Die Entführung

von Xanokah
KurzgeschichteHumor / P12
Akashi Seijūro Aomine Daiki Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Murasakibara Atsushi
10.11.2013
10.11.2013
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Die Entführung



Die Glocken ertönten über den Schulhof, signalisierten das Ende des Unterrichts. Schüler begaben sich nach Hause oder gingen ihren Clubaktivitäten nach und Letzteres tat auch Kuroko, der wie immer unbemerkt und sein Gesicht tief in ein Buch vergraben durch die Menge schlich.

Kuroko ging in Richtung Sporthalle der Teikou Mittelschule, denn das Training würde bald beginnen. Wie immer war er allein auf dem Weg, die anderen hatten ihn entweder vergessen oder waren ohne ihn losgegangen.

Doch plötzlich unterbrachen hastige Schritte und ein lautes Rufen diese Einsamkeit.

„Kurokocchi~“

Doch Kuroko machte keine Anstalten, sich nach der Stimme umzudrehen.

„Kurokocchi, warte doch auf mich~“

Kise kam auf Kuroko zu gestürmt, seine Schritte verlangsamten sich erst, als er Kuroko endlich erreicht hatte.

„Wieso hast du nicht auf mich gewartet, Kurokocchi? Ich habe dich doch so oft gerufen~“

„Oh.“

„'Oh?'“

„...“

„Mehr möchtest du nicht zu mir sagen? Das ist so herzlos~ Meine Augen füllen sich schon mit Tränen.“

Kuroko ignorierte Kise und konzentrierte sich weiter auf das Buch in seiner Hand, sah ab an von eben diesem auf, um nicht vom Weg abzukommen.

„Gehst du zum Training, Kurokocchi?“

„Ja. Du nicht auch, Kise-kun?“

„Doch, doch, natürlich... Gehen wir zusammen zur Halle?“

Kuroko nickte und versuchte, Kise nicht weiter Beachtung zu schenken. Die karge Antwort ließ Kise für einige Momente schmollen, während er angestrengt nach einem Gesprächsthema suchte.
Die beiden hatten die Sporthalle fast erreicht, als Kise sich plötzlich vor Kuroko stellte und ihn zum Anhalten zwang.

„Kise-kun, was soll das?“

„Ich habe gerade nachgedacht und möchte dir eine Frage stellen, Kurokocchi“, erklärte sich Kise mit ernstem Gesicht.

„Ja?“

„Wieso bekommt Aominecchi deine Pässe viel öfter als ich?“

„Was ist das für eine Frage?“

„Ist doch klar. Ich habe das Recht auf mindestens genauso viele Pässe wie Aominecchi, oder?“, protestierte Kise und verkleinerte den Abstand zwischen den beiden mit einem Schritt.

„Kise-kun, ich verstehe nicht, was du mir damit sagen möchtest.“

„Ich will wissen, warum du Aominecchi bevorzugst!“

Kuroko sah von seinem Buch auf und blickte direkt in Kises Gesicht, welcher fragend und herausfordernd auf Kuroko herabsah.

„Ich passe zu ihm, weil ich weiß, dass nur er meine Pässe zu 100% fangen kann. Ich bevorzuge ihn nicht, ich möchte nur, dass wir gewinnen“, erklärte Kuroko mit ruhiger Stimme.

„Eeeh? Aber selbst wenn ich nicht alle deine Pässe fange, und ich würde sie sicher alle fangen, gewinnen wir doch sowieso. Das ist nur eine gemeine Ausrede, Kurokocchi.“

„Aomine-kun und ich arbeiten schon viel länger zusammen. Ich vertraue ihm.“

„Du vertraust mir also nicht?“, stellte Kise fest und verzog den Mund.

„... Kise-kun, das Training fängt gleich an. Wir sollten gehen.“

„Das heißt also, ich muss nur Kurokocchis Vertrauen gewinnen!“, lachte Kise und blockte Kuroko ab, der gerade versuchte, an ihm vorbeizukommen.

„...“ Kuroko seufzte und schlug sein Buch zu. „Wenn wir zu spät kommen, dann-“

Plötzlich schlang sich ein Arm um Kurokos Brust und sein Körper berührte nicht mehr länger den Boden.

„Wah, Kurokocchi, du bist so leicht~“, kicherte Kise, der Kuroko mit Leichtigkeit hochgehoben hatte und ihn dabei mit einem breiten Grinsen ansah.

„Kise-kun, bitte lass mich wieder hinunter.“

„Ne~in.“

„Was hast du vor?“, fragte Kuroko mit nicht mehr ganz so ruhiger Stimme.

„Wir beide verbringen heute etwas Zeit miteinander“, erklärte Kise, der sich mit Kuroko in einem Arm bereit machte, zu gehen.

„Aber das Training...“

„Wir trainieren heute privat, Kurokocchi!“

„Akashi-kun wird böse sein.“

„Niemand wird merken, dass du fehlst!“

„Und was ist mit dir, Kise-kun?“

„Für einen Tag mit Kurokocchi nehme ich eine Bestrafung von Akashicchi in Kauf!“, sagte Kise immer noch lachend.

Schließlich warf sich Kise seinen Partner über die Schulter und entfernte sich schnellen Schrittes von der Sporthalle. Kuroko, der nicht wusste, wie er sich wehren konnte, sah zu, wie sein Zielort hinter der nächsten Ecke verschwand, während er Kises freudiges Summen im Ohr hatte.
Kurokos schwacher Präsenz zum Dank zog das seltsame Paar keine Blicke auf sich, niemand beachtete Kise, der sich gegen Kurokos Willen mit ihm auf und davon machte.

„Kise-kun, wohin möchtest du eigentlich gehen?“, fragte Kuroko schließlich, als die beiden die großen Schultore passierten.

„Hm~ das weiß ich noch nicht. Wir könnten auf das Basketballfeld im Park gehen, oder? Was denkst du, Kurokocchi?“

„Wenn du trainieren möchtest, wieso gehen wir dann nicht einfach in die Sporthalle?“

„Kurokocchi! Du verstehst es einfach nicht!“, schmollte Kise. „In der Sporthalle sind die anderen, aber ich will heute allein trainieren!“

„Wieso muss ich dann mitkommen.“

„Naja~ allein Schwänzen macht keinen Spaß und ich habe doch schon gesagt, dass ich dein Vertrauen zu mir stärken möchte.“

„Kise-kun...“, seufzte Kuroko als er Kises verwirrende Worte hörte.


***


„Eh? Wo ist Tetsu?“ Aomine sah sich um, die anderen entgegneten ihm ein Schulterzucken.

