüber deinen Überzeugungen und du hast nur aus Egoismus gehandelt. Denn Lilith LaCruze ist eben nicht nur eine Mörderin, sondern auch das Mädchen, welches Gefühle in dich hervor gerufen hat.

Genervt von meiner inneren Stimme rieb ich mir das Gesicht und ein zynisches Lachen entfuhr meinen Lippen.

"Ich habe keine Ahnung", log ich. "Vielleicht war es dumm und ich werde es bereuen...oder aber-"

"Ich bedeute dir etwas, richtig?"

Sprachlos sah ich in ihre erwartungsvollen Augen. Ich konnte mich nicht mehr rühren, noch fand ich eine Lüge oder eine Ausrede, um das zu verneinen. Sie hatte mich voll erwischt!

Schon wieder!

Als Lilith dies bemerkte, schlich sich ein nachsichtiges Lächeln auf ihren Lippen. "Und du erhoffst dir, dadurch, dass du mir das Leben gerettet hast, dass ich mich ändern werde...Dass ich zu dem Mädchen werde, das dir in jener Nacht den Verstand geraubt hat?"

Ich wusste, dass sie es genießen würde, diese Frage zu beantwortet bekommen. Und sie wartete gespannt darauf, auch noch, als ich mich neben sie niederließ, ohne sie aus den Augen zu lassen.

"Lachhaft, oder?", meinte ich seufzend. "Ich bin so ein Idiot!"

"Nein", sagte sie hastig und setzte sich auf. Dabei verzog sie schmerzhaft das Gesicht und es kostete mich enorme Anstrenung sie nicht zurück in die Kissen zu drücken und ihr zu sagen, sie solle sich ausruhen.

Stattdessen beobachtete ich sie, wie sie sich neben mich setzte - sehr nahe - und mich aus blauen, zärtlichen Augen anschaute. "Du bist ein unglaublicher Mann, Smilee."

Ich lächelte unwillkürlich über das Kompliment, aber gleichzeitig versetzte es ihr auch einen schmerzhaften Stich.
Es gab Momente, wo sie mich an dem Mädchen aus jener Nacht erinnerte und ich wünschte mir, das alles wäre nur ein schrecklicher Alptraum. Dass sie einfach nur das Mädchen aus der Gasse war, mit dem starken Selbstvertrauen und der scharfen Zunge, dem Tattoo und dem wunderschönen Lächeln.....

Mit einem neuerwachten zärtlichen Gefühl für Lilith, ließ ich zu, dass sie meine Hand nahm.

"Du hast so ein gutes Herz", sagte sie, während sie mir tief in die Augen blickte. Ich schluckte. "Du verdienst jemanden der so rein, liebevoll und so gütig ist, wie du. Jemanden, der dich liebt und dich schäzt und dir immer zur Seite steht."

Sie verstummte, schaute kurz über meine Schulter und sah mich dann wieder an. "Wären die Umstände anders, wären wir in einem Traum und ich wäre ein ganz normales Mädchen mit Hoffnung und Träumen.....dann...."

"Was, dann?", sagte ich beinahe atemlos.

Mein Herz kloppfte mir bis zum Hals!

"Dann würde ich dich mit ganzen Herzen lieben."

Und dann schenkte sie mir ein besonderes Lächeln. Und es war, als würde kurz die spontante Freude aufleuchten, die ich während jener warmen Sommernächte so oft bei ihr gesehen hatte.

All die aufgestauten Gefühle, die ich bis jetzt erfolgreich unterdrückt hatte, kamen durch dieses eine Lächelnd und durch die Berührung auf einmal an die Oberfläche und ich merkte, dass ich kurz davor war, die Fassung zu verlieren.

Ganz langsam beugte ich mich vor, und langsam, wie um ihr Zeit zu geben, sich anzuwenden näherte ich meinen Mund dem ihren.

Und dann geschah es!

Kurz bevor sich unsere Lippen trafen, flüsterte sie: "Aber der Traum und die Realität gehen nie Hand in Hand..."

Und ich spürte einen harten Schlag auf meinen Hinterkopf und ging zu Boden.





