Kitsune-oniichan! | Kamisama hajimemashita

von KaZzuko
GeschichteRomanze / P18
24.11.2013
27.01.2014
22
38.106
10
Alle Kapitel
30 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
24.11.2013 1.653
 
KITSUNE-ONIICHAN! - Oder: "Mein kleiner Bruder, der Fuchs."

EDIT: Boah, ich hasse es bei der automatischen Silbentrennung, dass manche getrennten Worte ohne Bindestrich hier hinein übertragen werden und manche mit. Beim nächsten Mal wird es keine getrennten Worte mehr geben, versprochen.
_________ _ _ _


Windstöße stürzten durch die Täler und brachten Aufruhr in die Baumkronen. Auch wenn er in der zentralen Astgabel vom Blattwerk hätte geschützt sein müssen, fuhr ihm die Kälte unter den Stoff seiner Kleidung, riss an seinen Haren. Die Ohren gegen den Zug angelehnt, den Kimono um sich geschlungen und den Schweif eng um sich gewickelt, kauerte er sich klein zusammen in der Hoffnung, die Nacht würde bald vorübergehen. Das Klingeln der umhergewehten Waldgeister ging ihm mittlerweile auf die Nerven. Ständig schlugen sie gegeneinander oder prallten an Baumstämmen ab, wenn sie den Halt in ihren Zweigen verloren hatten – und bei jedem Aufprall klingelten sie wie Glöckchen, weshalb er mittlerweile schon glaubte, den Ton selbst bei Windstille nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen. Knurrend zog er den ihn tief in den Kragen des Kimonos.

Tomoe sitzt jetzt sicher in seinem Tempel, bei Feuer, Suppe und seiner Erdkönigin, dachte er so bitter, dass sich sein Gesicht verzog, als habe er den Geschmack auf der Zunge. Ein solches Glück muss man haben. Selbst bei Mikage ging es ihm so gut wie selten einem Diener, aber soweit ich gehört habe, behandelt ihn seine jetzige Göttin wie eine unbezahlbare Trosshure. Ein heftiges Zittern schüttelte ihn, als der Sturm ein weiteres Mal zunahm. Unversehens klatschte ein kaum zu spürender Gegenstand auf seiner Stirn auf und das Klingeln des Waldgeistes dröhnte laut genug in seinen Ohren, um ihn beinah aufspringen zu lassen. Mit knurrendem Zähneblecken schlug er nach dem diffusen Wicht, der ihm mit traurigen Augen hinterhersah, bevor er vom Wind durch das Laub davongetragen wurde. Von unfassbarer Wut ergriffen, warf er die Arme in Richtung des Nachthimmels. „Das ist doch kein Leben für einen Dämonen!“ Gebannt an die menschliche Welt, nur weil er seit unzähligen Jahren diese unwürdigen Geschöpfe erschreckte! Meine Güte, die Götter kennen keinen Spaß, grollte er und vergrub die Augen in seinem Ärmel.

Wie lange hatte er keinen Fuß mehr auf die andere Seite gesetzt? Inari-sama würde ihn zerfet-zen, wenn er ihr wieder unter die Augen trat. Zwar war er nie etwas wie ihr Götterdiener gewe-sen, aber dennoch hatte er ein wichtiges organisatorisches Amt in ihrer Gruppe bekleidet – ohne ihn war sicherlich bereits alles im Chaos ausgebrochen. Die einzige Möglichkeit, diesem göttlichen Schicksal zu entgehen, war entweder für immer in der Menschenwelt zu bleiben – wonach ihm definitiv nicht stand – oder sich auf der anderen Seite besonders gut anzustellen, um nicht von ihren Kitsune entdeckt zu werden. Dabei waren Kitsune die weitreichend begabtesten Späher. Es gab nahezu nichts, was ihnen entging. Hatte nicht er selbst sich damit gebrüstet, als der Gott der Meere sich mit Inari-sama angelegt hatte? Idiot. Wenigstens hat man dich nicht zu Yama geschickt. Seine Ohren zuckten, als das Klingeln um ihn herum an Lautstärke zunahm. Wenn der Sturm noch größere Ausmaße annahm, würde er sich einen Unterschlupf in einem Felsen suchen müssen, um nicht wie ein Blatt oder wie die Waldgeister durch die Nacht gewirbelt zu werden.

