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The Beloved Devil

GeschichteThriller, Familie / P18 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Hale Caesar Hector
30.11.2013
20.05.2014
18
89.028
 
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30.11.2013 6.874
 
Lilith LaCruze

In meinen Job als Rechte Hand, hatte ich in meinem Leben schon so einige entsetzliche Dinge gesehen. Aber das hier, war so schlimm, dass sich sogar mein eiserner Magen umdrehte.

Soldaten aus eigenen Reihen sanken blutüberströmt zu Boden. Ein dröhnendes Gewitter legte sich über den Flughafen. Schmerzgeplagte Schreie und klägliche Hilferufe drangen in meine Ohren; versuchten an meinem Bewusstsein zu zerren. Irgendwo tief in meinem Inneren, verspürte ich den Drang zu rennen, zu schreien und zu kämpfen.

Und ich ignorierte es.

Starr stand ich auf der selben Stelle und starrte wie benommen auf die Leiche meines Vaters. Auf den Mann, der mich seit der Geburt in seinen schützenden Händen barg. Der Mensch, der mich auf seine eigene, verschrobene Art und Weise doch liebte. Der Mensch, der mir alles beibrachte; dem ich stets zu Seite stand. Der Mensch, der trotz seiner suspekten und grauenvollen Persönlichkeit, eine Stütze in meinem Leben war. Jemand, auf dem ich mich verlassen konnte, jemand der mir Grenzen zeigte und mich falls nötig in die Schranken wies. Jemand, mit dem ich niemals alleine war. Und nun?

Nun war er einfach fort. Und es gab absolut nichts, was ich dagegen tun konnte. Ich war vollkommen hilflos.

Machtlos angesichts des abscheulichsten Bildes, das ich je gesehen hatte.

"Lilith! Verdammt noch mal."

Die Schüsse wurden immer grollender, die Rufe immer lauter. Schlagartig hob meinen Kopf, als jemand meinen Namen rief.

Plötzlich spürte ich zwei Arme um meinem Körper und ich wurde grob zu Boden gerissen. Instinktiv schloss ich meine Augen und als mein Kopf auf den kalten Beton aufschlug, hörte ich über uns das Einschlagen von Kugeln.  

Gott sei Dank war Ethan noch rechtzeitig gekommen.

Schmerzvoll stöhnend kam ich auf die Beine und schaute über den Flughafen und mein Blut gefror zu Eis. Mein Gesicht wurde blass und mir wurde unheimlich kalt. Überall auf dem Gelände stürmten Soldaten, schossen und starben. Ich drehte meinen Kopf nach rechts und sah Hector und Ian, wie sie in den Gegenangriff übergingen. Nach links, wo Jake versuchte aus dem Chaos zu entkommen und...

Ein Ruck des Entsetzens ging durch meinem Körper, als eine Kugel ihm am Kopf erwischte und er sofort zu Boden ging. Blut verteilte sich quer über den Boden.

Ein Schauder durchfuhr mich wie ein geladener Stromschlag. Ich zitterte so heftig, dass ich glaubte mich übergeben zu müssen.

"Lil..." Blinzelnd schaute ich zu Ethan hoch. Er nahm mein Gesicht in seine Hände und sah mir tief in die Augen. "Hör zu. Es tut mir leid wegen deinem Vater Lilith, aber der Kummer muss warten. Verstehst du mich?"

Ich nickte und versuchte meine plötzliche Panik zu verbergen. Er legte die Hände fester an mein Gesicht und sprach langsam und überlegt.

"Wir werden von jemanden angegriffen und was ich jetzt von dir erwarte, ist höchste Konzentration. Verstanden?"

Wieder nur ein Nicken.

Meine Kehle war so zugenschnürt das ich kaum etwas heraus brachte. Dann ging ein Zucken durch mein Körper, als erneut eine Kugel vor uns auf den Boden aufschlug.

"Diese verdammten Bastarde", zischte Ethan, während er meinen Kopf schützend unter seinen Armen barg. "Den werde ich-" Seine Worte verloren sich in einem Donnerhagel, wodurch sich meine Kopfschmerzen verschlimmerten. Keuchend kniff ich meine Augen zusammen.

Verdammt, schimpfte ich lautlos. Sich in Folie eines Geschehens zu verbegen, war eine clevere Strategie. Sich jedoch zu verstecken, während sie Menschen um Menschen das Leben nehmen, war sogar für meinen Geschmack zu feige.

Irgendwann verebbte das Dröhnen. Wütend stieß ich die Luft aus

"Ethan? Alles klar?", fragte ich und schob mich aus seiner schützenden Haltung, um zu ihm aufzusehen.

Doch es kam keine Antwort. Mit grimmiger Miene schaute er in die Ferne, und als ich seinen Blick folgte, versetzte es mich in Starre.

Aus einen Hangar aus dem Flughafen kamen drei Gestalten zum Vorschein. In ihren Händen Gewehre und auf ihren Lippen ein Lächeln und es traf mich wie ein Fausthieb. Sie waren die Angreifer....Sie waren die Mörder meines Vaters.

Die Expendables.

Eine Welle aus Abscheu und ungeahnten Hass durchlief meinen Körper.

"Ethan", begann ich tonlos, ohne den Blick von Barney, Smilee und Lee zu nehmen. Ich griff in meine Tasche. "Nimm das Virus und verschwinde."

"Was?" Entsetzt sah er mich an. "Nein!"

"Vater würde wollen, dass wir den Auftrag beenden", fuhr ich ihn an. Ich schnappte mir seine Hand und legte das Gläschen mit der blauen Flüssigkeit in seine Handfläche."Und ich lasse mir von den Versagern nicht die Tour vermiesen. Sie wollen Krieg? Den sollen sie bekommen!"

Entschlossen zückte ich meine Pistole und setzte ich mich auf, wurde jedoch sogleich von Ethan am Arm gepackt und zurück gezogen. Sorge und Kummer schimmerte in seinen blauen Augen, und er sagte: "Pass auf dich auf."

"Du auch", erwiderte ich knapp und bemühte mich um ein Lächeln.

Und dann eilte er davon.

