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The Beloved Devil

GeschichteThriller, Familie / P18 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Hale Caesar Hector
30.11.2013
20.05.2014
18
89.028
 
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30.11.2013 5.457
 
Tessa Ross


Ich lag auf einem Haufen Schlafsäcke aufgeschichteten Ruheplatz und schaute sehnsüchtig aus dem schmutzigen Fenster, dass sich gerade mal auf Bodenhöhe befand. Ich konnte den Rasen eines Vorgartens sehen, eine Reihe an Phälen befestigter Rosenbüsche, die Stämme von mehreren Bäumen und Eichhörnchen, die auf der Suche nach Essvaren munter umherhuschten. Sonnenstrahlen tanzten über den Erdboden und brachen durch das Fensterglas hin zu meinem Gesicht. Sie waren irgendwo dort draußen. Und sie würden mich finden. Ich brauchte keine Angst zu haben.

Als Strafte für Hectors und meine Lüge hatte Lilith meine Hände und Knie gefesselt und mir den Mund geknebelt. Anschließend hatte Hector etwas zu mir gesagt, mir einen Grund für ihr Benehmen gegeben, aber ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, was er genau gesagt hatte und ob es einen Sinn gemacht hatte. Aber letzlich war das auch egal. War Hector egal. War alles egal.

Das Einzige, was für mich zählte, war es, wieder bei Dad zu sein und das zu tun, was Mädchen in meinen Alter so taten.

"Befreie mich", brabbelte ich durch meinen Knebel. Die Worte kamen verstümmelt und undeutlich, aber ich wünschte mir, dass er sie hören würde. Dass er verstehen würde. Dass er sich um mich sorgte und mir helfen würde.

Ich blickte zum Fenster hinauf. Das Sonnenlicht wurde intensiver, heller und verdunkelte sich dann wieder mit dem Altern des Nachmittags. Aber ich wartete. Geduldig.






Lilith LaCruze


Seufzend vor Erschöpfung schlenderte ich den einsamen Gang der Schule entlang. Richtung Ausgang, wo  mich eine warme Sonne, eine saubere Briese und ein grelles Licht empfang. Begleitet von den  allgemeinen Motorengeräuschen, den jugendhaften Gelächter und die Glocke, die punkt 18 Uhr zu läuten begann. Naserümpfend stieg ich die Stufen hinab. Das College war eine willkommene Abwechslung; eine Art und Weise zu leben, wie es schon immer mein gewesen Wunsch war. Darum störte mich auch das ständige Rumgenörgel der Beamten, sowie das permanente Erfüllen der Klischees (Aufmüpfige Quaterbacks, schlamige Cheerleader, die niveaulosen Feten oder das pupertierendes Verhalten) überhaupt nicht. Aber was ich verabschaute, war -

Ich blieb stehen.

Und wirbelte herum. Mein Haar flog wild durcheinander und meine Hände griffen nach meinem Messer,  welches ich unbemerkt an meinem Gürtel befestigt war.

Aber es war schon zu spät. Smilee rammte mich mit voller Wucht und warf mich gegen einem Baum. Ich keuchte überascht auf und der Junge (fauchte?) mich wie von Sinnen an. Mein Messer flog im hohen Bogen durch die Luft und verschwand irgendwo auf der Straße. Ich grunzte und umklammerte seine Hände, die mich zu würgen begannen.  

Dann umfing ich den Jungen mit meinen Beinen und drehte ihm mit einer schnellen Bewegung auf den Rücken. Doch Smilees Tempo war enorm und er packte meine Beine. Danach zog er sich unter mir weg und noch im Fallen verpasste ich ihm einen Schlag auf die Nase und sprang dann rasch auf meine Füße.

"Du kommst wohl mit ’ner Abfuhr nicht klar, oder?", tadelte ich spielerisch. "Lass es mich noch mal  sagen. Ich steh nicht auf dich. Tut mir Leid, Süßer, aber das ist die harte Wahrheit. Finde dich damit ab, dass wir niemals ein Paar werden!" Mit einem explosionsartigen Angriff schwang ich meinen Fuß krachend in das Gesicht des Feindes. Der Junge stolperte, blieb aber stehen.

"Lil?", ertönte eine Stimme aus der Ferne. "Kommst du?"

Herr je, Hector, bleib bloß weg.

Die Sekunde, die ich an Hector dachte, reichte Smilee aus, um vorwärts zu preschen und sich gegen meinem Brustkorb zu werfen. Ich flog rückwärts und landete hart. Mein Kopf prallte heftig auf den Gehsteig. Sterne verklärten meinen Blick, Vögel zwitscherten und dann blickte ich in eine wütende, böshafte Fratze. Ich rollte mich von dem Jungen weg und setzte mich auf meine Knie auf.

Smilee ging schon wieder auf mich los. Er schnappte sich eins von meinen Handgelenken und verdrehte es nach hinten. Ich keuchte vor Schmerzen auf und drehte mich in seine Richtung, um ein Brechen des Armes zu verhindern. Das tat weh!

"Ich hab dich!", knurrte der Junge auf. "Und jetzt wirst du das tun, was ich dir sage!"

Nie im Leben!

Mit meiner freien Hand suchte ich auf dem Rasen nach etwas, irgendwas - doch wurde nicht fündig. Und so ergab ich mich einen grausamen Stöhnen. Ich gab es nur ungern zu, doch er saß am längeren Hebel.

"Okay", keuchte er. "Du hast zwei Möglichkeiten. Du kannst langsam und voller Qualen sterben oder ich mache es schnell und relativ schmerzlos. Nun sag nicht, ich wäre nicht wirklich entgegenkommend."

Wow! Seit wann war er denn so charmant? Ich zwang mich zu einem Lächeln und gab kein Ton von mir.

"Wenn du den schnellen Tod möchtest, wirst du mir ein paar Sachen verraten müssen, die ich wissen will. Wenn du aber lieber schweigen willst, kein Problem, dann kann ich das Messer sehr, sehr langsam in dein Herz drücken." Demonstrativ drückte er sein Messer in meine Brust. Wunderbar!

"Lass mich raten", spuckte ich meine Antwort aus. "Es geht um die süße Tochter von Barney Ross"

"Also funken wir auf derselben Wellenlänge", stellte Smilee fest. "Wo ist sie?"

"Warum sollte ich es gerade dir verraten", zischte ich und funkelte ihn an.

Der Druck an meiner Brust wurde schmerzend. Ich stöhnte auf. "Okay, in Ordnung!"

Smilee mochte zwar in unserer ersten Begegnung noch sehr charmant gewesen sein aber nun zeigte er eine ganz andere, wütende und unerwartete Seite, die mich zugegeben, beeindruckte. Seine Berührung waren alles andere als sanft; genau wie seine blauen Augen die voller Hass auf mich herab glühten. Obwohl er noch immer durchaus hübsch anzusehen war.

"Wir haben sie in unseren Haus", sagte ich seufzend.

"Erzähl mir etwas, das ich noch nicht weiß.", herrschte er mich an: "Rede!"

Meine Stimme kochte vor Wut fast über. "Ist ja schon gut! Wir haben Sie kaum ohne Grund gefangen genommen, was ihr euch jedoch schon denken könnt, oder?" Mit einen verkrampften Lächeln schaute ich zu ihm auf. Seine Miene war ausdrucklos.

"War abzusehen", schnappte Smilee. "Also?"

Ich seufzte.

"Ganz einfach, Darling!" Ich verdrehte meine Augen und sagte: "Sie ist das perfekte Objekt, um euch Hunde zu zwingen, eure dreckigen Nasen aus unserem Geschäft zu nehmen"

"Sonst was?"

Ich schenkte ihm ein falsches Lächeln und sagte gelangweilt: "Baby, denk nach! Wir sind die Nosa Costra! Glaubst du im Ernst, wir haben kein Plan B?" Ich schüttelte im gespielten Bedauern meinen Kopf. "Wir werden Tessa aufgrund eurer Fehlentscheidung auf elende Art und Weise umbringen und dann werden wir-"

"Also schön", schnappte Smilee und packte meinen Hals. Mit der anderen Hand hielt er das Messer noch immer an meiner Brust und drückte vehement zu, was mich schmerzvoll aufstöhnen ließ. "Sag schon? Was wollt ihr?"

"Lilith!" Der Schrei kam aus der Nähe. Smilee blickte über seine Schulter und auch ich bemerkte Hector, wie er auf uns zugelaufen kam.  

Und ich nutzte die kleine Chance.

Durch die Verlagerung von seinen Gewicht konnte ich mich losmachen. Ich griff nach dem Kopf des Jungen, aber er wischte meinen Arm beiseite. Ein Büschel Haare wurde ihm aus der Kopfhaut gerissen und blieb in meiner Hand. Die verletzte Stelle brannte bestimmt höllisch. Dann wich er dem Griff von Hector aus, rollte sich auf den Boden und schnappte sich dem Messer. Doch zu spät.

Hector packte seinen Kopf und schlug ihn auf den harten Asphalt, während ich stöhnend vor Schmerzen auf die Beine kam. Danke Hector, dachte ich stumm.

"So", keuchte ich und kloppfte den Dreck von meiner Kleidung. Eine kleine Wunde ragte an meiner Brust und ließ mich staucheln. Zugegeben, Smilee war mir für eine beachtliche Zeit überlegen und seine Methode, mich zu überraschen, war durchaus durchdacht gewesen. Beinahe wäre der Sieg seiner gewesen, doch leider auch nur beinahe!

"Lassen wir das Spiele spielen", begann ich und schaute dem Jungen in seine vor Zorn glimmenden Augen. Sein Kopf wurde von Hectors Knie auf den Stein gedrückt und er rang schnaufend nach Luft, während seine Arme auf den Rücken gedreht wurden.

