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The Shelter

GeschichteMystery, Sci-Fi / P12
09.11.2013
28.03.2014
3
15.122
 
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09.11.2013 4.742
 
Titel: The Shelter Part 1/2
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ Sue Thomas F.B.Eye/ Castle
Pairing: Connor/ Lindsay, Jack/ Sue, Rick/ Kate
Rating: 12
Kategorie: AU, Mystery
Inhalt: Die Erde wird von Maschinenwesen überfallen. Jack, Sue, Rick und Kate suchen Zuflucht in den Bergen.
Anmerkungen: Ich will mich nicht selbst loben, aber manchmal ängstigt mich diese Geschichte so sehr, dass ich mich nicht mehr alleine vor die Tür traue… :-)

The Shelter Part 1

„…was ist denn der Grund für euren Besuch?“, fragte Clara Thomas neugierig, als sie und ihr Mann an einem Herbstsonntag mit Sue und Jack in der Küche in ihrem Haus hockten.
Sue griff lächelnd nach Jacks Hand. „Mom. Dad“, begann sie, „Wir haben beschlossen, zu heiraten.“
„Meine  Güte“, ihre Mutter sprang auf und umarmte sie herzlich, „Das ist wunderbar. Ich freue mich sehr für euch.“ Auch Sues Vater nickte zustimmend, denn seine Frau ließ ihn kaum zu Wort kommen. „Das hat aber lange gedauert, bis ihr euch zu diesem Schritt entschlossen habt…“
„Wir dachten, dass wir im nächsten Frühling gerne heiraten wollten“, Sue sah zu Jack und er nickte, „Wir hoffen, das ist in Ordnung und…“ Sie wurde von einem Geräusch unterbrochen, welches direkt vom Himmel kam. Sie legten die Köpfe in den Nacken und sahen eine große metallische Scheibe mit vielen Lichtern über der Stadt schweben. Jack hatte keine Ahnung, was es war- gleichzeitig wusste er es doch. Und mit einem Male war ihm eiskalt.
„Was ist das?“, fragte Clara Thomas.
Die Scheibe schwebte geräuschlos über ihnen, aber dann blendete sie ein blaues Licht so stark, dass sie kaum noch sehen konnte. Als das Licht verschwunden war, bemerkte Sue einen seltsamen Bohrer am Fenster, den sie noch nie zuvor gesehen hatte. Die Scheibe zerbarst und seltsame metallene Fangarme schossen zu ihr und ihrer Familie herein. Die drahtigen Ärmchen griffen nach Sues Eltern und Mrs. Thomas kreischte.
Nur flüchtig begriff sie, wie Jack ihre Hand umklammerte. „Lauf!“, rief er ihr zu und zerrte sie mit sich. Sue zerrte auch Levi hinter sich her, der noch immer angeleint war. Sie rannten so schnell sie konnten zu seinem Auto und stiegen ein. Levi saß erst auf Sues Schoß, doch sie befahl ihn, auf den Rücksitz zu springen. „Der Wagen springt nicht an!“, schrie Jack als er den Zündschlüssel drehte und nicht ein Licht im Armaturenbrett aufleuchtete, doch dann hatte er eine Idee. Er schloss den Wagen kurz und atmete erleichtert aus, als der Motor startete.
„Was ist mit meinen Eltern?“, wollte Sue wissen.
Sie drehten sich noch einmal nach dem Häuschen um und als es in Flammen aufging, startete Jack den Motor des Wagens. Er fuhr so schnell es möglich war, davon. Sue auf dem Beifahrersitz begann zu weinen. „Es tut mir so leid, Liebes“, sagte er zu ihr obwohl er wusste, dass sie ihn nicht hören konnte. Dann konzentrierte er sich darauf, der zerstörten Stadt und den gefährlichen, unbekannten Maschinen zu entkommen.

Kate Beckett und Rick Castle verbrachten das Wochenende in ihrem Ferienhaus in den Hamptons und am Sonntagmorgen wunderte Kate sich, warum Rick wie gebannt vor dem Fernseher saß. Dass er sich so verhielt, war nichts Ungewöhnliches: Er war Beststellerautor und manche Themen im Fernsehen erregten sein Interesse. Seit sie zusammen waren hatte er dieses Verhalten das eine oder andere Mal an den Tag gelegt.
Sie setzte sich zu ihm und erstarrte, als sie die Nachrichten sah: CNN zeigte Bilder von Raumschiffen, welche über New York City und andere Großstädte dieser Welt schwebten.
„Was ist das?“, fragte Kate.
