Hephaistion

KurzgeschichteFreundschaft / P16 Slash
Castiel Dean Winchester Sam Winchester
29.10.2013
22.03.2014
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Hallo liebe Leute!
Ich glaube neben so viel (schönem) „Destiel“ kommt dieses Pairing doch viel zu kurz. Und ich hatte so viele Ideen zu den beiden und hab das alles jetzt mal in einer kleinen Geschichte zusammengefasst. Ich würde mich freuen, wenn sich unter euch welche finden ließen, die das Pairing auch mögen : ) denen wünsche ich viel Spaß am Lesen!

Hephaistion

Sam wartete jeden Tag darauf, dass der Trenchcoat auffällig verrutscht wäre, oder dass Castiel Knutschflecke aufwies. Oder auch darauf, dass er ihn und Dean irgendwo bei irgendwas erwischte, was er nie zu Gesicht bekommen sollte.
Er hielt sich da raus aus dem was zwischen denen beiden passierte, begegnete dem Engel distanzierter und behandelte ihn mehr wie das was er eben war- ein Engel- nicht so wie einen wirklichen Freund wie Dean es tat.
Er schätzte, dass diese ganze „Ich habe dich aus der Hölle gezogen“- Sache zu einem festeren Bund geführt hatte und dass er bei diesem Bund das dritte Rad am Wagen war.
Dean und Castiel waren so vertraut miteinander, eine gewisse Spannung lag in der Luft, eine Mischung aus Ärgernis, Erwartung und Vertrauen.
Er dachte, dass sich Castiel sofort auf Dean einlassen würde, wenn der nur einen winzigen Schritt weiter auf ihn zu machen würde. Castiel musste ihn sehr schätzen, er hatte so viel für Dean gegeben, auf so viel verzichtet und das Wichtigste: er hatte rebelliert. Einen besseren Liebesbeweis von Engel zu Mensch konnte es nicht geben, da war sich Sam sicher. Und Dean vertraute sehr auf Castiel, so als würde er ihn besser kennen als jeder andere. Castiel war sein Fels in der Brandung, seine Bat-Höhle, sein Graceland.
„Was hat Bobby gesagt?“, fragte Sam als Dean fertig mit dem kurzen Gespräch war.
„Nichts, außer, dass wir langsam mal etwas herausfinden sollten.“
Castiels Umgang mit Dean war fast schon unbeschwert und Sam fand, dass Dean es verdient hatte einen Schutzengel auf der Schulter zu haben, der immer kam wenn er rief. Dean war schließlich ein standfester Mensch, hatte strikte, gute Prinzipien, hatte viel durchgemacht und davon gelernt. Er konnte der kaltherzigste und der herzenswärmste Mensch sein. Und er war, auch wenn es von außen nicht so aussah, ein Vorbild. Für Freiheit, freien Willen und Durchhaltevermögen. Genau das was der schrullige, vom Weg abkommende Engel brauchte.
Er war nur der kleine böse Bruder. Irgendwann hatte sogar er angefangen, sich ein wenig mit Lucifer zu identifizieren und welcher Engel bei Verstand konnte den schon leiden? Er hasste sich natürlich dafür, dass er Ähnlichkeiten mit dem Teufel aufwies, aber verleugnen konnte er es nicht. Er war so oft den falschen Weg gegangen und war so dermaßen gefährdet die gleichen Fehler zu wiederholen, dass er sich selbst oft nicht vertraute. Was für Hoffnungen sollte also ein Engel in ihn setzen?
Das einzige was man doch von ihm erwartet hatte, war, dass er den Teufel spielte, mehr nicht. Dass er jetzt wieder da war, das war nicht geplant gewesen und irgendwie hatte er das Gefühl überflüssig zu sein. Was sollte er schon groß ausrichten? Neben Dean war er nichts. Er war nur der gebrochene, abgestumpfte Sam neben Dean, dem tragischen Helden.
Aber er konnte damit leben. Er gönnte jedem seine Rolle und sich selbst sagte er oft, dass er doch eigentlich nie etwas dafür gekonnt hatte. Er hatte sich nur verführen lassen.
Castiel hatte es ihm doch sogar mitten ins Gesicht gesagt, dass er Dean lieber mochte als ihn.




