Wie die Liebe Leben rettet

von Amarice
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P16
Aphrodite Ares Gabrielle Xena
03.11.2013
06.07.2014
13
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Subtext: Ja. Auch wenn es in dieser Geschichte ziemlich viele Kapitel gibt, die sich um Xena und Ares drehen, spielt die Beziehung von Xena und Gabrielle eine entscheidende Rolle.

Gewalt: Ja. In einem Kapitel recht deutlich beschrieben.

Einordnung: Die Geschichte spielt in der 5. Staffel nach der Episode „Chakram“ (Kal, ein regionaler Kriegsgott, wird darin von Xena getötet), aber vor der Episode „Pferdegeflüster“ (Xena erfährt darin von ihrer Schwangerschaft).


Wie die Liebe Leben rettet

Erregt schritt er auf und ab. Ein großer, muskulöser Krieger gekleidet in Leder und Stahl. Eine Strähne seines blonden Haares hing ihm in die makellose Stirn. Kraft und Energie strömten von ihm ab und erfüllten das Innere des steinernen Tempels, in dem er sich befand.

„Sprich zu mir!“ Laut hallend füllte seine Stimme den Raum. Stark, bestimmt und doch mit einem leisen Zittern, das die Ungeduld des Mannes kaum verbergen konnte. „Ich habe dir Opfer gebracht. Wieder und wieder bringe ich dir Opfer. Blut färbt die Waffen meiner Soldaten, tränkt den Boden, auf dem ich schreite. Den Boden, auf dem mein Heer schreitet.“ Seine Faust fuhr auf den steinernen Altar nieder. „Sprich zu mir! Zu mir, der dir huldigt, der dich verehrt! Ich bin der Richtige. Ich führe dein Heer an und unterjoche die Welt in deinem Namen. Nimm mi…“

Er war nicht fähig, seinen Satz zu beenden. Ein bläuliches Etwas erfasste ihn und schleuderte ihn gegen die Wand des Tempels. Ächzend prallte er von ihr ab und sackte zu Boden. Er brauchte einige Sekunden, um wieder auf die Beine zu kommen, Schwindel und Schmerz dabei ignorierend. Und erst als er stand, bemerkte er den Mann, der sich in schwarzer Lederkleidung, ein Schwert an die Hüfte geschnallt, vor ihm aufgebaut hatte. Die muskulösen Arme vor der Brust verschränkt. Die Lippen in sichtlichem Missfallen aufeinandergepresst. Die braunen Augen funkelnd vor spielerischer Freude und tödlichem Ernst.

„Pendragos. Der gute Pendragos“, sagte der Neuankömmling in ruhigem, wohlklingend tiefem Ton.

„Ares …“

„Schweig, Pendragos.“

Der Angesprochene schluckte. Der emotionslose, ruhige Tonfall des Gottes bedeutete nichts Gutes. Hätte er geschrien, gebrüllt, gewütet, es hätte ihm nicht mehr unter die Haut gehen können. Sein Rücken fühlte sich kalt und feucht an. Auf seiner Stirn sammelten sich Schweißperlen. Er war einen Schritt zu weit gegangen.

„Pendragos, Pendragos.“ Ares legte eine gut gewählte Pause ein, in der er den jungen Krieger vor sich betrachtete. Nur betrachtete. Aus dunklen Augen heraus. Intensiv. Forschend. „Niemand bittet mich um die Führung meines Heeres. Niemand. Schon gar kein gewöhnlicher Möchtegernkrieger, wie du einer bist.“

„Aber …“

„Wage es nicht!“ Alles Ruhige war ohne Vorwarnung in ein wütendes Gepolter umgeschlagen, und noch bevor Pendragos wusste, wie ihm geschah, fand er sich mit dem Rücken gegen die Tempelwand gepresst wieder. Eine Hand umschloss seinen Hals. Fest und unnachgiebig. „Wage es nicht, mir zu widersprechen!“ Der Gott drückte kräftiger zu, sprühte ihm zornige Funken entgegen. In dieser Stellung harrte er aus. Sekundenlang. Minutenlang, wie es Pendragos vorkam, der nach Luft rang, röchelte, keuchte. Plötzlich ließ der Griff nach. „Ich bin heute nicht in Stimmung“, brummte Ares, ehe er den jungen Mann mit einer schnellen Bewegung seitlich zu Boden schleuderte. „Verschwinde! Und lass dich nie wieder in meinem Tempel blicken!“

