Das Phänomen Cesar Millan: Eine wissenschaftliche Betrachtung

von Kailyn
GeschichteAllgemein / P16
18.11.2013
12.03.2017
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Im Folgenden wird das komplett ungeschnittene Video im amerikanischen Originalton von Folge 18 der vierten Staffel von Dog Whisperer gezeigt. Analysiert wird hierbei bis Minute 23:23 - ab dann widmet sich die Folge einem anderen Fall. Für dieses Kapitel relevant ist lediglich der Fall "Shadow".
Im Internet sind diese Folge und auch Shadow selbst besser bekannt als "The strung up Husky".

Link zum Video:
Dog Whisperer with Cesar Millan: Season 4, Episode 18 - Shadow, Jake & Riley and Norton


Alex und Alan schildern Shadows Werdegang und wann er zum Problemhund wurde

Den Vorspann übergehe ich bewusst, da er nichts mit dem Inhalt der Episode zu tun hat. Mit Ton lasse ich ab dem Moment laufen, in dem Shadows Besitzer von ihren Problemen erzählen. Sie erzählen, dass sie Shadow von einer Tierschutzorganisation für Malamutes übernommen haben und dass ihnen gesagt wurde, er hätte keine Probleme mit Kindern und anderen Hunden. Im selben Moment werden Ausschnitte gezeigt, in denen Shadow friedlich und entspannt mit zwei Kindern auf dem Boden liegt, die Berührungen akzeptiert, und mit dem Zweithund „Bailey“ spielt, einem Labrador Retriever. In der kurzen Sequenz, in der Shadow und Bailey zusammen spielen, wird dem aufmerksamen Zuschauer auf der Stelle sehr deutlich das situative Machtgefälle zwischen den beiden Hunden klar: Während Bailey den Kopf grundsätzlich sehr weit oben trägt und von oben spielt, ist Shadow derjenige, der von unten kommt, häufig Baileys Maul anvisiert und er ist zudem der aktive, auffordernde Part. In dieser kurzen Sequenz ist Shadow nicht der aktuell dominante Hund. Das hat aber nichts über das generelle Verhältnis der beiden zu sagen. Wir wissen bereits, dass sich Dominanzbeziehungen situativ ändern können.

Shadow scheint aufgrund der sehr freundlichen Beziehung zu Bailey kein Hund zu sein, der grundsätzlich Probleme mit Artgenossen hat, oder allgemein unverträglich ist. Shadow ist möglicherweise ein Beispiel für einen Hund mit rudelexterner Aggressivität. Diese zeigt sich besonders oft bei Hunden, die außer zu ihrem eigenen Rudel, mit dem sie zusammenleben, keinen, oder nur wenig Kontakt zu anderen Artgenossen haben. Das Problem ist daher menschengemacht. Weder ist es außergewöhnlich, noch ist es  eine Verhaltensstörung.  Einige Hunde, die rudelintern formal dominant sind, halten sich extern eher zurück. Beobachtungen zufolge neigen Hündinnen eher zu interner, Rüden zur externer Aggressivität.

Kurz danach folgen die ersten Sequenzen mit Shadow, wie er draußen an der Leine ist: Er schmeißt sich vor, seine Besitzerin packt ihm am Nacken, reißt ihn zurück.  Ich sehe das Video gerade parallel, während ich das hier (in ein Word Dokument) tippe. Noch habe ich den Ton an. Ein Fehler, wie ich sofort bemerke, da bei dieser Sequenz bereits dramaturgische Stilmittel wie angsteinflößende Hintergrundmusik, übertönendes Knurren und Slow Motion eingesetzt werden, um den Fokus auf die gefletschten Zähne zu richten.
Zur Maßnahme der Besitzerin, dem Hund in den Nacken zu greifen: Festbeißen, schütteln und zerren im Nacken sind handlungen, mit denen Hunde Beute töten. Wer Hunde züchtet, weiß, dass eine Hundemutter ihre Welpen nicht primär am Nacken trägt. Ein Beispielvideo auf Youtube heißt „Chihuahua mom carrying a 3-4 week old puppy“. Eine Hundemutter maßregelt auch nicht, indem sie ihre Welpen am Nacken packt und daran schüttelt. Sie schnappt ab, oder wendet das an, was Kynologen unter einem Schnauzgriff verstehen. Wunderbar zu sehen ist dies im Youtubevideo „Schnauzgriff“ von Andreas Maurer. Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen spielerischem „Kämpfen“, wo durchaus Schnauzgriffe und Nackenschütteln vorkommen, und einem ernsthaften Kampf oder einer Maßregelung.  Letztendlich ist die Maßnahme, die Shadows Besitzerin ergreift, eine gefährliche: Sie kann ihrem Hund unter Umständen signalisieren, dass sie ihn, obwohl sie eine Vertrauensperson sein sollte, töten will. Eine Führungsperson verliert unter Umständen jegliche Glaubwürdigkeit, wenn sie das Leben des ihm anvertrauten Hundes bedroht. Zudem besteht die Gefahr von wehrhaftem Verhalten und damit gefährlichen Reaktionen des Hundes. Shadow reagiert nicht auf die Maßregelung seiner Besitzerin.

Anschließend erzählt die Besitzerin, dass Shadow sich nur fünf Monate, nachdem er bei ihnen eingezogen ist, komplett verändert hat. Als er zu ihnen kam, war er ein völlig anderer Hund, als er es jetzt ist. Dies kann darauf hindeuten, dass die Aggressionen, die Shadow zeigt, von den Besitzern (mit)verursacht und (mit)gefördert wurden. Weiterhin behauptet die Besitzerin, dass Shadow, als er zu ihnen kam, „viel dünner war und in einem schlechten Zustand“. Gezeigt wird zeitgleich das Bild von einem Hund (Shadow), der eine normale Figur hat und sehr gepflegt aussieht. Außerdem soll Shadow früher sehr ruhig gewesen sein. Der Besitzer erzählt, dass Shadows Aggressionen sehr plötzlich auftraten, als er mit ihm spazieren ging. Auf dem Rückweg eines langen, erfolgreichen Spaziergangs, soll der Besitzer ihm „eventuell“ zu nahe gekommen, oder „vielleicht“ auf seinen Fuß getreten sein. Er weiß nicht, was dazu geführt hat, dass Shadow ihn plötzlich in den Knöchel biss. Anzumerken ist, dass beide, Besitzer und Besitzerin, Shadow ausschließlich mit einem Kettenwürger führen, der nicht in ein totes Glied gehakt wird, sondern ohne Stopp würgt. Ob er von Beginn an mit diesem Halsband geführt wurde, ist nicht klar. Ein Kettenwürger ist daran zu erkennen, dass nur ein Kettenstrang vom Hals zur Leine führt.

In einer darauffolgenden Sequenz trägt Shadow zwar ein zusätzliches Halsband, wird aber dennoch am Kettenwürger geführt. Er springt hoch, versucht in die Leine zu beißen. Im Hintergrund läuft ein Hund vorbei, dem sich Shadow hin und wieder flüchtig zuwendet. Sein Hauptaugenmerk liegt aber auf der Leine. Zu mutmaßen, was im Vorfeld geschehen ist, wäre nicht richtig. Was gezeigt wird ist lediglich ein Hund, der sich sehr vehement gegen seine Leine wehrt – nicht gegen seinen Besitzer. Er zeigt keine Aggressivität gegenüber seinem Besitzer, ging zuvor auch schön brav neben ihm her. Er hegt auch keine Intentionen, seinen Besitzer in irgendeiner Weise ernsthaft zu verletzten, er wehrt sich nur offensichtlich gegen die Leine. Er hört damit auf (bleibt aber gegen seinen Besitzer erhoben und angelehnt) im selben Augenblick, als er leicht zu röcheln beginnt.
Auch in der Sequenz danach, als die Besitzerin Shadow und Bailey zusammen führt, wehrt sich Shadow lediglich gegen die Leine und das Halsband, das auch sie auf Spannung führt, also zugezogen. Und obwohl er nach ihrem „Hey“ ruhig dasteht, bleibt der Würger dich über den Ohren zugezogen. Dagegen wehrt er sich erneut, diesmal heftiger. Seine Besitzerin, die erneut versucht, ihn am Hals zu packen, schnappt er ab. Kurz vor diesem Ausbruch wendet sich sein Fokus für den Bruchteil einer Sekunde Bailey zu, was eventuell eine Übersprungshandlung, beziehungsweise ein Ventil zur Verarbeitung von Frustaggression sein kann.
Shadow wird weiterhin am strammgezogenen Würgehalsband gehalten. Ein freilaufender Hund kommt frontal auf ihn zu, Shadow ist durch die strammgezogene Leine und durch die Tatsache, dass ihm so auch das Atmen schwerfällt, stark eingeschränkt. Weglaufen kann er auch nicht. Er reagiert mit defensiver Aggression und schnappt den Hund weg. Den Hund zu vertreiben wäre eigentlich Aufgabe der Besitzerin. SIE ist die Führungsperson, SIE hat dafür zu sorgen, dass ihre Hunde, die angeleint in ihrer Kommunikation und ihren Fluchtmöglichkeiten eingeschränkt sind, nicht von freilaufenden Hunden belästigt werden, die schon allein deshalb enorm im Vorteil sind, weil sie unangeleint sind. Die Besitzerin zieht die Kette stramm und versucht wiederholt, Shadow am Hals zu packen. Shadow versucht daraufhin, sie zu beißen. Die Besitzerin hätte den freilaufenden Hund vertreiben, oder den besitzer des Hundes dazu auffordern sollen, seinen Hund einzufangen und anzuleinen. Auch ratsam wäre es gewesen, rasch Abstand zu dem freilaufenden Hund zu gewinnen, nicht nur rumzustehen, sondern in Bewegung zu bleiben. Keinesfalls sollten die Hunde dabei gewürgt werden.