„Ein außerirdisches Raumschiff.“
Sie lächelte. „Nein. Das ist bestimmt nur ein Gag.“
Jetzt stand Rick auf und ging zum Fenster. Er wusste, dass ihr Blick ihm folgen würde. Vor der großen Glasscheibe blieb er stehen. „Sieht das für dich etwa wie ein Gag aus?“, fragte er nun und registrierte nur aus den Augenwinkeln, wie Kate aufstand und zu ihm kam. Sie blieb direkt neben ihm stehen und sah das Raumschiff, welches über New York kreiste und welches so groß war, dass man es selbst aus dieser Entfernung sehen konnte.

„…versprich mir, dass du die Stadt sofort verlässt“, sagte Rick Castle zu seiner Tochter am Handy, während er ruhelos in seinem Ferienhaus auf und abging. Alexis bejahte.
„Und versprich mir, dass du Oma anrufst… Und dass ihr euch jede Stunde bei mir meldet.“
Wieder bejahte Alexis. Dann musste sie auflegen. In diesem Moment hasste er es, das sie in der Stadt geblieben war, weil sie am Wochenende mit ihren Freunden ausgehen wollte. Rick steckte sein Handy in seine Hosentasche zurück. „Kate?!“, rief er dann aufgeregt. Er fragte sich, wo sie blieb, denn sie hatten überlegt, ob sie sich noch weiter von der Stadt entfernen sollten. Zur Sicherheit.
„Ich komme schon!“, rief sie ihm zu und steckte ihre Waffe in ihren Hosenbund. Kate war Polizistin in New York und gleichzeitig seine Muse. So hatten sie sich vor Jahren kennen gelernt.
„Du hast deine Waffe dabei?“
Sie rollte mit den Augen, aber plötzlich weiteten sie sich geschockt: „Castle, pass auf!“, brüllte sie und zog ihn im letzten Moment zur Seite. Ein Auto raste durch den Vorgarten und direkt durch die Wand. Schließlich kam der Wagen inmitten des Wohnzimmers zum Stehen. Ein junges Paar stieg aus, die Frau hustete sogar und wischte einige Holzsplitter von der Frontscheibe.
„Wer sind Sie?!“, brüllte Kate. Der Mann und die Frau hoben zitternd die Hände. „Sind Sie verletzt?“, fragte Rick stattdessen und erst jetzt realisierte er, was sie mit seinem Haus gemacht hatten.
„Das ist Sue, ich bin Jack“, antwortete der dunkelhaarige Mann außer Atem, „Es tut mir Leid, dass wir Sie regelrecht überfallen, aber…“
„Wir kommen soeben aus Ohio“, ergänzte Sue und griff nach dem Halsband ihres Hundes, „Ein Raumschiff kreist über Cleveland…“
„Das wissen wir aus den Nachrichten“, stimmte Rick zu und Kate steckte ihre Waffe weg, „Über New York City kreist ebenfalls ein Raumschiff.“ Die beiden machten nicht den Eindruck, als könnten sie eine Gefahr darstellen und Kate zeigte auf das Raumschiff, welches in einer Entfernung über New York kreiste. Sie erklärten außerdem, dass sie schon seit Stunden unterwegs waren.
„Bitte helfen Sie uns. Wir haben von einem Zufluchtsort in den Bergen gehört.“
Jack ließ nun ebenfalls seine Hände sinken. „Unser Auto hat den Geist aufgegeben. Wenn Sie uns helfen, nehmen wir sie zu diesem Zufluchtsort mit.“

Eine Stunde später hockten Jack und Kate in der Küche und diskutierten über einer Landkarte des schnellsten und sichersten Weg zu dem Zufluchtsort. Sue saß mit Levi im Wohnzimmer.
„Das ist ein sehr schönes Haus“, sagte Sue zu Rick, „Sie sind Richard Castle, der Autor, nicht wahr?“
„Ja, der bin ich“, Rick grinste, „Ist das ein Gehörlosenhund?“, wollte er dann wissen und streichelte Levi.
„Ja, ich bin seit meiner frühen Kindheit taub“, antwortete Sue, „Aber meine Mutter hat nichts unversucht gelassen um mir ein normales Leben zu ermöglichen.“ Ihre Stimme veränderte sich, als sie von ihrer Mutter sprach.
„Wo sind Ihre Eltern jetzt?“, wollte Rick wissen, „Haben Sie eine Ahnung, wo die beiden sind?“ Er warf einen besorgten Blick auf das Display seines Handys und steckte es wieder in seine Hosentasche, als er merkte, dass sich weder Alexis noch seine Mutter gemeldet hatten, wie sie es eigentlich versprochen hatten. Sein Handy funktionierte nicht mehr, als er versuchte, Alexis anzurufen.
