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Ein Tag im Leben des Timbletacks

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
19.11.2013
19.11.2013
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Ein Tag im Leben des Timbletacks

Putzen, ordnen, reparieren, das war es,
womit ich meinen Tag verbrachte.
In der Regel gab es nicht mehr, womit ich mich herumschlagen musste, von den Kindern und dem nervigen Greifen mal abgesehen.
Genau wie alle anderen Tage, begann mein  Morgen genau damit, putzen, ordnen reparieren.
Eine sehr eintönige und langweilige Arbeit, aber ich tat sie gern. Sie gab mir das Gefühl der Familie etwas zu nutzen
und nebenbei konnte ich es wirklich gut.
Heute wollte ich das Laub, das unordentlich um das Haus herumfolg in Angriff nehmen, es war nämlich Herbst.
Ein sehr früher Herbst, demnach würde der Winter hart werden. Es war sehr früh am Morgen, die Kinder schliefen noch,
die Mutter auch und der Greif zerstückelte genüsslich ein Kaninchen in seinem Stall- es würde eine furchtbare Sauerei geben. Ich rieb mir die Hände und machte mich an die Arbeit, allmählich segelten alle Blätter auf einen großen Haufen.
Der Haufen war schon mindestens fünfmal so groß wie ich,
als aus dem Wald ein Brüllen ertönte, das seinesgleichen suchte. Ich kümmerte mich nicht weiter darum,
ich war immerhin nicht so neugierig wie Simon, Jared oder Mallory. Nein, ich war vernünftig und brachte mich nicht andauernd in Gefahr. Der Blätterhaufen wuchs und wuchs,
bald würde ich fertig sein.
Ich freute mich schon darauf wieder ins Haus zu gehen und mir ein wenig Honig zu genehmigen, nur leider sollte es nicht so weit kommen. Aus dem Wald drang ein dumpfes Geräusch,
fast wie ein Schlag auf einer Trommel.
Weitere Geräusche folgten.
Ich beachtete sie zuerst nicht weiter, mich ging es nicht an,
was im Wald passierte, doch die Geräusche wurden immer lauter, der Verursacher des Geräusches schien sich mir zu nähern.
Ich blickte erst auf, als es schon zu spät war,
eine riesige Gestalt zeichnete sich vom noch dunklen Himmel ab. Die Gestalt stieß ein Brüllen aus und ich erkannte den Flusstroll. Was machte er hier?
Warum war er nicht in seinem Fluss?
Warum hat er sich so weit von ihm entfernt?
„Das ist jetzt nicht wichtig, Timbletack“, rief ich mich zur Ordnung, „du solltest lieber schleunigst verschwinden,
bevor das dumme Vieh dich noch auffressen will.“
Ich wollte wirklich verschwinden, nur ich war nicht in der Lage dazu. Meine Beine zitterten und bewegten sich nicht von der Stelle. „Nun fangt schon an zu laufen“, flüsterte ich verzweifelt, aber meine Beine bewegten sich kein Stück.
Ich konnte nur mit vor Schreck geweiteten Augen zusehen,
wie die riesige Hand des Flusstrolls sich langsam zu mir herabsenkte. „Jetzt ist es aus“, dachte ich und mir wurde schwarz vor Augen.

Ich spürte höllische Schmerzen in meinem Arm.
Vorsichtig öffnete ich die Augen und schloss sie sogleich wieder. Die gute Nachricht war, dass ich nicht tot war, die Schlechte,
dass ich in schwindelerregender Höhe von einem Flusstroll durch den Wald geschleppt wurde.
Der Troll hielt mich nur an einem Arm, mein restlicher Körper baumelte schlaff, wie der Körper einer Puppe, in der Luft.
Ich ließ meine Augen geschlossen, bis das Schaukeln aufhörte und fragte mich, warum ich nicht schon lange tot war.
Vielleicht bestand ja doch noch Hoffnung, dass ich fliehen können würde. Der Flusstroll gab ein Grunzen von sich,
das beinahe schon liebevoll klang und ließ dann schlagartig meinen Arm los. Ich schrie, während ich mit atemberaubender Geschwindigkeit auf den Boden zu trudelte.
Anschließend landete ich mit einem satten Klatscher in einer Pfütze. Wäre der Boden nicht so weich und schlammig gewesen, hätte ein Sturz aus dieser Höhe den Tod für mich bedeutet.
Ich rappelte mich auf, eine wirklich mühselige Arbeit, da mein Fuß, sobald ich ihn aufgestellt hatte, im Schlamm versank.  
Als ich mich endlich aufgerichtet hatte, sah ich den Flusstroll nur noch in Richtung Fluss verschwinden.
Verwundert sah ich mich um. Es konnte doch nicht sein,
dass der Flusstroll mich den ganzen Weg in den Wald trug und nun seine Interesse an mir verlor.
Ich entdeckte sogleich den Grund für das Verschwinden des Trolls. Ein wesentlich kleinerer und trotzdem nicht weniger bedrohlicher Flusstroll starrte mich aus seinen Untertassen großen Augen an.
Ich sollte also als Babynahrung dienen!
Entsetzt begann ich davonzulaufen. Ich kam nicht weit,
es war mir einfach unmöglich in diesem tiefen Schlamm zu laufen. Der Babytroll beobachtete mich einen Moment,
dann schoss seine Hand blitzartig vor und packte mich.
Die nächsten Minuten waren wohl die schlimmsten in meinem Leben. Ich war absolut hilflos und wartete nur noch darauf,
dass der Babytroll mich in seinen Mund schob.
Er wirbelte mich durch die Luft, warf mich und fing mich wieder auf, aber erst, als er mich schließlich an seine Brust drückte wurde mir bewusst, dass er mich vielleicht gar nicht fressen wollte.
Er schien noch nicht einmal darüber nachzudenken.
Er wollte einfach nur spielen. Erst mal war ich erleichtert,
aber dann wurde mir klar, dass ich auch nicht ewig als Kinderspielzeug herhalten konnte.
Immerhin hatte auch ich meine Pflichten.
Der kleine Troll wurde immer übermütiger und warf mich höher und höher, so kam es, dass ich es schaffte mich an einem Zweig festzuhalten.
Mit aller Kraft zog ich mich hoch,
sodass ich rittlings auf dem Zweig saß.
Der Babyflusstroll schaute sich verwundert um, er konnte vermutlich nicht begreifen, wohin ich verschwunden war. Zufrieden mit mir selbst lief ich den Ast entlang, ich war zwar kein Eichhörnchen, aber wenn ich erst mal über die Bäume kletterte, würde ich schnell nachhause kommen.
Noch ein letztes Mal blickte ich zu dem Troll zurück und sah, wie ihm dicke Tränen über das ganze Gesicht rannen.
Ich bekam Mitleid mit ihm.

Als die Kinder aus der Schule kamen, hallte ein Wutschrei von Mallory im ganzen Haus. „Simon, Jared“, kreischte sie, „ wo habt ihr meine Anziehsachen hingemacht?“ Na ,wenn die wüsste! Glücklich dachte ich an die riesige Anziehsachenpuppe, die der kleine Troll vergnügt in der Hand gehalten hatte.
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