„Vielleicht ist Kurochin noch in der Umkleide...“, sagte Murasakibara und Aomine kratzte sich am Kinn.

„Hm, ich habe Tetsu gar nicht gesehen.“

„Ich kann bestätigten, dass Kuroko nicht in der Umkleide ist“, wandte Midorima ein, der gerade aus  eben dieser kam und sich Murasakibara und Aomine näherte.

„Eh, das sieht Kurochin aber nicht ähnlich, zu spät zum Training zu kommen.“

„Kise ist übrigens auch nicht da“, stellte Midorima fest.

„Jetzt wo du's sagst...“, murmelte Aomine und sah sich erneut um. „Hab' mich schon gewundert, warum es so still ist.“

„Was ist los?“, fragte Akashi schließlich, der sich wunderte, warum die drei so ratlos im Kreis standen.

„Kisechin und Kurochin sind nicht da.“

„Ich verstehe“, sagte Akashi und schloss nachdenklich die Augen.

„Tetsu kam bisher noch nie zu spät zum Training“, merkte Aomine an und verzog das Gesicht.

„Vielleicht hat Kurochin aufgegeben“, sagte Murasakibara beiläufig.

„Tetsu würde so etwas nie tun!“, protestierte Aomine laut.

„Da gebe ich Aomine recht, Kuroko ist nicht der Typ, der ohne Grund einfach aufgibt“, pflichtete Midorima bei und rückte seine Brille zurecht.

„Hm“, sagte Akashi nachdenklich, „was könnte die beiden also aufgehalten haben?“

„Vielleicht sind ihnen die Süßigkeiten ausgegangen“, antwortete Murasakibara. „Und dann sind sie gegangen, um welche zu kaufen.“

„So etwas banales... Ich bin mir sicher, sie suchen nach dem heutigen Lucky Item“, erwiderte Midorima.

„Pah, als ob Tetsu so einem Schwachsinn nachgehen würde“, spottete Aomine.

Akashi glitt ein Lächeln über die Lippen. „Auch wenn die anderen fehlen, sollten wir unser Training nicht vernachlässigen.“

„„„Ja!“““

Das Training nahm seinen gewohnten Lauf, auch wenn alle spürten, dass ohne Kises ständigen Lärm und Kurokos Pässe etwas fehlte.


„Ah, es ist einfach nicht das gleiche, wenn Tetsu nicht da ist“, murmelte Aomine. „Akashi, ich geh auf die Toilette.“

„In Ordnung“, bestätigte Akashi, der wie die anderen noch auf dem Feld stand und dabei zusah, wie Aomine aus der Halle verschwand.

„In der Tat sind wir viel zu Abhängig von Kuroko geworden“, stellte Midorima fest.

„Hm, wir bemerken ihn zwar nie, aber ohne ihn ist es viel mühsamer, an den Ball zu kommen“, steuerte Murasakibara bei und gähnte.

„Nutzen wir den Moment und konzentrieren uns darauf, auch ohne ein vitales Mitglied unseres Teams spielen zu können“, erklärte Akashi und nickte den anderen zu.

Aomine verließ die Halle und schlenderte durch den Gang.

„Hm, ob ich Tetsu anrufen soll?“

Er machte vor der Umkleide halt und legte die Hand auf den Türgriff.

Bzzt, bzzt.

„Mein Handy?“

Aomine öffnete die Tür zur Umkleide und suchte in seiner Sporttasche nach seinem Handy, welches das Signal einer eingehenden Nachricht von sich gab.

„Das wird wohl von Tetsu sein.“

Er holte das Handy hervor und sah auf das kleine Display, welches die neueste Nachricht anzeigte.

„... was?!“, sagte Aomine plötzlich, als er mit Schock die Worte las, die ihm Kuroko geschickt hatte. Im nächsten Moment war er aus der Umkleide gestürmt und raste zurück zur Halle, in der die anderen noch ahnungslos trainierten.

„Leute!“, rief Aomine entsetzt. Die anderen hielten inne und sahen Aomine verwundert an.

„Minechin, du siehst aufgebracht aus.“

„Bitte störe das Training nicht unnötig“, wandte Midorima ein.

„Was ist los, Aomine?“, fragte Akashi und kam näher.

„Tetsu...“, begann Aomine und hielt das Handy demonstrativ nach oben. „Tetsu wurde entführt!“

Für einen Moment herrschte Stille in der Halle. Aomine war der erste, der das Schweigen brach und seine Stimme wieder erhob.

„Ihr glaubt mir nicht, oder? Aber Tetsu hat mir eine Nachricht geschickt.“ Aomine zeigte erneut das Handy und Akashi trat ein paar Schritte an Aomine heran. Murasakibara und Midorima kamen ebenfalls näher und die drei versammelten sich um Aomines Handy, um einen Blick auf das Display werfen zu können.

          „Hilfe“

Die Nachricht von Kuroko umfasste nur ein einziges Wort, Aomine sah die anderen besorgt an.

„Seht ihr? Kuroko wurde entführt“, merkte Aomine an. Murasakibara, Midorima und Akashi tauschten fragende Blicke aus.

„Eh, das ist alles? Kurochin hätte wenigstens schreiben können, warum er heute nicht da ist.“

Midorima rückte seine Brille zurecht und drehte sich um. „So etwas lächerliches. Diese Nachricht ist absolut nichtssagend und hält uns nur auf.“

„Hm“, machte Akashi nachdenklich. „Ich glaube, du interpretierst zu viel in diese Nachricht hinein, Aomine.“ Akashi warf Aomine ein Lächeln zu. „Mit seiner schwachen Präsenz ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kuroko ein Entführungsopfer sein könnte, sehr gering.“

Aomine verzog den Mund. „Jaja, macht euch nur über mich lustig. Ich sage doch, Tetsu steckt in Schwierigkeiten! Wir müssen ihm helfen!“

„Aomine, selbst wenn Kuroko entführt wurde, sollten wir das nicht der Polizei überlassen?“, erwiderte Midorima.

„Midochin hat recht. Kurochin allein zu suchen, wäre viel zu mühsam.“

„Aber...“, murmelte Aomine.

„Das Training ist noch nicht vorbei, Aomine“, sagte Akashi und warf Aomine den Ball zu.