„Jack und ich haben meine Eltern besucht und wollten Ihnen von unserer geplanten Hochzeit erzählen, als diese Wesen uns überfielen. Meine Eltern haben den Angriff nicht überlebt, denke ich.“
„Das tut mir leid“, antwortete Rick ehrlich. Er hatte das Gefühl, er müsste etwas tun um sie aufzuheitern. „Es gibt einen Teich hinter dem Haus. Man kann den Teich sogar von hier aus sehen“, schlug er vor und sie standen auf, durchquerten das Wohnzimmer, bis sie vor einer großen Glasscheibe standen. „Es gibt viele Fische in dem Teich und manchmal…“, Rick brach mitten im Satz ab, weil eine Gruppe toter Fische an der Oberfläche trieb. „War wohl ein schlechter Zeitpunkt, Ihnen den Teich zu zeigen“, entschuldigte er sich dann.
„Denken Sie, das ist Zufall?“, ihre Stimme war dünn.
„Weiß nicht…“, antwortete Rick ehrlich.
Etwas anderes erregte Sues Aufmerksamkeit. Sie fühlte ein schwaches Vibrieren unter ihren Füßen, welches immer stärker wurde. „Etwas stimmt hier nicht“, informierte sie ihn und dann sah Rick am anderen Ende des Teiches eine große, massive Gestalt stehen. Die  Gestalt schien aus Metall zu sein und als sie einen Fuß vor den anderen setzte, fühlte auch er, wie der Boden vibrierte.
„Kate?“, rief er nach seiner Freundin, „Wir müssen hier weg!“
„Was ist denn?“, wollte Jack wissen. Er und Kate planten den Weg zu der Zufluchtsstätte und kamen nun aus der Küche. Auch sie bleiben vor der Glasscheibe stehen und sahen sofort, was das Problem war.
„Haben Sie beide Ihre Reisepässe dabei?“, fragte Jack ohne den Blick von der Gestalt abzuwenden.
„Ja, warum fragen Sie?“
„Den werden Sie brauchen. Wir fliehen nach Kanada.“

Sie beeilten sich ihre wichtigsten Sachen in ihre Taschen zu packen. Rick beeilte sich und versuchte, Alexis und seine Mutter zu erreichen, aber keine von ihnen ging an ihr Handy.
„Haben Sie alles?“, fragte Jack, der bereits seine und Sues Taschen in Ricks Auto gebracht hatte. Es war ein Sportwagen, also würden sie mit Levi auf der Rückbank ein wenig zusammenrücken müssen.
Sie sahen, dass jetzt draußen auf der Straße die Gestalt umherging. Sue fühlte es, da das Wesen so schwer war, dass es mit jedem Schritt Vibrationen verursachte.
„Ich brauche noch meinen Pass“, flüsterte Kate, ging die Treppe in den zweiten Stock hinauf und schlich geduckt durch den Gang. Rick, Jack und Sue wollten an der Verbindungstür zur Garage auf sie warten.
Kate presste sich an den Fenstern vorbei, bis sie schließlich das Badezimmer erreichte. Sie musste es durchqueren, wenn  sie das Schlafzimmer erreichen wollte, wo sie ihren Ausweis aufbewahrte.
Die große Gestalt stand genau neben Ricks Haus und sie konnte einen besseren Blick darauf werfen. Es war definitiv eine Humanoide Gestalt. Aber die Außenhülle bestand aus schwerem Metall. Kate vermutete, dass es sich vielleicht um einen Roboter handeln könnte. Sie sah, dass die Gestalt sich herum drehte und nun auf das Haus schaute. Sie warf sich schnell auf den Boden um sich vor der Badewanne auf die kalten Fliesen zu kauern, damit das Wesen sie nicht durchs Fenster sehen konnte. Kate hielt den Atem an, als sie  spürte, dass die Vibrationen stärker wurden. Der Maschinen- Mensch musste näher gekommen sein und jetzt direkt vor dem Haus stehen, aber sie wagte es nicht, nachzusehen. Sie hatte immer über Rick gelacht, wenn er von kleinen Außerirdischen Wesen sprach. Er war Autor und hatte eine blühende Fantasie. Er verdiente sein Geld mit solchen Sachen. Zu wissen, dass er Recht hatte und dass sie tatsächlich nicht alleine waren im Universum ängstigte sie. Und dieser große Maschinen- Mensch bedeutete ihren Tod, wenn er sie jetzt fand.
