Ein Weasley zum Testen

von baronesse
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Fred & George Weasley Katie Bell
30.10.2013
30.10.2013
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Der Quidditchumhang fiel zu Boden. Lauter Dreck von zahlreichen Füßen, die über das nasse Quidditchfeld gestapft waren, doch keiner achtete auf den Umhang. Mit blitzenden Augen und in die Seite gestemmten Armen ging Katie Bell, Jägerin des Gryffindorteams, weiter Schritt für Schritt auf Fred Weasley, einen der Treiber zu. „Gewonnen“, rief sie erbost.

„Gewonnen, gewonnen“, nahmen irgendwo im Hintergrund Freds Zwillingsbruder und Oliver Wood den Ruf auf und führten einen kleinen Siegestanz auf. Es war ein lang ersehnter Sieg, doch wirklich gerechnet hatte damit niemand. Immerhin spielten sie erst wie ein wirkliches Team seit Harry Potter bei ihnen den Sucher machte, und mit ihm im Team waren sie immer wieder davon abhängig, was für Abenteuer das Leben nun für den Helden bereit hielt.

Fred stieß rücklings gegen die Wand. „Das ist nicht meine Schuld!“
Warum versuchte er sich zu verteidigen? Sie hatten gewonnen! Sprach man da noch von Schuld, war es nicht eher Verdienst? (Oliver würde nun sicherlich von einem gemeinschaftlichen Ergebnis sprechen um den Teamgeist zu stärken).

Angelina und Alicia, die beiden anderen Jägerinnen, standen stumm an der Wand und beobachteten das ganze. Sie hatten ihre Quidditchumhänge noch an, auch wenn sie durchnässt waren bis auf die Haut. Es wurde Zeit, dass sie unter eine warme Dusche kamen und sich umzogen. Sie alle. Allerdings gab es noch eine winzige Sache vorher zu erledigen…

„Natürlich nicht“, rief Katie und schubste Fred weiter zurück. Da er nicht weiter konnte, stand sie plötzlich ganz nah vor ihm. Die braunen Haare klebten dunkel an ihrem Kopf. Sie beugte sich vor – und plötzlich küsste sie Fred, mitten auf den Mund.

„Wuhuuu!“, schrie George im Hintergrund.
Fred, der normalerweise fast alles mit seinem Zwilling gemeinsam hatte, dachte zwar ähnlich, konnte sich aber nicht rühren. Was war das denn? Verblüfft öffnete er den Mund und fühlte eine fremde Zunge. Ganz so hatte er sich den ersten richtigen Kuss (wenn man die von Tante Muriel nicht mitzählte) nicht vorgestellt! Nass und dreckig, verschwitzt vom Quidditchspiel und vor den Augen der ganzen Mannschaft?

Nein, gewiss nicht. Und dann auch noch mit Katie Bell! Plötzlich ging ihm auf, was er da tat. Die Jubelrufe aus dem Hintergrund waren auch verstummt. Ruckartig zog Fred den Kopf zurück. „Hey, ich sollte mich öfter beim Quidditch anstrengen, wenn das die Belohnung ist“, grinste er. Katie sah überhaupt nicht fröhlich aus. Sie drehte sich auf dem Absatz um, hob im Vorbeigehen ihren Umhang auf und spazierte unter die Dusche. Alicia und Angelina folgten ihr wortlos.

„Hast du das -“
„Verstanden?“, vollendete George. „Nee, vielleicht ist sie jetzt“
„Durchgeknallt. Hat vielleicht einen Klatscher abbekommen.“
„Kann ich mich nicht dran erinnern. Muss ja -“
„Nicht heute. Schon merkwürdig.“
Die Zwillinge schauten sich an, zuckten unisono mit den Achseln und machten sich auf den Weg in die Jungendusche. Oliver Wood stand mit offenem Mund in der Umkleidekabine und fragte sich, warum er eigentlich der Kapitän des Teams war, wenn ihm sowieso nie derartige Aufmerksamkeit zuteil wurde.