"Hmm. Ob das eine gute Idee war?"

Ich wirbelte herum. Tessa und Ceaser standen neben dem Flieger und musterte mich mit emotionslosen Augen. Miese Schlampe, dachte ich. So wollte sie es mir also danken? Indem ihre Familie meine Familie umbringt, um letzendlich auch mir den Garr auszumachen? Nur über meine Leiche.

Ich erhaschte einen Blick über meine Schulter zu Ethan, der nun in einem Kampf mit Smilee verwickelt war.

Verdammt! Wir sind in Schwierigkeiten, dachte ich mit einen besorgten Blick zu Hector, der sich Toll Road und Yang in den Weg stellte.

Ich wandte mich abermals zu Tessa und Ceaser um und entkam so in Letzten Moment einen Angriff von dem großen, schwarzen Mann. Er sprang mich an; ich duckte mich; schmetterte ihm den Ellenbogen gegen den Hinterkopf und schickte ihm zu Boden.

Mit einem Achselzucken zu Tessa, sagte ich: "Jetzt wird es also persönlich, hm?"

"Was soll ich sagen? Es war niemals persönlicher", antwortete Tessa.

Dann rannte sie auf mich zu, doch es war Ceaser, der mich zu Seite schleuderte. Ich prallte mit dem Rücken gegen das Heck des Fliegers und keuchte, als die Luft aus meiner Lunge wich. Dann sprang ich wieder auf und nahm Kampfhaltung ein.

"Hat euch eure Mama nicht beigebacht, wann es Zeit ist, die Leinen loszulassen?"

Ich sprang in die Luft, drehte mich um die Achse und trat dem Großen wuchtig gegen die Kopfseite. Er stöhnte und wich stolpernd zurück. Ich nutzte den Moment der Schwäche, um in die Offensive zu gehen und das Gesicht und den Hals meines Gegners mit brutalen Schlägen einzudecken. Der Mann wirkte leicht benommen, konnte aber offenbar noch weit mehr Treffer einstecken.

Ich sah mich hastig um. Ethan wurde erneut von Smilee bedrängt. Und Barney und Lee taten ihr Bestes, um Ian zu packen, der sich gerade noch rechtzeitig duckte, als die Männer das Feuer eröffneten.

Gut, dachte ich. Ians Tod wäre kein Verlusst.

Währenddessen rang Hector mit Toll Road, aber seine Beretta war zum Himmel gerichtet statt auf dem Feind, wie es eigentlich richtig gewesen wäre.

Ich war so sehr mit der Sorge um meine Freunde beschäftigt, dass ich die Gefahr, in der mich sich befand, fast nicht bemerkt hätte.

"Ich brauche keine Waffen, um dich - Kleines Mädchen - ins Jenseits zu befördern", schrie Ceaser und schlug nach mir.

Ich wurde getroffen, ging unter der Wucht des Hiebes zu Boden und rollte über den Asphalt. Als ich wieder aufsprang, war ich nur ein paar Schritte von Hector entfernt.

"Gut", keuchte ich vor Anstrengung. "Ich auch nicht."

Ich warf mich nach vorn, stützte meine Handteller auf die Brust des Mannes, verlagerte mein Gewicht auf die Hände, warf die Beine hoch und schmetterte meine Absätze dem Schwarzen ins Gesicht.

Als meine Füße wieder den Boden berührten, sprang ich über den gestürzten Bombenexperten hinweg und eilte Hector zu Hilfe.

Toll Road machte sich gerade daran, meinen Freund die Kehle zu durchschneiden. Er versuchte ihm eine Kugel zu verpassen, aber Yang packte seine Handgelenke.

"Ich erledige das", sagte ich zu Hector und entriss ihm seine Beretta. Ich stieß Yang zu Seite und schoss Toll Road in die Schulter. Stöhnend sank er zu Boden.

"Vielen Dank", keuchte Hector und wandte sich ab, um sich Yang vorzunehmen.

"Das ist mein Job." Ich lächelte kurz und versetzte Toll Road, der sich soeben wieder aufrichtete, einen Tritt gegen den Kopf. Er kippte unter der Wucht des Treffers nach vorn und landete mit dem Gesicht auf dem Beton. Das schien ihn noch wütender zu machen als der Tritt selbst.

Ich erhob die Waffe, um sein Leben zu beenden, aber Tessa rammte mich und durchkreuzte so meine Absicht. Ich fiel der Länge nach hin, doch es gelang mir, dem Mädchen ein Bein zu stellen, als die zum Angriff ansetzte. Dann lagen wir alle auf dem Boden, Toll Road, Tessa und ich.

Tessa setzte sich auf mich und versuchte, sie abzuschütteln, zunächst jedoch ohne Erfolg. Mit letzter Kraft gelang es mir dann doch, mich zu befreien und aufzuspringen. Plötzlich ragte Lee drohend vor mir auf, und ich fragte mich, ob dies das Ende war.

In diesem Moment holte Ethan mit seinem Faust aus und traf Lee im Genick. Ohne Waffe war dies seine einzige Waffe, und er setzte sie gekonnt ein. Er schrie auf, fuhr herum und schmetterte Ethan die Faust gegen die Wange.

Ein reines Durcheinander, dachte ich, während ich prüfend über den Flughafen spähte. Toll Road und Ceaser lagen am Boden, Ethan kümmerte sich um Lee. Hector kämpfte mit Yang aber es fehlte jede Spur von Barney, Smilee und auch von Ian.

Ich knurrte wütend auf, warf mich nach hinten und prallte gegen einen Truck. Tessa grunzte, und wir beide rollten über den Boden.

Das Mädchen landete auf mir.

"Dad", schrie sie.

Jetzt, dachte ich und verpasste ihr einen heftigen Schlag gegen die Schläfe, der ihr sofort das Bewusstsein nahm.

Ich richtete mich auf, bereit, den Kampf fortzusetzen, und musste erkennen, dass der Zustand, in dem wir uns befanden, nicht besonders rosig war.






