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The Beloved Devil

GeschichteThriller, Familie / P18 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Hale Caesar Hector
30.11.2013
20.05.2014
18
89.028
 
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30.11.2013 5.539
 
Lilith LaCruze

In meinem Traum...

...stand ich mit meinem Vater am Meer. Die Wellen rauschten in den sanften Schein der Sonne, die am Horizont stand. Im Hintergrund mischte sich unter dem Gesang der Möwen auch das Lachen meiner Schwester hindurch, die barfuß durch den Sand hüpfte und immer wieder meinen Namen rief.

Ich lächelte den Sonnenuntergang entgegen.

Ich spürte ein Hochgefühl, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte.

Aber ich spürte auch Schmerz. Entsetzlichen Schmerz. Ein krampfartigen, sengenden Schmerz, als würde eine Faust mein Herz zerquetschen, mir den Atem rauben, und mein Magen zog sich zusammen, sodass ich das Gefühl hatte, mich im nächsten Moment übergeben zu müssen.


Abrupt wurde ich wach. Ich lag auf dem harten Metallboden eines Lieferwagens und wurde bei jeder Unebenheit der Straße durchgeschüttelt. Für einen Moment konnte ich klar denken.

Der Traum war mir noch frisch in Erinnerung, und ich wusste, dass ich benutzt, für irgendeinen Zweck missbraucht wurde.

Dann flatterten meine Lider und ich sank wieder in jenen geistigen Dämmerzustand zurück, der mir in den letzten Stunden so vertraut geworden war.

Ich war von den Männer umgeben. Das wusste ich. Und mit dem Rücken an die Doppeltür im Heck gelehnt saß Smilee, der Junge, mit den blauen Augen, die mich durch die Dunkelheit des Wagens akribisch beobachteten. Das Heck des Transporters senkte sich zur Straße hin; offenbar war er überladen.

"Sie ist wach", sagte eine raue Stimme.

Ich sah einen dunkle Haare und blinzelte, als ich Barney wieder erkannte. Der Mann, das versucht hatte, mich zu umzubringen. Jetzt war ich also in ihrer Gewalt.

Aber am Leben. Zumindest war ich am Leben.

Wieder wurde der Transporter durchgeschüttelt, und ich hatte den vagen Eindruck, dass sie über Bodenschwellen fuhren. Dann trat der Fahrer auf die Bremse, und der Wagen hielt an. Niemand bewegte sich, bis die beiden vorne sitzenden Männer ausgestiegen und nach hinten gegangen waren, um die Hecktüren zu öffnen. Smilee und Gunnar schwangen sich nach draußen, wobei ihre steinernen Füße die Farbe vom Boden des Wagens kratzten, und das Fahrzeug hob sich um mehrere Zentimeter.

Ich fühlte mich noch benommener als zuvor, obwohl ich die Nähe der Expendables spürte, die sich an mir vorbeidrängten.

Dann starrte ich in die wütenden, braunen Augen von Lee.

"Raus", befahl er.

Ich versuchte, meine Glieder zu bewegen, aber sie gehorchten mir nicht. Ich fühlte mich hilflos, fast gelähmt.

"Komm schon", knurrte Lee. Er packte mich an den Haaren und zog mich aus dem Transporter.

"Ahh", stöhnte ich gequält. "Schmerzt." Ich wollte noch mehr sagen, aber auch mein Mund gehorchte mir nicht mehr. Ich fühlte mich verloren, ein Gefangener im eigenen Körper, im eigenen benebelten Geist.

"Das schmerzt?", fragte Lee barsch, während er mich aus dem Wagen zerrte und über den Bürgersteig zu einem großen, konturlosen Gebäude schleifte. "Und wie ist das?"

Er hatte mich gewarnt. Seine Worte hatten mir verraten, was kommen würde. Aber so benommen, wie ich war, konnte ich nicht einmal reagieren, konnte ihm nicht ausweichen. Lee trat mir in die Seite, und ich schlug schwer auf dem Gehsteig auf. Ich krümmte mich zusammen, schnappte keuchend nach Luft, während der Schmerz in meinen Nieren wühlte, und ich war dankbar, dass er sein Tritt nicht höher angesetzt und mir keine Rippen gebrochen hatte.

Meine Augen öffneten sich flatternd, und für einen Moment sah ich mehrere Männer über mich stehen. Barney schien bereits in dem Gebäude verschwunden oder seines Weges gegangen zu sein. Smilee, Toll Road, Lee und der andere, der Dünne, Langhaarige namens Gunnar, sie alle beugten sich über mich und starrten mich an.

Ich blinzelte, und ich sah nicht, wie Lee zum Schlag ausholte und seine Faust in mein Gesicht versenkte.

"Das hat wehgetan", sagte er zu mir. "Und es ist erst der Anfang."

Ich war kaum in der Lage, die Augen offen zu halten oder mich auf irgendetwas zu konzentrieren, als sie mich in das große Gebäude zerrten. Aus irgendeinem Grund hatte meine Konzentrationsfähigkeit weiter nachgelassen. Sie führten mich durch einen langen, von Türen gesäumten Korridor. Am Ende des Korridors befand sich eine schwere, hölzerne Doppeltür.