Provokant ging ich vor ihm in die Hocke und streichelte ihm lächelnd an der Wange. "Schatz, richte Barney aus, dass ich ihn sehen möchte. Morgen gegen Dämmerung auf der Brücke am Spreengs Lake und solltet ihr auf dumme Ideen kommen-" Ich verstummte und wedelte fröhlich mit der Hand. "Sagen wir...ihr solltet lieber auf keine dummen Ideen kommen. Das könnte böse enden"

Meine Miene wurde düster und ich wiederholte: "Morgen! Dämmerung! Spreengs Lake!"






Smilee


"Ich werde meine Tochter auf keinen Fall noch eine Nacht in den Händen der Nosa Costra lassen"

Das war Barney einziger und durchaus akzeptabler Kommentar, nachdem ich den Jungs von der Begegnung erzählt hatte. Selbstverständlich bestellte ich Barney auch den überaus lieben Gruß von Lilith und ihre Forderung auf ein morgiges Treffen. Er würde dem Treffen zwar zustimmen, aber ein Versuch seine Tochter zu befreien, ohne nach ihrer Pfeife zu tanzen, ließ er keineswegs unversucht. Wie alle in unseren entschlossenen und äußerst kampfbereiten Team.

Also stand der Plan schon fest und wurde auch gegen Abend in die Tat umgesetzt.

In mehreren Teams aufgeteilt schlichen wir um das Gebäude herum, was eine eindrucksvolle Bewachung bot. Viele Soldaten scharten sich um das Anwesen herum; ließen keine Ecke und keine Stelle des Waldes unbeobachtet. Ich fragte mich insgeheim, in welchen Worten Lilith das Thema Privatsphäre untermauerte. Hatte sie jeh eine ruhige Minute? Nun als Tochter von Charles LaCruze waren ihre Tage bestimmt kein Zuckerschlecken.

Stopp, schalte ich mich. Lilith war kein mitfühlender Gedanke wert gewesen. Sie war das Böse; ihr Vater war der Teufel und alles was in St. Spreengs geschah, geschah in ihren Zuständigkeitsbereich. Ein Leben Lang würde Blut an Ihren Händen kleben.

"Man sollte annehmen, dass sie sich eine Pause gönnen." Lee schnaupte Sarkastisch. Beide verstecken wir uns auf einen kleinen Hügel. "Sie haben doch bestimmt Bedürfnisse, oder? Wie zum Beispiel auf Toilette gehen oder etwas zwischen die Zähne zu bekommen. Aber nein. Alles muss funktionieren wie ein Uhrwerk."

"Sie überwachen das Oberhaupt des Staates, Lee!", merkte ich gähnend an. "Wenn sie so etwas wie Bedürfnisse verspüren, werden sie grundsätzlich nicht eingestellt"

"Was auch immer.", brummte Lee in seinen Kragen. Selbst bei der Schwärze konnte ich seine Augen rollen sehen.

Mit einem Seufzen schüttelte ich den Kopf.

"Wir Sollten Langsam zum Angriff Übergehen" Ich sagte es sowohl zu Lee, als auch zu dem Rest des Teams, das über Funk zugeschalten war. Promt kam auch Ceasers Stimme. Danach Gunners und zum Schluss Barneys.

"Ja. Heizen wir ihnen richtig ein."

"Ich kann es kaum erwarten"

"Seid vorsichtig"

Die Schwierigkeit bei der Sache bestand darin, sich stets in den nachtdunklen Schatten zu halten, während man die Soldaten zu beseitigen versuchte, bevor sie Lunte riechen konnten oder jemand aus dem Haus blickte und Zeuge wurde, wie ein Haufen von Söldner dem Bürgermeister zu nahe kam.

Ich schlich mich an den ersten Soldaten, ein tonnenförmiger Mann, der zu seinen Lebzeiten wohl einige Zentner auf die Waage gebracht haben musste, und tippte ihm auf die Schulter. Er fuhr herum und stieß ein bedrohliches Knurren aus.

"Überraschungstelegramm", flötete ich und stieß zu.

Nummer eins.

Zwei weitere Soldaten näherten sich mir von hinten. Ich verlagerte mein Gewicht auf die Fußballen, beugte ein wenig die Knie und wartete auf...

Doch schon kam Lee aus dem Schatten gesprungen und brach Beiden kurzerhand das Genick.

Erstaunt wanderten meine Augenbrauen nach oben. Lee grinste wie ein arroganter Hund.

Wieder ein Geräusch.

