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Das Phänomen Cesar Millan: Eine wissenschaftliche Betrachtung

von Kailyn
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
18.11.2013
12.03.2017
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Cesar Millans Reality-TV-Serie "Dog Whisperer" wird seit über zehn Jahren ausgestrahlt. Während Cesar Millan in Europa erst seit etwa 2010 populär ist, hat seine Beliebtheit in Amerika bereits ihren Höhepunkt erreicht und flaut seit 2012 ab. Dies ist nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass sich auch hochrangige Prominente entweder direkt gegen seine Methoden ausgeprochen, oder sich zumindest von ihm distanziert haben.


Alan Titchmarsh - der Stein, der alles ins Rollen brachte.

Im Oktober 2012 war Cesar Millan zu Gast in der Alan Titchmarsh Show, wo er von selbigem interviewt wurde. Erstmals wurde Cesar Millan hier vor einem breiten Publikum und von einem namhaften Prominenten wegen seiner Trainingsmethoden kritisiert. Bereits im Vorfeld wurde das geplante Interview kontrovers diskutiert. In US-Medienberichten sprach man von einer Spaltung des Publikums. Schon damals wurde Millans Gebrauch von Stachelwürgern, Stromhalsbändern und physischen Attacken kritisiert und während einige Fans der Alan Titchmarsh Show nicht wollten, dass Cesar Millan dort auftrat, wollten einige Fans von Millan das Interview verhindern, da Alan Titchmarsh nie ein Geheimnis daraus gemacht hatte, was er von den Methoden des Hundeflüsterers hielt - er hielt und hält sie für barbarisch.

Alan Titchmarsh verhielt sich während des Interviews überraschend diplomatisch, griff Millan aber mit Argumenten an, auf die er keine zufriedenstellende Antwort geben konnte.

So argumentierte Titchmarsh: "You punish dogs, you hit them. I’ve seen you punch a dog in the throat to get it to behave and to most people, like myself, I would say that is totally unacceptable as a way of training a dog."
"Sie bestrafen Hunde, Sie schlagen sie. Ich habe gesehen, wie sie einen Hund in den Hals geboxt haben, damit er sich benimmt und ich würde sagen, für die meisten Menschen, wie mich, ist das eine absolut inakzeptable Art, einen Hund zu erziehen."

Millan antwortete daraufhin, dass es sich nicht um einen Schlag handelt, sondern lediglich um eine Berührung. Bei dem "Schlag" oder der "Berührung", von der hier gesprochen wird, handelt es sich höchstwahrscheinlich um die bereits diskutierte "Kralle".

Alan Titchmarsh ließ sich von dieser Erklärung nicht beirren. Er fuhr fort, dass, wenn ihn jemand auf diese Art schlüge, es ihm definitiv weh tun würde. Außerdem benutze Millan auch Stromhalsbänder und diese seien schmerzhaft.

Die Presse sprach von "roasting" oder "grilling Millan", da Titchmarsh diesen mit seinen Fragen und Argumenten derart in die Defensive drängte, dass der Hundeflüsterer keine plausiblen Antworten mehr geben konnte. Nachdem das Interview ausgestrahlt wurde, gab es heftige Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern Millans und auch die Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (RSPCA) meldete sich zu Wort und warnte vor dem Gebrauch aversiver und straforientierter Methoden im Hundetraining, so wie sie Millan anwendete.

Auch andere namhafte Kynologen und Organisationen meldeten sich daraufhin erneut zu Wort, darunter Ian Dunbar, Karen Pryor, Pat Miller, Dr. Nicholas Dodman und Dr. Suzanne Hetts, sowie die American Veterinary Society of Animal Behavior, die Society of Veterinary Behavior Technicians und American Humane. Darüber hinaus gibt es weltweit hunderte, wenn nicht gar tausende Kynologen und Organisationen, die sich klar gegen "Cesars's way" aussprechen. Tatsächlich ist es sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, eine seriöse, fachliche Meinung zu finden, die Cesar Millan und seinen Methoden zustimmt, oder in ihm einen Fachmann sieht.

Quelle: The Alan Titchmarsh Show - Interview mit Cesar Millan


Kynologen rieten bereits im Vorfeld, die Show nicht auszustrahlen

Alan Titchmarsh hatte wahrscheinlich nicht damit gerechnet, welchen Stein er mit seinem sehr mutigen Verhalten ins Rollen gebracht hatte. Bisher waren es Kynologen und Organisationen, die Millan kritisierten. Deren Kritik war jedoch nicht medienwirksam genug und verlief schnell im Sande. Zwei Jahre nach dem Interview sind uns mittlerweile einige Details rund um den Hundeflüsterer bekannt, die vorher nie an die Öffentlichkeit geraten sind.

