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The Beloved Devil

GeschichteThriller, Familie / P18 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Hale Caesar Hector
30.11.2013
20.05.2014
18
89.028
 
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30.11.2013 6.391
 
Lilith LaCruze


Ich hatte mich verirrt. Auf einer ziellosen Wanderung an einem Ort, den ich nicht kannte und auch nicht kennen wollte.

Es sah aus wie ein riesiger Saal. Wie ein Schloss; so groß und glänzend wie aus dem königlichen Zeiten, in dem all die Gesellschaftshohen Tiere ihre hohen Rang präsentierten und immer so schmierig lachten, als würden sie auch nur den Hauch von Sympathie in sich tragen. Ich versuchte – trotz des Zwielichts, der Müdigkeit und der Verwirrung, die ich empfand - herauszufinden, wo ich war und wie ich entkommen konnte.

Obwohl ein kleiner Teil meines Bewusstseins sicher war, dass ich träumte – es konnte ja nur ein Traum sein –, warnte ein anderer Teil mich, dass dieser Ort so wirklich und so vertraut war, dass er nicht meiner Phantasie entsprungen sein konnte.

Bilder stiegen in mir auf und vergingen fast sofort wieder, hinterließen nur den Schatten einer Erinnerung. Ich sah flackernde Kerzen über einem tiefroten Teich… Klauenfinger durch einen Feuerschein… Kinderzeichnungen und das silberne Glitzern einer Kette mit einem Kreuz, des Symbols des Christentums.

Ich wälzte mich auf meinem Bett hin und her, während der Traum mich tiefer und tiefer in seinen Bann zog. Unversehens erhob sich hinter mir ein Schatten, ein unheilvoller Schatten, schwarz wie der Tod, und eine bedrohliche Stimme vibrierte in meinen Kopf, in meinen Adern: "Dein Versagen ist eine Sünde. Dein Herz; dein Verderben"


Ich riss die Augen auf.

Sogar im tröstenden Morgenlicht schien es, als dauerte der Traum noch an. Immer noch spürte ich den Schrecken, die Bedrohung, die von mir Besitz ergriffen hatten.

Ich setzte mich im Bett auf und blinzelte. Die Sonne schien hell und freundlich durchs Fenster in mein Zimmer. Nun war ich wach und in Sicherheit. Dies war mein Zimmer, mein Zuhause, meine Wirklichkeit.

"Lilith?"

"Ich bin schon wach, Hector"

"Dein Vater wartet unten. Du willst ihn doch nicht warten lassen", rief Hector aus dem Flur.

Ich seufzte erschöpft.

"Nein", murmelte ich. "Will ich ganz bestimmt nicht."

Ich hörte selbst, wie unsicher meine Stimme klang. Ich setzte mich auf die Bettkante und starrte ins Zimmer, musterte die kahlen Wände und die vollen Taschen, die sich in einer Ecke stapelten.

Gestern war Charles LaCruze Zuhause angekommen. Ganz in meiner Erwartung fiel seine Begrüßung eher abgestumpft aus; ein rasches und geschäftiges Nicken, begleitet von seinen überragenden Erzählungen aus Mexiko. Dem Himmel sei Dank hielten David, Ethan und Hector dicht und schwiegen über die unverhoffen Komplikationen; immerhin war das Virus unbeschadet und reisefertig in unserem Besitz und Stefan blieb schweigsam, was Vater mit Annerkennung ausdrückte.

Alles schien vollendet zu sein. Das Geschäft schien handfest und sicher seinen Weg zu gehen....

...allerings in Mexiko. Heute würden wir aufbrechen und dem Kunden den Schadstoff gegen eine abnorm hohe Summe überreichen.

Das Tragische daran; ich konnte mich von den letzten und überaus ruhelosen Tagen keineswegs erholen.

Seufzend schüttelte ich den Kopf. >Wann hat das endlich ein Ende<, ging mir Laneys Frage durch den Kopf und so langsam, stellte ich mir die gleiche Frage.

Was soll's!

Ich schloss meine Augen; streckte meine Arme aus und massierte meinen verspannten Nacken. Gequält seufzte ich auf und stellte fest, dass mich die letzten Tage doch mehr schlauchten, als angenommen.

"Lil?"

"Was?", stöhnte ich vor Schmerzen.

"Alles in Ordnung?"

"Alles bestens", gab ich keuchend zurück.

Ich hörte wie Hector vorsichtig die Tür schloss und dann mit einem Seufzen durch mein Zimmer spazierte. Als er neben mir stand, blickte ich zu ihm auf und hob fragend meine Augenbrauen.

"Bevor wir aufbrechen, wollte ich mich bedanken"

Das Fragezeichen auf meinem Gesicht wurde größer und Hector erklärte lächelnd: "Du hast Tessa gehen lassen"

Ach du liebe Güte! Daher wehte der Wind.

Nachdem sie aus dem Haus verschwunden war, war Hector der erste, dem ich darüber aufgeklärt hatte. Er war sichtlich erstaunt gewesen, etwas überrascht aber vorallem sehr erleichtert.

Aber was würde das schon ändern? Wenn er über einen gesunden Menschenverstand verfügte - und das stellte ich keineswegs in Frage -  würden sie sich niemals wiedersehen. Tessa war Vergangenheit und das sollte ihm bewusst sein.

"Lassen wir die Kirche im Dorf, Hector", sagte ich reserviert.  "Sobald Vater Zuhause angekommen wäre und sie noch immer..." Ich endete mit einer wagen, unbehaglichen Handbewegung.

Doch Hector verstand.

"Ja..", nickte er und strich sich gedankenverloren über sein Kinn. Dann lächelte er mich sonnig an. "Das beweisst zumindest, dass du bei dem ganzen Scheiss, der auf dich lastet, noch immer ein Herz hast"

Für einen Augenblick starrte ich ihn an und meine Mundwinkel zuckten amüsiert. War das sein Ernst? Ich suchte in seinen Augen nach einem Anzeichen des Spottes...Vergeblich.