Ich wirbelte herum und sprang, das Messer in der ausgestreckten Hand, auf einen der Soldaten zu, der daraufhin um Gleichgewicht ringend zurücktaumelte. Aus der Bewegung heraus versetzte ich sodann dem zweiten einen mächtigen Tritt, der ihn dem Beispiel seines Kumpanen augenblicklich folgen ließ. Noch bevor der erste sich wieder fangen konnte, rammte ich ihm das Messer in die Brust; gleichzeitig spürte ich, wie der andere mich von hinten zu packen versuchte, bückte mich unter seinem Griff hindurch, stieß mit dem Messer nach hinten und riss ihn entschlossen nach oben. Nummer zwei und drei, dachte ich grimmig. Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

Scheinbar niemand, denn um das ganze Gelände herrschte Schweigen. Ungewöhnliches Schweigen. Bedrohliches Schweigen. Stirnrunzelnd schaute ich um mich herum. Irgendwas-

Plötzlich funkte das Mikro in mein Ohr und Barneys keuchende Stimme meldete sich. "Rückzug!"

"Was?", kam es gleichzeitig von Lee und mir.

Die Waage neigte sich doch zu unseren Gunsten. Schon 3 Soldaten waren tot! Warum jetzt den Schwanz einziehen?

"Sie haben uns schon lange entdeckt", sagte Barney leise. Ich hörte den Zorn in seiner Stimme.

"Dann lass sie uns kalt machen. Wo ist das Problem?"

"Das Problem!", sagte Barney ungehalten. "Ist, dass wir der Niederlage ins Auge sehen werden, wenn wir nicht unverzüglich aus ihrem Revier verschwinden"

Gerade, als ich zum Protest ansetzen wollte, Verstummte ich und holte erschrocken Luft. Nur wenige Meter von uns traf Lilith in meinem Blick und sie sah in keinster Weise friedvoll aus...






Lilith LaCruze


Ich war mir verdammt und zu 100 Prozent sicher jemanden gesehen beziehungsweise etwas gehört zu haben. Männerstimmen, Keuchen und rasante Bewegungen. Genau aus diesem Grund war ich aus dem Haus gestürmt, ließ meine Schwester und das Essen alleine zurück um es jetzt zu bereuen. Doch im Gegensatz zu anderen, vertraute ich auf meine Instinkte und eben genau dieser riet mir zu Vorsicht.

Hinter mir knackte ein Ast. Ich fuhr herum, ging aus der Bewegung heraus in Kampfposition. In einer Hand hielt ich meine Beretta, bereit, blitzschnell zuschießen.

Doch da war nichts.

"Mann", sagte eine Stimme. "Du stehst aber mächtig unter Strom.«

Reflexartig sprang ich in die Richtung, aus der die Stimme kam, und - sah mich einem bestürzten und um ein Haar aufgespießten Ethan gegenüber.

"Hey, hey, hey! Nimm das Ding runter, Lil. Ich bin's nur."

"Es hätte nicht viel gefehlt und dieses Ding, wie du es nennst, hätte Bekanntschaft mit deinem Innenleben gemacht!"

"Ja, ja. Ich weiß. Tut mir Leid. Aber ich habe zufällig mitbekommen, dass du dich hier draußen herum schleichst. Also wollte ich dir Gesellschaft leisten"

"Das Date war grausam, stimmt's?", fragte ich schmunzelnd.

Ja! Der charmante und blendend aussehende Killer hatte auch Dates. Wie jeder normale Mensch auf Erden.

Ethan setzte eine bemitleidenswerte Miene auf. "Absolute Folter ist eine Untertreibung. Apropo Folter- Warum bist du draußen? Und das auch noch-" Er musterte mich mit fragenden Blick. "In einem Bademantel?"

"Ach nichts. Nada. Außer..."

"Außer was?"

Ich schüttelte den Kopf. "Ich weiß nicht genau. Wahrscheinlich bin ich nur ein wenig überreizt. Aber..."

"Aber was?"

"Ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass ... irgendetwas ... ich weiß auch nicht... eben, als ich ..."

"Bitte, Lil, denk an meine Nerven. Könntest du vielleicht mal einen Satz zu Ende bringen?"

Ich strich mir mit einer Hand fahrig durchs Haar. "Ich würd's dir ja gern genauer erklären, aber ich weiß selbst nicht, worüber ich hier eigendich rede! Ethan, ich weiß nur, dass hier draußen irgendetwas ist. Ich habe keine Ahnung, wer - oder was - das sein könnte. Und -"

Beide verspürten wir plötzlich einen Schauder im Nacken und wirbelten herum. Für den Bruchteil einer Sekunde war da tatsächlich etwas, in den dunklen Schatten nur als vager Umriss auszumachen.

Etwas Großes. Und ohne jede Frage etwas Bedrohliches. Dann hörte ich ein Rascheln.

"Was war das?", sagte Ethan und aus seinem Ton war alles Fröhliche verschwunden.

"Ich weiß es nicht", stieß ich zwischen den Zähnen hervor. Ich verstärkte meinen Griff um die Pistole und stapfte los, fest entschlossen, es herauszufinden.

Doch was immer dort gewesen sein mochte, es war längst verschwunden.

Und das Bild, was sich uns bot, ließ uns das Blut in den Adern gefrieren.