Sie hielt noch einmal den Atem an und schloss erleichtert die Augen, als die schweren Schritte sich entfernten und die Vibrationen schließlich verschwunden waren. Kate legte sogar beide Hände auf die Fliesen, damit sie es besser fühlen konnte. Doch selbst als Stille herrschte, wagte sie es nicht, aufzustehen. Sie fühlte sich wie gelähmt. „Du darfst keine Angst haben“, sagte eine Stimme in ihrem Kopf. Dann stand sie auf, ging eilig in das Schlafzimmer und holte ihren Reisepass.

Jack musste den Wagen kurzschließen, damit sie die Hamptons verlassen konnten.
„Woher wissen Sie von der Zufluchtsstätte in den Bergen?“, fragte Rick neugierig, denn für ihn klang dies alles sehr nach Science Fiction. Er steuerte den Wagen und Jack saß auf dem Beifahrersitz. Kate und Sue teilten sich die Rückbank des Sportwagens mit Levi. Das Auto raste über eine menschenleere Kreuzung.
„Freunde von uns arbeiten bei einer Organisation, die für Fälle wie diesen einen Rettungsplan entwickelt“, antwortete Sue.
„Die Men in Black?“, Rick warf einen begeisterten Blick in den Rückspiegel.
„Nein.“
„Wer dann?“
„Das dürfen wir ihnen nicht sagen“, erklärte Sue ihnen, „Ich bin sicher, wir alle bekommen einige Antworten, wenn wir da sind.“ Denn sie musste sich eingestehen, dass auch sie nicht sehr viel über den Zufluchtsort wusste. Sie hatten GPS- Koordinaten bekommen, an denen sie sich innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Invasion einfinden mussten.
Nach der Grenze zu Kanada tauschte Rick den Platz mit Jack, sodass er sich eine Weile auf dem Beifahrersitz ausruhen konnte. Während Jack an einer menschenleeren Tankstelle den Wagen auftankte, erklärte Kate sich bereit, ihn mit ihrer Pistole zu sichern. Da die Tankstelle verlassen war und die Scheiben eingeschlagen waren, ging sie davon aus, dass der Besitzer entweder der nun herrschenden Anarchie zum Opfer gefallen war oder sein Verschwinden hatte andere Gründe. Ein Blatt der New York Times wehte übe die verlassene Tankstelle, gefolgt von einem Bündel herbstlicher Blätter, als Jack sie fragte, ob sie anstandshalber 20 Dollar auf den Tresen legen sollten. „Amerikanische?“, wollte sie wissen und beantwortete damit seine Frage. Sie stiegen ein und fuhren ohne zu bezahlen weiter. Während der Fahrt musste Kate immer wieder an ihre Freunde in New York denken. Sie fragte sich, wie es ihnen ging.
Dichte Wolken zogen über den Himmel und färbten ihn in trauriges Grau, als sie in den Abendstunden eine Bergkette im tiefsten Kanada erreichten und Jack auf einem Hügel den Wagen plötzlich anhielt.
„Wir sind da“, sagte Jack nun und stieg aus. In der Ferne hörte er leises Motorengeräusch.
Sue, Rick und Kate taten es ihm nach. Er zeigte auf ein Gebäude in der Ferne, welches sich an den Fuß eines gigantischen Berges anschmiegte. Sue schirmte ihre Augen ab, dabei schien nicht einmal die Sonne, die sie blendete. Eine Weile standen Sie so da und beobachteten das Gebäude.
„Das ist kein Zufluchtsort“, begann Kate dann, „Das ist ein Schloss.“
„Ein Herrenhaus, um genau zu sein“, schaltete sich jetzt eine Stimme ein. Sie sahen, wie ein dunkelhaariger Mann den Hügel heraufkam, auf dem das Auto parkte. „Einer unserer Klienten hat es und für Fälle wie diesen zu Verfügung gestellt“, erklärte er und bemerkte, dass Sue und Jack, die er bereits kannte, noch zwei weitere Personen mitgebracht hatten.
„Ich bin Connor Doyle“, stellte er sich vor, „Und Sie sind?“
„Richard Castle und Kate Beckett.“
„Sie sind der berühmte Autor“, bemerkte Connor und Rick freute sich, dass er ihn erkannt hatte. Dann jedoch wurde der dunkelhaarige Mann wieder ernst: „Wir sollten uns beeilen und schnell hineingehen. Es kann gefährlich sein, so lange hier draußen zu bleiben.“
Sie stiegen wieder in das Auto und folgten Connor, der am Fuße des Hügels ebenfalls in ein Fahrzeug steig, zu eine burgähnlichen Anlage, die sie auf der Rückseite eine schützenden Berges befand. Ein Tor öffnete sich und die Fahrzeuge mussten eine Sicherheitsschranke passieren. Danach war es ihnen erlaubt, ihre Fahrzeuge auf dem dafür vorgesehenem Platz abzustellen.
