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Die Füchsin

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Fandral Loki OC (Own Character) Odin Sif Thor
10.11.2013
14.05.2015
30
90.918
16
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10.11.2013 1.928
 
Frieden. Endlich herrschte Frieden. Der König von Asgard stand auf einer Plattform und blickte über sein Reich. Frieden. Keine fünf Jahre war es her seit der letzten Schlacht. Große Verluste hatte es gegeben, aber nun herrschte Frieden. Zumindest vorläufig, dachte Thor. Es würde niemals überall Frieden herrschen, weder in Asgard, noch in den anderen acht Welten. Es war seine Aufgabe, Ordnung in die Welten zu bringen und diese auch zu erhalten. Eine schwere Bürde, besonders seitdem Odin sich endgültig zurück gezogen hatte. In dem ersten Jahr Thors Regentschaft hatte Odin ihm noch beratend zur Seite gestanden, jetzt war Thor in der Hinsicht alleine. Nun, nicht ganz alleine. Er hatte enge Vertraute und Berater, allesamt Personen, denen er mit seinem Leben vertraute und andersrum war es genauso. Sie alle dienten ihrem neuen König mit Freude, so wie Odin es sich immer gewünscht hatte. Thors Gedanken schweiften kurz ab, zu seinem Bruder Loki. Vor vier Jahren hatte er sich dazu entschlossen, ihn frei zu lassen. Loki hatte seine Loyalität bewiesen, befand Thor, aber Odin war der Meinung gewesen, dass ein wenig mehr Zeit in einer Zelle dem Trickster nicht schaden konnte. Nun aber lagen die Entscheidungen bei Thor und er ließ seinen Bruder frei. Wirkliches Vertrauen hatte sich zwischen den beiden unterschiedlichen Männern nie eingestellt, aber sie respektierten sich. Und Thor hatte eine gute Aufgabe für seinen Bruder gefunden; er stand ihm als Berater zur Seite, er fungierte als Spion und seit neuesten auch als Lehrmeister in Taktik und Magie für die Rekruten der Armeen Asgards.

Denn mochte auch Frieden herrschen in den Welten, es gab immer wieder Unruhen in Asgard, die Völker führten Kriege gegeneinander aus, sei es nun um Ehre, um ein Stück Land oder was für Gründe auch immer vorliegen mochten. Thor sandte seine Leute aus, um für den Frieden zu garantieren und er war immer auf der Suche nach neuen Kriegern und Soldaten. Loki unterstützte ihn dabei gerne, auch wenn er es nie zugegeben hätte. Es machte ihm Freude, die Leute, die Thor auserwählte mit geschickten Worten zu verunsichern, um sie zu prüfen oder ihnen hinterher zu spionieren. Das eine oder andere Mal hatte er dabei vielleicht ein wenig über die Stränge geschlagen, der Trickster. Es war nun mal seine Art, Unheil zu stiften und er konnte nichts dagegen tun. Doch auch Loki hatte inzwischen ein paar Dinge begriffen und noch mehr Dinge heillos bereut.

Thors Armee wuchs beständig, doch die Ausbildung war hart. Viele kamen mit großen Erwartungen nach Asgard, um nur wenig später enttäuscht von dannen zu ziehen. Deswegen war Thor dieses Mal selber auf Reisen gegangen, um neue Rekruten zu finden. Nebenbei hatte er so die Gelegenheit, sich das Leben jenseits der Mauern der Hauptstadt anzusehen. Ein König konnte sein Volk nur weise regieren, wenn er das Leben seiner Untertanen kannte. Und außerdem genoss er es, wenn sie ihm zujubelten, in trotz Verkleidung erkannten. Diese Eigenart konnte er genauso wenig ablegen wie Lokis Neigung zum Unheil stiften. Loki hatte ihn nicht begleitet. Sein Bruder war damit beschäftigt, etwas Unruhe in das Gefühlsleben so mancher Frau zu bringen. Lokis Art, mit Worten umzugehen, kam bei den Frauen wunderbar an, auch wenn sie nur wenig später realisierten, dass sie auf ihn herein gefallen waren. Thor gönnte seinem Bruder den Spaß.

Die Reise war wie erwartet ruhig verlaufen, Volstagg und er waren weit nach Norden gereist, in eine Gegend, die beide nicht so gut kannten. Je weiter sie ritten, desto karger wurde die Landschaft und desto weniger Menschen bekamen sie zu Gesicht. Also wählten sie die Route zurück nach Westen, über ein paar verlassene Bauerndörfer und endlose, dichte Wälder. Später kehrten sie in einer sehr zwielichtigen Spelunke ein. Der Abend sollte für Thor und Volstagg sehr überraschend enden.

