Muggel für Anfänger

von Grim Lear
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Lucius Malfoy Ronald "Ron" Weasley
28.10.2013
01.06.2014
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„Miss Granger, da sind Sie ja“, erklang da Professor McGonagalls Stimme hinter Malfoy.
Hermine erstarrte und erkannte die Schulleiterin, die hinter dem Slytherin an ihrem Schreibtisch thronte. Vor eben diesem saß noch eine blonde Frau mit filigranen Gesichtszügen und vereinzelten grauen Strähnen. Sie trug ein schlichtes, grünes Kleid, das ihr bis zu den Knöcheln reichte, und darüber einen dunklen Umhang – trotzdem bemerkte Hermine, dass sie sehr dünn, fast mager war. Narzissa Malfoy.
„Professor ...“, stotterte Hermine und senkte schnell ihren Arm, mit dem sie Malfoy von sich weggestoßen hatte.
„Setzen Sie sich doch bitte und nehmen Sie sich ein Kühlpack“, meinte die Schulleiterin nur entgegenkommend und schnippte mit ihrem Zauberstab durch die Luft. Sofort folgte dem ein Handtuch, in das Eiswürfel eingewickelt waren.
Hermine ging wortlos an Malfoy vorbei und setzte sich etwas unbehaglich neben Mrs Malfoy - die ihr zu ihrer Überraschung zunickte. Malfoy schnaubte unwillig und ließ sich lässig auf einem Stuhl auf Narzissas anderer Seite nieder – diese provokante, von allen Gryffindors so verhasste Lässigkeit und die dazu passende Arroganz.
Ja, er hat sich wirklich sehr geändert … pah!, dachte Hermine und wandte sich ruckartig wieder der Direktorin zu.
„Was hat das zu bedeuten?“, fragte sie. Erst ein paar Sekunden später, bemerkte sie, dass Malfoy zusammen mit ihr die gleiche Frage gestellt hatte. Sie funkelte ihn wütend an und verschränkte die Arme vor der Brust. Idiot.
„Nun, Miss Granger, sicher wissen Sie, dass Sie sich zu dem Projekt für den Sommer eingetragen haben.“
Hermine pustete sich eine Strähne aus dem Gesicht und entgegnete: „Ja, sicher, Professor McGonagall, aber was hat Malfoy … - ist nicht Ihr Ernst, oder?“ Sie ließ fassungslos ihre Arme wieder an ihrer Seite herunterbaumeln.
Wenn Professor McGonagall das dachte, was sie dachte, dass die Professorin dachte, dann hatte Hermine ein ungemeines, verdammtes, leider sehr blondes Problem. Sie biss sich voraussichtlich – wie Hermine Granger nun einmal immer war – auf die Lippen, da sie nicht wollte, dass sie die Professorin beschimpfte, wenn McGonagall gleich sagte, was Hermine ahnte. Wäre sicher nicht hilfreich gewesen.
Aber leider sagte McGonagall genau das, wovor Hermine sich so gefürchtet hatte, und das erste Mal in ihrem Leben und der gesamten Schullaufbahn zusammen wünschte sie sich, nicht Recht behalten zu haben.
„Doch, es ist mein Ernst. Mr Malfoy ist ihr Austauschpartner.“
„Aber warum ausgerechnet ich?“, krächzte Hermine, unter den verwirrten Blicken Malfoys und seiner Mutter.
McGonagall faltete ihre Hände und wrang sie nervös. „Nun, weil ich denke, dass Sie die Richtige dafür sind.“
„Kann mir mal einer sagen, was hier los ist?!“, zischte Malfoy mürrisch, seine Augen vor unterdrückter Wut ganz dunkel, geradezu schwarz. Und wenn Hermine sich nicht täuschte, dann hatte sie ihn noch nie so entrüstet gesehen – es passte ihm wohl nicht, dass er nicht eingeweiht war. Musste eine ganz neue Erfahrung für ihn sein – armer Dracispatzi.