***


„Kurokocchi, ich kann hören, dass du auf deinem Handy tippst!“, rief Kise, der Kuroko immer noch trug. „Ich hoffe, du verrätst den anderen nicht von unserem Vorhaben!“

„Nein, Kise-kun“, antwortete Kuroko und steckte das Handy zurück in seine Hosentasche. „Könntest du mich bitte wieder herunterlassen?“

„Niemals“, protestierte Kise, „wenn ich dich absetze, läufst du nur weg, Kurokocchi. Und wir sind mitten in der Stadt. Ich will gar nicht daran denken, dich hier zu verlieren!“

„Ich werde nicht weglaufen.“

„Es bricht mir das Herz nur daran zu denken, dass Kurokocchi sich so sehr von mir trennen möchte.“

„Kise-kun, ich verspreche, ich werde nicht weglaufen.“

Kise machte Halt. Die beiden waren inzwischen in einer Straße angekommen, die auf beiden Seiten mit Einkaufsläden geschmückt war.

„Sobald ich dich absetze, werde ich dich keine Sekunde aus den Augen lassen, Kurokocchi“, warnte Kise und stellte Kuroko vorsichtig wieder auf seine beiden Beine. „Und selbst wenn ich dich verlieren sollte, werde ich dich suchen und wieder finden.“

Kuroko seufzte erleichtert, als er endlich wieder festen Boden zu spüren konnte und wich Kises eindringlichem Blick aus.

„Kise-kun, was machen wir hier? Wolltest du nicht im Park trainieren?“, fragte Kuroko, der verwundert die Einkaufsstraße hinunter blickte.

„Ah, naja, dafür ist doch später auch noch Zeit, oder Kurokocchi?“, wich Kise aus und packte Kuroko am Arm. „Komm, wir gehen in den Laden dort!“

Kise zeigte auf eines der bunten Geschäfte am Straßenrand, aus welchem ständig Leute ein und aus gingen. Widerwillig wurde Kuroko in das Bekleidungsgeschäft gezogen.

„Kise-kun, musst du mich wirklich zum Einkaufen mitnehmen?“

„Jetzt mach doch nicht so ein Gesicht, das wird sicher lustig, Kurokocchi!“, lachte Kise. „Ich kann dir all die Outfits zeigen, die ich schon bei meinen Photo Shootings getragen habe!“

Kuroko sah Kise schweigend dabei zu, wie Kise sich mit den verschiedensten Bekleidungsstücken beschäftigte.

„Siehst du, das habe ich für den Winterkatalog letzten Jahres getragen.“

„...“

„Und das letzten Monat.“

„...“

„Hey, Kurokocchi, da ist ein Poster von mir!“, rief Kise und zeigte auf eine Wand, an der große Bilder von verschiedenen Models hingen.

„...“

„Eh, das macht keinen Spaß, wenn du nichts dazu sagst“, schmollte Kise schließlich. „So war das nicht geplant.“

„Heh“, seufzte Kuroko und sah zu Kise auf. „Ich würde wirklich lieber Trainieren, Kise-kun.“

Enttäuschung zeigte sich auf Kises Gesicht. „Ich dachte, das würde dir gefallen, Kurokocchi.“

„Tut mir Leid, Kise-kun.“

Die beiden verharrten einen Moment auf der Stelle und schwiegen sich an.

„Eh? Ist das nicht der Typ auf dem Poster?“ „Das Model? Auf keinen Fall!“ „Aber er sieht ihm schon ähnlich...“

Schrille Stimmen unterbrachen die Stille plötzlich und jede Person in dem Geschäft fixierte sich auf Kise, welcher verlegen lachte, als er die Situation realisierte. Er zog Kuroko zu sich heran und flüsterte ihm ins Ohr. „Wir sollten abhauen, Kurokocchi.“

Doch jegliche Bemühungen, rechtzeitig zu entkommen, waren vergebens und schon bald war Kise von jungen Mädchen umgeben, die aus allen Richtungen auf ihn zu gestürmt kamen. Kuroko, der wie so oft nicht bemerkt wurde, lief Gefahr, überrannt zu werden und schlich gekonnt durch die Menge schreiender Mädchen, versteckte sich in einer der nahen Umkleidekabinen.

„Ich sollte den anderen wirklich Bescheid geben...“, schoss es Kuroko durch den Kopf und er zog sein Handy erneut aus seiner Tasche. Seine Miene verzog sich, als er feststellte, dass der Akku des Handys bereits aufgebraucht war und das Display schwarz blieb. Kuroko seufzte und ließ das kleine Telefon wieder in seiner Tasche verschwinden. Er öffnete den Vorhang der Umkleidekabine einen Spalt und stellte fest, dass Kise immer noch belagert wurde und sich keinen Millimeter rühren konnte.
Kuroko dachte nach, suchte nach einer Lösung seines Problems. Er spähte weiterhin aus der Umkleidekabine und mit einem weiteren Blick auf Kise kam ihm eine Idee.

Kuroko trat aus der Kabine hinaus und bewegte sich gekonnt zwischen den Menschen, bis er völlig unbemerkt schließlich Kise erreichte. Mit einem Handgriff zog er ein gelbes Handy aus einer der Taschen des noch immer von kreischenden Mädchen umgebenen Kise und bewegte sich zurück in die Kabine.

„Damit kann ich Aomine-kun und den anderen...“, sagte Kuroko sich zu und seine Finger huschten über das Display, als er eine Nachricht tippte.

„Ku-ro-ko-cchi!“

Eine laute Stimme drang an Kurokos Ohr und der Vorhang zur Kabine wurde aufgerissen. Vor ihm stand Kise, von der Menschenschar, die ihn umgab, war nichts mehr zu sehen.

„Du dachtest wohl, ich hätte das nicht bemerkt, Kurokocchi“, sagte Kise und lächelte überlegen, als er sein Handy wieder aus den Händen Kurokos nahm und in seine eigene Tasche verschwinden ließ. Kuroko hatte die Nachricht an seine Teammitglieder im letzten Moment noch verschicken können.

„Ich habe doch gesagt, dass ich meine Augen heute nicht von dir ablasse.“

„... Kise-kun...“


***


„Leute!“, rief Aomine plötzlich.

„Was ist?“, raunte Midorima genervt. „Das ist jetzt schon das zweite Mal, dass du das Training unterbrichst.“

„Seht mal.“ Aomine hob sein Handy erneut in die Höhe. „Kise wurde auch entführt!“

„Kisechin auch?“, gähnte Murasakibara, der Aomine skeptisch anblickte.

Murasakibara kam näher und warf einen Blick auf das Handy.

          „Hilfe“

„Ist das nicht die gleiche Nachricht von vorhin?“, bemerkte Murasakibara und sah Aomine fragend aus seinen müden Augen an.