Nachdem sie ausgestiegen waren, mussten Jack, Sue, Rick und Kate einem Sicherheitsmann ihre Reisepässe zeigen. Sue und Jack zeigten ihm zusätzlich die schriftliche Bestätigung, dass sie am Projekt „Shelter“ teilnehmen durften. „Was ist mit den beiden?“, wollte der Sicherheitsmann dann wissen, als er Rick und Kate sah, „Die beiden stehen nicht auf meiner Liste.“
„Dann setzten Sie sie auf die Liste“, wies Connor ihn an. Die beiden hatten Jack und Sue geholfen, zu diesem Ort zu kommen. Wegschicken konnte er sie nicht mehr.
Der Sicherheitsmann tat, wie ihm geheißen und sie konnten die letzte Sicherheitskontrolle passieren. Sie mussten ihren Taschen abgeben, die für sie im Voraus in ihre neue Unterkunft gebracht wurde.
„Es gibt hier Strom“, stellte Rick fest. Er wusste nicht, ob er begeistert sein soll.
„Ja, wir haben einen Notstromgenerator, der in einem geschützten Bunker steht.“
„Wie groß ist diese Anlage?“, fragte Jack neugierig, als sie mit Connor einen Korridor ohne Fenster entlang gingen.
„Mich würde eher interessieren, was dieses Haus so besonders macht, dass es als Zufluchtsort ausgewählt wurde“, sagte Sue. Das Wort Zufluchtsort betonte sie dabei besonders, denn als sie und Jack für dieses Projekt ausgewählt wurden, hatte sie sich etwas anderes vorgestellt- eine unterirdische Anlage, beispielsweise. Allerdings hatte sie auch nie damit gerechnet, dass ES wirklich jemals passieren würde.
„Ein großer Teil der Anlage ist im Berg eingebettet: Labore, die hauseigene Schule, die ärztliche Station, das Kommando- Zentrum, Notfallquartiere…“ Gott behüte, dass sie letzteres jemals brauchen würden. „Weitere technische Details erfahren Sie in der Besprechung heute Abend.“
„Gehörst du zu den Leuten, die im Kommando- Zentrum beschäftigt sind?“, Sue konnte sich diese Frage unmöglich verkneifen.
„Ja“, antwortete Connor wahrheitsgemäß.
„Diese Einrichtung bedarf mit Sicherheit jahrelanger Planung und Vorbereitung“, meinte Rick, „Haben Sie davon gewusst, dass wir eines Tages angegriffen werden?“ Er staunte über einige Menschen, die beschäftigt an ihm vorbeigingen. Außerdem, so dachte er, hätte jemand die Raumschiffe entdeckt haben müssen: Irgendein Hobby- Astronom hätte sie sicherlich mit seinem Teleskop entdeckt und übers Internet hätte sich die Nachricht rasend schnell ausgebreitet.
„Ja, wir haben lange an dieser Anlage gefeilt. Dass uns ein Angriff bevorsteht, wussten wir seit einem halben Jahr: Ein SETI- Mitarbeiter hat Signale aus dem All abgefangen und diese mithilfe einiger Kollegen dechiffriert. Als wir dahinter gekommen sind, wo die Signale herkommen und dass es sich um eine Art Countdown handelt, hat das Kepler- Teleskop entsprechende Bilder gesendet. Dann mussten wir nur noch Eins und Eins zusammenzählen. Natürlich waren wir anfangs entsetzt und man sollte meinen, die Regierung hat einen Notfallplan für diese Situationen. Den hatten sie aber nicht, weil uns niemand geglaubt hat. Also lag es an uns, die klügsten Personen auszuwählen, die den Neuaufbau einer Zivilisation möglich machen können und sie vorerst zu Stillschweigen verpflichtet. Damit keine Massenpanik ausbricht…“
„Sie wollen damit sagen, Sie haben nur die Menschen ausgewählt, die es wert sind, gerettet zu werden“, verbesserte Kate ihn.
