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Magi:The crying Soul | Band 1: Das Vermächtnis

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
Hakuryuu Ren Jafar Judar
09.11.2013
12.07.2014
17
67.659
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09.11.2013 7.171
 
Sie hielt den Kopf gesenkt und ließ sich von der rauen Hand in ihrem Rücken vorwärts, den plattgetretenen Pfad, entlang schubsen. Sie hob nicht den Blick, als etwas an den Seilen um ihre Handgelenke zog und sie zum stehen bleiben zwang. Das einzige worauf Sheila sich konzentrierte war der Boden vor ihren Füßen, denn die Grunzlaute um sie herum konnte sie nicht verstehen.
Das Seil rieb an ihren Handgelenken und sie setzte sich freudig in Bewegung als die gewohnte Hand sie wieder unsanft vorwärts schubste. Weiter den Weg entlang, Schritt für Schritt auf die Dunkelheit zu.
Dann ruckte es wieder an ihrem Seil und erneut blieb sie stehen, doch diesmal hob sie ihren Blick und sah in der Dunkelheit des Sumpfes ein großes Gebäude stehen. Die Lehmwände des rechteckigen Hauses waren mit dicken Holzstämmen verstärkt und ein Dach aus Holz, Lehm und Laub schützte den Innenraum vor der Feuchtigkeit der Umgebung.
Doch im Gegensatz zu dem Dorf davor, gab es hier etwas das sie in Schock versetzte, auch wenn Kamu sie schon vorgewarnt hatte. Um das Haus herum und auch im Haus waren Menschen, Menschen die sie kannte und die sie Tod geglaubt hatte. Sie alle trugen Ketten und sie schienen… gebrochen. Sie bewegten sich seltsam langsam und teilweise hatten sie offene Wunden auf dem Rücken oder ihren Gliedmaßen.
Der Anblick ihrer verloren geglaubten Freunde und Mitglieder des Dorfes, trieb Sheila die Tränen in die Augen. Teils von Glück das sie noch lebten und teils von Schock in welcher Verfassung sie waren.
Eine junge Frau die erst vor ungefähr einer Woche mitgenommen worden war, sah auf als sie den Weg entlang kamen und stieß einen schrillen, aber leisen Laut aus. Sie schien geschockt und Tränen stiegen ihr in die Augen als sie Sheila erkannte. Sheila hatte das Gefühl das sie am liebsten sofort zu ihr gelaufen wäre und jetzt drehten sich auch einige der anderen Sklaven um und sahen betroffen aus, aber nicht so sehr wie die junge Frau. Die Anderen schienen irgendwie stumpf geworden zu sein, als würden sie sich für nichts mehr interessieren.
Doch als der Blick ihres Fängers auf die Sklaven fiel, drehten diese sich sofort weg und arbeiteten weiter, schneller als zuvor, ganz so als hätten sie Angst bestraft zu werden.
„Schrecklich… das ist so schrecklich“, flüsterte Sheila dann und sie spürte wie der Seishtani hinter ihr, ihr flüchtig über den Arm strich um sie zu beruhigen.
„Was habt ihr faulen Säcke zu glotzen hm!? Arbeitet gefälligst weiter!“, kam eine sehr raue und tiefe Stimme aus dem inneren des Hauses und sofort wurden die Sklaven noch schneller, obwohl manche schon jetzt an ihre Grenzen zu kommen schienen.
„Ahh… Kamshura…? Seltener Besuch, wolltest dich wohl mal wieder nach deiner Kleinen erkunden was?“, nun trat ein großer, sehr kräftig gebauter Fischmensch aus dem Schatten des Eingangs heraus. Er war pechschwarz und helle, orangefarbene Flecken leuchteten regelrecht auf diesem dunklen Schuppenkleid.
Doch dann zogen sich die Augen des Fischmenschen plötzlich zusammen als er sie sah, nur um sich dann leicht zu weiten. „Was… ist das nicht eine der Kleinen aus dem Dorf? Wieso… hm, das war es also was ich gespürt habe? Eine Magus…? Interessant. Aber das kann nicht alles sein…“.
Mit diesen Worten kam der große Seishtani die Stufen hinunter und baute sich vor der Blauhaarigen auf. Sheila unterdrückte ein nervöses Schlucken und erwiderte den Blick der großen, runden menschenähnlichen Augen die sie aus dem Fischkopf heraus musterten.
Also hatten sie richtig gedacht, der Seishtani beherrschte tatsächlich nicht nur Magie, sondern konnte auch das Rukh sehen und damit ihr Leuchten das auch Judal ununterbrochen um sie herum sah.
„Ja, ganz genau. Sie ist nicht der einzige große Fang heute. Wir haben auch einen fremden Mann gefunden. Doch als wir ihn mit ihr zusammen zurückbringen wollten, hat er auf halber Strecke plötzlich Magie benutzt und ist uns entkommen“, erzählte Kamu, der sie immer noch an dem Seil festhielt und sich jetzt langsam aus der kleinen Verbeugung erhob, die er angenommen hatte als Nkshar heraus getreten war.
Sheila spürte regelrecht wie sich jede Faser in Kamus Körper dagegen sträubte dem verhassten Königsmörder zu dienen und sich vor diesem zu verbeugen. Doch auf Kamus Worte hin stieß Nkshar ein tiefes Zischen aus. „Noch ein Magus? Nein, das was ich gespürt habe war Größer als ein Magus. Die Kraft die letzte Nacht freigesetzt wurde, kein Magus kann so viel Magie auf einmal wirken und das Rukh war schwarz. Der der euch entkommen ist, war es ein Mann mittleren Alters mit rabenschwarzem Haar und Augen wie glühende Kohlen…?“, nun wanderte der Blick von Nkshar zu Kamu, scheinbar war es ein stummes Kräftemessen, doch der Prinz gab nicht nach.
//Er weiß wer gestern aus dem Eis gekommen ist, er weiß das es Judal ist… wie mächtig ist er, dass er gespürt hat das die Magie von gestern Abend von einem Magi kam…? und er hat sofort 1 und 1 zusammen gezählt als er das schwarze Rukh gesehen hat das Judal zu sich gerufen hatte…// Es erschreckte Sheila, das ihr Feind scheinbar schon so viel von ihnen zu wissen schien. Sie hoffte dass alles klappte und sie den Seishtani nicht unterschätzten.
