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Der Rabenkönig

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Sci-Fi / P12 / Gen
Ayase Shinomiya Inori Yuzuriha Shu Ouma Souta Tamadate Tsugumi Yahiro Samukawa
25.10.2013
25.10.2013
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1.871
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25.10.2013 1.871
 
„Hör mal, in dieser Welt gibt es ganz viel Glück, oder nicht?

Irgendwann einmal, wenn wir zusammen sind …“



„Shu.“

Mein Herz setzte für einen Moment aus, als ich ihre Stimme hörte. Unweigerlich zuckte ich zusammen.

„Shu…“

Auf der anderen Seite des Raumes zeichneten sich langsam Umrisse einer Gestalt ab, die sich stolpernd in meine Richtung bewegte. Als sie aus dem Schatten hervortrat und das fahle Mondlicht auf sie viel, würgte es mir die Luft ab. Die Gestalt … war niemand anderes als Inori – über und über bedeckt mit Karzinoma, so konnte sie nicht einmal mehr aufrecht gehen.

Mein Herz, das gerade noch so langsam geschlagen hatte, raste jetzt in einem unregelmäßigen Takt. Und mein Atem war eine Art röcheln. Sie so zu sehen… war wie ein Schlag mitten ins Gesicht – Nein.

Noch viel schlimmer. Nicht einmal meinen Arm zu verlieren tat so weh, wie sie anzusehen.

Meine Schuld.

Alles…

Das alles ist meine Schuld.

Die Erkenntnis machte mich ganz schwindlig und es fühlte sich an, als sei ich in einem Traum gefangen. Das alles hier… fühlte sich so unecht und irgendwie falsch an. Hatte ich gerade wirklich gegen Gai gekämpft? Und hatte ich ihn wirklich … umgebracht?

Meine Gedanken überschlugen sich und so viele Gefühle stiegen in mir auf, dass ich es nicht mal schaffte ein einziges davon festzuhalten. Ich wollte zu ihr eilen, doch meine Füße waren wie mit Wurzeln an den glatten Boden gefesselt. Ich wollte ihren Namen sagen, aber dazu fehlte mir der Atem.  

„Mach dir keine Vorwürfe.“, flüsterte sie leise.

Ihre Stimme klang so traumhaft schön. So sanft und zart; wie ein Engel. Ich schloss die Augen, um nicht gleich los schreien zu müssen. Mein Herz und selbst mein Void fühlten sich mit einem Mal so scheußlich schwer an, dass ich beinahe mein Gelichgewicht unter ihrer Last verlor.  

„Ich habe von dir ganz viele Gefühle gelernt. Ich habe alles dir zu verdanken.“, fuhr sie fort.

Und immer noch konnte ich kein einziges Wort herausbringen, während Inoris Worte sich immer tiefer in mir einbrannten. Alles an mir schrie danach sie in die Arme zunehmen und nie, nie, nie, niemals wieder loszulassen.

Und gleichzeitig… gleichzeitig fragte ich mich, ob sie überhaupt wusste wie viel ich ihr verdankte. Ob sie überhaupt wusste, was ich alles durch sie gelernt hatte. Wie sie mein Herz zum besseren gewandelt hatte. Wie sie aus dem so auf sich selbst fixierten unfähigen Shu Ouma, denjenigen gemacht hatte, der jetzt hier gemeinsam mit ihr am Ende stand – unserem Ende, welches die Existenz der Menschheit sicheren würde.

Sie hat mir so viele verschiedene Seiten an mir gezeigt, die ich ohne sie nie hätte finden können. Von der finstersten Nacht bis hin zum grellen Licht eines Sterns hatte ich alles durch ihre Hilfe neu in mir entdecken können.

„Sag, Shu …“ – sie kam langsam Stück für Stück immer näher. Und umso weiter sie kam, desto deutlicher wurde ihre Gestalt. Jetzt erkannte ich ihre klaren, mit einer unheimlichen Wärme erfüllten, Augen. Von der Art her wie sie funkelten konnte ich ablesen, dass sie kurz davor stand zu weinen. Ihre langen Haare waren jetzt offen, hingen schlaff herunter und schwankten mit jedem ihrer schweren Schritte in der kühlen Nachtluft. Mein Herz setzte einen Moment lang aus; Mir wurde davon so schlecht. Das ganze Karzinoma an ihr machte sie nur noch zerbrechlicher als sie es eh schon war.