„Ja, aber dieses Mal ist sie von Kises Handy aus geschickt worden“, erklärte Aomine.

„Ich halte das immer noch für Unsinn“, pflichtete Midorima bei.

„Spielen Kisechin und Kurochin uns einen Streich?“

„Was ist los? Ihr macht heute schon das zweite Mal Pause“, warf Akashi ein, der langsam näher kam und die drei Fragend anblickte. „Eine weitere Nachricht?“

„Minechin sagt, dass Kisechin auch entführt worden sei.“

„Hm, das wäre in der Tat ungünstig“, sagte Akashi nachdenklich, ein sanftes Lächeln versteckte sich auf seinem Gesicht. „Wenn wir zwei unserer regulären Spieler verlieren, würde uns das weit zurück werfen.“

„Eh? Was ist los, habt ihr ein Problem?“ Der Klang einer weiblichen Stimme war zu hören und die vier Jungs drehten sich um und erblickten Momoi, welche im Türrahmen stand und fragend dreinblickte. „Wo sind Tetsu-kun und Ki-chan denn?“

„Entführt.“

„Schwänzen.“

„Undisziplinierte Narren.“

Momois fragender Blick klärte sich nicht auf, in der Tat verwirrten sie die drei ungleichen Antworten noch mehr. Akashi seufzte und erklärte Momoi die Situation.

„Hm... ich verstehe das alles trotzdem nicht so ganz. Ihr wisst also nicht, wo die beiden sind“, stellte Momoi immer noch verwirrt fest.

„Das ist richtig“, bestätigte Akashi. „In der Tat wollten sie wir gerade suchen gehen.“

„„„Eeeh?“““ kam es von Murasakibara, Aomine und Midorima gleichzeitig.

„Wollten wir das wirklich?“, fragte Murasakibara, unsicher, ob er in dem Gespräch etwas nicht mitbekommen hatte.

„Das wollte ich doch schon von Anfang an!“, rief Aomine empört, lächelte dann aber zustimmend.

„Aber Akashi...“ Midorima fehlten die Worte.

„Ja, natürlich“, antwortete Akashi und lächelte noch immer. „Klingt nach einer sehr interessanten Beschäftigung.“

Midorima rückte noch immer sprachlos seine Brille zurecht. Er wusste, dass er mit Akashi nicht diskutieren konnte. „Tch...“

„Aber wo wollt ihr mit der Suche nach Tetsu-kun denn überhaupt anfangen ?“, fragte Momoi verwundert.

„Naja...“, begann Aomine und dachte nach. „Zuerst befragen wir unsere Mitschüler ob sie ihn gesehen haben. Und sobald wir erste Hinweise haben, verfolgen wir die Schritte des Entführers!“

„Heee~h, das klingt so anstrengend...“, gähnte Murasakibara.

„Und du denkst, das funktioniert?“, hakte Momoi zweifelnd nach.

„Wieso sollte es nicht?“, erwiderte Aomine harsch.

„Na, weil die Idee von dir kommt, Idiot! Es geht hier immerhin um Tetsu-kuns Leben!“, rief Momoi aus und ballte die Fäuste.

„Fällt dir was besseres ein?!“, entgegnete Aomine laut und die beiden sahen sich zornig an.

„Akachin~, Minechin und Sacchin streiten schon wieder...“, steuerte Murasakibara bei und Midorima  stieß einen hörbaren Seufzer aus.

„Ich pflichte Aomines Idee bei“, sagte Akashi plötzlich, was alle verwundert aufblicken ließ. „Befragt die Personen auf dem Schulhof.“

„Hah!“, stieß Aomine aus und grinste Momoi überlegen an. „Worauf warten wir? Gehen wir!“

„Aomine-kun, warte auf mich-“ Aomine schnellte aus der Halle, Momoi drehte sich um, um ihm zu folgen.

„Satsuki, du bleibst hier in der Halle, für den Fall, dass Tetsu doch noch zurück kommt“, riet Aomine ihr, was Momoi für einen Moment schmollen ließ, doch der Gedanke daran, Kuroko allein in Empfang zu nehmen, stimmte sie schnell um.

„Alles klar, ich warte hier auf Tetsu-kun.“

„Eh, muss das wirklich sein...“, murmelte Murasakibara und streckte sich schläfrig.

Akashi sah zu, wie Murasakibara und Aomine aus der Halle in Richtung Umkleide gingen und Momoi sich auf eine der Bänke setzte.

„Was hast du vor?“, fragte Midorima als er näher an Akashi herantrat.

„Wer weiß?“Ein Lächeln formte sich auf Akashis Lippen, doch er blickte Midorima nicht an.

„Hmph.“


Nachdem sie wieder in ihre Schuluniform geschlendert hatten betrat Aomine den Schuldhof und Murasakibara schlenderte ihm hinterher.

„So, wen fragen wir als Erstes?“, fragte Aomine und schaute sich auf dem Schulhof um, sah dann Murasakibara an, welcher ihn nur aus verschlafenen Augen anblickte.

„Ah, ich folge dir einfach, Minechin.“

Die beiden wanderten über das Gelände und stellten jedem, den sie sahen, die Frage, ob sie
mitbekommen hätten, was mit Kuroko passiert war. Die Antwort fiel immer wieder gleich unzufrieden stellend aus, denn niemand hatte Kuroko gesehen.

„Minechin, ich glaube nicht, dass uns das weiterhilft“, seufzte Murasakibara und setzte sich auf eine nahe gelegene Bank und streckte die Beine aus. „Ah, ich hätte jetzt gerne etwas Süßes.“

„Du gibst schon auf? Wir haben noch längst nicht alle gefragt“, protestierte Aomine und sah wütend auf Murasakibara herab.

„Vielleicht sollten wir nach Kisechin fragen. Selbst wenn Kuroko hier war, wird ihn niemand bemerkt haben“, schlug Murasakibara vor.

„Ach, wenn wir nach dem Idioten fragen, werden nur wieder alle laut“, erklärte Aomine und verzog das Gesicht bei dem Gedanken daran, was für eine Anzahl schrill kreischender Mädchen Kise tagtäglich um sich hatte. „Jedenfalls kommen wir so nicht weiter.“

„Und habt ihr Erfolge zu berichten?“, fragte Akashi, der zusammen mit Midorima wie aus dem Nichts auftauchte und auf die beiden zu lief. Murasakibara seufzte erneut und Aomine sah verlegen auf den Boden.