„Gib das sofort wieder her!“ Volstagg war neben Thor aufgesprungen und hatte jemand am Arm gepackt. Es war eine kleine Gestalt, ganz und gar in dunkle Kleidung gehüllt, das Gesicht sorgfältig unter einer Kapuze verborgen. Thor runzelte die Stirn und musste schmunzeln. Die Gestalt versuchte vergeblich, sich aus dem Griff des Hünen zu befreien und knurrte ein paar Worte in einem Dialekt, den Thor nicht verstand. Aber es waren zweifelsohne keine Komplimente. „Thor, sie hat deinen Geldbeutel!“ informierte Volstagg ihn aufgebracht. Thor tastete nach dem Beutel, der eigentlich sicher unter seinem Mantel verborgen sein sollte und entdeckte ihn im nächsten Moment in der Hand der fluchenden, sich heftig wehrenden Person. „Wie kannst du es wagen, deinen König zu bestehlen?“ Volstagg´s tiefe Stimme brachte die anderen Leute in der Kaschemme erst zum Verstummen, dann machte sich aufgeregtes Gemurmel breit. Thors Name wurde ehrfürchtig gewispert.

Thor erhob sich und die ersten Leute senkten den Kopf und gingen dann auf die Knie. „Steht auf und macht weiter mit dem, was ihr getan habt“, meinte er ernst. Fandral schnaufte, als der Dieb den Beutel fallen ließ, sich mit einem Tritt in seine Weichteile endlich befreite und quer über die Tische floh. Das löste einen riesigen Tumult aus, jeder wollte derjenige sein, der den Dieb stellte. Aber der Dieb wich geschickt den Händen aus, die nach ihm griffen, verteilte Tritte und zog schließlich einen schmalen, silbernen Dolch aus dem Stiefelschaft, um sich die Verfolger vom Leib zu halten. Ein Tisch ging zu Bruch, als Volstagg sich auf den Flüchtenden stürzte und ihn mit seinem Körpergewicht unter sich begrub. „Deinen König bestehlen und dann ungestraft fliehen, das hättest du wohl gerne!?“, knurrte der Bärtige und zog den Dieb auf die Beine, zerrte ihm die Kapuze vom Kopf und starrte das, was sich darunter verbarg, mit offenem Mund an. Wütende, grünbraune Augen funkelten ihn an, feuerrote Haare fielen ihr wirr ins Gesicht. „Er ist nicht mein König! Wäre er mein König, wüsste er, in welcher Not und Armut wir hier oben leben und würde etwas dagegen tun. Aber der feine Herr König sitzt in den warmen Hallen von Asgard und hat Besseres zu tun“, knurrte die Rothaarige Volstagg verächtlich an. Der schnappte nach Luft, Thors Blick verfinsterte sich und es wurde sehr still.

Ein paar Leute murmelten zustimmend im Hintergrund. Thor schämte sich auf einmal. Er hätte es sehen müssen, bei all den verlassenen Dörfern und den brach liegenden Äckern. „Wie kannst du es wagen, so zu reden, Frau? Bist du nicht bei Sinnen?“ Die Frau versuchte erneut, Volstagg zu treten, doch der hielt sie auf Abstand. „Ich bin in bester, geistiger Verfassung. Ich weiß, wovon ich rede. Und ihr“, sie deutete mit einem Kopfnicken auf die Leute hinter sich, „ihr seid wahre Feiglinge. Ich höre euch jeden Abend über die Asen schimpfen, über die Not, die hier herrscht, die Ungerechtigkeit.“ Sie kniff die Augen zusammen und sah dann zu Boden. „Lass sie los, Volstagg“, sagte Thor sanft. Die Worte hatten ihn nachdenklich gestimmt und der Mut der Frau machte ihn neugierig. Sie war auf jeden Fall nicht auf den Mund gefallen.

„Wirt, bringt ihr etwas zu essen.“ Er lächelte die Frau an. Er wollte zeigen, dass er ein guter König war. Dass er vergeben konnte und Verständnis hatte. „Ich will deine Almosen nicht. Wo warst du, oh mein König, als drei riesige Kerle in das Haus meiner Mutter einfielen, sie vergewaltigten und erschlugen? Wo warst du, als ich danach um mein Leben gerannt bin? Wo warst du bis jetzt? Du magst dich König nennen, aber du hast keine Ahnung vom dem, was direkt hier geschieht. Wie solltest du auch?“ Thor ließ ihren Ausbruch an sich vorbei ziehen. Die Frau mochte mit jedem Wort Recht haben. Wo war er eigentlich gewesen? Er hatte Pläne gemacht, aber nur selten war er am Ort des Geschehens gewesen. Sicher, er hatte in ein paar Schlachten gekämpft, um die Ordnung zu wahren, in den anderen Welten.