„Sicher, Mr Malfoy. Wir haben doch vor einigen Tagen-“
„Er war die ganze Zeit hier? Wie können Sie das tun? Sein Vater ist ein verdammter Todesser! Seine Mutter ist eine verdammte Todesserin! Er ist ein verdammter Todesser!“, regte sich Hermine auf und sprang außer sich auf. Sie hielt es nicht aus, McGonagall so mit diesen Personen reden zu hören, die Hogwarts so zugerichtet hatten und für so viel verantwortlich waren. Für Ginnys Angst vor dunklen Kammern zum Beispiel oder dass Ron vergiftet worden war.
„Miss Granger“, schaltete sich plötzlich Narzissa mit müder Stimme ein und stand ebenfalls auf. Ihre Haltung war fast schon künstlerisch – das hieß, sie wäre es, würde sie keinen Stock brauchen, auf sie sich abstützte. „Ich bin mir im klaren, dass meine Familie und im besonderen unsere“, hier verfinsterte sich ihre Miene schwer, „Bekannten sie und ihre Freunde sehr in Gefahr gebracht haben, aber eines dürfen Sie mir glauben: Das dunkle Mal bedeutet nicht immer, dass man zu ihnen gehört. Ich kann Ihnen versprechen, dass von uns und im besonderen meinem Sohn keine Gefahr ausgeht, außer sein loses Mundwerk.“ Sie lächelte schwach, ein altes und müdes Lächeln.
Hermine runzelte verwundert die Stirn, doch dann schüttelte sie den Kopf. „Wie könnte ich Ihnen trauen, Mrs Malfoy? Ich danke Ihnen ja, dass Sie Harry gerettet haben. Aber das heißt nicht, dass ich Ihnen auch trauen kann.“
„Ich weiß. Aber vielleicht können Sie ja Professor McGonagall vertrauen, in dem, was sie tut und glaubt.“
„Das stimmt, Miss Granger. Und jetzt setzten Sie sich bitte wieder und hören sich wenigstens an, was ich Ihnen allen zu sagen habe. Aber Mr Malfoy und seine Mutter benötigen Ihre Hilfe, oder jedenfalls hoffe ich, dass sie das wollen werden.“
Hermine zögerte, doch dann zog sie sich ihren Stuhl wieder heran und ließ sich resignierend darauf fallen. Narzissa blieb stehen.
„Also, Sie haben eine Lösung gefunden?“, fragte die Malfoy mit tonloser Stimme.
McGonagall nickte und sah nun direkt Hermine an. „Ja. Nachdem Mr Potter für Mrs Malfoy ausgesagt hat, ist sie, wie Sie ja wissen, Miss Granger, freigesprochen. Allerdings konnte das Ministerium von Mr Malfoys Unschuld nicht ganz überzeugt werden.“ McGonagall zog mehrere Pergamente hervor und breitete sie vor sich aus. „Auf diesen Unterlagen steht, dass man Sie, Mr Malfoy, noch nicht nach Askaban schicken wird, da Sie noch nicht das passende Alter erreicht haben.“
„Hat er nicht?“, platzte es aus Hermine heraus und starrte den Malfoyspross an.
Malfoy drehte nicht mal den Kopf in ihre Richtung, sondern starrte nur McGonagall an, als er sagte: „Doch, aber nach dem geltenden Gesetz müsste ich neunzehn sein, um eine Strafe wie Askaban zugeteilt zu bekommen. Wusstest du das noch nicht?“
„Äh, doch, natürlich …“, murmelte Hermine überrascht und auch etwas verlegen. Daran hätte sie sich erinnern müssen – tja, doofe Frage, doofe Antwort, Granger. So in ihre Gedanken vertieft, merkte nur etwas in ihrem Hinterkopf, dass er keine einzige Beleidigung in den Satz gesteckt hatte.