Die Besitzerin gibt an, dass Shadows Verhalten unberechenbar wurde. In neun von zehn Fällen, in denen sie einem fremden Hund begegneten,  war er an anderen Hunden interessiert und es ging ihm gut. In zehn Prozent geriet er in einen gefährlichen Zustand und spielte verrückt.
Bei diesen Worten wird erneut zu einer Sequenz geschaltet, in der Shadow sich gegen die komplett stramm gezogene Leine und gegen das Würgehalsband wehrt. Er springt hoch und versucht, in die Leine zu beißen. Primär attackiert er die Hand, welche die Leine hält. Sobald die Besitzerin versucht, ihn wieder zu packen, schnappt er auch nach dieser Hand.
Bei der Sequenz danach (Minute 3:19) wird wieder mit Slow Motion gearbeitet, um den Fokus auf die Zähne zu lenken. Hier sehen wir deutlich, wie kurz und stramm der Würger gehalten wird. Shadow wird an diesem Würger sogar leicht angehoben. Es ist nachvollziehbar, dass er sich dagegen wehrt. Bisher sehe ich in den gezeigten Szenen keinen hochgradig aggressiven Hund, sondern einen Hund, der andere Hunde überwiegend sympathisch, manchmal unsympathisch findet, der aber in angespannten Situationen grundsätzlich mit einer Kette gewürgt, wahlweise im Nacken gepackt wird. Das heikle an dieser Geschichte ist nun Folgendes: Es ist anzunehmen, dass Shadow, aufgrund der offensichtlichen Überforderung und Unfähigkeit der Besitzer, beim Anblick eines Hundes auf das Würgen negativ konditioniert wurde. Da er selbst dann gewürgt wird, wenn er nicht gerade ausrastet, ist es möglich, dass er beim Anblick eines fremden Hundes in einen emotionalen Zustand katapultiert wird, bei dem er sich genötigt fühlt, sich zu wehren. Er wird in seiner Befürchtung bestätigt, weil er anschließend erneut gewürgt wird. Hier hat sich also ein Teufelskreis gebildet.
Bitte seht euch außerdem die kurze Sequenz bei 3:22 an: Shadow hat hier die Möglichkeit, seine Besitzerin zu beißen. Seine Kiefer haben sich bereits komplett um ihren Arm gelegt. Er beißt aber nicht zu, sondern verwendet die Intensität, wie sie bereits im Video „Schnauzgriff“ gezeigt wurde. Dieser Hund will nicht beißen. Shadow ist kein Beißer und er ist nicht hochgradig aggressiv. Dieser Hund wehrt sich gegen sein Halsband und die Konfrontationsmethoden seiner Besitzer.

Danach erzählt der Mann, dass er sich um die Sicherheit seiner Familie sorgt, weil Shadow ein beängstigender Hund ist. Diese Angst ist, objektiv betrachtet, unbegründet, subjektiv jedoch nachvollziehbar, da die Besitzer aufgrund mangelnder Souveränität und Kontrolle das Gefühl haben, ihren Hund nicht im Griff zu haben.  In keiner gezeigten Sequenz hat Shadow seine Besitzer jedoch gebissen, sondern lediglich abgeschnappt. Seine Beziehung zu Bailey ist freundschaftlich, seine Beziehung zu den Kindern ebenfalls.  Lediglich die Beziehung zu seinen Besitzern ist massiv gestört. Da sie ihn beide grundsätzlich an einer Würgekette führen und diese, selbst wenn kein Hund in der Nähe ist, stramm halten und ihn auch daran hochheben, die Besitzerin den Hund zusätzlich im Nacken packt, hat Shadow kein solides Vertrauensverhältnis zu seinen Besitzern. Seine Aggressionen gegenüber fremden Hunden sind leicht bis moderat einzuschätzen, werden jedoch aufgrund unsachgemäßer Maßregelung auf die Spitze getrieben. Bisher ist das ein gewöhnliches 0815-Problem, welches erst die Besitzer durch ihren Umgang mit ihrem Hund in Stresssituationen zu einem massiven Problem machen.

Bei 3:44 fixiert die Besitzerin Shadow am Boden und packt ihn im Nacken. Weiterhin ist sie auch verbal äußerst laut und verschlimmert damit die Situation. In der Sekunde 3:47 zeigt Shadow zum ersten Mal ein für Laien wahrscheinlich kaum sichtbares Beschwichtigungssignal: Er blinzelt sehr langsam und leckt sich über die Nase. Auf diese Beschwichtigung geht die Besitzerin allerdings nicht ein. Sie hält Shadow weiterhin am Nacken gepackt. Ein schwerwiegender, ganz schlimmer Fehler, weil Shadow möglicherweise dadurch lernt, dass von ihm gesendete Kommunikationsversuche nicht akzeptiert werden. Eine Nichtbeachtung dieser nuancierten Signale kann dazu führen, dass ein Hund diese Signale überspringt und auf der Eskalationsleiter weiter nach oben klettert, indem er zum Beispiel ohne Warnung beißt.

Kurz danach sagt die Besitzerin, dass sie fürchtet, sie und ihre Familie seien die letzte Chance, die Shadow noch hat und wenn er nicht dazu in der Lage ist, mit ihnen zu leben, hat er nicht ihre Zustimmung, überhaupt zu leben. Was bedeutet, sollte Shadows Verhalten sich nicht bessern, wird sie ihn einschläfern lassen. Eine ziemlich harte und unfaire Entscheidung, da manche Hunde tatsächlich einen Tapeten- oder Besitzerwechsel brauchen und in anderen Händen besser aufgehoben wären.


Das Ergebnis meiner Beobachtungen nach knapp vier Minuten Videomaterial:

- Shadow ist nicht verhaltensgestört.
- Shadow zeigt sporadisch auftretende, rudelexterne Aggression gegenüber Artgenossen.
- Shadow wehrt sich massiv gegen das Würgehalsband und das Packen im Nacken. Gegen seine Besitzer wehrt er sich erst, wenn permanenter Zug auf dem Würgehalsband liegt.
- Shadow ist ein tendenziell friedlicher Hund, der gut mit seinem Freund Bailey, 9 von 10 fremden Hunden  und den Kindern klarkommt.
- Shadow hat wenig Vertrauen zu seinen Besitzern und orientiert sich außerhalb des Hauses nicht an ihnen.
- Shadow wird kontinuierlich dazu gezwungen, um sein Leben zu kämpfen.
- Shadow mangelt es eventuell an artgerechter Auslastung. Als Malamute- oder Huskymischling (einig ist man sich da offenbar nicht ganz; er stammt aus einer Malamute-Rettungsstation) benötigt er ausreichend körperliche und geistige Auslastung und den Kontakt zu anderen Hunden.

Shadow benötigt eine Orientierungsperson, der er vertrauen kann. Der Umgang mit Shadow muss freundlicher und vor allem sehr viel leiser werden, das Würgehalsband sollte gegen ein normales Halsband oder ein Brustgeschirr ausgetauscht werden. Außerdem neigt er gelegentlich dazu, stark an der Leine zu ziehen. Ein Geschirr verhindert dabei Verletzungen des Kehlkopfs, der Halswirbel und des Zungenmuskels, ein zusätzlicher Führring an der Brust könnte beim Leinenführigkeitstraining hilfreich sein. Außerdem benötigt Shadow dringend körperliche und geistige Auslastung, sowie regelmäßigen und kontrollierten Kontakt mit Artgenossen. In den ersten Wochen ist es unter Umständen nötig, Shadow an einen Maulkorb zu gewöhnen, damit er durch eventuell ritualisierte Übersprungshandlungen niemanden verletzen kann. Shadow darf nicht gewürgt, nicht auf den Boden gedrückt und nicht mehr im Nacken gepackt werden. Stattdessen müssen seine Bedürfnisse befriedigt und er selbst zur Kooperation mit Menschen motiviert werden.


Ein kurzes Statement zu der sich schier endlos ziehenden „Halsband vs. Geschirr“-Debatte: Grundsätzlich ist es völlig egal, ob ein Hund an einem Halsband oder einem Geschirr geführt wird. Beides eignet sich hervorragend dazu, einen Hund zu sichern und zu führen. Warum ich, und sehr viele andere Trainer, bei einem stark an der Leine ziehenden Hund ein Brustgeschirr empfehlen, liegt daran, dass ein Hund, der kontinuierlich an einem Halsband zieht, über kurz oder lang Gefahr läuft, an Verspannungen und Verrenkungen der Halswirbel und der Wirbelsäule zu erkranken. Weiterhin besteht die Gefahr eines Kehlkopfkollapses, eines Trachealkollapses und einer sporadischen Hals-Zungenbein-Lähmung. Die Atemnot, unter der ein Hund dadurch leidet, erschwert ihm aufgrund schlechter Sauerstoffversorgung des Gehirns das Lernen und wird zudem emotional negativ assoziiert. Würge- oder Stachelhalsbänder sind nicht die Lösung für einen Hund, der an der Leine zieht. Diese rein aversiven Methoden führen zu einer Verknüpfung von Halsband, Leine, Spaziergehen und im schlimmsten Fall sogar zu einer Verknüpfung des Hundeführers mit Schmerz. Der Mensch selbst kann zum Aversivstimulus werden, was jegliche Führungsqualitäten untergräbt, das Vertrauen schmälert und den Willen zur Orientierung am Menschen behindert.
Ein Hund, der gelernt hat, kontinuierlich und stark an der Leine zu ziehen, erhält kein Brustgeschirr, damit er stärker ziehen kann, sondern damit er sich nicht verletzt. Erst durch körperliches Wohlbefinden öffnet sich ein Hund und lernt am schnellsten und effektivsten.
Auf der Homepage eines selbsternannten und von Millan inspirierten Hundetrainers las ich einmal, dass ein Brustgeschirr jeden Hund zum Ziehen animiert, weil das in seinen Genen liegt. Diese Behauptung ergibt evolutionsbiologisch selbstverständlich keinerlei Sinn ergibt. Ein leinenführiger Hund kann an Halsband oder Geschirr geführt werden. Das bleibt dem Besitzer überlassen, der selbst entscheiden kann, was ihm besser gefällt, beziehungsweise mit was sein Hund besser zurecht kommt (es gibt auch Hunde, die keine Geschirre mögen). Ein Hund jedoch, der sich oft unkontrolliert in die Leine wirft, oder sehr stark zieht, sollte ein Brustgeschirr tragen, allein schon seiner Gesundheit wegen. Individuell maßgeschneiderte Führgeschirre dieser Art werden auch auf Facebook oder in Hundeforen angeboten. Ich selbst habe maßgeschneiderte Geschirre für meine Hunde bei „Betty Dogsfashion“ anfertigen lassen.



