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Memo an mich....

von Vomol
KurzgeschichteAllgemein / P16 / Gen
27.11.2013
27.11.2013
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Das Knarren der 5,21 cm dicken Stahl-Tür, welches beim öffnen entstand. Verlitt mich dazu meine Augen ein weiteres mal zu öffnen.
Ein weiteres mal wurde meine Konzentration durch dieses widerwärtige Geräusch der Tür gestört.
Ein weiteres mal, kam dieser "Special Agent" in den Raum und gab ein weiteres mal das Zeichen die Tür zu schließen.
Ein weiteres mal lehnte er sich an die gepolsterte Wand, da kein Stuhl, Tisch oder sonstige Möbelstücke in diesem Raum waren. Kein einziges, bis auf den massiven, im Boden verankerten Stuhl mit den üblichen Handgelenkfesseln.
Ich ließ mir nicht anmerken, dass mir sein stündliches erscheinen, anfing zu nerven.
Genervt sein.... ein eigenartiges Gefühl....
Das passierte mir in letzter Zeit häufiger, dass ich mir persönliche Gedanken über etwas mache. Früher hätte ich den Job angenommen, ihn erledigt, das Geld genommen und meiner Wege gegangen. Heute sitze ich gefesselt an einem Stuhl.
Vor mir ein Junger Mann der denke er könne mich überlisten mit seinen schwachen Worten.
Ich werde langsam Alt. Mit 65 sollte man nicht mehr an Stühle gefesselt sein.

Der "Agent" verschränkte die Arme vor der Brust und sah mich einige Zeit an.
Stumm und kalt erwiderte ich seinen Blick erbarmungslos.
Früher oder später, würde er nachgeben... das wusste ich.
Als hätte er gehört was ich dachte, senkte er seinen Blick und atmete tief durch.
"Okay... 47, richtig?"

Ich schwieg...

"Hmm... Also. Warum sind sie hier? Wissen sie das?"

Ich schwieg...

"Aber natürlich wissen sie es. Immerhin sind sie DER 47!"

Ich schwieg...

"Sie können jederzeit anfangen zu reden, wenn es ihnen lieb ist."

Ich schwieg weiterhin, sah ihm nur tief in die Augen.

"Warum tun sie das?"

Ich starrte weiterhin schweigend in seine Augen.

"Sitzen da rum, gefesselt. Reden seit Tagen kein einziges Wort. Das muss ihnen doch langsam stinken, oder wie sehen sie das?"

Angst!

"Ich weiß ja nicht, wie's ihnen geht aber.... meine Vorgesetzten machen mir die Hölle heiß, wenn ich nicht bald etwas aus ihnen rauskriege."

Er hat Angst. Ich sehe sie. Das Flackern der Angst... der Furcht in seinen Augen.

Der "Agent" stieß sich von der Wand ab und ging soweit in die Hocke das wir auf Augenhöhe waren. Seine Nase ist geschwollen und noch leicht verschorft.
Meine Kopfnuss gestern, muss mehr angerichtet haben als gewollt.

"Kommen sie, 47. Nur eine winzige Information. Ein Name. Eine Adresse. Meinetwegen ein Parkschein! Aber geben sie mir etwas... das mich vor dem rauswurf bewahrt!"

Als wäre er nicht da, sah ich stur grade aus. Was den Agenten seufzen ließ, während er sich ein paar Schritte von mir entfernte und seine Waffe zog.
Ohne eine Pause zielte er und schoss.
Desinteressiert, ignorierte ich die Kugel die knapp an meinem Ohr vorbeiflog.
Ich zuckte nicht mal mit einer Wimper als der Knall ertönte.

"Kommen sie. Kommen sie! KOMMEN SIE! REDEN SIE MIT MIR VERDAMMT!!!"

Nun hab ich die Oberhand. Anfangs war ich nur ein gefesselter Mann. Jetzt bin ich der gefesselte Mann mit Macht über meinen Fessler.
Dennoch ergriff ich sie nicht. Man würde mich nur wieder in den Hoch-Sicherheits-Trackt bringen, sollte ich ihn auch nur anfassen.
Ich musste geduldig sein. Die vollkommene Ruhe bewahren.
Ein Schritt zu viel und ich würde noch heute in einem Leichensack enden.

Nachdem er entgültig realisierte, dass ich kein Wort von mir geben würde, drehte er mir verzweifelt den Rücken zu. Damit war ich an der Reihe:

Ich erhob mich aus dem Stuhl. Die Fesseln klickten leise als sie aufsprangen. Bereits vor 3 Tagen hatte ich sie gelöst. Ich musste nur auf einen äußerst unachtsamen Moment warten. Und der war nun gekommen.
Achtsamen schrittes, ging ich auf den Agenten zu. Er drehte mir immer noch den Rücken zu. Schien nichts mitbekommen zu haben. Kameras gab es auch keine, sonst würde längst durch das Gebäude hallen.
Sein Hand mit der Waffe hielt er locker gesenkt in der rechten. Mit der linken stützte er sich an der Wand ab.
Ich trat immer näher auf ihn. Was eigentlich nur 3 Schritte gewesen sind, fühlte sich an wie Kilometer die in Zeitlupe vorbeiliefen.
Ein letzter Schritt und ich würde ihm das Genick brechen.
Eine lockere, aber dennoch kräftige Bewegung aus dem Arm und er fiele leblos zu Boden.
Ich blieb hinter ihm stehen und erhob meine Arme um es zu tun.
Doch ich stockte.
Ich realisierte, dass ich die ganze Zeit mit mir selbst in Gedanken gesprochen hatte.
Ich grummelte kaum hörbar vor mich hin.

Memo an mich.... tritt in den Ruhestand!

Dann tötete ich den Agenten und ließ seinen Körper vor mir zu Boden fallen.
 
 
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