Das melcordische Juwel

von claudrick
GeschichteSci-Fi / P12
Curtis Newton / Captain Future Ezella Garnie Grag Joan Landor Otto Prof. Simon Wright
31.10.2013
24.07.2014
8
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31.10.2013 8.275
 
Endlich lief der Antrieb des Cosmoliners wieder rund und würde wohl keine Probleme mehr bereiten. Fehlerdiagnose und Reparatur hatten Future mehrere Stunden gekostet, und er war froh, dass der Gleiter jetzt wieder intakt war. Er ließ sich noch zu ein paar rasanten Manövern knapp über dem schroffen Mondboden hinreißen, bevor er sich auf den Rückweg zur Basis machen wollte, als ihm in einiger Entfernung drei Gleiter auffielen. Bei dem einen schien ein Triebwerk beschädigt, denn es flackerte unregelmäßig und zog Rauchschwaden hinter sich her. Und eben, als Future die genaue Position der drei Gleiter auf dem Radar festgestellt hatte, schmierte der eine auch schon ab und raste auf die Mondoberfläche zu. Sofort machte sich Future auf den Weg zur vermutlichen Unfallstelle und entdeckte kurz darauf hinter einem Felsen den verunglückten Gleiter. Zunächst sah es so aus, als habe der Pilot es geschafft, eine saubere Notlandung hinzulegen. Bei näherem Hinsehen fiel ihm allerdings auf, dass die Außenhaut ziemlich verbeult war, so dass sich das Gefährt vermutlich mehrmals überschlagen hatte und jetzt nur zufällig wie geparkt da stand. Die zwei anderen Gleiter waren noch immer auf dem Radar zu sehen, und so beeilte sich Future, an sie eine Nachricht abzusetzen, dass er ihren Gefährten gefunden hatte. Seltsamerweise erhielt er jedoch keine Antwort. Im Gegenteil, nachdem er sich identifiziert hatte, drehten die zwei Gleiter ab und verschwanden in die Tiefen des Alls. Misstrauisch landete Future seinen Cosmoliner in der Nähe, stieg aus und ging mit entsicherten Protonenpistolen auf das Wrack zu. Nichts rührte sich. Durch die Bugscheibe warf Future vorsichtig einen Blick ins Innere. Der Pilot saß noch angeschnallt in seinem Sitz, seinen Kopf reglos zur Seite geneigt, die Arme schlaff herab hängend, ohne sichtbare Waffen. Das Visier seines Helms war goldbedampft, so dass Future nichts vom Gesicht des Piloten erkennen konnte, was Rückschlüsse auf dessen Herkunft zugelassen hätte. Ein Protonenstrahl aus seiner Waffe öffnete Future die Einstiegsluke des Gleiters, und vorsichtig zog er den Piloten heraus.
"Otho, ich habe einen verunglückten Raumfahrer aufgelesen, aber er ist bewusstlos oder tot." benachrichtigte Future kurz darauf seinen Kameraden in der Mondbasis. "Bereite bitte die Quarantäneschleuse und das medizinische Labor vor. Und Grag soll sich um das Wrack kümmern."

Als sie später im Labor ihrem Patienten endlich den Helm abnahmen, erlebten sie eine kleine Überraschung. Der Pilot war eine zierliche, junge Frau, vielleicht Mitte zwanzig. Ihre kurzen, braunen Haare klebten ihr verschwitzt am Kopf, die Lippen waren aufgesprungen, ihre Haut war mehr als blass, und an ihrer Stirn leuchtete rot die Brandspur eines Streifschusses. In einer Seitentasche ihres Anzugs fanden sich ein paar Unterlagen. Vier Ausweise unterschiedlicher Nationalitäten, ein Kommunikator neuester Technik, ein Navigationsgerät, das nur in Polizei- und Militärkreisen verwendet wurde, Speicherkarten verschiedener Gebäudegrundrisse, und schließlich doch eine kleine Waffe, ein Elektroschocker.
"Vielleicht ist sie Geheimagentin?" mutmaßte Otho, während er die Lebensfunktionen ihrer Patientin überprüfte. "Bestimmt ermittelt sie verdeckt."
Future tauschte einen nachdenklichen Blick mit Simon, als die Frau plötzlich ein Stöhnen von sich gab und träge die Augen öffnete. Das erste, was sie verschwommen erblickte, waren Othos große Augen, die sie neugierig anblickten und Grags Metallgesicht, das sie zwar freundlich, aber für jemanden, der ihn nicht kannte, doch erschreckend angrinste. Sie schrie auf, sprang von der Pritsche, auf der sie gelegen hatte und wollte durch die nächstbeste Tür, die sich bot, entsetzt das Weite suchen. Future stellte sich ihr in den Weg und fing sie ab.
"Keine Panik, Miss." sagte er so beruhigend wie möglich, während er sie an den Oberarmen festhielt. Als sie sein menschliches Gesicht erblickte, hörte sie auf, sich zu wehren und starrte ihn stattdessen verwirrt an.
"Wer... Wer sind Sie?" stammelte sie. "Und wo bin ich hier?"
Future ließ sie los und drückte sie mit sanfter Gewalt auf einen der Laborhocker.
"Sie hatten einen kleinen Unfall mit Ihrem Gleiter. Sie sind über dem Mond abgestürzt, und wir haben Sie gefunden..."
"Dem Mond...?" fragte sie erstaunt, und ihr schien zu dämmern, wie wem sie es zu tun hatte. "Sind Sie etwa...?"
Future nickte und hob das Handgelenk mit seiner unverwechselbaren Uhr. "Und das sind meine Freunde und unverzichtbaren Helfer Grag, Otho und natürlich Professor Simon."
Zu seinem Erstaunen wurde ihr Gast daraufhin noch bleicher als ohnehin schon, so dass Future befürchtete, sie würde gleich vom Hocker fallen.
"Verraten Sie uns auch, wer Sie sind?" fragte Future nachhakend, als sie keine Anstalten machte, sich ebenfalls vorzustellen. Stattdessen blickte sie sich nervös um und entdeckte mit offensichtlichem Bedauern den Elektroschocker außerhalb ihrer Reichweite auf dem Labortisch.
"Ich heiße Laura Kaplan." antwortete sie schließlich mit trotziger Stimme. "Aber da Sie meine Sachen durchsucht haben, wissen Sie das ja wahrscheinlich schon. Und wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich gerne so schnell wie möglich meine Reise fortsetzen."
Die Mitglieder der Future-Mannschaft tauschten erstaunte Blicke. Dafür, dass Curtis ihr das Leben gerettet hatte, reagierte sie ganz schön kratzbürstig!
"Nun, da waren mehrere Ausweise. Wenn ich gewusst hätte, welcher der richtige ist, hätte ich Sie natürlich von Anfang an mit Ihrem Namen angesprochen..." antwortete Future kühl.
Laura bekam einen roten Kopf, stand abrupt auf und stopfte sich fahrig ihre Sachen wieder in die Taschen.
"Ich möchte jetzt sofort zu meinem Gleiter!" giftete sie.
"Ich fürchte, das geht nicht. Der hat den Absturz nämlich nicht so gut überstanden wie Sie." warf Grag ein. "Aber wenn Sie ein bisschen Geduld haben, kriegen Otho und ich ihn vielleicht wieder flott."
Lauras Gesicht erstarrte, als ihr offensichtlich etwas Wichtiges wieder einfiel.
"Der Behälter!" rief sie erschrocken aus und ließ ihren Blick suchend durch das gesamte Labor huschen. "Ich hatte einen Metallbehälter dabei! Wo ist er?"
"Meinen Sie etwa den hier?" Grag hielt das gesuchte Stück in der Hand, das er im Innenraum von Lauras Gleiter gefunden, aber noch nicht näher untersucht hatte.
Mit einem Satz war Laura an Grags Seite, riss ihm die Metallbox geradezu aus der Hand, setzte sich wieder hin und umklammerte den Behälter krampfhaft mit den Armen. Die anderen warfen sich fragende Blicke zu.
"Miss Kaplan..." setzte Future vorsichtig an. "Gibt es da etwas, das wir wissen sollten?"
"Nein!" erwiderte Laura bestimmt.
Future runzelte die Stirn und sah den ungebetenen Gast eindringlich an. Diese Frau machte einen ziemlich gehetzten Eindruck, und ihre ausweichenden Antworten erschienen ihm mehr als suspekt.
"Ich schlage vor, Sie bleiben erst einmal hier. Wir werden dann sehen, ob wir Ihren Gleiter reparieren können. Und falls nicht, werden wir Sie zur Erde bringen."
Laura deutete widerwillig ein Kopfnicken an.
"Ich werde Ihnen einstweilen meine Kabine überlassen." fügte Future hinzu. "Wenn Sie möchten, können Sie duschen und sich ein bisschen ausruhen. Was ist mit der Wunde an Ihrer Stirn? Das sollte versorgt werden."
"Das ist nicht nötig." entgegnete Laura abweisend. "Ist nur ein Kratzer."
"Wie Sie meinen." entgegnete Future. "Otho, bringst du Miss Kaplan zu meiner Kabine?"

