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Kopfzerbrechen

von No Cookie
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
23.11.2013
03.01.2014
9
8.516
 
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23.11.2013 835
 
Die kleine Feder huschte artig unter meinen flinken Bewegungen dahin und kratzte gehorsam die nötigen Buchstaben auf das gelbliche Pergament.
Ein Regal ächzte unter lauten Protest auf, als Quas, die eher durch Zufall als durch Absicht zu meiner Partnerin geworden war, einen dicken Stapel zusammengebundener Akten drauf ablegte.
Ich schwang die letzten Worte und setzte dann endlich den Punkt, auf den zu setzen ich doch schon seit Tagen hingearbeitet hatte. Erleichtert lehnte ich mich in den Stuhl zurück und legte meine Schreibfeder, aus den müden, verkrampften Fingern.
„Uff, endlich geschafft, damit wären unsere Unterlagen auf dem neuesten Stand“, stieß ich zufrieden hervor  und schenkte der fleißigen Wolpertingerin, die sich im gleichen Moment zu mir herumdrehte ein stolzes Lächeln.
Quas schloss die Schranktür ein wenig zu entschlossen, womit sie ein gefährliches Schaukeln des Möbels hervorrief. Eilig lehnte sie sich dagegen und setzte zu einer Antwort an. Doch stattdessen hielt sie inne, während ihr Kopf aufmerksam in die Höhne huschte. Ihr Lächeln schwand und machte einem konzentriertem Ausdruck Platz. Zu meiner großen Sorge lies sie zudem ein leises Knurren verlauten und ihre pelzigen Ohren tanzten nervös hierhin und dorthin.
Ich runzelte die Stirn. Solch ein Verhalten gefiel mir gar nicht und bedeutete selten etwas wirklich Gutes, denn der Wolpi hatte die eindeutig schärferen Sinne von uns beiden und uns somit schon oft unangenehme Situationen vom Hals gehalten.
Ich beugte mich weiter zu ihr hinunter und senkte die Stimme zu einem Flüstern. „Alles in Ordnung?“, wollte ich von meiner Partnerin wissen.
Doch Quas hob nur die flauschige Pofte und gebot mir mit dieser Geste still zu sein um nicht auf uns aufmerksam zu machen.
„Hörst du das nicht?“, wisperte sie angespannt und ihre bisher so ruhelosen Ohren richten sich wie auf Kommando in eine Richtung aus.
Ich blinzelte verwirrt und wusste im ersten Moment nicht so recht was die hübsche Wolpi damit meinen könnte. Denn eigentlich war hier in der Nachtschule immer und überall etwas zu hören. Eine geradezu wahnsinnige Geräuschkulisse an die man sich aber erstaunlich schnell gewöhnte.
Doch gerade als ich unser Schweigen wieder durchbrechen wollte, drang das was Quas so in Aufregung versetzte auch endlich in meine Hörlöcher. Etwas schabte und kratze deutlich in unregelmäßigen Abständen und erfüllte mit diesem Laut die ganze Detektei.
Ruckartig, wie vom Blitz getroffen wirbelte ich wieder herum und betrachtete meine Schreibfeder mit einem tiefen, kritischen Blick. Es war ein kostbares Stück aus reinem Silber, aufs feinste ausgearbeitet und am Kiel besetzt mit winzigen, herrlich geschliffenen Edelsteinen.
Natürlich hätte ich mir eine solche Pracht nicht einfach mal so eben kaufen können, dazu hatten wir bisher noch viel zu wenig Aufträge erhalten. Viel mehr stammte sie von einer Reise mit den Gimpeln, die ich vor einiger Zeit einmal, recht unfreiwillig, angetreten hatte. Dieses Andenken hatte ich mir an einer der Tornadohaltestellen eingepackt, die uns doch so oft begegnet waren.
Doch diese machte zu meinem großen Glück, keine Anstalten sich zu rühren.
Natürlich! Sagt ihr? So ein Unsinn? Ja, so sollte man meinen. Aber seit einer Begegnung mit einem Dullsgarder Klabautergeist, wusste ich nicht nur das Spuk existierte, oh nein, ich hatte gar gelernt wie man ihn effektiv hervorrief.
„Es kommt von der Tür“, knurrte Quas und riss mich damit aus meinem reisenden Gedanken.
Auf alle Viere geduckt, mit zuckendem Schweif und immer bereit zum Sprung pirschte sie sich gekonnt an eben diese heran.
Ich steckte mir mein Schreibwerkszeug eilig wieder an den Hut zurück und sprang von den zwei dicken Büchern, die ich mir immer auf den Stuhl legen musste um an die Tischplatte zu gelangen.
Auf Zehenspitzen schlich ich hinter meiner Partnerin her, bis wir unser Ziel erreicht hatten. Noch immer schweigend postierte wir uns lauernd vor der Tür. Eine an den rechten Pfosten, eine von uns an den linken Pfosten gelehnt, verharrten wir einen Augenblick.
Hier konnten wir Beide das Kratzen deutlicher vernehmen denn je. Es vermischte sich sogar mit einer rauchigen Stimme die unverständliches murmelte und einem Schatten der ruhelos vor dem engen Türspalt im unteren Teil hin und her huschte.
Was war das nur? An Quas Blick mit dem sie mich nun streifte erkannte ich, ihr ging die selbe Frage durch den Kopf. Wir würden es herausfinden.
Mit klopfendem Herzen und so vorsichtig es mir möglich war, erhob ich mich sanft auf die Zehenspitzen und angelte nach der massiven Türklinke, mit der die schwere Steintür geöffnet werden konnte. Sanft drückte ich sie nach unten und zog die Pforte, jedes unnötige Geräusch vermeidend, mit aller Kraft nach Innen auf. Das sich meine Zunge dabei zwischen meine Lippen verirrte, war eine lästige Angewohnheit, die immer dann auftrat wenn ich nervös wurde oder mich konzentrierte. Quas duckte sich zum Sprung und verengte ihren Augen zu gefährlichen Schlitzen. Ich schluckte. Leg dich nie mit einem Wolpertinger an, schoss es mir bei diesem Anblick durch den Kopf.
Der Steinkoloss schwang behäbig auf und gab, immer mehr, den Blick auf eine Merkwürdigkeit frei, die uns beiden die Sprache verschlug und Quas dazu bewegte sich verwirrt zurück auf ihr Hinterteil zu setzten.
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