Wolfsgeschwister

von Kuri
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Daniel Smith Emma Smith Maddy Smith Rhydian Morris Shannon Kelly Tom Okinawa
30.10.2013
23.02.2015
5
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Zweige schlugen mir ins Gesicht, stehen bleiben, wittern, weiterlaufen. Kein Blick zurück, kein Geräusch wahrnehmen, was hinter mir liegt. Immer weiter trugen mich meine Pfoten, durchs nasse Laub und über die feuchte Erde. Zweige, die mein Fell streifen, stören mich nicht, lassen mich nur noch schneller laufen, damit sie mich nicht fangen.
Wie auf Jagd nehme ich eine Spur auf. Ein lila Geruchsfaden schwebt vor meinem inneren Auge, dem ich folge, blindlings. Ob es eine Spur ist weiß ich nicht, nur scheint es vorerst ein Ausweg. Ich renne schneller, springe über einen Bach und ignoriere das Plätschern des Wasser. Richte die Ohren nur nach vorn und renne weiter.
Wäre niemand hinter mir her, würde ich das Rennen genießen, denn das ist es was mir Spaß macht. Meine Tatzen graben sich tief in die Erde, als ich zum Sprung ansetzte um über einen umgefallenen Baum zu springen. Ich setzte darüber hinweg und lande und schon renne ich weiter. Immer der Nase nach, wie das Sprichwort so schön heißt. Nicht weit von mir höre ich Stimmen, hinter mir, habe dich hingelauscht. Sie rufen sich etwas zu, lassen mich nur noch schneller laufen, denn sie sind es, die mich jagen. Ein Autoreifen schlittert geräuschvoll durchs Laub, als sie eine Kurve schlagen, abwenden, wie es mir scheint. Zuerst weiß ich nicht warum, dann achte ich wieder auf meinen Weg vor mir.
Dann sehe ich, dass sich der Wald lichtet und einige Häuser in Sicht kommen. Auch ich werde langsamer, trotte nur noch und näher an die Häuser heran.
Vor einem Haus bleib ich stehen und sehe hinauf zu dem Fenster, in welchem Licht scheint. Ein Mädchen bewegt sich darin, zu ihr gehört die lila Geruchsspur und zu ihr hat sie mich geführt. Ich bleibe vor dem Haus stehen und beobachte sie eine Weile, bis ich plötzlich noch zwei andere Fährten in dem Haus wahrnehme. Es verwirrt mich etwas und lässt mich abwenden, fort von dem Haus.

Maddy Smith summte in ihrem Zimmer die Melodie eines Liedes nach, als sie draußen eine Bewegung wahrnahm, so glaubte sie zumindest. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte ihre Annahme jedoch nicht, denn dort war nichts. Nur der Hauch eines Geruchs hin in der Luft, was sie durch ihre Wolfsnase wahrnahm.
Sie zuckte mit den Schultern und räumte weiter ihr Zimmer auf, bevor ihre Mutter noch Stress machte.
Es war schon kurz nach neun und sie musste noch Hausaufgaben machen. Wahrscheinlich war sie einfach nur übermüdet und sah deswegen schon Schatten im Vorgarten. Munter summend räumte sie das letzte Buch ins Regal zurück und setzte sich an den Schreibtisch, machte ihre Aufgaben weiter, wo sie vorhin aufgehört hatte.
Mit der Melodie im Kopf erledigte sie die lästigen Zahlenaufgaben und schlug dann ihr Heft zu. Ihr schien wortwörtlich der Kopf zu rauchen. Um dem zu entgehen ging sie runter in die Küche, um sich ein Glas Fanta zu holen. Ihre Mutter stand noch am Abwasch, während ihr Vater auf einem Sessel lungerte und las. Von dem Schatten vor dem Fenster würde sie ihren Eltern erst gar nichts erzählen, falls es wirklich nur ein Hirngespinst gewesen war.
Mit dem Glas in der Hand ging sie hoch in ihr Zimmer und schloss die Tür. In den letzten Wochen war nichts ungewöhnliches mehr passiert. Außer, dass ihre beste Freundin Shannon vielleicht noch ein wenig verrückter geworden war.
Die Bestie im Moor schien sie nicht in Ruhe zu lassen. Auch Maddy interessierte es, welcher Wolf sich so nah an das Dorf heranwagte und das auch noch in seiner tierischen Gestalt. Aber sie würde deswegen sicher nicht jede Nacht im Moor verbringen wollen, wie Shannon. Der arme Tom musste ganz schön darunter leiden, dass seine rothaarige Freundin so vernarrt darin war, die Bestie zu finden.
Fast jede Nacht schleppte sie ihn mit raus und zusammen saßen sie in der Kälte, um abzuwarten. Maddy schmunzelte, als sie an das mürrische Gesicht ihres dunkelhäutigen Freundes denken musste. So sah er in letzer Zeit öfter aus.
Maddy ließ sich nur selten dazu bringen, mit Shannon eine Nacht im Wald zu verbringen. Außerdem fanden das ihre Eltern auch nicht besonders toll, da Maddy erst 14 Jahre alt war.
Lieber stromerte sie mit Rhydian durch den Wald, rannte und suchte Spuren. Das war viel amüsanter. Denn rennen war die Lieblingsbeschäftigung eines Wolfes, außer er war wild, dann jagte er womöglich lieber.
Nachdem sie das Glas leer getrunken hatte, legte sie sich aufs Bett und starrte die Decke an. Was hätte sie nur getan wenn Rhydian nicht aufgetaucht wäre? Würde sie dann weiterhin ihre Fähigkeiten so dermaßen verstecken, wie vor ein paar Wochen?
Wahrscheinlich.