Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Tatort Münster Bingo

von TSihek
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Kriminalhauptkommissar Frank Thiel Rechtsmediziner Professor Karl Friedrich Boerne Rechtsmedizinerin Silke Haller
21.11.2013
19.01.2014
39
113.367
6
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
21.11.2013 970
 
Tag 3 – 3. Teil

Mit einem kräftigen Ruck riss Boerne Alberich unter den letzten Balken heraus, als diese sich knirschend bewegten und in sich zusammenstürzten und ließ sich zusammen mit ihr nach hinten fallen. Er ächzte, als er auf dem harten Boden aufprallte und sie zusätzlich noch auf ihm landete.

Der einstürzende Schutthaufen hatte jede Menge Staub und Schmutz aufgewirbelt und es dauerte einen Moment, bis sie wieder etwas sehen konnten. Boerne rappelte sich auf und zog auch Alberich wieder auf die Beine, während er ihr den Dreck von Schultern und Rücken klopfte.

Sie drehte sich um und deutete mit einem erstickten „Chef!“ auf die Stelle, an der eben noch das Taschentuch gelegen hatte.  
Boerne schaute ebenfalls in die gleiche Richtung und starrte dann entsetzt auf das Loch, das sich direkt vor ihnen aufgetan hatte.

Alberich schluckte merklich und er spürte, wie sie zu zittern begann. Beruhigend legte er einen Arm um  sie und zog sie an sich. „Wer rechnet denn damit, dass sich unter einer Scheune ein Kellerraum befindet!“, regte er sich auf und wollte schon weitermachen, als ein Knirschen aus einer ganz anderen Ecke des Raumes ihn aufschauen ließ. Brach jetzt etwa der ganze Boden ein?
Schutt knirscht unter meinen Turnschuhen.

Der Mann dreht sich um.
Es ist der Mann, der im Auto saß.

Er ist wieder bei ihr. Warum?
Sie ist doch allein. In ihrer Wohnung… sie lebt allein!

Er darf nicht bei ihr sein. Er muss weg!

Ich hole aus, steche zu, spüre den Widerstand, als Metall auf Fleisch trifft.

Ein Schatten sprang auf ihn zu und behindert durch Alberich, die dicht vor ihm stand, konnte er den Hieb des jungen Mannes nur unzureichend ablenken. Ein scharfer Schmerz schoss durch seinen Arm.

Der Mann keucht auf, zuckt zurück.

Sie flammt wieder auf.  
Die Lust am Schlagen.
Ich will es nicht, wehre mich dagegen. Bin zu schwach. Ich muss schlagen, muss treten.

Instinktiv schob er die kleine Frau zur Seite und riss die Arme hoch, um einem weiteren Schlag abwehren zu können. Die Gläser seiner Brille waren voller Staub und das in diesem Moment in einem unglücklichen Winkel darauf fallende Licht der schon im Sinken begriffenen Nachmittagssonne machte ihn fast blind. Er erkannte nur schemenhaft die Gestalt vor sich.

Der Mann kämpft, ringt mit mir. Er ist stark und schnell.
Wir keuchen.
Der Boden ist uneben, Schutt liegt im Weg, Staub wirbelt auf.

Die Frau geht dazwischen, schlägt mich mit einem Balkenstück.
Ich wehre sie mit dem Messer ab, stoße sie zurück.  
Um sie werde ich mich später kümmern.

Wieder griff ihn der junge Mann an und dieses Mal bekam er ihn zu fassen. Seine Hand schloss sich um das Messer, dass der andere in der Hand hielt und mit dem er wild um sich stach. Er schnitt sich in die Handfläche, ignorierte aber das Brennen und versuchte den viel größeren und ihm kräftemäßig überlegenen Gegner zu Fall zu bringen. Sie wirbelten durch den Kampf noch mehr Staub auf und er sah seine Umgebung nicht mehr deutlich vor sich. Ein weiterer Schlag wischte ihm die Brille vom Kopf, die mit einem hässlichen Klirren zu Boden fiel.

Erst muss dieser Mann weg.
Die Brille fällt herunter, zerbricht. Gut so. Ich trete sie weg.
Etwas fällt aus meiner Tasche.
Egal.

Es ist nicht wichtig.

Er muss weg!

Boerne bekam langsam aber sicher die Oberhand und das regelmäßige Springtraining der letzten Wochen machte sich jetzt durch eine größere Ausdauer bemerkbar. Daran fehlte es dem anderen jedoch. Er schaffte es, den jüngeren Mann zu entwaffnen und festzuhalten und für einen Augenblick sah er ihm ins Gesicht.

Ich verliere mein Messer. Es fällt auch zu Boden.
Ich will danach suchen. Der Mann packt mich,  sieht mir ins Gesicht.

Warum sieht er mich so entsetzt an?

Vor Schreck hätte er ihn beinahe losgelassen, als er sich plötzlich einem Jungen gegenübersah, der der hier gefundenen Leiche zum verwechseln glich. Der andere nutzte diesen Vorteil sofort. Er riss sich los und stieß Boerne mit einem wütenden Schrei von sich. Dieser versuchte das Gleichgewicht zu wahren, blieb aber mit dem Fuß an einigen Mauerbruchstücken auf dem Boden hängen und stolperte.  

Der Mann stolpert und ich trete zu. Lasse der Wut freien Lauf.

Er fällt.

Er hätte es beinahe geschafft, sich abzufangen, da versetzte ihm der andere einen Fußtritt gegen den Brustkorb, der Boerne die Luft aus den Lungen presste und einen scharfen Schmerz durch seinen Körper jagte. Er schrie auf und krümmte sich zusammen, taumelte dabei rückwärts, versuchte Abstand zwischen sich und den Angreifer zu bringen.  Plötzlich trat er ins Leere und warf, um sein Gleichgewicht ringend, die Arme nach oben. Er spürte gerade noch, wie Alberich ihn festzuhalten versuchte, als er nach hinten kippte und sie mit sich riss.

Er fällt in das Loch.
Sie fällt mit ihm, er reißt sie mit hinunter.

Einen Moment lang ist es still. Mein Atem keucht laut in der Stille.
Es wird dunkel, die Sonne geht bald unter, nimmt das letzte Licht mit sich.

Langsam gehe ich näher an das Loch. Beuge mich vor.

Der Staub legt sich und ich schaue hinunter.

Sie liegen da.
Still.

Reglos.

Tot?

Ich laufe hinaus.

Weg hier.
Fort von hier!

Draußen ist es noch ein bisschen hell.
Hell genug, um die beiden Pferde zu sehen.

Ich kann nicht reiten. Es würde keinen Sinn machen, auf eines zu klettern.
Aber jemand wird die Pferde sehen.

Andere werden kommen.
Sie dürfen den Mann und die Frau nicht finden!

Ich binde die Pferde los, will sie davonjagen.

Sie wiehern und werfen die Köpfe hoch. Tänzeln.
Ich weiche vor ihnen zurück. Sie sind so groß.

Ich schreie sie an, springe vor ihnen hoch und rudere wild mit den Armen.
Endlich werfen sie sich herum, jagen mit donnernden Hufen davon.

Plötzlich ist es still.
Genau so wie vorgestern.

Totenstill.

~ . ~
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast