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Kein Fest der Liebe?

von AmyValens
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Lilly Rush Scotty Valens
26.11.2013
26.11.2013
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Oh, wie sie Weihnachten hasste!

Überall dröhnte die immer gleiche Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern, es duftete übertrieben nach Zimt und Anis und die Geschäfte waren überheizt. Massen von Menschen waren unterwegs auf der Suche nach den letzten Weihnachtsgeschenken. Es war einfach nur furchtbar und doch stand sie, Lilly Rush, jetzt mitten in einem völlig überfüllten Einkaufzentrum.
Da es Heathers erstes Weihnachtsfest im Kreis der Familie Cooper - Rush war, hatte Lil sich von ihrer Schwester Chris überreden lassen, noch ein paar Geschenke für Celeste und ihren Vater zu besorgen.
Während Chris in der Damenabteilung verschwunden war, blieb Lilly mit ihrer kleinen Nichte in der Schmuckabteilung zurück. Heather schien allerdings auch kein Fan von diesem Weihnachtstrubel zu sein, denn sie saß in ihrem Buggy und quengelte.
„Ich kann Dich verstehen, es ist grausam hier.“ Vorsichtig nahm sie das einjährige Mädchen auf den Arm und wiegte es sanft hin und her. Dabei fiel ihr Blick auf ein paar goldene Manschettenköpfe. In ihrem Kopf erschienen unfreiwillig zwei braune Augen und das dazu gehörige Lächeln. Scotty!
Lilly seufzte schwer, seit sie zusammen ihre Schwester aus New Jersey geholt hatten, hatte  sich ihre Partnerschaft sehr verändert. Sie redeten nur noch über die Arbeit, kein persönliches Gespräch fand mehr zwischen ihnen statt, sie versuchten nie allein in einem Raum zu sein und wenn es doch einmal passierte schwiegen, sie wie zwei schüchterne Teenager. Aber Lil war nicht gerade unschuldig an diesem Zustand.
Nach dem sie aus New Jersey zurück waren, erhielten sie beide eine Standpauke von John Stillman aber dabei blieb es auch. Es folgten keine disziplinarischen Verfahren.
Drei Wochen, seit ihrer “Aktion“ war der Alltag wieder eingekehrt. Scotty und Lil saßen im Archiv und gingen die Akten eines alten Falles durch. Jeder war in seinen Gedanken versunken, als sie unbewusste gleichzeitig nach einem Formular griffen. Für einen kleinen Augenblick dachte Lilly ihr ganzer Körper würde in Flammen stehen, denn seine Berührung schien ein Feuer in ihr zu entfachen. Dennoch war sie unfähig ihre Hand wegzunehmen.
Was Lil nicht wusste, war das es Scotty genau so erging. Beide sahen vorsichtig auf, ohne die Berührung zu unterbrechen, im Gegenteil sie verschränkten ihre Finger sogar noch ineinander. Keiner von ihnen war in der Lage ein Wort zu sagen, nur die Augen des anderen schien noch Bedeutung zu haben. Ganz langsam und wie selbstverständlich näherten sich ihre Gesichter.
Die Hitze stieg in Lillys Wangen, was einen leichten Rosaton auf ihre Wangen zauberte. Fast zeitgleich schloss sie ihre Augen in Erwartung eines Kusses, als plötzlich die Akte von Scottys Schoß rutschte und mit einem lauten Knall auf den Boden aufschlug. Sie fuhren erschrocken auseinander und sahen sich verlegen an.
Seit diesem Augenblick war sie ihm aus dem Weg gegangen und irgendwann war es wohl für beide eine Art Routine geworden, sich aus dem Weg zu gehen.
„Die Manschettenknöpfe würden ihm gutstehen.“ Erschrocken fuhr Lil herum und sah in das grinsende Gesicht ihrer Schwester, welche die Arme nach ihrer Tochter ausstreckte und der Kleinen einen Kuss auf die Wange gab. Ohne es verhindern zu können, errötete Lilly und wandte ihren Blick ab. „Ich weiß nicht, wovon Du redest.“ Chris Grinsen wurde nur noch breiter.
„Ach, komm schon! Ich weiß, dass deine Gedanken ununterbrochen bei Scott Valens sind.“
Seit Christina wieder da war, hatte sie sich angewöhnt Scott statt Scotty zu sagen. Lil vermutete, um den Abstand zwischen den beiden deutlich zu machen. „Es ist nur mein Partner, mehr nicht! Und hör aus so doof zu grinsen, Du bist ja schlimmer als Celeste.“
Chris legte Heather wieder in ihren Buggy und sah zu ihrer Schwester auf. „Lil hör auf Dir einreden zu wollen, dass Du nichts für ihn empfindest. Alle sehen, dass ihr etwas füreinander fühlt und das ist mehr als Freundschaft.“ Chris straffte die Schultern, denn was nun folgte brannte schon lange auf ihrer Seele.
„Er hat damals nur auf Dich gewartet, ich war nur der Ersatz. Ich wollte schon immer so sein wie Du und ich dachte, wenn ich mich auf Scott einlasse, dann komme ich diesem Ziel näher. Aber es war dumm und egoistisch! Ich wollte Dich nie verletzen glaub mir bitte. Lass meine Dummheit nicht dein Glück zerstören. Du bedeutest ihm sehr viel warum wohl sonst hätte, er damals seinen Job riskiert?“
Lilly hatte ihrer Schwester nur zugehört und versuchte irgendwie ihre Gefühle zu sortieren. Am Anfang war sie von Scottys Art genervt gewesen und sie hatte es ihn auch spüren lassen. Aber dann hatte er sich ganz leise und heimlich in ihr Herz geschlichen. Dort nahm er inzwischen einen ziemlich großen Platz ein. Sie würde für ihn durch die Hölle gehen und er musste sie nicht einmal darum bitten, sie würde es von ganz alleine tun.
Es war an der Zeit endlich Rückrad zu beweisen und vor allem ehrlich zu sein.

