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Verloren

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
Olivia Dunham Peter Bishop
17.11.2013
17.11.2013
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November 2015 – Boston, Massachusetts


Schreie. Schreie von Menschen. Laut. Ängstlich. Quälend. Sterbend.
Olivia lag im Arm von Peter, auf dem kalten Betonboden des Kellers, an seine Brust gedrückt so gut es ging, spürte seine Wange auf ihren Kopf, seinen gleichmäßigen Atem, sein Herzschlag und seine starken Arme, die sich fest um sie geschlungen waren. Sie machte die Augen zu.
Ihr Gehirn spülten die schmerzlichen Erinnerungen an den Tag an dem alles begann – an dem Tag wo sie und Peter ihre Tochter verloren haben. Der Tag der sich in ihre Seele eingebrannt hat wie tödliches Gift. Olivia krallte sich krampfhaft in Peters Schulter.„Shhhht.“, er legte seine rechte Hand auf ihre Wange und streichelte vorsichtig mit seinem Daumen über ihre Haut. Sanft rollten Olivia die Tränen herunter, Peter fing an sich und Oliv leicht hin und her zu schaukeln.
„Twinkle Twinkle little star….how I wonder what you are…“, flüsterte er leise. Es war das Schlaflied was er seiner Tochter jeden Abend vorgesungen hatte. Olivia vergrub ihr Gesicht nur noch mehr in Peters Hemd.
„…like a diamon in the sky, twinkle twinkle…little star…“, Peters leise heisere Stimme wurde zuerst ganz hoch bis sein Gesang in ein Summen überging.
Er wiegte sie noch ein wenig hin und her, sog ihren Duft ein, strich durch ihre Haare und wartete bis sie eingeschlafen war. Wartete bis endlich die Schreie verklangen und lehnte sich gegen die kalte Betonwand um selbst für eine Weile die Augen schließen zu können.

„Olivia, wach auf.“, Peter kniete vor ihr und strich über ihre Wange.„Ja..bin schon wach.“, Olivia schreckte hoch, ihr Rücken hieß sie mit einem lauten Knacken willkommen.Er und Olivia setzten sich in die Küche, Peter machte den Kaffe fertig.
„Wir müssen noch eine lange Strecke fahren, wenn wir es heute noch nach Maine schaffen wollen.“, er stellte zwei Becher auf den Tisch.„Peter…ich weiß nicht ob wir…dahin sollten.“
„Was?“
„Ich…ich kann das nicht mehr.“, Olivia schaute mit gesenktem Blick auf die Tischplatte, „…ich kann das nicht mehr.“
„Was kannst du nicht mehr?“
„Nach unserer Kleinen suchen…ich kann das nicht mehr, Peter. Ich werde hier bleiben.“ Peter stand auf, ohne ein Wort zu sagen.
„Wir werden sie finden.“, er drehte sich um und sah Olivia mit einem eindringlichen Blick an.
„Nein…werden wir nicht.“
„Gib die Hoffnung nicht auf.“
„Peter…woher willst du wissen das sie noch lebt?“
„Ich weiß es nicht, aber ich gebe meine Hoffnung nicht auf, Oliv. Gib du die Hoffnung nicht auf. Hör auf dein Herz.“

Sie stand vor Peter, ihr Gesichtsausdruck schmerzlich gequält.
„Sie wird nicht wiederkommen, Peter. Wir werden sie niemals finden.“
„Nein. Olivia, denk nicht daran…“
„Peter. Sie ist tot.“
„Das weißt du doch gar nicht! Ich muss Etta finden. Ich habe als Vater versagt! Ich habe sie nicht beschützen können, wo sie es am meisten gebraucht hat. Ich habe unsere kleine perfekte Seele nicht retten können.“, Peter wollte aufbrechen und schulterte den Rucksack auf seinen Rücken.
„Peter…“, Olivia hielt mit Tränen in den Augen ihn am Arm fest, „…Etta ist tot.“
Peter schloss kurz die Augen.„Ich werde nicht tatenlos hier sitzen.“
„Bleib bei mir.“, krächzte Olivia kaum hörbar. Peter drehte sich nochmals um, diesmal wütend.
„Weißt du was Oliv? Du hattest damals Recht, wir spielen mit dem Schicksal! Wir spielen mit dem Feuer! Und du wolltest ein normales Leben? Mach die Augen auf! In dieser Welt gibt es kein perfektes, normales Leben. Es ist alles nur große Scheiße! Wir hätten Henrietta nie in die Welt setzten sollen!“
Diese Aussage traf Olivia mit voller Wucht. Sie sah wie in Zeitlupe wie die Tür zu krachte und sie nun ganz allein war. Allein in diesem großen Haus. Sie lehnte sich gegen die Wand und ließ ihren Tränen freien Lauf. Warum war Peter auf ein Mal so…wütend und unberechenbar? Olivia kauerte sich auf den Boden und ließ sich gänzlich von ihren Emotionen überrollen.



Ende
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