Nach diesen vier Minuten, in denen ich mir angehört habe, welches konkrete Problem die Besitzer mit Shadow haben, schalte ich den Ton der Sendung ab. Damit möchte ich erreichen, dass ich nur anhand der Interaktionen, die nun zwischen Cesar Millan, Shadow, seinen Besitzern und seinem Umfeld geschehen, herausfiltern kann, welche von Millan getätigte Trainingsmaßnahmen sinnig oder unsinnig sind und wie Shadow im Speziellen darauf reagiert. Ich möchte nicht, dass meine Eindrücke getrübt werden durch etwaige dramaturgische Hintergrundmusik und Geräusche, Geschrei oder den Erklärungen von Cesar Millan. Ich sehe mir jede Trainingssequenz auf diese Weise an, ob es nun Millan ist, Rütter, Stilwell, Nowak, Grewe, Lübbe, Dunbar, Abrantes oder K9-1. Fairerweise will ich aber noch hinzufügen, dass ich die Folge mit Shadow bereits vorher kannte, sie aber nie im Detail analysiert habe.
Jedem, der dieses Kapitel nun liest und sich dabei parallel das Video ansieht, empfehle ich ebenfalls, ab jetzt den Ton auszuschalten.


1. Durchlauf: Studium der Folge ohne Tonspur

Zunächst sitzen die Besitzer mit Cesar Millan zusammen. Offenbar erklären sie ihm, welches Problem sie mit Shadow haben, damit er sich ein Bild davon machen kann, warum sie ihn zu Hilfe geholt haben. Hineingestreut wird eine Videosequenz, in der Shadow und Bailey miteinander spielen. Auch eine Sequenz mit den Kindern wird gezeigt. Shadow bleibt sehr ruhig.
Dann wird zu einer Sequenz geschaltet (4:57), in der Shadow neben seinem Besitzer auf der Straße sitzt. Ein anderer Hund bellt ihn an. Shadows Leine ist locker und er selbst bleibt trotz des Bellens entspannt sitzen.
In der darauffolgenden Sequenz sehen wir eine Wiederholung, die Sequenz wurde davor schon in Ausschnitten gezeigt. Ein Border Collie stürmt auf Shadow zu, erhält von seinem Führer recht viel Leine, der Abstand zwischen ihm und Shadow verringert sich dadurch in kurzer Zeit dramatisch. Im Hintergrund wird Shadow von seiner Besitzerin zurückgehalten, das Kettenhalsband ist zugezogen, die Leine komplett stramm. Shadow versucht sowohl, den Border Collie auf Abstand zu halten, als sich auch gegen seine Besitzerin zu wehren, die ihn einmal mehr würgt.

Nun tritt Cesar in Interaktion mit den Hunden Bailey und Shadow. Er steht gelassen im Raum und geht nicht auf die Hunde ein. Bailey mustert Millan flüchtig, scheint aber kein Interesse an ihm zu haben. Shadow zeigt Interesse an seinen Besitzern. Er legt die Ohren an, zieht die Lefzen ein klein wenig hinter und sucht Kontakt zu seinen Besitzern.
Millan scheint für die Hunde schnell vergessen zu sein, kurz darauf spielen sie bereits wieder. Das Spiel ist keineswegs grob, Shadow gebärt sich allerdings etwas aufdringlich. Die Besitzerin trennt die beiden Hunde sanft, aber bestimmt voneinander. Beide Hunde gehen problemlos auf diese Forderung ein. Nur Sekunden später beginnt Shadow das Spiel erneut. Es ist nur von kurzer Dauer, dann lässt er Bailey in Ruhe. Es sind bereits ein paar Sekunden vergangen, nachdem Shadow das Spiel abgebrochen hat. Erst jetzt trennt die Besitzerin die beiden wieder. Falls dies die Absicht einer Korrektur war, kam diese viel zu spät.
Sogleich sieht man, wie die Besitzerin Bailey im Nacken packt. Einen sichtbaren Grund dafür gibt es nicht. Da sie aber gleich danach auch Shadow im Nacken packt und dieser sich hinsetzt, wird sie vermutlich auch von Bailey verlangt haben, sich hinzusetzen. Er befindet sich in diesem Moment leider nicht zur Gänze im Bild.

Bei 7:08 sieht man, wie Cesar Millan Shadow nach draußen führt. Die Familie folgt ihm. Es fällt auf, dass Shadow nun keinen Kettenwürger mehr trägt, sondern ein Stachelhalsband. Zu erkennen ist dies daran, dass kein einzelner Kettenstrang zur Leine führt, sondern zwei. Es wird nicht klar, ob das Stachelhalsband schon zuvor von den Besitzern benutzt wurde, oder ob er es nun zum ersten Mal trägt.
Auf der Straße wartet bereits eine Hundebesitzerin mit Border Collie. Am Hund, vor allem aber an der Jacke der Besitzerin, erkenne ich, dass es dieselbe Hundebesitzerin ist, die bereits zweimal zuvor gezeigt wurde und die ihrem Border Collie so viel Leine gab, obwohl dieser unkontrolliert und offensiv auf Shadow losstürmte und sich in die Leine hing. Die Art, wie die Frau dort bereits wartet, lässt mich vermuten, dass sie extra zu Trainingszwecken konsultiert worden ist. Mit Augenmerk auf die Tatsache, dass sie selbst situativ nicht in der Lage war, ihren Border Collie vernünftig zu führen, sind sie und ihr Hund eine eher schlechte Wahl für unterstützende Komparsen. Es ist schwierig genug, einen Hund mit artgenossenspezifischer Aggression zu trainieren. Warum kein Hund gewählt wurde, der absolut souverän und ruhig im Umgang ist, erschließt sich mir hier nicht. Ein zweiter Hund mit dieser speziellen Art von Aggression provoziert Shadows Aggression. Beim Training mit einem souveränen Hund hätte er zuerst lernen können, sich an seinen Besitzern zu orientieren. Beim Hundetraining beginnt man in Situationen, die für den Hund am leichtesten zu meistern sind. Eine Gegenüberstellung mit einem Hund, der selbst impulsiv ist und den Shadow zudem kennt und auf den er bereits zuvor aggressiv reagiert hat, führt dazu, dass Shadow sich nicht auf seine Besitzer, sondern nur auf den Hund konzentriert. Auch fraglich ist, wieso sich Cesar Millan Shadows Alltag außerhalb des Hauses nicht erst einmal mit Distanz ansieht, um festzustellen, warum Shadow Aggressionen zeigt und wie die Kommunikation zwischen ihm und seinen Besitzern aussieht.

Bei 7:16 sehen wir bereits, dass auch Cesar Millan Shadow an strammer Leine führt, obwohl Shadow friedlich neben ihm herläuft. Cesar sieht nach hinten, wo die Besitzer ihm in einigem Abstand folgen. Er gibt Instruktionen, vermutlich weist er sie an, auf Abstand zu bleiben. Shadow läuft nicht entspannt neben ihm. Der Körper bleibt steif, die Ohren flach angelegt, Shadows Augen sind verkniffen. Cesar Millan ruckt nicht an der Leine, dennoch erkennt man bei mehrmaligem und sehr genauem Hinsehen, dass er Shadow immer wieder zu sich heranzupft. Seine Leinenhand ist nicht ruhig und allgemein ist auch Cesar Millans Körpersprache nicht besonders ruhig. Er legt ein extrem hohes Tempo vor, dirigiert Shadow durch die Leine immer wieder sehr dicht an sich heran. Es soll wohl den Eindruck machen, dass er bestimmend voranschreitet und Weg und Tempo selbst wählt, aber so komplett ohne Ton wirkt das Prozedere eher angespannt und hektisch.

Für einen Augenblick wird wieder die Hundebesitzerin mit Border Collie eingeblendet. In der nächsten Sequenz sieht man, wie Shadow versucht, nach vorne zu gehen und zu bellen. Besonders schwierig ist hier nun, dass nicht klar ersichtlich ist, wie nahe Cesar Millan und Shadow dem Border Collie überhaupt gekommen sind. Shadow hätte auf so gut wie jeden Reiz reagiert haben können. Ob es wirklich der Border Collie war, sieht man hier nicht, denn die kurze Einblendung davor war hineingeschnitten. Auch sieht man nicht, wie der Border Collie reagiert.
Auch Cesar Millan hält die stramme Leine nach oben, um Shadow wieder unter Kontrolle zu bringen. Hier ist Millans Körpersprache ausgesprochen ruhig, er lässt sich nicht von Shadow beeindrucken. Nach der Maßregelung setzt sich Shadow vor Millan hin und gibt nach. Leider gibt Millan der Leine nicht nach und hält sie weiterhin stramm. Er ruckt mit der Leine sogar noch einmal nach oben, als Shadow sich vor ihn hinsetzt. Daraufhin beginnt Shadow damit, sich wie gewohnt gegen die Leine und das Würgen zu wehren.
Kurz darauf setzt Shadow sich erneut hin. Seine Ohren zucken nach hinten, er blinzelt, er leckt sich ganz kurz über das Maul. Obwohl er sitzt, ruckt Millan auch hier wieder erneut an der Leine. Trotzdem bleibt Shadow sitzen. Millan hebt die Hand, gibt ein Handzeichen. Die Frau mit dem Border Collie, der immer noch völlig ruhig dasitzt (was ein wenig stutzig macht, wo der Border Collie doch selbst recht offensiv reagiert hat, sobald er Shadow nahe kam. Wieder einmal wird nicht klar, wie nahe sich Shadow und der Border Collie sind, oder ob die Frau überhaupt zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Hund dort steht), wird erneut eingeblendet. Offenbar fordert Cesar Millan sie auf, dort zu bleiben, wo sie gerade steht.