So wurde bekannt, dass National Geographic das Konzept und einige Folgen von Dog Whisperer unter anderem an den tierärztlichen Verhaltensforscher Andrew Luescher schickte, um die Show im Vorfeld zu bewerten. In seinem darauffolgenden Brief an National Geographic schreibt Luescher:

„Die Show weist den Zuschauer immer wieder darauf hin, dass der die gezeigten Methoden nicht zu Hause nachmachen soll. Was aber ist dann der Zweck dieser Show? Ich denke, wir müssen realistisch sein: Die Menschen werden diese Techniken zu Hause ausprobieren, sehr zum Leidwesen ihrer Haustiere. [...] Meine Kollegen und ich und unzählige Führungskräfte in der Gemeinschaft des Hundetrainings haben Jahrzehnte daran gearbeitet, solche grausamen, ineffektiven und unangemessenen Methoden zu eliminieren."

Luescher riet National Geographic, einen normalerweise für seine gut recherchierte, seriöse Wissenschaft bekannten Sender, dazu, die Show nicht auszustrahlen.  Bis heute steht National Geographic jedoch hinter dem Konzept der Show und auch hinter Cesar Millan und porträtiert ihn als ausgebildeten Profi. Der Sender muss sich der Gefährlichkeit des gezeigten Inhalts jedoch durchaus bewusst gewesen sein - bis heute ist Dog Whisperer die einzige Show ihrer Art, die nicht ohne regelmäßige Warnhinweise an den Zuschauer auskommt. Doch wie Luescher bereits schrieb: In der Realität nützen diese Warnhinweise nichts.
Ein Schäferhund, der von seinem Besitzer nach Cesar Millans Methode des "stringing up" bestraft wurde, starb, weil er erstickte. Dem Schäferhund widerfuhr das, was Shadow beinahe widerfahren wäre: Der Erstickungstod durch eine Würgeschlaufe.

Im deutschsprachigen Raum wurde der selbsternannte Hundepsychologe Roman Schröck kurzzeitig einem größeren Publikum bekannt, als er von Cesar Millan für einen Workshop nach Los Angeles eingeladen wurde. Roman Schröck war gleichzeitig der Veranstalter eines Auftritts des Hundeflüsterers in Österreich im Rahmen seiner europaweiten "Leader of the Pack"-Tour im Jahr 2014. Laut eigenen Angaben hat Roman Schröck nie ein Buch von Cesar Millan gelesen, arbeitete jedoch zumindest teilweise nach seiner Methodik und war von ihm inspiriert (Stand 2014). Das einzige Lehrmedium muss demzufolge die TV-Sendung gewesen sein. Eine andere oder gar formale  Ausbildung fand nicht statt. Das Nachahmen des amerikanischen Hundeflüsterers (Festhalten an der widerlegten Alpha-Hypothese und Rangreduktion, Arbeiten mit Resozialisierungsrudel, Arbeit mit vorwiegend positiver Strafe, Packleader-Workshops, Erfinden eines Spezialwortes für besonders schwierige Hunde (Kofferraumhunde/Red Zone Dogs), Kompetenz-Vergleiche mit Cesar Millan) hat mindestens einem Hund (Joey) in Roman Schröcks Obhut bereits nachweislich das Leben gekostet, als er sich dazu entschied, ihn einschläfern zu lassen, weil er sich, laut eigener Aussage, nicht in seinem Rudel unterordnen und sich nicht das Futter wegnehmen lassen wollte. Ihm zufolge habe er den Hund auf Anraten zweier Tierärzte einschläfern lassen, weil angeblich ein irreparabler Hirnschaden vorläge. Ein diagnostischer, tierärztlicher Bericht liegt jedoch bis heute nicht vor. Das tiermedizinische Studium widmet sich verhaltensbiologischer Wissensvermittlung nur in Ansätzen. Nur wenige Tierärzte sind überhaupt dazu in der Lage, Hundeverhalten im lernmethodischen und verhaltensbiologischen Sinn einzuschätzen und konkrete Lösungsvorschläge zu geben. Deswegen ist die Zusammenarbeit von Tierärzten und Hundetrainern immens wichtig.
Ähnlich wie Millan arbeitet auch der "DogCoach" mit einem willkürlich zusammengewürfelten Rudel von Tierschutzhunden, die er als "Resozialisationsrudel" bezeichnet.
Mittlerweile distanziert sich Roman Schröck auf seiner Webseite laut eigenen Angaben von Cesar Millans Methodik, wissenschaftlich nicht haltbare Hypothesen bleiben jedoch weiterhin Bestandteil seiner Informationsvermittlung. Formale Fort- und Ausbildungen fanden auch in der Zwischenzeit nicht statt. (Stand 2017).