Laura betrat vorsichtig Captain Futures Quartier. Es war ziemlich nüchtern und zweckmäßig eingerichtet, mit Blick auf die Ebene des Kraters Tycho, in dem sich die Mondbasis befand. Kaum persönliche Gegenstände außer ein paar Bildern an der Wand. Ein älteres Foto zeigte ein junges Paar mit einem Baby, ein neueres eine blonde, junge Frau in Polizeiuniform, und ein anderes die gleiche Frau Arm in Arm mit Captain Future, beide in eleganter Abendgarderobe. Otho räusperte sich wie ein Hotelpage, der auf sein Trinkgeld wartet, und Laura zuckte zusammen.
"Danke, äh... Otho." murmelte sie. "Ich glaube, ich komme dann alleine zurecht."
Neugierig, wie der Androide nun einmal war, warf er einen fragenden Blick auf den Metallbehälter, den Laura noch immer fest an ihre Brust drückte.
"Was immer Sie da mit sich herum tragen..." fing Otho an. "Wir haben hier in der Basis einen gepanzerten Raum. Wenn es Sie irgendwie beruhigt, können wir es gerne dort für Sie aufbewahren, solange Sie hier sind."
"Nein!" entfuhr es Laura, heftiger als beabsichtigt, und sie machte einen Schritt rückwärts. "Das ist gut gemeint, aber ich möchte es lieber bei mir behalten."
Otho hob beschwichtigend die Hände. "Schon in Ordnung, war ja nur ein Vorschlag." Er drehte sich um und verließ die Kabine.

"Irgendwas stimmt mit der nicht." bemerkte der Androide, als er ins Labor zurückkam. "So nervös kann man gar nicht sein, wenn man nicht in Schwierigkeiten steckt."
Future und Professor Simon wandten sich zu ihm um.
"Wir überprüfen gerade vorsichtshalber die aktuellen Fahndungslisten der Planetaren Polizei, aber keine Laura Kaplan, die auch aussieht wie unser Gast, ist auf der Flucht, wird vermisst oder ist vorbestraft." erklärte das Gehirn. "Wahrscheinlich ist das auch nicht ihr richtiger Name."
"Was meinst du, Simon?" fragte Future. "Sollten wir mit Ezella über Miss Kaplan sprechen?"
"Ich denke nicht." antwortete das Gehirn nach kurzem Überlegen. "Marshall Garnie hat genug um die Ohren, und gegen Miss Kaplan liegt nichts vor. Wir werden sie einfach gut im Auge behalten, solange sie hier ist."

Laura Kaplan lag in ein Laken gewickelt auf Captain Futures Koje und starrte schlaflos die Zimmerdecke an. Einmal abgesehen davon, dass sie hier mehr oder weniger unfreiwillig Unterschlupf gefunden hatte, war alles schief gegangen, was nur schief gehen konnte. Gut, sie hatte bekommen, was sie wollte. Aber dafür hatte sie jetzt Verfolger am Hals, denen sie schlichtweg nicht gewachsen war, und von ihrem Vater hatte sie kein Lebenszeichen mehr, seit sie mit dem Gleiter das Mutterschiff verlassen hatte...
Leise Schritte auf dem Gang rissen sie aus ihren Gedanken, und sie lauschte. Die Schritte verharrten vor ihrer Tür, und kurz darauf glitt diese auf. Nur ein dunkler Umriss zeichnete sich vor der Beleuchtung im Gang ab, aber sie erkannte sofort, dass es weder Otho noch der riesenhafte Roboter war, der da im Türrahmen stand, und sie tastete nach ihrem Elektroschocker.
"Was ist denn?" fragte sie nervös. Die Gestalt trat ein, und die Tür schloss sich hinter ihr.
"Das weißt du genau, du kleine Diebin." kam die Antwort, und Laura erstarrte, als sie die Stimme eines ihrer Verfolger erkannte.
"Du hast dich in Dinge eingemischt, von deren Bedeutung du nicht einmal den Hauch einer Ahnung hast, und darum wirst du mir auf der Stelle zurückgeben, was du uns gestohlen hast!" Er trat rasch auf das Bett zu, packte sie von vorne am Hals, zog sie hoch und drückte sie so heftig gegen die Wand, dass ihr die Luft wegblieb. Der kleine Elektroschocker entglitt ihrer Hand.
"Also, wo ist es?" raunte der Eindringling sie drohend an.
Als Laura nur ein Ächzen hervorbrachte, stieß er sie noch einmal grob gegen die Wand, und so deutete sie schließlich hilflos auf ihren Kleiderhaufen vor der Duschkabine. Der Mann ließ sie sofort los und schleuderte sie hart zurück auf die Koje. Laura schnappte krampfhaft nach Luft und bekam einen Hustenanfall, während der Eindringling unter ihren Kleidern den Metallbehälter hervorzog. Er begann, an dem Verschluss herum zu fingern, und Laura blickte sich panisch nach etwas um, womit sie sich wehren konnte. Ihr fiel das Golfrack ein, das zwischen Bett und Schreibtisch lehnte, und ihr erst aufgefallen war, als sie vorhin aus der Dusche kam. Ohne weiter nachzudenken, tastete sie nach einem der Schläger, erwischte den schwersten, holte aus und schlug mit dem Mut der Verzweiflung zu. Im Halbdunkel war sie nicht sicher, wo sie ihn getroffen hatte, aber sie hörte das grausige Knirschen von Knochen und das dumpfe Geräusch, mit dem der Körper des Eindringlings am Boden zusammensackte. Dann war es still.