Judal war im Moment dabei die Gruppe Tritonen abzufangen die Kamu eigentlich anführen sollte um in das Dorf zu ziehen. Kamu hatte die Leute mitten auf dem Weg zum Dorf verlassen, während sich Judal da schon auf die Lauer gelegt hatte um sie auszuschalten und sie wie auch Kamu hofften das er sich daran gehalten hatte sie nicht zu töten.
Danach war der Seishtani in die Hütte zurückgekehrt, hatte die Zeit die es brauchte zum Dorf und zurück zu kommen abgewartet und sie dann gefesselt und hierher gebracht. Judal hingegen würde im Wald an einem bestimmten Platz auf den Tritonen warten und Lockvogel spielen, während Sheila ihren Part im Haus tat während Nkshar weg war. Das hieß wenn dieser ging, dabei waren ihre Bedenken das er es nicht für nötig sah selbst nach Judal zu suchen sehr groß gewesen. Doch nun wo er scheinbar schon genau wusste mit wem er es zu tun hatte, würde er hoffentlich selbst gehen.
„Ja, er passt auf ihre Beschreibung. Sie wissen mit wem wir es zu tun haben?“, antwortete Kamu dann und stellte dem Anderen auch direkt eine Frage, die dieser nur mit einem Nicken des kräftigen Kopfes beantwortete.
„Gut, dann will ich das du mir sofort eine Mannschaft aus den besten Kriegern zusammen stellst. Ich werde mitkommen und den Kerl stellen… das wird sehr interessant“, Sheila gefiel das Grinsen des Schwarzen überhaupt nicht. Hatte er etwa wirklich eine Chance gegen den Magi? Er dachte es scheinbar… nein, er dachte sogar das er ihn besiegen könnte. „Und du Kamu, weißt das du am besten nichts dummes anstellst“, die Worte kamen mit einem so deutlichen, drohenden Unterton das Sheila fast schon Angst bekam das er ahnen könnte das sie etwas im Schilde führten.
„Du hast keine Chance gegen ihn!! Er wird dir deine Fischgedärme aus dem Körper reißen!!“, sie wusste nicht wieso, doch Sheila brüllte einfach los, riss dem überraschten Kamu das Seil aus der Hand und wollte auf Nkshar losgehen. Sie drückte sich mit aller Kraft vom Boden ab und sprang auf den Tritonen zu, da wurde sie plötzlich aus der Luft gerissen.
Irgendetwas hielt sie auf und presste ihr den Atem aus den Lungen und sie war froh heute noch nichts gegessen zu haben, denn dann hätte sie es jetzt mit ziemlicher Sicherheit wieder ausgespuckt. Sie landete hart auf dem Boden und krümmte sich unter Schmerzen in ihrem Magen und ihrer Brust. Als sie mit Tränen in den Augen, wobei sie sich dafür fast verfluchte, nach oben sah, sah sie wer sie angegriffen hatte.
Kamu griff noch in dem Moment wo sie es realisierte nach ihren Seilen und zog sie unsanft auf die Beine, wobei Sheila fast wieder nach vorne umgekippte, durch die Schmerzen die sich in ihrem gesamten Bauchraum auszubreiten schienen. Der rote Seishtani hatte seinen Kampfstab herausgeholt und sie damit scheinbar aus der Luft geschlagen als sie Nkshar angreifen wollte. Nun sah er sie mit einem Hass in den Augen an das Sheila nun tatsächlich dachte das der Tritone auf der Seite von Nkshar stand, sich erpressen ließ und sie die ganze Zeit nur in eine Falle geführt hatte.
Ein lähmendes, kaltes Gefühl legte sich über sie und sie war unfähig zu reagieren. Kamu schubste sie vorwärts, in die Hände eines zirkonfarbenen Seishtani. Sie bekam nur am Rande mit wie der Schwarze mit Kamu redete und dieser anfing zu lachen. Dann drehte sich der Schwarze zu ihr und dem Blauen um. „Bring sie runter in den Kerker, ich werde mich später mit ihr befassen, jetzt habe ich einen größeren Fisch zu fangen“, meinte Nkshar dann, drehte sich wieder um und ging, gefolgt von Kamu.
Sheila ließ sich ohne zu murren von dem anderen Seishtani abführen, es brachte eh nichts sich dagegen zu wehren, denn der Kerker war ihr Ziel, also folgte sie stumm und nachdenklich. Sie bekam kaum mit welchen Weg sie gingen, bis es plötzlich immer dunkler und stickiger wurde. Außerdem stolperte sie mehrmals, da die Stufen die hinab führten immer Bröckeliger zu werden schienen und teilweise schon ganze Stücke fehlten.
Als sie endlich unten angekommen waren, war Sheila schon fast erleichtert. Dann führte sie der Seishtani weiter, an mehreren Zellen vorbei die mit rostigen, dicken Gitterstäben verschlossen waren.  In einigen befanden sich jämmerliche Gestalten die teilweise so reglos waren, das Sheila nicht wusste ob sie lebten oder nicht. Irgendwie hatte sie das Gefühl das das hier unten die Zellen der Sklaven waren die Krank oder anderweitig unfähig zum Arbeiten waren. Man ließ sie hier einfach jämmerlich verrecken wie unnützes Vieh!
Diese Erkenntnis ließ den Hass in Sheila wieder aufkeimen. Erst der Verrat von Kamu und jetzt das! Eigentlich wollte der Tritone ihr helfen und sie führen sobald Nkshar weg war, doch das bezweifelte sie nun. Nicht nur weil er sie scheinbar hintergangen hatte, sondern auch weil er nun Krieger zusammensuchen musste und allen Anschein nach auch selbst bei der Suche mitmachen würde. Das würde aus Judal keinen Lockvogel machen, sondern ein Opfer, verdammt!
Sie konnte nur hoffen das der Magi heil aus der Sache herauskam, denn Kamu wusste das er einiges an Magie wirken konnte und würde Nkshar vorwarnen…
Doch nun hatte sie immer noch eine Mission zu erledigen, bei der es egal war ob Kamu sie verraten würde oder nicht. Doch sie hoffte dass es nicht so war, denn dann wusste er ja auch was sie vorhatte und sie würde unliebsamen Besuch bekommen bei ihrem Versuch hinter das Rätsel des Dungeonmonster zu kommen.