Quellen: Zeitungsbericht 2014; Stellungnahme Roman Schröck 2014;Stellungnahme des Österreichischen Berufsverbandes der Hundeerzieher, -trainer und -verhaltensberater;Schäferhund: Training mit Todesfolge



Cesar Millan: "Ja, ich verabreiche Hunden Elektroschocks und ich verwende Stachelwürger, aber ich bin nicht grausam"

Eine der enttäuschendsten Aussagen für Fans des Hundeflüsterers war die, als Cesar Millan öffentlich zugab, genau die Starkzwangmittel einzusetzen, deren Verwendung Fans jahrelang vehement abstritten. Über sehr lange Zeit war ein Hauptargument auf den Hinweis, Millan würde mit Strom arbeiten, dass er nur die Vibrationsvorstufe, beziehungsweise nie Elektroschocks einsetzen würde.

Kurz nach seinem Auftritt in der Alan Titchmarsh Show geriet Cesar Millan unter enormen medialen Druck. Die Öffentlichkeit wollte wissen, ob die Behauptungen stimmten, dass er Elektroschockhalsbänder und Stachelwürger verwendet. Schließlich musste Millan diesen Umstand in einem Interview einräumen, verteidigte die Anwendung dieser Hilfsmittel jedoch mit dem Argument, dass sie hilfreich sein können und er sie sowieso nur bei bestimmten Hunden einsetzen würde.

Wir erinnern uns, dass Millans eigenes Hunderudel im Psychology Center Los Angeles flächendeckend Elektroschockhalsbänder trägt. Dass er einen seiner eigenen Hunde am Stachelhalsband führte, um einen Rottweiler vor laufender Kamera zu provozieren. Dass er in Staffel 6, Episode 5 "Seven, Sara & Madeliene" nicht nur ein Stromhalsband, sondern sogar eine Stromfußmatte verwendete, um einen Hund daran zu hindern, zu Türen und Fenster zu gehen. Dass er ein Stromhalsband verwendete, um einen Hund mit einer Katze zu vergesellschaften, was den Hund völlig traumatisierte.

Nach jahrelanger Verteidigung mussten sich Fans leider eingestehen, dass die Behauptungen stimmen. Ja, Cesar Millan verwendet Stachelwürger. Ja, er verpasst Hunden elektrische Schocks. Die Verwendung von Stromhalsbändern im Tiertraining ist in Deutschland ausdrücklich verboten (Tierschutzgesetz, §3, Absatz 11). Das Verwenden von Stachelhalsbändern kann in Einzelfällen zu einer empfindlichen Geldstrafe von mehreren tausend Euro führen, da die Verwendung unter §3, Absatz 5 des Tierschutzgesetzes fallen kann. Stachelhalsbänder sind nicht per se erlaubt.

Quelle: Yes, I give dogs electric shocks and use spike chokers, but I'm NOT cruel


Verklagt wegen Tierquälerei

Mittlerweile bekannt ist auch, dass Millan 2006 von seinem TV-Produzenten Flody Suarez angeklagt wurde, weil sich Suarez' Hund im Psychology Center schwer verletzte. Suarez brachte seinen Hund in Millans Obhut und wurde nur wenige Stunden darauf telefonisch darüber informiert, dass der Hund tierärztliche Hilfe benötigt. Anscheinend wurde der Hund mit einer Würgeschlinge an ein Laufband gebunden und stürzte dann, woraufhin er sich schwer verletzte. Suarez zufolge blutete der Hund aus Maul und Nase, seine Behandlungskosten beliefen sich auf mehr als 25.000 Dollar.
Mitarbeiter des Psychology Center wurden dazu aufgefordert, dem Labrador Retriever ein Würgehalsband anzulegen und ihn zum Laufen auf einem Laufband zu zwingen, bis der Hund körperlich schließlich an den Rand der Erschöpfung getrieben wurde. Behauptungen zufolge verstarb der Hund an seinen Verletzungen.