Future und Grag rannten den Gang entlang. Verdächtige Geräusche hatten sie aufmerksam gemacht, aber als sie jetzt vor der Tür zu Futures Kabine standen, war alles ruhig und dunkel.
"Was war das bloß?" fragte der Captain.
"Vielleicht ist sie nur aus dem Bett gefallen, so wie Joan neulich..." antwortete Grag grinsend. "Du solltest wirklich mal über etwas Bequemeres nachdenken."
Future warf dem Roboter einen strafenden Blick zu, wandte sich dann aber wieder zur Tür und betätigte die Gegensprechanlage.
"Miss Kaplan, ist alles in Ordnung bei Ihnen?" Keine Antwort.
"Miss Kaplan...?" Nichts.
Schließlich betätigte er einfach den Türöffner, trat ein und machte Licht. Und erschrak über die seltsame Szene, die sich ihm bot: Laura Kaplan stand in ihrer wenig kleidsamen Raumunterwäsche zitternd auf dem Bett, einen seiner Golfschläger in der Hand, und am Boden lag eine reglose, schwarz gekleidete Gestalt mit einer stark blutenden, klaffenden Wunde am Hinterkopf.
"Sauberer Schlag." stellte Grag trocken fest, nachdem er den Eindringling eingehend begutachtet hatte. "An Golf wird dieser Kerl wohl keine Freude mehr haben. Er ist nämlich tot."
"Ich fürchte, jetzt sind Sie uns aber wirklich eine Erklärung schuldig, Miss Kaplan." sagte Future ungehalten und nahm Laura den Golfschläger ab, an dem Blut und ein paar Haare klebten. Wie betäubt stieg sie vom Bett herunter und schaute fassungslos auf den Mann, den sie soeben getötet hatte.
"Das wollte ich nicht..." hauchte sie nur und blickte Future dabei hilflos an. "Bitte glauben Sie mir. Er hat mich angegriffen und... was sollte ich denn sonst tun?!"
"Vielleicht sollten wir erst einmal klären, wie der Kerl herein gekommen ist." meinte Grag. "Ich werde mich mit Otho gleich mal umsehen, bevor wir diesem Einbrecher hier ein kühles Grab auf der Mondrückseite bereiten."
Future nickte, und der Roboter verließ den Raum. Laura starrte immer noch den Toten an und zitterte dabei am ganzen Leib. Der Captain griff nach dem Laken und legte es ihr um die Schultern. Die Umklammerung des Eindringlings hatte dunkelrote Abdrücke an ihrem Hals hinterlassen. Und ein kleines Blutrinnsal floss ihren Nacken hinab.
"Sie bluten ja ebenfalls, Miss Kaplan. Hat er Sie verletzt?" Er berührte die Stelle vorsichtig.
"Au!" schrie Laura auf und stieß impulsiv seine Hand weg. Dann tastete sie selbst nach der Stelle. "Da ist was unter meiner Haut." stellte sie mit zusammen gebissenen Zähnen fest. "Es hat wohl erst nach der Dusche angefangen zu bluten. Sehen Sie doch!"
Future kam näher und erkannte direkt unter der Haut an ihrem Haaransatz etwas Dunkles. Es wirkte unnatürlich, weil es perfekt quadratisch war.
"Was ist das?" fragte Laura ängstlich.
"Tja, für mich sieht das aus wie ein Sender, den Ihnen jemand verpasst hat. Haben Sie das nicht bemerkt?"
Laura dachte mit Grauen zurück an ihre turbulente Flucht, im Strahlenfeuer ihrer Verfolger...
"Doch." antwortete sie kleinlaut. "Ich dachte, es sei ein Streifschuss gewesen."
Future seufzte. "Wir werden das sofort entfernen."

"Keine Sorge, Miss Kaplan." sagte Grag aufmunternd, als er im Labor ihren Nacken mit einem Oberflächen-Anästhetikum besprühte. "Ich arbeite mit der Präzision eines Neurochirurgen."
"...da spricht doch der Blinde von den Farben..." lästerte Otho.
"Halt die Klappe!" fuhr Grag ihn an und drohte ihm mit der Faust. "Miss Kaplan kriegt sonst noch Angst!"
"Zu spät." stellte sie eingeschüchtert fest.
"Die beiden streiten ständig, Miss Kaplan." beruhigte sie Professor Simon. "Hören Sie einfach nicht hin. Und Grag macht seine Sache wirklich gut, also keine Angst."
Nachdem der Sender problemlos entfernt und zerstört war, kam Future mit dem geheimnisvollen Metallbehälter in der Hand ins Labor. Lauras Körper spannte sich augenblicklich an, und ihre Augen weiteten sich.
"So, Miss Kaplan. Sie werden uns jetzt auf der Stelle verraten, was da drin ist und wer hinter ihnen her ist. Sonst kriegen Sie wirklich Ärger, hören Sie?"
Laura schluckte, und ihr war anzusehen, dass sie nicht wusste, was sie jetzt tun sollte. Um ihre Entscheidung ein bisschen zu beschleunigen, griff Future nach einer seiner Protonenpistolen und machte Anstalten, den Verschluss des Behälters gewaltsam zu öffnen.
"Nein! Tun Sie das nicht!" schrie Laura entsetzt auf und fiel ihm in den Arm. "Ich werde es Ihnen zeigen, aber bitte lassen Sie mich das machen!"
Future legte die Pistole zufrieden wieder an ihre Halterung an seinem Oberschenkel und nahm erwartungsvoll Platz. Laura holte tief Luft, gab den Zahlencode ein und öffnete den Behälter. Er war innen mit Styropor ausgekleidet und enthielt eine Softplastikröhre, die Laura jetzt herauszog.
"Könnte ich ein paar Laborhandschuhe haben?" fragte sie, und Future reichte ihr ein Paar von seinen. Vorsichtig zog sie dann etwas längliches aus der Röhre und entrollte es auf der Arbeitsfläche.
"Was ist das denn?" fragte Otho, sichtlich enttäuscht über das rechteckige Stück bemalter Leinwand, das da zum Vorschein kam. "Und deswegen wollten Ihnen diese Kerle ans Leder? Wegen einem Bild?" Otho war fassungslos. Laura bedachte ihn mit einem seltsamen Blick, und fast konnte man meinen, dass sie ihm recht gab.
"Ich bin auch kein Kunstkenner, aber es heißt, sein Wert liege fern jeder Schätzung." erwiderte Laura.
"Und was haben Sie mit diesem Bild zu tun?" fragte Simon interessiert. Laura blickte das Gehirn an, gab aber keine Antwort.
"Haben Sie es gestohlen?" fragte Future schließlich ohne Umschweife. Die junge Frau ließ sich resigniert auf einen der Laborhocker fallen.
"Ja." antwortete sie leise. "Aber ich mache das nur im Auftrag. Ich weiß nicht einmal, wer der Käufer ist. Ich weiß nur, dass ich in Teufels Küche komme, wenn ich das Bild nicht abliefere, weil ich schon eine Anzahlung kassiert habe..."
"Woher stammt das Bild?" fragte Simon streng weiter.
"Aus den Kaiserlichen Museen von Melcordia..."
"Melcordia?!" rief Otho ungläubig aus. "Der liegt im Alpha-Centauri-System! Wie konnten Sie das mit dem kleinen Gleiter schaffen?"
Laura holte tief Luft. Die Erinnerung an die vergangenen Ereignisse machten ihr sichtlich zu schaffen.
"Mein Partner und ich hatten ja ein Raumschiff, aber als uns unsere Verfolger so dicht auf den Fersen waren, sagte er, ich solle mich unbemerkt mit dem Gleiter absetzen, aber wie wir jetzt wissen, hatte ich da den Sender schon unter der Haut, und sie konnten mich problemlos aufspüren..."
"Dann sind das wohl auch Melcordier, die da hinter Ihnen her sind?" fragte Future.
"Der Mann, der hier eingedrungen ist, schon." antwortete Laura. "Aber es gibt mit Sicherheit mehr als nur einen Interessenten für dieses Gemälde. Der Markt für geraubte Kunstgegenstände ist größer als Sie denken, Captain. Bei der Planetaren Polizei ist eine ganze Abteilung mit diesem illegalen Handel beschäftigt..."
Einen Moment lang sagte keiner etwas.
"Wo ist Ihr Partner jetzt?" fragte Professor Simon vorsichtig.
"Ich habe keine Ahnung." antwortete Laura, und tat, als habe sie eine Wimper im Auge. Langsam und vorsichtig rollte sie das Gemälde wieder zusammen und steckte es zurück in den Schutzbehälter.
"Was werden Sie jetzt tun?" fragte sie, obwohl sie die Antwort schon ahnte.
"Darüber gibt es keinen Zweifel, Miss Kaplan." stellte Future mit aller Deutlichkeit klar. "Sie müssen das Gemälde zurückgeben. Etwas anderes kommt überhaupt nicht in Frage."
"Dann kann ich nicht auf die Erde zurückkehren." stellte sie nüchtern fest und starrte auf den Boden. "Meine Auftraggeber akzeptieren nämlich keine Entschuldigungen."
Future blickte sie schweigend an, und es fiel ihm schwer, zu verstehen, wie sich so ein kleines Persönchen auf derart gefährliche Geschäfte einlassen konnte.
"Wir werden eine Lösung finden." sagte er schließlich. "Morgen."