„Volstagg, verschnür sie wie ein Paket, stopf ihr vorlautes Mundwerk und hol die Pferde. Wir brechen auf und sie wird mit uns kommen und ihre gerechte Strafe erhalten.“ Thors Stimme hatte einen grimmigen Unterton angenommen. So gütig er gerne sein wollte, er musste ein Exempel statuieren.

Sie ritten die ganze Nacht hindurch, während Volstagg leise vor sich schimpfte, weil es regnete und die Frau, die vor ihm quer über dem Sattel lag, sich trotz der Fesseln immer noch wehrte. „Die hat eine Ausdauer! Thor, würdest du sie mir bitte abnehmen?!“ Thor hielt seine Stute an und nahm Volstagg die unangenehme Last ab. „Nun hör schon auf, Frau.“ Nach drei Stunden war auch Thor restlos genervt von ihr. „Weißt du eigentlich, was für eine Strafe dir bevorsteht? Den König zu bestehlen und zu beleidigen ist Hochverrat.“ Für einen Augenblick hielt sie inne und riss die Augen erstaunt auf. Dann wurden sie seltsam verklärt und feucht. Sie weinte stumm. Und sie hörte nicht damit auf, was Thor als noch viel schlimmer empfand. „Keine Angst, ich bin ein gütiger König“, versuchte er sie zu beruhigen.

Die Frau empfand ihre Lage nicht als aussichtslos. Sie war eher amüsiert darüber, dass sie selbst Thor mit ihren Tränen anrühren konnte. Frona hatte in ihrem Leben so viele Dinge gesehen und so viele Gefahren überstanden, das aufgeben in ihrem Vokabular nicht vorkam. Frona war gerissen und abgebrüht, sie konnte kämpfen und töten, wenn es darauf an kam. Sie beherrschte ein paar einfache Zaubertricks, nicht viel, nur leidliche Magie. Aber es reichte, um im richtigen Moment Eindruck zu schinden. Man nannte sie inzwischen nicht umsonst Die Füchsin.

„Weint sie etwa?“ Volstagg ritt neben Thor und rollte mit den Augen. Thor machte ein leidiges Gesicht und nickte. „Seit einer Stunde ohne Pause.“ Dann hellte seine Miene sich auf. „Ich kann die Stadt sehen!“ Auch die Frau hob den Kopf. Der Regen hatte nachgelassen, der Morgen dämmerte. Vor ihr lag diese erstaunliche Stadt, die Stadt der Götter. Sie war viel größer, als sie es sich vorgestellt hatte. Mutter hatte ihr immer davon erzählt, damals, als Fronas Leben noch einfacher war. Es war nie wirklich einfach gewesen, vom Moment ihrer Geburt an, ein schwaches, kleines Mädchen in einer Welt voller Gefahren. Aber Frona war schlau und sie war eine Kämpferin. Sie lernte schnell. Bald wollte keiner mehr mit ihr um etwas Spielen, weil Frona auf sonderbare Weise immer gewann. Einmal sagte ihr einer der Jungen, der gerade eine hübsche, gläserne Kugel an sie verloren hatte, sie wäre so verschlagen, weil sie keinen Vater hatte. Frona hatte dem Jungen die Nase blutig geschlagen.

Wenn sie sich doch nur irgendwie von den Fesseln befreien könnte, dachte sie sehnsüchtig. Es wäre einfach, im Gewirr dieser Gassen zu verschwinden, der Strafe zu entgehen und sich dann hier durch zu schlagen. Hier gab es alles im Überfluss. Die Türen der Häuser waren aus Gold, die Brunnen mit Silber verziert. Und die Einwohner machten größtenteils einen sehr einfältigen Eindruck. Es wäre ein paradiesisches Leben. Je weiter sie in die Stadt hinein ritten, desto größer wurde Fronas Wunsch, ihr Glück hier zu versuchen.

Thor hob sie vom Pferd, als ein Bediensteter ihm die Stute abnahm und übergab sie direkt an die Wachen. „Sperrt sie weg. Nehmt euch vor ihr in Acht.“ Aus seinem Mund klang es so, als wäre sie etwas Gefährliches. Es machte sie ein wenig stolz.

„Was willst du mit ihr tun?“, fragte Volstagg neugierig, als er die Hallen betrat. „Darüber werde ich nach einem heißen Bad, einer guten Mahlzeit und einer Runde Schlaf entscheiden, mein Freund. Sei bitte so gut und suche meinen Bruder.“

Loki hatte gelacht, als er von der Geschichte erfuhr, die seinem Bruder widerfahren war. Obwohl das Verhältnis zwischen den beiden entspannt war, er liebte es, wenn Thor solche Dinge passierten. „Ich werde sie mir ansehen, wenn das dein Wunsch ist, Bruder“, meinte er vergnügt, während Thor nickte und sich wieder seiner Hammelkeule widmete.
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