Dann lachte ich schallend auf.

"Nein" Grinsend schüttelte ich den Kopf.  "Das beweisst allein, dass ich masochistisch veranlagt bin. Ich quäle meine Opfer und dann lasse ich sie gehen. Wie ein Raubtier. Echt krank"

Er stimmte in mein Lachen ein.

Doch tief in meinem Inneren, bereiteten seine Worte mir Sorgen.

Dein Herz, dein Verderben!






Tessa Ross


Blinzelnd öffnete ich meine Augen; schaute aus dem Fenster und erblickte die Morgendämmerung. Die Wolken, die rötlich schimmerten; die Sonne, die so glanzvoll war, dass mir ganz warm ums Herz wurde. Ich hörte den Gesang der Vögel; die Hunde aus der Nachbarscharf und irgendwo aus der Ferne lauschte ich dem glückliche Lachen der Kinder. Dem Anschein nach schien es ein ganz normaler Tag in South Spreengs zu sein.

Aber...

Ich schloss meine Augen und atmete tief durch.

Nein! Es war kein normaler Tag. Jedenfalls nicht für mich!

Noch gestern lag ich in einem finsteren Raum, auf schmutzigen Decken und um mich herum, eine Atmosphäre des Grauens. Ungeheure Schmerzen plagten mich, schrecklicher Durst ließ mich verzweifeln und das einzige woran ich denken konnte, was mich am Leben erhielt, waren die unbesorgten Momente mit meinem Vater und meinen Freunden. Das Leben zog an mir vorrüber und ließen mich Fragen stellen, mich nachdenken. Ließen mich in bestimmten Punkten sogar zweifeln. Was wäre wenn Mom noch am Leben wäre? Was wäre, wenn Dad kein Soldat wäre? Was wäre, wenn Hector und ich uns unter alltäglichen Umständen kennen gelernt hätten?
Und was wäre, wenn-

"Tessa?"

Ich zuckte zusammen, als Barneys Stimme mich aus meinen Gedanken riss. Ich spähte über meine Decke; mein Vater stand an der Tür und blickte mich besorgt an.  

"Alles in Ordnung, Dad", log ich und ich bemerkte selbst, wie müde und flach meine Stimme war.

Während meiner ganzen Zeit in diesen kleinen Raum, dachte ich, wie schön; wie fantastisch es wäre, wieder Zuhause zu sein. Wieder die Menschen um mich zu haben, die ich liebte. Ich sehnte mich nach den gemeinsamen Momenten und schätzte sie so noch mehr. Doch niemals wäre ich auf den Gedanken gekommen, wie schmerzhaft die Tage nach der Gefangenschaft wären.

Ich fühlte mich elend, verbraucht und unsagbar einsam. Ich war ein Spielzeug, zu nichts anderem bestimmt, und diese Tatsache raubte mir den Schlaf.

Ausserdem werde ich niemals die Tränen in meinen Augen und die fassungslosen Gesichter der anderen vergessen, als ich zu jener späten Stunde vor der Tür stand......

~

Für gewöhnlich war South Spreengs auch nach Mitternacht immer hell beleuchtet und es befanden sich mindestens zwei oder drei Menschen auf den Straßen. Dass ich diese jetzt komplett finster vorfand, veranlasste mich langsamer und vorsichtiger voranzugehen. Aber nichts konnte mich daran hindern, nach Hause zu kommen.

Zu meiner Familie...

Zu Dad...

Tapfer kniff ich meine Augen zusammen. Ich wollte unter keinen Umständen weinen; ich wollte stark und selbstbewusst sein. Und ich wollte keinesfalls den Anschein erwecken, als wäre ich gerade aus einer langen, schmerzhaften Gefangenschaft entkommen.

Obwohl >Entkommen< kaum der passende Ausdruck war. Aus einem für mich rätselhaften Grund ließ Lilith mich einfach gehen. Einfach so...

Seltsam, dachte ich, während ich an den Bäumen und an den Häusern entlang zu meinem Haus spazierte.

Vielleicht besaß sie doch ein Herz? Nein! Auf keinen Fall. Und ich bezweifelte ebenso, dass ihre Absicht aus reiner Güte bestand.

So viel war sicher. Lilith LaCruze war grausam, tückisch und sie handelte stets aus Eigennutz.

Ich bog um eine Ecke, in eine Gasse. Der Wind wehte in meine Nase und ich roch den vertrauten und sorglosen Geruch von Motoröl und Benzin. Ein sanftes Lächeln zauberte sich um meine Lippen. Meine Augen wurden glasig und ein leiser Schluchzer drang durch meine Kehle.

Endlich! Eine Welle der Sehnsucht schien mich beinahe zu erdrücken. Ein Teil in meinem Körper schrie vor Freude auf, der andere war fassungslos und sprachlos zugleich. Ein anderer - kleinerer, wiederum, fragte sich, ob das nur ein Traum war und er fürchtete sich, gleich wieder in der verkümmerten Kammer aufzuwachen.

Nein! Diesmal war es kein Traum.

Es war die Realität!

Die Zeit war wie eingefroren, als ich mich der Wohnungstür näherte und die Hand nach dem schweren Türklopfer ausstreckte. Dann zögerte ich und sah mich verunsichert um. Ob er schon schlafen würde?
Schwachsinn!
Aber dennoch fühlte ich mich unbehaglich, bei den Gedanken, gleich meinem Vater wiederzusehen. Wie würde er reagieren? Würde er mich in seine Arme schließen? Würde er einen Herzinfarkt bekommen?

Und wie war es ihm die Zeit ergangen? Ich seufzte. Blöde Frage, ihm war bestimmt elend zumute.

Ich streckte erneut die Hand nach dem Türklopfer aus und hielt wieder in der Bewegung inne. "Und wenn er den Verstand verloren hat?"