"Wie kommt eine Frau wie Sie nur in solche Schwierigkeiten?" konnte sich Future dann doch nicht verkneifen, als er Laura zurück zu seiner Kabine begleitete. "Oder bereitet es Ihnen Vergnügen, andere zu bestehlen?"
Unter anderen Umständen hätte sie sich über diese Frage wahrscheinlich geärgert, aber im Moment war sie zu keiner Emotion fähig.
"Es ist das einzige, was ich je gelernt habe." war ihre einfache Antwort. Ihr Blick schweifte zu den Fotos an der Wand. "Ist das Ihre Frau?" fragte sie und deutete auf das Foto, das Future mit Joan im Arm zeigte.
"Nein..." antwortete er langsam. "Aber sie bedeutet mir mehr als mein eigenes Leben."
Einen Moment lang starrte sie ihn an, und er konnte zusehen, wie sich ihre Augen mit Tränen füllten. Doch sie riss sich sofort wieder zusammen und wischte sich die Tränen verlegen wieder weg.
"Sie machen sich Sorgen um Ihren Partner, nicht wahr?" fragte Future verständnisvoll. Laura nickte, gab aber keine Antwort.
"Versuchen Sie ein bisschen zu schlafen, Miss Kaplan. Wenn Ihr Partner so gerissen ist, wie Sie, geht es ihm bestimmt gut."

Lauras Kommunikator meldete sich, und sofort war sie hellwach.
"Daddy!!!" rief sie leise, aber zutiefst erleichtert aus. "Geht es dir gut? Wo bist du?"
"Ich würde sagen, knappe tausend Meter nordöstlich von dir, außerhalb des Tycho. Ich konnte deinen Navigator orten. Bist du etwa bei Captain Future gelandet, Häschen?"
Laura schilderte ihrem Vater, was geschehen war, dann beratschlagten sie kurz, wie sie aus der Mondbasis fliehen konnte. Nachdem sie ihr Gespräch schließlich beendet hatten, legte Laura in aller Ruhe Raumanzug und Helm an und benutzte zum zweiten Mal einen von Futures Golfschlägern, diesmal, um das ovale Glasitfenster zu zertrümmern. Sie musste sich beeilen, denn der Lärm, den sie verursachte, war nicht zu überhören. Die Scheibe barst, und mit einem unheimlichen Sog entwich die Luft, was sofort ein Alarmsignal auslöste. Laura schlug die Glasitbrocken weg, bis die Öffnung groß genug war, um hindurch zu klettern. Das Fenster lag nicht sehr hoch, und sie landete unversehrt im weichen Mondstaub. Die Magellan, das schnittige Raumschiff ihres Vaters, erschien eben über der Kuppe des Kraters und näherte sich der Basis. In einiger Entfernung verharrte es, und ein Traktorstrahl drang aus dem Bauch des Raumschiffs um sie aufzunehmen. Laura rannte los, bemerkte aber bei einem Blick über ihre Schulter, dass sich die Schleuse der Basis öffnete. Sie waren ihr bereits auf den Fersen. Verzweifelt schleuderte sie den Metallbehälter von sich, und aufgrund der mangelnden Schwerkraft flog er mehrere hundert Meter weit.
"Mädchen, was machst du denn?" rief Kaplan seiner Tochter entsetzt über das Comlink zu.
"Verschwinde mit dem Gemälde, Daddy. Sie bringen dich um, wenn du ohne das Bild zurückkommst. Wenn du jetzt sofort startest, kannst du Future noch entkommen!"
Obwohl sie wusste, dass sie es nicht mehr schaffen würde, rannte sie noch immer atemlos auf das Raumschiff zu und beobachtete, wie der Metallbehälter über den Traktorstrahl im Inneren verschwand.
"Bist du verrückt geworden?" schallte die Stimme ihres Vaters in ihrem Helm. "Ich werde dich nicht hier zurücklassen!"
"Doch, das wirst du." antwortete Laura leise, blieb kurzentschlossen stehen und nahm ihren Helm ab.

***

Joan war maßlos enttäuscht. Alle Mühen und Anstrengungen der vergangenen drei Wochen waren umsonst gewesen. Nicht nur, dass sie soviel theoretisches Wissen gepaukt hatte wie lange nicht mehr, auch das harte körperliche Training, die Plackerei auf dem Schießstand, die Beleidigungen der Ausbilder... alles für die Katz. Missmutig starrte Joan die Pfannkuchen auf ihrem Teller an. Ezella, der ihr gegenüber saß, las eben noch einen Bericht, während er auf sein Rumpsteak wartete. Endlich kam die Bedienung und servierte dem Marshall das Bestellte.
"Bitte schön, Mr. Garnie. Schön blutig, so wie Sie es mögen."
"Äh, danke, Nellie." Die Kellnerin lächelte ihren Stammgast liebenswürdig an und schwebte wieder davon. Ezella griff nach seinem Besteck, schnitt das Steak an, und rosa Fleischsaft quoll hervor. Er zögerte einen Moment.
"In Zukunft werde ich vor dem Essen keine Obduktionsberichte mehr lesen." verkündete er mit gerunzelter Stirn, biss dann aber doch herzhaft zu. Joan zupfte noch immer appetitlos mit der Gabel an ihren Pfannkuchen herum.
"Ach, Ezella, was ich dir noch sagen wollte... Ich habe die Prüfung vermasselt... Gibst du mir mal den Sirup?"
Ezella fiel die Ofenkartoffel aus der Hand, die er gerade von ihrer Folie befreien wollte und die jetzt über den Tisch kullerte. Und der fassungslose Ausdruck in Ezellas Gesicht machte für Joan alles noch schlimmer.
"Ist das wahr?" fragte der Marshall ungläubig. "Du warst doch so gut vorbereitet. Was ist schief gegangen?"
Joan seufzte. "In der Theorie fehlten mir zwei Punkte. Zwei Punkte!" Wütend stach sie mit der Gabel in den wehrlosen Pfannkuchen auf ihrem Teller.
"Damit ist man noch nicht durchgefallen." entgegnete Ezella. "Was war mit der praktischen Prüfung?"
"Beim Parcourlauf ist ein anderer Agent versehentlich mit mir zusammengestoßen." erzählte Joan. "Ich bin mit dem Gesicht voll auf seinen Helm geprallt. Und du weißt doch, wie das ist, Ezella: Wenn man eins auf die Nase kriegt, kommen einem unwillkürlich die Tränen, ob man will oder nicht. Drill-Sergeant Atkins wusste das allerdings scheinbar nicht. Als er mich sah, schnauzte er mich an, ob ich mich nicht gleich bei meiner Mommy ausheulen möchte, und von da an hatte er mich auf dem Kicker." Sie schob eine ihrer Locken zur Seite und zeigte Ezella eine genähte Platzwunde kurz unterhalb des Haaransatzes. "Dass ich mich bei dem Zusammenstoß verletzt hatte, habe ich erst bemerkt, als mir beim Schießstand ständig Blut in die Augen lief, und deshalb habe ich dann nicht mehr richtig getroffen. Und auch, weil mir Sergeant Atkins ständig ins Ohr brüllte "Wo schießen Sie denn hin, Landor...?"
Entnervt legte Joan die Gabel beiseite und rieb sich mit beiden Händen die Stirn. Ezella seufzte und tätschelte der Kollegin mitfühlend die Hand. Dieser Lehrgang war kein Zuckerschlecken, er wusste das, und das Vorgehen der Drill-Sergeants konnte einen schon fertig machen...
"Mach dir nichts draus, Joan, das war einfach Pech. Nächstes Jahr hast du wieder eine Chance."
"Ja... Aber das bedeutet auch, dass wir ein Jahr lang kaum miteinander arbeiten werden, nachdem du inzwischen zum Leiter von Präsident Cashews Personenschutz aufgestiegen bist..." Joan blickte ihn traurig an.
"Ich weiß, und ich bedauere das auch zutiefst. Aber ein Jahr geht schnell vorbei, du wirst sehen." Ezella war sich bewusst, dass seine Worte nur ein schwacher Trost waren, aber was sollte er sonst sagen?