„Wir können leider nicht alle Bewohner der Erde retten“, sagte Connor, „Glauben Sie mir, es gibt niemanden, der das mehr bedauert als ich.“ Damit war die Diskussion für ihn beendet. „Das ist Lindsay. Sie wird Ihnen alles zeigen.“ Connor ging und ließ sie alleine mit einer blonden Frau. Lindsay Donner war seine Freundin und als diese bemerkte sie den Unmut, der jetzt in seiner Stimme schwang. Besorgt sah sie ihm nach, doch dann lächelte sie den Neuankömmlingen freundlich zu. Sie kannte Sue und Jack bereits weil sie sie vor einem Jahr zum ersten Mal getroffen hatten. Damals hatten sie und Connor und einige ihrer Freunde noch für das OSIR gearbeitet und hatten für Ermittlungen die Hilfe von FBI- Agenten gebraucht. Ihre Wahl war auf Sue Thomas und Jack Hudson gefallen und sie hatten dies nie bereut.
„Ich bin Lindsay, Hallo. Ich werde euch gerne unsere Anlage zeigen“, erklärte sie.
„Ja, zeigen Sie uns Ihr Utopia“, murmelte Kate so leise, dass es niemand hören konnte. Sie war aber nicht sicher, ob Sue es gesehen hatte: Auf der Fahrt hierher erklärte Sue ihr, dass sie zwar taub war, aber Lippen lesen könnte und deshalb fast immer wusste, was ihr Gesprächspartner sagte.
„Ich habe eine Frage…“, begann Kate und holte zu Lindsay auf, „Handelt es sich wirklich um Außerirdische, die uns angreifen? Es könnte genauso gut eine andere Militärmacht sein, die…“
„…alle Länder dieser Erde gleichzeitig angreift?“, beendete Lindsay ihren Satz. „Die Raumschiffe wurden nicht nur in Amerika oder Kanada gemeldet, sondern auf der ganzen Welt. Außerdem sollten die Raumschiffe Ihre Frage beantworten. Haben Sie sie gesehen? Sie sehen der fortschrittlich aus.“
„Ja“, Kate nickte zustimmend.
„Wie viele Menschen leben in dieser Einrichtung?“, wollte Jack wissen.
Um diese Frage zu beantworten, musste Lindsay einen Blick in eines der Informationsterminals werfen, mit denen die Anlage ausgestattet war. Es handelte sich um Computer, die beinahe überall herumstanden. Die Anzahl der Bewohner änderte sich ständig, da momentan noch viele Bewohner eintrafen.
„Aktuell sind es 105 Frauen und 100 Männer und 50 Kinder und davon sind 30% über 12 Jahre alt. 51% der Bewohner dieser Anlage sind in wissenschaftlichen Berufen tätig, der Rest ist für die Versorgung und Sicherheit zuständig.“
Während Lindsay das sagte, fiel Rick ein, dass er und Kate keine „offizielle Einladung“ zu dieser Anlage erhalten hatten. Sue und Jack hatten sie mitgebracht. Ihn quälte nun die Frage, ob sie überhaupt hier bleiben konnten. Lindsay schien seine Gedanken gelesen zu haben, denn sie lächelte. „Keine Sorge. Wir haben noch nie einen der Bewohner vor die Tür gesetzt. Mister Castle, Sie könnten zu unserem momentan noch spärlichen Unterhaltungsprogramm beitragen und Miss Beckett, Sie würden unser Sicherheitsteam hervorragend ergänzen. Ich habe keine Zweifel daran, dass Sie sich hier einleben werden. Wir Menschen sind darauf ausgerichtet, sich an das Verhalten unserer Mitmenschen anzupassen. Wenn der Rest der Gruppe sich daran gewöhnt hat, werden Sie es auch.“ Lindsay fügte hinzu, dass sie auch noch einmal darüber nachdenken konnten, aber Rick und Kate fiel kein Ort ein, an dem sie momentan sicherer wären, als in dieser Einrichtung. Als nächstes zeigte Lindsay ihnen die ärztliche Station. Sie kamen an einem Konferenzraum vorbei. Lindsay öffnete die Tür und stellte die Männer, die an dem Tisch hockten vor, dann  gingen sie weiter. Sie gingen zusammen eine schmale Treppe hinunter und erreichten dann die Ställe. Levi lief voraus, als sie den Pferdestall betraten. Die Boxen waren nicht nur von Pferden bewohnt, sondern überwiegend von Rindern. Eine oder zwei weitere Boxen waren mit Heu und Stroh gefüllt. Eine Katze saß vor einer Pferdebox und Levi machte sich daran, die Katze davon zu jagen. In einem weiteren Stall lebten drei Schafe und zwei Ziegen.
„Was ist das hier? Ist das eine Arche Noah?“, fragte Kate, während sie durch den langen Korridor gingen, vorbei an Kühen und Pferden.