Cesar lockert die Leine immer noch nicht. Leider kann ich durch den fehlenden Ton nicht hören, ob Shadow bereits Probleme mit der Atmung hat. Als Cesar Millan wieder losgehen möchte,  hält er ihm für einen kurzen Augenblick (wahrscheinlich aus Versehen) die Hand direkt vor die Schnauze, mit der er die Leine stramm hält. Shadow nutzt diesen Augenblick, um genau diese Hand anzugreifen. Wie bereits aus der Interaktion mit Shadows Besitzern ersichtlich, attackiert Shadow primär nicht den Menschen an sich, sondern vor allem die Hand/den Arm, der die Leine hält, oder eine Hand, die ihm hektisch zu nahe kommt oder ihn packen will. Es ist vor allem seine Besitzerin Alex, die dieses Verhalten bei ihm provoziert und gefördert hat. Bei den einzigen Sequenzen, in denen Shadow ruhig an einem Hund vorbeiging oder sogar vor ihm sitzen blieb, wurde er von seinem Besitzer Alan geführt.
Cesar reißt Shadow an der Leine herum. Das ist in diesem Moment reiner Selbstschutz und nichts, wofür man ihn kritisieren kann. Shadow jedoch attackiert, wie man deutlich erkennt, die Leine, die Cesar in der Hand hält. Shadow hegt keine Intention, Millan zu beißen, er wehrt sich wie gewohnt gegen die Leine.
In den folgenden Sekunden bleibt Cesar Millan sehr ruhig. Bestimmt und ohne Hektik bleibt er stehen und bringt seine Hände außerhalb von Shadows Bissreichweite. Shadow selbst ist einzig und allein daran interessiert, die Leine zu attackieren. Er geht nicht direkt auf Millan los, sondern nur auf die Leine. Auch hier wird die Leine nicht gelockert, sondern bleibt strammgezogen.

In Minute 8:08 zeigt Shadow zum ersten Mal, dass er nicht weiter kämpfen, sondern fliehen will. Er geht auf Abstand zu Millan, noch immer bleibt die Leine am Stachelhalsband stramm. Dann beginnt er damit, sich kontinuierlich über die Nase zu lecken. Millan geht auf diese Kommunikation nicht ein. Wichtig und richtig wäre es in diesem Augenblick gewesen, die Leine zu lockern und Shadow dafür zu loben, dass er sich dafür entschieden hat, sich hinzusetzen und ruhig zu bleiben. Shadow kann nicht arbeiten und lernen, solange er mit einer strammgezogenen Leine und einem Stachelhalsband kämpfen muss. Er kann auch nicht wissen, was von ihm verlangt wird, wenn er in der entsprechenden Situation kein positives Feedback bekommt.

In 8:20 bekommt Shadow endlich ein neues Halsband. Leider handelt es sich hier aber lediglich um die Endungsschlaufe der Leine, mit der Millan ihn zuvor geführt hat. Der Effekt gleicht dem eines Kettenwürgers, mit dem Unterschied, dass sich eine Moxonleine durch fehlende Glieder ein bisschen weiter und stufenloser zuziehen kann. Als Cesar Millan mit Shadow an seiner Seite weitergeht, ist die Leine noch immer nicht locker. Shadow wird in diesem Moment jedoch nicht gewürgt.
Bei 8:42 wird Shadow ohne Grund willkürlich von Millan gemaßregelt. Er gibt einen Ruck an der Leine und wahrscheinlich hat er ihn im selben Moment, wie für sein Training üblich, angezischt. Shadow setzt sich sofort hin. Außerdem ist zu sehen, dass er etwas mühsam schluckt (auch Hunde, die sich verschlucken, zeigen tanzende Kehlköpfe). Falls Millan bisher an irgendeiner Stelle erwähnt haben sollte, Shadow wäre ein dominanter Hund (im Sinne von charakterlich dominant), hat er sich geirrt. Shadow ist nicht dominant (er kontrolliert die Situation nicht) und versucht auch nicht, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Er zeigt Millan gegenüber submissives Verhalten und seine einzigen Aggressionen richten sich in moderaten Maß gegen fremde Hunde, in hohem Maß gegen Halsband und Leine. Seine Aggression wird durch das Würgen und den Schmerz verschlimmert.

Als Millan ihm über den Kopf streichelt, zeigt Shadow bereits Zeichen von Ermüdung und Stress. Er hechelt sehr stark, seine Ohren sind angelegt, er blinzelt viel, seine Augen sind verkniffen. Shadow geht es nicht gut. Er ist nicht entspannt. Hier sieht man nun auch zum ersten Mal, dass die Frau mit dem Border Collie Shadow gegenüber auf der anderen Straßenseite steht. Ob sie schon davor dort stand, ist leider nie ersichtlich gewesen. Sehen kann man nur, dass sie jetzt dort steht.
Anschließend wird ein „Coming up“ eingeblendet. Die dort gezeigten Szenen werde ich jetzt noch nicht kommentieren, da sie aus dem Zusammenhang gerissen wären.

***

Nach der Pause wird zunächst bereits gezeigtes Videomaterial rekapituliert. Shadow wird vorgestellt, die Sequenz mit dem Border Collie wird erneut als Allzweckbeispiel herangezogen, das Shadows Aggressivität demonstrieren soll, obwohl er in dieser Szene sehr klar provoziert wurde und auch der Border Collie nicht unter Kontrolle war. Auch Shadows unentwegter Kampf gegen das Würgehalsband und die Leine wird gezeigt.
Als Cesar Millan mit Shadow nun neben der Frau und dem Boder Collie in einigem Abstand herläuft, ist Shadow relativ ruhig, die Leine aber immer noch kurz. Die Frau verlangsamt ihre Schritte, wendet sich Millan zu und so auch ihr Hund. Shadow geht darauf ein, was eine völlig selbstverständliche Reaktion ist und kein Grund zur Beunruhigung. Wenn man keinen Kontakt wünscht, sollte man hier einfach weitergehen. Als Shadow zum Boder Collie blickt, wird er dafür gemaßregelt. Millan tritt ihm diagonal hinter seinem Rücken in die Flanke. Daraufhin beginnt Shadow, sich ernsthaft zu wehren. Er attackiert diesmal nicht die Leine, sondern Millans Arm und reißt an seinem Ärmel.
Diese Szene ist ein gutes Beispiel dafür, wie Gewalt Gegengewalt erzeugt. Shadow ist kein Hund, der unfaires Verhalten in jeder Situation einfach hinnimmt. Bisher wurde Shadow auf gefährliche Art und Weise, besonders von seiner Besitzerin Alex, drangsaliert und bedroht. Millan kam nicht, um Shadow zu helfen, sondern seinen Besitzern, die ein Problem damit haben, dass ihr Hund sich gegen ihre aggressive und unfaire Behandlung wehrt. Millan durchbricht diesen Kreis nicht, sondern führt ihn weiter.

Shadow wird nun an der Würgeleine hochgehoben. Seine Vorderpfoten berühren den Boden nicht mehr und er hängt mit dem Vorderkörper in der Würgeleine, die auf seinen Zungenbeinmuskel drückt. Bei 10:12 sieht man, wie Shadow Probleme mit dem Schlucken bekommt. Weiterhin zieht er seine Lefzen nach hinten.
Shadow startet einen zweiten Versuch, sich zu wehren, nachdem seine Vorderpfoten wieder den Boden berühren. In der ganzen Zeit wurde die Leine nicht locker gelassen. Bei 10:17 setzt sich Shadow bereits wieder hin. Trotzdem hebt Millan ihn ein zweites Mal an der Würgeleine nach oben. Hier muss man nun zum ersten Mal von Strangulation sprechen. Shadow setzt sich wieder hin, den Bruchteil einer Sekunde später attackiert er Millan erneut. Bei 10:27 sitzt er wieder und erneut ist zu erkennen, dass er schwer schluckt. Shadows Augen sind aufgerissen. Er schluckt mehrere Male hintereinander und ringt nach Luft. Noch einmal greift er Millan an und versucht, sich zu wehren. Dieses Mal gilt seine Attacke jedoch wieder der Leine, an der er zerrt. Bei 4:41 sieht man noch einmal, wie Shadow schluckt. Die folgenden Sekunden wehrt sich Shadow massiv und tatsächlich zunehmend verzweifelt gegen die Strangulation. Bei 10:58 sieht man ihn plötzlich langsam einknicken, nur einen Bruchteil, bevor Millan ihn zu Boden drückt.

Seit dem Tritt, den Millan ihm gab, und dem Augenblick, als Shadow zusammenbricht, ist genau eine Minute vergangen. Der Hund wurde also eine geschlagene Minute ununterbrochen gewürgt. Bei 11:02 ist deutlich zu erkennen, wie Shadow nach Luft schnappt. Die Sekunde 11:06 gibt uns einen sehr guten Blick auf seine Zunge. Sie ist bereits blau angelaufen. Shadow zeigt körperlich sichtbare Erstickungssymptome.
Als Shadow auf dem Boden liegt, sind Augen und Nasenlöcher geweitet, der Hund röchelt nach Luft. Er bewegt sich zaghaft, will den Kopf heben. Millan erlaubt es nicht und hält ihn im Nacken fest. Der Fokus der Kamera richtet sich auf den Kratzer an Millans linkem Arm.
Nur langsam kommt Shadow wieder zu Atem. Er liegt ruhig auf der Seite, die Lefzen jedoch sind verkniffen. Shadow ist nicht entspannt, ganz egal, was Millan eventuell in diesem Moment sagt. Shadow zeigte bereits Anzeichen von Ersticken. Ein Hund kann nicht zur Ruhe gezwungen werden, indem man ihn stranguliert.
Erneut zeigt Millan den Kratzer, den Shadow ihm zugefügt hat. Mit diesem Stilmittel wird suggeriert, dass Shadow ein gefährlicher Hund ist, der Menschen verletzt. Millan demonstriert auch die Löcher in seinem Pullover.