Jimmy Novak wusste was mit Castiel geschah, bevor der selbst es wusste. Schließlich war Jimmy ein Mensch und hatte auch die Liebe erlebt. Nur hatte er angenommen, dass es sich um Dean handelte. Es war so offensichtlich und er war so sehr mit Castiel verschmolzen, dass er selbst irgendwann anfing, Dean sehr zu mögen.
Im Grunde hasste es Jimmy die Hülle eines Engels zu sein und dann auch noch von einem, der sich in jeden Kampf einzumischen schien. Die meiste Zeit war er eh nicht bei Bewusstsein, was ein Segen war, aber ab und an erwachte er und stellte fest, dass wieder ein halbes Jahr vergangen war. Es geschah immer dann wenn Castiel besonders stark mit Emotionen kontaminiert wurde. Und ein paar Mal hatte er auch schon mit dem Engel gesprochen, auch wenn er Castiel nicht wirklich Sympathie entgegenbrachte. Castiel bestand für ihn aus zwei großen Hälften: einem kehlenaufschlitzenden Killersoldaten, der für ihn so gar nichts mit göttlicher Eingebung zu tun hatte, und einem zu groß geratenem Kind, welches sich über die Gepflogenheiten der Erwachsenen wunderte. Dabei war Castiel ja schon alt (an Menschen gemessen) und deshalb war es umso gruseliger für Jimmy zu sehen, dass er immer noch ein Kind war. Es hatte ihn einfach bisher nicht interessiert was es mit vielschichtigen Emotionen auf sich hatte und was über „Mögen und Nicht-Mögen“ hinausging. Umso bemerkenswerter war es für Jimmy, dass ein Mensch es geschafft hatte, Castiel aus diesem tausendjährigen Dessinteresse rauszuholen und das quasi über Nacht. Genau deshalb dachte er, dass Dean der Empfänger von diesen Gefühlen war.
Jimmy wusste über die Verliebtheit Bescheid. Es war wie damals als er das erste Mal verliebt war, er war gerade 17 Jahre alt gewesen. Jugendlicher Übermut hatte zwar sehr starke Leidenschaft hervorgerufen, aber hatte zu nichts geführt. Eine gewisse ängstliche Distanz war immer geblieben und ließ sich ziemlich gut vertuschen indem man sich absolut daneben benahm. Für Castiel bedeutete das, dass er verschwand sobald es brenzlig in seinem Herzen wurde. Kalte Füße sozusagen.
Manchmal wünschte sich Jimmy, tot zu sein. Er hatte bald erkannt, dass „für immer“ doch länger war, als er sich das vorgestellt hatte und er hatte absolut keine Lust mehr. Die Situation war unbefriedigend und aufgrund ihrer Endlosigkeit verzweifelt. Ob sich so ein Koma-Patient fühlte? Scheinbar schlafend, aber bei vollem Bewusstsein, unfähig sich mitzuteilen oder ein Leben zu leben?
Jimmy bereute es nicht, was er getan hatte. Obwohl er sich manchmal schon fragte, was Castiel denn bitte mit einem winzigen Mädchenkörper anfangen sollte. Eindrucksvoll wäre das nicht und er wäre den anderen „erwachsenen“ Engeln deutlich unterlegen, jedenfalls in seiner Vorstellung. Vielleicht sahen Engel ja auch gar nicht die menschlichen Körper so wie er sie sah, aber woher sollte er das denn bitte wissen?
Castiel hatte gerade eine eindrucksvolle Anzahl an Brüdern und Schwestern abgeschlachtet und es war eben einer von denen emotionalen Momenten, in denen er Jimmy nicht mehr unterdrücken konnte.
Jimmy fragte sich ob Engel irgendwann ausstreben könnten, so wie die Dinosaurier. Aber irgendwie gingen dem Himmel die Engel nie aus…
Er hörte das Gebet von Dean auf der Erde genauso deutlich wie Castiel es hören konnte. Doch er Engel stand einfach da, blutbesudelt und starrte auf die verstreuten Leichen. Er war außer Atem.
„Wenn du also mal eine Minute Zeit hast, Cas, dann schwing deinen gefiederten Arsch runter zu uns!“
Deans Gebete waren doch wirklich gewöhnungsbedürftig und die Respektlosigkeit ärgerte Jimmy sogar sehr. Castiel jedoch nicht, der hörte nur den Notruf und die warme Stimme von Dean, die zu ihm sprach.
Aber er rührte sich nicht.
„Du solltest gehen.“, sagte Jimmy, ohne dass seine Worte seinen Mund erreichen könnten. Ihm gehörte ein kleiner Teil in seinem Kopf, mehr nicht.
„Er wird Fragen stellen.“, erwiderte Castiel, „und dann wird er mir helfen wollen gegen Raphael zu kämpfen. Und dann werde ich ihm sagen müssen, dass er mir nicht helfen kann, weil er nur ein Mensch ist. Und dann wird er wütend und mich wegschicken. Folglich ist es sinnlos jetzt zu ihm zu gehen.“
„Ziemlich festgefahren, findest du nicht?“, erwiderte Jimmy, „versuch es doch mal. Vielleicht braucht er Hilfe?“
Er fand es merkwürdig, dass gerade er einen Engel zu einer guten Tat ermutigte.  
Im nächsten Moment standen sie schon hinter Dean, der den Kopf auf die Knie gelegt hatte während er auf der Bettkante saß.
Sam sah Castiel zuerst und erhob sich.
„Cas!“, sagte er freundlich.
„Hast aber lange gebraucht!“, schnauzte Dean nur, aber in seinen Augen konnte sogar Jimmy erkennen, dass er sich wahnsinnig freute Castiel zu sehen. Dann sahen sie wohl auch das Blut.
„Cas, was zur Hölle-?“, machte Dean entsetzt.
Castiel stand ein wenig hilflos im Raum, „ein Hinterhalt.“, sagte er.
„Hinterhalt?“, fragte Sam, „sieht aus als hättest du eine ganze Herde abgeschlachtet!“
Was ja auch stimmte.
„Du sahst schon schlimmer aus.“, sagte Castiel streng zu Sam und sah ihn so scharf an, dass Sam den Kopf tatsächlich einzog, sich setzte und Dean das Reden überließ.
„Cas, wenn du Hilfe brauchst-“, begann Dean und Castiel seufzte ungehört. Jimmy fand es eigentlich ganz hübsch, wie gut der Engel seinen Schützling eingeschätzt hatte.
„Dean. Du bist ein Mensch. Ich kämpfe gegen Armeen von Engeln.“
„Na und?“, ganz klar Selbstüberschätzung, „ist doch nichts gegen Lucifer, oder?“
Castiel schüttelte leicht den Kopf, „nimm die Hälfte von Lucifer, davon tausende und dann kannst du dir vielleicht vorstellen, was ein Bürgerkrieg zwischen Engeln ist. Du wärst dazwischen nur ein Stück-“, Castiel überlegte und fand den falschen Vergleich, „- ein Stück Fleisch von der Größe einer Fingerkuppe.“
Dean schnaubte, „bitte! Dann hau schon ab wenn das so wichtig ist und du uns eh nicht brauchst!“
Jimmy hätte gelacht, wenn er es gekonnt hätte.
„Dean. Ich bin gekommen um euch zu helfen.“
„Ach?! Sind wir dafür jetzt doch wichtig genug? Wie ehrenhaft, dass du einem Stück Finger hilfst!“
„Dean…“, machte Sam leise, weil er sich ein wenig für seinen Bruder schämte. Anders als Dean hatte er nämlich kein zu großes Ego wenn es ums Töten von Gegnern ging.