Smilee öffnete sie.

Lee stieß mich hinein in die Dunkelheit.

Ich prallte gegen einen langen Holztisch, um dann, von Schwindel übermannt, langsam zu Boden zu sinken. Die Tür fiel krachend ins Schloss, und ich hörte, wie sie verriegelt wurde. Nur mit Mühe konnte ich den überwältigenden Brechreiz unterdrücken. Ich lag auf dem Boden und schloss die Augen.

Seufzend versuchte ich zu denken, versuchte verzweifelt, mich auf irgendetwas zu konzentrieren. Wenn ich nicht denken konnte, würde ich hier niemals wieder herauskommen. Doch der Schmerz zog mich in seine allseits vertraute Schwärze und das letzte was mir durch den Kopf ging war ein ironisches: Spitze!





Smilee


Charles LaCruze war tot. Auch sein Etablissement war Geschichte.

Der Virus war zerstört und unbrauchar. Die Menschen waren zumindest in dieser Hinsicht außer Gefahr.

Lilith LaCruze war unsere Gefangene und zudem unfähig sich im Kampf zu beweisen - was uns einen gehörigen Vorteil  verschaffte, wenn man bedenkt, wie kräftig sie war.

Weitgehend sollte ich also ein Gefühl des Triumphes verspüren. Unsere Entscheidungen und - zugegeben - unser  störrisches Verhalten verdankten wir den Sieg, also warum fühlte ich mich so unbehaglich in meiner Haut? Warum konnte ich auch nach einer Woche noch immer keinen Schlaf finden?

Eigentlich war der Grund ganz offensichtlich.

Dieser nannte sich eindeutig Lilith.

Eine Woche verharrte sie schon im Keller von Barneys Wohnung. Durch die Verletzung am Becken, war sie jedoch für ganze drei Tage in einen komaähnlichen Schlaf gefallen. Erst auf Drängen Tessas und meinerseits hin, verständigte Barney einen Arzt, der zumindest das Notwendigste unternahm, um ihren Zustand zu stabilisieren. Sie sah zwar noch immer aus wie eine lebende Leiche, aber wenigsten konnte sie in ihrem jetzigen Gemütszustand reden.

Nun..... Könnte, wenn sie denn wollte!

Bis jetzt war die Befragung noch vollkommen ereignislos verlaufen.

Und das Tragische und seltsam Verstörende war, dass ich - mit jedem Tag, an dem Lilith eine Gefangene war -, immer unruhiger wurde.

Zum einem - und das war uns jedem bewusst -, weil die Familie LaCruze IMMER für eine Überraschung gut war. Die  Tatsache, dass ihre Freunde, Ethan und Hector, noch immer auf freien Fuß waren und mit hoher Wahrscheinlichkeit schon einen Plan schmiedeten, wie sie das Mädchen befreien konnten, versorgte uns alle mit Unbehagen und ansteigender Ungeduld.

Aber andererseits auch, weil mich ihre Anwesenheit zunehmend aus dem Konzept brachte. Niemals werde ich  vergessen, wie sie den Tod ihres Vaters betrauerte. Wie sie von einem ganz normalen Leben als Mädchen zu einer heranwachsenden Frau sprach, als wäre sie dazu verdammt, ein Lebenlang eine emotionslose Puppe ihres Erzeugers zu sein. Jemanden zu spielen, den sie selbst ganz und gar zu verachten schien. Und niemals werde ich ihre verletzen und traurigen Augen vergessen, die so viel Erfahrung, so viel Leid und Kummer ausstrahlten. Ihre Stimme, die vor Verzeiflung bebte.

Bei der Erinnerung schloss ich meine Augen.

In der Sekunde ihrer Schwäche, hatte Lilith LaCruze weniger wie eine eiskalte, mordlustige Killerin ausgesehen, als lediglich wie ein Mädchen, dass auf der Suche nach Verständnis war.

Für eine winzige Sekunde hatte ich sogar Mitgefühl für sie empfungen und ich dachte an diese eine besondere Nacht zurück, wo sie in meinen Augen das sowohl stärkste als auch selbstbewussteste Mädchen war, was ich je gesehen hatte.

Nun fragte ich mich jedoch, wieviel Stärke und Selbstvertrauen sie wirklich besaß.

Und ich fragte mich, welche Seite an ihr - die Kühne, Selbstbewusste und sich um ihre Freunde sorgende, oder die Leidenschaftslose und Unberechenbare -, die echte und einzige war.

Aber vorallem quälte mich die Frage, warum ich mir solche Gedanken um sie zu machen schien. So sehr ich es auch versuchte. So sehr ich auch dagegen ankämpfte; sie ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Ich seufzte vor Erschöpfung, als ich vor einer großen, hölzernen Tür stand und ich meine Hand hob, um anzuklopfen.

Was machte ich hier eigentlich?

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, und sie war recht einfach: Ich brauchte jemanden zum Reden.

