Muggel für Anfänger

von Grim Lear
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Lucius Malfoy Ronald "Ron" Weasley
28.10.2013
01.06.2014
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Es war ein Morgen, wie jeder andere. Die Schüler von Hogwarts, oder zumindest die, die den schrecklichen Krieg überlebt hatten, saßen versammelt in der Großen Halle. So auch unsere geliebten Helden der Schlacht – Harry Potter, Ronald Weasley und Hermine Granger. Neben ihnen hatte sich Ginny niedergelassen.
Harry und Ginny sahen sich verliebt in die Augen, während sie sich von ihm auf seinem Schoß mit Toast füttern ließ. Ron liebäugelte mit einer Götterspeiße, die neben der nicht ganz so göttlichen Lavender stand. Es wäre wohl nicht sehr empfehlenswert für ihn, sie darum zu bitten, nach der Sache im sechsten Jahr. So dachte jedenfalls Hermine, die sich grinsend wieder ihrem Tagespropheten zu wandte.
Das übliche war darin zu lesen: Interviews mit Kriegshelden, Todesanzeigen, Seiten voll von Verhaftungen und Strafvollziehungen. Zum Glück wurden die aber weniger und Rita Kimmkorn stieg wieder in Klatsch und Tratsch ein. Fragte sich natürlich aber, was denn nun besser war …
„Ich hätte sie einen Käfer bleiben lassen sollen“, murmelte sie mit finsterem Blick und starrte auf das große Bild mit Harry und Ginny, die sich ernsthaft am See unterhielten. Das Foto war nach Dumbledores Beerdigung gemacht worden, wie sie erkannte.
In diesem Moment wurde die Halle von Flügelschlagen erfüllt – das bedeutete der neue Prophet würde kommen und hoffentlich die langweiligen Nachrichten vom Abendpropheten ablösen. Erwartungsvoll sah Hermine zu den Eulen auf, wie viele in der Halle.
Sie warten alle auf Nachrichten von Familienmitgliedern, stellte die Gryffindor traurig fest.
Als plötzlich zwei Eulen neben ihr landeten, runzelte sie die Stirn. Wer sollte ihr denn schreiben? Hermine erkannte die mürrische Schneeeule, die ihr immer den Propheten brachte, aber nicht die andere. Schon alleine daran, dass das weiße Tier ungeduldig nach ihren Fingern pickte, sobald sie ihr die eingerollte Zeitung abnahm, und es den unbekannten Waldkauz zur Seite stieß.
„Hier, da ist deine Belohnung schon“, sagte Hermine eilig und griff in ihren Umhang um der Schneeeule ein paar Knuts zu übergeben. Diese flog ohne ein Zwitschern einfach davon und verschwand aus der Tür in die Eingangshalle. „Und was hast du für mich, mein Großer?“, fragte sie den kleinen Waldkauz. Der schuhute freundlich und streckte sein Bein aus, woran (welch Überraschung) ein Brief hinh.
Hermine lege den Propheten beiseite und band das Pergament schnell ab. Sie bedankte sich bei der Eule und schob ihm die Schüssel mit Haferflocken hin, die sie eigentlich noch mit Milch hatte füllen wollen. Sie beugte sich über den Brief und las:

Sehr geehrte Miss Granger,
ich bin froh, dass sie dem Projekt ihre Hilfe angeboten haben und wollte Ihnen an dieser Stelle noch einmal danken.
Bitte kommen Sie heute Abend nach dem Abendessen unverzüglich in mein Büro, dann werde ich Ihnen und Ihrem Schützling alles weitere mitteilen.
Sollten Sie Ihre Eltern noch nicht verständigt haben, dann tun Sie dies bitte jetzt.