***

Sie ist tot.
Philip Kaplan war noch immer wie betäubt, als er zur Landung auf dem kleinen Privatflughafen vor den Cayman-Islands ansetzte.
Sie ist tot.
Der schlimme Satz wiederholte sich ständig in seinem Kopf, wie die Endlosansage in einer Warteschleife. Doch begreifen konnte er es nicht. Sie war doch nur noch wenige hundert Meter von ihm entfernt gewesen, sie hätte es noch schaffen können, müssen, sollen... Seine Augen brannten, doch die Tränen wollten nicht fließen, hatte er sich doch fast daran gewöhnt, dass er seine Tochter jederzeit, jeden Tag, verlieren konnte...
Die Magellan setzte holprig auf und kam zum Stillstand. Kaum waren die Triebwerke verstummt, sah Kaplan auch schon Ian Darnell, den Agenten seiner Kundschaft, auf das Raumschiff zu eilen. Darnell trug knittrige Leinenshorts, ein unsägliches Hawaiihemd und Segelschuhe, die irgendwann einmal weiß gewesen sein mussten. Und die hellrot verspiegelten Gläser seiner großen Sonnenbrille glänzten um die Wette mit seiner geröteten Kopfhaut, deren spärliche Behaarung der brennenden Sonne nichts entgegen zu setzen hatte. Philipp Kaplan erhob sich aus dem Pilotensitz, griff nach dem Behälter mit dem Gemälde und trat damit ins Freie. Darnell winkte ihm von weitem mit einem schwarzen Aktenkoffer in der Hand zu und beschleunigte seine Schritte, was seiner in Wallung geratenen Körpermasse die hypnotische Wirkung einer Lavalampe verlieh. Kaplan kam ihm entgegen, aber trotzdem war Darnell völlig außer Atem, als sie schließlich aufeinander trafen und musste sich erst einmal nach Luft schnappend mit den Händen auf seine Knie stützen.
"Guten Morgen, Ian." begrüßte Kaplan den verschwitzten Mann vor sich. "Ich glaube, du hast abgenommen, nicht wahr?"
Darnell brachte ein keuchendes Lachen hervor und sah Kaplan von unten mit gerötetem Gesicht an.
"Oh ja, Phil. 100 Gramm diesen Morgen, um genau zu sein." Er richtete sich auf, zog ein Taschentuch hervor und tupfte sich die Stirn.
"Gott, dieses Klima bringt mich um..." Sein Blick fiel auf den Metallbehälter. "Ah, wie ich sehe, warst du erfolgreich. Du erlaubst...?" Er wollte die Hand danach ausstrecken, doch Kaplan wich einen Schritt zurück.
"Zeig mir erst das Geld!"
Darnell zog die Augenbrauen hoch, öffnete dann aber doch den Aktenkoffer.
"Eigentlich könnte ich jetzt ein bisschen beleidigt sein." entgegnete der Agent gekränkt. "Traust du mir etwa nicht?"
Ein spöttischer Zug trat in Kaplans Gesicht, und er sah Darnell gerade in die Augen.
"Es gibt nur zwei Menschen, denen ich traue, Ian. Der eine bin ich, und der andere bist nicht du."
Und erst als der Satz schon über seine Lippen war, wurde ihm wieder bewusst, dass es diesen anderen Menschen nicht mehr gab. Um seinen Schmerz zu verbergen, senkte er sofort den Kopf und befasste sich mit dem Verschluss des Behälters, bis er sich wieder im Griff hatte.
"Ich werde es dir nur ganz kurz zeigen, Ian. Dieses Klima ist Gift für das Gemälde."
Darnell durfte einen kurzen Kontrollblick darauf werfen, dann packte Kaplan das Bild wieder ein und tauschte es gegen den Aktenkoffer mit dem Geld.
"Tja, das war es dann wohl." sagte Kaplan, nickte Darnell noch einmal zu und wollte sich zum Gehen wenden. "Äh, Ian... Richte Mr. Jabbar einen schönen Gruß von mir aus. Er ist ein wahrer Kenner."
Er lächelte Darnell noch einmal wissend an und ging dann weiter. Die Gesichtszüge des Agenten entgleisten, und er konnte sich nicht entscheiden, ob er Kaplan hinterher rennen oder wie angewurzelt stehen bleiben sollte, was dazu führte, dass er von einem Fuß auf den anderen trat.
"Woher weißt du, dass er der Käufer ist?" rief er ihm schließlich hinterher. Kaplan blieb stehen und drehte sich noch einmal um.
"Es gibt viele, die dieses Bild haben möchten, wenige, die seine wahre Bedeutung kennen, und nur einen, der eine solche Summe dafür bezahlen würde, in der Gewissheit, es niemals öffentlich ausstellen zu können. Also, mach es gut, Ian."
Kaplan setzte seinen Weg fort, bestieg wieder die Magellan, und Ian Darnell starrte ihm mit offenem Mund und ungläubigen Augen nach, doch kurz darauf stahl sich ein anerkennendes Grinsen in sein Gesicht. Philip Kaplan war einfach ein genialer Profi, das musste man ihm lassen! Die Einstiegsluke hatte sich schon fast wieder hinter dem Meisterdieb geschlossen, als er hörte, wie Darnell ihm noch etwas hinterher rief.
"Hey, Phil! Das war saubere Arbeit. Schöne Grüße an Laura!"