Es werden zwei Videos zum Vergleich eingeblendet. Einmal das Video, das uns den momentan am Boden liegenden Shadow zeigt. Links daneben das Video von Millans Kampf mit Shadow, welches dazu geführt hat, das er aktuell überhaupt erst am Boden liegt.
12: 34 zeigt uns zudem, dass auch der Border Collie an einer dünnen Würgekette geführt wird.
Bei 13:22 steht Shadow wieder auf. Da er sich dabei an Millan orientiert, vermute ich, dass dieser ihn, wahrscheinlich verbal, dazu aufgefordert hat. Shadow leckt sich das Maul. Als er aufsteht, wirkt er steif und keinesfalls entspannt. Noch atmet er nicht vollständig ruhig. Er schüttelt sich – eine typische Geste, um in diesem Kontext  Stress abzubauen.

Millan führt Shadow weiter die Straße entlang. Noch immer ist die Leine nicht locker. Shadow zeigt eine stark gehemmte Körpersprache: Sein Schwanz wedelt sehr langsam und niedrig, die Ohren sind angelegt und er stakst beim Gehen. Er leckt sich wiederholt über Nase und Maul. Das typische Aggressionsverhalten ist zwar abgestellt, der Hund in seiner Kommunikation und seinem individuellen Verhalten jedoch beschnitten. Sein Ausdrucksverhalten zeigt nach wie vor Anspannung, an lockerer, langer Leine darf er nach wie vor nicht laufen. Immer wieder, wenn Shadow zu dem Border Collie blickt, wird er dafür gemaßregelt.
Auch beim gemeinsamen Gang mit den Besitzern erlaubt Millan Shadow nicht, seine Aufmerksamkeit irgendetwas zuzuwenden. Wandert sein Blick woanders hin als nach vorne, wird er gemaßregelt. Shadow soll seine Umwelt nicht mit allen Sinnen erleben – er soll einfach nur wie ein Roboter nebenher laufen. Als Shadow sich hinsetzt, hechelt er noch immer und blinzelt häufig. Während Millan sich mit den Besitzern unterhält, tut Shadow gar nichts. Er nimmt seine Umwelt kaum wahr. Die Augen sind fast geschlossen, die Ohren nur nach hinten gelegt.

Noch einmal wird Millans Kampf mit Shadow wiederholt, während der Besitzer spricht. Selbst beim weiterführenden Gespräch mit Shadows Besitzern hält Millan die Leine noch immer kurz und angespannt. Shadow erhält für sein aktuell ruhiges Verhalten keinerlei positive Bestätigung, nicht einmal die Leine wird gelockert.

Bei 15:49 zeigt Shadow Unsicherheit. Die Ohren sind flach angelegt, sein Kopf geht zurück. Er bekommt eine Maulschlinge um. Mit dieser Schlinge kann ein Hund nicht hecheln. Sollte Shadow gewürgt werden, während er diese Schlinge trägt, kann er über sein Maul nicht mehr atmen. Weiterhin wird ihm nun die letzte Möglichkeit, sich überhaupt zu wehren, genommen.
So verschnürt und gehemmt wird Shadow dazu gezwungen, an einem Rudelspaziergang teilzunehmen. Ihm wird durch die Schlinge die Möglichkeit genommen, artspezifisch mit den anderen Hunden zu kommunizieren. Beschwichtigungssignale über Lefzen und Zungenlecken sind nun nicht mehr möglich, dem Hund werden Möglichkeiten zur natürlichen Kommunikation verwehrt.
Shadow ist in moderatem Maße aufgeregt, sein Schwanz wedelt locker hin und her. Es ist schwer zu sagen, ob die Aufregung positiv oder negativ ist, in diesem Kontext jedoch, wo er sich nicht gegen missachtete Individualdistanz wehren und nicht artgerecht kommunizieren kann, ist es wahrscheinlicher, dass Shadow nervös und nicht freudig erregt ist. Seit Millan zu Hilfe gerufen wurde, haben die Besitzer nicht ein einziges Mal selbst mit ihm gearbeitet.
Als Shadow und der Border Collie sich erneut zu nahe kommen, tritt Millan Shadow wieder in die Flanke. Ich gehe davon aus, dass Shadow geknurrt hat. Knurren ist eine Möglichkeit der Kommunikation und ist weder gefährlich, noch respektlos. Shadow wünscht sich Abstand, wird aber stattdessen gemaßregelt. Er sieht Millan daraufhin an – er ist nun nicht mehr in der Lage, ihn mittels Naselecken zu beschwichtigen. Shadow kann nun nur noch die Willkür ertragen, mit der er behandelt wird.

Bei 16:34 ist die Leine zum allerersten Mal locker. Shadow läuft weitestgehend entspannt – ebenfalls zum ersten Mal. Bei 16:39 sitzt Shadow da und ein Hund läuft sehr nahe an ihm vorbei und beschnüffelt ihn. Auch hier ist die Leine locker und Shadow wirkt nicht angespannt. Kommunizieren kann er jedoch durch die Maulschleife noch immer nicht. Shadow blickt dem anderen Hund hinterher und wird dafür von Millan bestraft. An dieser Stelle bin ich ernsthaft daran interessiert, was man eigentlich von Shadow erwartet? Dass es dasitzt und alles regungslos über sich ergehen lässt, ohne in Kommunikation mit seinen Artgenossen zu treten? Jeder Versuch zu kommunizieren, wird von Millan vehement abgebrochen und bestraft. Millan erlaubt nicht, dass Shadow mit den wenigen Mitteln, die ihm noch zur Verfügung stehen, kommuniziert.
Bei 17:05 zwingt Millan Shadow, sich hinzulegen. Shadow zeigt anhand seines restlichen Ausdrucksverhaltens mittels Rute und Ohren, dass er das nicht möchte. Eine Wahl hat er aber keine. Er wird dazu gezwungen, liegenzubleiben und den Kontakt durch andere Hunde zu erdulden. Er hat keine Möglichkeit, sich zu wehren. Die Möglichkeit zu kommunizieren wurde ihm genommen und er wurde von Millan beinahe erstickt. Shadows Kopf bleibt erhoben. Er ist nicht entspannt, sondern angespannt. Er sucht Blickkontakt, versucht, sich zu orientieren. Orientierung wird nicht gegeben, Shadow wird in dieser hilflosen Position von allen alleingelassen.

Im Verlauf senkt Shadow seinen Kopf. Er orientiert sich zu diesem Zeitpunkt an niemandem mehr. Seine Besitzer haben ihn im Stich gelassen. Anschließend wird Shadow dazu gezwungen, sich gänzlich auf die Seite zu legen. Millan nimmt ihn dafür am Halsband und legt seinen Kopf seitlich auf den Boden.
Im vierten Kapitel dieser Abhandlung „Methodik und kynologischer Vergleich“ wurde im Punkt „Alphawurf“ bereits eindrucksvoll und unter natürlichen Voraussetzungen demonstriert, wie ein Alphawurf unter Hunden tatsächlich aussieht. Darin aufgeführt ist auch ein Video, in dem sich ein Hund freiwillig einem dominanten Hund unterwirft, nachdem dieser ihm mit Drohgebärden begegnete. Was Cesar Millan hier macht, ist kein natürlicher Alphawurf, weder unter Hunden, noch unter Wölfen. Was er tut, ist, den Hund in eine völlig hilflose Position zu zwingen. Shadow hat in diesem Moment keinerlei Orientierung und muss seine ungeschützte Kehle und seinen Bauch darbieten. Dies ist eine Form von massiver und schädigender Gewalt.
Shadow will seinen Kopf nicht flach liegen lassen. Millan steht in der Hocke über ihm. Seine Gestik ist in diesem Kontext bedrohend.
In 18:04 zeigt Shadow die letzte Möglichkeit zur Kommunikation, die ihm jetzt noch bleibt: Er pfötelt. Hilfe bekommt er aber nicht.

Erst ab 18:38 arbeiten die Besitzer selbst mit Shadow zusammen. Die Besitzerin führt ihn noch immer an der kurzen Leine und noch immer mit Maulschlaufe. Shadow wurde in den letzten Minuten gewürgt, im Nacken gepackt, fast erstickt, getreten und in eine schutzlose Körperhaltung gezwungen. Er wurde in seiner Kommunikation eingeschränkt und für jeden Versuch, zu kommunizieren, gestraft. Was wir nun sehen, während Shadow ruhig an anderen Hunden vorbeiläuft, ist ein Hund, der bis ins Mark gebrochen wurde. Es ist kein Hund, der locker und entspannt an der Leine läuft, kommuniziert und sich an seiner Besitzerin orientiert. Es ist ein Hund, der in jeder erdenklichen Form abgeschaltet wurde und gehemmt ist.

Bei 19:12 soll Shadow auf ein Laufband gehen. Er wehrt sich dagegen, trägt jedoch noch immer eine Würgeleine und wird auf das Laufband geschleift. Als er versucht, hinunterzugehen, wird an der Leine gezogen. Erneut wird Shadow gewürgt. Er will sich wehren, attackiert aber nur äußerst zaghaft. Er verletzt seine Besitzerin nicht, er verwendet eine Maßregelung mit der Intensität des Schnauzgriffes und zeigt, dass es ihm nicht gefällt, auf dem Laufband zu gehen und gewürgt zu werden.
Shadow zeigt deutlich, dass er am Laufen auf dem Laufband kein Interesse hat. Es wird auch nirgendwo gezeigt, ob Shadow das Laufband überhaupt kennt und ob und wie er daran gewöhnt wurde. Er soll darauf laufen und wird, wenn er sich dagegen wehrt, zur Strafe gewürgt. Er erhält keinerlei positive Bestätigung in den Augenblicken, in denen er folgsam auf dem Laufband läuft. Erwünschtes Verhalten wird von allen Seiten komplett ignoriert und nicht honoriert. Die Würgeleine ist am Laufband befestigt. Sollte Shadow stürzen, wird er sich strangulieren.
Als Millan Shadow übernimmt und ihn dazu bringen will, auf dem Laufband zu gehen, ist Shadows Schwanz eingeklemmt. Seine Ohren stehen nicht aufmerksam und neugierig nach vorne, sondern sind flach angelegt. Shadow hat Angst.
Auch am Ende, als Shadows Besitzer ihn streichelt, bleiben die Ohren angelegt, er hechelt und es zeigt sich uns kein entspannter Hund. Er hat auf dem Laufband nicht rennen müssen, von einem Erregungszustand durch körperliche Ertüchtigung kann also nicht die Rede sein. Shadow wird vom Laufband geführt. Seine Ohren bleiben angelegt.
Anschließend verabschiedet sich Cesar Millan von der Familie. Ab 23:23 beginnt in dem Video ein anderer Fall. Shadows Fall ist abgeschlossen.