Kamu hatte ihnen erzählt das Nkshar nicht immer so stark war, er war auf Mission gewesen um den Sumpf auszukundschaften um ihr Gebiet vergrößern zu können. Als er zurück kam, konnte er plötzlich Magie wirken und hatte sich sofort die Herrschaft über den Clan angeeignet. Das bedeutete dass er irgendetwas gefunden haben musste und laut dem Fischmensch, hatte er dann auch dieses Haus an den Fleck gebaut den Nkshar erkundet hatte.
Eben dorthin wo er offensichtlich am Stärksten war.
Es war gut zu wissen, dass irgendetwas hinter den Fähigkeiten der Dungeonkreaturen steckte und sie nicht, zumindest nicht alle, ohne Quelle Magie wirken konnten. Schließlich mussten sie die Magie genauso mit Hilfe des Rukhs wirken wie alle anderen auch.
Doch nun ließ sie sich erst einmal von dem Seishtani in eine der Zellen schubsen, wo sie es nur durch einen Schritt nach vorne schaffte nicht hin zu fallen. Sie wollte auf keinen Fall in diesem Dreck landen, wer wusste schon was sich dort unten auf dem Boden befand?
Der Fischmensch sah noch einmal zu ihr rein, grunzte irgendetwas, drehte sich dann weg und ging den Gang den sie gekommen waren wieder zurück. Sheila sah der Amphibie nach, bis er aus ihrem Blickfeld verschwunden war und auch danach wartete sie noch ein paar Minuten darauf ob sie irgendwelche verdächtigen Geräusche hörte.
Als sie nichts mehr vernahm, griff sie unter das Tuch das ihre Haare verdeckt hielt und tastete durch ihre Haarpracht nach etwas bestimmten. Als ihre Finger den kleinen, metallenen Gegenstand ertasteten, löste sie es aus ihrem blauen Haar und zog es unter dem mittlerweile verdreckten Tuch hervor.
Es war eine kleine Spange in Form eines Vogels mit einem kleinen, hell leuchtenden Citrin als Auge. Der goldene Blick der kleinen Schwalbe besänftigte Sheila ungemein und sie drückte den Kopf der silbernen Spange leicht an ihre Lippen, bevor sie sie herum drehte, sodass der Schwanz der Schwalbe Richtung Tür zeigte. Dann ging sie an das rostige Schloss und besah es sich kurz, bevor sie dann eine Schwanzfeder, zusammen mit dem dünnen Verschluss der Spange, in das Loch schob und vorsichtig anfing die beiden Metallstangen darin zu drehen, bis sie ein leises klicken vernahm. Als das Schloss daraufhin zurücksprang und sich die Gitter einen Spalt breit öffneten, jubelte Sheila innerlich und musste leicht Grinsen.
Sie schob die Gitter etwas weiter zurück und schlüpfte hindurch, dann schloss sie, sie wieder hinter sich, wobei sie ein leises Quietschen von sich gaben was ihr fast das Herz in die Hose rutschen ließ. Stumm horchte sie in die Stille hinein, im Verdacht dass sie gleich Schritte hören würde, doch es blieb still. Als sie auch nach ca. einer Minute nichts hörte, setzte sich die Blauhaarige in Bewegung und ging wieder an den Zellen vorbei.
Sie sah ein paar Mal hinein und erkannte etwas das ihr trotz dem Zustand der Leute Freude breitete, manche sahen sie mit einem deutlichen Hoffnungsschimmer in den Augen an, auch wenn niemand versuchte etwas zu ihr zu sagen. Am liebsten hätte Sheila jedem einzelnen versprochen sie heraus zu holen, doch sie hasste es versprechen zu machen die sie eventuell nicht halten konnte, so versprach sie es ihnen einfach innerlich. Sie würde ihre Mission hier schaffen und die Leute aus ihrem Dorf befreien!
Ohne weiter zu zögern bewegte sie sich auf die Treppe zu die im Schatten lag. Es hatte nur einen kurzen Blick gebraucht um zu wissen, dass die Treppe der einzige Ausgang aus diesem Kerker war und es keinen Gang gab der vielleicht tiefer hinab führte. Aber sie glaubte auch nicht dass etwas hier unten versteckt war. Nkshar würde die Quelle seiner Macht sicher nicht ungeschützt in einem Kerker verstecken.
Das was sie hier tat kam schon fast einem Selbstmord gleich, doch ihr blieb gar keine andere Wahl und die anderen hatten es am Ende genauso gesehen. Wobei Judal sowieso nicht viel mit geplant hatte, er hatte einfach da gesessen und sich offensichtlich gelangweilt während sie Pläne schmiedeten. Zumindest hatte die Tatsache, dass er sie die ganze Zeit ununterbrochen geneckt und genervt hatte, das mehr als bewiesen. Manchmal verhielt er sich wie ein kleines Kind! Vor allem dann wenn sie irgendetwas getan hatte was ihn ärgerte.
Doch nun musste sie sich auf das hier und jetzt konzentrieren, Judal würde diesmal nicht kommen und ihr helfen wenn sie in Probleme geriet… obwohl, eigentlich war er ja immer derjenige der sie überhaupt erst in die Probleme hinein trieb, das hatte er in der kurzen Zeit in der sie zusammen waren schon oft genug bewiesen.
Sie stieg leise die kaputten Steintreppen hinauf und tastete sich dabei in der Dunkelheit vorwärts. Irgendwie kam es ihr vor als wäre es nun noch Dunkler als zuvor, aber sie hoffte das das nur Einbildung war und es nicht tatsächlich dämmerte, aber so spät konnte es noch gar nicht sein oder?
Nach einer schieren Ewigkeit erklomm Sheila dann die letzten Stufen und sah in geduckter Haltung um die Ecke. Nachdem sie sich vergewissert hatte das keine Wache auf dem Flur stand, traute sie sich hinaus und schlich dann den Flur entlang nach hinten, hier war sie nicht vorbei gekommen als der Fischmensch sie abgeführt hatte, also musste sie sich einfach auf gut Glück orientieren.