Scotty Valens war einfach nur müde, wie hatte er sich nur von Vera bequatschen lassen können am 25. Dezember zu arbeiten? Klar wollten die Mädels freihaben, besonders Lilly sollte ihr erstes Weihnachten als Tante richtig genießen. Deswegen hatte er eigentlich zu gesagt, damit sie ein schönes Weihnachtsfest hat.
Gerade als er seinen Mantel auf dem Schreibtisch ablegen wollte, bemerkte er das kleine Geschenk darauf. Es war in schlichtes rotes und grünes Papier eingewickelt, an der Seite hing ein kleines Schild auf dem “Scotty“ stand. Allerdings kannte er die Schrift nicht. Verwundert sah er sich um aber außer ihm und Vera war niemand hier. Er setzte sich und nahm das kleine Geschenk in die Hand, er betrachtete es von allen Seiten fand aber nicht auffälliges. „Was ist das?“ Vera warf einen interessierten Blick zu Scotty und seinem Geschenk. Scotty war so überrascht, dass er rot wurde und Geschenk in seine Manteltasche steckte.
Nach einem kräftigen Kaffee begann er mit der Arbeit und schnell war das Geschenk in seiner Manteltasche vergessen. Dadurch das in letzter Zeit einiges liegen geblieben war hatte Scotty gut zu tun und nach 8 Stunden hatte er alle auflaufenden Arbeiten erledigt. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er sich beeilen sollte, wenn er nicht zu spät zum Familienessen kommen wollte.

Rosa Valens liebte Weihnachten, es war ihr sogar das liebste Fest im Jahr. Endlich war die Familie wieder zusammen unter einem Dach und sie konnte für das leibliche Wohl aller sorgen. Es war für sie ein wunderbares Gefühl für ihre Familie zu kochen, so konnte sie jedem etwas ganz besonders geben.
Eigentlich könnte es ein so schönes Fest werden, wäre da nicht ihr Sorgenkind. Scotty hatte sich in den letzten sechs Monaten sehr verändert. Er zog sich immer mehr in sich zurück und lachte nicht mehr so viel wie früher. Immer wieder sah Rosa zur Uhr, wo blieb er eigentlich?
Zwar wusste sie das er heute arbeiten, musste aber so lang doch nicht.
Endlich klingelte es an der Tür und da stand er auch schon in der Tür.
Freudig nahm sie ihren Sohn in die Arme. Ja, sie liebte Weihnachten und vielleicht ließ sich Scotty ja heute einwenig von dieser Freude anstecken.
Während sich alle in Richtung des Tisches begaben, hängte Scotty seinen Mantel auf.
Vergessen war das kleine Geschenk, ganz tief in der Tasche des Mantels.

Einsam saß Lilly auf einer kleinen Parkbank und sah den Schneeflocken beim Fallen zu. Sie rieselten ganz leise auf die Erde und hüllten alles in einen weißen, glitzernden Mantel. Alles schien in diesem Moment zu erstarren und nur dem Schnee zu zuschauen. Mit einem Flackern ging die Straßenlaterne neben ihr an und ließ den Schnee orange leuchten.
Vereinzelt gingen Paare oder Familien mit kleinen Kindern an Lil vorbei, ohne ihr große Aufmerksamkeit zu schenken.
Immer mehr Kälte schien mit dem Schnee zu kommen und ihren Körper in Beschlag zunehmen, aber sie kämpfte auch gar nicht dagegen an. Die Kälte passte zu ihren Gefühlen.
Er war nicht bekommen und er würde es auch nicht mehr!
Seit 4 Stunden war sein Dienst schon beendet und nichts war von ihm zu sehen. Gedankenverloren zupfte sie am Saum ihres Mantels. Sie hatte extra ein neues Kleid gekauft, war beim Friseur und der Kosmetikerin gewesen, um für ihn wunderschön zu sein. Aber es schien ihr kein Glück gebracht zu haben.
Es heißt immer die Hoffnung stirbt zuletzt aber wenn sie starb, hinterließ sie ein großes Loch im Herzen, schlimmer als jeder geplatzte Traum es könnte.
Ohne das sie es verhindern konnte, traten Tränen in ihre Augen, nahmen ihr die Sicht und ihre Brust fühlte sich schwer an.
Sie war so dumm gewesen, warum sollte er auch etwas für sie empfinden. Chris hatte sich geirrt, Scotty hat sie nie gewollte und würde es auch nicht. Wütend wischte sie die Tränen weg, was nur noch dazu führte, dass mehr folgten.
Ihr Blick wanderte zu dem Müllkorb auf der anderen Seite aber des Weges aber sie konnte sich nicht überwinden, das Geschenk mit den Manschettenknöpfen hineinzuwerfen.
Traurig presste sie das kleine Kästchen an ihre Brust und begann leise zu weinen.

Wie sehr sie doch Weihnachten hasste. Es war kein Fest der Liebe, jedenfalls nicht für sie.
 
 
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