***

Bellaia saß vor einer Staffelei auf der Sonnenterrasse ihres Wohnflügels des Kaiserlichen Palastes und mischte auf ihrer Palette ein sattes Blaugrün, den Farbton des melcordischen Ozeans, der sich von der schroffen Steilküste unterhalb ihrer Terrasse bis zum Horizont erstreckte. Sie mochte den Geruch der Farbe und betrachtete eingehend ihre Pinselstriche auf der Leinwand. Doch sie war nicht wirklich bei der Sache, andere Dinge drängten sich immer wieder in den Vordergrund und lenkten sie ab. Am zierlichen Tischchen neben ihr klapperte Geschirr.
"Ist es nötig, dass du solchen Lärm machst, Edina?" fauchte sie das Mädchen an, das daraufhin erschrocken zusammenfuhr und den Blick demütig zu Boden senkte.
"Verzeihen Sie bitte, Majestät, das war sehr ungeschickt von mir." Doch Bellaia besann sich sofort eines Besseren und winkte ab.
"Entschuldige dich nicht." entgegnete sie matt und rieb sich die Stirn. "Ich bin nur etwas gereizt..."
"Eure Majestät...?" Bellaias persönlicher Diener Esmenes betrat ebenfalls die Terrasse. "Mr. Jabbar ist soeben eingetroffen."
Bellaia holte tief Luft und legte ihre Malutensilien beiseite. "Ich lasse bitten."
Esmenes trat zur Seite, deutete dem noch unsichtbaren Gast an, auf die Terrasse hinauszukommen, und Bellaia betrachtete ihren Besucher eingehend, bevor sie ihn begrüßte. Er stammte von der Erde, aus einem Land, das Arabien hieß, oder so ähnlich, doch er sah ganz anders aus, als sie ihn sich vorgestellt hatte. Kharim Abdul Jabbar war ein attraktiver Mann. Groß und schlank gewachsen, mit bronzefarbener Haut, kleidete ihn der helle Anzug ganz ausgezeichnet. Sein dichtes, schwarzes Haar teilte sich zum Mittelscheitel und reichte ihm in sanften Wellen bis knapp über die Ohren. Ein gepflegter, akkurat kurz geschnittener Vollbart zierte sein Gesicht, und seine Augen waren fast schwarz. Was sie ein bisschen überraschte, war, dass er keinerlei Schmuck trug, wo ihn doch der Handel mit Edelsteinen zu einem schwerreichen Mann gemacht hatte.
"Eure Majestät..." Er beugte vor ihr das Knie und küsste die ihm dargebotene Hand. Währenddessen bedeutete Bellaia ihren Bediensteten mit einem Kopfnicken, dass sie sich entfernen durften.
"Bitten setzen Sie sich, Mr. Jabbar." gebot sie ihm mit einer anmutigen Geste, und Jabbar nahm auf dem zierlichen Stühlchen ihr gegenüber Platz.
"Vielen Dank, Majestät. Ich bin hoch erfreut, Euch endlich kennen zu lernen. Und ich muss gestehen, dass die begeisterten Schwärmereien über Eure Schönheit absolut unzulänglich sind. Sie werden Euch nicht annähernd gerecht."
Bellaia bedachte ihren Gast mit einem höflichen Lächeln, sie war Schmeicheleien gewöhnt.
"Danke, Mr. Jabbar. Wären Sie nicht gekommen, um mich zu erpressen, würde ich mich über Ihre Worte sogar ehrlich freuen."
"Aber, Majestät!" widersprach Jabbar und lächelte sie gewinnend an. "Erpressung! Was für ein hässliches Wort! Als ob wir nicht beide von diesem Geschäft profitieren würden."
Wut stieg in Bellaia auf, und sie verbarg sie, indem sie ihrem Gast und sich gekühlten Tee mit Früchten einschenkte.
"Vielleicht bedeutet in Ihrer Muttersprache ja "Geschäft" und "Erpressung" das gleiche, aber wenn man mir etwas stiehlt, und es mir nur zu einem ungleich höheren Preis zurückgibt, so kann doch wohl kaum von einem fairen Handel die Rede sein."
"Gibt es einen höheren Preis als die Kaiserwürde, Majestät?" erwiderte Jabbar und lächelte sie freundlich an. Bellaia erwiderte sein Lächeln, doch ihr gelassener Gesichtsaudruck war nur eine Maske für die Wut und die Feindseligkeit, die sie in Wirklichkeit empfand.
"Mr. Jabbar, ich bin mir durchaus bewusst, dass Sie mich in der Hand haben, also ergehen wir uns nicht länger in Andeutungen. Was wollen Sie für das Gemälde?"
Jabbar lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück und faltete die Hände.
"Melcordia verfügt über außergewöhnlich reiche Edelsteinvorkommen, und der Handel damit ist mein Geschäft. Ich könnte meine Umsätze aber noch erheblich steigern, wenn ich auf Eurem wundervollen Planeten ein Monopol auf die eine oder andere Edelsteinmine hätte..."
"Welche genau?" fragte Bellaia ohne mit der Wimper zu zucken, und Jabbar wurde plötzlich ernst.
"Costra, Pilgamon und Emos." antwortete er, und seine Stimme bekam einen fordernden Unterton. Sie musste schlucken, was ihrem Gegenüber jedoch durch das zarte Seidentuch um ihren Hals verborgen blieb.
"Das sind die drei größten Minen des Planeten. Sie werden den Markt ruinieren, wenn Sie diese nach Ihrem Gutdünken ausbeuten."
"Ich wäre ein Narr, wenn ich das tun würde." entgegnete Jabbar überlegen und lächelte wieder. "Ich werde Eure Regierung sogar mit zehn Prozent des Gewinnes beteiligen."
Dieses Angebot spottete jeder Beschreibung, und für einen kurzen Moment kam Bellaia in Versuchung, ihrem Gast den Tee ins Gesicht zu schütten.
"Sie wissen selbst, wie lächerlich das ist, Mr. Jabbar. Wie sollte ich so einen Schritt vor meiner Regierung rechtfertigen?"
Jabbar lächelte und erhob sich ohne Erlaubnis, was einer unausgesprochenen Provokation gleich kam.
"Das überlasse ich ganz Eurem politischen Geschick, Majestät. Ich bin kein Unmensch, und ich weiß, wie langsam die Mühlen Eurer parlamentarischen Monarchie mahlen. Deshalb gebe ich Euch zwei Wochen ab morgen, über mein Angebot nachzudenken. Solltet Ihr Euch gegen mich entscheiden, werde ich Eurer Regierung einen gewissen Einblick in die Vergangenheit gewähren, der Euch in Schwierigkeiten bringen dürfte."