„Nein“, Lindsay drehte sich nach ihr um und lächelte, „Die Arche müsste ihre Heimat irgendwann verlassen und das kann dieses Haus nicht… Diese Tiere sichern unser Überleben und zwar so lange, bis wir uns an den neuen Umstand angepasst haben. Die Kühe sichern unsere Milch, die Pferde sind nützlich, falls wir irgendwann Arbeitstiere brauchen. Es gibt sogar ein Gewächshaus, in dem Gemüse angepflanzt wird… Natürlich gibt es einige Regeln, die wir befolgen müssen.“ Beispielsweise mussten sie sich mit dem Konsum einiger Lebensmittel so lange zurückhalten, bis ein Nachschub garantiert war.
Nachdem Lindsay die Vermutung geäußert hatte, dass sie von der langen Anreise bestimmt hungrig waren, aßen sie einen Happen in der Mensa, dann schlug Lindsay vor, ihnen nun ihre Zimmer zu zeigen, welches für sie reserviert war. Es war etwa 20 Quadratmeter groß und beinhaltete einen Schlaf- und einen kleinen Wohnbereich. Ein kleines Badezimmer grenzte an das Zimmer an.
Das Zimmer von Rick und Kate befand sich am anderen Ende des Korridors und sah beinahe identisch aus. Kate bemerkte seinen besorgten Gesichtsausdruck, als sie alleine waren. „Was ist los?“, fragte sie.
Rick starrte auf das Display seines Handys. „Ich kann meine Tochter nicht erreichen“, gab Rick zu, „Das macht mir Sorgen.“ Hier zählte es nicht mehr, wie viel Geld er in seinem früheren Leben vor dem Eintreffen der Außerirdischen besessen hatte. Hier waren sie alle gleich: Sie alle hatte Verwandte dort draußen, von denen sie nicht wussten, wie es ihnen ging.
Kate griff nach seiner Hand und erklärte ihm, dass es ihr genauso ginge und dass er sich keine Sorgen machen sollte. Alexis würde einen Weg finden, wie sie Kontakt zu ihm aufnehmen konnte. Und Kate hoffte, dass sie sich nicht irrte.

Kate und Rick waren am Abend in ihrem Zimmer und begutachteten wie wenigen persönlichen Dinge, sie sie in diese Einrichtung mitgenommen hatten: Fotos von Familienmitgliedern befanden sich darunter und Ricks Bücher, die er in seinem Haus in den Hamptons nahezu panisch vom Kaminsims gefegt und in seine Tasche gestopft hatte.
Lindsay war für die Einteilung der Schichten zuständig und Kate hatte ihren Dienstplan bereits erhalten. Rick wollte ihr gerne helfen und er erklärte Lindsay, er könnte seinen Tag nicht nur mit dem Schreiben von Büchern verbringen. Sie war einverstanden, dass Rick und Kate weiterhin ein Team bildeten. Morgen waren sie zum ersten Mal für die Nachtschicht zuständig. Außerdem hatte Rick ein neues, funktionierendes Handy erhalten, damit er weiterhin versuchen konnte, seine Tochter zu erreichen.
Es klopfte an der Tür und bei dem Besuch handelte es sich um Connor und Lindsay. „Guten Abend“, Lindsay lächelte, als sie eintrat, „Gefällt Ihnen das Zimmer?“
„Ja“, Kate nickte, „Ist fast, wie im fünf Sterne- Hotel.“ Als sie Ricks Blick sah, entschuldigte sie sich schnell. Dieser Ort faszinierte sie und wirkte gleichermaßen abstoßend: Während sie darauf bestanden, die Anlage sei ein Zufluchtsort für die Menschheit, trugen sie unterschiedliche Zivilkleidung. Anhand von Science Fiction- Romanen hatte Kate geglaubt, in solchen Einrichtungen trugen alle futuristische, schlichte Kleidung in kalten Farben.