Den Verstand verloren?, meldete sich meine innere Stimme zu Wort. Nur weil ich entführt wurde, während meine Freunde und mein Vater im Unwissen über mein Wohlbefinden gelassen wurden, und sie meinetwegen vor Sorge und Kummer jede Nacht wach lagen?

Ein letzten Mal atmete ich tief durch und pochte schließlich dreimal an die Tür.

Dann schloss ich meine Augen, zählte im Geiste bis Fünf.

Als die Tür sich nur einige Sekunden später öffnete, trat eine nervöse Stille ein. Auf dem Gesicht meines Vaters zeigte sich der Widerstreit seiner Emotionen, als er sah, dass ich - seine Tochter - vor ihm stand. Die Erleichterung gewann, dennoch schien er noch immer unfähig zu sprechen.

"Hey Daddy", sagte ich aus glasigen Augen und einen verkrampften Lächeln.

Es verging ein weiterer Augenblick, in dem mein Vater nur schweigend dastand. Wir schauten einander an, bis sich ein warmer Ausdruck auf Barneys Zügen ausbreitete. Tränen schimmerten in seinen Augen und er keuchte vor Anstrengung auf.

"Tessa...Oh mein Gott...Wie.."

"Ich bin wieder Zuhause, Dad"

Ein Schluchzer drang über meine Lippen; und ehe ich mich versah, schloss mich Barney in seine Arme. Sehnsüchtig und fest, und das war der Moment, wo mich jeder Mut; jedes Selbstvertrauen verließ und ich weinend in seinen Armen zusammenbrach...

Für diesen Moment vergaß ich meine schmerzhaften Stunden. Es war vorbei!




Die Sonne schien. Ich war bei meiner Familie. Ich müsste mich wunderbar fühlen, dennoch war ich ziemlich bedrückt. Nachdem ich Barney und den Rest der Expendables Alles über die Pläne der Nosa Costra und Deren Absichten; Einschließlich meiner Freilassung erzählt hatte, ließ er mich mit Lee und Smilee Zuhause, während er Selbst einige Information herausfinden würde.

"Also", sagte Smilee und schenkte mir sein patentiertes typisches Smilee-Grinsen. "Gehen wir heute Abend feiern? Nur wir beide? Vielleicht kommt Lee mit?"

Aus dem Wohnzimmer aus, lächelte Lee mich an. "Könnte Spaß machen"

Als ich jedoch nicht reagierte, versuchte Smilee es noch einmal. "Tessa? Spaß? Erinnerst du dich an Spaß? Das, was dich zum Lachen bringt?"

Spaß! Ein seltsamer Ausdruck. Was bedeutete er?

Ich zuckte die Schultern und starrte meinen Teller an. "Tut mir Leid, Leute. Ich dachte nur gerade an..."

Smilee sah mich verständnisvoll an. "Hector?"

Natürlich konnte ich meinem besten Freund nicht verschweigen, welcher Gefühlsturm in mir tobte. Von meiner ersten Begegnung, und dem beinahe-Kuss; bis zu dem Wiedersehen im Hause LaCruze klärte ich ihm über alles auf. Auch, das er mich vor Lilith beschützte und er sich liebevoll um mich kümmerte.

Zu meiner Überaschung verstand Smilee mich. Was schon an einem Wunder grenzte.

Doch zu meinem Ensetzen, klärte er mich nur wenig später auch über seine gemeinsame Nacht mit Lilith auf. Von dem Kennenlernen in der Gasse. Ihren merkwürdigen Gespräch und seinen noch merwürdigeren Selbstgesprächen. Bis hin zu dem One Night Stand und dem Wiedersehen im alten Lagerhaus.

Ganz im Ernst? Wurde ihm als Kind zu viel Helium ins Gehirn geblasen? Er beteuerte zwar hartnäckig, wie dumm und absolut unachtsam es war, doch an seinem Ausdruck konnte ich erkennen, dass er noch immer sehr verletzt war.

Seufzend Nickte ich. "Hector. Der Eine, der mich wirklich mochte und dann ist er der Feind" Ich sah meinen besten Freund traurig an. "Was sagt das über mich aus?"

"Es sagt gar nichts über dich aus", entgegnete Smilee.

Ich schüttelte den Kopf. "Ich meine...Ich dachte, ich würde mich wirklich...."

Smilee legte mir die Hand auf den Arm. "Hey, schon vergessen? Die Eine, für die ich mich erwärmt habe, hat sich als Rechte Hand der Nosa Costra entpuppt."

"Richtig", mischte sich Lee lebhaft ein. "Und die Frau, die mir gefallen hat? Eine Spionin der Irakischen Armee"

"Stimmt", sagte ich und meine Miene hellte sich langsam auf.

Also war ich wirklich nicht die Einzige, die sich hinters Licht hatte führen lassen.

"So ist nun mal das Leben", meinte Lee, und ich wusste, dass ich dem nichts entgegenzusetzen hatte.

"Sehen wir der Sache ins Gesicht", resümierte Smilee vergnügt. "Niemand von uns wird jemals eine glückliche normale Beziehung führen. Ganz zu Schweigen von Lee."

Lee lachte. "Wir sind verflucht."

Ich nickte und schenkte meinen Freunden ein glückliches Lächeln. "Richtig."

Für einige Sekunden sahen wir drei einander nur kichernd an. Dann drang alles, was wir gerade gesagt hatten, auch in mein Bewusstsein ein und hakte sich fest.

Das Lachen verhallte, und bald saß ich erneut mit bedrückter Miene zwischen meinen beiden Freunden, während wir alle über die Zukunft nachdachten.






Lilith LaCruze


Obwohl es gerade mal 12 Uhr am Mittag war, war es doch schon ein langer Tag gewesen. Und dabei hatte meine eigentliche Arbeit gerade erst begonnen. Ich verspürte etwas in meinen Rücken, und es hatte nichts mit der schweren Reisetasche zu tun, die ich soeben in meinem Auto verstauen wollte.