Smilee


Verzweifelt verschränkte ich die Arme über mein Kopf. Toll Road, Yang und Ceaser lagen auf dem Boden; bewusstlos und nicht im Stande zu kämpfen. Es war nur einem geringen Umstand zu verdanken, dass sie noch am Leben waren.

Lee und Barney kümmerten sich gerade um den Jungen mit dem Namen Ethan , während der Junge namens Hector - der, der auch Tessa um den Verstand brachte, mit Gunnar in einem Kampf verwickelt war. Und das Tragische war, dass beide überlegen waren. Ganz zu Schweigen von Lilith, die ohne Skrupel Ceaser - unseren stärksten Mann - ausser Gefecht gesetzt hatte.

Verdammt! Sie war ein 19 jähriges Mädchen aber ihre Kunst zu kämpfen war nahezu ein Ding der Unmöglichkeit.

Zu was wurde sie erzogen? Zu einem grausigen und kalten Wesen, ohne den Hauch einer Emotion? Ohne ein Gewissen? Hauptsache, sie konnte sich im Kampf beweisen? In meinen Augen war die Tochter von Charles LaCruze nur für eine einzige Sache erzogen worden. Um als Waffe zu dienen und das war eine Tatsache, die ich mit Abscheu und Grauen betrachtete.  

Irgendwo aus der Ferne drang ein markerschütternder Schrei in den Abend.

Hastig wirbelte ich herum. Tessa!

Ohne eine Sekunde des Zögerns, setzte ich mich in Bewegung. Während ich in die Richtung rannte, aus der der Schrei gekommen war, suchte ich das Gelände rechts und links mit den Augen ab, wich am Boden liegenden Soldaten aus. Für alle Fälle zog ich mein Gewehr zum Anschlag um vorbereitet zu sein.

Wieder ein Schrei, doch diesmal war er noch lauter und verzweifelter.

Ich rannte schneller und fragte mich, was mich erwartete.
Tessa, die um ihr Leben kämpfte? Oder eine bereits- Nein!
Für den Bruchteil einer Sekunde wünschte ich, woanders zu sein, doch dann schob ich den Gedanken beiseite. Ich hatte mir doch Action gewünscht. Nun war sie da.

Voller Angst, ich könnte zu spät kommen, bog ich um einen Truck und erhaschte die Situation mit einem Blick.

Tessa lag wimmernd und um sich tretend auf dem Boden, während Lilith ihren Hals umklammert hielt.

Ich gab mir keine weitere Sekunde Zeit zum Nachdenken. Ich näherte mich dem Mädchen, mein Gewehr zum Anschlag, um mich zu verteidigen. Lilith blickte auf, aber in ihren grossen, schönen Augen zeichnete sich keine Uberraschung ab. In dem Augenblick, in dem ich in Angriffsreichweite kam, sprang die Blondine mit einem blitzschnellen Satz auf und brachte mit überraschender Behändigkeit einen grösseren Abstand zwischen uns.

"Smilee", sagte sie zu Begrüßung. "Ich sehe schon, wir kommen beide nicht voneinander los. Was für ein Jammer."

"Lass das", zischte ich und ging auf sie zu. "Lass Tessa gehen."

"Ich habe sie schon einmal gehen lassen und das war ein Fehler, den ich bereue." Sie runzelte ihre Stirn und schaute über den Flughafen. Flüsternd fügte sie hinzu: "Als Dank für meine Güte, habt ihr meinen Vater ermordet."

"Dein Vater war ein Monster."

Rechtfertigte ich mich gerade?

Ihr Vater war ein Mann, dem es zu verdanken war, warum den Menschen zu viel grausames Leid geschah. Er war ein Henker; dem das Unglück andere Menschen egal war. Und er verdiente den Tod.

"Ja." Lilith verzog das Gesicht und für eine Sekunde glaubte ich Trauer in ihren Augen zu sehen. Dann straffte sie ihre Schulter und reckte das Kinn gen Himmel. "Aber er war mein Vater."

Ich warf einen Blick zu Tessa, die am Boden lag aber noch am Leben war. Erleichterung strömte durch meinen Körper und atmete geräuschvoll aus. Lilith bemerkte meine Reaktion und ein Grinsen erschien auf ihren Lippen.

"Keine Sorge, Smilee", sauselte sie. "Nur eine Verzögerung. Sobald ich mit dir fertig bin, werde ich mich um sie kümmern."

"Du willst gegen mich kämpfen?" Ich gab mich unbekümmert, doch in meinen Inneren tobte ein Sturm. "Nur zu. Überrasch mich, Schätzchen"

Lilith' Lächeln wurde erst breiter und verwandelte sich dann plötzlich in ein höhnisches Grinsen. "Spielen wir nach meinen Regeln." Sie warf das Messer und ihre Pistole auf dem Boden und hob abwehrend ihre Hände. "Ohne Waffen. Nur ein Mädchen und ein Junge. Ein fairer Kampf, oder?"

"Fair?", wiederholte ich zynisch, um dann sarkastisch zu schnauben. "Keine Ahnung, was du eine Vorstellung von Fair hast. Aber deine Einstellung würde ich grundlegend ändern."

Wir sprangen gleichzeitig und krachten in der Luft zusammen.

Als wir zu Boden fielen, verfehlte meine Faust das Ziel gleich meilenweit - Lilith war schlicht und einfach nicht da. Ich dagegen war offensichtlich genau an der Stelle, an der ich nicht hätte sein sollen; es ging so schnell, dass ich die Bewegung nicht einmal sah, dafür fühlte ich den Handkantenschlag, der mich links unterhalb des Kiefers erwischte, umso deutlicher. Hätte ich nicht schon vor langer Zeit gelernt, meine Kehle mit dem Kinn zu schützen, dann hätte dieser Schlag vollkommen gereicht, mir die Luftröhre einzudrücken.

Ich rollte mich zur Seite ab, doch als ich wieder hochkam, musste ich feststellen, dass Lilith längst wieder auf den Beinen war und sich, auf einen neuen Kampf gefasst, bereits erwartete.

Ich war nicht gewillt, einen weiteren Zusammenprall in der Luft zu riskieren, daher stürzte ich mich auf die Beine meiner Gegnerin, um sie mit einem Ringergriff zu fällen. Lilith kam mir zuvor, indem sie beide Hände zwischen meinen Schulterblätter hämmerte, als diese auf mich zukam – bei einem normalen Menschen hätte der Hieb gereicht, das Schlüsselbein zu brechen wie einen Zahnstocher.

Und plötzlich lag ich mit dem Gesicht nach unten am Boden, beide Arme und Beine von Lilith Gliedern umschlungen, und konnte mich nicht mehr rühren.

"Warum konnte es nicht einfach eine wunderschöne Nacht bleiben. Hm?", fragte Lilith leutselig. "Warum der ganze Aufwand?"

Anstelle einer Antwort versuchte ich, mich zu befreien, was ein großer Fehler war; Schmerz raste durch meine Gelenke an Schultern und Hüften, und mein Hals fühlte sich an, als müsste er jeden Moment brechen. Ich steckte in echten Schwierigkeiten.

In lebensgefährlichen Schwierigkeiten.

"Oh Smilee", fuhr das Mädchen im Plauderton fort. "Unter anderem Umständen wäre aus uns das perfekte Paar geworden. Du und ich? Ideal. Aber Ideale verändern sich bedeutend, wenn jemand versucht mir das Leben schwer zu machen. Oder um es genau zu sagen, wenn mir jemand mein Vater nimmt."


Sie lüftete das obere Bein gerade weit genug, dass ich den Kopf drehen und ihr Gesicht sehen konnte. Sollte es ihr Probleme bereiten, mich so am Boden zu halten, so war es ihr nicht anzusehen. Sie wirkte nicht einmal angestrengt, als sie den Würgegriff ihres Beins an meinen Hals wieder verstärkte.

Die einzige halbwegs positive Erkenntnis für mich war, dass Lilith nur noch eine Hand frei hatte. Mehr brauchte sie allerdings auch nicht, um mich umzubringen.

"Falls du dich fragst, wie du in diese missliche Lage geraten konntest, es liegt an der unglaublichen Kampfkunst, die ich studiert habe. Sie nennt sich Pencak Silat", verriet sie.

"Lass den Scheiss", brachte ich hervor, während ich gleichzeitig mit den Zähnen knirschte, um nicht laut aufzuschreien. "Was willst du?"

"Was ich will?" Ich konnte das Gesicht des Mädchens nicht erkennen, aber ihr Ton klang verwundert. Sie lösste den Griff und ich konnte mich auf den Rücken drehen. Nun stand sie über mir und sah mich mit vernichtenden Blick an. "Du willst wissen, was ich will? Okay!"

Sie schüttelte voller Bitterkeit den Kopf und fuhr fort: "Ich wollte das Geschäft meines Vater über die Bühne bringen. Und zwar so schnell wie nur möglich, damit ich nach Hause kann; mich zu meiner Schwester ins Bett verkriechen kann um ein wenig zu schlafen. Weil das in den letzten Tagen ein wenig abhaben gekommen ist. Ich wollte meine Ruhe haben und endlich das Leben beginnen, dass ich mir seit meinem 16 Lebensjahr wünsche. Ich wollte aufs College gehen, einen Abschluss machen und irgendwann Virologin werden. Aber hey! Alles davon wird ein Wunschtraum bleiben, denn es wird immer Versager wie euch geben, die keinen blassen Schimmer haben und sich in Dinge einmischen, den sie nicht gewachsen sind. Du fragst mich, was ich will, Smilee?"

Ihre gereizten Züge verwandelte sich in einem Mienenspiel aus Trauer, Kummer und Verzweiflung.

Ich war sprachlos.

"Ich will, dass das alles nur ein Traum ist. Ein schrecklicher Alptraum. Ich will aufwachen und wissen, dass mein Vater noch lebt und noch immer seine grotesken Geschäfte mit sonderbaren Menschen abzieht. Denn obwohl er ein schrecklicher Mensch und ein noch schrecklicherer Vater war, war er immer da, wenn ich ihn brauchte. Er half mir aus Umständen heraus, zeigte mir zu leben und was es bedeutet, besonders und einzigartig zu sein. An ihm und seine strengen Regeln konnte ich mich festhalten, auch wenn Momente gab, wo es noch so schmerzhaft war. Aber vorallem..."
Ihre Miene wurde wieder finster und sie hob ihr Bein, um es mir auf die Brust zu stemmen. "Ich werde dich und dann Tessa töten und ihren Vater dabei zusehen lassen. Genau wie ich zusehen musste, wie ihr meinen Vater getötet habt."

"Dazu wirst du keine Chance bekommen", krächzte ich.

"Versuch doch, mich aufzuhalten."

Mit Entsetzen beobachtete ich, wie sie eine Waffe hinter ihren Rücken hervor holte und sie auf mein Kopf richtete. "Leb wohl Darling..."

Ihr Finger drückte auf den Abzug und ich schloss meine Augen. Wartete auf das Ende...

Doch das Ende kam nicht....

Ich öffnete meine Augen und blinzelte.

Lilith war fort...






Hector


Ich schaffte es zwar, das Schlimmste abzuwehren, aber die Wucht von Gunnars Hieb reichte immer noch aus, um mich zu Boden zu werfen. Ich landete ruecklings in dem Einstiegsloch eines Kanalschachts, der bis oben voll Wasser stand. Blitzschnell rollte ich mich beiseite und wehrte Gunnars naechsten Angriff mit einem Tritt  gegen seine Kniescheibe ab. Die Beine knickten unter ihm weg und ich versetzte ihm noch einen heftigen Stoß ins Gesicht.

Mit einen dumpfen Geräusch landete er auf den Boden....

...und blieb liegen.

"Nummer zwei", keuchte ich und kam wieder auf die Beine. Mit meiner Hand wischte ich mir das Blut vom Mund und schaute kritisch über den Schauplatz.

Zugegeben, die Expendables waren keine harmlosen Gegner. Sie waren durchaus kampferpobt, schnell, taktisch und im Umgang mit Waffen einsame Spitze. Und ihre Überaschungsmethode war ein Klassiker; ein durchdachter Feldzug aus dem Hintergrund.