* * *

„He, Angelina!“, rief Fred ihr hinterher.
Der schwarze Schopf drehte sich fragend um, musterte ihn stumm und verschwand dann in einem Gang zur linken. Mist! Er beeilte sich, sie einzuholen, musste aber einsehen, dass es an dieser Stelle zu viele Möglichkeiten gab, wo sie hätte hingehen können. Das naheliegendste war wohl der Gemeinschaftsraum. Aber wenn sie ihm aus dem Weg gehen wollte, dann war sie sicher nicht da. Angelina von allen Menschen schien einen siebten Sinn dafür zu haben, wann sie mit ihm redete und wann mit George, und das obwohl sie sonst fast niemand unterscheiden konnte, nicht einmal ihre eigene Mutter.

Er hatte sie lediglich fragen wollen, was mit Katie los war. Das machte er dann besser direkt. Als er durch das Porträtloch geklettert war, sah er Katie bereits wild gestikulierend vor seinem Zwillingsbruder stehen. „Hey Katie. Lust auf noch einen Kuss?“, gesellte er sich grinsend dazu.
„Du vermasselst mir die Tour“, beschwerte George sich.
„Wieso – was? George verdammt! Gib dich nicht immer als ich aus!“

Katie schlug George auf den Oberarm. „Vielen Dank auch, Fred!“
Sie drehte sich zu dem richtigen um. „Komm, gehen wir.“
Perplex schaute Fred seinen Zwillingsbruder an, zuckte dann mit den Schultern und verschwand grinsend hinter Katie durchs Porträtloch. Wenn einem schon etwas in den Schoß fiel, was aussah wie Katie Bell, dann fragte man nicht nach. Man genoss einfach.

„Wohin gehen wir?“, fragte er und legte lässig einen Arm um ihre Schulter. Da sie sich nicht wehrte, gratulierte er sich.
„Ich dachte du wüsstest was.“ Katie sah unschlüssig aus.
„Lust auf ein wenig Nervenkitzel?“
„Okay“, stimmte sie ein. Das mochte Fred so an den drei Jägerinnen des Quidditchteams. Sie waren allesamt taff und stets zu einem Streich bereit. Die braunhaarige in seinem Arm war keine Ausnahme.

Er dirigierte sie durch einen Wandteppich in einen der Geheimgänge. Sein Wissen über die geheimen Wege in Hogwarts teilte er einzig mit George. Zu seiner Befriedigung stellte er fest, dass auch Katie ziemlich beeindruckt schien.
„Wohin führt der?“
„In die Eingangshalle“, musste Fred zugeben. Nicht sehr faszinierend, aber die Geheimgänge, die aus dem Schloss hinausführten waren vom Hausmeister Argus Filch im letzten Jahr alle zugemauert worden, damit Sirius Black nicht ins Schloss kam.

„Die Eingangshalle“, Katie wand sich aus seinem Griff, damit sie vorgehen konnte. Dieser Gang zählte leider nicht zu den geräumigsten. Dafür bekam Fred im schummrigen Licht eines Lumoszauber nun einen guten Blick auf ihre Rückansicht.
Und obwohl Katie bei weitem nicht solche Rundungen hatte wie Angelina, so musste er doch anerkennen, dass sie ziemlich schlank war und einen schönen runden Po besaß. In der Jeans, die sie sich freizeitmäßig angezogen hatte, kam er wunderschön zur Geltung.

„Und jetzt?“, Katie trat vor ihm aus dem Gang heraus und sah sich in der Eingangshalle um. Es war schon spät, aber noch nicht so spät, dass Lehrer und Vertrauensschüler ihre Kontrollen in den Gängen angefangen hätten. Sie kamen problemlos aus dem Schloss heraus auf die Ländereien, wo noch vereinzelt Schüler zu sehen waren, manche bei sportlichen Aktivitäten, andere, die einfach die letzten Sonnenstrahlen genossen um draußen zu sein. Solches Wetter musste man schließlich ausnutzen, wo es die ganze letzte Woche geregnet hatte.
Fred zog Katie wieder ein wenig näher. Er fühlte sich, als hätte er Feuerwhisky getrunken, etwas beschwingt und auf jeden Fall nicht in der realen Welt.