***

Philip Kaplan legte in der Regel Wert auf eine gepflegte Erscheinung. Doch die Tatsache, dass er sich seit drei Tagen weder gewaschen noch rasiert hatte und seit drei Tagen in den gleichen verschwitzten Klamotten steckte, war ihm völlig gleichgültig, als er jetzt in der Kraterebene des Tycho auf dem Mond landete. Er musste Laura hier wegholen, egal, was ihn danach erwartete. Bereits lange vor der Landung hatte er sich angekündigt, und die Bewohner der Mondbasis erwarteten ihn bereits. Langsam setzte er den Sauerstoffhelm auf, verließ sein Raumschiff und aktivierte die Sicherheitssysteme. In etwa hundert Metern Entfernung befand sich die Mondbasis, und als sich schließlich das Eingangsschott vor ihm öffnete, betrat er die Schleuse mit erhobenen Händen. Nachdem sich das Schott wieder geschlossen hatte, strömte erneut Luft in die Schleuse, und auf deren anderer Seite erwarteten ihn schließlich die Mitglieder der Future-Mannschaft.
"Guten Tag, Mr. Kaplan." begrüßte ihn Captain Future ernst. "Wir sind froh, dass Sie gekommen sind, und..."
"Hören Sie, Captain." unterbrach ihn Kaplan nicht unhöflich, aber bestimmt. "Alles was ich möchte, ist, meine Tochter mitzunehmen. Also, wo ist sie?"
Future holte tief Luft und blickte seine Kameraden an.
"Ich fürchte, Mr. Kaplan, wir können Sie nicht so einfach gehen lassen. Es geht hier um schweren Diebstahl, ihre Tochter ist deswegen jetzt tot, und darum muss ich Sie auffordern, hierzu eine Aussage bei der Planetaren Polizei in New York zu machen."
Philip Kaplan sah den Captain durchdringend an, und als habe er Future überhaupt nicht zugehört, wiederholte er seine Frage.
"Wo ist Laura?"
Diesmal schaltete sich Professor Simon ein.
"Wir mussten sie außerhalb der Mondbasis bestatten, weil ihr Zustand..."
"Ich will sie sehen!" sagte Kaplan entschlossen, setzte seinen Helm wieder auf und wandte sich erneut dem Schleusentor zu. Future machte rasch einen Schritt nach vorn und hielt ihn am Arm fest.
"Mr. Kaplan, ersparen Sie sich das!" riet er ihm eindringlich. "Sie würden sie nicht wiedererkennen." fügte er dann etwas leiser hinzu. Kaplan drehte sich zu Future um, nahm den Helm wieder ab und starrte den Captain an. Tiefer Schmerz war in den Augen des älteren Mannes zu erkennen, und unwillkürlich sah Future wieder Lauras Leiche vor sich. Ihr gesamter Körper war aufgeplatzt gewesen, wie ein zu lange gegarter Hotdog, und sie hatten sie regelrecht aus ihrem Raumanzug herausschneiden müssen, ihre Augäpfel mit den explodierten Äderchen waren so stark hervorgetreten, dass sich die Lider nicht mehr darüber schließen ließen, und ihre Lippen waren nur noch formlose Schwülste gewesen...
Die Trauer übermannte Kaplan, und er musste sich auf Future stützen, um nicht umzukippen.
"Oh, Gott!" stieß er erschüttert hervor. "Das war so überflüssig. Warum hat sie das getan?"
"Wir hatten eigentlich gehofft, dass Sie uns das sagen können, Mr. Kaplan." erwiderte Future vorsichtig. "Aber vielleicht setzen wir uns erst einmal."
Sie führten Kaplan ins Labor, und Otho stellte kurz darauf einen dampfenden Becher Kaffee vor ihn hin. Ihr Besucher nahm einen Schluck und starrte eine Weile in das heiße Getränk, bevor er zu sprechen anfing.
"Der Freitod eines jungen Menschen mag zunächst immer sinnlos erscheinen... aber in Lauras Fall ist das ein bisschen anders. Mein Beruf mag Ihnen fragwürdig erscheinen, aber ich war immer stolz auf meine Arbeit, und ich war auch immer stolz auf das Geschick und die Raffinesse, mit denen Laura in meine Fußstapfen trat. Vor zwei Jahren ist uns allerdings ein schlimmer Fehler unterlaufen. Der Schmuck, den wir stehlen sollten, war vergiftet, weil der Besitzer sich damit seiner lästig gewordenen Gattin entledigen wollte, wie wir hinterher erfuhren. Dem Umstand, dass Laura den Schmuck nur kurz mit den bloßen Händen angefasst hatte, verdankten wir, dass sie nicht sofort starb. Und obwohl wir eine Art Antiserum auftreiben konnten, neutralisierte es das Gift nicht, sondern verlangsamte lediglich dessen zerstörerische Wirkung. Es griff Lauras innere Organe an, ein Leben ohne starke Schmerzmittel war für sie von da an nicht mehr möglich. Und erst vor wenigen Wochen teilte uns ihr Arzt mit, dass sie sich darauf einstellen müsse, keine dreißig Jahre alt zu werden... Sie hat sich für mich geopfert, weil sie wusste, dass sie sowieso bald sterben würde."
Mit zitternden Händen stellte Kaplan den Kaffeebecher ab, und endlich flossen die befreienden Tränen. Er barg sein Gesicht in den Händen und weinte lautlos. In ehrlicher Anteilnahme legte Future eine Hand auf die Schulter des Älteren und sah dabei seine Kameraden an.
"Mr. Kaplan..." begann Future nach einer Weile. "Haben Sie das Gemälde abgeliefert?"
"Selbstverständlich." antwortete Kaplan matt. "Sonst wäre Lauras Tod ja völlig umsonst gewesen."
"Was hat es mit diesem Gemälde auf sich, dass so viele Leute hinter ihm her sind." fragte Future daraufhin vorsichtig. "Ihre Tochter machte da so ein paar Andeutungen..."
Kaplan hatte sich wieder etwas beruhigt und wischte sich die Tränen ab.
"Ich habe Laura nur erzählt, dass es sich um ein unschätzbar wertvolles Gemälde handelt. Jedes darüber hinaus gehende Wissen hätte sie bloß gefährdet." Er zögerte einen Moment, fuhr dann aber doch fort. "Aber dieses Gemälde ist vielmehr... Sein Schöpfer, Kalamagos, ist ein Genie. Er ist nicht nur Künstler sondern auch Erfinder, Mathematiker, Astronom und vieles mehr. Und er ist auch der Hofmaler der kaiserlichen Familie von Melcordia.
Vor etlichen Jahren kam der Kaiser bei einem Jagdunfall ums Leben. Im Einvernehmen mit dem Parlament wurde Kaiserin Seni als Prinzregentin für den fünfjährigen Thronfolger Timon eingesetzt. Doch sie starb kurz darauf an einer rätselhaften Krankheit, und die erst achtzehnjährige Schwester des Kaisers, Bellaia, bestieg in Vertretung für ihren Neffen den Thron. Es gab nur ein Problem: Die Kronjuwelen, die der Regentin als Zeichen der offiziellen Anerkennung vom Parlament ausgehändigt werden, waren verschwunden und sind es noch immer. Somit sitzt Bellaia bis heute als Kaiserin auf dem Thron von Melcordia, obwohl sie sich eigentlich nicht so nennen darf, weil es nie einen offiziellen Ernennungsakt gab. Außerdem wird Timon bald volljährig und wird dann die Kaiserwürde für sich beanspruchen.
Kalamagos schuf damals kurz nach dem Tod des Kaiserpaares ein Gemälde, das den kleinen Timon mit seiner Mutter zeigte und sandte es als Geschenk an einen befreundeten Künstler, einen Edelsteinschleifer, mit dem Hinweis, die Kaiserin sei vergiftet worden, und der Name des Attentäters sei in dem Bild verschlüsselt. Außerdem könne man durch das Gemälde an das Versteck der Kronjuwelen kommen, um sie an Timon, den rechtmäßigen Thronerben, auszuhändigen. Kalamagos selbst fürchtete wegen dieses Wissens wohl um sein Leben, denn er verschwand kurz darauf vom kaiserlichen Hof, und niemand weiß, wo oder ob er überhaupt noch lebt. Der Edelsteinschleifer musste jedoch kurz darauf wegen fragwürdiger Finanzgeschäfte von Melcordia fliehen, und das Gemälde landete im Kaiserlichen Museum, bevor sich irgend jemandem die geheime Botschaft des Bildes erschließen konnte. Kalamagos' mysteriöses Verschwinden ließ den Wert seiner Werke schlagartig in schwindelnde Höhen schnellen, und Kunstsammler aus der gesamten Milchstraße schlugen sich um seine Bilder. Vor ein paar Wochen trat schließlich ein zahlungskräftiger Interessent an mich heran, der mir für meine Dienste eine Summe bot, die ich nicht ausschlagen konnte."
"Wer ist dieser Interessent?" fragte Future.
"Kharim Abdul Jabbar, ein arabischer Kunstsammler." antwortete Kaplan. "Er ist Edelsteinhändler und pflegt enge Handelsbeziehungen zu Melcordia, wo es Edelsteine im Überfluss gibt, wie Sie vielleicht wissen. Der Markt muss dort sehr streng reguliert werden, damit die Preise stabil bleiben."
Future nickte und rieb sich das Kinn.
"Glauben Sie, dass Jabbar die wahre Bedeutung dieses Gemäldes kennt, oder dass er es einfach seiner Sammlung einverleiben möchte?"
"Ich habe keine Ahnung." antwortete Kaplan. "Aber ich bin mir sicher, wenn er es weiß, wird er nicht zögern, sein Wissen zu benutzen, um die Kaiserin zu erpressen. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich zufällig, dass Jabbar auf Melcordia nicht die Schürfrechte bekommt, die er gerne hätte. Und solange er seine Interessen durchsetzen kann, ist es ihm wahrscheinlich ziemlich egal, ob er auf Melcordia eine Regierungskrise oder gar einen Bürgerkrieg auslöst."
"Mr. Kaplan, bitte verzeihen Sie mir, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieses Bild in die falschen Hände geraten ist..."
Der ältere Mann rieb sich müde die Augen und überlegte einen Moment, bevor er antwortete.
"Mit Jabbar ist nicht zu spaßen, ich weiß das. Und ich hatte mir geschworen, niemals einen Auftrag von ihm anzunehmen. Aber ich hatte die Hoffnung, mit dem Geld irgendeine Behandlungsmöglichkeit für Laura finden zu können..." Er brach ab und musste schwer schlucken. "Captain Future, wenn Sie erlauben, werde ich jetzt meine Tochter mitnehmen."
Future nickte und sie begleiteten ihren Gast hinaus in den Krater, wo sie Laura in einer Felsspalte beigesetzt hatten. Grag und Otho räumten die Steine beiseite und trugen Lauras in Thermofolie eingewickelte Leiche zur Magellan.
"Ich werde Laura den Weiten des Universums überlassen. Sie hätte das so gewollt." meinte Kaplan kurz, bevor er ebenfalls einstieg. Dann reichte er Future die Hand.
"Captain... Ich danke Ihnen. Es war ein Fehler, Jabbar dieses Gemälde zu beschaffen, es hat meine Tochter das Leben gekostet, und wer weiß, was dieser Kerl noch vorhat."
"Sie könnten der Planetaren Polizei in New York einen anonymen Tipp geben, falls es zu ernsthaften Problemen wegen dieses Gemäldes kommen sollte." schlug Future vor. Kaplan antwortete nicht gleich und schien zu überlegen.
"Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich auf die Erde zurückkehren werde..." Er trat etwas näher auf Future zu und sah ihn eindringlich an "Hören Sie, Captain, von meinem Agenten weiß ich, dass Jabbar in der nächsten Woche ein inoffizielles Treffen von Kalamagos-Sammlern veranstaltet. Ich werde dafür sorgen, dass Sie auf der Gästeliste stehen. Der Gedanke, dass Sie sich dort unauffällig umsehen, ist mir wesentlich sympathischer als die Vorstellung, dass ein Sondereinsatzkommando der Planetaren Polizei Jabbars Villa stürmt. Er würde sofort mich verdächtigen, und dann wäre mein Leben keinen Pfifferling mehr wert! Falls Sie nichts herausfinden, verspreche ich Ihnen bei meiner Ehre, dass ich mit der Polizei kooperieren werde."
Future überlegte kurz und schlug dann in Kaplans dargebotene Hand ein.