Sie stellten fest, dass es sich wohl doch nur um einen amoklaufenden Berglöwen handelte, der liebend gerne Rancher und Touristen fraß, die es wagten in sein Revier einzudringen.
Castiel stand da und sah dem Berglöwen in die wilden Augen und wusste nicht, ob er das Tier töten sollte. Dean nahm ihm die Entscheidung ab und schoss kurzerhand.
Sam sah ein bisschen traurig auf den Berglöwen, der auf der Seite lag, die Vorderläufe merkwürdig verkeilt und dem frisches Blut aus der Schusswunde auf der Stirn sprudelte, welches die blauen Augen und das helle Fell besudelte.
„Sag nichts, Sam!“, meinte Dean, „der hätte doch sicher nicht mit dem Morden aufgehört!“
„Man hätte ihn einfach in Frieden lassen sollen.“, sagte Castiel gut überlegt. Er hatte Dean nicht kritisieren wollen, denn vielleicht war es wirklich das Beste gewesen, den Puma zu erschießen, aber Dean sah sich auf die Füße getreten.
„Bitte!“, schnaubte er, „gehört ihr jetzt zum Tierschutz?! Dann können wir ja auch gleich einen Verein für Werwölfe gründen!“
Man konnte sicher nicht Berglöwen mit Werwölfen vergleichen, aber keiner sagte mehr etwas.
Sie ließen das Tier liegen.