Diese unschlüssigen Gefühle waren mir fremd und ich brauchte jemanden, um sie zu verstehen. Und wer würde besser in Frage kommen, als meine beste Freundin Tessa.  

"Tessa?"

Es dauerte nur eine Sekunde, dann erklang ein fröhliches: "Komm ruhig rein"

Tessa hockte im Schneidersitz auf ihren Bett und lächelte mich an. "Hey Großer"

Ebenfalls lächelnd ging auf sie zu und hielt aprupt inne.

"Ehm....Tessa?" Zögernd hob ich einen Finger und deutete auf die pelzigen Nager, die um ihren Körper herum huschten, als suchten sie eine neue Nahrungsquelle. "Ich glaube, ihr habt eine Rattenplage"

Tessa schenkte mir ein nachsichtiges Lächeln."Hör auf zu spinnen und setz dich", sagte sie sanft und kloppfte auf dem Platz neben sich.

Genau in diesem Augenblick hoben die Nager ihren kleinen Kopf und musterten mich. Sie kauten und schnüffelten, worauf ich angewiedert das Gesicht verzog.

"Eh...Also....", murmelte ich und schielte mit sichtlichem Unbehagen zu ihren Freunden hinüber.

Wenn ich eines von ganzen Herzen verabscheute. Dann waren es Ratten, Mäuse oder überhaupt Tiere, mit einen langen, nackten Schwanz. Ihren kleinen, schwarzen Augen, die in der Dunkelheit so schimmerten, als würden sie Pläne schmieden die Weltherrscht zu übernehmen.

In den Augen vieler - süße Geschöpfe.

Pah! Süß wären sie nur zweifelslos dann, wenn sie in Kombination mit Süß Saurer Soße auf einem Teller serviert werden.

"Nun setz dich schon", lachte Tessa ungeduldig.

"Na schön", schimpfte ich, während ich mich hinzusetzen versuchte, ohne ein lästiges Vieh unter meinem Körper zu vergraben.

"Nun?" Tessa grinste mich zufrieden an. "Was kann ich für dich tun? Was bedrückt dich? Sprich dich aus mein Junge."

Ihre Stimmungshoch ließ mich schmunzeln. "Dir scheint es wieder besser zu gehen, hm?"

"Ja, sehr sogar", strahlte sie bis über beide Ohren.

Zugegeben, es war beruhigend Tessa so glücklich zu sehen. Gerade auch deshalb, weil ihr nach der Gefangenschaft so elend zumute war und sie mit niemanden wirklich reden wollte. Tag und Nacht verkroch sie sich in ihren Zimmer; ließ sich nur lediglich dann blicken, wenn das Abendbrot auf den Tisch stand oder sie einen Spaziergang machte, um - in ihren Worten -, abzuschalten. Dennoch! Einen Grund würde es für ihren plötzlichen Stimmungswandel bestimmt geben.

Zweifelnd hob ich meine Augenbraue. "Ich nehme an, der Grund dafür ist ein Junge?"

Tessa blinzelte ein paar Mal und sah mich dann an, als wäre sie gerade aus einer Hypnose erwacht. Mit einem Lächeln sagte sie: "Du nimmst richtig an..."

"O, ich war schon immer einsame Spitze im Ratespiel", scherzte ich. "Was ist passiert?

"Also..." Sie wich meinem Blick aus, und biss sich auf die Unterlippe, als würde sie die passenden Worte suchen. "Wie du ja mitbekommen hast, hatte ich ziemlich viele Schläge von Lilith einstecken müssen."

"Hm..." Ich zwang mich, nicht das Gesicht zu verziehen.

"Jedenfalls", fuhr sie fort. "Nachdem ihr beide in einem Kampf verwickelt wart - was ich ausgesprochen mutig von dir fand -, habe ich mich aus dem Staub gemacht"

"In deinen Zustand?", wunderte ich mich und hob erstaunt eine Augenbraue.

Ihr labilder Zustand war mir noch lebhaft in Erinnerung. Sie sah grauenhaft aus.

"Dazu komme ich doch noch", winkte sie ungeduldig ab. "Ich war mit den Kräften am Ende, weisst du? Nach den paar Meter, in denen ich mich mehr oder weniger davon geschleppt habe, bin ich neben dem Hangar zusammen gebrochen."

"Und dann?"

Sie blickte mich an und ein sanftes, beinahe verliebtes Lächeln erschien auf ihren Lippen. "Dann kam Hector"

Und während ich ihr aufmerksam zuhörte, erzählte mir Tessa jedes kleinste Detail von ihrem Zusammenstoß mit Hector. Angefangen von der Rettungsmission auf dem Flughafen und wie er sie ganz der Held auf seine Arme hob, um sie in den Hangar in Sicherheit zu bringen. Über das intime Gespräch und seinen packenden Worte. Bis hin zu dem Abschied und den - in ihren Worten -, atemberaubenden Kuss. Es klang aus ihren Mund, als würde sie einen vollkommen fremden Jungen begegnet sein, der mit all dem Chaos in keinster Weise etwas zutun hatte.

