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Rache

KurzgeschichteAngst, Tragödie / P16
27.10.2013
27.10.2013
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@ Wolfi: Noch mal alles Gute, ich hoffe es ist wenigstens ansatzweise das was du dir erwartet hast. Obwohls kein Püree im engeren Sinn geworden ist ._.

@ alle anderen: Es gibt eigentlich nicht viel hierzu zu sagen. Es ist ein Geburtstagsgeschenk und auch wenn es eine Hintergrundgeschichte zur Entstehung gibt, muss man die wohl nicht unbedingt kennen um das Ergebnis lesen zu können. Man darf bloß das Warum nicht all zu sehr hinterfragen ^.^




„ES REICHT!!!“ Hallte eine Mischung aus Verzweiflung und Wut durch die altbekannte Lagerhalle. „Ich hab’s versprochen! Es ist fünf vor zwölf! Ich brauch jetzt ein Ergebnis!!!“
Noch bevor das Echo dieses Ausbruchs erstarb, kam schon die süffisante Antwort: „Tja, das hättest du dir vielleicht mal eher überlegen sollen. Man sollte eben nur versprechen was man auch halten kann.“
„Ich weiß…“
„Und du wusstest seit einer halben Ewigkeit, dass sie heute Geburtstag hat. Du hättest das schon viel früher schreiben können. Dann säßest du jetzt nicht so in der Patsche.“
„Ich. Weiß.“ In diesen Worten lag nun neben unterdrückter Wut auch ein warnender Unterton.
„Sie wird echt enttäuscht sein, wenn du nichts zustande bringst.“
„Ich weiß!“
„Und-“
„PYRA!“ Der scharfe Ton ihrer Erschafferin brachte die rote Kätzin unerwartet zum Schweigen. „Ich schwör’s dir - bei allem was mir heilig ist - entweder hältst du jetzt sofort deine schadenfrohe Klappe oder du wirst es bitter bereuen. Das wird ohnehin nicht lustig für dich, aber-“
„Moment“ Pyra legte misstrauisch den Kopf schief. „Was… was hab ich damit zu tun?“
„Nun… Ich hab dir ja gesagt, dass ich Wolfi das hier versprochen habe. Was ich dir nicht gesagt habe ist, dass dir dabei eine zentrale Rolle zukommt.“
„Äh… hehe… toll. Ganz toll. Ich… echt schade, aber leider hab ich keine Zeit. Das nächste Mal. Ganz bestimmt. Aber jetzt muss ich echt ganz dringend los!“
Die Kätzin vollführte eine schnelle Kehrwendung und wollte sich schnellstens verkrümeln, als sie bereits am Schwanz gepackt wurde. „Nix da. Du bleibst schön hier.“

„Aber…“ Pyra wollte einfach nicht glauben, dass Mino wirklich vorhatte was sie befürchtete und suchte daher nach Gründen warum es gar nicht so sein konnte. „Ich… du… im Grunde hast du doch gar nichts gegen mich und-“
„Nichts Wirkungsvolles.“
„Ja… und du… du würdest so was einfach nicht tun.“
„Nicht?“ Mino hob eine Augenbraue und grinste schief auf die Katze hinab. „Sicher?“
„Naja… nicht – nicht so. Nicht in aller Öffentlichkeit.“
„Also ich seh hier nur dich und mich und eine leere Lagerhalle ohne jegliche Zeugen.“
„Ja, a- aber… du bist viel zu nett dafür!“
„Schau.“ Mino klemmte Pyras Schwanz unter einen ihrer Schuhe um die Katze weiterhin am Weglaufen hindern zu können und gleichzeitig die Hände zum Gestikulieren frei zu haben. „Es wird passieren, ob’s dir nun passt oder nicht. Eigentlich hast du nur noch eins zu entscheiden: Entweder du nimmst es hin und ich mach’s kurz und schmerzlos oder du bockst und ich sehe mich gezwungen es unnötig in die Länge zu ziehen. Aus purer Bosheit. Oder als Erziehungsmaßnahme. Klingt netter, auch wenn’s in Anbetracht des Endziels eher nicht so zutreffend ist.“