2. Durchlauf: Studium der Folge MIT Tonspur

Nun schalte ich den Ton wieder ein und höre mir an, wie Cesar Millan Shadow eingeschätzt hat, warum er Shadow strangulieren und am Ende völlig hilflos am Boden hat liegen lassen.
Ich beginne ab dem Moment, als Cesar Millan das Haus betritt und sich mit den beiden Besitzern unterhält.
Sie erzählen, dass Shadow, als sie sich ihn angesehen hatten, ein verspielter, junger Hund war, der keine Verhaltensprobleme zeigte. Sie brachten verschiedene Freunde mit ihren Hunden mit und auch ihre Kinder, um zu sehen, wie Shadow mit all dem umging. Er kam mit allen Hunden und auch den Kindern gut zurecht und spielte sehr schön mit den anderen Hunden. Es gab keinerlei Warnzeichen, dass es sich bei ihm um einen Problemhund handeln könnte.
Nach einigen Monaten und einigen Spaziergängen, begann er damit, immer aggressiver zu werden. Nicht gegenüber jedem Hund, aber anscheinend tendenziell gegenüber anderen Rüden.
Millan wirft sofort ein, dass der Hund dominant geworden ist.
Aus dem bereits komplett gesehenen Video wissen wir, dass Shadows Aggressionen sich hauptsächlich auf den Border Collie konzentrieren. Es ist naheliegend, dass es sich nicht generell um Aggressionen gegenüber Rüden handelt, sondern gegenüber bestimmten Rüden und im Speziellen gegen diesen einen. Zu Beginn sehen wir Shadow nur mit sehr wenigen Hunden interagieren, von denen die meisten immer dieselben sind. An dieser Stelle kann man vermuten, dass Shadow gar nicht so viele andere Hunde kennt. Man sieht ihn nie direkt mit anderen Hunden interagieren, außer mit Bailey, und man sieht auch nicht, ob sich seine Aggressionen nur an der Leine zeigen und er im Freilauf eventuell völlig anders ist.

Die Besitzerin gibt außerdem zu, Cesar Millan und sein Konzept bereits aus seinen Büchern zu kennen. Fraglich bleibt hier, inwieweit und inwiefern sie sein Konzept umgesetzt hat. Da Millans Konzept im Wesentlichen auf Bewegung-Disziplin-Zuneigung aufgebaut ist, schien Shadow die elementare Basis dieses Konzepts komplett zu fehlen – nämlich die Bewegung. Ein Hund, der permanent an einer kurzen Leine geführt wird, hat mitnichten genug Bewegung. Da Shadow zudem zu einer sehr bewegungsfreudigen Rasse gehört, ist Bewegung für ihn doppelt wichtig. Hunde, die Bewegung brauchen, aber diese nicht ausreichend bekommen, entwickeln sehr häufig Verhaltensprobleme, die sich in Aggression äußern können. Der Grund für Shadows Aggression könnte daher nicht angebliche Dominanz, sondern massiver Bewegungsmangel sein, aufgrund dessen er angestauten Frust an fremden Hunden auslässt.
Es wird aber nicht danach gefragt, wie Shadows Alltag aussieht, wie und wie oft er bewegt wird und wie sein allgemeiner Trainingszustand ist. Es wird auch nicht gefragt, was er an Nahrung bekommt, die ebenfalls Auswirkungen auf das Verhalten haben kann, oder ob der Hund jemals einem Tierarzt vorgestellt wurde. Stattdessen geht Millan gleich dazu über, die Hunde ansehen zu wollen und wir springen zur Situation in der Küche.

Cesar erklärt, dass sein Eindruck, den er von den beiden Besitzern hat, einer ist, in dem sich die beiden zwar vorher eingehend informiert hatten,  aber sie nicht genau wissen, was sie tun und sich daher auch nicht wirklich klar darüber sind, was sie genau wollen.
Als Shadow Bailey spielerisch im Nacken packt, fragt Millan, ob Shadow auch sie beide in etwa mit dieser Intensität und auf diese Art packt. Die beiden bejahen. Angeblich eskaliere es auch hin und wieder, wenn Bailey und Shadow spielen und Cesar fragt, was die beiden machen würden, um das zu unterbinden. Daraufhin trennt Alex die beiden Hunde sanft und bestimmend mit einem lauten „Hey“.
Millan fragt, ob die Besitzer je versucht hätten, die beiden Hunde in ihrem Treiben nicht einfach nur kurzfristig zu stoppen, sondern sie auch in einen ruhigen, submissiven Zustand zu bringen. Alex demonstriert die Art und Weise, wie sie das macht, indem sie beide Hunde im Nacken packt und ihnen befiehlt, sich hinzusetzen. Für sie selbst war es in diesem Moment eine Demonstration, für die Hunde jedoch eine aus der Luft gegriffene, willkürliche Maßregelung.
Millan sagt, dass er Alex‘ Energie mag und die Art, wie sie mit den Hunden fertig wird. Wäre ich in diesem Moment zugegen gewesen, hätte ich ihr erklärt, dass es nicht nötig ist, einen Hund im Nacken zu packen, um ihn zum Sitzen zu bringen. Für Millionen Hundehalter weltweit ist das Kommando „Sitz“ etwas, das ihre Hunde im Schlaf beherrschen und für das sie kein Nackenschütteln brauchen. Mir zeigt es, das Alex nicht dazu in der Lage ist, ihren Hunden in ihrem eigenen Haus ein einfaches Kommando beizubringen und dass sie generell kein Kommando geben kann, ohne nicht gleichzeitig körperlich und aggressiv zu werden. Alex‘ Art, mit Hunden zu kommunizieren, ist fürchterlich laut und gleichzeitig auch sehr aggressiv. Sie schafft es nicht, ihre Hunde in den eigenen vier Wänden zur Ruhe zu bringen.

Anschließend geht Cesar mit Shadow an der Leine nach draußen. Shadow trägt nun ein Stachelhalsband. Jetzt erfahren wir, dass die Frau mit dem Border Collie eine Nachbarin ist. Dass Shadow in seiner Aggression sehr auf diesen Hund fixiert ist, ist daher nicht verwunderlich, da sie sich oft begegnen und jede Begegnung zu einem frustrierenden Erlebnis für ihn geworden ist. Cesar fordert Alex und Alan auf, auf Distanz zu bleiben, damit ihre Energie Shadow nicht beeinflusst. Meiner Meinung nach ist es kontraproduktiv, die Besitzer vom Training auszuschließen. Die Besitzer sollten diejenigen sein, an denen sich ein Hund orientiert. Ihn von seinen Besitzern zu trennen und ihn einer völlig fremden Person zu überlassen, kann viele Hunde stark verunsichern und das Verhalten stark beeinflussen. Nicht der Trainer muss mit dem Hund arbeiten, sondern die Besitzer. Der Trainer gibt lediglich Anleitung. Um einen Vergleich zu ziehen, ob die Besitzer ein Verhalten des Hundes negativ beeinflussen, muss eine Situation geschaffen werden, die inhaltlich völlig gleich abläuft – einmal mit Besitzer, einmal ohne. Nur so kann man wichtige Informationen herausfiltern, die einem sagen, inwiefern die Besitzer das Verhalten des Hundes beeinflussen.

Es kommt zu ersten Auseinandersetzung zwischen Shadow und Cesar Millan. Millan bleibt verbal sehr ruhig und bestimmt. Weder schreit er den Hund an, noch schüchtert er ihn körperlich oder verbal ein. Er droht ihm auch nicht. Lediglich die Leine bleibt stramm, sodass Shadow trotz Cesars vorbildlich souveränem und ruhigem Verhalten gewürgt wird. Cesar fordert die Nachbarin auf, dort stehen zu bleiben, wo sie ist.
Die Auseinandersetzung zwischen Millan und Shadow geht weiter. Shadow verhält sich laut, er bellt schrill und knurrt. Nach der Auseinandersetzung erklärt Millan, dass das Stachelhalsband ("prong") ersetzt werden soll, weil er das Aggressionslevel von Shadow zur Eskalation treibt. Stattdessen greift er zu einem einfacheren Basishilfsmittel und schlingt das Ende der Leine um Shadows Hals. Cesar Millan erklärt, dass hin und wieder die Hilfsmittel, die man benutzt, im Widerspruch zu dem stehen, was man eigentlich erreichen will. Auch erklärt er, dass er diese Art Hilfsmittel schon bei diversen anderen Hunden wie Pit Bulls, Rottweiler oder Schäferhunden benutzt hat und dass es ähnlich sei wie bei seiner Arbeit mit Wölfen. Wenn Cesar Millan mit einem Wolf gearbeitet und diesen an eine Leine genommen hat, hat er grundsätzlich mit Wölfen in Gefangenschaft gearbeitet, die man niemals und zu keiner Zeit mit Hunden vergleichen kann. Man kann sie nicht einmal mit freilebenden Wölfen vergleichen. Wölfe in Gefangenschaft zeigen unnatürliches Verhalten aufgrund eines unnatürlichen Habitats und einer unnatürlichen Rudelzusammenstellung. Wer hier vergleichen möchte zwischen seiner Arbeit mit gefangenen Wölfen und Hunden, besitzt weder Wissen über das eine, noch über das andere.