„Jetzt bist du nur für einen Puma einem Gebet gefolgt.“, sagte Jimmy schadenfroh als sie zurück im Himmel waren, „das nenne ich sinnvolles Timing.“
„Es hätte eine ernsthafte Gefahr sein können.“, gab Castiel ruhig zurück. Er mochte Jimmy ziemlich gerne, oder eher gesagt: er hatte nichts gegen ihn einzuwenden. Und es tat ihm leid, was seiner Familie zugestoßen war.
„Dean ruft und du springst.“
„Ich springe nicht.“
Jimmy schnaufte, was komisch in seinem eigenen Kopf klang. Vielleicht könnte er ja helfen und die Gedanken des Engels ein wenig auf die Verliebtheit lenken, die er sicher noch nicht registriert hatte. Denn eigentlich hatte Castiel alles andere als Zeit für Verliebtheit.
Doch im gleichen Moment brach Jimmy sein eigenes Vorhaben ab. Wollte er, dass sein Körper einem Dean Winchester nahe kam? Wollte er- ob bei Bewusstsein oder nicht- dass man ihn irgendwo anfasste, wo nur die Hände seiner Ehefrau hingehörten? Nein, das wollte er nicht.
„Du solltest nicht wegen jeder Kleinigkeit zu den Jungs gehen.“, sagte Jimmy, „sie wickeln dich um den kleinen Finger. Dean jedenfalls.“
„Ich helfe Dean gerne.“
„Darauf wette ich.“
Castiel dachte immer noch an seine letzte große Kriegereinlage und er war sehr traurig. Er wollte den Krieg nicht, aber er wollte auch Raphael nicht nachgeben. Er musste also Prioritäten setzen. Und die Freiheit stand an oberster Stelle.
„Hast du Hunger?“, fragte Castiel Jimmy.
„Ich verhungere, aber dich interessiert das doch sonst nicht.“
Castiel nickte und flog auf die Erde, landete zielsicher auf der Rückbank des Impalas und geriet mitten in einen Streit zwischen Dean und Sam. Es ging um den toten Berglöwen.
„Können wir etwas essen gehen?“, fragte er mittenrein, Dean verriss das Lenkrad und konnte seinen Wagen gerade noch vor einer unsanften Begegnung mit der Stoßstange eines Trucks retten.
Er fluchte und warf dem Engel einen wütenden Blick durch den Rückspiegel zu. Sam drehte sich besorgt zu Castiel und musterte ihn, wie man einen Hund mustert, der sein Fressen verweigert.
„Ist alles in Ordnung mit dir, Cas?“
„Ja. Jimmy hat Hunger.“
„Jim- Jimmy?!“, Dean runzelte die Stirn genauso wie Sam.
„Jimmy, mein Körper. Vielleicht könnt ihr euch noch-“
„Ja, verdammt! Wir wissen wer Jimmy ist, Cas!“, schnauzte Dean.
„Was hat das zu bedeuten?“, fragte Sam noch immer sehr besorgt.
Jimmy seufzte genervt. Hätte Castiel ihnen nicht vorher erzählen können, dass er ab und an zu Bewusstsein kam? Und dass das ganze Engels-Mojo nicht ändern konnte, dass er noch immer ein Mensch war und auch menschliche Bedürfnisse hatte?
„Es ist alles in Ordnung.“, erklärte Castiel diplomatisch, „manchmal wacht Jimmy auf und dann pflege ich ihn.“
„Pflegen“ war wohl das falsche Wort und Sam zog prompt die Augenbrauen in die Höhe.
„Und auf was hat der gute Jimmy Hunger?“, fragte Dean spöttisch.
„Schmorbraten mit Kartoffel und Gemüse und ein großes Schokoladendessert.“, sagte Jimmy.
„Schmorbraten mit Kartoffel und Gemüse und ein großes Schokoladendessert.“, sagte Castiel.
Sam lachte ein wenig.

Eine Stunde später saßen sie in einem ziemlich guten Restaurant und sahen zu wie Castiel Fleisch und Gemüse in sich hinein schaufelte als würde er ein großes Maß füllen wollen. Er schlang regelrecht, denn Jimmy hatte gesagt, dass er am Verhungern war und das war doch ziemlich dringend. Dass Jimmy nur übertrieben hatte um ihm ein schlechtes Gewissen zu machen, das konnte er ja nicht ahnen.
Sam ließ sich einen guten Salat mit Offenkartoffeln schmecken und Dean ein Steak. Sie würden sicher 200 Dollar loswerden, aber das war es allen wert.  
Dazu tranken sie Bier und für Castiel gab es Wein. Es sah merkwürdig aus wie Castiel Wein trank, das große Glas gierig angesetzt wie eine Schale mit Suppe.
Die Bedienung schaute sie missbilligend an, genauso wie die meisten anderen Gäste.
Dean fand es so witzig wie Castiel schlang, dass er sich keine Mühe machte ihn zu verbessern.
„Sehr lecker.“, sagte Jimmy zufrieden und hätte sich gerne den schon sehr prallen Bauch gerieben, aber das ging natürlich nicht. Der Wein war auch vorzüglich, aber nach dem dritten Glas war es doch wirklich genug. Für Castiel nicht, der von dem ganzen Alkohol nichts mitbekam.
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