Sie spähte um jede Ecke und versuchte so leise aufzutreten wie möglich, damit sie hören konnte wenn jemand in der Nähe war. Doch für einige Zeit waren Sklaven die einzigen die sie sah, doch selbst vor ihnen versteckte sie sich so gut es ging. Sheila glaubte nicht das einer der Dorfbewohner sie verraten wollen würde, aber Angst konnte Leute oft zu Dingen treiben die sie später bereuen würden.
So versuchte sie wirklich jeglichen Kontakt mit anderen Lebewesen zu vermeiden während sie sich durch die Gänge schlich die ihr langsam wie ein kleines Labyrinth vorkamen. Überall sah es gleich aus… Braune, lehmige Wände, keine Fenster und ein dreckiger Boden. Ab und zu störten hölzerne Stützten das Bild der kahlen, matschbraunen Mauern.
Sheila zog sich bald schon die ausgefranzten Schuhe aus, damit sie leiser auf dem harten Boden laufen konnte und keine Geräusche an den Wänden wiederhallten, was hier schnell ging da jeder Atemzug ein Echo zu verursachen schien.
Plötzlich, als sie um die wievielte Ecke gelaufen war, hörte sie Geräusche die sich von denen der arbeitenden Sklaven unterschieden. Sofort drückte Sheila sich eng an die Wand und schlich sich an diese gequetscht bis zum Rand, wo sie dann ganz vorsichtig um die Ecke spähte. Da entdeckte sie 2 Seishtani Frauen die sich leise unterhielten. Die eine, in einer Farbe die an Sheilas Haare erinnerten, stand direkt in einer Tür drinnen und ihr Bauch war Rund, scheinbar erwartete sie bald ein Kind. Die Andere hatte die Farbe von Flieder und schien der Schwangeren irgendwie gut zuzusprechen, zumindest sah es so aus. Ihr Gesicht verriet Anteilnahme und die eine Hand die sie zaghaft, aber auch auf irgendwie majestätische Art auf die Schulter der Jüngeren gelegt hatte, zeugte von ehrlichem Trost.
Als der Blick der Fliederfarbenen plötzlich leicht zur Seite glitt, zuckte Sheila sofort zurück und versteckte sich wieder gänzlich hinter der Wand. Hatte sie sie gesehen!?
Nach der Beschreibung von Kamu und auch dem golden und mit Edelsteinen verzierten Schmuck, den sie trug, zu urteilen, war die Fliederfarbene die Königin. Doch die Blaue erkannte Sheila nicht, es musste eine der Frauen der Dorfbewohner sein. Scheinbar hatte der Rote recht und Nkshar züchtete sich hier tatsächlich seine eigene Brut heran, was Sheila gar nicht gefiel, es brauchte nicht unbedingt noch mehr Fischmenschen dieser Sorte zu geben.
Sie horchte still und glaubte schon fast dass die Beiden Frauen ihren Herzschlag hören mussten, doch sie schienen einfach weiter zu reden. Sheila traute sich jedoch nicht noch einmal um die Ecke zu sehen, so töricht war sie nicht, es war sicherer zu warten bis die Beiden weg wahren.
Die Blauhaarige konzentrierte sich so sehr darauf alles mit zu kriegen was um die Ecke abging, dass sie die Schritte die sich von der Anderen Seite näherten gar nicht mitbekam. Doch plötzlich schlug irgendwas in ihr Alarm, wie eine laute Sirene in ihrem Kopf und Sheila schwang diesen herum in die Richtung aus der die Schritte kamen und sah gerade noch wie eine von Kopf bis Fuß bewaffnete Wache um die Ecke bog. Die Augen der Magus weiteten sich und ohne nochmal einen Gedanken zu verlieren, rannte sie um die Ecke und ihrer Meinung nach direkt in die Arme der beiden Frauen. Doch als sie im Gang stand, waren beide verschwunden.
Sheila blinzelte ungläubig, mahnte sich dann aber selbst, sie hatte keine Zeit um sich über sowas Gedanken zu machen!
Sie horchte kurz, doch die Schritte der Wache hatten sich nicht beschleunigt, das bedeutete wohl dass er sie noch nicht gesehen hatte. Der Gang vor ihr war jedoch lang und sie würde es, selbst wenn sie rannte, nicht bis zum Ende schaffen um in Deckung zu gehen.
Also blieb der Blauhaarigen gar nichts anderes übrig als sich in einem der Räume zu verstecken. Sie rannte so still sie konnte durch den Gang, an der ersten Tür in der die beiden Frauen gestanden hatten und die jetzt von einem bunten Stoff verdeckt war, vorbei auf die nächste zu. Zu spät merkte sie dass der Stoff vor dieser Tür viel dicker war, von einem Königsblau und mit goldenen Ornamenten verziert. Als ihr das auffiel, hatte sie ihn schon vorbei gezogen und war in den Raum geschlüpft, gerade als die Wache wieder um die Ecke bog.
Als sie im Raum stand, bekam sie nur nebenbei mit wie der dicke Stoff hinter ihr zu viel und sie vor dem Blick der Wache schützte, denn schon in dem Moment in dem sie den Raum betreten hatte, war sie erstarrt. Vor ihr stand die fliederfarbene Königin, sie war gerade dabei sich eine goldene Kette um den Hals zu legen und sah sie nun genauso geschockt an wie Sheila sie.
Die Magus bekam mit wie die Königin sofort zu ihren Füßen sah, doch keine Sklavenkette erblickte, dann wanderte ihr Blick wieder hoch und sah Sheila ins Gesicht. „Du bist keine Sklavin… was suchst du hier?“, fragte sie dann mit einer hohen, melodischen Stimme. Etwas das Sheila nicht erwartete hatte und sie blinzeln ließ. Wie konnte ein Fischmensch eine so wunderschöne Stimme haben?
Die Blauhaarige musste erst schlucken ehe sie ihre Stimme wieder fand: „Ich… Ich bin Sheila, es tut mir Leid Majestät, ich wollte nicht in ihr Gemach eindringen. Aber ich bin entkommen und nun suchen mich die Wachen, ich weiß nicht mehr weiter“, der letzte Satz ging ihr in einem Schlurzen unter, während sie unbeholfen Knickste. Kamu hatte ihr gesagt das sie tun sollte als wäre sie eine entkommene Sklavin sobald sie auf eine der Frauen traf, er war fest der Überzeugung das keine sie verraten würde, doch das hier war die Königin! Diente sie nicht direkt unter Nkshar?