„Niemand hat Kurochin gesehen“, erklärte Murasakibara und gähnte. „Akachin, hast du etwas zu Essen für mich?“

„Verstehe“, antwortete Akashi. „Nun, es war zu erwarten, dass niemand Kuroko hätte sehen können.“

„Du wusstest also von vornherein, wie die Befragung ausgeht?!“, rief Aomine empört.

„Hm~, vielleicht, vielleicht auch nicht“, bestätigte Akashi mit einem leichten Lächeln.

„Hmph, Zeitverschwendung“, murmelte Midorima.

Aomine biss auf seine Unterlippe und starrte wieder verlegen zu Boden.

„Midochin, ist das ein Bonbon in deiner Hand?“, fragte Midorima plötzlich und unterbrach das Schweigen.

„Heh?“, stieß Midorima verwundert aus. „Natürlich nicht. Das habe ich auf dem Weg gefunden“, erklärte er und zeigte das, was er bei sich hatte. Ein kleiner Schlüsselanhänger in Form eines Basketballs rollte über seine Handfläche und Murasakibara lehnte sich enttäuscht zurück.

„Moment“, rief Aomine plötzlich, seine Augen wurden weit. „Das ist Tetsus Anhänger!“

„Das ist Kurokos?“, fragte Midorima. „Woher weißt du das?“

„Der Anhänger war ein Geschenk von Satsuki an Tetsu, sie zwang mich etwas auszusuchen, was Tetsu gefallen könnte“, erklärte Aomine und seufzte, als er daran dachte, wie oft ihn Momoi zum Einkaufen mitschleppte.

„Warum liegt Kurochins Anhänger auf dem Schulgelände?“, fragte Murasakibara, immer noch enttäuscht, dass es keine Süßigkeit gewesen war.

„Vielleicht hat Tetsu uns einen Hinweis hinterlassen!“, schlussfolgerte Aomine. „Als der Entführer ihn gepackt hat, hat er seinen Anhänger hier gelassen und gehofft, dass wir ihn finden würden.“

„Das ist totaler Schwachsinn“, warf Midorima genervt ein. „Wieso würde ein Krimineller mitten auf dem Schulhof jemanden entführen? Und wieso sollte uns der Anhänger Hinweise hinterlassen?“

„Eh, aber Midochin, niemand würde Kurochins Entführung bemerken“, erwiderte Murasakibara, wofür er sich nur einen zornigen Blick von Midorima einfing.

„Deswegen war er das perfekte Ziel“, schloss Aomine nachdenklich.

„Aomine, was planst du als nächstes zu tun?“, fragte Akashi herausfordernd und sah Aomine eindringlich an. Aomine dachte angestrengt nach, Midorima und Murasakibara tauschten verwunderte Blicke aus.

„Also ich denke, wir sollten dem Hinweis folgen“, erklärte Aomine schließlich.

„Gut, dann führe uns zu Kuroko und Kise.“


***


„Danke für die Einladung.“

„Ach was, Kurokocchi. Das mache ich doch gern für dich!“

Kise und Kuroko saßen in einem kleinen Eiscafé, beide nippten an einem Milchshake.

„Hm...“

„Was ist?“, fragte Kise erstaunt. „Sag nicht, dass er dir nicht schmeckt...“

„Nein, es ist nur... er schmeckt anders, als der Milchshake, den ich üblicherweise trinke“, erklärte Kuroko leise.

„Ah, wenn's nur das ist“, lachte Kise. „Hey, Kurokocchi, was machen wir als nächstes?“

Kuroko seufzte kaum hörbar und ließ die Schultern hängen, schon seit Stunden zerrten ihn Kise von einem Ort zum nächsten.

„Wir sollten zurück gehen“, sagte Kuroko zögernd und wich Kises Blick aus. „Es wird bald Abend.“

Kise schwieg und dachte verlegen nach. Hatte er etwas falsch gemacht?

„Hey, Kurokocchi... was sagst du da auf einmal?“, fragte Kise, ein unsicheres Lächeln auf den Lippen. „Hat dir der Tag etwa keinen Spaß gemacht?“

„Nein“, sagte Kuroko offen, was Kise tief seufzen ließ.

„Eh...“, sagte Kise schmollend, woraufhin das Schweigen zwischen den beiden wieder einsetzte und Kuroko weiter seinen Milchshake trank.

Kise wippte auf seinem Stuhl hin und her, dachte darüber nach, was Kuroko aufheitern könnte. „Ah!“, rief er plötzlich aus, ihm kam eine Idee. „Ich kann dir noch mehr Sachen kaufen, Kurokocchi! Ich kenne da einen tollen Laden, wenn wir da hingehen, finden wir sicher etwas Niedliches, das zu dir passt. Komm, wir gehen--“

„Kise-kun“, unterbrach Kuroko seinen Gegenüber. „Warum tust du das?“

„Hm?“ Kise war verwundert, mit dieser Frage hatte er nicht gerechnet. „Was tue ich?“

„Warum bestehst du so darauf, mit mir zusammen zu sein?“

„Das... äh...“, zögerte Kise, er suchte nach den richtigen Worten. „Ich dachte, wenn wir ein bisschen Spaß zusammen haben, könnten wir vielleicht bessere Freunde werden. Das siehst du doch auch so, oder, Kurokocchi?“

„...“

„Also habe ich dich zu all den Orten mitgenommen, die ich mag... oh...“ Als Kise diese Worte aussprach, realisierte er etwas.

„Kise-kun?“

„Heh, ich glaube, ich habe begriffen, was du meinst...“, sagte Kise mit gesenkter Stimme. „Ich habe versucht, deine Freundschaft zu gewinnen, in dem ich dir nur Dinge gezeigt habe, die ich toll finde und kein einziges Mal auf deine Meinung gehört. Darauf wolltest du doch hinaus, oder?“

Kise sah zu Kuroko auf, welcher seinen Blick erwiderte und nickte.

„Haa~h“, seufzte Kise. „Ich bin wohl wirklich hoffnungslos, oder?“

„Kise-kun“, Kurokos Mund formte sich zu einem warmen Lächeln. „Bitte rede dich nicht selbst schlecht.“

„Das heißt...?“, fragte Kise verwundert und sprang auf. „Kurokocchi gibt mir eine zweite Chance?“

Kuroko nickte erneut und blickte erwartungsvoll zu Kise auf.

„Okay, dann... ähm...“, begann Kise zögerlich und er atmete einmal tief durch. „Was möchtest du als nächstes tun, Kurokocchi?“

„Gehen wir in den Park und trainieren“, sagte Kuroko schließlich und auf Kises Gesicht erschien ein breites Lächeln.

