Nr. 29: Seltsam

KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Captain John "Soap" MacTavish Lieutenant Simon "Ghost" Riley Sergeant Gary "Roach" Sanderson
20.11.2013
03.05.2014
3
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Neugierig/Seltsam

Romantik
Call of Duty
Roach Soap
Ghost

Teil 1: Mit dem falschen Fuß zuerst

John MacTavish, auch unter dem wenig glamourösen Rufnamen Soap bekannt, war ziemlich angeheitert. Nein, eigentlich war er sturzbetrunken. Der Aktenhaufen auf seinem Schreibtisch verschwamm vor seinen Augen und Körper war beinahe unangenehm erhitzt. Und würde er in diesem Moment aufstehen, er wäre vermutlich über seine eigenen Füße gestolpert. Wenn er erst einmal wieder nüchtern war,  würde es ihm beschissen ergehen, aber zumindest hatte der Alkohol für den Moment seine Wirkung erzielt.

Ihm war gerade alles scheißegal.

Als Sergeant war alles so einfach gewesen. Er hatte nur auf sich selbst aufpassen müssen und wenn ihm das mal nicht gelang, war da immer noch Price, der seinen Arsch aus der Schusslinie zog. Und die einzige Entscheidung, die er hatte treffen müssen, was die Wahl seiner Waffe. Er hatte zu Price aufgesehen und sich heimlich gedacht, dass er niemals so ein guter Anführer sein würde.

Und jetzt war er Captain und sollte ein Team zusammenstellen und Price war weg und die Gedanken von damals waren immer noch da. Damals, das war gerade mal die paar Monate her, die er zur Genesung gebraucht hatte. Kaum war er wieder einsatzfähig, wurde er auch schon von General Shepard in die neu gegründete Taskforce 141 rekrutiert. Vom Sergeant ohne Umwege direkt zum Captain.

Shepard hatte ihm die Akten nicht einmal selbst gegeben. Sie waren in seinem Büro abgeliefert worden, ohne dass er es überhaupt mitbekommen hatte. Ein gelbes Post-It war seine einzige Nachricht: Stellen Sie ein Team zusammen, MacTavish! Das war am Morgen gewesen und seitdem lag der Stapel unberührt da. Nach dem Verlust seines letzten Teams hatte er sich nicht schon mit neuen Kameraden befassen wollen.

MacTavish schaute in sein leeres Glas und dann in die leere Flasche Whiskey. Sie war zu Beginn seines kleinen Experiments nicht voll gewesen, aber fast die Hälfte hatte er schon getrunken. Kurz überlegte er, ob und wo er Nachschub haben könnte. Aber als er auf den ersten Blick nichts fand, verließ ihn auch dazu die Motivation. Manche Menschen machte Alkohol aggressiv, er wurde nur lethargisch. Schwermütig seufzte er und ließ seinen Kopf auf die Tischplatte sinken. Mit geschlossenen Augen nahm der das leichte Schwindelgefühl viel deutlicher wahr…

***


MacTavish bekam den Schreck seines Lebens, als jemand kräftig an der Tür klopfte. Auf einen Schlag saß er kerzengerade und war so wach wie jemand nach einer halben Flasche Whiskey und ein paar Stunden Schlaf nur sein konnte. Dann versuchte er mehr Dinge auf einmal zu tun, als sein Gehirn schon im nüchternen Zustand verkraften konnte. Also mehr als zwei Sachen.

Während er mit einer Hand seine Schublade öffnete, wischte er sich mit der anderen nachlässig die Spucke aus dem Gesicht. Dann versuchte er mit einer Handbewegung Flasche und Glas in die geöffnete Schublade zu wischen. Die Flasche kam an ihrem Ziel an, aber das Glas fiel klirrend zu Boden und zerbarst in seine Einzelteile. MacTavish schaute es mit kleinen Augen an und fühlte seine Augenbraue zucken.

Es klopfte erneut, dieses Mal noch stärker. „Komm ja schon.“, krächzte MacTavish, was der Besucher unmöglich hören konnte. Langsam aber sicher begann sich das Kätzchen zwischen seinen Ohren in einen ausgewachsenen Kater zu verwandeln. Trotzdem stand er auf, öffnete die Tür und blitzte den Besucher böse an.

„Ich hab keine Süßigkeiten. Und heute is auch kein Halloween.“, sagte er das Erste, was ihm zu der Maske einfiel.

„Komisch, warum haben Sie sich dann als Zombie verkleidet?“, gab der Maskierte zurück. MacTavish brauchte einige Sekunden, um das Gesagte zu verstehen. „Ich suche Captain Mactavish.“

„Ich BIN Captain MacTavish.“, knurrte er gereizt. Dass sein Besucher ihn daraufhin durch Sonnenbrille und Maske vermutlich abschätzig musterte, goss nur noch mehr Öl in das metaphorische Feuer in ihm. Dieser Morgen wurde mit jeder Sekunde beschissener

„Lieutenant Riley, Sir.“, sagte der andere. „Ich soll mit Ihnen zusammen arbeiten. Ich dachte, Shepard hätte Ihnen schon von meiner Ankunft erzählt.“

MacTavish schaffte es gerade noch sein genervtes Stöhnen in ein lautes Ausatmen zu verwandeln. „Offensichtlich nicht. Kommen Sie rein, Lieutenant.“ Sie schüttelten sich nicht die Hände und beiden war klar, dass sie gerade mit jedem arbeiten würden, nur nicht mit dem jeweils anderen.

„Shepard hat gestern nen Haufen Akten von möglichen Rekruten geschickt. Schauen Sie schon mal rein und ich geh währenddessen was erledigen.“

„Sie meinen Duschen und eine Aspirin nehmen und sich die Zähne putzen? Nur zu.“ MacTavish knirschte mit den Zähnen, widersprach seinem Lieutenant aber nicht.

Nachdem er im leergefegten Gemeinschaftswaschraum eine heiße Dusche genommen  und noch ein wenig Frühstück abgezweigt hatte, fühlte sich MacTavish fast wieder – na ja, gut würde er es nicht nennen, aber normal traf es ganz gut. Dann besorgte er sich noch einen Kaffee für sich selbst und nahm spontan noch einen Zweiten für Riley mit.

Wortlos stellte er diesem die Papptasse mit der Kaffeesahne und dem Zuckerpäckchen hin und genauso schweigend nahm dieser sie an. Dann ließ er sich in seinen quietschenden Bürostuhl fallen und schob nachlässig mit seinem Stiefel die Glasscherben zur Seite. Das Aufräumen konnte warten.

„Irgendwas Brauchbares dabei?“

„Schwierig. Ist kaum zu glauben, dass diese Welpen alle die Grundausbildung geschafft haben.“

„Witzig, dasselbe hat mein letzter Captain mich auch gefragt.“

„Das glaube ich Ihnen sofort, Sir.“

MacTavish rieb sich angestrengt die Schläfen. Diese Task Force zu einem erfolgreichen Team zu machen, würde noch ein ganzer Haufen Arbeit und Stress werden. Und er musste mit einem Mann zusammenarbeiten, den er und er ihn nicht leiden konnte.

Er wünschte, er hätte noch Whiskey da.

Fortsetzung folgt…

Ich dachte mir, ich mach das hier mal zu einer kleinen Trilogie. Die beiden weiteren Teile kommen, wenn ich sie fertig geschrieben habe.

Und ich weiß natürlich, dass dieses Thema schon mehr als einmal von anderen Autoren aufgegriffen wurde. Ich hoffe aber mal, dass mein Text auch etwas Eigenes mitbringt und euch nicht langweilt.

MfG
Herbst-Fruehling
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