Zwar hatten wir es geschafft, 3 von ihnen zu Fall zu bringen, was aber in Anbetracht der Lage nur ein geringer Erfolg war. Unsere Gesamte Streitkraft - Die Soldaten, die Charles anheuerte, um ihn zu schützen -, waren allesamt tot.

Was für eine herbe Enttäuschung.

Charles LaCruze war Geschichte.

Jakes Körper lag regungslos am Boden.

Ian war wie vom Erdbooden verschluckt, während Ethan und Lilith selbst damit beschäftigt waren, sich heil aus der Sache rauszuschlagen.

Ich brauchte mir keine Sekunde noch etwas vorzumachen. In diesem Kampf waren wir die Verlierer, und sollten wir am Leben bleiben wollen, so sollten wir zügig den Rückzug antreten.

Plötzlich lenkte ein leises Stöhnen meine Aufmerksamkeit auf einen Stück Rasen neben den Hangar.

"Lilith?" Ich runzelte irritiert die Stirn.

Nein! Es konnte unmöglich Lilith sein. Sie war zu clever, um sich geschlagen zu geben und sie verstand durchaus, sich zu verteidigen.

Abermals erklang ein wimmerndes Klagen, das sofort wieder verstummte. Ich blickte suchend umher, um herauszufinden, von wo genau das Geräusch kam.

Dort drüben!, wusste ich mit einem Mal und zuckte jäh zusammen. Was hatte meine Aufmerksamkeit so plötzlich auf exakt diese Stelle gelenkt? Das Geräusch war viel zu undeutlich gewesen, um sich so sicher sein zu können... Ein leichtes Kribbeln machte sich in meinem Nacken bemerkbar, so wie ich es bisweilen verspürte, wenn etwas Gefährliches in der Luft lag.

"Hey!" Ich haftete meiner Stimme einen bewusst drohenden Unterton an. "Wer immer du auch bist-" Plötzlich versagte mir die Stimme. Ich wollte nicht glauben, was meine Augen erblickten.

Was in Teufels Namen hatte sie hier zu suchen?

"Oh. Fuck!"

Tessa, dessen bleiches Gesicht von Schrammen und blauen Flecken übersät war, kauerte hilflos an der Wand und machte einen ziemlich verlorenen Eindruck.

Sie war völlig verängstigt, und es schnürrte mir die Kehle zu.

Aus furchtvollen und tief braunen Augen starrte das Mädchen mich an und versuchte sich davonzuschleppen, doch mit einem gequälten Winseln gab sie ihr verzweifeltes Bemühen auf.

Einen langen Augenblick stand ich da und starrte sie sprachlos an. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wie ich darauf reagieren sollte.

Sie sollte überhaupt nicht hier sein. Sie sollte Zuhause sein. Sie sollte sich um die Schule kümmern, ein sorgenfreies Leben führen und sie sollte Dates haben; die Männer um den Verstand bringen und einfach in Sicherheit sein. Verdammt!

Ich brauchte einige Sekunden, um das Bild zu verdauen.

"Scheisse, Tessa." Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte, stürmte ich zu dem verletzten Mädchen. "Ist alles in Ordnung mit dir? Warte, ich werde dich-" .

Ich brach ab, als sie wimmerte und sich gegen die harte Steinwand drückte, als suchte sie Schutz.

"Es ist alles gut. Ich bin hier, Tessa. Kannst du gehen?"

Das Mädchen sah mich nur starr an.

Ich ging in die Hocke und streckte vorsichtig die Hand aus. Doch als meine Finger ihre Wange berührten, zuckte sie jäh zusammen. Wieder durchfuhr mich ein Schmerz, stärker noch als zuvor.

Mit verspannten Gesicht zog ich mich zurück und warf einen kurzen Blick über meine Schulter.

Ich erwartete jeden Moment, dass mich eine Kugel in den Rücken traf. Ich hasste es zutiefst, meinen Rücken ungeschützt zu lassen, aber es war die einzige Möglichkeit, um Tessa hieraus zu schaffen.

Verdammt! Ich würde sie auf jeden Fall aus der Gefahrenzone bringen. Niemand konnte mich daran hindern.

"Tessa? Komm schon, Baby...Wir haben keine Zeit."

Ich sah, wie Tessa schluckte und den Mund öffnete, um zu sprechen. Aber kein Laut drang heraus.

"Tessa, ich brauche unbedingt eine Antwort von dir", drängte ich. "Glaubst du, dass du gehen kannst, wenn wir in Deckung sind?"

Das Mädchen nickte matt. Beim zweiten Versuch gelang es ihr, sich verständlich zu machen. "Ich glaube schon", sagte sie mit schwacher Stimme. "Aber ich... fühle mich nicht besonders gut. Ich glaube meine Rippen sind gebrochen..."

Sie versuchte sich aufzusetzen. Ohne Erfolg.

"Vielleicht solltest du vorangehen", sagte Tessa, als ich die Pistole in mein Holster verstaute.  "Ich komme nach."

"Kommt gar nicht in Frage", sagte ich, als ihre Knie nachgaben und sie nach vorn kippte. Ich fing das Mädchen einen Sekundenbruchteil, bevor sie auf dem Betonboden aufschlug, auf.

"Vermeide Bewegungen", meinte ich. "Sollten deine Rippen gebrochen sein, versuch sie zu schonen. Das hilft..."

"Vielleicht", murmelte sie. "Nur... Hector..."

"Was?", sagte ich und versuchte, nicht allzu gereizt zu klingen. Verstand sie denn nicht, dass dies eine Rettungsaktion war? "Tessa, jetzt ist wirklich nicht der beste Zeitpunkt für ein inniges Gespräch, weißt du."

"Ich weiß", sagte Tessa schuldbewusst. "Es ist nur... wie auch immer. Dankeschön."

"Keine Ursache."

Ich fuhr herum und schirmte instinktiv das Mädchen mit meinem Körper ab. Ich zog Sie zum Hangar, der genügend Deckung gab. Zudem würde Barney seine Tochter bestimmt an diesem Ort suchen. Vorrausgesetzt, er würde den Kampf lebend überstehen.