„Wir sind gekommen, um uns zu entschuldigen“, begann Connor schließlich, als Rick ihnen einen Platz auf der Couch anbot und als Rick nicht verstand, warum, fügte Connor hinzu: „Wegen unserer Diskussion heute. Sie  sagten zu mir, dass nur die wichtigsten Menschen ausgewählt worden sind um hier zu überleben.“
„Die Würfel sind doch schon gefallen, oder?“, Kate klang vorwurfsvoll, „Wir können nichts mehr daran ändern, dass nur etwa 250 Leute den Präventivschlag der Aliens überleben werden.“
Connor setzte zu einer Antwort an, aber Lindsay griff beruhigend nach seinen Händen. Für den Bruchteil einer Sekunde lächelte sie ihn tröstend an, wobei ihr langer blonder Pferdeschwanz über ihre Schultern tanzte. „Sie dürfen nicht vergessen, dass wir all diese Entscheidungen nicht getroffen haben“, sagte sie, „Und auch Sie finden hier Zuflucht.“
Kate stand auf und Rick konnte in ihren Augen sehen, dass sie soeben fragen wollte, ob sie nun noch dankbar sein sollte, dass vielleicht die ursprünglich für dieses Zimmer vorgesehenen Bewohner auf der Strecke blieben. Sie feuerte ihre Anschuldigung wie eine Waffe ab und war erstaunt, als Lindsay nicht ebenso wütend reagierte. „Wir haben eine ausreichende Anzahl an Ersatz- Unterkünften“, beruhigte sie sie, „Jedenfalls wollten wir Sie nur wissen lassen, dass wir uns über Ihr Wohlbefinden den Kopf zerbrechen.“ Sie sah zu Connor und er nickte.
„Sie mögen vielleicht denken, wir wären kalt und distanziert“, begann er, „Aber das sind wir nicht. Wir sitzen hier alle im selben Boot, wenn der Kampf dort draußen erst einmal losgeht.“
„Moment!“, unterbrach Rick das Gespräch, „Heißt das etwa, diese schreckliche Invasion war noch nicht alles?!“
„Mister Castle…“,
„Rick“, verbesserte er, „Sagen Sie Rick zu mir…“, er wandte sich jetzt an seine Freundin, „Und das ist Kate.“
„Also gut“, gab Connor nach, „Rick, denken Sie, diese Kreaturen sind weiß Gott wie weit gereist um nur einmal Hallo zu sagen? Sie haben bereits etliche Großstädte zerstört. Über das eigentliche Ziel ihrer Mission können wir bis jetzt nur spekulieren: Vielleicht sind sie gekommen, weil sie auf der Suche nach einer neuen Heimat sind, da ihr Planet von einem Schwarzen Loch verschlungen wird. Die Menschheit steht ihnen im Weg und deshalb werden sie versuchen, uns auszulöschen und…“
„Welche Großstädte?“, fragte Rick. Ein seltsames Gefühl breitete sich in seinem Magen aus.
„CNN in New York sendet nicht mehr“, antwortete Lindsay, die betroffen zu Boden sah und jetzt etwas näher an Connor heran rutschte. Sie hielt noch immer seine Hand. „Sie senden seit zwei Stunden nur noch ein Testbild… Wir gehen deshalb davon aus, dass…“, sie brauchte nicht weitersprechen. Für einen Moment herrschte bedrückende Stille im Raum. Rick brauchte einen Moment um zu begreifen, was das für Alexis und seine Mutter möglicherweise bedeutete. Er stand auf und ging zu dem Fenster um in die Dunkelheit hinaus zu starren. Es gab keinen Balkon an seinem und Kates Zimmer. Sie hatten heute außerdem erfahren, dass sich keines der Fenster öffnen ließ und aus bruchsicherem Glas bestand. Frischluft gab es nur über ein Belüftungssystem.
„Gibt es irgendwelche Lebenszeichen aus New York?“, fragte er dann, ohne sie anzusehen.
„Bisher noch nicht. Tut mir leid“, Lindsay bemerkte, dass es besser war, sie jetzt alleine zu lassen und so standen sie und Connor auf. Sie gingen zur Tür, aber bevor sie das Zimmer verließen, blieb Lindsay noch einmal im Türrahmen stehen. „Im Übrigen sind es mittlerweile 273 Menschen, die diese Anlage bewohnen. Es sind nach Ihrer Ankunft noch einige dazugekommen. Und es handelt sich um ein internationales Projekt, welches nicht nur in Nordamerika gibt, sondern auf allen Kontinenten.“ Dann ging sie.
Es war nicht Ricks Art, zu weinen wie ein kleines Kind, wie er manchmal sagte. Aber in diesem Moment konnte er nicht anders. Er wollte sich nicht einmal beruhigen, als Kate zu ihm trat und tröstend ihre Arme um ihn schlang.

Nachdem sie das Zimmer verlassen hatten und in ihr eigenes zurückgegangen waren, setzte sich Lindsay dort an ihr mobiles Informationsterminal. Sie rief den aktuellen Stand über alle bisher zerstörten Städte auf. Connor bemerkte ihren Gesichtsausdruck und setzte sich neben sie. „Was ist?“, fragte er.
„New York, Los Angeles, Washington D.C., Toronto, Mexico City, London, Paris, Rom, Berlin, Kairo, Mumbai, Sydney… Es ist schlimmer, als wir gedacht hatten.”

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