***

Es war schon spät, als Joans Gleiter im Hangar der Mondbasis aufsetzte. Obwohl sie eigentlich nicht in der Stimmung dazu gewesen war, hatte sie sich von ein paar Kolleginnen und Kollegen doch noch dazu überreden lassen, ein bisschen mitzufeiern. Egal, ob sie nun bestanden hatte oder nicht. Und tatsächlich empfand sie ihre persönliche Niederlage schon als nicht mehr ganz so ärgerlich.
Sie ging auf das Schleusentor zu, sah Curtis hinter der Glasscheibe lächelnd auf sie warten, und ihr Herz machte einen Satz, wie immer, wenn sie sich länger nicht gesehen hatten. Als sich die Schleuse öffnete, machte Joans Tasche unsanft Bekanntschaft mit dem Boden, und die Agentin flog in Futures Arme. Eine Weile standen sie einfach nur da, hielten sich fest, und vergaßen alles andere um sich herum. Schließlich drehte Future sanft Joans Gesicht zu sich und küsste sie.
"Schön, dass du wieder da bist." sagte er leise. "Ich habe dich furchtbar vermisst."
"Ich dich auch." antwortete sie und küsste ihn wieder.
"Möchtest du etwas essen?" fragte Future und hob Joans Tasche auf.
"Nein, danke. Ich bin ziemlich müde und möchte eigentlich nur schlafen."

Nachdem sie ihre Tasche ausgepackt und sich geduscht hatte, schlüpfte sie zu Curtis ins Bett und kuschelte sich eng an ihn. Jetzt war die Welt wieder in Ordnung, und sie hätte zufrieden in seinem Arm einschlafen können...
"Du hast mir noch gar nicht erzählt, wie deine Prüfung war."
Joan riss im Halbdunkel die Augen wieder auf. Sie hatte es ihm morgen erzählen wollen...
"Ich habe es vermasselt." antwortete sie schließlich geknickt und erzählte ihm, was vorgefallen war. "Zum Glück war Ezella zur Stelle, um mich zu trösten." fügte sie als kleinen Seitenhieb hinzu.
"Tut mir wirklich leid, Joan. Aber hier war so einiges los..." entschuldigte sich Future, streichelte versöhnlich ihre Wange und erzählte ihr, was in der Mondbasis vorgefallen war, während sie in Camp Arthur durch Schlamm gerobbt und über Hindernisse geklettert war.
"Das ist ja wirklich erstaunlich!" meinte Joan verblüfft, nachdem Future geendet hatte. Auch wenn die Tatsache, dass eine andere Frau in Curtis Bett geschlafen hatte, ihr am erstaunlichsten vorkam...
"Wirst du etwas in dieser Angelegenheit unternehmen?" fügte sie hinzu, und Future schien zu überlegen.
"Dieses Gemälde ist definitiv in den falschen Händen. Ich finde, wir sollten versuchen, es den rechtmäßigen Eigentümern wiederzugeben, bevor dieser Jabbar möglicherweise Schlimmeres damit anrichtet... Ich werde mich wohl dezent in Schale werfen und mich bei dieser Insider-Veranstaltung, von der mir Philip Kaplan erzählt hat, mal ein bisschen umsehen. Mit Otho und Grag zusammen würde ich viel zu sehr auffallen."
Joan stützte sich auf ihren Ellbogen und sah ihn nachdenklich an.
"Willst du da wirklich ganz alleine hingehen? Mit diesem Jabbar ist nicht zu spaßen, wie du selbst sagtest. Jemand sollte dir Deckung geben..."
Als sei dies das Stichwort gewesen, packte Future Joan blitzschnell mit beiden Händen an der Taille und zog sie über sich.
"Ja, bitte." sagte er lachend und küsste sie.
"Hey!" protestierte Joan in gespielter Entrüstung und machte sich aus seinen Armen frei. "Das war mein Ernst..."
"Meiner auch." antwortete Future, ließ seine Hände ihren Rücken hinuntergleiten und küsste ihren Hals. Sie schloss sie die Augen und genoss seine warmen Lippen auf ihrer Haut.
"Ich komme auf jeden Fall mit." hauchte sie noch, bevor er begann, ihre Brüste zu küssen und sie um den Verstand zu bringen.
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