„Wir könnten in den verbotenen Wald?“, schlug Fred vor. Es kam ihm selbst etwas… nunja, übertrieben vor, so ohne Grund in den Verbotenen Wald zu gehen, der seinen Namen schließlich nicht einfach so bekommen hatte. Dennoch fiel ihm auf die Schnelle nichts Besseres ein.
Katie schüttelte den Kopf. „Bist du irre?“
„Nee Fred.“
„Ich vergaß fast. Also irre.“
„Vielen Dank auch.“

Katie duckte sich unter seinem Arm und boxte auch ihn auf den Oberarm. Das hatte er nicht verdient, fand Fred.
„Lass uns lieber eine Weile am See sitzen“, schlug sie vor. „Bis die Sonne untergeht.“
Das kam Fred zwar furchtbar langweilig und ein wenig kitschig vor, aber da er hoffte, dass sie den Kuss noch mal wiederholen konnten, ergab er sich seufzend in sein Schicksal und folgte Katie zum Ufer. Eindeutig, Jeans standen ihr gut. Schade, dass sie unter der Woche immer die Schuluniform anziehen mussten.

Sie setzte sich ihm im Schneidersitz gegenüber, also schlussfolgerte er, dass sie nicht so schnell über einander herfallen würden. Etwas enttäuscht setzte auch Fred sich.
„Erzähl mir was von dir“, forderte ihn Katie auf. Die Sonne fiel auf ihre Haare und ließ sie in der Farbe von Waldblütenhonig glänzen. Sonst waren sie nicht so hell, dann gefielen sie Fred besser. Aus seiner Familie kannte er genug flammende Schöpfe, so dass er sich daran satt gesehen hatte. Seine Vorliebe galt eher dunklem Haar.

„Was soll ich dir erzählen“, er kratzte sich an der Stirn. „Was mein Lieblingslied ist und so?“
„Zum Beispiel.“
„Wir sind doch in“, einer Klasse, hatte er sagen wollen. Während er sprach, fiel ihm auf, dass sie ein Jahr unter ihm war. Nur Alicia und Angelina waren in seinem Jahrgang, worauf er bislang gar nicht richtig geachtet hatte. „einem Team“, vollendete er daher. „Du kennst mich. Ich habe einen Zwillingsbruder, spiele Quidditch und bin der Schrecken der Schule.“

„Hm ja, das weiß ich alles. Ich dachte an ein wenig mehr. Was magst du sonst noch – außer Quidditch und Streichen. Was du später gerne machen würdest und“, Katie holte tief Luft. „Ich finde, man kennt dich eigentlich gar nicht richtig. Du bist immer nur der Fred von den Weasleyzwillingen. Ich will auch mal was von dir wissen, was nur du bist.“

Fred zuckte die Schultern. „Ich bin eben einer der Weasleyzwillinge. George und ich machen alles zusammen.“
„Wirklich alles?“
„Klar. Wenn wir aufs Klo gehen, wischt er mir später den Arsch ab und ich halte seinen – na du weißt schon“, grinste Fred.

Katie sah enttäuscht aus.
Deshalb redete Fred schnell weiter. „Hab ich schon mal die Geschichte erzählt, wo meine Mutter uns trennen wollte, damit sie lernen konnte, welcher wer von uns war?“, begann er eine lange, ausführliche Erläuterung des Tages, an dem er seinem Dad hatte helfen sollen und George zuhause im Fuchsbau geblieben war. Nur, dass sie es geschafft hatten, mitten drin ihren Aufenthaltsort zu tauschen und das größte Chaos angerichtet hatten, was der Fuchsbau und das Haus, in dem ihr Dad gerade zu tun hatte, jemals gesehen hatten.

„Das war das letzte Mal, dass wir etwas nicht zusammen gemacht haben“, schloss er grinsend.
Katie hatte einen Lachkrampf und hielt sich den Bauch.
„Du bist echt“, versuchte sie zu sagen und japste nach Luft.
„Irre“, wiederholte Fred ihre Worte von vorhin. Er war erpicht darauf, dass sie an den Punkt kamen, wo sie genug voneinander wussten und er seine Erfahrungen im Küssen ausbauen konnte. Leider sah Katie gerade alles andere als bereit dafür aus.