„Mino…“ Pyra wusste, dass sie in dieser Situation – wenn überhaupt – nur noch ein klarer Kopf retten konnte. „Sehen wir uns erst einmal die Fakten an: Wolfi kann mich nicht leiden. Was auch immer genau sie sich gewünscht hat, für mich wird es nicht gerade angenehm sein. Aber sie hat Geburtstag. Du hast versprochen ihr was zu schenken und willst das auch. Versteh ich alles. Aber Mino, sein wir doch mal ehrlich. Du und ich, wir wissen beide, dass du das nicht tun kannst. Du kannst es einfach nicht.“
Mino schwieg einige Sekunden, doch Pyra kam es wie Stunden vor. Die Kätzin wagte schon gar nicht mehr zu hoffen als sie doch noch eine Antwort bekam. „Du hast Recht. Ich kann das nicht. Aber…“ Ohne ihr eigenes Glück fassen zu können, spürte Pyra wie sich der Druck auf ihren Schwanz verminderte. Sobald sie wieder frei war, stürmte sie Hals über Kopf los und so überhörte sie Minos letzte Worte, die nur noch ein Flüstern waren. „Aber von mir war nie die Rede…“

Pyra war nur noch ein paar Schritte vom rettenden Eingangstor entfernt als sie ein wuchtiger Stoß an der Seite traf. Sie verlor den Boden unter den Füßen und knallte mit der linken Schulter hart auf den Steinboden der Halle. Noch bevor die Kätzin wusste was passiert war und entsprechend reagieren konnte, tauchten bereits zwei Gesichter in ihrem Sichtfeld auf. Eines war von schlammbraunem Fell bedeckt, aus dem anderen funkelte sie das einzige verbliebene Auge bösartig an. Pyra würde diese Gesichter überall erkennen, Bister und Polyphem. Die beiden Kater hatten sich direkt vor ihr positioniert und ihr damit den Fluchtweg zur Tür abgesperrt.
Es war nahezu aussichtslos, aber ihr Überlebenstrieb zwang die Kätzin trotz dieser misslichen Lage einen Fluchtversuch zu starten. Sie wollte sich wieder hochstemmen, doch ein stechender Schmerz durchzuckte ihre Schulter und grelle Blitze tauchten vor ihren Augen auf. Als Pyra ihr Gewicht auf die linke Vorderpfote verlagerte und die erste Schmerzwelle langsam abklang, wurde auch ihre Sicht wieder klarer. Dennoch musste sich die Kätzin zwingen für ihr eigenes Schicksal nicht schwarz zu sehen.
‚Es wird passieren, ob’s dir nun passt oder nicht.’ Das waren Minos Worte gewesen.
Mino! Von einer Hoffnung gepackt, die sie selbst nicht ganz verstand, sah sich Pyra Hilfe suchend um. Doch da war niemand; bloß sie, die beiden Kater und eine leere Lagerhalle ohne jegliche Zeugen. Hatte sich die Kätzin das vorhergegangene Gespräch etwa nur eingebildet? Es zusammenfantasiert? Wenn ja, warum war sie dann überhaupt hier? Das alles ergab überhaupt keinen Sinn…

„Stirnrunzeln hilft auch nichts, dadurch siehst du sogar noch dämlicher aus als du das ohnehin tust.“ Pyra brauchte einen Moment bis ihr klar wurde, dass diese Worte an sie gerichtet waren und noch einmal länger bis sie Bister als Urheber dieser Worte identifizieren konnte. Doch er war noch gar nicht fertig. „Weißt du… wir haben sehr lange auf diesen Moment gewartet. Du hattest Glück. Sehr viel mehr als einer Verräterin wie dir zusteht, doch damit ist nun Schluss. Ein für alle mal. Der Tag der Abrechung ist gekommen und damit dein letzter.“
Pyra wusste nicht wie sie darauf antworten sollte, doch irgendetwas musste sie sagen. „Warum? Warum tut ihr das? Was hab ich euch denn getan?“
„Warum?“, erwiderte Bister. „Die Frage ist wohl eher warum nicht. DU bist der Organisation in den Rücken gefallen. DU hast den einzigen Grund aus dem du überhaupt noch lebst mit Füßen getreten und vor allem bist DU schuld, dass dieses kleine schwarze Mistvieh mich fast in Brandt gesetzt hat!“ Der Kater redete sich immer mehr in Rage. „Und deshalb-“
„Das reicht jetzt“, mischte sich Polyphem ein. „Genug Worte, es wird Zeit für Taten.“
Pyra wurde schlagartig übel und ein Anfall von Schwindel sorgte dafür, dass ihre Sicht wieder verschwamm. Doch weder das eine noch das andere konnte sie sich jetzt leisten. Die Kätzin nahm all ihre Kraft zusammen, täuschte ein Ausbrechen nach links von und sprang dann schnell nach rechts. Ihre Schulter protestierte schmerzhaft, aber sie ignorierte es und rannte einfach weiter. Für sie fühlte es sich an als wäre sie ewig gelaufen, tatsächlich kam sie nur ein paar Schritte weit.
Wieder traf sie ein Schlag – diesmal an der Flanke – und sorgte dafür, dass sie sich ein paar Mal überschlug bevor sie schließlich keuchend am Rücken zum Liegen kam.