Unwillkürlich kamen mir Soutas Worte wieder in den Sinn, welche er vor langer, vor so, so, langer Zeit sagte. „Findest du nicht, dass Inori-chan aussieht wie eine Puppe?“ Und alles was ich Trottel darauf geantwortet hatte war: „Ja, man könnte auch sagen, dass sie irgendwie animiert aussieht.“ Darauf hatte Souta mich einen Idioten genannt. Zurecht, denn Inori ist lebendig. Sie hat in diesen herzlosen Zeiten an meiner Seite leben dürfen und mir gezeigt wie viel Glück diese hoffnungslose Welt doch noch enthielt. Und wie viel Liebe.

Aber jetzt war es vorbei.

Jetzt würde alles sein Ende finden. Genau hier, in dem langsam zerfallenden Genom-Kristall-Rahmen.

„Wo bist du?“, beendete sie zögerlich ihren Satz.

Erschrocken riss ich meine bebenden Augenlider auseinander, uns trennten nur noch ein paar Schritte voneinander und dennoch fragte sie. Konnte Inori mich … denn nicht sehen? Ich war ihr doch so nah. Hätte ich meine Hände nach ihr ausgestreckt, hätte ich sie ohne Probleme an mich heran ziehen können – wenn ich nicht so stocksteif da gestanden hätte.

Jetzt nur noch ein Schritt und Inori würde direkt vor mir stehen. Ich atmete tief ein und sie fiel mir stolpernd in die Arme. Ich musste schlucken, als sich die harten Kristalle des Apokalypse-Virus an ihrem Körper gegen den meinen drückten.

Reflexartig griff ich nach ihrer Hand und Inori zuckte überrascht zusammen.

„Shu.“, hauchte sie. Ihr Atem ging unkontrolliert, der Weg zu mir musste für sie grässlich anstrengend gewesen sein. Doch ihre Worte klangen trotzdem so weich und vorsichtig wie immer. Ich brachte ein schwaches Lächeln zustande.

„Shu, bleib immer bei mir, ja?“

Ich glaube, dass ich Inori darauf hätte antworten sollen, aber mir war das alles immer noch viel zu viel. Mein Puls spielte verrückt und ich spürte nun ganz deutlich auch das Pulsieren von den Voids der anderen, die sie mir für den Kampf geliehen hatten.

„Denn ich bin immer auf deiner Seite. Ja?“, fügte sie nach einer Pause hinzu. Ich nickte kaum merklich. Ihre Worte und ihre Nähe, die ich schon so oft hatte spüren dürfen, erfüllten mich mit einer unglaublichen Wärme und gaben mir die Kraft dazu nun doch endlich zu antworten.

„Inori…“, war das Erste, was ich herausbrachte.

„Gehen wir gemeinsam.“, das Zweite. Meine Worte klangen entschlossen, doch eine gewisse Trauer schwang in ihnen. Das war nur okay. Mein altes Ich lebte scheinbar auch noch in mir.

Als ich jedoch spürte wie Inori leicht nickte, wandelte sich meine Trauer in Glück – das war etwas, das nur sie konnte und etwas, das ich so an ihr bewunderte. Jetzt, hier, gemeinsam mit ihr zusammen, zu sterben war nun meine letzte Pflicht als „König“. Mein letzter Wunsch.

Und damit würde ich all die anderen dort draußen gleichzeitig retten.  

Ich ließ ein paar Sekunden verstreichen ehe ich schließlich meinen rechten Arm zum Himmel hinauf streckte. Es ist an der Zeit, ließ ich durch meinen Kopf hallen und mein Void reagierte augenblicklich.

Es trat seinen letzten Dienst an und rief nach all den anderen Voids dort draußen. Nach all den Herzen der unterschiedlichsten Menschen.

Behutsam flossen sie in mich hinein und ich konnte so viele verschiedene Takte von Herzschlägen fremder Menschen fühlen. Ihre Gefühle spüren. Ihre Erinnerungen, ihr Leid, ihre Liebe sehen – fast ergreifen. Selbst die, die mich hassten, waren von Jemanden aufrichtig geliebt worden. Aber jetzt wurden sie alle zu einem Teil von mir, sogar all diejenigen, die ich nie getroffen hatte und die vielleicht nicht einmal meine Sprache beherrschten.

Karzinoma begann an mir und Inori empor zu steigen.

Es war angenehm kühl und fühlte sich nicht wirklich nach dem Tod, sondern einfach nur noch nach Erlösung an. Inori und ich würden gleich frei sein – nicht mehr an irgendwelches Schicksal gebunden.  

Es dauerte nicht lange, bis es uns ganz bedeckte und als es kurz vor meinen Augen war, warf ich einen letzten Blick auf Inori, die ich trotz all der Kristalle an uns immer noch fest gegen mich presste, bevor ich sie endgültig schloss.  