Ich zuckte zusammen, richtete mich langsam auf- und bemerkte aus dem Augenwinkel heraus eine Silohouette, die mir wage vertraut vorkam. Ich legte die Tasche zurück auf meinem Bett und starrte der Gestalt hinterher, die sich im Flur eilig davonmachte.

Würde er sich wagen, mich zu verpöhnen? Mein Zimmer zu durchwühlen? Mir nachzusteigen? Dieser Bastard!

Ich ließ die Autoschlüssel in meine Jackentasche gleiten und setzte der entschwundenen Gestalt mit weit ausholenden Schritten nach. Jeden Augenblick....

Aha! Ich bog um die Ecke, packte meinen Gegenspieler an der Schulter und riss ihn herum.

"Lilith!" Ian lächelte mich mit geheuchelter Unschuld an. "Was für ein erfreulicher Zufall. Ich war gerade auf den Weg zu dir."

"Du zeigst erste Anzeichen von Todessehnsucht, Ian"

Der Junge setzte eine zutiefst gekränkte Miene auf, als er versuchte, meine Hand abzuschütteln. "Immer langsam mit den Pferden, Lilith. Ich bin lediglich gekommen, um dein Vater zu unterstützen und wollte dir nur einen guten Tag sagen....Wie geht es eigentlich der Kleinen? Wie war ihr Name? Tessa?"

"Reiz mich nicht, Ian. Ich bin echt nicht in Stimmung für deine kleinen Spielchen" Nicht jetzt, und auch nicht in Zukunft, fügte ich in Gedanken hinzu.

"Ja. Ich weiß. Ein Moralapostel, das ist aus unserem Todesengel geworden."

"Muss ich wirklich wiederholen, was ich eben über seine Todessehnsucht gesagt habe?"

Ians Lächeln wich in gespielter Besorgnis. "Es wird Ärger geben, Lilith. Ich weiß genau, warum das Mädchen wieder Zuhause ist." Er machte eine kleine Pause; auf seinen Lippen erschien ein diabolisches Grinsen. "Du hast Sie Gehen Lassen. Einfach so. Ohne auf deine Befehle und deren Konsequenzen zu achten. Es wäre doch ein Jammer, wenn das dein Vater erfahren würde. Oder? Ich frage mich, was er dann mit dir anstellen würde..."

Ich fühlte, wie sich meine Muskeln spannten. Wut kochte in mir hoch. Mit seiner Bemerkung hatte Ian einen wunden Punkt getroffen.

Wie konnte dieser Kerl es wagen -

Nur nicht die Nerven verlieren, brachte ich mich gleich wieder zur Ruhe. Ian wollte, dass mir der Kragen platzte. Daran hatte er schon immer eine höllische Freude gehabt. Besser, man ließ sich gar nicht erst darauf ein.

Nachdem ich meinen aufwallenden Zorn in die Schranken gewiesen hatte, fragte ich mit ruhiger Stimme: "Was willst du, Ian?"

Der andere schüttelte bedauernd den Kopf.
"Ich bin kein Erpresser, meine Hübsche", säuselte er. "Aber sollte dein Verhalten das Ansehen unserer Familie gefährden, werde ich dazu Gezwungen sein, Einige, Schwerwiegende Schritte in die Wege zu Leiten"

Meine Finger schlossen sich enger um Ians Hemdkragen, und ich zog ihn näher an mich heran. "Keine Ahnung, was du für ein Spiel spielst. Aber ich schwöre dir Ian, ich werde deine wahren Absichten herausfinden. Und dann werde ich dich-"

"Vorsicht, Lilith. Du möchtest doch kein unnötiges Aufsehen erregen, oder? Deine Umgangsformen entsprechen nicht eben den gängigen Vorstellungen einer gehörigen Tochter."

Damit hatte er bedauerlicherweise Recht. So sehr es mir auch widerstrebte, die Wahrheit nicht hier und jetzt aus Ian herauszuquetschen, besann ich mich und ließ den Schurken los.

"Schon viel besser!", sagte Ian und zupfte sein Jackett zurecht. "Ich nehme an, du hast nichts Konkretes gegen mich in der Hand, stimmt's?"

Auch das entsprach der Wahrheit. Ich hatte so meine Vermutungen, doch lange noch keine Beweise.

Als ich zum Protest ansetzte, verstummte ich und hob meine Augenbrauen. Ethan kam die Treppe hinauf. Als seine Augen Ian fanden, verfinsterte sich seine Miene.

"Zieh ab", befahl er unserem >Freund< schroff. Seine Augen glimmten Schwarz auf und es Offenbarte seine ganze Abscheu gegenüber Ian.

Irgendwann, dachte ich, werde ich Ethan fragen, warum er so eine große Verachtung für den Jungen empfand.

Mit einem niederträchtigen Grinsen auf den Lippen ließ Ian uns stehen. Ethan blickte ihm nachdenklich hinterher und wandte sich schließlich an mich.

"Bist du fertig?"

"Es kann losgehen", murmelte ich, ohne zu ihm aufzuschauen.

Wie benommen, starrte ich auf die Treppe, wo Ian verschwunden war.

Na prächtig, dachte ich. Die Expendables, mein Vater und nun auch noch Ian. Eine Massenrevolte der Bürger von South Spreengs wäre das kleinere Übel gewesen.

Wo sollte das bloß alles enden?






Smilee


Eine Art betäubte Stille hatte sich über das Wohnzimmer gelegt. Lee saß mit Gunnar am Computer und hackten wie besessen auf die Tastatur. Yang und Hale und ich nahmen den langen Schreibtisch in Beschlag und arbeiteten uns durch Churchs Akten. Toll Road war unterwegs und Church führten einige Gespräche mit Interpool und der Regierung.

Schon den ganzen Abend versuchten wir Information herauszufinden, was die Nosa Costra als nächstes planten. Jetzt, da sich der Abend näherte und wir der Lösung des Rätsels nicht näher waren, hatte der Spannungspegel einen unterträglichen Höchststand erreicht.