Doch was Kamu von seiner Mutter erzählt hatte, war das einzige was Sheila in dieser Situation Hoffnung machte, er meinte das seine Mutter Nkshar dafür hasst das er ihren Mann ermordet hat und ihren Sohn und dessen Ehefrau wie eine Marionette benutzt. War… es dann nicht vielleicht besser direkt die Wahrheit zu sagen? Aber wem konnte sie vertrauen und wem nicht!?
Als sie aufsah, ließ der kühle und abschätzende Blick der Königin ihr jedoch alle Hoffnung fahren und Sheila brauchte nicht mal viel zu Schauspielern um noch ein Schlurzen hervor zu bringen. Es schien als wäre ihre Reise schon vorzeitig beendet, aber das konnte doch nicht sein! Diesmal hing so viel von ihr ab! Wenn sie es schaffte Nkshar seiner Kräfte zu berauben, dann würde Judal es vielleicht schaffen seine Jäger zu besiegen…
Nein, sie durfte nicht aufgeben, es war nicht nur ihr eigenes Leben das diesmal auf der Kippe stand, also richtete sie sich auf und sah der Königin trotzig entgegen. Ihr Blick war scharf und die Seishtani vor ihr hob ebenfalls ihren Blick um sie von oben herab ansehen zu können. Doch nun war ihr Blick nicht mehr so als würde sie ein Stück Dreck ansehen, sondern er hatte etwas Neues, etwas Kluges, Wissendes.
„So… und jetzt sag mir die Wahrheit“, kam es plötzlich aus dem Mund der Fischfrau und Sheila brauchte einige Sekunden um deren Worte zu realisieren. Sie wollte sie nicht rauswerfen? Verhaften lassen? Die Wache war eben erst hier vorbei gekommen, sie würde nicht lange brauchen um hierher zu kommen.
„Ich… okay, ich bin keine Sklavin“, fing die Blauhaarige dann an und die Königin nickte nur. „Das sieht man dir auch direkt an“, antwortete sie dann auf ihre Worte, was Sheila erneut überraschte, man sah es ihr an? Sie hatte noch nie geglaubt irgendwie eine autoritäre Haltung zu haben… aber hatte sie nicht auch Judal mit einer solchen Standhaftigkeit überrascht?
„Das wusste ich nicht, aber ich bin hier weil ich Nkshar stürzen möchte. Ich… bekam Hilfe dabei, doch etwas lief nicht ganz nach Plan und deswegen bin ich nun alleine. Ich will die Quelle der Macht finden die Nkshar half Magie zu beherrschen und sie zerstören.“, redete Sheila dann weiter und verriet ihren Plan, doch sie hielt dicht was ihre Freunde, auch wenn der eine vielleicht ein Verräter war, anging. Es brauchte mehr als eine kluge Königin um so fahrlässig zu werden das sie verriet wer ihr half, wenn die Königin so klug war, dann würde sie sowieso wissen wer es war, zumindest bei einem.
„Aha… etwas viel für ein kleines Mädchen oder? Wie gedenkst du den an diese „Quelle der Macht“ zu kommen? Mein  König wird sie sicher nicht unbewacht lassen wenn sie für ihn so wichtig ist. Er hat sicher seine besten Leute als Wachen aufgestellt und vielleicht sogar Fallen ausgelegt“, sprach Kamus Mutter dann und Sheila musste sich eingestehen das sie Recht hatte. Aber sie sagte ihr auch nichts Neues, sie hatte nie erwartet dass es leicht sein würde!
„Ich weiß, aber daran muss ich vorbei kommen, egal wie und egal wer sich mir in den Weg stellt. Das was ich vorhabe ist nicht für mein eigenes Wohl, es ist für das Wohl meines Volkes und wenn es sein muss werde ich mein Leben geben, aber nicht ohne vorher mein Ziel erreicht zu haben!“, rief sie und hielt dem vernichtenden Blick der Königin stand. Sie sah ihr in die Augen und tatsächlich war es die Königin die als erstes nachgab!
„Hm… ich kann dich auf keinen Fall verurteilen, du tust für dein Volk etwas das ich mich nie gewagt habe, obwohl ich weiß das meines darunter leidet. Du bist wahrlich eine starke Frau, aber Worte sind nicht alles. Wenn du hier bist um dein Dorf zu befreien und wenn es dein Ziel ist Nkshar zu stürzen, dann bin ich auf deiner Seite, sofern du deine Worte auch beweisen kannst. Ich weiß ungefähr wo das ist was du suchst, doch auch mir ist es verboten den Bereich zu betreten und so wird mich keine der Wachen durchlassen.
Das heißt dass ich dich hinführen kann, aber du wirst alleine bis zu deinem Ziel gelangen müssen, ich kann dir nur helfen an den ersten Wachen vorbei zu kommen. Und denk erst gar nicht dass sie dir vielleicht sogar helfen wenn du ihnen sagst weswegen du hier bist. Diese Wachen sind von Nkshar selbst in ihren Rang gehoben worden und sie dürfen mit den Sklavinnen und den anderen Frauen tun und lassen was sie wollen ohne irgendeine Bestrafung zu fürchten. Es sind alles ehemalige Raufbolde aus unserem Clan und mittlerweile halten sie Nkshar die Treue, da er für sie das Paradies geöffnet hat“, offenbarte die Königin und Sheila wusste gar nicht wie sie darauf reagieren sollte. Das mit den Wachen hatte Kamu ihr schon erzählt und… sie war eine starke Frau? Stärker als eine Königin!? Das war doch nicht ihr ernst! Nein, der Magi  hatte mehr als einmal gesagt dass sie nicht zur Königin taugte und das war auch gar nicht Sheilas Ziel, das wäre ihr zu viel Verantwortung. Verantwortung die sie nicht übernehmen wollen würde.
Doch sie konnte die Hilfe der Königin auf keinen Fall abschlagen, auch wenn sie ihr nicht voll vertraute, alleine würde sie den Ort mit Sicherheit nicht finden und wenn die Königin sie direkt verriet hatte sie auch gar keine Chance ihn zu finden. Also musste sie wachsam sein wenn die Frau sie führte und darauf achten ob man sie eventuell in einen Hinterhalt hineinführen würde. Also nickte Sheila.
