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Day of Revelation

von Syandria
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Kagome OC (Own Character) Rin Sesshoumaru
27.10.2013
24.11.2020
14
86.497
16
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34 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
27.10.2013 2.125
 
Vorwort: Hallo an alle Verirrten! Ich freue mich euch zu meinem Neuzeit-Projekt begrüßen zu dürfen und hoffe natürlich damit unterhalten zu können. Die Geschichte wurde 2013 begonnen und lag dann lange auf Eis, wie meine gesamte FF-Aktivität. Seit Frühjahr 2020 weiß ich es wieder wie unfassbar befriedigend es ist Sesshoumaru auf den Sack zu gehen und tjoa - here I am.

Postingrhythmus: Alle zwei bis drei Wochen - so der Plan.

Pairing: Nicht das wonach es aussieht - hoffe ich :)

Viel Spaß! ♥  
(Wenn ihr es für den größten Mist haltet, den ihr je lesen musstet - lasst mir was da ;)
Und in allen anderen Fällen natürlich auch :P)


~*~




Tokyo 2006 – hier läuft einiges nicht ganz nach Vorstellung. Die Menschen - voller Angst. Die Youkai – voller Hass. Kagome befindet sich zur falschen Zeit am richtigen Ort und Sesshoumaru zur richtigen Zeit in der falschen Position. Das Land – im Krieg. Die künftige Fürstin des Westens sieht sich in der richtigen Position, aber definitiv am falschen Ort. Und zu allem Überfluss sind Youkai nicht kugelsicher.




~*~



Day of Revelation


- Zeit -


Die Zeit liegt immer vor uns.


(finnisches Sprichwort)








Japan, Tokyo -2006:



Das Geräusch eines vorbeifahrenden Lastwagens, gedämpft durch die Entfernung und die Holzwände, aber dennoch deutlich zu vernehmen, beendete Kagomes Traum ungewöhnlich unsanft.

In dem schummrigen Zustand vor dem vollständigen Erwachen konnte man vielleicht wahrnehmen, dass etwas nicht stimmte, doch der Geist war zu träge, um zwischen Traum und Wirklichkeit eine klare Linie zu ziehen. Daher drehte Kagome sich auch nur etwas umständlich zur Seite und zog die Knie an, um ihre kalten Füße irgendwie an die eigenen Schenkel zu pressen – wo war denn ihre Decke?

Schlaftrunken grummelte sie den Namen ihres Ehemannes, schickte einen ebenso unverständliches Knurren hinterher, ehe sie mit Nachdruck, jedoch mit weiterhin fest geschlossenen Augen, nuschelnd nach ihrer Decke verlangte. Natürlich geschah daraufhin nichts, was wiederum die Miko dazu brachte, sich erneut herumzuwälzen, schlaftrunken und mit der festen Absicht, sich die nötige Wärme einfach bei Inu Yasha selbst zu holen, wenn er schon nicht hören wollte!

Doch gegen was sie rollte, war sehr massiv und hatte recht wenig mit der weichen Haarpracht ihres Halbdämons gemein. Ihr erwachender Verstand registrierte am Rande die Härte ihrer Matte, dann dass unter ihr eigentlich keine Matte lag und letztlich, dass sie sich eben fast schon aufreizend gegen einen Bretterverschlag drückte.

Sie riss die Augen auf, plötzlich in jahrelang antrainierter Vorsicht hellwach, schnellte nach oben und stieß sich dabei den Kopf an der hervorstehenden Kante des fraglichen Bretterverschlags. Das war dann der Moment, der ihr deutlich zu verstehen gab, wie es um den restlichen Tag stand.

Schlecht. Einfach nur sehr, sehr schlecht.



Sie rieb sich die Stirn, während sie blinzend einen Blick umherwarf. Holzdach. Holzwände. Nur viel kleiner und schäbiger, als es sein sollte. Die Luft roch modrig und abgestanden, das Holz unter ihren Fingern war feucht.

Durch kleine Spalten zwischen den einzelnen Brettern des Schreins drang warmes Sonnenlicht ein, was ihr letztlich erlaubte genaueres zu erkennen. Schwerfällig und hochgradig verwirrt hievte sich die Miko hoch, nur um im nächsten Moment erschrocken die Luft einzuziehen.