Wie auf Stichwort fingen seine Sinne plötzlich die grelle Stimme eines Menschen auf, der sich ganz offensichtlich nicht gegen den Druck der Winde wehren konnte. Bei der Erkenntnis, dass es sich um ein Mädchen handeln musste, blinzelte er über den Stoff seines Ärmels hinweg durch die Blätterwand, die gerade noch so eine Gestalt zeigte, die haltlos durch die Dunkelheit taumelte. Die Taschenlampe in ihren Händen ließ erkennen, dass sie einen Schirm dabei hatte, der ihr allerdings mehr Schwierigkeiten einbrachte als ihr nutzte, und auch ihr Schal wurde in diesem Moment von ihrem Hals gerissen, während sie mit aller Kraft versuchte, sich gegen die Gewalten zu stemmen. Einige Herzschläge lang beobachtete er sie von seiner Position aus – ein Impuls, dem er sich schon lange nicht mehr hingegeben hatte, scheuchte ihn schließlich aus seiner Astgabel. Gleich eines Affen trippelte er auf Händen und Füßen einen ausladenden Baumarm entlang, bis dieser sich unter seinem Gewicht bog. Von dort aus konnte er nun genau erkennen, dass es sich tatsächlich um ein Mädchen handelte, es musste etwa im Alter von Tomoes Erdgöttin sein, vielleicht sogar etwas jünger. Ein schlangenhaftes Grinsen blühte auf seinem Gesicht wie eine schwarze Rose. Durch die im Sturm wirbelnden Wolken konnten die hohen Götter bestimmt nicht blicken, nicht wahr? Ein einziges Mal wägte er die Entfernung zu dem hilflosen Ding ab, bevor er sich abstieß, im Rücken spürte, wie der Ast nach oben schnappte und schließlich vom Wind zur angepeilten Stelle getragen wurde. Doch dass der Wind so stark sein würde, hatte er nicht erwartet – statt stehen zu bleiben und ehrfurchtgebietend das Haupt zu recken, taumelte er einige ärgerliche Schritte auf den Menschen zu, der ihn wohl im Augenwinkel bemerkte. Gerade noch rechtzeitig fassten seine Sandalen endlich Halt im hohen Gras, als das Mädchen mit großen Augen den Kopf hob. Der Hilferuf, der ihr bereits im Gesicht abzulesen gewesen war, blieb ihr offensichtlich im Hals stecken bei seinem Anblick.

„Wer wagt es, sich meinem Baum zu nähern?“, donnerte er mit der Stimme eines erzürnten Dämonen und wies zu dem Baum, von dem er gerade gesprungen war – in Wahrheit irgendein Baum.

Das Mädchen zeigte die gewünschte Reaktion: Mit einem Gesicht blank vor Entsetzen riss sie den Mund auf, wie um zu fragen, wem die Pflanze denn gehöre, doch sie formte keine Worte.

Mitleidlos ließ er ein Grollen um sich herum vibrieren, das den Boden zum Beben brachte. „Ist es nicht sonderlich unhöflich, dem mächtigen Tadae nicht zu antworten?“

Erneut öffnete sie die Lippen, während ihr Tränen in die Augen traten, und wieder blieb sie stumm wie ein Fisch. Zu seinem Amüsement sah sie auch genauso aus.

Höhnisch legte er eine Hand an sein Fuchsohr und beugte sich damit zu ihr herab, sodass sie vor ihm zurückzuckte und dabei den Halt im schlagenden Wind verlor. Beim Anblick ihrer Gestalt, wie sie sich vor seinen Füßen vor Angst zusammenkrümmte, stellte sich das unverbesserliche Gefühl des Triumphs in ihm ein. „Ich will dich nie wieder zu den Wurzeln dieses Baumes sehen, Mensch, hast du verstanden?“ Da keine Reaktion: „Hast du verstanden?

„Ja, Kitsune-sama!“, kreischte das Mädchen so plötzlich, dass nun er zusammenschreckte, dabei den Wind vernachlässigte, um das Gleichgewicht gebracht wurde und taumelte, um nicht zu stürzen – unglücklicherweise war sie direkt vor seine Füße gefallen, weshalb er nun nichts dagegen tun konnte, über ihren Körper zu stolpern.

