Life

von Vikay
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P6
Gabriella Montez Troy Bolton
03.11.2013
03.11.2013
1
1.461
 
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
03.11.2013 1.461
 
Die Geschichte entstand, nachdem ich mir eines Abends mal zu viel High School Musical Videos mit zu viel Alkohol angeschaut habe und dabei zu viel Erinnerungen hochkamen.

Viel Spaß :)

____________________________________________________________________

Zehn Jahre waren ein lange Zeit. Eine Zeit, in der sich vieles ändern konnte. Eine Zeit, in der man die Chance hat, erwachsen zu werden. Und trotzdem – obwohl man aus der Vergangenheit alles gelernt hat, was man konnte, und sie hinter sich gelassen hatte – fühlt man sich mit der alten Zeit am vertrautesten.

So ging es auch Troy Bolton, als er nach Albuquerque fuhr, um seine Eltern zu besuchen. Nach zehn Jahren.

Sonst waren es immer sein Vater und seine Mutter, die zu ihm nach Kalifornien kamen, um ihren Sohn zu treffen. Er hatte mittlerweile ein eigenes Leben aufgebaut; ein Basketball Star, der von allen bewundert wurde, Besitzer eines großen Hauses gleich am Strand, und bald auch noch Vater. Seine Freundin Selina war schwanger. Noch waren sie nicht verheiratet, doch Troy wollte, sobald er wiederkam, ihr einen Antrag machen. Er konnte sich nichts besseres vorstellen, als bis ans Ende seiner Tage mit ihr zusammenzuleben.

Getroffen hatten sie sich fünf Jahre zuvor. In der High School hatte Troy angefangen, eine Liebe für Musicals zu entwickeln. Und auch wenn er seit seinem Abschluss selbst nicht mehr auf der Bühne stand, so ging er doch gern noch sich welche ansehen.
Also ging er in dieses Musical – ihm fiel nicht einmal mehr ein, worum es handelte – und sah die wunderschönste Frau, die er je gesehen hatte auf der Bühne.
Es dauerte nicht lange, sie hatten sofort einen Draht zueinander. Es passte, dass sie Basketball liebte und ihn auch schon bei einigen Spielen gesehen hatte.

Nun jedoch musste er sie das erste Mal für längere Zeit allein lassen, was ihm innerlich das Herz zerriss. Sie hatte ihr Musical, sie konnte nicht mitkommen.
Aber Troy musste gehen.
Seine Mutter war schwer krank. Zwar hatte sein Vater gemeint, es wäre nichts ernstes, doch konnte Troy erkennen, wann er log. Also war er sofort losgefahren.

Seit seinem Abschluss war er nicht mehr hier gewesen und alles an diesem Ort brachte alte Erinnerungen zurück. Troy fragte sich, ob er das alles vergessen hatte und einfach nur rausgewachsen war. Vielleicht eine Mischung aus beidem. Denn das er sich nicht mehr an seine High School Zeit erinnerte, wäre gelogen. Er genoss jede Erinnerung daran, denn er hatte es geliebt. Damals hatte er seine Liebe für Musicals entwickelt, war raus aus dem typischen Basketball-Boy Schema gewachsen und hatte sich das erste mal richtig verliebt.
Nein, vergessen hatte er es nicht. Aber es war auch nicht so, dass er sich jeden Tag die alten Zeiten zurückwünschte. Er ging noch immer ins Theater, doch spielte er lange nicht mehr. Er stellte die Bühne dem Spielfeld gleich, doch war ein Basketball Star. Er konnte sich noch immer an seine erste Liebe Gabriella erinnern, doch liebte er nun Selina. Troy gefiel es, wie es jetzt war und er würde gegen nichts eintauschen. Und trotzdem liebte er die Erinnerungen dieser Stadt.

*


Troy ging durch die Straßen der Stadt, den Kopf mit Gedanken vernebelt. Seiner Mutter ging es noch schlechter, als er erwartet hatte. Selbst die Ärzte konnten nicht mit Gewissheit sagen, ob sie die Woche überstehen würde.
Wäre er nur öfter hierhergekommen und hätte Zeit mit ihr verbracht, wäre Schwimmer gefahren oder in Theater gegangen oder hätte einfach nur mit ihr erzählt. All diese Dinge konnte er nun nicht mehr nachholen. Und selbst jetzt war er nicht bei ihr. Und das nur, weil er es nicht ertragen konnte. Er betete, dass sie wenigstens noch die Geburt seines Kindes miterleben würde. Ärzte gingen immer gleich vom schlimmsten aus. Vielleicht würde sie ja noch einige Jahre miterleben.

Troy war sich nicht bewusst, wo er überhaupt hinging. Er folgte einfach seinem Instinkt. Letztendlich hielt er an einem Hügel inne, der ihm wage vertraut vorkam.
Hier hatte er früher mit seinen Eltern oft gepicknickt und Sonnenuntergänge angesehen und später, als er älter war, dasselbe mit Gabriella getan.
Er musste eine Träne unterdrücken. Wieso konnten Dinge nie so bleiben, wie sie waren, wenn doch alles perfekt war?

Er machte sich wieder auf den Rückweg, da er wusste, sein Vater würde sich sonst Sorgen machen. Außerdem musste Troy jetzt für ihn da sein. Zwar gab er sich stark, doch wusste Troy es besser; innerlich war er zerbrochen.