3 Leichen.....  Diese verdammten....






Lilith LaCruze


"Bist du dir sicher, dass wir das tun sollten?" fragte ich David, während ich geschickt einem Hieb seines Kitana – eines japanischen Übungsschwertes – mit meinen Stock abwehrte.

"Hast du denn keine Angst, dass andere davon Wind bekommen?" Ich wechselte das Standbein und schwang die Waffe seitlich, worauf David das Gleichgewicht verlor.

Wie jeden Morgen verdonnerte mich David zu einem ausgibiegen Traning.

Mit einem lauten Plumps landete er auf seinem verlängerten Rücken. "Natürlich habe meine Bedenken", brachte er keuchend hervor. Dann setzte er sich auf und hustete. "Aber wahrscheinlich werden sie versuchen, dich anders zu überzeugen, seine Tochter freizulassen. Immerhin ist er gezwungen, sich gegen die Menschen zu stellen und an seiner Stelle wäre ich sehr abgeneigt davon. Und sie werden auf jeden Fall vorbereitet sein"

Es war seine Idee beim Treffen der Expendables, Scharfschützen rund um den See zu positionieren. Eine raffinierte Idee, die aber auch seine Tücken hat. Wenn uns jemand sehen würde, im Zweifel sogar die Medien, konnte der ganze Plan mächtig in die Hose gehen. Und wie zu erwarten, würden mich auch Ethan und Hector begleiten und auf mich Acht geben.

Ich streckte ihm die Hand hin und half ihm auf. "Wo hast du denn das gelernt?" fragte David mich verwundert.

"In einem dieser alten Schinken im Fernsehen", erwiderte ich. "Da spielte irgend so 'n Berühmter mit – Flynn, oder vielleicht dieser, wie heißt er noch mal, Lancaster, ich weiß nicht mehr. Sind wir jetzt fertig?"

"Nein, wir müssen die Stunde komplett machen." David rieb sich die schmerzende Stelle und stöhnte. "So schwer es auch fallen mag."

"Okay! Aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt – ich hab in letzter Zeit nämlich 'ne Menge alter Filme gesehen."

"Das hatte ich schon befürchtet." Mit steifen Gliedern nahm David eine Kampfhaltung ein. "Das hier nennt man die Wombatstellung."

"Sieht mir eher nach besoffenem Eichhörnchen aus!" kicherte ich.

David machte einen seitlichen Ausfall mit dem Kitana. Als ich dem Schlag mit Leichtigkeit auswich, packte er mich am Arm, zog mich heran und versuchte, mich über seine Schulter zu werfen. Aber ich war zu schnell; ich nutzte das Drehmoment, landete auf den Füßen, wirbelte herum und packte ihn am Jackenkragen. Mit einer geschmeidigen Bewegung ließ ich mich rückwärts fallen, stemmte gleichzeitig einen Fuß gegen seine Brust und schleuderte David quer durch den Raum.

Bam! Hätte mich Smilee am Vortag nicht wie aus dem Nichts angegriffen, wäre ich ihm zuvor gekommen. Bei dem Gedanken an ihm, wurde meine Miene düster. Dieser verdammte Bastard und sein dämliches Fußvolk. Wie konnten sie es nur wagen, sich auf unser Gelände zu schleichen und unsere Wächter zu töten? Wie konnten sie es überhaupt wagen, sich uns zu stellen? Dachten sie, sie würden so plump davon kommen?

Zähneknirschend hob ich meinen Stock auf, während ich wieder auf die Beine kam. Ich war bereit für den nächsten Schachzug, als würde ich gegen einen wirklichen Gegner kämpfen. "Kann ich jetzt auf mein Zimmer?" fragte ich bettelnd.

"Nein!" stöhnte David. Er streckte die Hand aus – in der Erwartung, dass ich ihm aufhelfen würde. Doch ich rührte mich nicht.

"Was soll das Lernziel dieser Unterrichtsstunde sein?"

"Hartnäckigkeit", erwiderte David, während er auf die Beine kam. "Und Geduld gegenüber einem Gegner, der nicht weiß, wann er geschlagen ist." Er versuchte, mir einen Hieb mit dem Griff des Kitana zu versetzen.

Ich wehrte den Hieb ab, packte David am Handgelenk und entwand den Kitana seinem Griff. Dann versetzte ich ihm einen Ellenbogenhieb gegen das Kinn – gerade fest genug, um zu zeigen, was ich vermochte – und schickte ihn wieder durch den gesamten Raum.

David rutschte über den Schreibtisch wie ein hüpfender Stein auf einem See und landete dann auf dem Boden.

Zum Glück trug er Ellenbogen-, Knie- und Brustschoner, wenn er mit mir eine Übungsstunde abhielt, aber nun begann ich, die Anschaffung eines Ganzkörperschutzes in Erwägung zu ziehen.

"Ich bin überzeugt, Lilith, wenn es Soldaten und andere Kampferfahrene auch nicht schaffen, diesen armen Mentor kaputtzukriegen – sein liebster Schützling wird das schon besorgen."

Er schenkte mir ein verschlagenes Zwinkern.

Ich seufzte.

"Tut mir ja leid. Ich möchte auf mein Zimmer. Hausaufgaben und so. Ach, übrigens, wie ging diese Stellung noch mal? Dieser Wombat?"

Ich versuchte, die Kampfhaltung nachzuahmen, die David mir gezeigt hatte.

Er blinzelte, bis er mich wieder deutlich sah, dann sagte er: "Halt den rechten Arm höher. Und schieb das linke Bein mehr vor."

"Hallo Leute" Aus dem Gang vernahm ich eine Stimme, die mich und David aufstöhnen ließen. Jake war Zuhause. Welch ein Jammer!

Jake Moore war der 5. im Bunde der Vertrauten meines Vaters. Er war 27 und ohne es zu untertreiben eine hässliche Erscheinung. Dafür jedoch war er durchaus begabt in seinen Handwerk; das Erstellen von tödlichen Geschossen, Zeitzünder und extreme Bomben. Vom Charakter war er eine ruhige Person, aber seine derart verschlossene Haltung traf nicht unbedingt auf Gefallen. Dazu war er eine unglaubliche Memme und zog sich bei noch so kleiner Gefahr sofort zurück.

"Hey Jake", murmelte ich. "Was gibt's neues?"

Jake war Inzwischen im Zimmer angekommen. Mit Verschränkten Armen und einen undeutbaren Ausdruck (Oh, wie sehr ich das liebte) schaute er uns an. Dann sagte er die 6 Worte, die ich um himmels Willen keineswegs und absolut unter keinen Umständen hören wollte.

"Dein Vater kommt nach Hause...Morgen.."

Langsam drehte ich mich zu David um, und als unsere Blicke sich kreuzten, war uns der selbe Ausdruck ins Gesicht zu geschrieben.

Zu früh!

Verdammt!






Tessa Ross


Schon 4 Tage!
4 grausame, einsame und schmerzvolle Tage, doch für mich kam es wie eine endlose Spirale vor. Eine Spriale aus Allem und Nichts, wo die Zeit bedeutungslos und das Leben banal an einem vorüber rauschte,  und du selbst alles vergisst, wofür du gelebt hast. Was dein Sinn und deine Bestimmung war. Welche Leidenschaften du hast; sogar die trivialsten Dinge wie dein Geschmack für Essen, Musik und Filme entfallen dir. Aber doch....ja, sie fehlten mir bestialisch.

Alles, was mein Leben ausmachte, ob es noch so klein war, fehlte mir.

Mir fehlte das warme und ungenießbare Essen von Barney. Das Lachen seiner Freunde, wenn sie Witze auf meine Kosten rissen. Ich vermisste das Ploppen des Popcorns, wenn mein Dad und ich uns vor die  Glotze setzten und einen völlig unrealisten und belanglosen Film schauten, wo wir am Ende zumeist über  die geistlose Logik diskutierten. Ich vermisste Smilee, wie er Tag für Tag ins Haus eingeschneid kam, um Barney seine letzte und brauchbare Ruhe zu vermiesen. Ich vermisste, wie Barney ihm zur Strafe  verdonnerte mich zum Shoppen zu begleiten, weil er es selbst grausam fand. Gott! Ich vermisste alles; von  meinem Bett und der Dusche, bis hin zu meinen lebhaften Freunden, die ich stolz Familie nennen konnte. Was würde ich darum geben, um sie jetzt lachen zu hören.

Schwach seufzend legte ich mein Kopf auf meinen Knien ab und schloss meine feuchten Augen. Wann hat das alles ein Ende? Die Gefangenschaft; die Bedrohung; die Gefahr und verdammt! Die Schmerzen waren  die reinste Hölle. Meine Handgelenke von den Striemen, mein Kopf von marginalen Sauerstoff und meine rissigen, trockenen Lippen von wenigen Trinken. Ich leckte über meine Lippe; schmeckte das Blut und ein  Schauder durchfuhr meinen Körper. Ging es mir schon jemals so Elend? Nein!

Die Tür öffnete sich mit einem erschreckenderweise lauten Quitschen, doch ich vermochte es kaum den  Kopf zu heben. Sowie fehlte mir dazu die nötige Kraft.

Langsame Schritte kamen auf mich zu. Entweder war es Lilith oder Hector, obwohl letzteres sehr unwahrscheinlich war, weil ihm strengstens verboten wurde, in meine Nähe zu kommen. Ich unterdrückte ein sarkastisches Schnaufen. Wer war sie, um ihm zu sagen, was er zu tun und zu lassen hat? Ich bezweifelte, dass sie ihm im Kampf ohne weiteres überlegen war. Und bestimmt war es auch nicht die Angst, die ihm zwang, sich zu unterwerfen! War es die Tatsache, dass sie die Tochter von Charles LaCruze war und sie demtensprechend auch über Macht verfügte, die ihm schaden könnte? Oder verband etwas anderes, tieferes die beiden?