Gerade als sie sich wieder aufrichten wollte, wurde sie mit dem gesamten Körpergewicht eines ausgewachsenen Katers zu Boden gedrückt. Bister sah schadenfroh grinsend auf sie hinab und ergriff erneut das Wort. „Na los, sag es.“
Pyra wusste genau wonach er verlangte, doch noch war sie nicht verzweifelt genug um sich gefügig zu zeigen. Sie versuchte sich mit aller Kraft unter Bisters Pfoten herauszuwinden und schlug dabei mit ihrem Schwanz gegen eines von Polyphems Vorderbeine. Dieser hatte sich bis jetzt noch nicht am Geschehen beteiligt, doch nun schien er das ändern zu wollen. Gemächlich hob er eine Pfote und ließ sie wie zufällig genau in dem Moment zu Boden knallen als Pyras Schwanz sich darunter befand. Der erste Schmerz kam schnell und unerwartet stark, doch schon im nächsten Moment sollte sich Pyra dieses Gefühl wieder zurückwünschen.
Polyphem drückte Pyras Schwanz auf halber Länge zu Boden und packte mit der anderen Pfote die Spitze. Pyra konnte so sehr sie sich auch wehre nichts ausrichten und musste hilflos geschehen lassen, dass der Kater ihre Schwanzspitze zum Ansatz führte und dort fixierte. Sie konnte sich nicht erklären was er damit bezwecken wollte, aber Polyphems Worte brachten ihr eine schreckliche Ahnung. „Weißt du, Bister, ich habe mich schon immer gefragt ob brechende Schwanzwirbel anders klingen als Rippen oder ein Beinknochen.“
Bister machte sich gar nicht erst die Mühe seinen unversöhnlichen Blick von Pyra abzuwenden, als er antwortete. „Probieren geht über studieren, probieren geht über studieren…“

„NEIN!“
Polyphem schien auf diesen verzweifelten Einspruch Pyras gewartet zu haben, denn genau in dem Moment als er die Panik in ihrer Stimme hörte, ließ er seine zweite Pfote gnadenlos auf ihren noch immer im Bogen gespannten Schwanz hinunterschnellen. Die einzelnen Wirbel gaben ein scheußlich knirschendes Geräusch von sich, als sie aneinander rieben und aus ihrer angestammten Stellung sprangen, doch davon war kaum etwas zu hören. Pyras Schreie übertönten alles andere. Mit den durch die Schmerzen mobilisierten Kräften hätte sie es beinahe geschafft Bister von sich zu stoßen, doch der schaffte es im letzten Augenblick sein Gleichgewicht wieder zu finden und sie weiterhin zu Boden zu drücken. Die Freude über Pyras Hilflosigkeit war ihm ins Gesicht geschrieben. „Und? Bist du jetzt ein braves Kätzchen und sagst was ich hören will?“
Ja. Pyra wollte zustimmen, wollte nur noch dass das alles ein Ende fand, doch aus Schmerz, Verwirrtheit und vielleicht auch einem letzten Rest Widerstand heraus, schüttelte sie wimmernd den Kopf.
„Gut…“ In Polyphems Stimme lag Freude als er von Pyras im unnatürlichen Winkel daliegenden und nutzlos gewordenen Schwanz abließ und sich zu ihren Kopf begab. „Weißt du was ich auch schon immer mal wissen wollte, Bister? Warum man von rotem Katzenfell spricht. Manche von ihnen haben eher braunes Fell, andere fast schon oranges, aber wirklich rot ist es bei keiner. Meinst du nicht, dass es zumindest eine wirklich rote Katze geben sollte um den Begriff rechtfertigen zu können?“
„Interessanter Gedanke…“ Der braune Kater wartete einen Moment ehe er mit gespielter Ratlosigkeit weitersprach. „Nur… wo sollen wir rote Farbe herbekommen?“
„Och…“ Da er in einem ungünstigen Winkel zu ihr Stand, konnte Pyra Polyphem kaum sehen, aber sie konnte ihn umso besser hören als seine ausgefahrenen Krallen dicht neben ihrem Gesicht auftauchten. „Ich hätte da eine Idee, wäre einen Versuch wert…“