Lilith LaCruze

Keuchend und stöhnend lag Smilee am Boden, sah mit hasserfüllten Augen zur mir auf. "Du mieses...."

Ethan, der sich die ganze Zeit hinter der Gardine am Fenster versteckt hatte, sagte mit einen Hohnlächeln auf den Jungen: "Dummer Idiot. Dachte der wirklich, er hätte Chancen bei dir?"

"Verschwinde, Ethan", sagte ich tonlos und kam auf die Beine. "Und pass auf meine Schwester auf"

Ich wusste, dass er nicht so einfach aus dem Haus verschwinden konnte, aber dafür hatte ich schon einen Plan.

Ich sah meinem Partner dabei zu, wie er aus den Zimmer stürmte, dann stieß ich den Atem aus und wandte mich an Smilee.

Es war einfach nötig, ihm diesen Schlag zu verpassen. Dennoch fühlte ich mich seltsamerweise nicht wohl.

"Und schon wieder bin ich auf dich reingefallen. Ich kanns nicht glauben...", schnappte er wutschnaubend. Er fixierte mich mit einen seltsamen Blick. Zorn, gemischt mit Kunner, Sehnsucht und purer Verzweiflung. Es brachte mich fast dazu, mich zu fragen, ob ich das richtige getan hatte.

Ich verzog das Gesicht, als ich mich auf den Boden hockte. Vorsichtig strichen meine Finger über seine Wunde. "Es tut mir so Leid, dass ich dich benutzt habe", sagte ich ehrlich und sah ihm in die Augen. Meine Stimme war ruhig, aber ich bemerkte, die Spur von Reue darin. "Aber ein Mädchen wie ich, hat immer ihre Prioritäten und wir dürfen uns nicht erlauben, auf die Gefühle unserer Mitmenschen zu achten. Und Jetzt werde ich dir ein Geheimnis anvertrauen"

Ich beugte mich vor, bis mein Mund an seinen Ohr war. Mit leiser Stimme, das niemand außer uns es hörte, sagte ich: "Alles was ich gesagt habe, war die Wahrheit...."

Dann drückte ich meine Lippen auf seine Stirn, stand auf und rannte davon.

Ich eilte durch den finsteren Flur und betete, dass Ethan es noch rechtzeitig schaffen würde, ohne von Barney oder einer seiner Freunde entdeckt zu werden. Als ich an der Treppe angekommen war, hielt ich kurz an, lehnte mich schnaufend an das Geländer und spähte über meine Schulter, um mich zu vergewissern, dass Smilee mir nicht folgte.

Ich war nicht gerade fit auf den Beinen und meine Sicht wurde mit jeden Meter erschreckend schlechter. Lag vermutlich an den Kopfschmerzen, die mir jegliche Orientierung raubten.

Ich stützte mich vom Geländer ab und stieg die Stufen hinab zum ersten Stock. Hier war das Wohnzimmer und gleich in der Nähe der Ausgang. Benommen blinzelnd schüttelte ich den Kopf und ging weiter.

Da trat plötzlich ein Schatten vor und versperrte mir den Weg.

"Wieso habe ich das nur geahnt?"

Tessa!

Ich öffnete meinen Mund, für eine spitze Bemerkung, schloss ihn aber wieder, weil ich das Gefühl hatte, mich übergeben zu müssen.

Stattdessen blickte ich sie ruhig an.

Ihre fahlen Augen blitzten wütend auf. Sie kam mir immer näher.

Dann sagte Sie: "Mädchen wie du, versuchen es immer wieder. Sie lernen nie aus ihren Fehlern."

Ich hätte schneller reagieren sollen, aber ich war immer noch damit beschäftigt, Atem zu schöpfen. Ich sah den Schraubenschlüssel in Tessas Hand erst, als er durch die Luft schoß und ich krachend an der Schläfe traf.  Während sich Dunkelheit und Schmerz über mich senkten, fiel ich mit dem Gesicht voran in den Staub.

Und das letzte was ich sah, war, wie Ethan durch die Tür huschte und in der Dunkelheit verschwand.

Perfekt!
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