An einer Wand - zwischen den Regalen - legte ich das Mädchen auf den Boden und stellte erschrocken fest, dass sie regungslos war. Für einen herzzerreißenden Moment fürchtete ich, dass Tessa tot war. Dass ich nicht schnell genug gewesen war.

Dann erkannte ich, dass sich ihre Brust in flachen Atemzügen hob und senkte und dass ihre Augen sich öffneten und zu mir aufblickten.

Seufzend vor Erleichterung schenkte ich ihr ein sanftes Lächeln.

"Was stellst du bloß für Sachen an, hm?"

Anstelle einer Antwort, erwiderte Sie mein Lächeln.





Tessa Ross


"Also?"  Atemlos ließ sich Hector neben mir an der Wand zu Boden fallen. Beinahe, als wäre er mit den Nerven am Ende,  lehnte er seinen Kopf zurück und drehte ihn so, dass er mich ansehen konnte. "Was treibt dich her? Stehst du neuerdings  auf wilde Schießerein?"

Hä?

Verdutzt fing ich an den Kopf zu schütten, aber er redete weiter: "Oder suchst du einfach die Gefahr?"

War das zu fassen? In seinen Augen war ich das kleine Mädchen, dass einem Kampf nicht gewachsen war. Okay, die  Umstände - wie und wo er mich fand -, glänzten nicht unbedingt für meine Leistung.

Trotzig wandte ich meinen Blick ab.

"Tu nicht so, als würdest du mich kennen", motzte ich und spürte mir Wärme in die Wangen schoss. Wieder schämte ich  mich für meine Unachtsamkeit, und wieder bereute ich es, in Hectors Augen nur ein schwaches, hilfloses Mädchen zu  sein.

"Oh, Verzeihung", murmelte er aber ich hörte das Schmunzeln in seiner Stimme. "Also?"

Er pochte auf eine Erklärung. Sturer Bock!

Ich zog meine Beine an und vegrub das Gesicht auf meinen Knien. Die Antwort war im Grunde ganz simpel. Die Nosa  Costra waren dafür verantworlich, warum ich 4 Tage in einem Loch gefangen war und dabei beinahe meinen Verstand  verlor. Sie waren der Grund für meine Qualen und auch für meine Alpträume; für meine ständige Angst und meine  Paranoia. Barneys Aufbruch und seine Entscheidung, war die Gelegenheit für mich, mich davon zu befreien. Ich wollte dabei sein; es mit eigenen Augen sehen und es Sekunde um Sekunde auskosten, wie die Nosa Costra ihren Untergang  geweiht waren.

So viel dazu!

Abgesehen von Charles LaCruze Tod, war der Zustand weniger optimal.  

"Tessa?" Hectors ungeduldige Stimme holte mich zurück in die Gegenwart.

Ich hob meinen Kopf und feuerte einen vernichtenden Blick in seine Richtung.

"Ihr habt mich meiner Freiheit beraubt, schon vergessen?"

"Wir haben dich entführt", verbesserte mich Hector altklug.

"Ganz genau" Ich nickte. Ich beugte mich zu ihm; wollte bedrohlich erscheinen und senkte meine Stimme. "Und heute  wollte ich meine Vergeltung."

"Indem du dich  zusammenfalten lässt?" Sein Lächeln löste seltsame Reaktionen in meinen Magen aus.

Beschämt biss ich die Zähne zusammen und wich seinen Blick aus. "Zugegeben, der Plan hatte ein paar Lücken"

"Gewaltige Lücken", erwiderte er mit einem Grinsen, was mich rasend machte.

Aber im Großen und Ganzen gab ich ihm Recht. Leider!

Zunächst lief auch alles wie geplant.

Charles LaCruze war Geschichte und mit ihm auch - so hoffte ich-, seine subsersiven Geschäfte.  Dass er jedoch jede Menge Soldaten um sich scharrte, war ein schwerer Rückschlag für uns und so ergab sich ein Kampf auf Leben und Tod.

Ich gähnte und bemerkte erst jetzt, wie müde ich war.

Lilith hatte mich ganz schön in die Mangel genommen. Und wäre Smilee nicht beizeiten gekommen, um Lilith daran zu hindern mich erdrosseln, wäre ich schon Futter für die Würmer.

Und wäre Hector nicht gekommen, um mich aus der Gefahrenzone zu bringen....

Ich seufzte.

"Immer bist du mein Held", murmelte ich und schloss meine Augen. "Damals auf der Collegeparty. Sogar während der Gefangenschaft.  Und jetzt auch noch-"

"Sch..." Ich spürte seine Finger auf meine Lippen. Ich öffnete meine Augen und sah in Hectors lächelnden Augen. "Ich spiele gerne den Helden für dich, Tessa. Aber würdest du mir einen Gefallen tun?"

"Gefallen?", nuschelte ich durch seine Finger.

Misstrauisch zog ich meine Augenbrauen zusammen, worauf er seine Hand zurück zog und verschlagen grinste.

Dann wurde er wieder ernst. "Halte dich in Zukunft von solchen Selbstmordkommandos fern. Fang an dein Leben zu leben und verschwende keine Gedanken an das Vergangene."

Vergangene?

Meine Magen zog sich unangenehm zusammen. Unbehaglich sah ich zur Seite.

"Mit dem Vergangenen meinst du auch?" folgerte ich mit wachsendem Herzklopfen.  

Ich sah Hector aufmerksam an, und als er in meine Richtung sah, begegneten sich unsere Blicke für eine Sekunde, bevor ich die Augen niederschlug

Mein Herz raste in meiner Brust. Ich konnte mich nicht erinnern, jemals eine derartige Verwirrung der Gefühle erlebt zu haben.

"Also...." Er verstummte. Dann, nach einem langen Moment, legte er den Kopf zur Seite und wandte den Blick von mir ab "Versprich es mir einfach, Tessa." Seine Stimme nahm einen klaren, befehlenden Ton an. "Denn später werde ich keine  Chance mehr haben, den Helden zu spielen."

Also damit war meine Vermutung wohl bestätigt.

