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Die halben Kinder

von Fleck
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
24.11.2013
24.11.2013
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,,Nur ein kleiner Schnitt. Es tut gar nicht weh“, das sagen sie. Als wäre es das normalste der Welt. Als wäre es normal einen Körper von seiner Seele, seinem Dämon zu trennen. Doch das war es nicht.
Es war ein ganz normaler Morgen. Das schrille Piepen meines Weckers weckte mich wie immer. Murrend machte ich die Augen auf und Kasmer in Gestalt eines Spechts flog schlaftrunken zu dem nervtötenden Teil und pickte auf dem Ausknopf herum, bis der schrille Ton aufhörte. Gähnend stand ich auf: ,,Morgen Kas“ ,,Morgen“, brummte mein Dämon müde zurück. Morgens hatte keiner von uns Beiden viel Lust zu reden. Ich pickte mir irgendwelche Sachen aus dem Kleiderschrank und Kasmer setzte sich in Form eines getigerten Katers neben mich und putzte sein Fell. Es war Herbst, weshalb es in letzter Zeit dazu kam, dass es draußen noch immer dunkel war, wenn wir aufstanden. So auch heute. Unten saßen meine Eltern schon am Frühstückstisch. Dad wie immer in einem hübschen Anzug las die Zeitung, während Nelisma, sein schwarzweißer Katzendämon schnurrend auf seinem Schoß lag. Mom las ebenfalls in einer ihrer Modezeitschriften, Temin, ein Falke saß wachsam auf ihrer Schulter und musterte mich durchdringend, als ich eintrat. Mein Frühstück schlang ich regelrecht hinunter, die Zeit wurde wieder unglaublich knapp. Schnell rannte ich ins Badezimmer, Kasmer in – warum auch immer – der Form eines Eichhörnchens hinterher. Ich putzte mir in Rekordzeit die Zähne und schnappte mir dann meine Schultasche. Ein schnelles: ,,Bis heut Abend“, in Richtung Esszimmer und schon war ich weg. Als ich mit dem Fahrrad losfuhr verwandelte sich Kasmer einfach in eine Kohlmeise und flog zwitschernd neben mir her. Ich winkte lächelnd unserem Nachbarn zu, der gerade wie so oft an den Rosen in seinem Vorgarten herumbastelte. Sein Dämon, eine Schnecke dass wie immer auf seiner Schulter. Kasmer zwitscherte schelmisch, als wir außer hörweite waren: ,,Vielleicht sollte ich mich ja für immer in eine Schnecke verwandeln“ ,,Wehe“, drohte ich spielerisch. Kasmer setzte sich auf meine Lenkstange: ,,Es würde sich lohnen. Alleine schon, um dich zu ärgern“, ich schnaubte nur als antwort und Kasmer flog wieder los. An einer Ampel entdeckte ich eine junge Frau mit einem Reh neben sich, die ungeduldig wartete, bis es endlich grün wurde. Manchmal hatte es seine Vorteile einen größeren Dämon zu haben, aber ich hatte auch schon oft gesehen, dass es auch Nachteile brachte. Beispielsweise kann man nur selten mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, weil es oft viel zu eng wurde. Ich hatte noch keine Ahnung, welche Gestalt Kasmer haben würde und ich hoffte inständig, dass es keine Schnecke sein würde. Ich würde ihn zwar trotz dem lieben, aber eine Schnecke war in meinen Augen nicht gerade etwas nettes, auch wenn es das für unseren Nachbarn sicher war. Der würde sich allerdings wahrscheinlich auch über einen Regenwurm freuen. Ich war jetzt vierzehn Jahre alt. Mit fünfzehn war in etwa das Alter, in dem die Dämonen ihre feste Gestalt annahmen.

Glücklicherweise kamen wir nicht zu spät zur Schule. Ich schloss mein Fahrrad an und Kasmer verwandelte sich in einen Ozelot, eine seiner liebsten Gestalten. Gemeinsam gingen wir in Richtung Klassenraum. Die Räume, so wie die Flure waren groß und weitläufig gebaut, sodass genug Platz für alle war. Im Klassenraum saßen bereits einige Schüler. Carly war in ein Gespräch mit Nancy vertieft. Ihr Wolfsdämon sah wie immer gebieterisch umher. Nancys Dämon, heute ein Hase lauschte interessiert dem Gespräch. Ich ging herüber zu meinem Platz, wo mir Hanna schon fröhlich zulächelte. Fildon, eine weiße Taube begrüßte Kasmer freundlich, der schnurrend seinen Kopf an dem anderen Dämon rieb: ,,Hey“, begrüßte ich Hannah fröhlich: ,,Hi. Und, hast du schon für Mathe gelernt?“, ich setzte mich und Kasmer schrumpfte zu einem Erdmännchen, das alarmiert den Kopf hob: ,,Ähm, ich glaub, ich schau noch einmal rein“, schnell holte ich mein Mathebuch raus und überflog alles. Kasmer sah mich vorwurfsvoll an: ,,Ich hab dir gestern noch gesagt, dass wir lieber lernen sollten“, ich verdrehte die Augen: ,,Ja, und es tut mir ja auch leid, aber ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, ok?“, mein Dämon zuckte nur mit dem Ohr, bevor er sich wieder Filon zuwandte und sich mit ihm unterhielt. Hanna stieß mich sanft an und ich blickte auf. Der Klassenraum hatte sich fast ganz gefüllt und gerade kamen noch Jack und Logan herein, gefolgt von unserem Mathelehrer: ,,Dürfen wir kurz vorbei?“, fragten die beiden Jungs und Kasmer flog artig in Form einer Kohlmeise zur Decke, um Platz zu machen. Hannas Dämon noch immer als Taube flog hinterher. Ich saß an der Seite des Klassenraums, die Fenster im Rücken und so mussten ein paar Schüler immer wieder an meinem Platz vorbei, um an ihren zu kommen. Eine nicht gerade günstige Sache. Nachdem die Beiden und ihre Dämonen, eine graue Wölfin, die zu Jack gehörte und ein Pitbull Terrier, Logans Dämon vorbei gegangen waren flatterten Hannas und mein Dämon wieder herunter und Kasmer nahm als Ozelot auf dem Fenstersims Platz, Filon gesellte sich als Schneeleopard dazu. Das besondere an Logans Dämon war, dass er als einziger in der Klasse schon seine feste Gestalt hatte. Das hatte den Grund, dass Logan die Klasse wiederholen musste.