Ich schluckte. Nein! Sonst wäre er mir kaum so nahe gekommen.

Ich spürte einen warmes Lufthauch auf meiner Stirn. Ein Seufzer? Anscheinend saß mein Besucher direkt vor mir. Beängstigend kniff ich meine Augen zusammen, in der furchterregenden Annahme, gleich ihre messerscharfe Stimme zu hören.

Doch es war nicht ihre Stimme. Und es war auch keineswegs ihre Hand, die meine Wange vorsichtig berührte.

"Tessa?"

Es war seine, oder war es Einbildung? In der letzten Zeit kam es häufig vor, dass ich mir Dinge eingebildet hatte, die im Grunde vollkommen unrealistisch waren. Ich schob es auf den massiven Durst, der mich von Sekunde zu Sekunde mehr an den Abgrund des Wahnsinns brachte.

"Tessa? Bitte sag doch etwas?"

Seine Stimme war besorgt. Automatisch zog ich meine Beine enger an mich und schüttelte wie paralysiert den Kopf.

"Geh", krächzte ich zu der Einbildung. "Verschwinde. Lass mich allein. Du bist nicht real. Nicht real..." Sofort kamen mir die Tränen und ich schluchzte auf. War ich schon so am Ende? Fühlte sich so das Ableben an? Ich Dachte, es wäre es friedvoller.....weniger schmerzvoll....

"Tessa" Wieder seine besorgte Stimme. Wieder mein Name, doch diesmal spürte ich sein Finger deutlicher an meiner Wange, fast grob, als er meinen Kopf hob. "Öffne deine Augen"

Ich zuckte vor seiner barschen Stimme zusammen und wagte es meine Augen zu öffnen. "Hector?", kam es Leise und Vorsichtig über meine Lippen.

Hectors Lächeln war traurig; seine Augen trüb und voller Reue. "Ja", hauchte er und zog seine Hand zurück. Ich verengte prüfend meine Augen, suchte ein letztes Mal nach einem Anzeichen, dass seine Erscheinung ein Trugbild meiner Fantasie war. Aber weder verblasste er, noch verschwand er, nachdem ich benommen blinzelte. Er war tatsächlich gekommen. Ein zögerndes Lächeln zauberte sich um meine Lippen und eine einzelne Träne rollte über meine Wange.

"Hector", wisperte ich. "Ich-"

"Hier" Er streckte seine Hand aus und reichte mir eine Flasche mit Wasser. "Du hast bestimmt Durst"

Ich hätte schreien können vor Freude. Aber selbst dazu besaß ich keine Kraft mehr. Schweigend und rasch nahm ich ihm die Flasche aus der Hand und leerte sie in schnellen, großen Zügen. Die simple Flüssigkeit explodierte nahezu auf meiner Zunge und ich schöpfte neue Energie. Nachdem die Flasche leer war, rang ich um Luft, wischte mir über den Mund und gab sie ihm mit einem dankbaren Lächeln zurück.

"Nicht, dass ich nicht dankbar wäre-", keuchte ich und streckte meine Beine aus. Ich sah ihm in seine braunen Augen. "Aber warum bist du gekommen. Lilith hat doch befohlen-"

"Mach dir keine Sorgen um sie", unterbrach er mich leise. "Lilith war gestern sehr gereizt."

Was für eine plumpe Verteidigung. Wütend verengte ich meine Augen, ließ es jedoch auf sich beruhen. Hector war gekommen und nur das zählte für mich.....Zunächst für dem Moment. Aber warum war er gekommen?

Hector bemerkte meinen fragenden Blick und gab mir seufzend die Antwort: "Ich bin gekommen, um dir zu sagen, dass wir uns heute mit deinen Vater treffen werden" Seine Stimme war ruhig und angenehm aber auch das völlige Gegenteil zudem, was in meinem Inneren tobte. Sie würden sich heute treffen? Bedeutete das? War es möglich? "Wenn dein Vater also auf unsere Forderung eingeht und verspricht seine Hände bei sich zu lassen-"

"Werde ich noch heute Abend Zuhause sein?", quitschte ich voller Aufregung.

Hoffnung flammte durch meine Glieder. Meine Augen glänzten in der Erwartung, schon bald wieder ein normales Leben zu haben.

Hectors Lächeln war traumhaft.

"Ja, Tess", erwiderte er zustimmend. "Wenn Barney dem zustimmt"

Ich brauchte keine Telepathin zu sein, um die unausgesprochene Bemerkung zu registrieren, die deutlich in der Luft hing. Die Frage war: Falls er zustimmen würde!

"Aber-" , setzte ich stockend an. "Was wenn....Also....Ich..." Ich brachte die Worte kaum über meine Lippen.