Millan erklärt, dass Shadow sich in einem dominanten Zustand befindet und dieses Hilfsmittel nötig ist, um den Zustand aufzuheben und umzukehren. Alex erklärt, dass es sie schwer getroffen hat zu hören, dass ihre Verwendung der Würgekette dazu geführt hat, Shadows Aggressionslevel zu steigern. Ihn nun mit einem anderen Hilfsmittel zu würgen, ist aber nicht die Lösung des Problems. Shadow hat kein Problem mit der Kette an sich, sondern mit dem Würgeeffekt. Er könnte problemlos an einer normalen Führkette ohne Würgeeffekt geführt werden. Die Frage, warum Cesar Millan Shadow an einem Stachelhalsband geführt hat, und ob dieses zuvor schon von den Besitzern verwendet wurde, wird nicht geklärt.
Anschließend wird das Coming up eingeblendet. Der Kommentator spricht davon, dass der „Wettstreit der Willensstärke“ gerade erst begonnen hat.

***

Nach der Pause fasst der Kommentator die Situation noch einmal zusammen. Er erzählt, dass Alex und Alan, als sie Shadow von einer Malamute-Rettungsorganisation adoptierten, dachten, sie hätten den perfekten Hund für ihre Familie gefunden. Aber der zweijährige Malamute wurde immer aggressiver und biss sogar seine eigenen Besitzer. Es wird die Frage in den Raum geworfen, ob Shadows Aggression wirklich das wahre Problem ist.
Die Nachbarin gibt an, dass das Problem mit Shadow schon länger besteht. Gleich danach beginnt der eigentliche Kampf zwischen Shadow und Millan, in dessen Zuge Shadow eine volle Minute gewürgt wird, bis er taumelt und zusammenbricht. In dieser Minute hört man außerdem im Hintergrund laufend Hundegebell. Shadow beginnt im Laufe der Strangulationsminute damit, zu röcheln. Er röchelt über Nase und Maul, was signalisiert, dass er weder über das eine, noch über das andere Luft bekommt. Sein Zungenbeinmuskel wird gequetscht.
Millan erklärt, dass es für Malamutes, Schäferhunde und Huskys typisch ist, immer wieder zuzubeißen und loszulassen, zuzubeißen und loszulassen. Nach jedem Zubeißen bleiben ihm nur Sekunden, um zu reagieren. Je mehr Shadow zubeißt, desto höher hält er die Leine und wartet. Bevor Shadow schließlich zusammenbricht, schafft er einen einzigen Biss, der Cesar am Arm verletzt und eine Wunde hinterlässt.

Danach sehen wir Shadow am Boden liegen, sichtlich um Atem ringend. Seine Zunge ist nicht mehr natürlich rosa, sondern blass und leicht blau angelaufen. Dies ist ein Indiz für Sauerstoffmangel. Durch das Würgen wurden Shadows Carotisarterien abgedrückt, die Sauerstoffversorgung zu seinem Gehirn (und allem anderen, was über der Würgeleine liegt) unterbrochen. Die Folgen sind akute Atemnot und Erstickungserscheinungen, Schwindel, kurzzeitige Taubheit und Blindheit.
Shadow liegt nicht ruhig am Boden, weil er entspannt und zur Ruhe gekommen ist, sondern weil er beinahe erstickt wäre und ihm dadurch Fähigkeiten wie Atmen, Sehen, Hören und Gleichgewicht genommen wurden. Shadow liegt auf dem Boden, um sich zu erholen – nicht, weil er entspannt ist. Auch Millan ringt um Atem. Er erklärt, wie wichtig es ist, dass Shadow nun am Boden liegt. Viermal hat er ihn gebissen. Laut ihm war das eine dominante Reaktion, dass Shadow sein Maul gebraucht hat. „Simple as that“.
Shadow ist nicht dominant, denn Dominanz ist keine Charaktereigenschaft. Er ist auch deshalb nicht dominant, weil er die Situation nicht kontrolliert.

Cesar erklärt, dass Shadow nun „umgeschaltet“ hat und nicht mehr attackieren, sondern sich entspannen will. Darum nahm er ihn im Nacken, drückte ihn auf den Boden und wartete darauf, dass Shadow in diesen ruhigen Zustand wechselte. Millan sagt, dass dies wichtig ist und dass dies auch etwas ist, was Hunde untereinander tun würden.
Das stimmt jedoch nicht. Hunde würgen sich nicht gegenseitig, bis einer von ihnen kurz vorm Ersticken ist. Millan verweist auf Shadows halb ausgefahrenen Penis und rechtfertig daran seine Dominanz. Er erklärt, dass Shadow sich in einem absoluten Zustand der Dominanz befand und dass er den Border Collie dominieren wollte. Seine Besitzerin erklärt, dass der Boder Collie nur in Shadows Gegenwart den Schwanz einklemmt und Millan schließt daraus, dass dies der Schlüsselreiz ist, warum Shadow den Border Collie dominieren will. Er sagt, man müsse hier zwischen Dominanz, Aggression und Territorialverhalten unterscheiden und dass Shadows Problem keine Aggression war, sondern Dominanz.
Aus verhaltensbiologischer Sicht ist all das absoluter Nonsens.
Shadow war nicht einverstanden mit der Energie des Border Collies, „for whatever reason“. Eine wirkliche Erklärung, warum Shadow den Border Collie nicht leiden kann, wird nicht gegeben, stattdessen auf ein Energieungleichgewicht verwiesen, das niemand auch nur ansatzweise nachvollziehen kann, aber so klingt, als wüsste Millan, wovon er spricht. Wer nicht verstehen kann, warum ein Hund sich verhält, wie er sich verhält, braucht mit einer Therapie gar nicht erst beginnen. Ursachenforschung und das Verständnis über kanide Körpersprache und Sozialverhalten ist die Grundvoraussetzungen jeder Therapie, jeden Trainings und jeder Resozialisation.

Alan erklärt, er habe nun verstanden, dass Shadows Verhaltensprobleme keine Aggression waren, sondern Dominanz.
Als Cesar mit Shadow an seiner Seite den Spaziergang wieder aufnimmt, erklärt er, dass es gut ist, dass Shadows Ohren angelegt sind. Vorher waren seine Ohren nach vorne gerichtet, jetzt sind sie nach hinten gerichtet und das sei gut. Warum das gut sein soll, erklärt er nicht. Tatsächlich sind Shadows Ohren angelegt, weil er verunsichert ist und sich in einem Zustand der Unsicherheit befindet.
Cesar erklärt, dass er jede Veränderung an Shadow nun genau beobachtet. Er erklärt Alex und Alan, dass der Border Collie durch Shadows Energiekorrektur nun mehr er selbst sein kann und seinen Schwanz nicht mehr einklemmen muss. Er rät ihnen, mit einer Maulschlinge zu arbeiten, damit Shadow nicht mehr beißen kann, aber dennoch müssten sie an dem Problem und vor allem mit Shadow weiterhin arbeiten. Er erklärt, dass, als Shadow am Boden lag, er das freiwillig gemacht hat. Er selbst habe weder die Leine, noch das Genick nach unten gehalten. Das war Shadow ganz alleine. Er akzeptierte das Ritual der Dominanz.
Auch das ist selbstredend völliger Unsinn und sogar gelogen. Millan hat Shadow nachweislich daran gehindert, seinen Kopf zu heben.

Alex erzählt, dass Shadow seine Aggressionen nicht im Hundeauslauf zeigt. Hier wird zum ersten Mal erwähnt, dass Shadow auch Freilauf bekommt und dass er dort kein Problem mit anderen Hunden hat. Wie oft er frei laufen darf und wie lange, wird nicht erwähnt. Cesar erklärt, dass Hunde am häufigsten Aggressionen zeigen, wenn sie an der Leine sind, weil wir Menschen die Hunde so daran hindern, ihr natürliches Verhalten auszuleben. Dies ist absolut richtig. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leinenaggression die häufigste Form der Aggression ist und dass viele Hunde im Freilauf wiederum keine Aggressionen zeigen, aus genau den Gründen, die Cesar Millan absolut korrekt nennt.
Alan erklärt, er habe Shadows Problem nun verstanden und vor allem, wie er damit umzugehen hat.
Cesar erklärt, dass er Shadow nun zeigen muss, wie er an der Leine zu gehen hat, besonders in Gegenwart des Border Collies. Aber Alan und Alex müssten ihrem Hund das in Gegenwart aller Hunde beibringen. Dabei die Maulschlaufe zu benutzen, gäbe ihnen die Möglichkeit, nicht dieselben Verletzungen zu erhalten, wie sie Millan von Shadow erhalten hat, aber es schließe den psychologischen Teil nicht aus.
Wer sich vor Hundebissen schützen muss, sollte dies mit einem Beißkorb tun, nicht mit einer Maulschlaufe. Die Maulschlaufe ist ein Hilfsmittel, das vorwiegend von Tierärzten und nur für sehr kurze Zeit verwendet wird.
Shadow wird mit der Maulschlaufe auf einen Rudelspaziergang vorbereitet, der Bailey und einige andere Hunde involviert. Dabei erklärt Millan erneut, dass Shadows angelegte Ohren ein positives Zeichen sind, vor allem, da die Ohren aller anderen Hunde nach vorne gerichtet sind (die Ohren der anderen Hunde sind nach vorne gerichtet, weil sie in guter Stimmung und entspannt sind. Shadow ist das nicht). Trotzdem sei Shadow aufgeregt.
Für einen Moment kommen sich Shadow und der Border Collie erneut zu nahe, Shadow knurrt und macht damit klar, dass er Distanz einfordert. Shadow wird dafür gemaßregelt.

