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KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
Homura Akemi Madoka Kaname
10.11.2013
10.11.2013
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Es war einen Monat nach Walpurgisnacht.
Die Geschichte war wie hunderte Male zuvor von Neuem gestartet - ohne Madoka.
Homura ging zurück zur Schule.
Sie traf Sayaka und Mami und freundete sich mit ihnen an.
Nur wusste Homura, dass sie sterben würden - zuerst Mami, dann Sayaka. Das war ihr unvermeidliches Schicksal.
Sayaka traf auf Kyoko.
Schliesslich starb auch Kyoko, und Homura war wieder allein.
Nur dieses Mal konnte sie damit leben.
Ihr einziger Wunsch war es, Madoka zu sehen, zu wissen, wie es ihr ging.
Sie war nun eine Göttin.
Wie man sich als Gott wohl fühlt? Ob sie ihr vergangenes Leben wohl vermisste? Oder begann sie vielleicht langsam, es zu vergessen?
Jede Nacht betete sie zu ihr. Sie betete, und weinte. Weinte, und drückte Madokas Haarband gegen ihre Brust. Sie tat das alles in einem, betete dafür, dass sie sich erinnerte, dass sie sie nur einmal noch sehen könnte. Gewöhnlich dauerte dies eine Stunde an, bevor Homura in einen erschöpften Schlaf fiel.
Im Schlaf träumte sie von Madoka, ihrem Lächeln, ihren Tränen. Von den Momenten, in denen sie sie beschützt hatte. Von den Momenten, an denen sie gestorben war, und sie wusste, sie weinte im Schlaf.
Aber diese Nacht war anders.
Es war genau ein Monat vergangen, seit die Geschichte von Neuem startete.
Homura ließ das Abendessen mit ihren Eltern ausfallen - schon lange aß sie nichtmehr regelmäßig mit ihrer Familie.
Sie stieg die Treppe hinauf zu ihrem Zimmer, langsam, den Kopf gesenkt, die Augen geschlossen. Die Treppenstufen kamen ihr immer unendlich vor.
Sie wanderte ins Badezimmer, wusch sich, putzte sich die Zähne, in ihrer täglichen Routine.
Ausdruckslos betrachtete sie ihr Spiegelbild. Sie hatte begonnen, ihre Brille wieder zu tragen, und sich die Haare zusammenzubinden.
Sie legte den Daumen zwischen das Haarband und ihre Haare und streifte es behutsam ab. Wie einen Schatz faltete sie es vorsichtig zusammen, sodass es in ihre geschlossene Hand passte.
Das Haarband fest umschlossen, ging sie in ihr Zimmer und verriegelte die Tür.
Ihre Eltern hatten nie etwas mitbekommen. Zumindest ließen sie sich nichts anmerken.
Homura legte das Haarband in ihren beiden Händen auf ihren Nachttisch, als wäre es aus hochempfindlichen Glas. Sie hatte Angst, es würde bei jeglichen hastigen Bewegungen zerspringen, und sie würde alles verlieren.
Sie streifte ihre Schuluniform ab, und schlüpfte in einen grüngestreiften Pyjama aus feiner Baumwolle. Sie mochte, wie er sich anfühlte, und jede Bewegung in ihm war, als würde ein feiner Wind ihren Körper umspielen. Sie stand kurz im Raum, mit geschlossenen Augen und in einer Selbstumarmung versunken.
Schnell fing sie sich wieder, und öffnete ihr Fenster. Kühler Nachtwind fuhr ihr durch die Haare, und ließen sie fliegen. Homura schloss die Augen und atmete tief ein.
Eine tiefe Ruhe umgriffen ihr Herz und ihren Körper, wie sie es lange nichtmehr gespürt hatte. Langsam spürte sie, wie ihr Geist abdriftete, aus ihrem Fenster, als wäre sie der Wind selbst.
Als sie die Augen öffnete, flog sie.
Vor sich sah sie nichts, als den klaren Sternenhimmel.
Sie breitete die Arme aus, doch sie wusste nichteinmal, ob sie in dieser Form Arme hatte. Vielleicht war sie nur Wind. Oder aber sie war sie selbst.
