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X-Men vs Grant Morrison

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
02.11.2013
26.11.2013
9
9.206
2
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Dieses Kapitel
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02.11.2013 1.097
 
„Nun ja“, sagte Charles zögerlich. „Es ist nicht alles schlecht daran.“
Der Professor saß in seinem Rollstuhl vor einem runden Tisch, um den sich auch Jean, Scott, Emma, Hank und Logan versammelt hatten. Auf dem Tisch lag ein dicker Comicsammelband mit der stolzen Coveraufschrift  New X-Men, written by Grant Morrison, May 2001 – March 2004
„Blödsinn, Chuck“, knurrte Logan und deutete auf den Sammelband. „Das einzig Gute an diesem Ding ist, dass es uns nicht alle durch den Dreck zieht. Ororo, Kurt, Rogue, LeBeau und die anderen können von Glück reden, dass sie hier nur Gastauftritte haben. Allein der Gedanke, was Morrison ihnen angetan hätte…“
„Aber das allgemeine Setting war ziemlich gut durchdacht, das musst du schon zugeben“, widersprach Jean beschwichtigend. „Die X-Men sind vor der Öffentlichkeit enthüllt, die Mansion wird von einem Trainingslager zu einer richtigen großen Schule und schließlich werden mit der X-Corporation sogar Zweigstellen auf der ganzen Welt gegründet. Endlich haben wir uns nicht mehr versteckt, sondern konnten erstmals stolz und offen den guten Kampf führen.“
„Nicht nur wir, sondern die Mutantenheit allgemein“, bekräftigte Scott. „Die Mutanten als etablierte gesellschaftliche Minderheit mit eigenen Stadtvierteln und einer aufblühenden Subkultur, das war schon ein geniales Konzept.“
„Nicht zu vergessen unsere neuen Feinde, die U-Men“, meinte Hank nachdenklich. „So bizarr die Idee von einer Sekte, welche Mutantenorgane sammelt auf den ersten Blick auch wirkt, so hat es sich doch aus der Masse der üblichen Rassisten abgehoben. Diese menschlichen Gegenspieler wollten uns nicht auslöschen, sondern im Gegenteil selbst unsere Kräfte erlangen. Zudem hat Morrisons Einführung neuer Charaktere uns, neben Gesellen wie Quentin Quire, auch mit so interessanten, sympathischen Figuren wie  Fantomex und Dust gesegnet. Morrison hat frischen Wind in unsere Serie gebracht, das kann niemand abstreiten.“
„Alles schön und gut, aber was ist mit uns, den Hauptcharakteren der Serie?“, sagte Emma. „Morrison hatte ganz offensichtlich keine Ahnung, wie wir ticken und kein Interesse an genaueren Recherchen. Stattdessen hat er uns zu völlig ausgehöhlten Pappkameraden degradiert, die er dann mit seinen eigenen verqueren Ideen von Humor, Schockmomenten und lässigen Sprüchen vollgestopft hat. Allein für die Behauptung, dass ICH als Tabledancerin gearbeitet hätte, sollte ich ihm den Glatzkopf sprengen!“
„Nun übertreibst du aber wirklich“, sagte Jean stirnrunzelnd. „So schlimm ist es doch nicht.“
„Ach nein? Deine jahrzehntelange Beziehung mit Scott wird ohne Grund das Klo runtergespült und dein Charakter wird von allen folgenden Autoren auf das verdammte Weltraumhuhn reduziert werden“, erwiderte Emma kühl.
Jean schluchzte und warf sich in Scotts Arme, der ihr beruhigend zuflüsterte.
„Genau das meine ich“, rief Logan. „Was Morrison da verzapft, hat sowohl die Nachfolgecomics als auch die Filme geprägt. Wenn es um Cyke und mich geht, denken alle möglichen Leute, dass wir uns immer noch prügeln wie besoffene Minderjährige. Dabei habe ich das alte Vierauge doch mittlerweile von Herzen gern und bin längst über Jeannie hinweg.“
„Ich mag dich auch, Logan“, grummelte Scott, der immer noch die schluchzende Jean im Arm hielt.
„Das ist in der Tat ein Problem“, räumte Hank ein, der schaudern an seine Katzengestalt dachte. „Bei Morrison steht zwar X-Men drauf, aber die echten X-Men sind nicht drin. Leider kommen einfach auf jede gute Idee, zwei höchst fragwürdige Ideen.“