Auch gestand sie, wie sie sich in dem Augenblick fühlte. Sie war grenzenlos glücklich gewesen und sie wünschte sich, der Moment würde niemals enden. Sie wünschte, sie würden zusammen einen Weg finden miteinander glücklich zu sein und sie wünschte, er würde sich für das Gute auf der Welt entscheiden. Tessa glaubte in der Tat, sich in Hector verliebt zu haben.

Als sie am Ende ihrer Erzählung angekommen war, sah sie mich lächelnd und erwartungsvoll an. "Und?", fragte sie atemlos.

Ich gab mir Mühe neutral zu klingen. "Hm..."

Für einen kleinen Moment legte sich Stille um Tessas Zimmer. Dann sagte sie: "Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?"

Was glaubte sie von mir zu hören?

Selbstverständlich gönnte ich Barneys Tochter eine Beziehung zu einem Mann, den sie über alles liebte. Ganz im Ernst. Es wäre fantastisch, wenn sie jemanden finden würde, der sie ganz und gar und vollkommen glücklich macht.

Aber....

Ich zögerte einen Augenblick bevor ich sagte: "Was soll ich deiner Meinung nach sagen?" Seit langem schaute ich ihr wieder in die Augen. Meine Stimme nahm einen ungewollt sarkastischen Ton an, als ich sprach: "Dass ich euch alles Glück der Welt wünsche? Dass er der Richtige ist? Dass ihr zusammen alt werdet und wundervolle Nachkommen in die Welt setzt?"

Ich machte eine kurze Pause und schüttelte dann den Kopf. "Tut mir ehrlich leid, wenn ich deine Hoffnung zerstöre, aber das wird nicht geschehen"

"Was?" Tessa war fassungslos.

Ihre Augenbrauen zogen sich verärgert zusammen. Doch ehe sie zum Protest ansetzen konnte, nahm ich ihre Hand und bedachte sie mit einen eindringlichen Blick. "Tessa...", begann ich bemüht sanft zu klingen. "Hector ist neben Lilith unser Staatsfeind nummer eins. Hast du das vergessen? Er gehört zu den Bösen"

Trotzig verschränkte sie ihre Arme vor der Brust.  "Genau wie Lilith und trotzdem hast du mir ihr geschlafen"

Treffer!

Mein Herz zog sich für einen Atemzug grausam zusammen. Schnell bemühte ich mich um Fassung, damit sie nicht merkte, dass sie einen Nerv getroffen hatte.

"Und warum? Weil sie beide Blender sind.", erinnerte ich sie.

"Hector ist anders"

Dass ich nicht die Augen verdrehte, war schon eine übermenschliche Heldentat.

"Aber sicher ist er das. Wie konnte ich das nur vergessen" Herzlos lachend fügte ich hinzu: "Tagsüber ist er ein brutaler Killer, der sich einen Dreck um seine Mitmenschen scherrt. O, und Abends, also nach Feierabend, mutiert er zu einem Mann der Güte. Er kümmert sich um die Menschen im Obdachlosenheim und organisiert Spendengalas für krebskranke Kinder. O, und nicht zu vergessen, wie rührend er sich um die Opfer solcher Gewaltverbrechen wie-", ohne sie aus den Augen zu lassen, zählte ich an der Hand ab: "Sexueller Missbrauch, Menschenhandel, Manipulation, Misshandlung oder Bedrohung sorgt."

Ich holte Luft und hob die Hand, als Tessa wiedersprechen wollte. "Wenn du das glaubst, Tessa", sagte ich grimmig und zu Boden schauend. "Dann bist du naiver, als ich dachte"

Und damit war alles gesagt.

Vielleicht war es etwas unpassend und sehr wahrscheinlich hatte ich mich im Ton vergriffen und dadurch meine beste Freundin verletzt, aber der Umstand war so grotesk und unmoralisch, dass jede Form von Höflichkeit in Vergessenheit geriet.

Ich war es schlichtweg Leid, etwas Gutes in den Menschen sehen zu wollen, die über Leid und Tod regierten.

Nein! So sollte es einfach nicht sein.

Es war ganz und gar falsch für jemanden etwas zu empfinden, der von den Solen bis zum Haaransatz das reine Böse war.  Wir sollten uns zu den Menschen hingezogen fühlen, die uns schätzten; die uns glücklich machten. Menschen die unsere Lebenseinstellung teilten und für das Gute auf der Welt kämpften.

Für einen Moment kniff ich meine Augen zusammen, weil ich das Gefühl hatte, mörderische Kopfschmerzen zu bekommen. Dabei bemerkte ich das unbehagliche Schweigen und als ich einen Blick zu Tessa riskierte, erstarrte ich.

Mein Herz zog sich zusammen und schon bereute ich meine Worte von eben.

In Tessas Augen lag so viel Schmerz. So viel Enttäuschung.

Plötzlich spürte ich den Drang mich zu entschuldigen. Meine beste Freundin in den Arm zu nehmen und ihr zu sagen, dass alles wieder Ordnung kommen würde. Was war nur über mich gekommen, dass ich so verbittert reagierte?