Die Straßen waren so leer, wie es nur an einem Sonntag der Fall sein konnte. Kaum ein Mensch war unterwegs und die meisten kannte Troy nicht. Viele seiner alten Freunde waren umgezogen und diejenigen, die hiergeblieben waren – unter anderem Chad – gingen hier zur Universität. Sie hatten keine Zeit. Trotzdem fühlte Troy sich dazu verpflichtet, ihnen bald einen Besuch abzustatten. Und er musste ihnen ja nicht gleich seinen Grund sagen, vielleicht auch niemals. Er konnte ihr Mitleid nicht ertragen, zumindest nicht jetzt.

„Troy?“

Der Klang seines Namens riss ihn aus seinen Gedanken. Hatte ihn gerade jemand gerufen?
Er sah auf, doch da war niemand. Als drehte er sich um.

Dort kam eine junge Frau auf ihn zu. Sie war recht klein und kurvig und hatte lange, dunkle Haare, die sie zu einem Zopf zusammengebunden hatte. Ihren Klamotten zu urteilen war sie gerade joggen. Sie war noch auf gewisser Entfernung, doch Troy hätte diese braune Haut, diese hohen Wangenknochen und dieses Lächeln überall erkannt.

„Gabriella?“, fragte er verwundert. Was tat sie hier? Eigentlich sollte sie in Kalifornien sein, zumindest als er sie das letzte mal gesehen hatte. Das war vor etwa drei Jahren, als sie damals Schluss gemacht hatten. Ihnen war aufgefallen, dass die Distanz einfach zu groß war, ebenso wie ihre beruflichen Interessen.

Sie stand jetzt vor ihm, ein Lächeln auf den weichen Lippen.

„Was … was tust du hier?“, fragte er.

„Dasselbe könnte ich dich fragen“, sagte sie. „Ich wohne seit einigen Monaten hier. Ich hab mich um einen Job als Lehrerin an der East High beworben und wurde angenommen.“

„Schon seit einigen Monaten? Wieso weiß ich nichts davon? Ich steh doch in stendigen Kontakt mit meinen Eltern und Chad und...“

Gabriella schüttelte den Kopf. „Ich hab nie einen von ihnen gesehen oder mit ihnen geredet. Ich hab seit einiger Zeit kaum noch Kontakt. Und Albuquerque ist groß.“

Sie schwieg einen Moment, dann sagte sie: „Und was ist mit dir? Wieso bist du hier?“

Für einen kurzen Moment überlegte Troy, ob er sie anlügen, oder besser ihr nicht alles erzählen sollte.

„Hast du Zeit?“, fragte er stattdessen.

Sie nickte.

„Dann komm mit zum Hügel. Dort können wir erzählen.“

Somit gingen sie wieder zum Hügel und setzten sich dort hin. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es schon nach sechs war. Aber die Zeit musste er sich nehmen.

„Also“, begann er. „Vor ein paar Monaten habe ich die Nachricht bekommen, dass meine Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wurden war. Die Ärzte dachten zuerst, es wäre nur ein Infekt, aber es wurde schlimmer. Seitdem wird sie immer wieder zwischen Krankenhaus und zuhause hin- und hergefahren. Sie entlassen sie wieder, doch nach einer Woche scheint sie wieder Probleme mit dem Magen zu haben. Nun haben wir die Nachricht erhalten, dass sich alles extrem zugespitzt hat. Die Ärzte meinen, sie überlebt nicht einmal die Woche.“

Für einen kurzen Moment schwiegen beide, dann sagte Gabriella: „Das tut mir so unendlich leid. Ich hab deine Mutter immer gemocht.“

Troy spürte Tränen in sich aufsteigen, doch versuchte sie zu unterdrücken. „Sie dich auch“, sagte er. „Ich dachte, sie und ich, wir würden noch so viel miteinander erleben. Meine Freundin ist schwanger, doch sie wird wahrscheinlich niemals ihr Enkelkind sehen. Ich wünschte nur, alles wäre anders verlaufen. Wieso muss er gerade so enden?“

Nun flossen ihm die Tränen über die Wangen und zu seiner Überraschung nahm Gabriella ihn in ihre Arme.

Für eine Weile sagte keiner von beiden etwas. Als er sich wieder beruhigt hatte, sagte Gabriella: „Du kannst gerne mit zu mir kommen, wenn du nicht zurück nach hause möchtest.“

Doch Troy schüttelte nur den Kopf, so sehr er ihr Angebot auch angenommen hätte. „Mein Vater braucht mich“, sagte er.

Gabriella nickte nur verständnisvoll. Troy sah sie an. Vor einigen Jahren war sie die Liebe seines Lebens gewesen und sein größtes Problem, ob sein Team gewann oder nicht. Für ihn war das die Welt gewesen, nichts weiter hatte gezählt. Und als sie ihren Abschluss gemacht hatten, war diese Welt zusammengebrochen und nach und nach musste er zusehen, wie er Dinge verloren hatte, die ihm einst so wichtig erschienen. Vieles hatte sich geändert, doch das Leben ist dadurch nicht schlechter geworden. Und auch wenn seine Mutter sterben würde und ein Loch in seinem Herzen hinterlassen würde, so konnte er dieses doch erneut mit Erinnerungen und Erlebnissen füllen. Das Leben ging weiter und Dinge änderten sich, aber niemand sagte, dass dies etwas schlechtes sein musste.

____________________________________________________________________
Review schreiben