„Dann müssen wir uns beeilen, mir bleibt nicht viel Zeit. Sie sind schon hinter einem Freund von mir her“, sagte die Blauhaarige dann und diesmal nickte die Königin und deutete ihr mit einem wink an ihr zu folgen.
„Bleib in wenigen Schritten hinter mir, halte den Kopf gesenkt, zieh deine Hosenbeine komplett hinab und lass deine Beine beim Laufen eng zusammen“, wies die Königin sie an, ehe die Seishtani den Vorhang zur Seite schob und heraus auf den Flur trat.
Sheila tat wie sie es ihr befahl und folgte der Königin, lies den Blick auf den Boden gesenkt und bewegte sich wie vorhin als Kamu sie erfolgreich hier eingeschleust hatte. Erst kamen sie nur an Sklaven und anderen Seishtani Frauen vorbei, doch bald schon tauchten die ersten Wachen auf, doch Sheila blieb ganz ruhig und spannte sich nicht verräterisch an. Sie lief weiter hinter der Königin her wie eine Sklavin und tatsächlich schien niemand Verdacht zu schöpfen!
Sheila fiel auf, das je weiter sie gingen, immer mehr Wachen ihren Weg kreuzten und das sie zunehmend mehr Rüstungen und Waffen zu tragen schienen. Als sie dann vor 2 großen Wachen mit voller Montur zum halten kamen, kam Sheila nicht umhin den Kopf ein klein wenig zu heben um in den Gang zu spähen der hinter den Wachen lag.
Er schien sich langsam hinab zu senken, jedoch konnte sie nicht sehen wohin er führte. Wachen waren in regelmäßigen Abständen positioniert und Sheila konnte nicht mal erahnen wie viele noch in der Dunkelheit dahinter lauerten. Der Anblick schaffte es fast schon wieder sie herunter zu ziehen, aber das durfte sie nicht zulassen.
„Majestät, sie wissen das ihnen der Zugang verwehrt ist, wenn sie einen Schritt zu weit gehen, kann es passieren das wir ihr hübsches Kehlchen durchschneiden müssen“, meinte eine der Wachen und Sheila erschrak es fast schon, wie ungehobelt er mit der Königin sprach und das er ihr sogar drohte. Aber gleichzeitig merkte sie auch, wie wenig Autorität diese Frau noch besaß, sie würde alleine wirklich nichts mehr ändern können, Kamu hatte Recht damit gehabt das die Königin mittlerweile nicht mehr Autorität genoss wie die anderen Frauen.
„Das ist mir bewusst und zügel deine Zunge, so lasse ich nicht mit mir reden. Ich bin wegen etwas bestimmten hier…“, verteidigte sich die Königin und plötzlich spürte Sheila eine Hand auf ihrem Rücken und ehe sie sich versah, wurde sie direkt an den beiden Wachen vorbei geschubst.
„Renn!“, rief die Königin und Sheila ließ sich das nicht 2x sagen und rannte los. Sie sah noch aus den Augenwinkeln wie die beiden Wachen ihr nachstürmen wollten, doch in diesem Moment schwang die Königin den Schleier den sie über ihren Schultern liegen hatte wie ein Lasso und schlang diesen um die Hälse der Beiden wachen, wodurch diese unweigerlich durch ihre eigene Geschwindigkeit zurück gezogen wurden.
Nun hatte Sheila nicht mehr die Zeit zu sehen was hinter ihr war, denn die beiden Wachen vor ihr gingen in Angriffsstellung und rannten dann auch schon mit gezückten Lanzen auf sie zu. Instinktiv duckte sich Sheila unter der ersten Attacke durch, dann tat sie einen Schritt zur Seite, wobei sie der 2ten Lanze knapp auswich und schaffte es mit 2 weiteren Schritten an den beiden Wachen vorbei zu kommen.
Doch nun waren 4 Leute vor ihr und sie hatten sich aufgestellt wie eine Mauer, da kam sie nicht dran vorbei! Sie musste sie irgendwie ausschalten! Sie blieb unweigerlich stehen und drehte sich um, doch die anderen Beiden hatten sich nun auch wieder umgedreht und sie war umzingelt. In diesem Moment wurde Sheila schmerzlich bewusst wie wenig Kampferfahrung sie hatte! Doch das durfte sie nicht hindern! Sie musste weiter, egal was es kostete!  Also ballte sie die Hände zu Fäusten und plötzlich spürte sie wie eine Macht durch sie hindurch ging und sie auszufüllen schien. Wieder erschien diese Blase um sie herum und sie sah durch sie hindurch auf die Wachen die plötzlich ins Stocken gerieten und im Angesicht der Magie tatsächlich aus dem Konzept kamen!
Doch dann schlug einer einfach mit seinem Schwert zu! Sheila zuckte zusammen und hielt schützend die Hände vor ihr Gesicht, als die Funken stoben und sie für einige Momente nichts sehen konnte. Doch als die Funken erloschen, sah sie dass der Schlag einfach an der Blase, an ihrem Bolg, abgeprallt war und diese nicht einmal einen Kratzer hatte. Es stimmte also! Physische Attacken kamen nicht durch einen Bolg!
Von neuem Mut erfasst stürmte Sheila einfach nach vorne, rammte mit ihrem ganzen Körper den Seishtani vor ihr und brachte diesen so zu Fall, die anderen schlugen dabei auf sie ein, doch keine der Attacken kam durch die magische Barriere und so rappelte Sheila sich einfach auf und tat einen Schritt nach vorne, als sie plötzlich den Schmerz in ihrer Seite spürte.
Geschockt sah sie an sich herab und bemerkte das das Schwert des Seishtani den sie geschubst hatte in ihrer Seite steckte! War er etwa durch ihren Bolg gekommen…!?
Der Abstand, der Abstand musste zu gering gewesen sein, sodass der Seishtani in ihrem Bolg gewesen war und sie dadurch angreifen konnte. Das wusste sie nicht, niemand hatte ihr gesagt das man einen Bolg derart umgehen konnte… aber woher sollte man das auch wissen!? Magier gingen nie in den Nahkampf, sie würden sich nie freiwillig in direktem Körperkontakt auf einen Feind stürzen, doch Sheila war gar nichts anderes übrig geblieben, schließlich beherrschte sie keine Attacke!