"Tessa...ich-"

"Du bist so ein Arsch", unterbrach sie mich leise. In ihrer Stimme schwang solcher viel Zorn mit, das sie mir mit einem Mal ganz bedrohlich vorkam."So ein verdammter Idiot und....mir fehlen echt die Worte"

Sie schnaubte und schüttelte den Kopf, dass ihre braunen Locken flogen, wie bei einem kleinen Mädchen.

Dann sah sie mir geradewegs in die Augen. "Warst du 4 Tage in einem Keller gefangen? Hast du dich ständig fragen müssen, ob du je deine Freunde wiedersehen wirst? Nein!"

Als sie weitersprach, klang sie verzweifelt. "Du hast keine Ahnung, Smilee. Die Umstände waren schrecklich. So schrecklich, dass ich immer noch Alpträume habe. So schrecklich, dass ich bei jedem noch so kleinsten Geräusch aufschrecke. Und wäre Hector damals nicht an meiner Seite geblieben..." Sie presste sich Hand vor den Mund, aber ein Schluchzer kam trotzdem durch. "Ich wäre zerbrochen...", fügte sie leise hinzu.

Ich öffnete den Mund, fand aber keine Worte. Schuldbewusst senkte ich meinen Kopf.

"Es tut mir leid." Meine Stimme bebte vor Bedauern.

"Nein", sagte sie und klang nun um einiges sanfter. Sie nahm meine Hand und zwang mich in ihre braunen und mitfühlenden Augen zu sehen. "Mir tut es leid, dass Lilith dich mit ihrem schneinbar aufgesetzten Charme dazu gebracht hat, etwas für sie zu empfinden. Aber das ist noch lange kein Grund gleich zynisch zu werden."

Wieder ging ein schmerzhafter Ruck durch meinen Körper und allmählich erkannte ich die wahren Ausmaße meines Problems.

Trotz der Verachtung und dem tiefen, unbändigen Hass, den ich für Lilith empfand, fühlte ich mich dennoch von ihr angezogen.

Und das war im wahrsten Sinne des Wortes ein Paradox. Wie oft wünschte ich ihr einen grauenvollen Tod? Wie oft wollte ich sie selbst für die schrecklichen Taten richten?

Du wolltest, aber hättest du es denn wirklich getan?

Plötzlich wurde mir entsetzlich kalt und ich erschauderte.  Meine Hand ballte sich zu einer Faust und ich dachte über die verschiedenen Gelegenheiten nach, Lilith' Leben ein Ende zu setzen.

Damals in der Schule. Klar, ich hatte sie bedroht aber hätte ich meinen Worten Folge geleistet?

Vermutlich nicht.

Auch auf den Flughafen hatte ich sie nur sporadisch angeschossen, weil es mich graute ihr eine Kugel in den Kopf zu verpassen.

Es war reinewegs nur Glück, dass Barney andere Zwecke für das Mädchen im Sinn hatte, denn der bloße Gedanke, sie zu töten, versetzte mich beinahe in Panik. Aber aus welchem Grund fühlte ich mich so verloren, wenn es um Lilith ging?

Warum spürte ich Schmerzen, wenn ihr doch (gerechterweise) welche zugefügt wurden?

Weil, erklang wieder meine innere Stimme, du genau weißt, dass Lilith ein zerbrochenes Mädchen ist.

Weil sie, obwohl sie sich so stark gab, im Herzen doch sehr schwach ist....







Tessa Ross

Schweigend vor Kummer zogen die Expendables und ich uns am Abend in die Küche unserer Wohnung zurück. Gerade war Church von seinem Kreuzverhör mit Lilith aus dem Keller gekommen, und seine Miene verriet uns Anwesenden, dass er erfolglos gewesen war.

So wie schon die letzten Tage.

Wir brauchten dringend Information von dem Mädchen. Unter anderem, wo sich die Beweise befanden, die zeigten, im welchen Geschäft ihr Vater tätig war. Nur so konnten wir der Öffentlichkeit klar machen, dass ihr Bürgermeister mächtig viel Dreck am stecken hatte und dass er keineswegs ein liebevoller und sorgender Mensch war, wie ihm die Medien gerne betietelten.

Aber es war aussichtslos.

Alle Dokumente aus ihrem Haus, die uns in Anbetracht der Lage helfen konnten, wurden gestohlen und Lilith schwieg und nahm dafür auch gut und gerne die grobe Variante im Kauf.

Seufzend gab ich Smilee eine Dose Cola. Wir lehnten uns an die Küchenzeile, während Barney und seine Crew sich auf den Stühlen am Esstisch niederließen.

Allesamt sahen sie mehr als nur erschöpft aus.

"Und sie will einfach nicht sprechen?", brach Barney das Schweigen.

"Keine einzige Silbe", bestätigte Church mit einem Seufzer, der deutlich zeigte, wie wütend er darüber war.

"Hast du es mit der allseits bekannten Foltermethode versucht?", fragte Lee.

Church lächelte auf seine Hände, die auf den Tisch lagen.