Alan erklärt, dass er froh ist, dass die Problemlösung nicht zwölf Schritte für zwölf verschiedene Probleme bedarf, sondern dass Shadows Aggression ein Wurzelproblem sei und nur dieses behoben werden musste, damit sich jegliche negative Verhaltensweisen verändern.
Der Kommentator erzählt, dass Cesar Millan Shadow nun dem ultimativen Test für einen dominanten Hund unterziehen will. Dabei zwingt Millan Shadow dazu, sich hinzulegen. Alex bemerkt sehr richtig, dass Shadow das nicht gefällt. Millan bestätigt das, denn Shadow wird nun in einer viel submissiveren Position in Gegenwart anderer Hunde gehalten. Jedoch hat normales Hinlegen nichts mit Submission zu tun. Der Höhenunterschied zwischen einem aufrecht stehenden und einem liegenden Hund ist kein Indiz für Dominanz und Submission.
Cesar erklärt, dass Shadow dahingehend manipuliert wird, sodass er, selbst wenn er damit nicht einverstanden ist, es trotzdem tun muss. Er erklärt außerdem, dass dies eine sehr sichere Art ist, dies von Shadow zu verlangen, da er ja die Maulschlaufe umhat. Er erklärt, dass Shadow nicht auf dem Boden liegen muss, um ihn zu demütigen. Es hätte nichts mit Emotionen zu tun, sondern mit Psychologie. Shadow wird dazu angehalten, auf dem höchsten Level der Submission zu agieren, weil er früher auf dem höchsten Level der Dominanz agiert hat.
Als Millan Shadow endgültig zur Seite dreht, sagt er, dass er will, dass Shadow pfötelt („There you go. We want that.“) Er erklärt, dass es gut für Shadow ist, seinen kompletten Bauch in Gegenwart der Hunde zu zeigen, die früher Ziel seiner Attacken waren. Dies sei ein hohes Level der Submission. Allerdings ist diese Submission erzwungen. Shadow hat nicht gelernt, mit den Hunden tatsächlich klarzukommen und freundlich mit ihnen zu kommunizieren. Er ist ihnen ausgeliefert.

Cesar erklärt, dass der Zustand der ruhigen Submission erwünscht ist. Das war es, worum es die ganze Zeit ging. Was Shadow früher angeboten hat, war dominante Aggression. Es sei wichtig zu verstehen, dass man den ruhigen, submissiven Zustand nicht einfach erzwungen hat, sondern Shadow einen besseren Zustand angeboten hat. Ein Zustand, der ihm das Leben gerettet hat.
In Alex sieht er einen Menschen, der 80% von dem besitzt, was nötig ist, um ein Verhaltensproblem in den Griff zu bekommen, aber sie wusste nicht, wie sie direkt auf ein Problem reagieren sollte. Alan war ein tolles Teammitglied, weil er seine Frau sehr gut unterstützt hat.
Der Kommentator erzählt, dass Alex, die Cesar Millans Methodik und Philosophie studiert, weiß, dass ein Laufband ein guter Weg ist, das hohe Energielevel eines Hundes zu senken. Shadow wird also auf das Laufband gebracht. Anstatt auf natürlichem Weg die Natur zu erkunden, ihrem Hund viel Raum und viel Freilauf zu gewähren und ihn rassespezifisch zu beschäftigen, soll Shadow zukünftig seine Energie auf dem Laufband loswerden, das ihm ganz offensichtlich nicht gefällt.
Als Shadow sich dagegen wehrt und Alex am Arm touchiert, erklärt Millan, dass er Shadow, der verschiedene Körperteile seiner Familie mit den Zähnen touchiert, mit gleicher Strategie rückbegegnen will, um Alex und Alan das Gefühl zu geben, dass Shadow unter Kontrolle ist.

Alex erzählt auch, dass sie mit Shadow schon vorher auf dem Laufband gearbeitet hat. Sobald das Tempo zu niedrig ist, versucht Shadow jedoch, das Laufband zu verlassen und zieht an der Leine, deswegen lässt sie ihn normalerweise mit relativ hohem Tempo darauf laufen.
Cesar erklärt, dass, wenn sich zwei dominante Tiere gegenüberstehen und es zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt, der gewinnt, der am meisten ausgeteilt hat („the one who touches the most“). Das ist die Art der Kommunikation, um die es geht. Nicht die, den Hund zu misshandeln, sondern den Hund wissen zu lassen, dass auch der Mensch dazu in der Lage ist, ihn physisch anzufassen.
Alex erklärt, dass die Art, wie und wann sie Shadow anfassen muss, das Wichtigste war, was sie gelernt hat. Cesar erklärt, dass Alex Shadow beibringen muss, dass sie die einzige ist, die anfasst, nur so wird Shadow damit aufhören, sie anzufassen. Der dominante Hund sei der einzige, der andere aktiv berührt. Die submissiven Hunde lassen sich anfassen, aber fassen den dominanten Hund nicht an (verhaltensbiologisch falsch). Alex fragt, ob Shadow sie für submissiv hält, wenn sie ihn nicht zurück berührt. Cesar erklärt, dass es nicht darum geht, Shadow „zurück zu berühren“, sondern die Berührung vorwegzunehmen, sobald Shadow im Begriff ist, eine auszuführen. Nur dann wird er damit aufhören, andere mit seinen Zähnen zu berühren.

Cesar erklärt, dass Alex ihre Emotionen beiseitelegt und Körpersprache verwendet.
Er sagt, dass es eine Verschwendung sei, Shadow zu töten, nur weil er in seinem Lebensbereich etwas falsch gemacht hat. Es sei wichtig, dass Menschen lernen, diesen Bereich zu kontrollieren, damit der Hund weiter leben kann.
Alex erklärt, ihr sei bewusst, dass Shadow nicht mal eben schnell „repariert“ wurde. Es sei nicht so, als sei Cesar aufgetaucht und habe alle Probleme im Nu gelöst und Shadow sei nun zu 100% anders. Ihr ist bewusst, dass sie noch immer viel mit Shadow arbeiten und viele kleine Schritte gehen muss.
Cesar sagt (zu Shadow), diese Familie sei die einzige, die mit ihm klarkommen wird. Diese Familie und Cesars eigene Familie, ansonsten würde sich kein Mensch in den USA einen solchen Hund antun.
Cesar wird nun verabschiedet und ihm wird gedankt. Alex sagt, dass kein Hund sie je unterkriegen wird. Sie wird immer gewinnen. Sie glaubt nicht, dass Shadow sie austricksen kann. Sie ist schlauer als ein Hund.
Damit ist die Folge um Shadow nun komplett abgeschlossen.



Das Fazit nach 23 Minuten:
Shadows wahres Problem wurde nicht erkannt. Ihm wurde Dominanz unterstellt, wo keine ist. Ihm wurden Möglichkeiten zur Kommunikation geraubt, er wurde mittels Strangulation dazu gezwungen, sich seinen Menschen zu fügen. Was Shadow hier angetan wurde, ist Misshandlung. Es gibt kein anderes Wort dafür. Große Unterschiede zeigen sich, wenn man das Video mit oder ohne Ton ansieht. Die Arbeit mit dramaturgischen Effekten manipuliert den Zuschauer von Beginn an. Cesars Erklärungen erscheinen, wenn man das Video zuvor gänzlich ohne Ton sieht, im völligen Widerspruch zu dem zu stehen, was man sehen kann, ohne seinen Worten Beachtung schenken zu müssen.

Ein zutiefst missverstandenes Wesen, eine völlig falsche Diagnose und eine verhaltensbiologisch fatale und absolut unsinnige Therapie haben dazu geführt, dass Shadow nachhaltig traumatisiert wurde. Da Shadow zu den wenigen Hunden aus "Dog Whisperer" gehört, über den auch nach seinen Erlebnissen in der Show hinreichend viel bekannt ist, weiß man heute, das Shadow nicht mehr bei Alex und Alan lebt.
Nachdem die zuständige Mitarbeiterin des Malamute Rescue Centers, die Shadow damals an Alex und Alan vermittelte, die Folge mit Shadow im Fernsehen sah, verlange sie den Hund umgehend zurück. Alex wollte Shadow aber nicht wieder hergeben.
Bekannt wurde, dass Shadow Alex in die Hand biss, nachdem sie ihn, so wie sie es von Millan gelernt hat, bestrafen wollte, nachdem er unerlaubt ihren Gemüsegarten betreten hatte. Die zuständige Mitarbeiterin der Malamute Rescue will herausgefunden haben, dass auf die Szene, in der Shadow Millan beißt, während der Produktion eine Stunde hingearbeitet wurde. Demnach wurde Shadow so lange provoziert, bis diese Szene im Kasten und somit nötiges Material gefilmt war. Alex und Alan dementieren das.
Nach Aussage der Malamute Rescue wollte Alex Shadow loswerden, nachdem er sie gebissen hatte. In einem Vertrag zwischen der Rescue und Alex und Alan wurde festgehalten, dass Shadow an die Rescue zurückgegeben werden muss, sollten sich Alex und Alan dazu entscheiden, Shadow nicht behalten zu wollen. Alex wollte diese Vertragsklausel missachten und Shadow an ein Wolfsrefugium abgeben, wo er kaum noch Kontakt mit Menschen haben würde. Laut dieser Vertragsklausel hätte Alex den Hund ohnehin nicht einschläfern lassen dürfen. Dass Shadows Leben also je in Gefahr und Millan die letzte Rettung war, ist stark anzuzweifeln.
Die Malamute Rescue fuhr zu Alex und Alan und verlangte den Hund vor Ort zurück. Es brauchte Monate, damit Shadow wieder zu dem Hund wurde, den die Rescue damals an Alex und Alan abgegeben hatte. Er wurde daraufhin zeitlebens von der zuständigen Mitarbeiterin adoptiert. Heute geht es Shadow wieder sehr gut und er lebt ein ganz normales, glückliches Hundeleben.
Die Geschichte um Shadows Leben nach dem Vorfall in "Dog Whisperer" ist belegt durch die Hundetrainerin Pat Miller, die in engem Kontakt zur Malamute Rescue steht, und dem Canidae-Ethologen Marc Bekoff.


Shadow ist eines der populärsten Beispiele, was kontinuierliche Unterdrückung und Misshandlung aus einem Hund machen kann. Wann immer nach Material gefragt, wird, das zeigt, wie brutal Cesar Millan mit Hunden umgehen kann und wie wenig er tatsächlich von echter, kanider Körpersprache versteht, werden die Videos von Shadow, Riley, JonBee und Holly vorgeschlagen, die Paradebeispiele für von Millan misshandelte Hunde darstellen und deren Verhalten grundlegend fehlinterpretiert wurde.



(Stand: März 2017)