Sie war – zu Hause!

In ihrem anderem zu Hause … jenes, welches sie seit sieben Jahren nicht mehr betreten hatte.

Mit offenstehendem Mund blickte sie auf den Knochenfressenden Brunnen neben sich. Das Holz war etwas morscher als sie es in Erinnerung hatte, doch sonst hatte sich hier nichts verändert. Als sie sich aber über den Rand beugte und einen geschulten Blick auf den trockenen Grund warf, wurde ihr warm und kalt zu gleich. Sie wusste, wann ein Sprung in die feudale Ära führte und … wann nicht. Ihre Finger schlossen sich fester um den Brunnenrand, als ein Zittern sie erfasste.

»Nein … Nein! «, murmelte sie zu sich selbst, voller Panik und Angst. War das ein böser Traum? Ihr Herz schlug wild, als sie sich in kindischer Manier selbst in den Arm kniff. Sie wachte nicht auf. Sie war wach. Sie schrie.



Ihre nackten Füße trugen sie aus dem kleinen Schrein hinaus ins Freie. Es war Spätsommer und zum Morgen fegte ein kühler Wind über den Higurashi-Schrein, ließ das erste Laub über die Steinplatten des Hofes tanzen und ein Windspiel in der ferne vergnügt erklingen. Doch Kagome schenkte dem keine Beachtung. In ihrem Yukata rannte sie zum Haus hin, hämmerte gegen die Tür, schrie nach ihrem Bruder, ihrer Mutter, ihrem Großvater. Niemand antwortete ihr.

In ihrer Verzweiflung und Angst bemerkte sie zunächst nicht, dass das Haus ohnehin offenstand. Erst als sie sich weinend und schluchzend gegen die Tür lehnte, rutschte sie mit ihr davon. Kagome rappelte sich ein zweites Mal an jenem verheißungsvollen Morgen auf, betrat das Haus ihrer Familie hastig und ohne sich genauer umzusehen, in der Erwartung an Geborgenheit und Trost.

Erst in der Küche kam sie zum schlitternd stehen, blickte sich um, ohne etwas von ihrer Umgebung wahrzunehmen. Es war niemand hier. Sie war allein.

Durch den Schleier von Tränen hindurch wurde ihr bewusst, in welchem Zustand sich ihr einstiges Heim befand. Schränke standen offen, deren Inhalt lag verteilt am Boden. Stühle waren wahllos im Raum verteilt, umgekippt und die Einrichtung teilweise in Trümmer gelegt. Türen waren aus den Angeln gerissen worden, Geschirr lag zerbrochen zu ihren Füßen – Sie trat erschrocken einen Schritt zurück, trat mit ihren nackten Füßen in eine Wasserlache, die sich durch das stetige Tropfen einer gebrochenen Leitung gebildet hatte.

Nach Luft schnappend packte die Priesterin das erste was sie finden konnte – eine Pfanne, mit lockerem Griff, die vor dem Herd am Boden lag und nur mit Fantasie als Waffe diente. Als ihr schlagartig bewusstwurde, dass an jenem Ort schon lange niemand mehr lebte. Und auch der offensichtlich stattgefundene Raubzug musste eine Weile zurück liegen. Eine dicke Staubschicht überzog alles um sie herum, ihre nassen Fußspuren zeichneten sich auf dem dreckigen Boden ab. Spinnenweben spannten sich von Ecke zu Ecke, während alles was langsam den Weg in ihr Bewusstsein fand, verkündete, dass schon lange keine Menschenseele mehr den Weg an diesen Ort gefunden hatte.

Tränen brannten in ihren Augen, ohne dass sie der Emotion einen klaren Gedanken zuordnen konnte. Da prasselten so unendlich viele Sorgen auf sie ein. Und am lauteste war jene von ihrer überfallenen, getöteten Familie. Begleitet von grauenerweckenden Vorstellungen, wie sie deren leblose Körper in den weiteren Räumen finden würde.