„So ist es. Leider aber hat Mr Malfoy den Nachteil, dass er in diesen Zeiten und unter Fudge als momentanen Minister, solange der noch gegen Kingsley im Wahlkampf ist, keine gerechte Verhandlung bekommen wird. Besonders, da Fudge auch persönlich nicht gut auf die Malfoys zu sprechen ist – immerhin hat er mit Lucius Malfoy sehr viele Geschäfte gemacht. Es ist ihm peinlich und er will die Sache vom Tisch haben.“
„Aber das ist unfair“, protestierte Hermine, bei der sich ihr Sinn für Gerechtigkeit meldete. Schnell fügte sie bei den verblüfften Gesichtern von Malfoy und seiner Mutter hinzu: „Selbst wenn es sich dabei um Malfoy handelt.“
Professor McGonagall legte den Kopf abwägend schief, ihre Augen blitzten vor unterdrücktem Zorn. „Ja, das ist unfair, Miss Granger. Und deshalb versuche ich Mr Malfoy zu helfen.“
„Nur deshalb?“
„Ja. Aber Miss Granger, Sie können mir glauben: Ich habe lange darüber nachgedacht, aber mich nun dazu entschlossen, den Malfoys eine Chance zu geben. Und deshalb werden Sie, Mr Malfoy“, sie wandte sich an ihren ehemaligen Schüler, „eine besondere Art von … sagen wir Bewährung kriegen. Wie Sie wissen, ist Fudge im Moment mit Mr Shacklebolt im Wettstreit, den Kingsley sicher auch gewinnen wird, aber das würde zu lange dauern. Deshalb hatte ich die Idee, dass Sie beweisen könnten, mit etwas Hilfe von Miss Granger, dass Sie weder eine Gefahr für die Zauberer-, noch für die Muggelwelt darstellen. Wenn Sie zu den Muggeln gehen und bei Miss Granger, die diesem Projekt zugestimmt hat, und ich hoffe, dass das auch so bleibt, den Sommer verbringen würden, dann könnten Sie zeigen, dass Sie anders sind. Und ich hoffe, dass die Fairen unter uns, sich dann gegen Fudge richten werden, denn auch er könnte niemals gegen mehrere handeln. Im Moment brauch er alle Verbündeten, die er nur kriegen kann. Er würde es sich nicht leisten können.“
„Ich soll bei Granger den Sommer verbringen? Und sie hat da zugestimmt?“
Zu dir habe ich sicher nicht Ja gesagt“, fauchte Hermine nun, um die Sache klarzustellen. Wer wusste schon, was er sich sonst darauf einbildete.
Malfoy machte gerade den Mund auf, um etwas ebenso Bissiges zu erwidern, wie man an dem boshaften Funkeln in seinen Augen erkennen konnte, da legte Mrs Malfoy ihm eine Hand auf die Schulter. „Draco“, zischte sie eindringlich.
Hermine beobachtete das Ganze ungläubig, doch sie konnte nicht verhindern zuzugeben, dass Malfoy sofort still war. Er liebte seine Mutter und sie ihn, das sah man sofort. Wie kommt es, dass man in den letzten sieben Jahren nichts davon gemerkt hat?, fragte sich Hermine stumm und betrachtete die beiden stirnrunzelnd.
Malfoy hielt nun seine Klappe und verschränkte die Arme vor der Brust. Mrs Malfoy lehnte sich beruhigt zurück, während McGonagall ebenso interessiert die beiden musterte, sich dann aber wieder Hermine zu wandte. „Also, Miss Granger, ich werde erst Sie fragen. Wären Sie bereit, an Mr Malfoys Seite zu arbeiten?“
„Ich weiß nicht ...“, sagte Hermine unsicher und vermied es, zu den beiden Blondschöpfen neben sich zu sehen. Doch irgendetwas ließ sie aufsehen, vielleicht der Blick, mit dem Malfoy sie fixierte. Ihre Blicke trafen sich und sie erkannte allen Widerwillen in den stahlgrauen, harten Augen, den auch sie in sich trug.
Doch etwas in ihnen schien sich leicht zu öffnen und offenbarte etwas Verletzliches, das Angst vor ihrer Antwort hatte und sie gleichzeitig herbeisehnte. Hermine seufzte leise. Sie wünschte sich manchmal wirklich, einfach so entschieden sein zu können wie Ron und nicht dieses verdammte Herz zu haben, das ihr immer befahl, alle anderen in Schutz zunehmen.
Verdammte Moral. Verdammtes Herz.
„Gut, ich mache es“, murmelte sie.
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