Sie schloss die Augen wieder und genoss diesen Moment der Schwerelosigkeit, ohne zu hinterfragen, was ihn verursacht hatte. Ähnliches war ihr nie widerfahren.
Langsam verzog sich der Wind, und angenehme Wärme begann, ihre Haut zu liebkosen.
Sie spürte keine Schmerzen, hatte keine Ängste, keine Wünsche. Ihr gesamter Körper und Geist war schwerelos.
In der Stille hörte sie nun eine weit entfernte Stimme.
"Öffne deine Augen nicht, bis ich es dir sage, Homura."
Ihre Augenlider flackerten, aber sie unterdrückte den Drang, sie zu öffnen.
Sie spürte, wie zwei zarte Hände ihr Gesicht zwischen sich nahmen.
"Öffne sie, Homura."
Vorsichtig öffnete sie ihre Augen, und erschrak. Die Wärme, die Ruhe, der Friede war vergessen. Ihr Herz schlug so schnell wie nie zuvor, und ihre Augen füllten sich mit Tränen.
"Madoka!", rief sie aus, bevor sie sich in ihre Arme warf, und bitterlich weinte.
Madokas liebevolle Arme schlossen sich um sie, und drückten sie fester an sich.
"Ich habe deine Gebete gehört", murmelte sie, mit erstickter Stimme.
Homura weinte mehr, vor Freude, vor Trauer, vor Glück.
"Ich kann leider nicht ewig bei dir bleiben", flüsterte Madoka weiter, mit einem traurigen Lächeln. Nun füllten sich auch ihre Augen mit Tränen.
Homura zog die Nase hoch, und entfernte sich so weit von ihr, dass sie in ihr Gesicht sehen konnte. Mit einem kleinen Lächeln wischte sie die Tränen aus ihren Augen.
"Ich vermisse dich", sagte sie lächelnd.
Ein liebevolles Lächeln breitete sich auf Madokas Gesicht aus, und sie streichte Homura über die Wange. "Ich habe dich nie vergessen. Ich denke jeden Tag, jede Nacht an dich. Ich wüsste nicht mehr, was Tag und Nacht ist, wenn du nicht zu mir beten würdest."
Madoka lehnte ihren Kopf gegen Homuras und sprach weiter.
"Ich möchte nur, dass du ein glückliches Leben führst. Denn ich kann nur dann eine gütige und glückliche Göttin werden, wenn ich dein Lächeln sehe, Tag für Tag. Du weisst, dass mein Geist dich immer umgibt und beschützt. Und wenn dein Geist dich eines Tages verlässt, dann hole ich ihn zu mir, sodass wir auf alle Ewigkeit zusammen sein können."
"Ich liebe dich, Madoka", flüsterte Homura, mit dem Versuch, ihre Stimme nicht zittern zu lassen.
"Ich werde dich auch immer lieben, Homura", lächelte sie. "Bis in alle Ewigkeit werde ich dich lieben."
Damit brach Madoka in Tränen aus. Homura legte die Arme um sie, und zog sie zu einem Kuss zu sich. Es war kein besonderer Kuss, aber er reichte, dass ihre Gefühle ausbrachen, Gestalt annahmen, und sie in einem zarten, unschuldigen Windhauch umspielten. So zart und zerbrechlich, wie das Band, dass sie beide verband.
Homura ließ von ihr ab, aber die zarten Bänder aus Licht um sie herum blieben.
"Sie nur, wie wunderschön du bist", lächelte sie mit einem Blick auf das Wunder, dass sie einschloss.
Madoka legte den Kopf auf ihre Schulter.
"Dieses Wunder sind wir beide. Das ist es, was uns verbindet."
Sie trat einen Schritt zurück.
"Es wird morgen. Du musst zurückkehren, zu deinem Leben", lächelte sie traurig.
"Das werde ich. Ich werde weiterhin zu dir beten. Besuch mich in meinen Träumen, wenn du kannst?", fragte sie, während sie langsam verblasste.
"Zu jeder Zeit."
Homura schloss die Augen.
Als sie sie wieder öffnete, stand sie an ihrem Fenster, und sah auf den sich rötlich färbenden Himmel.
Mit einem ruhigen Glücksgefühl nahm sie Madokas Haarband zwischen die Hände, und lachte.