In ihrer heillosen Panik führte ihr erster Weg geradewegs zurück zum Brunnen. Sie war außer Atem von ihrem fluchtgleichen Sprint, schwang sich aber dennoch ohne zu zögern über den Rand und jaulte laut auf, als sie unsanft auf dem Boden aufkam.

Nichts.

Ein Blick nach oben zeigte ihr weiterhin das hölzerne Dach des kleinen Schreins. Sie taumelte zurück, drückte sich mit dem Rücken gegen den kalten Stein, der den unteren Teil des Knochenfresserbrunnens säumte und schloss die Augen. Vielmehr presste sie ihre Lider mit aller Kraft zusammen, denn wohlmöglich würde sie ja doch noch aufwachen. Es gab keinen Zweifel, dass sie sich am vergangenen Abend wie immer neben Inu Yasha schlafen gelegt hatte. Also konnte das schlichtweg nicht real sein!

Sie verharrte in absoluter Stille bis ihre Atmung wieder ruhiger wurde, zählte selbst dann noch langsam und gefasst bis hundert, ehe sie die Augen wieder öffnete.

Nichts.

Es hatte sich nichts geändert. Sie stand im Brunnen, zu ihrer Linken befand sich eine alte Strickleiter und über ihr ragte das Dach des kleinen Schreins, hell erleuchtet von der sich langsam erhebenden Septembersonne.

Alles in ihr weigerte sich den Tatsachen ins Gesicht zu sehen, geschweige denn zu glauben, dass dies wirklich geschah. Ihr kamen ein ganzer Haufen absurder Gedanken, wie es zu einer derartigen Wahnvorstellung kam – von seltsamen Dämonen, die sie mit ihren größten Ängsten konfrontieren wollten, bis hin zu einer falschen Kräutermischung für ihren abendlichen Tee. Doch egal wie bunt ihre Fantasie wurde, letztlich änderte sich nichts.

Sie fühlte sich wach, bei klarem Verstand und hatte Zugriff auf alle Erinnerungen. Einzig und allein ihre Angst war dabei sie aufzufressen.

»Inu Yasha! «, rief sie verzweifelt aus voller Kehle. Mehrmals. So laut wie sie nur konnte, bis ihre Stimme rau wurde und der Hals schmerzte. Aber auch dabei geschah nichts.

Als der Brunnen sich ein letztes Mal für sie geöffnet hatte, hatte sie ihre Entscheidung getroffen und ein Leben an der Seite des Halbdämons gewählt.

Jene Entscheidung hatte sie an keinem einzigen Tag bereut, was ihre Sorge und Angst nur noch steigern konnte. Wie kam sie zurück? Sie gehörte nicht mehr in diese Zeit!

Und genau das schrie sie auch gen Himmel, vielleicht mit der Hoffnung, dass sie Götter ihren Zorn beachten und diesen fürchterlichen Irrtum einfach wieder beheben würden.

Sie war ruhelos, schritt stampfend vor dem Brunnen auf und ab, blickte immer wieder hinein, nur um schließlich mehrmals das komplette Anwesen zu durchkämmen, auf der Suche nach irgendeinem Hinweis. Von ihrer Familie noch immer keine Spur. Das Ausmaß der Verwüstung beachtete sie dabei nicht sonderlich. Ihr Weg führte sie in ihr einstiges Zimmer, in der Hoffnung dort etwas Vertrautes vorzufinden, doch im Grunde sah es dort nicht anders oder gar besser aus, als im restlichen Haus. Ihre Habseligkeiten waren nicht vorzufinden, ebenso wenig Kleidung oder auch nur ihr Lieblingskissen. Entweder waren diese Einbrecher verdammt gründlich oder jemand hatte vorher schon das wichtigste eingepackt. Aber was war geschehen?

Um genau zu sein wusste sie nicht einmal sicher um welches Jahr es sich handelte, geschweige denn welcher Tag war. Sieben, gar acht Jahre hatte sie fernab von derartigen Richtlinien ihr Leben gelebt und jetzt – wie kam sie zurück? Wie war sie hierhergekommen? Und wieso war ihr der Weg wieder verwehrt? Eine Strafe? Hatte sie es doch nicht verdient an Inu Yashas Seite zu leben? Und wenn ja: Wer maß sich an, darüber zu entscheiden?