"Wenn Barney sich weigert?", wagte Hector den vorsichtigen Versuch.

Ich brachte ein unbehagliches Nicken zustande; meine Lippen zu einen dünnen Strich verzogen.

"Ich habe keine Ahnung", hörte ich Hector seufzen, und seinem Ton entnahm ich Sorge. Sorge...und Zweifel? Angst?

Die selbe Angst, die auch mich überkam.

Barney liebte mich. Keine Frage aber die Tatsache, dass er dadurch eine Entscheidung treffen würde, die tausende von Menschen das Leben kosten konnte, war keineswegs zu ignorieren. Es war eine prekäre Frage, an deren Antwort ich zu zweifeln begann.

"Er ist dein Vater, Tessa", sagte Hector ohne jeden Hauch von Emotion. "Was wäre er für ein Vater, wenn er seine Tochter im Stich lassen würde?"

"Er ist ein wunderbarer Vater", entgegnete ich scharf und funkelte ihn an. "Er würde alles darum geben, um mich zu beschützen. Er würde für mich sterben"

"Achso?"

Hectors zweifelnde Miene stärkte meinen Zorn. Ich hasste es, wenn jemand an meinem Vater zweifelte. Es war ganz und gar falsch, so eine Vermutung in dem Raum zu schmeissen. Barney war ein bemerkenswerter Vater und ein loyaler Mensch, mit einer Willenskraft die ich stets bewunderte. Er setzte sich für seine Liebsten ein, wie es keiner tun würde.

Und um ihm das zu beweisen, erzählte ich Hector die ganzen Storys, welche mein Leben und meine Liebe zu ihm bereicherten. Wie er mir tausende von Male das Leben gerettet hatte; wie er mich vor jedem noch so fremden Menschen beschützt hatte, als bestünde ich aus feinen Porzelan. Wie er mir ständig Vorhaltungen machte, wenn ich nur eine Sekunde zu spät nach Hause gekommen war. Selbstverständlich stets aus Sorge. Wie er trotz mangelnden Geldes alle meine Wünsche erfüllte und jederzeit darauf bedacht war, als Vater alles richtig zu machen. Wie er jenen Tages von seiner Reise zurück kam, nur um mein Theaterstück zu sehen und dabei auf sein gesamten Lohn verzichtete. Wie er gestresst und den Nerven am Ende nach Hause kam und mich trotz allem zum Lächeln brachte. Wie er stets seine eigenen Wünsche ignorierte, alleine um meine Träume zu verwirklichen....

All das zeichnete diesen Menschen zum besten Vater aus, das sich jedes Kind nur wünschen konnte.

"Aber", kam ich zum Ende. Seufzend schloss ich meine Augen. "Auch er hat seine Prinzipien und diese lauten, die Menschen zu beschützen"

Für einen ewigen Moment herrschte betreffendes Schweigen im Raum.

Bis Hectors leises und sanftes Lachen in meinen Ohren erklang. Überascht schaute ich auf, bemerkte sein Schmunzeln und spürte seine Hand, an meiner Wange. Zugegeben, seine Berührungen waren daran Schuld, dass mein Herz schon bald zu versagen drohte. Sie waren so verdammt behutsam.

Tief blickte er in meine Augen und sagte: "Dann brauche ich mir ja keine Sorgen zu machen"






Lilith LaCruze


"Dann brauche ich mir ja keine Sorgen zu machen"

Leise seufzend und mit geschlossenen Augen lehnte ich meinen Kopf an die kühle Steinwand. Schon eine ganze Weile lauschte ich dem Gespräch von Hector und Tessa, lauschte ihren Erzählungen über die Beziehung zu ihrem Vater und stellte mit einem Bedauern fest, dass mich das Ganze doch nicht so kalt ließ, wie es das eigentlich sollte. Ich war keineswegs so dumm, um zu glauben, dass andere Väter ihre Töchter auf die gleiche Art und Weise verbascheuten, wie mein Vater es pflegte, doch zu hören, wie groß ihre Liebe zueinander war, war etwas anderes und es stimmte mich nachdenklich. Was wäre aus Laney und mir geworden, wenn Vater imstande wäre zu lieben? Was wäre aus uns geworden, wenn seine Erziehung nicht auf den permanenten Kampf und den Drang zu dominieren beruhen würde?

Frustriert stieß ich die Luft aus. Das würde ich wohl niemals erfahren.

"Lilith?"

Ich riss meine Augen auf, als Hectors Stimme erklang. Ich drehte meinen Kopf zu Seite und blickte in sein fragendes Gesicht. "Alles in Ordnung?" Leise schloss er die Tür zu Tessas Zimmer und kam auf mich zu.

"Ja", log ich und rümpfte die Nase. "Du magst das Mädchen, oder?"

Als die Sekunden vergingen und ich keine Antwort bekam, drehte ich mich schweigend um und ging.

In meinen Kopf echote es unaufhörlich: Was wäre wenn?
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