Sein Lächeln war seltsam - irgendwie sarkastisch, fast ein hönisches Grinsen. "Alle die mir bekannt sind"

Smilee und ich tauschten einen leidgeprüften Blick. Dann sagte ich: "Was hast du mit ihr angestellt, Church"

Einen Augenblick legte sich Stille um die Küche und mir kam der erschreckende Gedanke, dass Lilith bereits tot war. In den letzten Tagen war ihr Zustand zwar stabil geblieben, aber wie viele Schläge konnte sie einstecken, ohne dass es auch ihren Körper zu viel wurde. Klar, sie war stark und durchaus tranierter, aber sie war auch nur Mensch.

Für alle Versammelten vermutlich kein besonders schlimmer Verlust, doch mir war bei der Vorstellung alles andere als wohl. Und Smilee sicherlich auch nicht.

Als ich meinen Mund öffnete, um zu bekunden, dass ihre Methoden untragbar waren, hob Church sein Blick und richetete ihn geradewegs auf Barney.

"Nun...."






Lilith LaCruze (Eine Stunde zuvor)


Ich versuchte stöhnend die Dunkelheit abzuschütteln, die über mich gekommen, war wie längst überälliger Schlaf. Mit der unverletzten Hand tastete ich vorsichtig nach der Platzwunde an meinem Kopf. Mein Haar war völlig verklebt von halb geronnen Blut, das mir bis in die Augen gelaufen war. In meinen Handgelenken tobte ein hämmender Schmerz.

Wahrscheinlich hatte genau dieser Schmerz mich aus der sekündlichen Ohnmacht geholt. Im ersten Moment wusste ich weder, wo ich war, noch, was eigentlich geschehen war.

Bis ich seine Stimme hörte: "Du bist doch ein großes Mädchen, Lilith. Dich haut soetwas doch nicht um, oder?"

Church!

Wie konnte ich das nur vergessen?

Er war in den Keller gekommen, um mir Fragen zu stellen. Fragen, die ich ihm unmöglich beanworten konnte. Zu Strafe schlug er auf mich ein, schleuderte mich in meinem äußerst schwachen Zustand durch das Zimmer, als wäre ich ein leichtes Spielzeug. Zugegeben, die Methode durch Folter an Antworten heranzukommen, war genauso klassisch wie durchaus effektiv, aber in meinem schweren Fall verfehlte sie ihre Wirkung auf ganzer Ebene.

"Ihre Mühe können Sie sich sparen, Agent Church." Mit einem vom Schmerz verkrampften Grinsen kam ich auf die Beine. Ich ignorierte den Schmerz, als mein geschundener Rücken die Wand berührte und blickte den CIA-Agent herausfordernd in die Augen. "Sie brauchen Information? Nur über meine Leiche"

Und das war mein voller Ernst.

Ich würde ihnen niemals die Namen meiner Freunde verraten, geschweige denn, ich würde ihnen sagen, in welchen Löcher sie graben sollten, um die geheimen Machenschaften meines Vaters zu finden. Sicher, ich befand mich in einer äußerst kritischen Lage aber ich würde an meiner Familie niemals Verrat begehen.

Familie! Freunde! Unbewusst schweiften meine Gedanken wie so oft in den vergangenen Tagen zu Hector und Ethan und Laney. Ich fühlte mich schrecklich bei dem Gedanken, dass sie sich wegen mir solche Sorgen machten. Wie gern hätte ich ihnen irgendwie zugebeamt, dass ich okay war. Naja, zumindest für den Augenblick, räumte ich in Gedanken ein.

Hoffentlich waren sie gesund und wohl auf.

Churchs tiefes Lachen riss mich aus meinen Gedanken. Als ich blinzelnd zu ihm aufschaute, bemerkte ich, dass er vor mir stand; ein boshaftes Grinsen auf seinen Lippen, was mir unwillkürlich einen Schauer über den Rücken jagte.

"Daran arbeiten wir, Schätzchen"

Drohend verengte ich meine Augen. "Versuchen Sie es doch."

Dann stieß er mir mit brutaler Gewalt den rechten Handballen unters Kinn. Mein Kopf flog in den Nacken und ich verlor den Boden unter den Füßen. Im Straucheln klammerte ich mich an Churchs Weste und riss ihn mit mir zu Boden. Auf keinen Fall würde ich mich kampflos ergeben!

Ich fiel hintenüber und knallte hart mit dem Kopf auf den Boden, sah einen beängstigenden und schmerzhaften Augenblick lang nur noch Sterne vor den Augen. Dennoch war es mir im Fallen gelungen, dem Agent den Fuß in den Unterleib zu stemmen und ihn über mich hinwegzuhebeln. Mit lautem Grunzen krachte er nun hinter mir auf den Boden. Ich rollte mich keuchend auf die Seite und war im nächsten Moment bereits wieder auf den Beinen. Churchs kurzzeitige Verblüffung verschaffte mir einen kleinen Vorteil, und ich hatte keineswegs die Absicht, diesen ungenutzt zu lassen. Ich stürzte mich auf ihn und rammte ihm, gerade als er im Begriff war, sich wieder aufzurappeln, mein Knie ins Gesicht. Der Mann brüllte vor Schmerz laut auf, holte dann zu einem unkontrollierten Schwinger aus und erwischte mich mit der Faust am Ohr. Knorpel knackten, und Haut zerplatzte unter der Wucht seines Schlages. Ich spürte, wie warmes Blut meinen Hals hinablief. Ich verlor den Halt und fiel wie betäubt auf den Boden.