Tessa saß in einer Ecke und spielte gedankenverloren mit ihren Handy.

Barney ging schweigend, mit ernstem Gesicht von einem Raum zum anderen. Er selbst hatte die örtliche Polizei angerufen und auf einige Informationen gehofft, die ihm noch fehlten, aber dort hatte man ihm auch nicht weiterhelfen können.

Er blieb in der Mitte des Raumes stehen und räusperte sich. Bis auf Tessa blickten alle sofort auf. Ich hatte den Eindruck, dass es einen Moment dauerte, bis etwas durch den Nebel aus Gefühlen, der sie jetzt umgab, zu ihr durchdrang.

"Wie es scheint, haben wir einen toten Punkt erreicht", begann Barney. "Ich bin mir nicht sicher, ob wir die Nosa Costra aufhalten können, ohne genau zu wissen, wie ihre Pläne aussehen. Erstens, das Virus. Er kann enormen Schaden anrichten. Das ist im Grunde eine Tatsache, aber ich Glaube kaum, dass Sie Ihn gegen sich Selbst Verwenden werden. Zweitens, schon seit Tagen gilt Charles LaCruze als Verschwunden. Wenn er doch für die Geschäfte veranwortlich ist und er die Fäden zieht, warum Lässt er seine Tochter das alleine ausführen? Das Risiko wäre zu groß, um sich Urlaub zu gönnen."

Barney blickte nachdenklich drein. "Obwohl sein Verschwinden auch eine Ablenkung darstellen könnte."

"Aber was wir dazu brauchen, sind Information", schloss Yang und nahm einen Schluck von seinen Kaffee.

"Nun, ich habe eine große, fette Null azubieten", gestand ich. Ich nahm meine Hände von der Computertastatur. "Ich meine, Nosa Costra, Tödliche Vieren und eine - Ihre Stadt. Normalerweise schützen Mafia-Gruppierungen ihre Stadt, weil sie das große Ansehen und die Beeinflussung der Einwohner lieben."

Ich bekam ein einstimmiges Nicken aus der Runde; begleitet von einen wehleidigen Seufzen.

"Die Nosa Costra leben nicht nur von dem Ansehen oder von der Macht, oder des Ranges der Gesellschaft. Ein großer Punkt ihrer Lebensweise beinhaltet ohne Zweifel auch das Geld", warf Tessa ein. Als die anderen sie anstarrten, sagte sie: "Sie werden das Virus verkaufen. Keine Ahnung, wie ich darauf komme, aber ich habe so das Gefühl. Sie leben von Geld und Geld bedeutet Macht"

"Sie könnte Recht haben", räumte Yang ein.

"Ja..." Barney schenkte seiner Tochter ein warmes Lächeln.

"Vielen Dank, Adam. Ich schulde Ihnen etwas!" Plötzlich kam Church ins Wohnzimmer, beendete das Gespräch und verstaute das Handy in seiner Hosentasche. Ein triumphierender Ausdruck glänzte in seinen Augen.

"Das war Adam Coster; ein guter Freund", begann er und ließ sich seufzend auf die Couch fallen.

Erwartungsvolle Blicke folgten ihm.

"Er arbeitet als Sicherheitschef auf diversen Flughäfen. Er ist sozusagen ein Springer, überall zuständig. Meistens bewacht er einen großen, öffentlichen Flughafen. Viele Passagiere, große Flugzeuge.."

"Komm zur Sache, Church", brummte Barney ungeduldig.

Church runzelte die Stirn und fuhr fort. "Heute lautete sein Auftrag einen Privat-Flughafen zu überwachen. Keine große Sache, aber im letzten Moment bekam er einen Anruf von seinem Chef, dass der Auftrag abgeblasen wurde."

"Warum das?", fragte Lee. Er erhob sich vom Stuhl und stellte sich zu Barney.

"Sein Chef sagte, es habe sich heute eine kurzfristige Änderung ergeben. Eine wohlhabende Familie würde heute vom Flughafen abheben und sie wünschen keine Störung."

"Sie wollen also unbemerkt bleiben", stellte Barney grinsend fest.

Ich unterdrückte ein sarkastisches Schnauben.

Das war ja wirklich raffiniert. Still und heimlich das Land verlassen und das Virus an einem nächstbesten Schwarzmarkthänder zu verscherbeln. Nur um ihr Reichtung zu vergrößern. Wie viele Leben sie dabei zerstöre würden, war ihnen anscheinend relativ.

"Wir könnten ihnen folgen", schlug Lee vor.

"Ganz meine Meinung", nickte Church. "Wenn es euch gelingt, ihnen bis zum Flughafe zu folgen, könnt ihr vielleicht feststellen, was Charles vorhat. Oder an wem und wo er den Markurg-Virus verkauft."

"Nein."

Barney blinzelte und blickte zu seiner Tochter hinüber. Sie stand auf, trat an seine Seite und drehte sich dann zu uns anderen um.

Ein seltsamer Anblick.

"Bisher haben wir nur reagiert. Wir tappen seit Tagen im Dunkeln und warten darauf, dass noch mehr Leute sterben", sagte sie, um dann zu verstummen und den Blick abzuwenden. Als sie Barney wieder ansah, fuhr sie fort: "Wir müssen sie jetzt bekämpfen. Vielleicht werden wir kein besseres Ergebnis erzielen, aber wenigstens werden wir so irgendeine Art Fortschritt machen."

Für einen Moment war Barney versucht, ihr zu widersprechen. Aber dann erkannte er, dass sie Recht hatte. Außerdem wusste er, dass es für ihre derzeitige seelische Verfassung wichtig war, das Gefühl zu haben, etwas tun zu können.

Ja!

So langsam, wurde Tessa ein fester Bestandteil unserer Gruppe.  

"Wann soll der Flieger starten?", durchbrach Lee das Schweigen und stellte die Frage, die uns allen auf der Zunge lag.

Wir blickten zu Church, deren Lippen sich zu einen gemeinen Grinsen kräuselten. "In einer Stunde."