Quelle: "Dog Whisperer" sued by his TV producer


Prominente arbeiten nicht mehr mit Cesar Millan zusammen

Auch prominente Aushängeschilder wie Oprah Winfrey oder Charlize Theron, die früher mit Cesar Millan zusammenarbeiteten, haben sich mittlerweile an andere Trainer gewandt, wie die Hundetrainierin Tamar Geller, die für ihre Arbeit mit Hunden überwiegend positive Verstärkung verwendet. Cesar Millan war bereits Gast in Oprah Winfreys Talkshow, in seinen Büchern erwähnt er, wie er sie kennengelernt hat und auch die innige Zusammenarbeit. Mit Tamar Geller hat Oprah Winfrey mittlerweile jedoch eine Trainerin an ihrer Seite, die nicht nach Millans Konzepten arbeitet. Sie beobachtete wildlebende Wölfe und dokumentierte die Art und Weise, wie Wolfseltern ihre Nachkommen erziehen.
Tamar Gellers Trainingsmethode "The Loved Dog" basiert auf Positive Reinforcement und verzichtet auf aggressive Methoden, die den Hund in einen ständig submissiven Zustand drängen sollen. Sie verwendet keine Starkzwangmittel. Im Gegensatz zu Cesar Millan wird sie von ebenjenen Organsiationen, die Millan kritisieren, unterstützt und arbeitet eng mit ihnen zusammen. Sie leitet Kaliforniens erstes zwingerfreies Hunde-Care-Center. Zu ihren prominenten Kunden gehören Oprah Winfrey, Ellen Degeneres, Larry King, Jon Stewart, Ben Affleck, Charlize Theron, Natalie Portman, Owen Wilson, Kelly Ripa, Brad Paisely, Julianne Hough, Ryan Seacrest, Colbie Calliat und viele andere. Einige davon waren zuvor Kunden von Cesar Millan, so auch Charlize Theron, die Cesar Millan in der Vergangenheit oft verteidigte.


Deutsche Dogge beißt während eines Spaziergangs mit dem Hundeflüsterer zu

2014 gab es zwei Negativschlagzeilen über Cesar Millan, die Außenstehenden zu denken geben sollten. Im Juli erreichte eine Nachricht die Presse, wonach eine ihm anvertrauten Deutschen Dogge, die Cesar Millan in seinem Psychology Center betreute, einen seiner Nachbarn ins Krankenhaus biss. Millan räumte ein, er habe gewusst, dass die Dogge problematisch sei. Dennoch trug der Hund bei dem Spaziergang weder eine Leine, noch einen Maulkorb. Trotz seines Wissens über das Verhalten der Dogge ließ Millan diese ungesichert frei laufen. Bei der Begegnung mit dem Nachbarn biss die Dogge diesen in den Arm, als er die Hand ausstreckte, um den Hund daran schnüffeln zu lassen.

Die Frage, die sich hier stellt, ist, warum Cesar Millan einen Hund mit offensichtlichen Aggressionsproblemen, von denen er definitiv wusste, ungesichert frei laufen ließ. Verantwortungsvolle Hundetrainer und -halter sind dazu angehalten, Schaden bereits im Vorfeld zu vermeiden, ganz besonders, wenn jeder Beißvorfall dazu führen könnte, dass der Hund auf behördliche Anordnung eingeschläfert wird. Obwohl Hunde trotz aller Vorsichtsmaßnahmen unberechenbar sein können, ist die Situation eine gänzlich andere, wenn man vom Aggressionspotenzial eines Hundes weiß.

Berichten zufolge tätigte Millan zum Zeitpunkt des Vorfalls einen seiner sogenannten "Pack Walks", bei denen er eine große Gruppe Hunde gleichzeitig ausführt - keiner der Hunde war angeleint.

Quelle: Cesar Millan: "Troubled" dog attacks during walk with the Dog Whisperer


Ex-Mitarbeiterin von Lama überrannt und von Hunden gebissen

Die zweite Negativschlagzeile stammt vom 02. September 2014. Die ehemalige Direktorin von Cesar Millans Hunde-Rehabilitationscenter schildert, dass sie während ihrer Arbeit von einem außer Kontrolle geratenen Lama überrannt worden sei. Ihr zufolge arbeitet Cesar Millan nicht nur mit Hunden, sondern mit verschiedenen Tieren, allerdings führe die Unerfahrenheit der Mitarbeiter oft dazu, dass die Tiere außer Kontrolle gerieten.
Millan habe sie dazu gezwungen, täglich 12 Stunden zu arbeiten, ohne Mittags- oder Toilettenpause. Fünf- oder sechsmal wurde sie bereits von den Hunden im Center gebissen, einmal von einem Lama überrannt. Als sie Cesar Millan mit den Arbeitsbedingungen konfrontierte, feuerte er sie.