„Ja!“

„Hm.“ Kuroko stellte den leeren Becher zurück auf den Tisch und stand auf. „Der Milchshake war übrigens lecker.

„... Kurokocchi~!“, rief Kise überglücklich aus. „Wah, lachst du etwa? So niedlich~“

„Gehen wir, Kise-kun.“



Das Aufprallen des Balles auf den harten Boden erklang durch den gesamten Park. Kuroko und Kise waren die einzigen, die den Basketballplatz nutzten und so konnten sie uneingeschränkt Kurokos Pass trainieren.

„Okay, Kurokocchi, ich bin bereit!“, rief Kise und begab sich in Position, den Basketball in der Hand.

„Alles klar“, bestätigte Kuroko und passte den von Kise geworfenen Ball direkt zurück zu diesem, mit einer Technik, die ein menschliches Auge kaum verfolgen konnte.

„EH?“ Kise konnte den Ball nicht abfangen, er glitt direkt an seinen Händen vorbei. „Kurokocchi, der Pass war viel zu schnell!“

„Tut mir Leid“, antwortete Kuroko. „Aomine-kun kann ihn fangen.“

„Das ist es also, was du gemeint hast...“, sagte Kise-kun nachdenklich und machte sich im nächsten Moment wieder bereit. „Noch einmal!“

Kise fing auch die nächsten Schüsse nicht ab und ließ sich nach einer Weile seufzend zu Boden fallen. „Was hat Aomine, was ich nicht habe?“

Kuroko nahm den Ball erneut in die Hand und sah Kise an. „Ich vertraue Aomine-kun und Aomine-kun vertraut mir.“

„Heißt das, du vertraust mir immer noch nicht, Kurokocchi?“, fragte Kise bestürzt.

„Hm“, stieß Kuroko nachdenklich aus. „Ich vertraue Kise-kun, aber vertraut Kise-kun auch mir?“

„Heh?“

„Versuche, nicht auf mich zu achten. Achte nur auf die Richtung, aus der der Pass kommt und habe nur den Ball im Blick.“ Kuroko reichte Kise die Hand. „Ich bin nur der Schatten, der den Ball zum Licht lenkt.“

„Ich verstehe!“, rief Kise aus und griff Kurokos Hand. „Lass es uns noch einmal versuchen, Kurokocchi.“

Kise richtete sich wieder auf und ging in Position. „Okay, Kurokocchi, wirf so hart du kannst! Keine Gnade!“

„Ja!“

Kise warf den Ball und Kuroko passte ihn mit aller Kraft wieder zurück. Nur wenige Augenblicke vergingen, bis Kise den Ball wieder in seinen eigenen Händen hielt.

„Ich hab ihn gefangen! Siehst du Kurokocchi, ich kann es also doch!“, rief Kise, ließ den Ball aber plötzlich fallen. „Autsch, der Basketball ist verdammt heiß!“

„Tut mir Leid“, bat Kuroko nochmals.

„Hey, keine Entschuldigungen mehr, Kurokocchi.“ Kise nahm den Ball wieder auf. „Noch einmal!“


***


Murasakibara, Akashi und Midorima waren Aomine bis tief in die Stadt gefolgt, kamen an vielen Läden und Cafés vorbei, in denen sich Menschen tummelten.

„Aomine, es wird bald Abend“, meldete sich Midorima zu Wort. „Ich weiß nicht, was du hier vorhast, aber Kuroko finden wir hier mit Sicherheit nicht.“

„Ich weiß einfach, dass Tetsu hier ist“, antwortete Aomine entschlossen.

„Akashi!“, rief Midorima empört aus.

„Midorima, folgen wir einfach Aomine“, erklärte Akashi bedacht und Midorima biss auf seine Unterlippe.

„Hey, Minechin, können wir in den Laden dort drüben gehen?“, bat Murasakibara und zeigte träge auf eines der Geschäfte. „Die verkaufen dort neue Snacks.“

„Wir haben dafür keine Zeit, wir müssen Tetsu finden- hey, wo gehst du hin, Murasakibara!“ Aomine ging Murasakibara aufgebracht nach, welcher sich von der Gruppe abspaltete und in das Geschäft marschierte. Kurz darauf waren beide hinter den Schiebetüren des Ladens verschwunden und Akashi und Midorima blieben allein zurück.

„Ich schätze, wir müssen warten“, murmelte Midorima.

„Midorima.“

„Akashi?“

„Wo sind Kuroko und Kise? Ich möchte deine Meinung hören.“

„Meine Meinung? Das Leben undisziplinierter Menschen ist für mich nicht von Bedeutung.“

„Erinnerst du dich noch an das, was ich dir heute Morgen beim Shogi gesagt habe?“, fragte Akashi, jedoch ohne dabei aufzublicken.

„... du sagtest, dass heute ein interessanter Tag werden würde“, antwortete Midorima.

„Genau. Hast du mittlerweile herausgefunden, warum?“

„Hmph, nein. Oha Asa hat gewarnt, dass die Dinge heute ihrer Norm abweichen würden und damit hatte sie vollkommen recht“, erklärte Midorima und rückte seine Brille zurecht. „Interessant würde ich das nicht nennen, nur problematisch und risikoreich.“

Ein Lächeln erschien auf Akashis Lippen. „Sind Dinge, die von der Norm abweichen, nicht auch auf ihre eigene Art und Weise interessant?“

„Auf keinen Fall. Wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte, ist dies irritierend und unangenehm. Ich vermeide es, Dinge zu tun, die gegen meine Richtlinien gehen“, entgegnete Midorima entschlossen.

„Eine interessante Antwort“, sagte Akashi und schwieg für einige Augenblicke. „Wenn beim Shogi oder Schach der Gegner einen überraschenden Zug tätigt, wie würdest du darauf reagieren?“

„Es gibt keine überraschenden Züge. Es wird mit einer limitierten Anzahl Figuren auf einem limitierten Brett gespielt. Es gibt also nur eine limitierte Anzahl an Zügen, die getätigt werden kann. Alles hat seine Norm.“

„Und wie würdest du in der gleichen Situation auf dem Spielfeld reagieren?“

„Basketball und Shogi sind nicht zu vergleichen. Egal, wie oft du mich das fragst.“

„Basketball und Shogi sind exakt das Selbe. Wie würdest du reagieren, wenn die Gefahr droht, dass ein gegnerischer Spieler deinen Korbwurf abblockt, Midorima? Würdest du Faken? Abbrechen? Trotz des Risikos den Wurf wagen?“

„...“

„Deine Antwort?“

„Niemand kann meinen Wurf abblocken. Ich schieße nur, wenn ich mir 100% sicher bin. 100% sind nicht zu umgehen.“

„Hm...“ Akashi lächelte finster. „Die Zukunft wird zeigen, ob sich dein Selbstbewusstsein in deine Fähigkeiten als wahr herausstellt.“

„...“


Die Schiebetür des Geschäfts ging auf. „Hee~y, tut mir Leid, dass ihr solange warten musstet.“ Aomine schlenderte aus dem Gebäude, dicht gefolgt von dem mit Einkaufstüten beladenen Murasakibara, und in seinen Händen befand sich das Eis, welches das Team gerne zusammen aß. „Ich hab Eis für uns alle gekauft.“

„Nicht, dass wir eines nötig hätten“, murmelte Midorima, als er eine der Packungen nahm.