Sehr schön, dachte ich, während ich im Geiste den baldigen Triumph feierte. Heute würden wir aufs Ganze gehen und die Nosa Costra endgültig erledigen.

Auch Lilith!






Lilith LaCruze


Während Hector und Vater mit den Piloten sprachen, beschäftigte ich mich mit den Laden und dem Säubern der Waffen. Laut dem Angstellte würden wir in einer halben Stunde abheben und ganz ehrlich; ich konnte es kaum noch abwarten. Je eher wir in Mexiko waren und das Geschäft erledigt war, desto schneller würde ich wieder Zuhause sein und mich erholen können.

Ich gähnte.


"Habe ich schon erzählt-", sagte Ethan plötzlich neben mein Ohr und noch ehe ich registrieren, wer zu der Stimme gehörte, hatte ich ihm auch schon meinen Ellenbogen in die Seite gerammt. "Hey! Sind wir ein wenig schreckhaft heute?"

"Ich mag es nur nicht, wenn man mir in Ohr brüllt, okay?" Finster starrte ich ihn an, worauf Ethan nur den Kopf schief legte und mir ein flegelhaftes Grinsen schenkte.

"Wie auch immer", sagte er und nahm sich eine Pistole aus der Tasche, um mir beim Laden zu helfen. "Sobald wir ins Mexiko angekommen sind, werde ich mich so volllaufen lassen, dass ich danach keine Ahnung haben werde, wo unten und oben ist." Seinen Worten folgte ein verschwörerischen Lachen, welches ich nur mit einen Augenrollen würdigte.

"Wir sind weniger zum Spaß in Mexiko, als zum Geschäftlichen. Wir werden dem Kunden das Dreckszeug übergeben und wieder verschwinden." Und hoffentlich werde ich dann meine Ruhe haben, fügte ich in Gedanken hinzu.

"Lilith?!"

Ethan sah mich an, als würde mir ein zweites Gesicht wachsen. Gleich käme bestimmt eine seiner Typischen Reden über das Leben, deren Vorzüge und über die Auswirkungen, wenn man sein gesamtes Darsein dem strengen Geschäft verpflichtete.

Bla, bla! Langweilig!

"Also, Baby", begann er in seinen entschiedenen Ton.

Wieder ein Augenrollen meinerseits.

"Das Leben ist zu kurz, um ein langes Gesicht zu machen, Süße. Gib deinem Leben die Hand und lass dich überraschen. Geh tanzen, Geh reisen, probiere was neues." Er brach ab und seine Augenbrauen zogen sich wütend zusammen. "Gott, du bist 19! Gestalte dein Leben lebenswert, denn sonst wirst du irgendwann ganz verbittert in deinen Sessel sitzen, und mit Katzen um dich schmeißen"

"Katzen?" Amüsiert zog ich eine Braue hoch.

Ethan grinste mich schelmisch an. "Von den Simpsons."

"Verstehe" Der und seine Vorliebe für schlechtes Fernsehn.

Ich tarnte mein Lachen zu einem Huster; ignorierte den strafenden Blick von Ethan und wandte mich wieder meiner Aufgabe zu.

Doch mein Grinsen verblasste keine Sekunde.

"Du bist ein Spinner, Ethan"





Erzähler POV


Und während sich Lilith und Ethan in der Zuneigung zu einander anlächelten, bemerkten Sie nicht die 4 Gestalten aus der Entfernung, als eine Gruppe von Söldern sich langsam an die Familie heran pirschte.

In den Schatten eines Hangars und einer guten Perpektive auf die Start - und Landebahn, stellte Barney Ross sein Scharfschützengewehr ein. Lee, Smilee und Gunner gaben ihm Rückendeckung.

"Hale, seid Ihr auf Position?"

Hales Stimme knisterte ein wenig über Barneys Funk. "Sind auf Position. Süd-östlich des Fliegers. Dein Befehl?"

"Warten!", sagte Barney, während er durch das Zielfernrohr spähte.

Sofort nahm er das Mädchen - Lilith - und einen Jungen ins Visier und auf seinen Lippen erschien ein grausames Grinsen.






Lilith LaCruze


"Und das Klima", schwärmte Ethan schon seit (Gefühlten) Stunden über das Stinkende Land; Mexiko. "Das Klima ist Bombastisch; ganz zu Schweigen von den zahlreichen Bars und den reizvollen Frauen. Ich meine, okay, die werden Spanisch sprechen und ich werde kein einziges Wort verstehen. Aber wozu hat der Mensch Hände und Füße? Alles eine Frage der Vorgehensweise, stimmts Baby?"

Ich nickte, obwohl ich kaum zuhörte. Meine Gedanken waren bei dem Flug, und ich schaute immer wieder auf meine Uhr und dann ungeduldig zu Hector, der sich mit dem Piloten unterhielt.

Wir sollten schon längst in der Luft sein!

Schon seit über einer halben Stunde! Was in Gottes Namen dauerte so lange? Ich konnte mir hundert bessere Dinge vorstellen, als in der Kälte auf einen einsamen Flughafen zu stehen, und mir Ethan Geplapper anzuhören. Ausserdem wurde ich das Gefühl nicht los, das an diesem Ort etwas falsch war. Meine Alarmsensoren - so wie ich sie gerne nannte - waren auf Hochtouren und versuchten mich vor irgendetwas zu warnen. Irgendwas, was in den Schatten lauerte.

Ich schaute prüfend über den Flughafen.

"Hallo?", sagte Ethan dann in einem schnippischen Ton, der seine Verärgerung verriet.

"Hä?", machte ich und sah ihn wieder an.

"Führe ich hier etwa Selbstgespräche?", sagte er gereizt.

Klar! Schon immer!

Mit einem verärgerten Stirnrunzeln blickte ich zu ihm auf. Ich mochte Ethan; keine Frage, aber seine ständigen Höhenflüge und seine naive, ja fast schon kindische Art und Weise strapazierten meine Nerven. Manchmal war seine sonnige Persönlichkeit schon eine willkommene Ablenkung, die ich durchaus mit Wohlwollen begrüßte. Aber heute .....