Sie wusste nicht was es zu tun galt.

Letztlich wieder beim Brunnen, blickte sie in dessen leere Dunkelheit. Sie rief nach ihren Freunden, wieder nach ihrem Gefährten, bis sie sich am Ende selbst dumm und verrückt vorkam. Es war sicherlich schon Mittag, als sie sich selbst beschwor tief durchzuatmen und sich einen Plan zurechtzulegen.

Es ergab in ihren Augen keinen Sinn, sie sehnte sich nach Erklärungen und fühlte sich so unfassbar hilflos wie schon lange nichts mehr. Ihr Herz klopfte aufgeregt, als sie ohne große Gedanken daran, was man von ihr denken könnte, wenn man sie in ihrer mittelalterlichen Kleidung sehen würde, über die lange Treppe den Schrein verließ, um in der Stadt nach Hilfe und wohlmöglich einigen Antworten zu suchen.

Die Hand mit der sie den Stoff vor ihrer Brust zusammenhielt, zitterte als sie auf dem Bürgersteig stand und die verlassenden Straßen Tokyos betrachtete. Zur Mittagszeit. Diese Straßen waren niemals verlassen.  

Es war so erdrückend still und leergefegt wie schon der Schrein. Als würde sich der grauenhafte Albtraum der letzten Stunden einfach auf die Stadt erstrecken und immer größer werden, mit jedem Schritt den sie weiterging.

Ihre Füße trugen sie über den kalten Gehweg, mehrere Minuten lang joggte sie einfach den bekannten Pfad entlang, welchen sie schon so oft in ihrem Leben gegangen war. Immer in Richtung des Stadtzentrums, welches sie in diesem Tempo vielleicht in ein oder zwei Stunden erreichen würde. Ihr Herz wollte vor Erleichterung einen Sprung machen, als sie die ersten Wagen fahren sah. Da waren noch andere Menschen! Sogar ein Bus zog bald darauf an ihr vorbei, doch im Vergleich zu dem Tokyo wie sie es kannte, war dies das traurige Bild einer toten Stadt.

Sie war die einzige Fußgängerin weit und breit.

Ein Blick zu den hohen Häusern zeigte, dass viele Wohnungen leer standen, Fenster eingeschlagen und ganze Hauszeilen verwüstet waren.

Kagome fröstelte es, wobei sie sich nicht sicher war, ob dies nur von dem kühlen Wind hervorgerufen wurde. Sie erkannte ihre Welt nicht wieder, musste sich zu allem Überfluss auch eine gewisse Furcht eingestehen.

Sie instinktiv wich zurück, als ihre nackten Zehen die ersten Ausläufer eines ganzen Scherbenhaufens berührten.

Es gehörte nicht viel dazu, sich nun zusammenzureimen, dass es etwas ganz und gar nicht stimmen konnte.

Das etwas geschehen war.

Und wenn dies die zu erwartende Zukunft war, so wusste Kagome, dass sie ohne jeden Zweifel in die Vergangenheit gehörte.  

Ihr Herz setzte einen Schlag aus, als sie die so schrecklich bekannte Aura des Dunklen und Unreinen spüren konnte. Nicht in der Nähe und doch auf eine grausame Weise so gegenwärtig, als stünde sie mitten in einem Nest von Wurmyoukai. Ein Zittern erfüllte sie, ließ sie sich hektisch umblicken, ehe sie mit Schrecken erkannte, dass die dunkle Energie aus allen Richtungen zu ihr drang, ja, wie ein Schleier über der Stadt hing, als wolle sie einzig und allein kommendes Unheil verkünden.

Egal wohin sie blickte – Youki.

Es ließ das Reiki in ihrem Blut kochen und ihre Fingerspitzen kribbeln. Sie kannte das Gefühl der sich nähernden Gefahr, wenn auch nicht aus dieser Zeit.

Und sie war unbewaffnet.

Die Miko rannte.





Na, ein bisschen Drama gefällig? ;)
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