Pendragos ließ sich das nicht zweimal sagen. Dass er sich noch vor wenigen Stunden geschworen hatte, vor Ares die Haltung zu bewahren, geschehe was wolle, schien nun vergessen. Auf allen vieren robbte er hustend und würgend vorwärts, versuchte sich aufzurichten, stolperte halb im Liegen, halb im Stehen weiter. Erst als er den Eingang des Tempels erreicht hatte, sich gegen die schwere Holztür schleuderte, gelang es ihm, sein Gleichgewicht zu finden. Er sprintete los. Lief, ohne sich umzusehen, den vom Regen der letzten Tage matschigen Pfad entlang in den Wald hinein. Hetzte kilometerweit durch das Dickicht, bevor er keuchend zu Boden sackte. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Der Lauf hatte ihn erschöpft, aber was ihm tatsächlich in den Adern steckte, war die Furcht, die Todesangst, die sich dort im Tempel seiner bemächtigt hatte. Eine Furcht, die sich, je länger er dort unten im Dreck lag, in Zorn verwandelte. Zorn und Hass auf denjenigen, der ihn dermaßen gedemütigt hatte, ihn, einen der meist gefürchteten Kriegsherren Thrakiens, einen Möchtegernkrieger genannt hatte. Wütend flog seine Faust auf die Erde nieder, sorgte dafür, dass brauner Schlamm in alle Richtungen spritzte.

„Verärgert?“

Pendragos schoss bei dem Klang der kehligen Stimme in die Höhe. Vor ihm stand eine kleine, zierliche Frau, deren rotes, kurzgeschnittenes Haar wie Feuer leuchtete. Sie musste unbemerkt aus dem Unterholz gekommen sein. Der Krieger zog sein Schwert.

„Verschwinde!“, brüllte er, erfüllt von seinem Zorn auf den Kriegsgott, und richtete die Spitze seiner Waffe auf sie.

Die Lippen der jungen Frau verzogen sich zu einem Lächeln, doch ihre gelbgrünen Augen blieben kalt. „So unhöflich. Und das gegenüber jemandem, der dir zur Rache verhelfen will.“

Pendragos erstarrte. „Rache?“

„Rache“, wiederholte sie. „An Ares.“

Er zuckte sichtlich zurück. „Woher weißt du von der Sache?“

Ein leises Kichern kam von ihrer Seite, ehe sie schnurrte: „Das ist nicht wichtig. Wichtig ist allein mein Angebot, dir zu helfen.“

„Eine Frau?“ Der Krieger lachte hysterisch auf. „Lächerlich!“

„Mein Name ist Satania. Ich bin …“ Geschmeidig drehte sie sich einmal um ihre eigene Achse, hob ihren Arm, schnippte sanft mit den Fingern und schon saß Pendragos abermals im Matsch. „… eine Hexerin.“

„Bist du des Wahnsinns?!“, grollte der Kriegsherr und sprang auf die Beine, doch Satania sprach ungerührt weiter: „An der Seite von Kal wirst du Ares vernichten.“

„Kal? Der Kriegsgott Kal?“

„Genau der“, summte Satania und strich sich durchs Haar.

„Kal ist tot!“, donnerte Pendragos ungehalten los. „Xena hat ihn …“

„Jajaja. Xena hat ihn getötet. Blöde Geschichte. Aber  …“ Sie kicherte. „Schon vergessen? Ich bin eine Hexerin. Man nehme Kals Asche, mein Herz und schon ist er wieder da. Mächtiger denn je.“

„Du bist verrückt. Total verrückt!“

„Damit hast du recht. Total verrückt. Verrückt vor Rache. Bei ihm dreht sich alles nur um Xena. Egal, was ich getan habe. Egal, auf welche Weise ich mich ihm angeboten habe. Egal, wie sehr ich mich anstrengte. Immer zog er sie vor. Ich will ihn tot sehen!“ Einen kurzen Moment lang war alles Leichte, alles Ruhige aus ihrer Stimme verschwunden. Doch gleich darauf war es wieder zurück. „Folge mir!“, sang sie und winkte Pendragos zu.
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