Ich war gestresst von den vergangenen Tagen, von den Entscheidungen und von dem College, dass ich mich ebenso verpflichtet fühlte. Meine Geduld war beinahe schon seit Tagen aufgebraucht und hinzu kam das seltsame Gefühl, das ich verspürte.

Ein Gefühl der Bedrohung, wenn ich über den Flughafen schaute.

"Ethan?" Ich riss mich zusammen und sah meinen Freund scharf an. "Ziel Leine!"

"Geht es auch etwas freundlicher?", grinste er mich frech an.

Mieses Arsch!

Ich verbiss mir ein wütendes Zischen und das Brechen seiner Gelenke und kämpfte mich mühesam zu einem zuckersüßen Lächeln durch.

"Zieh Leine, bitte?", quitschte ich übertrieben hoch und klimperte wie ein dummes Mädchen mit meinen Wimpern.

Grinsend zog Ethan seine Augenbrauen hoch; schwieg jedoch und akzeptierte mein Benehmen mit einen amüsierten Kopfschütteln.

"Braves Mädchen"

Lächelnd wuschelte er durch meine Haare und ließ mich knurrend zurück.

Dieser....!!!!

Mit vor Zorn schimmernden Augen sah ich Ihm nach.

"Lilith?"

"Grund Gütiger..."

Heftig zuckte ich zusammen und schrie beinahe auf, als mein Vater mir eine Hand auf die Schulter legte. Dabei rutschte mir eine Beretta aus der Hand und landete auf den Boden.

Was war denn heute los?

Ich schloss für eine Sekunde meine Augen und versuchte die Aufruhr in meinen Kopf zu beruhigen.

"Alles in Ordnung, Tochter?", hörte ich mein Vater fragen.

Ich öffnete meine Augen und sah meinen Vater einen Augenblick an. Strenge und dominante Augen musterten mich prüfend, weshalb ich meinen Blick wieder abwandte und seufzte.

"Alles bestens", wiederholte ich meine Worte vom Morgen. Diesmal jedoch klang meine Stimme um einiges abweisender.

"Schön"

Zähneknirschend hob ich die Beretta vom Boden auf und verstaute sie zurück in die Tasche.
Das Schweigen, welches darauf in der Luft lag, behagte mir keine Sekunde. Immer wenn Charles LaCruze so schweigsam war, folgte etwas Grausames. Die Ruhe vor dem Sturm. Und die Ausmaße des Sturms waren verherend.

Während ich mich auf mein Tun konzentrierte, spürte ich seinen stechendes Blick in mein Rücken und es raubte mir beinahe jede Ruhe.

Bloß keine falsche Scheu, Vater, dachte ich wütend, während ich die verschiedenen Waffen säuberte. Solltest du etwas zu sagen haben, so raus mit der Sprache.

"Ich gestehe, Lilith", begann er langsam und kam einen Schritt auf mich zu. Ich versteifte mich, vermied es aber aufzuschauen. "Ich bin sehr stolz auf deine Leistung der vergangenen Tage."

Schlagrtig hielt ich in meiner Bewegung inne und blickte zu ihm auf. Meine Augen verengten sich, doch mein Vater ließ ein seltsames Lächeln aufblitzen.

Was war ihm denn über die Leber gelaufen?

In den vergangenen Jahren war mein Vater niemals auf die Idee gekommen, mich zu loben, geschweige denn zu behaupten, stolz auf mich zu sein. Stets sah er meine Bemühungen als Selbstverständlichkeit an.

Irgendwas war verdammt faul!

"Danke, Vater", sagte ich skeptisch.

"Ich gestehe auch-", sagte er. "Dass meine Ansprüche sehr hoch waren. Beinahe schon unüberwindbar. Aber dennoch hast du den Auftrag mit Bravour gemeistert. Dein Verhalten war unfehlbar; deine Verfahrensweise professionel und dein Verständnis für das Bedeutende war nahezu perfekt. Du hast dich wahrlich als meine Rechte Hand bewiesen."

Ich zuckte schuldbewusst zusammen und schaute rasch auf meine Uhr, damit er meine Reaktion nicht bemerkte.

Wahrlich als Rechte Hand bewiesen?

Indem ich Tessa Ross hatte gehen lassen und dabei unserer eigenen Prinzipien gebrochen hatte? Ja, spitzen Leistung!

Eine Zeit lang betrachteten wir einander reglos, und ich fragte mich plötzlich, ob er ahnte, was mit mir los war.

"Das..." Ich räusperte mich und verlieh meiner Stimme das nötige Selbstvertrauen. "Deine Worte bedeuten mir eine Menge, Vater. In Zukunft werde ich-"

"In Zukunft", unterbrach er mich. "Werde ich das Geschäft alleine in die Hand nehmen."

Verwirrt legte ich meinen Kopf schief. Was sollte das bedeuten? Wollte er mich aus dem Geschäft verstoßen?

Pah! Sollte er es doch versuchen. Ohne es zu wollen, spürte ich eine Welle der Verärgerung. Meine Augenbrauen zogen sich wütend zusammen.

"Du willst mich verbannen? Nach alldem, was ich aufgegeben habe?", entfuhr es mir so wütend, dass ich mich selbst erschrak.

Doch mein Vater lachte und es jagte mir einen Schauer über den Rücken. Wie benommen ballte ich meine Hände zu Fäusten.

"Ich bin kein Narr, Lilith.", stellte er säuselnd klar. "Als dein Vater sehe ich durchaus deinen Wunsch ein eigenes Leben zu führen. Ohne den Zwang meinen ständigen, unablässigen Willen genüge zu tun. Und das möchte ich dir vorab versprechen."