Er wollte sich von mir fern halten - was aus rein logischer Perspektive eine vernünftige Entscheidung war-, aber meinem Herzen war die Vernunft unwichtig.

Was in Gottes Namen sollte das?

Erst zeigte er mir seine Zuneigung; war in den Dunkelsten Stunden immer an meiner Seite und gab mir Hoffnung. Und jetzt speiste er mich ab, als wäre ich ein ahnungsloses Kind.

Nachdem ich blinzelte, verzog ich zornig das Gesicht. "Ich kann gut auf mich selbst aufpassen"

"Was du heute ohne Zweifel bewiesen hast."

"Was interessiert es dich überhaupt?", blaffte ich ihn an. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber ich redete weiter, weil ich keine Entschuldigung hören wollte. "Ich glaube kaum, dass wir noch Gelegenheiten bekommen, uns wiederzusehen. Und anscheinend legst du darauf auch kein Wert. Also kann dir mein Schicksal genauso gut egal sein. Oder sehe ich das falsch?"

"Hör zu...", sagte er ohne eine Spur von Zorn oder Bitterkeit in der Stimme, aber erfüllt von einer tiefen Melancholie. "Mich zu lieben, wäre dein Verhängnis, doch das ist es nicht, was mich davon abhält zu bleiben. Es ist nur... Ich kann nicht lange Zeit bei dir bleiben, Tessa, weil ich dann anfange, wieder an dich zu denken. An das, was du durch uns durchgemacht hast. Und ich kann nicht bei dir bleiben, weil ich nicht zulassen darf, ....dass dir etwas geschieht. Dafür bist du mir zu wichtig..."

Wie vom Donner gerührt, die Kehle zugeschnürt, starrte ich ihn an.

Er war so süß. Ich spürte eine Woge puren Glücks, ein Gefühl, wie ich es schon sehr lange nicht mehr gehabt hatte.

"Okay", hauchte ich wie benommen und stellte gleichermaßen fest, das seine Worte so gefühlvoll und sanft sie auch zu sein schienen, auch ein Abschied waren.

Dessen bewusst wandte ich den Blick ab, noch immer von widersprüchlichen Gefühlen erfüllt, aber in dem Wissen, dass ich im Moment nichts ausrichten konnte. Dass mein Herz nicht mehr ertragen konnte.

Ich wusste, dass es nur ein Traum war, dass Hector niemals bleiben würde, ganz gleich, was er für mich empfand.

Als Hector sich erhob und sich zum Ausgang bewegte, schloss ich Seufzend meine Augen. Konnte das Leben noch Schlimmer werden?

Doch plötzlich verstummten seine Schritte und als ich zu ihm aufsah, begegnete sich abermals unsere Blicke und ich bemerkte einen Hauch von Sehnsucht in seinen Braunen Augen.

"Tessa...." Mit einem gequälten Ausdruck schüttelte er den Kopf. Und ehe ich reagieren konnte, eilte er auf mich zu, nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste mich.

Seine Lippen berührten meine, sein Mund öffnete sich für den Kuss. Er fuhr mit den Fingern durch mein Haar, und ich spürte eine Leidenschaft, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte.

Dies war ein Mann, um deren Gunst zu kämpfen sich lohnte. Charmant, witzig, heldenhaft und so unglaublich liebenswürdig. Seine Berührungen gingen mir durch Mark und Bein.

Und dieser Kuss...

In Hectors Kuss lösten sich alle meine Sorgen und Befürchtungen so vollständig auf, dass ich, als er den Hangar verließ, mich kaum noch daran erinnern konnte, was mir überhaupt solche Sorgen bereitet hatte.

Als ich wieder allein war, berührte ich meine Lippen mit den Fingern und stellte fest, dass sie noch immer warm von seinen Kuss waren.






Lilith LaCruze


Ethan lag keuchend auf den Boden, eine riesige Wunde schmückte seine rechte Schläfe bis hinunter zu seinem Hals.

Das Gläschen, dass ich ihm zur Aufbewahrung gab, rollte über den Beton zu meinen Füßen. Ich hob es auf und verstaute  es in meiner Jackentasche.

"Was ist dein Problem?" Ich stemmte meine Arme in die Hüften und sah Barney herausfordernd an. "Weisst du nicht,  wann du verloren hast? Du kommst her und erschießt mein Vater. Also gehe ich davon aus, dass du heiß auf ein Kampf  bist. Du hast ihn bekommen, und deine Jungs sind am Ende. Wieder habe ich gewonnen. Ich werde jetzt das Virus und  meine Jungs nehmen und von hier verschwinden. Ende der Geschichte."

"Es hat einige Änderung gegeben.", erlärte der Vater von Tessa. "Niemand schadet meine Männer und kommt ungestraft  davon. Du eingeschlossen, Lilith. An mir kommst du nicht vorbei."

"Das werden wir ja sehen", knurrte ich. "Ethan. Geh. Sofort."

"Ich werde dich nicht....", begann Ethan röchelnd.

"Tu, was ich dir sage", schrie ich.

Dann senkte ich den Kopf und rannte direkt auf Barney Ross zu.

Der Mann gab ein Grunzen von sich, als ich ihm mein Kopf in den Bauch rammte. Er kippte nach hinten und griff Halt  suchend nach meinen Schultern. Ich ließ mich von ihm zu Boden reißen. Ich rollte weiter und schlug einen Salto über  Barneys Kopf; landete auf den Füßen und wirbelte herum. Barney war gerade dabei aufzustehen.

Der Kampf war in meinen Augen vorbei.

Charles LaCruze war tot und das war ohne Zweifel ein Punkt für die Expendables.

Doch ich würde seine Geschäfte beenden, und mich von niemanden daran hindern lassen. Ich war sein Nachkomme,  seine einzige Hoffnung und sollte der Teufel mich holen; wenn mich die Expendables zu Fall bringen sollten.

Und irgendwann - so schwöre ich -, werde ich die Expendables für den Tot meines Vaters büßen lassen. Auf meine eigene,  sehr kreative Art und Weise.

"Ich werde dich töten", drohte Barney, als er wieder auf den Beinen stand. "Ich werde dich und deine Freunde ins Jenseits  schicken. Genau wie dein Vater."