Egal, sie musste weiter, der Bolg war noch aktiv und sie durfte nicht hier herumstehen und ihre Kraft heraus sickern lassen wie das Blut das an ihrer Seite herunter lief. Also griff sie an ihre Seite und rannte weiter, zog das Schwert beim Laufen vorsichtig aus der Wunde. Wäre es eine kleine Waffe, hätte sie sie drinnen gelassen um die Blutung zu stoppen, doch das Schwert behinderte sie in der Bewegung und würde mit der Zeit nur mehr Schaden anrichten.
So rannte sie weiter und war froh dass weiter hinten im Gang keine Wachen mehr waren, doch gleichzeitig alarmierte sie das auch. Die Wesen kamen aus Dungeons und in Dungeons gab es unzählige Fallen. Die Königin hatte auch schon angemerkt das es hier Fallen geben könnte, also würde sie vorsichtig sein müssen!
Deswegen verlangsamte sie ihre Schritte, jedoch konnte sie das nur bedingt tun da die Wachen immer noch hinter ihr her waren und ihr wüste Beschimpfungen zuriefen, demnach war es nicht genug und Sheila sah zu spät den Druckknopf den sie just in diesem Moment mit dem Fuß hinab drückte.
„Scheiße!“, kam es ihr, doch sie rannte einfach weiter. Ein Zischen durchdrang die Luft und im nächsten Moment flogen wieder Funken nach oben. Sheila blickte zur Seite und sah das unzählige Pfeile auf sie zuflogen und an ihrem Bolg abprallten. Doch noch etwas fiel ihr auf, eine schleimige, schwarze Masse war an den Pfeilen und als sie ihren Bolg trafen, blieb das Zeug an diesem Hängen! Es hing an purem Magoi!?
Nicht nur das, es begann die Barriere um sie herum langsam zu zersetzen, als würde es das Magoi fressen oder auflösen. „Oh nein“, hauchte Sheila und beschleunigte ihre Schritte erneut. Doch schon kamen die ersten Pfeile durch ihren magischen Schutz und bohrten sich, samt der Flüssigkeit an ihnen, in ihr Fleisch.
Sie unterdrückte einen Aufschrei des Schmerzes, dann stolperte sie nach vorne und fiel genau in den Bereich, an dem die Falle aufhörte. Sofort richtete sie sich wieder etwas auf und der plötzlich zunehmende Schmerz in ihrer Seite ließ etwas noch, doch nun schien es in ihrem ganzen Körper zu brennen als das Zeug auf den Pfeilen sich in ihrem Körper auszubreiten schien.
Aber das brennen lies bald schon nach und Sheila schaffte es endlich sich wieder aufzurappeln und langsam, aber konsequent auf zu richten. Sie zog die Pfeile an die sie heran kam aus ihrem Fleisch, keiner war so tief das sie es bereuen würde. Wieder durchzuckte sie der Schmerz, doch das Adrenalin das durch ihre Adern schoss drängte ihn in die hinterste Ecke ihres Gehirnes zurück, sodass sie einen Schritt vor den Anderen tun konnte und den Gang weiter ging.
Die Wachen hinter ihr waren an der Falle stehen geblieben und sahen sich unsicher auf dem Boden um, einer von ihnen kam auf die Idee seine Lanze zu werfen, doch diese prallte, zu Sheilas Glück, nur an einem heilen Stück ihres restlichen Bolges ab. Sodass sie nicht weiter gestört wurde und ihren Weg fortsetzen konnte.
Sie war froh darüber dass sich keine weitere Falle auslöste und plötzlich sah sie ein schimmerndes Licht am Ende des dunklen Ganges. Es erinnerte sie… irgendwie an etwas. Benommen ging sie weiter auf dieses Licht zu und als sie in den einzigen Raum am Ende des Weges eintrat, wurde sie von dem Licht fast geblendet.
„Was zum?“, murrte sie und hielt sich die Hand vor die Augen, wobei sie etwas Nasses in ihrem Gesicht spürte. Als sie die Hand wegnahm und darauf sah, sah sie Blut, ihr Blut. Aber es kümmerte sie nicht, es war klar dass sie bluten musste wie ein Schwein auf der Schlachtbank. Doch sie fühlte sich nicht schwach, nur seltsam benommen, also bewegte sie sich weiter auf dieses unglaublich grelle Licht zu und stand plötzlich vor einer blauen, glatten Wand. In diesem Moment schien sich ihr Kopf zu klären und sie wusste was sie vor sich hatte!
Ein Kristall aus purem Rukh! Das gleiche indem Judal eingeschlossen war, was sie vermeidlich für Eis gehalten hatte! Sie legte ihre Hände darauf und Kraft durchströmte sie, ließ die Schmerzen in ihren Wunden verblassen und wie auf einen Instinkt reagierend versuchte sie, mit Erfolg, die restlichen Pfeile aus ihrem Körper zu bekommen.
Sie spürte die Schmerzen die dabei entstanden kaum, da sie weiterhin eine Hand an dem Kristall liegen hatte und als sie auf die große Schwertwunde sah, konnte sie fast mit ansehen wie das Blut versiegte und die Haut langsam trocknete, nach wenigen Sekunden sah sie aus als wäre sie schon mehrere Tage alt, doch sehr viel weiter schien sie nicht zu heilen. Aber es reichte dass sie nicht mehr in Lebensgefahr schwebte, sie würde es wahrscheinlich nicht mal mehr behandeln müssen, der Rest würde so abheilen.
Als sie nun wieder an dem Kristall hoch blickte, sah sie mit Erstaunen das auch in diesem jemand eingeschlossen war!
Sie versuchte ihn durch die kristallklare Wand und das leuchten besser zu erkennen und nach einigen Sekunden konnte sie sehen dass es ein Mann war, ein junger Mann. Er schien teure Kleidung zu tragen und sie wirkte auch irgendwie, traditionell, fast wie das Gewand eines Prinzen. Sein linker Unterarm fehlte, doch der Stumpf sah seltsamerweise nicht so aus als wäre er abgeschnitten worden, sondern eher… als würde es den unteren Teil seines Armes einfach nicht geben, die Stelle war viel zu glatt um natürlich verheilt zu sein.