Update 8. September 2014: Adriana Barnes, Cesar Millans Ex-Mitarbeiterin, hat ihn aus den oben genannten Gründen verklagt.

Quelle: Ex "Dog Whisperer" Employee: "I was trampled by a rogue Lama and it's Cesar's fault

Die geschilderten Arbeitsbedingungen im Psychology Center unterstützen die Gerüchte über außer Kontrolle geratene Hunde, die dort gehalten werden. Etwa 2013 tauchte in einem amerikanischen Forum das Gerücht auf, dass Hündin "Holly", deren Futteraggression Millan in seinem Center versuchte zu behandeln, einen Mitarbeiter ins Gesicht biss, der daraufhin genäht werden musste. Daraufhin hat Millan angeblich die Einschläferung Hollys beschlossen. Weder Cesar Millan, noch sein Management reagieren auf Anfragen bezüglich Hollys Gesundheitszustand und der Gerüchte, dass sie bereits nicht mehr am Leben sei und bis heute konnte sie auf keinem der Videos aus dem Hundecenter eindeutig identifiziert werden.



Cesar Millan besteht den Sachkundetest für Hundetrainer in Deutschland nicht


Seit August 2014 gilt in Deutschland der neue Tierschutzparagraph 11, 8f:

Wer für Dritte Hunde ausbilden oder die Ausbildung der Hunde durch den Tierhalter anleiten will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde.

Dieser Paragraph gilt für alle Hundetrainer, die Hunde gewerblich ausbilden. Aus meiner Anfrage, die ich an das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz schrieb, ging hervor, dass dieser Paragraph auch für Hundetrainer gilt, die nicht deutsche Staatsbürger sind, sich nur temporär in Deutschland aufhalten, oder deren Training Teil einer Bühnenshow ist. Ich tätigte diese Anfrage mit dem Hintergrund, dass Cesar Millan mit seiner "Leader of the Pack"-Tour im Herbst 2014 für sechs Auftritte in Deutschland zu Gast sein würde. Das Bayerische Staatsministerium leitete meine Anfrage daraufhin weiter an die zuständige Tierschutzstelle in Hannover, wo Millans erster Auftritt stattfinden würde.

Millans Sachkunde wurde am 10. September 2014, eine Woche vor seinem ersten Auftritt, geprüft. Diese Sachkunde hat er nicht bestanden. Ihm zufolge lag dies an Verständnisschwierigkeiten, da er kein Deutsch spricht. Die zuständige Behörde wies diesen Vorwurf zurück, ein Dolmetscher sei anwesend gewesen. Millan konnte grundlegende Fragen zur Haltung von Hunden, Fütterung oder Gesetzeslage nicht beantworten.

Für die Behauptung, er habe während der Sachkundeprüfung vier verschiedene Hunde und deren Körpersprache einschätzen müssen, habe ich keine offizielle Bestätigung gefunden.

Cesar Millan stellte einen Eilantrag an das Verwaltungsgericht Hannover, um die Erlaubnispflicht nach §11 zu umgehen, dieser wurde abgewiesen. Cesar Millan darf offiziell in Deutschland nicht als Hundetrainer prakizieren, da ihm die notwenige Sachkunde fehlt. Für die Durchführung des Hundetrainings auf der Bühne und die Betreuung der Hunde hinter der Bühne benötigte Millan einen Hundetrainer, der die Sachkunde nach §11 besitzt und der an seiner statt die Trainingsdemonstration übernimmt. Dies galt für sämtliche Auftritte in Deutschland, nicht nur für Hannover.

Der Neubeschluss des Paragraphen 11 war bereits viele Monate vor seiner Durchführung bekannt. Die Daten für Millans "Leader of the Pack"-Tour waren ihm selbst ein Jahr vor der Durchführung des Paragraphen 11 bekannt. Warum er sich für einen Eilantrag entschied und seine Sachkunde so kurzfristig vor den Auftritten prüfen ließ, ist nicht bekannt.

Quelle:Pressemitteilung Verwaltungsgericht Hannover: „Hundeflüsterer“ braucht Erlaubnis für Veranstaltung in Swiss-Life-Arena



(Stand: März 2017)
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