„Bei allen Göttern!“, entkam ihm ein Fauchen mit Gras im Gesicht, während das dumme Ding versuchte, panisch vor ihm weg zu kriechen. „Bei allen Dämonen, bei allen Geistern, bei allen verfluchten Seelen! Kannst du nicht aufpassen, wohin du fällst? Einfältiges Weibszimmer!“

Mit schillernden Augen sah sie zu, wie er sich nach ihr umsah. „E-es war keine Absicht!“

„Ich werde dir die Beine brechen, wenn du dich noch einmal so ungeschickt vor mich wirfst!“

„Bitte – bitte nicht, K-Kitsune-sama!“

Verschwinde!

Die Lautstärke seiner Stimme schien sie so sehr in Panik zu versetzen, dass sie keine weiteren Betteleien in seine Richtung wimmerte, sondern stattdessen versuchte, Kopf voraus den Wind zu schneiden, um möglichst schnell vor ihm flüchten zu können. Rücklings auf die Ellenbogen gestützt sah er ihr zu, wie sie immer wieder stürzte, Blicke zurückwarf, und sich anspornte, wie-der aufzustehen. Nach dem sechzehnten Sturz – er hatte mitgezählt – war sie kaum fünf Sprünge weiter gekommen und diesmal blieb sie, zu seinem Erstaunen, einfach liegen. Er wartete mehrere Atemzüge, wartete noch etwas länger, doch sie raffte sich nicht wieder auf und trotz der Dunkelheit konnte er sehen, dass ihr Körper bebte. Die ersten Wassertropfen begannen, auf seine Wangen zu peitschen. Mit geschürzten Lippen blickte er zu den Wolken. „Nicht doch.“ Als trotz seines Widerwillens immer mehr Tropfen auf ihn niederprasselten und sich in den nächsten Minuten zu einem Regenguss entwickeln würden, richtete er sich vorsichtig auf, um geduckt zum Fuße seines Baumes zu eilen und mit zwei kräftigen Sprüngen bis zu einem der höheren Äste zu schießen. Von dort oben hatte er einen guten Blick auf das Mädchen. Es lag noch immer wie zuvor im Gras, das so hoch war, dass es sie beinah überragte. Entweder bemerkte sie die Wassertropfen nicht, oder es kümmerte sie nicht, nass zu werden.

Vielleicht hat sie auch nur Angst, dass du sie schlägst, wenn sie dich noch einmal ansieht, erwiderte diese eine verhasste Stimme in ihm, die er am liebsten mit der Hand verscheucht hätte wie einen dieser Waldgeister. Das Mädchen würde noch die ganze Nacht dort unten liegen, da hatte die Stimme schon Recht, aber wegen ihm? Wie konnten Menschen nur so viel Angst vor einem Dämonen wie ihm haben? Viel mehr als ein menschlicher Mann konnte er ihn nun wirklich nicht antun.

Und wenn sie nun erfriert?

Sie wird nicht innerhalb einer Nacht erfrieren.

Sie könnte bewusstlos werden und noch morgen den ganzen Tag dort liegen. Dann erfriert sie mit Sicherheit.

Was für ein Schwachsinn. Sie soll sich ein wenig zusammennehmen.

Du vergisst, dass sie nicht so zäh ist wie ein Geisterwesen.

Erzähl das mal Tomoe, er hatte solche Schwierigkeiten auch mit seiner Göttin.

Wenn du sie hier liegen lässt, werden die Götter es herausfinden, dich finden und dir das Fell abziehen!

Einverstanden, ich hole Tomoe. Der soll sich darum kümmern.

So habe ich das nicht gemeint …


Auch wenn die Stimme es nicht so gemeint hatte – für ihn klang das wie ein guter Plan. Kurz-entschlossen stürzte er sich vom Ast direkt neben das Mädchen, ging neben ihr in die Hocke und tippte ihr auf den Kopf, was sie dazu veranlasste, sich wie ein Igel noch enger zusammenzurollen. „Nicht weggehen, sonst bekommst du gar keine Hilfe.“ Nicht ganz sicher, ob sie ihn über das Brüllen des Sturms überhaupt gehört hatte, wandte er sich in die Richtung, wo er den Schrein der Erdgöttin in Erinnerung hatte. Na dann.