Aomine reichte auch Akashi eine der kleinen Packungen in seiner Hand. „Sehr aufmerksam von dir, Aomine.“

„Wir haben gar kein Eis für Kurochin und Kisechin“, bemerkte Murasakibara, als er sich die letzte Packung nahm.

„Wir wissen doch gar nicht, wo sie sind. Das Eis würde schmelzen“, entgegnete Midorima.

„Eh, ich denke, du hast recht, Midochin.“

Die Vier bewegten sich wieder und gingen weiter die Straße hinab, an den vielen Läden und auch einem kleinen Café, bei dem auf einem der Tische zwei leere Milchshakes platziert worden waren, vorbei.

„Ohne Kurochin und Kisechin schmeckt das Eis nicht“, stellte Murasakibara fest und gähnte.

„Hm...“, stieß Aomine aus und stimmte innerlich zu. „Wir können uns ja noch eines kaufen, sobald wir sie gefunden haben!“, sagte er mit einem breiten Lächeln.

„Zwei Eis am Tag? Unerhört“, wandte Midorima ein und erhielt als Antwort nur ein unterdrücktes Kichern von den anderen.

„Midorima“, belehrte Akashi ihn. „Manche Tage folgen einfach nicht der Norm.“

„... Wie auch immer, hast du inzwischen ein genaues Ziel vor Augen, Aomine?“, erkundigte sich Midorima, erhoffte sich jedoch keine Antwort.

„Ja“, sagte Aomine wider erwarten aus. „Ich weiß ganz genau, wo wir hingehen müssen.“

„Und wohin wäre das?“, hakte Midorima nach.

„Eh, Midochin, du hast es noch nicht herausgefunden?“, wandte Murasakibara ein.

„Du auch, Mursakibara?“

„So wie es aussieht, hat nur Midorima noch nicht herausgefunden, wo Kuroko und Kise sind“, stellte Akashi fest und tauschte amüsierte Blicke mit Aomine und Murasakibara aus.

„Hmph...“


***


Die Abenddämmerung brach an und der Himmel nahm die Farbe der untergehenden Sonne an. Midorima machte den Mund auf, um seine nächste Beschwerde kund zu tun, als er plötzlich das Geräusch eines Basketballs, der immer und immer wieder auf dem Asphalt aufkam, vernahm.

„Das ist...“, Midorima sah sich um. „Der Park?“

„Genau!“, bestätigte Aomine. „Wir sind da!“

     „Tut mir Leid.“ „Hey, keine Entschuldigungen mehr, Kurokocchi. Noch einmal!“

„Ah, ich kann Kurochin und Kisechin hören“, merkte Murasakibara an.

„Gut, dass sie noch hier sind“, sagte Akashi ohne den geringsten Zweifel in seiner Stimme.

Midorima sah verwundert auf das Basketballfeld vor ihm, auf dem Kuroko und Kise das Passen trainierten. „Moment... ihr alle wusstet davon?“, fragte er ungläubig und rückte hastig seine Brille zurecht. Er sah Akashi, Murasakibara und Aomine entsetzt an, welche ihm nur ein Lächeln entgegneten.

„Aber das war doch klar, dass die beiden hier sein würden, Midorima“, antwortete Aomine gelassen und kratzte sich am Kinn. „Ich meine, wo sollte die beiden denn sonst sein?“

„Aber...“

„Minechin hat Recht, wo sollten Kurochin und Kisechin denn sonst sein, als im Park trainieren?“, steuerte Murasakibara gleichgültig bei.

„Aber die Nachrichten...“

„Eh, Midorioma, warst du nicht derjenige, der die Nachrichten für Schwachsinn hielt?“, lachte Aomine und klopfte Midorima die Schulter, welcher peinlich berührt zu Boden sah und jeglichen Blickkontakt mied. „Worauf warten wir? Sagen wir Tetsu und Kise hallo! … Heeey, Tetsu!“

„Hey, da seid ihr ja endlich, Aominecchi!“ „Guten Abend, Aomine-kun, Murasakibara-kun.“

Aomine und Murasakibara betraten das Feld.

„Akashi, wusstest du etwa die ganze Zeit über davon?“ Midorima drehte sich um und wandte sich an Akashi, die Blicke der beiden trafen sich.

„Hm...“ Akashi lächelte, doch etwas schien seltsam an eben diesem Lächeln, es gab Midorima ein ungutes Gefühl. „Wer weiß.“

„Hey, Midorima!“, kam es von Kise, der auf der anderen Seite des Feldes stand und Midorima fuhr herum. „Wie lange willst du da noch herumstehen?“

„Komm, gehen wir, die anderen wollen trainieren“, sagte Akashi gelassen und ging an Midorima vorbei, der ihm verdutzt hinterher sah.

„Was habt ihr denn die ganze Zeit gemacht, Kise?“, fragte Aomine neugierig und legte einen Arm um Kuroko. „Du wolltest doch nicht meinen Partner entführen, oder?“

„Aomine-kun, du bist schwer...“ murmelt Kuroko leise.

„Eh, Kurokocchi und ich haben nur ein bisschen das Passen trainiert. Und lass mich dir eines sagen, Aominecchi...“ Kise trat an Kurokos andere Seite heran und legte ebenfalls einen Arm um diesen, welcher deutlich unter der Last litt. „... ich kann Kurokocchis Pässe mindestens genauso gut abfangen wie du. Vielleicht sogar besser.“

„Kise-kun, Aomine-kun... bitte...“, bat Kuroko, doch die beiden Spieler ignorierten ihn.

„Oh~, Kurochin kann ja noch kleiner werden~“, scherzte Murasakibara und legte eine seiner großen Hände auf Kurokos Kopf und streichelte diesen.