Ich wurde starr. All die klugen Dinge, die ich ihm hatte sagen wollen, blieben mir im Halse stecken

"Sobald wir Zuhause sind, werde ich dich von all deinen Verpflichtungen entbinden. Keine Verantwortung für meine Geschäfte; kein Eingreifen meinerseits; keine skurilen Botengänge.  Du wirst ein Leben als ganz normales Mädchen führen, dass auf einem College viele Freunde findet, neue und bewundernswerte Sachen erlebt. Vielleicht sogar einen netten jungen Mann kennenlernt und später einmal eine eigene Familie gründet. Du wirst eine bemerkenswerte Virologin werden und jeder wird zu dir aufsehen. Ein Leben ohne Zwang, ohne Gewalt, ohne Lügen. Lilith, ist es das, was du wünscht?"

Es war nicht im entferntesten das, was ich zu hören erwartet hatte. Ich trat einen Schritt zurück. Die Verblüffung war mir deutlich anzusehen.

War das mein Wunsch?

Obwohl ich nie darum gebeten hatte, die Rechte Hand zu sein, und es auch nie hatte sein wollen, hatte ich zu meiner Überraschung festgestellt, dass ich diese Rolle perfekt beherrschte. Früher hätte mich der Gedanke, zu Gewalt und Mord fähig zu sein, entsetzt.

Aber im Laufe der Jahre lernte ich auch allehand dazu. Ich lernte Verantwortung und die Konsequenzen für mein Handeln zu tragen. Ich lernte den Tod kennen, lernte ihn zu beherrschen und mit ihm umzugehen und ich begriff den schmalen Grad zwischen Leben und Ungebundenheit. Ich lernte, dass die Welt um einiges schrecklicher war, als jedes Kind annehmen würde.

Und Gefühle. Unzählige Gefühle lernte ich zu spüren. Hass; Verzweiflung; Überlegenheit, Leidenschaft und Angst.

Ja, auch Angst.

Die Rechte zu sein bedeutete nicht, dass ich keine Angst kannte. Doch ich hegte  Zutrauen zu meinen Fähigkeit, am Ende als Sieger dazustehen. Meistens jedenfalls. Aber wenn mir dieses Zutrauen abhanden kam, war ich eine ganz normale Sechzehnjährige, die vor allem eines wollte: Leben.

Und nun, 3 Jahre später, verspürte ich den Wunsch ungebunden zu leben. Fern ab von den ganzen Schrecken, den Leid und den zwang alles perfekt zu beherrschen. Ich wollte genau das, was Vater sagte.

Wie paralysiert von meinen Gefühlen, sagte ich: "Ja, Vater."

Mein Vater nickte und seine Lippen verzogen sich zu einem sanften Lächeln. "Dann soll meine Tochter genau das bekommen"

Und ich lächelte ebenfalls aus glasigen Augen. Denn obwohl ich meinen Vater mit jeder Faser meines Körpers verabscheute, trugen seine Worte eine seltsam ungewohnte und wunderschöne Wärme in meinem Herzen.

Seit langen fühlte ich mich geliebt.....Und es war unbeschreibbar....






POV Erzähler


Barneys Zeigefinger schloss sich fester um den Abzug. Seine  regelmäßigen Atemzüge hallten in dem stillen Hangar wieder, während er das Schauspiel aus sicherer Entfernung beobachtete.

Eine scheinbar hamornische Beziehung zwischen Vater und Tochter. Und doch war ihre Beziehung; ihre einzige Verbindung zueinander geprägt aus Gewalt, Herrschaft, Schmerz und Tücke. Eine Vereinigung, wo Liebe, Vertrauen und Hingabe kein Platz fanden.

Tragisch, dachte Barney, während er im Geiste bis Zehn zählte. Was wäre aus dem Mädchen geworden, würde ihr Vater kein Ungeheuer sein?

"Barney?"

Lees angespannte Stimme warf ihm zurück auf den Boden der Tatsachen.

Jetzt ist ein ungünstiger Zeitpunkt um melodramatisch zu sein, schalte er sich. Ich bin nicht gekommen, um mir Gedanken über deren Leben zu machen. Sondern um es einzig und allein zu beenden.

"Auf 3", sagte er und visierte sein Ziel an.

Er zog scharf die Luft ein und begann runterzuzählen.

"3..."

Das Zielfernrohr neigte sich langsam nach rechts.

"2.."

Das scharfe, metalische Klicken erklang. Barney entsicherte das Gewehr.

"1..."

Um sie herum, war es vollkommen windstill. Die Sonne schien am tiefsten Punkt angekommen zu sein, und die Vögel begannen mit abgestimmten Klängen ihren Aufbruch in den Süden anzutreten.

Doch Barney blendete all das aus. Vor seinen Auge sah er ausnahmslos sein Ziel.

Und dann drückte er seinen Finger durch und schoss....






Lilith LaCruze


Gerade wollte ich meinen Vater vorschlagen einen gemeinsamen Tag mit ihm und meiner Schwester zu verbringen (Etwas ganz Unbezwunges und Familiäres, was meine Schwester sich so sehr wünschte), da zerris ein lautes, tödliches Geräusch die Stille. Und als mir klar wurde, welches Geräusch das war, verkrampfte sich mein Herz.

Das Geräusch einer abgefeuerten Kugel.

Wie in einem Traum gefangen, schaute ich langsam auf zu meinem Vater. Von seinen Füßen zu seinen Händen; von seinen Armen zu seiner Brust.....Und das war der Moment, wo mein Herz stehen blieb und meine Glieder gelähmt waren.

Entsetzt riss ich meine Augen auf.

Aus der Brust meiner Vaters, klaffte eine große, fleischige Wunde aus der unablässig Blut quoll.

Großes Chaos brach auf dem Flughafen aus. Um mich herum dröhnten Schüsse, Klageschreie und irgendwo aus der Ferne hörte ich jemanden meinen Namen rufen. Doch ich war zu betäubt um zu reagieren, als der Körper meines Vaters zu Boden ging.

Charles LaCruze war tot.....
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