„Nein…“ Pyra schaffte es ein paar Zentimeter auszuweichen, doch als Polyphem sie an einem Ohr packte und ihren Kopf zur Seite hin überstreckte, war sie ihm hilflos ausgeliefert. Sie spürte die Krallen des Katers an ihrer Wange. Erst nur leicht kratzend, dann immer stärker und schließlich zog Polyphem seine Pfote zurück, nur um gleich darauf mit voller Wucht auf Pyra einzuschlagen.
Die Kätzin spürte wie ihre Haut aufgerissen wurde und im nächsten Moment warmes Blut aus den Wunden sickerte. Im Vergleich zu den Schmerzen, die sie noch immer durch die vorhergegangenen Angriffe hatte, waren diese geradezu vernachlässigbar, doch Schmerz war bei dieser Aktion nicht das primäre Ziel des Katers gewesen. Er wollte sie demütigen.
Fast schon umsichtig führ Polyphem mit der weichen Trittfläche seiner Pfote über Pyras Wange und wischte das feuchte Blut in das weiße Fell rund um ihre Nase. Es verfärbte sich augenblicklich und der Kater grinste zufrieden. „Siehst du, das nenn ich rotes Fell.“
„Faszinierend…“ Bister schien an der gesamten Situation mindestens genauso viel Freude zu haben wie Polyphem. „Das muss ich auch versuchen.“
Noch bevor der Inhalt dieser Worte bis zu Pyra durchgesickert war und sie die nun ausgefahrenen Krallen an ihrer Brust bewusst registrierte, legte Bister bereits seine volle Kraft in die Vorderpfoten und zog sie mit einem kräftigen Ruck über den gesamten Torso der Kätzin.
Diesmal schrie Pyra wieder, doch es war nur ein erstickter Laut, denn in ihr war nicht mehr viel verblieben das sich bemerkbar machen konnte. Eigentlich reichte es nur noch für ein Wort. „Bitte…“

„Was hast du gesagt?“ Beide Kater hatten sich zu Pyra hinabgebeugt, doch nur Bister sprach. „Ich habe dich nicht richtig verstanden, sag das doch noch einmal.“
„Bitte…“, wiederholte Pyra und ekelte sich vor ihren eigenen Worten. „Bitte nicht..“
„Sehr brav, sehr brav. Warum denn nicht gleich so? Da freut man sich doch!“ Während der letzten Worte Bisters musste Pyra kurz stutzen, denn Bister nahm nicht nur das Gewicht von seinen Vorderpfoten, er hob sie sogar für einen Moment ganz von Pyras Brust – nur um sie gleich darauf mit voller Wucht wieder auf sie hinabzustoßen.
Pyra spürte ihre Rippen brechen – hörte diesmal sogar das Knacken – doch zum Aufschreien kam sie kaum noch. Sie spürte einen stechenden Schmerz irgendwo tief in sich und schon im nächsten Moment rang sie nach Luft. Sie musste zwangsläufig an jenen Tag zurückdenken als sie in einen reißenden Fluss gefallen und unter Wasser gezogen worden war. Jetzt war sie zwar an Land, aber es fühlte sich genauso an wie damals als sich ihre Lungen mit Wasser gefüllt hatten und sie zu ersticken drohte. Damals hatte sie es mit mehr Glück als Verstand geschafft sich an Land zu retten und die heiß ersehnten Atemzüge zu tun, aber heute hier und jetzt hatte sie das Glück verlassen.
Sie verkrampfte sich im verzweifelten Versuchen zu atmen und ihre Gliedmaßen begannen unkontrolliert zu zucken als immer mehr Blut in ihre Lunge sickerte. Das Letzte woran Pyra dachte war, dass nun alles ein Ende fand.
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