Mit aufrichtigen Grüßen,
Professor McGonagall, Schulleiterin von Hogwarts


Hermine steckte den Brief, nachdem sie ihn durchgegangen war, schnell in ihre Tasche. Die anderen sollten das lieber nicht zu sehen bekommen – sonst würden sie am Ende noch Fragen stellen, die Hermine nicht beantworten konnte. Und wollte – besonders bei Rons Hitzkopf.
Sie stand auf und verabschiedete sich schnell von den anderen. Als sie sich auf den Weg zur Bibliothek machte, bemerkte sie die Person gar nicht, die hinter einer Statue auf einer Fensterbank saß und einen ganz ähnlichen Brief in der Hand hielt.

oooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo

Das Abendessen war für Hermine sehr schwer, denn sie rutschte nervös auf ihrem Stuhl hin und her und musste ständig darauf achten, den Fragen der anderen geschickt auszuweichen. Ausnahmsweise hatte Rons unverhohlene Verknalltheit in Lavender, die das sichtlich genoss und ihn zappeln ließ, etwas Gutes. Auch Ginny und Harry waren viel zu sehr miteinander beschäftigt, als dass sie Hermines Nervosität das Maß an Aufmerksamkeit schenkten, das sie ihr sonst geschenkt hätten.
Sobald sich Professor McGonagall erhob und das Abendessen für beendet erklärte, wartete Hermine punktgenau (wie sie alles nun einmal in ihrem Leben tat) zwei Minuten, dann sprang sie wie von der Tarantel gestochen auf.
Ginny löste sich verwirrt von Harrys Lippen – wie Hermine wusste, nur eine kurze Unterbrechung. „Wo willst du denn hin, Hermine? Ist alles in Ordnung? Du bist die ganze Zeit schon so unruhig.“ Ginny runzelte die Stirn.
Offenbar war Hermine mit ihren Verhalten nicht so unauffällig gewesen, wie sie gedacht hatte. „Ach, nur in den Gryffindorturm, ein bisschen packen. Wir sehen uns dann ja morgen, oder? Ich will heute früh schlafen gehen“, rief die Brünette schnell über die Schulter und verschwand aus der Großen Halle, bevor Ginny widersprechen konnte. Hermine kam außer Atem vor dem Büro der Schulleiterin an und versuchte, ihre Atmung erst einmal zu regulieren.
Okay, du gehst da jetzt ganz ruhig rein und wenn es dieser Ar… dieser Idiot Nott ist, dann sagst du nichts und denkst an deine Zukunft. Reiß dich zusammen, Granger, du wirst das durchziehen, ermutigte sie sich stumm und griff nervös nach der Türklinke.
Diese schwang urplötzlich auf und traf sie an der Nase. Hermine stolperte zurück und kurz flimmerten schwarze Punkte vor ihrem Gesicht auf, bevor ihr Blick wieder klar wurde. Sie dachte zuerst, sie sähe einen Geist, wäre vielleicht ohnmächtig geworden, doch als nach drei Sekunden immer noch Draco Malfoy vor ihr stand und sie überrascht ansah, wurde ihr klar, dass sie sich ihn anscheinend wirklich nicht nur einbildete.
Leider.

oooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo

Draco saß neben seiner Mutter auf einem einem der Stühle, die vor McGonagalls Schreibtisch standen. Das Büro hatte sich nicht sonderlich verändert, seit Dumbledore weg war, allerdings deutlich nach Snape. Es war wieder ähnlich wie zu Zeiten des alten Irren eingerichtet, nur ordentlicher und noch geschmackloser, wenn das denn möglich war. Das Einzige, was ihn noch mehr störte, als die Inneneinrichtung, war McGonagall selbst.
Und das Bild hinter ihr, fügte er hinzu und warf dem Abbild Dumbledores auf dem Gemälde, das schnarchend in einem Sessel hockte, einen scharfen Todesblick zu, den er eigentlich nur Potter und seiner Sippe schenkte – also bedauerlicherweise halb England.
Wenn er schon tot ist, dann könnte er wenigstens seinen Schönheitsschlaf nicht dann halten, wenn ich da bin.
„Mr Malfoy, haben Sie etwas im Auge?“, fragte McGonagall ruhig und legte die Stirn in nachdenkliche Falten.
Nein, aber gleich Sie, wenn Sie nicht den Mund halten, dachte er mürrisch.
Und das würde sicher kein Staubkorn sein.
„Was mache ich überhaupt hier?“, besann er sich eines Besseren und verschränkte ungehalten die Arme vor der Brust.
„Das werden Sie gleich sehen. Miss Granger müsste jeden Augenblick hier sein und dann erkläre ich es Ihnen“, erwiderte die Schulleiterin.
„Granger? Was hat das Schlammblut mit dem Ganzen zu tun? Ist sie etwa schon im Ministerium für Strafverfolgung angestellt, oder was? Wusste gar nicht, dass ihr Trottel von einem Wiesel so viel Geld hat, um Fudge zu bestechen“, feixte er und dachte an das goldene Trio, das er in den letzten Monaten möglichst versucht hatte, aus seinem Kopf zu verbannen.
„Draco!“, zischte seine Mutter neben ihm. Er wandte ihr sein Gesicht zu. Früher war Narzissa Malfoy eine wunderschöne Frau gewesen, das hatte selbst Lucius zugegeben, aber nun war sie vom Krieg und dem Alter gezeichnet. Allein die Narbe, die sich quer über ihr Gesicht zog, war ein Abdruck der Zeit. Wie ein Stempel, den Lucius seiner Frau und seinem Sohn, obwohl er in Askaban war, vorhalten wollte.
„Ich habe doch Recht!“, schnippte er beleidigt, hielt aber dann seinen Mund. Vielleicht hatte sein Vater seine Mutter ja immer unterdrückt, doch trotz allem war sie eine strenge, eigenständige Frau geblieben.
„Es geht um deine Freiheit, ich hoffe, das ist dir klar“, rügte sie ihn.
Pah, was war denn schon Freiheit, wenn man dafür auf ewig in Malfoy Manor festsaß und keinem mit einem reden wollte, außer Theodore, aber der war ja nach Frankreich abgehauen. Also fiel er weg. Und Blaise wäre sicher auch eine Wahl, aber … na ja, es war halt Blaise und die Gesellschaft hatte er bisher sein ganzes Leben ertragen müssen. Er war für ihn ein Bruder, aber genau wie seine Mutter auch nicht wirklich Gesellschaft. Doch Draco riss sich zusammen und schwieg.
„Mr Malfoy, würden Sie bitte mal nachschauen, ob Miss Granger den Weg zu uns gefunden hat? Vielleicht hat sie das Passwort ja vergessen.“
„Wieso ich?“, kam wieder seine spitze Zunge hervor. Diesmal allerdings berechtigt.
„Draco …“
„Ist ja gut“, knurrte er mürrisch, obwohl er am liebsten mal wieder protestiert hätte. Ja, die Malfoys waren dafür bekannt, dass ihr erstes Wort „Nein“ lautete.
Draco stand geschmeidig auf und stolzierte zur Tür. Als er diese aufdrückte, sah er gerade noch, wie eine Gestalt hinter der Tür zurückstolperte. Er hatte Granger seit Wochen nicht richtig gesehen und das letzte Mal blutverschmiert, wie sie mit Potter und Wiesel verschwand, nachdem sie ihn aus dem brennenden Raum der Wünsche gerettet hatten.
Damals hatte er sie sich nicht genauer angesehen, aber jetzt musterte er sie neugierig. Ihre braunen Locken hatten sich doch tatsächlich gebessert, denn sie waren geordneter und schienen auch nicht mehr ganz so buschig wie zuvor. Sie hielt den Arm schützend vor ihr Gesicht, doch das hatte anscheinend nichts gebracht, denn aus ihrer Nase sickerte etwas Blut. Mit der einen Hand krallte sie sich taumelnd an ihm fest und so sehr ihn das vorher angeekelt hätte, so sehr musste er zugeben, dass sie wahnsinnig gut roch.
„Scheiße, Granger, Blut hat dir echt noch nie gut gestanden“, platzte es aus ihm heraus. Sie blinzelte verwirrt, doch als sie ihn zu erkennen schien, traf ihn ein wütender Blick.
„Glotz nicht so!“, fauchte sie und stieß ihn in den Raum hinein. „Du hast immerhin mich fast mit der Tür erschlagen!“
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