Charles wollte seine Meinung kundtun, als plötzlich die Tür aufflog und ein völlig aufgelöster Magneto hereingestürmt kam. Er schwenkte eine eigene Ausgabe des Sammelbandes und hatte vor lauter Eile seinen Helm vergessen. „Verleumdung!“, brüllte Erk wütend.  „Lüge! Wahnsinn! Wie kann Morrison es wagen, mein großartiges Königreich Genosha zu vernichten? Noch dazu von popeligen Sentinels! Jeder fähige Mutant zerlegt diese wandelnden Blechköpfe im Dutzend billiger und Morrison behauptete tatsächlich, dass 16 Millionen Mutanten völlig kampflos von denen getötet werden. 16 Millionen, kapiert Morrison überhaupt, wie viele das sind? Ich bin mir nicht einmal sich, ob so viele Mutanten überhaupt auf die Insel drauf passen.“
Die X-Men reagierten auf das unerwartete Erscheinen ihres alten Erzfeindes gelassen. Wenn man so oft gegen jemanden wie Mags kämpfte, gehörte der praktisch schon zur Familie.
„Bist du noch beim ersten Story-Arc oder hast du schon das Ende gesehen?“, fragte Logan neugierig.
„Was, das Ende?“ Hastig blätterte Erik zum letzten Kapitel, warf einen Blick darauf, stieß ein gequältes Heulen aus und schleuderte das Buch angewidert von sich.
„Das ist ja wohl die Höhe! Mich als senilen, drogensüchtigen….Ich finde diesen Grant Morrison und ziehe ihm jedes Eisenatom einzeln aus dem Körper!“
„Wenigstens wirst du nicht zur Fan-Service-Stripperin der X-Men degradiert“, murmelte Emma.
„Bitte beruhige dich, Erik“, bat Charles. „Die folgenden Autoren korrigieren das wieder und erklären, dass es nur ein wahnsinniger Doppelgänger war. Dein Ruf wird wiederhergestellt.“
„Aber Morrison hat beabsichtigt, dass dieses erbärmliche Wrack wirklich ICH sein soll, oder?“
„Ja, schon…“
„Bitte Professor, wir MÜSSEN etwas tun“, sagte Scott verzweifelt. „Ich will nicht, dass Jean schon wieder stirbt oder dass die Leute mich für einen jämmerlichen Ehebrecher halten. Wenn wir jetzt nicht handeln, wachsen ganze Generationen junger X-Men-Fans mit einem völlig verqueren Bild von uns auf.“

Charles schloss seufzend die Augen.  „Es gibt einen Weg, aber er ist riskant. Wir dringen auf telepathischem Wege in das kollektive Unterbewusstsein der Leser ein und konfrontieren unsere teuflischen Kopien. Falls wir dabei aber scheitern, wären die Folgen nicht auszudenken.“
„Ich bin willens, das Risiko auf mich zu nehmen, Charles. Für mein gutes Aussehen, meinen brillanten Intellekt und vor allem für meine Liebe zu Trish“, antwortete Hank entschlossen.
„Auch ich bin dabei, alter Freund. Korrektur hin oder her, kann ich diese Beleidigung nicht auf mir sitzen lassen“, pflichtete Erik bei.
Nacheinander stimmten auch die anderen Mutanten dem zu und so war es beschlossen.
Alle sammelten sich in einem Kreis um Charles, der die Hand auf den Comicband legte.
„Jean, Emma, ich werde eure ganze Hilfe dafür brauchen.“
„Ich gebe mein Bestes, Professor.“
„Alles klar.“
„Gut, dann beginnen wir.“
Die drei Telepathen konzentrierten sich mit aller Kraft, es gab einen grellen Blitz und schon waren sie alle verschwunden. Verschwunden in der Welt von Grant Morrison.

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Ironischerweise waren die "New X-Men"-Ausgaben die ersten X-Men-Comics, die ich in meinem Leben gelesen habe. Erst als ich später ältere Exemplare in die Finger bekam, merkte ich, dass Morrison keinen Schimmer von den Charakteren hatte, die er da verwendete. Die gröbsten Schnitzer wurden hier sehr gut aufgezeigt:
http://devilkais.deviantart.com/art/Why-it-sucked-1-290499048
http://devilkais.deviantart.com/art/Why-it-sucked-2-291690130
http://devilkais.deviantart.com/art/Why-it-sucked-3-and-ending-292151362
Hier nun also meine meine eigene Parodie auf "New X-Men". Ich hoffe die Leser haben Spass daran.
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