"Meine Güte, Lilith", lachte Church grausam. "Heute kommst du wohl nicht auf deine Kosten, hm?"

Schwer atmend blieb ich liegen, zu erschöpft, um wieder aufzustehen, zu kraftlos, um weiterzukämpfen. Ich war zu schwach; zu ausgelaugt; mein Ganzer Körper fühlte sich ramponiert an.

Zudem war ich totmüde, hungrig und so verdammt durstig.

Ich schloss meine Augen. "Glauben Sie mit Gewalt kommen Sie weiter?" Als Church zu einer Antwort ansetzen wollte, schnitt ich ihm mit einem selbstgefälligen Lachen das Wort ab. "Nur zu. Sie haben keine Ahnung, wo meine Schmerzgrenzen sind.", fügte ich halb grinsend hinzu.

Als Rechte Hand lernte ich schon früh mit Schmerzen und Qualen umzugehen. Sie waren genaugenommen ein ständiger Wegbegleiter; sie kommen und sie gehen, sowohl psychisch als auch körperlich und in seltenen Fällen hinterlassen sie auch Narben.

Plötzlich erstarb mein Grinsen, weil ich spürte, wie Church einen Fuß auf meinen Bauch drückte - Nur ein paar Millimeter von meiner Schusswunde entfernt.

Vor Schmerzen kniff ich meine Augen zusammen; aber Klagelaut kam trotzdem über meine Lippen.

"Menschen wie du sind der Grund, warum ich mich vor Jahren für das Gesetz entschieden habe", sagte Church mit grimmiger Stimme.

"Achso?", krächzte ich hustend. "Und ich war der Meinung, es wären die Unmengen an Geldbeträgen; die Vormacht über das Volk und die gesinnungslose Korruption."

"So ist deine Meinung?"

"Ach kommen Sie schon. Ihr Cops seid so besessen nach Anerkennung und Erfolg, dass Ihnen noch so jedes perfide Mittel recht ist. Ihr nennt euch das Gesetz?"

Ich öffnete meine Augen und sah dem Agent direkt an. In dem seltsam trüben Licht der Abenddämmerung wirkte er wie ein Henker.

"Irgendwann, Agent . Werden auch Sie einsehen, dass Sie Tag für Tag - Verzeihen Sie den Ausdruck - nur gefickt werden. Ihr seid im Grunde die Spieler auf dem Feld. Die Kämpfer; die Macher, die jeden beschissenen Befehl ausführen, wie ein reudiger Hund"

Als Church zunächst auf meine kleine Rede sprachlos war, zog sich ein zufriedenes Lächeln um meine Mundwinkel.

"Aber die Denker; die Taktiker, sind weitaus gerissener", fuhr ich unverdrossen fort. "Sie sind mächtig; halten sich stets im Hintergund und sie stellen die Regeln auf. So war das schon immer gewesen und so wird es immer sein und dennoch könnt ihr guten Menschen - die sich aus wahren Absichten dem Gesetz verschrieben haben -, rein gar nichts dagegen ausrichten. "

Wen ich damit meinte, war zweifelslos Klar.

Die Großen, Mächtigen, die das Land regierten waren alles andere als gutmütige Menschen. Aber das wollte ich ihm keineswegs unter die Nase reiben. Irgendwann, dachte ich zynisch, wird die Zeit kommen, in der alle ihre Maske fallen lassen und ihr wahres Gesicht zeigen. Und dann, ja dann, werde ich vorbereitet sein, während die anderen - die Gutgläubigen -, sich fragen, wie das alles nur geschehen konnten.

"Na schön." Church räusperte sich, wie um seine Fassung zurück zu erlangen. Dann nahm er seinen Fuß zurück; ging in die Hocke und packte meinen Unterarm. "Ich habe die Schnauze voll von deinen Spielchen."

Er hielt mein Handgelenk so fest umklammert, dass ich die Zähne zusammenbiss und darauf wartete, meine Knochen brechen zu hören. Doch das geschah nicht. Oh, welche Freude! Immerhin würden meine Glieder noch intakt sein, wenn der Agent mich umbrachte!

"Ich frage dich zum letzten Mal, Lilith", sagte er betont leise und um Beherrschung bemüht. "Wer sind deine Komplizen? Wem wolltet ihr den Schadstoff übergeben? Und-"

"Wo sind die Beweise für die korrupten Geschäfte meines Vaters.", schloss ich sein lahmes Verhör."Alles was Sie mich schon gefragt haben. Es wird allmählich langweilig"

"Also?"

Ich drängte den Schmerz zur Seite und erwiderte seinen hasserfüllten Blick. "Nein."