Ansonsten fiel ihr nur das Gesicht mit der riesigen Brandnarbe, die über die gesamte linke Hälfte ging, auf. Wenn Sheila richtig vermutete, dann könnte es gut sein das das Auge auf dieser Hälfte nicht da war oder zumindest stark beschädigt. Doch die Narbe endete knapp unter dem Haarschopf, sodass er keine kahle Stelle besaß. Sein Haar war dunkelblau, fast schwarz und schien hinten kürzer als vorne. Außerdem schien er so etwas wie eine goldene Krone im Haar zu tragen an der 2 Bänder befestigt waren. Am Ende dieser Bänder war scheinbar das Wappen seines Landes eingenäht.
Die Blauhaarige konnte mit dem jungen Mann nicht viel anfangen, jedoch war sie fest davon überzeugt dass sie ihn irgendwie freisetzen musste, so wie sie es mit Judal getan hatte. Doch es passierte nichts, der Kristall reagierte nicht auf sie und das machte sie ein wenig mulmig. Wieso hatte der Kristall von Judal so auf sie reagiert? War es gar kein Zufall gewesen das sie nun mit ihm verbunden war? Hatte sein Kristall wirklich nur auf sie reagiert oder war es einfach weil ihre Magus Kräfte zu dieser Zeit noch nicht aktiv waren?
Wieso auch immer, der Kristall dieses jungen Mannes reagierte nicht auf sie und damit sah sie sich einem Problem gegenüber das sie nur bedingt erwartet hätte. Klar hatte sie damit gerechnet dass sie die Quelle des Rukhs eventuell gar nicht zerstören konnte, schließlich gehörte das Rukh in diese Welt und sie wollte das bisschen was geblieben war nicht auch noch… zerstören. Aber sie wusste nicht was sie mit diesem Kristall anstellen sollte wenn sie es nicht schaffte das Rukh darin frei zu setzen.
Nein! Sie konnte nun auf keinen Fall klein bei geben, irgendetwas musste man tun können. Sheila presste ihre Handflächen gegen die kalte, glatte Wand und versuchte irgendwie die Energie die sie spürte auf ihre Hände zu konzentrieren und in den Kristall zu leiten. Vielleicht hatte sie das bei Judal unbewusst auch getan als sie den Kristall freigesetzt hatte.
Tatsächlich, sie spürte etwas. Die Energie, das Magoi schien sich an einem bestimmten Platz zu sammeln, in der Waffe des Mannes! Die Schneide des Kwan-Dao begann plötzlich zu leuchten und Sheila erkannte einen achteckigen Stern.
Plötzlich spürte sie eine Veränderung! Die Magus sah auf und hörte ein bekanntes Geräusch, ein Knacken wie von brechendem Eis und dann sah sie es: Der Kristall bekam Risse!
Doch noch etwas fiel ihr auf als sie zu dem jungen Mann sah, hatte er nicht eben noch die Augen geschlossen gehabt? Nun sah sie dass die Farbe des rechten Auges die Gleiche war wie bei seinen Haaren, doch das Linke war komplett weiß. Sie hatte mit ihrer Vermutung also richtig gelegen, er war auf dem einen Auge blind.
Doch das Knacken lenkte sie wieder ab und Sheila beobachtete wie der Riss immer Größer wurde und sich auch an anderen Stellen Risse bildeten und in den Großen einflossen. Innerhalb von Sekunden sah die ehemals glatte Oberfläche aus wie ein gesprungener Spiegel und dann knallte es.
Die Blauhaarige musste nach hinten springen, als sich große Teile aus dem Kristall lösten und wie Gletscher nach vorne absackten und zu Boden fielen. Aus der Schnittstelle lösten sich kleine, leuchtende Vögel die kreischend aus dem Ausgang heraus stoben, Sheila fühlte sie mehr, als das sie sie sah.
„Was…“, vernahm sie eine leicht verwirrte, weiche, männliche Stimme und schon hob sich ihr Blick und erwiderte den des jungen Mannes der mittlerweile auf dem Boden kniete und versuchte auf zu stehen. Doch wie Judal anfangs, schien er keine richtige Orientierung zu haben und es fiel ihm schwer seine Beine zu koordinieren.
„Warte!“, rief die Magus dann und eilte zu dem Mann hin. „Ich darf doch oder?“, fragte sie, griff jedoch schon im gleichen Moment unter dessen Schulter und half ihm hoch ohne auf eine Antwort zu warten. Der Junge murmelte irgendetwas, zu leise um es zu verstehen, doch er schien dankbar das sie ihm half, gleichzeitig aber auch irgendwie resigniert. Er schien wohl von dem Typ Mann zu sein der sich nicht allzu gerne helfen ließ und lieber 24/7 stark wirkte.
Doch nun gab sich das nächste Problem: Wie sollte sie mit ihm hier heraus kommen!?
Aber nun lenkte sie wieder etwas ab, denn sie realisierte plötzlich das sie automatisch auf seine linke Seite geeilt war um ihm zu helfen, aber wie konnte sie dann seinen Unterarm greifen? Ihr Blick glitt zu ihrer linken Hand die seinen Unterarm an ihrer Schulter hielt und tatsächlich war da auch ein Arm! Jedoch bestand er aus Holz und nun spürte sie dieses auch unter ihren Fingern.
„Wie?“, fragte sie und sah zu dem jungen Mann hin der sie nun ebenfalls ansah. „Magie… mein Djinn hat mir ermöglicht wieder einen Arm zu besitzen“, erklärte er ihr dann die Sache und Sheila staunte nicht schlecht. Also war das hier kein Magier, sondern ein ganz normaler Mensch, ein Metallgefäßnutzer!

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Schwarze Säure:  Ein seltenes Überbleibsel des Monsters, das schwarze Rukh ist derart konzentriert das es ihm nicht mehr möglich ist sich zu trennen. Doch wie bei seinem größeren „Verwandten“ ernährt es sich von normalem Rukh und Magoi. Oft wird es dafür benutzt den Bolg von Magusen auf zu lösen. Wenn die Flüssigkeit in den Körper gelangt ist sie für Lebewesen ohne Magoi ungefährlich, jedoch für Leute mit Magoi lebensgefährlich, da es sich im Körper voran frisst und diesem das lebenserhaltende Magoi entzieht.
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