Dann, ganz ohne Vorwarnung, erloschen plötzlich all die Herzschläge um uns herum und die Ströme von Erinnerungen mit den daran gebunden Gefühlen rissen abrupt ab. Eine angenehme Stille breitete sich aus. Ich zögerte einen Moment damit meine Augen zu öffnen. Ich hatte vor dem, was mich erwartete, Angst.

War ich jetzt wirklich tot? Und wenn ja, werde ich mich gleich irgendwo allein wiederfinden? Oder war Inori immer noch bei mir?

Nach einem tiefen Atemzug öffnete ich die Augen wieder. Der weiße Raum den ich vorfand, war mir keineswegs unbekannt. Schließlich hatte hier alles seinen Anfang gefunden. Hier war der Ort an dem ich ausversehen „die Macht des Königs“ erlangt hatte. Diese grässliche Macht, die mich so sehr hatte leiden lassen und mich beinahe dazu gebracht hatte mich selbst zu verlieren. Hier hatte ich auch zum ersten Mal Inoris Void extrahiert, welches uns damals vor den Endlaves rettete. Verrückt, das alles fühlte sich schon an, als sei es ewig her… dabei war noch nicht mal ein ganzes Jahr vergangen. Würde ich also die Zeit um exakt ein Jahr zurückdrehen können, wäre da wieder mein altes, unberührtes Ich – der „hoffnungslose Fall“.  

Ich fragte mich, was ich hier verloren hatte.

Warum um alles in der Welt kehrte ich wieder zum Anfangspunkt zurück?

Als ich einen knappen Meter von mir entfernt Inori entdeckte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Lächelnd und mit einem ihrer Fadenspiele an den Händen stand sie vor mir. Sie wirkte so wunderbar gelassen und friedlich. Jetzt war alles in Ordnung.

„Inori.“, sagte ich, beruhigt sie an meiner Seite wiederzufinden.

Lächelnd streckte sie mir ihre Arme entgegen. „Nimm es, Shu.“

Ohne lange nachzudenken nahm ich ihr den Faden ab. Ganz ohne Zögern. Ohne Angst vor möglichen Folgen. Der Feigling vom Anfang gehörte der Vergangenheit an.

Das Lächeln auf Inoris Gesicht wurde noch herzlicher, als es eh schon war und dann bewegte sie sich langsam rückwärts – weg von mir. Erschrocken registrierte ich es, doch je schneller ich ihr nachlief, desto schneller wurde sie von mir fortgerissen. Ja, es war keine Bewegung die sie selbst durchführte, es war mehr eine unsichtbare Kraft, die Inori mit sich zog. Nichts Greifbares. Unser Schicksal?

„Inori!“, schrie ich ihr nach als sie schon so gut wie in den Tiefen des weißen Raumes verschwunden war. Ich hoffte, dass die Verzweiflung, die in meiner Stimme mitschwang, von irgendjemanden gehört wurde… von irgendjemanden, der noch genug Kraft dafür hätte diesen Vorgang aufzuhalten. Sie zurückzuholen. Doch da war niemand außer mir.

In meiner Verzweiflung rannte ich ihr immer weiter hinterher – solange bis plötzlich Barrieren vor mir aus dem Boden stießen, mich zurückhielten. Verdammt.

Das Letzte, was ich von ihr hatte sehen können, war das zufriedene und trotzdem traurige Lächeln auf ihren Lippen.

Dann zerfiel der Raum und mit ihm die Barrieren vor mir; das Karzinoma, das meinen Körper komplett bedeckt hatte, zersprang.

Damit war ich frei. Lebendig. Hatte meinen „Opfertod“ überlebt.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mich in diesem Moment nicht zumindest ein klein wenig erleichtert gefühlt habe. Vor Glück wollte ich Inori sogar noch fester an mich pressen – doch ich erfasste nur Luft; Da war niemand mehr in meinen Armen.


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Hallööchen!

Freut mich, dass ihr euch hierher verirrt habt ^^

Ich wollte ehrlich gesagt schon verdammt lange mal eine GC FF schreiben, aber … najaaah ich hab‘ ich einfach nicht so wirklich getraut. Eben weil ich dieses Anime sooo sehr liebe & irgendwie Angst habe seinen Zauber dadurch zu zerstören ._.‘  

Also, wenn ich das wirklich tue – dann bitte ich euch darum es mir mitzuteilen, ja? Denn… wenn ich anderen auch noch den Spaß an ihm nehme, würde mir das echt leidtun. /:

Nun, ich hoffe das Kapitel ist okay & sollte es euch gefallen; gegen eine Review hab‘ ich nichts einzuwenden (gilt natürlich auch wenn es euch nicht gefällt – Kritik ist immer gut)  ^.~

Ich wünsch euch allen ein schönes Wochenende & gaaanz liebe Grüße,

Jessy (:
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