„Hör bitte auf, Murasakibara-kun“, flüsterte Kuroko, doch er wurde völlig von allen anderen übertönt.

„Besser? Du? Hah, davon will ich mich selbst überzeugen“, rief Aomine herausfordernd und grinste Kise an.

„Genau, ich werde dir zeigen, dass Kurokocchi und ich die besseren Parnter sind, Aominecchi!“, antwortete Kise mit einem überlegenen Lächeln auf dem Gesicht und nahm die Herausforderung an. „Wir haben nicht umsonst den ganzen Nachmittag trainiert!“

„Den ganzen Nachmittag? Kise-kun, bitte...“, kam es von Kuroko.

„Hah“, stieß Midorima aus, der sich ebenfalls zu seinen Teammitgliedern stellte und seine Brille zurechtrückte. „Den ganzen Nachmittag? Das glaube ich euch nicht.“

Kuroko drohte unter der Last zusammenzubrechen und es war Akashis Stimme, die die anderen aus ihren Gesprächen riss. Kuroko sank nach Luft ringend zu Boden, Kise rief besorgt seinen Namen und wollte sich um seinen Hals werfen, wurde jedoch im letzten Moment von Aomine ebenfalls zu Boden befördert.

„Gut“, begann Akashi und sah die anderen der Reihe nach an. „Spielen wir 3-gegen-3.“

Die anderen nickten zustimmend und Akashi bestimmte die Teams. „Kise, Kuroko und Murasakibara gegen Aomine, Midorima und mich.“

„Tetsu, Kise, ich bin bereit!“, rief Aomine.

„Wir auch, Aominecchi!“, entgegnete Kise laut und tauschte einen selbstbewussten Blick mit Kuroko aus.

„Wir geben unser bestes, Aomine-kun“, sagte Kuroko.

„Hmph, auf diesem schmutzigen Parkboden zu spielen ist ja wohl das Allerletzte...“, seufzte Midorima. „Oha Asa hat nie unrecht.“

„Ich hoffe, wir essen dann noch ein Eis mit Kurochin und Kisechin“, murmelte Murasakibara verträumt und gähnte.

Die sechs Spieler nahmen ihre Positionen ein, Akashi erhob noch einmal die Stimme. „Auf ein gutes Spiel. Aber vergesst nicht“, fügte er mahnend hinzu. „Das ist nur ein Trainignsmatch.“


Der Basketball flog in die Höhe, Aomine und Kise sprangen gleichzeitig vom Boden ab und griffen nach dem runden Objekt. In einem Bruchteil einer Sekunde wurde entschieden, dass der Ball an Aomines Team ging, welche dank Midorima sogleich den ersten Korb warfen.

„Zu einfach“, murmelte Midorima und fasste an den Rahmen seiner Brille.

„Eh, Kise, das war aber nichts...“, seufzte Aomine enttäuscht.

„Du hast mir gar keine Chance gegeben, den Ball zu nehmen, Aominecchi!“, rief Kise empört aus und verschränkte die Arme.

„Kise-kun, der nächste Ball ist unserer“, munterte Kuroko Kise auf und die beiden tauschten ein Lächeln aus.

„Darauf kannst du wetten, Kurokocchi!“

Der Ball ging über den Platz, immer zwischen den beiden Körben hin und her, bis schließlich Murasakibara in Aktion trat und den Ball in der Luft abfing.

„Ich bin auch neugierig auf Kurochin und Kisechin...“, merkte Murasakibara an und warf den Ball in Richtung Kuroko.

„Kurokocchi, pass mir den Ball! Kurokocchi, hier drüben, Kurokocchi~!“ Kise machte aufgeregt auf sich Aufmerksam und ging in Position, suchte das Feld nach dem Ball ab.

„Kise-kun, hier!“ Kuroko manipulierte die Flugbahn des Basketballs und er bewegte sich direkt auf Kise zu.

„Alles klaaar~“ Kises Fingerspitzen berührten den Ball und einen Augenblick darauf erfüllte schallendes Gelächter den Park.

„Ahahahaha, Kise hat den Pass nicht gefangen. Gute Arbeit, Tetsu!“, lachte Aomine und rang nach Atem.

„Eeeeeeh, ich habe ihn nicht gefangen?“, rief Kise verblüfft. „Ich hab Kurokocchis Pass nicht gefangen? Waaaaaa~s?“

„Kise-kun....“, murmelte Kuroko.

„Waaaaah, Kurokocchi, das hast du mit Absicht gemacht!“ Kise zeigte auf Kurokocchi und ihm schienen Tränen in die Augen zu steigen. „Du hast den Ball mit Absicht viel zu schnell geworfen. Waahaa, Kurokocchi, du bist so herzlos!“, rief Kise erschüttert.

„Kise-kun, warst du nicht derjenige, der gesagt hat, ich solle mich nicht zurückhalten?“, warf Kuroko ein und sah zu, wie Kise auf dem Boden kauerte.

Akashi und Midorima seufzten, Murasakibara gähnte desinteressiert und Aomine krümmte sich noch immer vor Lachen. Nur Kise schien schwer von dem Fehler getroffen zu sein.

„Das war von dir nur zu erwarten, Kise, ahahaha! Tetsu ist einfach zu gut für dich!“, lachte Aomine noch immer.

„Nicht traurig sein, Kisechin, ich gebe dir auch etwas von meinen Süßigkeiten ab“, sagte Murasakibara und beugte sich zu Kise hinunter und reichte ihm die Hand, auf seiner Handfläche kam ein rundes Bonbon zum Vorschein.

„Pfft, den ganzen Tag für so etwas verschwendet, lächerlich“, schnaubte Midorima.

„Ihr macht euch doch alle nur über mich lustig!“, jammerte Kise und richtete sich wieder auf. Er drehte sich zu Kuroko und nahm seine Hand. „Kurokocchi, gibst du mir noch eine dritte Chance?“

„Akashi-kun, kann ich das Team wechseln?“, bat Kuroko, so gelassen wie immer. „Dieser Amateur ist zu schlecht für meine Pässe.“

Kises darauffolgender Klageschrei sorgte nicht nur bei Aomine für ein herzhaftes Lachen. Doch eben dieses Lachen verstummte plötzlich, als Akashi folgende Worte aussprach:

„Ich hoffe, ihr habt eure Bestrafung nicht vergessen. Die ausgefallenen Trainingsstunden müssen nachgeholt werden. Habt ihr das verstanden Aomine, Kise, Kuroko, Murasakibara, Midorima?“

„„„„„Wie bitte?“““““


Ende.
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