"Achso? Das glaube ich kaum, aber ich lasse mich gerne von Gegenteil überzeugen. Versuch es, Barney"

"Du..."

Bevor Barney seinen Satz beenden konnte, war ich bereits in Bewegung. Ich sprang hoch und verpasste dem Mann einen  Tritt, der ihm zu Seite schleuderte. Dann folgte ein Tritt gegen die Brust. Barney prallte gegen die Wand. Eine seiner  stämmigen Fäuste schoss vor und bohrte sich in mein Gesicht.

Ich wankte. Autsch.

"Wenn ich mir die Nase richten lassen muss, wirst du dafür bezahlen"

Barney Ross lachte. "Wenn ich mit dir fertig bin, Lilith, wirst du dir um deine Nase keine Sorgen mehr machen. Du wirst  dann keine Nase mehr brauchen"

Ich erhaschte aus den Augenwinkel eine Bewegung. Hector hatte Ethan auf die Beine geholfen.

Gute Arbeit, Hector.

Barney näherte sich den beiden, doch ich versperrte ihm den Weg. Ich musste mich um jeden Preis zwischen den dreien  stellen. Dieser Mann würde nicht auch noch meine Freunde etwas zu Leide tun.

"Warum greifst du mich nicht einfach an, Lilith?", fragte Barney. "Kann es sein, dass du müde wirst? Ich kann die ganze  Nacht weitermachen. Ich kann ewig weitermachen. Du nicht. Du bist nur ein Mädchen."

"Und zu Tränen gerührt", höhnte ich.

Warum habe ich es immer mit schwatzhaften Gegnern zu tun?

Aber auch wenn ich es hasste, es zuzugeben, Barney hatte Recht. Ich war müde. Meine Arme fühlten sich schwer an.  Meine Beine waren wie aus Gummi.

Ich warf erneut einen kurzen Blick über die Schulter.

Hector und Ethan waren jetzt auf den Beinen und humpelten davon.

Wir sehen uns Später, Jungs, dachte ich und ein müdes Lächeln umspielte meine Lippen.

"Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich sie entkommen lasse, oder?", sagte Barney

Jetzt oder nie, dachte ich

Ich zog ein kleinen Sprengsatz aus meinen Gürtel und warf es in Barneys Richtung. Dann sprang ich zu Seite, während  sich im selben Moment Barney auf mich stürzte. Er traf mich mit voller Wucht, und beide wurden wir von der Druckwelle  erwischt. Ich prallte gegen die Karosserie eines Trucks und rutschte nach unten. Ich spürte, wie sich spitze Glasscherben  in meinen Rücken bohrten, als ich auf dem Boden landete. Mir blieb die Luft weg.

Töte dich nicht selbst, du Idiotin!

Doch bevor ich mich auf die Beine stemmen konnte, hatte mich Barney an den Haaren gepackt. Er zog mein Kopf hoch  und hämmerte ihn dann gegen den Boden. Einmal. Zweimal.

"Das ist für meine Jungs. Das ist für Tessa", sagte er und hämmerte mein Kopf ein drittes Mal gegen den Boden und riss  ihn hoch. Ich spürte, wie mein Puls raste. Ich wollte mich aufbäumen, aber Barney Ross massiger Körper nagelte  mich an den Boden.

"Und das", sagte er, als er sein Gesicht ganz nahe an meinen heranbrachte und den Mund öffnete, "das ist für meine  Frau."

Nein! So durfte das nicht enden.

Obwohl ich immer noch Sterne sah, handelte ich intuitiv.

Er merkte nicht einmal, wie ihm geschah, als ich mein Kopf gegen sein Kinn rammte und der unerwartete Schlag ihn zu Boden warf.

"Wie hat dir das geschmeckt?", fragte ich trotzig und setzte mich mit schmerzverkrampften Gesicht auf.

Meine Tapferkeit war nur gespielt; ich hatte alle Mühe, nicht die Balance zu verlieren.

"Ich hab es so satt, dass du mir andauernd in die Quere kommst, weißt du das?", zischte ich und versetzte ihm einen heftigen Tritt in die Seite. Der am Boden liegende Barney hustete und wandte sich unter seinen Schmerzen.

"Schon seit Tagen bereitest du mir nichts als Ärger..."

Noch ein Tritt. Noch ein Huster.

"Aber das hat jetzt ein Ende." Ich zog meine Waffe und richtete sie auf sein Kopf.

"Game Over, Barney."

Und gerade als mein Finger den Abzug betätigen wollte, drang ein Geräusch in meine Ohren und ein Zucken ging durch meinem Körper.

Plötzlich spürte ich etwas Nasses an meinem Becken, etwas Kaltes. Wie in Trance schaute ich an meinem Körper hinab; schnappte erschrocken nach Luft und taumelte zurück.  Meine weiße Hose tränkte sich in einer königsblauen Farbe; gemischt mit einem tiefen Rot.

Blau. Der Virus...

Rot. Mein Blut....

Stechender Schmerz....

Die nackte Angst durchfuhr mich, als mir klar wurde, was geschehen war.

Das ohrenbetäubende Geräusch; war das Geräusch einer abgefeuerten Salve.....Und diesmal traf es mich...

Ich versuchte, mich zu bewegen; zu entkommen – aber der Schmerz war so gewaltig, dass ich zu Boden ging. Ich fiel so hart auf den Rücken, dass die Luft aus meinen Lungen entwich. Langsam drehte ich den Kopf zur Seite und sah das zerschmetternde Glas des Markurg-Virus.

Ich wußte, dass ich schwer verletzt war. Ich konnte Barney nicht mehr sehen. So sehr ich meine Augen auch anstrengte, in der Dunkelheit etwas zu erkennen - es war alles verschwommen.

Langsam und unter Schmerzen hob ich den Kopf. Nun hatte ich wirklich Angst – mehr Angst als jemals zuvor in meinem Leben. Vorsichtig spähte ich über den Flughafen und sah Smilee in einem Gewehr auf mich zukommen und dann wurde mir Schwarz vor Augen.
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