"Das ist ein Fehler, Junge Dame."

Churchs Miene verzog sich zu einer gespielten Grimasse des Bedauerns und ich wusste, was auf mich zukam. Instinktiv spannte ich meine Muskeln an.

"Tun Sie alles, was Sie für nötig halten, Agent." Zum Glück klang meine Stimme sehr viel ruhiger, als ich mich fühlte. "Prügeln Sie es aus mir heraus. Bringen Sie mich zum Schreien, bringen Sie mich dazu, um Gnade zu winseln. Das ist doch genau Ihre Masche, oder? Drohungen, Gewalt, Unterdrückung. Damit bringen Sie die Krimenellen für gewöhnlich zum Reden. Aber Sie vergessen, mit wem Sie es zutun haben"

Ich gab meiner Stimme einen bewusst schneidenden Unterton und sagte: "Ich bin Lilith LaCruze. Gewalt, Mord, Täuschung. Das alles gehört zu meinen Leben. Damit bin ich unglücklicherweise aufgewachsen. Wenn Sie also glauben, Sie können mich somit einschüchtern, dann haben Sie sich geschnitten. Ich werde Ihnen nichts verraten. Lieber sterbe ich."

Und das war alles und das Letzte, was ich dazu zu sagen hatte.

Church betrachtete mich nachdenklich, bevor er antwortete. "Hm."

Seine Hand, die noch gerade eben mein Handgelenk umklammert hielt, wanderte zu meiner Schusswunde. "Hübsche Wunde hast du da....", säuselte er süßlich.

Ich wurde bleich und in meinen Augen flackerte Furcht auf.

"Mal schauen, was ich damit so anstellen kann"

Und dann schrie ich vor Schmerzen auf.






Tessa Ross


"O man, Church...." Ich schüttelte voller Abscheu den Kopf.

Das würde zumindest den ohrenbetäubenden Schrei erklären, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Auch wenn ich für Lilith absolut keine Sympathie oder auch nur Ansatzweise soetwas wie Migefühl empfand, fand ich das alles mehr als nur grausig und unnötig.

Was jedoch auch daran liegen konnte, dass meine Gefangenschaft nicht im Geringsten so verlaufen war. Allein bei den Gedanken sträubten sich bei mir die Nackenhaare.

"Wenn sie uns also nichts sagen wird-", grübelte Barney und rieb sich gedankenverloren das Kinn. "Wozu ist sie dann noch hier?"

"Ja", stimmte Smilee zu. "Bringen wir sie einfach hinter Gittern." Sein Ton war sehr neutral, aber ich sah, dass seine Kiefermuskeln sich anspannten, vielleicht vor Ärger und Sorge.

"Und mit welchem Motiv?", platzte es aus Church heraus. "Sie ist die Tochter vom Bürgermeister. Wie werden die Medien darauf reagieren, wenn sie erfahren, dass sie im Knast sitzt? Davon abgesehen, wird kein Richter dieser Stadt es zu so einem Urteil kommen lassen. Was wir brauchen, sind Beweise"

"Apropo", meldete ich mich zu Wort und ich richtete meinen fragenden Blick auf dem Agenten. "Wie hat die Öffentlichkeit auf den Tod von Charles LaCruze reagiert?"

In dem Augenblick, in dem er schwieg, tauschten Smilee und ich einen skeptischen Blick.

Dann seufzte der Agent und sagte zu meinem Entsetzen: "Sein Tod bleibt vorerst geheim."

Mir klappte die Kinnlade runter. "Und seine Leiche?"

"In Verwahrung der CIA", antwortete Barney an seiner Stelle, ohne vom Tisch aufzuschauen. Anscheinend gefiel ihm die ganze Sache genauso wenig wie mir.

"Meine Männer haben den ganzen Platz gesäubert, bevor ihn Zivilisten betreten konnten. Der Flugplatz ist wie neu.", fügte Church hinzu.

"Und den Rest der Leichen?", fragte ich und wurde immer nervöser.

Das konnte doch unmöglich ihr Ernst sein!

"Verbrannt"

Heilige Scheiße!

Sie haben ein ganzes Leichenarsenal einfach verbrannt? Als wäre nie etwas geschehen?

"Heftig", sprach Lee meine Gedanken aus.

War das zu fassen?

Das waren Menschen, vielleicht sogar mit Familie und Freunden und eine Zukunft und Hoffnung und Church kehrte sie sprichwörtlich unter dem Teppisch, als wären sie niemals da gewesen. Herzlos!

Ich konnte nur fassungslos den Kopf schütteln.

"Was hast du vor?", fragte Barney, als ich meine Cola auf den Tisch stellte und die Küche verließ.

"Ich rede mit Lilith", sagte ich ohne innezuhalten.

Ich wollte dem endlich ein Ende bereiten.

"Warum? Das hat doch Church schon versucht", erinnerte mich Barney.

"Nein" Ich warf einen anklagenden Blick über meine Schulter zu Church und rief. "Er hat sie bedroht und ihr Schmerzen zugefügt. Ich werde mit ihr reden."
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