„Ja, das auch“, antwortete sie schließlich, als sie wieder sprechen konnte. „Du bist irre, Fred Weasley. Außerdem bist du verflucht lustig und ein prima Kumpel. Es tut mir Leid.“ Sie stand auf und klopfte sich den Sand von der Jeans, so dass Fred ihre Figur noch einmal genau bewundern konnte. Nein, an Angelina kam sie nicht heran, aber er wollte sich nicht beschweren.

„Was tut dir Leid?“, fragte er und sprang schnell auf. Die Sonne hatte den Horizont erreicht und tauchte alles in ein warmes, goldenes Licht. Eine perfekte Stimmung. Legten Mädchen nicht Wert darauf? Er beugte sich ein wenig vor, nur für den Fall.

„Ich kann das nicht. Du bist ein netter Typ und ich mag dich wirklich sehr -“
warum hatte er das Gefühl, dass es heute keinen weiteren Kuss mehr geben würde?
„Aber ich sag Angelina, du gehörst ihr.“

„Wie bitte?“ Fred kapierte gar nichts. „Ich gehöre immer noch mir!“
Katie machte eine Handbewegung, die alles bedeuten konnte, von „das denkst auch nur du“ bis hin zu „darüber redet doch keiner“ oder „der Wind ist still heute Abend“.
Er folgte ihr zum Schluss hoch. „Wir können immer noch in den Verbotenen Wald, wenn du das aufregender findest?“, bot er ihr an.

„Du verstehst auch gar nichts, oder?“ Katie drehte sich zu ihm um. „Zwischen uns wird niemals etwas sein, Fred. Ich dachte, da wäre vielleicht mehr, also hatte ich diesen Wettkampf mit Angelina und wer am meisten Punkte wirft im Spiel, darf es als erster versuchen und hat eine Woche Zeit bei dir zu landen, aber ich will dich nicht. Nicht so“, schränkte sie ein. „du bist ein guter Freund und das wirst du immer für mich bleiben. Tut mir Leid“, wiederholte sie und ging allein zum Schloss hoch.

Während Fred in der Abendsonne stand und sich fragte, wie sehr George ihn auslachen würde und was er mit dem Wissen anfing, dass Angelina Johnson sich für ihn interessierte. Die Botschaft war jetzt klar und deutlich bei ihm angekommen. Nur, was sollte er damit tun? Sollte er sie einfach so überfallen und küssen, wie Katie es heute bei ihm getan hatte? Erwartete sie ein romantisches Kennenlernen bei Sonnenuntergang? Würde sie den einzelnen Fred mögen oder ein Problem damit haben, dass er derart verbunden mit seinem Zwillingsbruder war? Er hatte keine Antworten.

Fred sah Katie oben durch die Eingangstür verschwinden und wusste nur, er würde jeden Kerl, der seiner guten Freundin hinterher sah, genau unter die Lupe nehmen. Sie wollte ihn nicht, und bei genauerem Nachdenken war das okay. Ihr Hintern war ganz süß, reichte aber an den von Angelina nicht heran. Und sie war taff und mit ihm im Quidditchteam, aber all das war Angelina auch. Und Alicia. Bis heute hatte er nicht begriffen, wie wenig er von den dreien wusste und wie unterschiedlich sie waren, viel unterschiedlicher als er und George. Er würde sich Mühe geben und ein besserer Freund werden, das hatte Katie ihm heute gezeigt.

Und er würde sie fragen, ob sie einen Rat hatte, wie er bei Angelina landen könnte.



Dies ist mein Wichtelgeschenk für BloodySunrise und entstanden im Rahmen des Herbstwichtelns von banashee.
Gewünscht war das Pairing Fred und Katie (was bei mir leider in eine etwas andere Richtung ging, sorry) mit den Schlagworten: Feuerwhisky, verbotener Wald, Lieblingslied,  Nervenkitzel, Quidditchumhang, Lachkrampf.
Ich hoffe, es gefällt dir, BloodySunrise!
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