Unser Mathelehrer, Herr Sime öffnete die Stunde mit den Worten: ,,Heute schreiben wir einen Test“, woraufhin die Klasse gemeinschaftlich aufstöhnte und die Dämonen zu den Fensterbänken huschten. Während Tests und Arbeiten mussten sich die Dämonen immer dorthin setzten, damit sie nicht abkuckten. Ich spürte ein Kribbeln, als Celias Polarfuchs Kasmer streifte. Der Test war schwieriger als gedacht, doch irgendwie kämpfte ich mich durch. Herr Simes Dämon, ein Adler flog immer wieder seine Runden über die Schüler hinweg. Ein paar Dämonen flatterten unruhig, oder traten von einem Fuß auf den Anderen. Julies Gänsedämon streckte sogar einmal den Hals, um auf ein Blatt zu spähen, was ihr einen wütenden Schlag mit dem Flügel des Adlerdämons einbrachte. Alle waren erleichtert, als es zur Pause läutete. Ich schrieb noch schnell die letzte Gleichung hin und hoffte, dass sie richtig war und gab mein Blatt dann auch ab. Kasmer sagte nur trocken: ,,Wir hätten besser lernen sollen“, ich schnaubte nur und er setzte sich als Spatz auf meine Schulter, während ich mit Hanna und ihrem Dämon raus ging. Filon war mal wieder eine Taube. In der Mensa war es schon sehr voll und fast alle Dämonen hatten sich als Vögel einen Platz auf den Sitzstangen wenige Meter weiter oben gesucht. Kasmer und Filon flatterten dazu und ich suchte mir mit Hanna einen Platz unter ihnen. Ein leichtes Gefühl der Sehnsucht hatte mein Herz erfasst, doch ich drängte es zurück. Noch hatte sich mein Dämon noch nicht weit genug entfernt, dass ich es nicht mehr aushalten konnte: ,,Und wie fandest du den Test?“, fing ich ein Gespräch an. Hanna zuckte mit den Schultern: ,,Na ja, ich fand es ging noch. Und bei dir?“ ,,Geht so“, Hanna sah sich verstohlen um: ,,Hast du eigentlich von diesen verschwundenen Kindern gehört?“, ich runzelte die Stirn: ,,Verschwundene Kinder?“, Hanna nickte eifrig: ,,Ja, du kennst doch meinen Cousin, oder?“ ,,Du meinst den mit dem Schafdämon?“, Hanna nickte: ,,Er war am Wochenende zu besuch, eher gesagt meine Tante“, sie schnitt eine Grimasse: ,,Jedenfalls erzählte er mir, dass ein Freund von ihm einfach verschwunden wäre“, ich zog die Augenbrauen hoch: ,,Also weggelaufen?“, Hanna schüttelte den Kopf: ,,Nein, er wurde sogar gesehen. Er wurde entführt“ ,,Dann hat man doch sicher die Polizei gerufen“ ,,Das ist ja das Merkwürdige“, sagte Hanna mit gedämpfter Stimme: ,,Die Polizei hat zwar gesagt sie macht etwas, aber nichts ist passiert. Rein gar nichts, obwohl der Zeuge sogar ein Video gemacht hatte“, ich sah sie verwirrt an: ,,Warum schaut man sich das Video nicht einfach an“, Hanna schüttelte wieder den Kopf: ,,Das Video ist auf dem Weg zur Polizeiwache rein zufällig ``verloren gegangen``“, sie sprach das Verloren gegangen mit extra Betonung aus: ,,Jedenfalls gibt es noch weiter Gerüchte“, erzählte sie aufgeregt: ,,Mein Cousin hat sich mal schlau gemacht und es gibt ganz viele ähnliche Fälle. Und es heißt sogar, dass die Regierung da mit drin steckt“ ,,Mit diesen Entführungen?“, hakte ich nach: ,, Jap“, antwortete Hanna. Ich schüttelte den Kopf: ,,Aber das ist doch lächerlich. Dein Cousin wollte dich sicher nur erschrecken“, Hanna setzte zu einer Antwort an, doch da brach in der Nähe ein Tumult los.
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