Oh, what a week…

von - Leela -
GeschichteAllgemein / P12
Eddie Futura GB Jake Jessica Tracy
21.10.2013
03.11.2013
7
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Dies ist das zweite Werk für das Projekt »Sieben Tage, eine Woche«.


Vorgabe: Montag – Dunkelheit


Es wurde bereits schummrig, als Jake und Eddy sich auf den Heimweg machten. Sie hatten den Tag genutzt und ihre Väter besucht – ein Besuch, von dem beide dachten, daß er einmal wieder überfällig gewesen war, und Jack und Spenser hatten sich unheimlich gefreut, und wieder viele spannende Geschichten aus der Zeit erzählt, als sie noch die Firma inne hatten. Die Jungs wunderten sich immer wieder auf’s neue, daß es immer noch Geschichten zu geben schien, die sie noch nicht kannten. Und wieder war es später geworden, als eigentlich vorgesehen – viel später!
      „Oh Mann!“ meinte Eddy während der Fahrt. „Als die beiden von dem Auftrag mit dem »Maltese Monkey« erzählt haben, hätte Tracy dabei sein müssen!“
      „Tracy war dabei!“ warf Jake ein.
      Eddy stutzte, schaltete dann aber und erklärte nachdrücklich: „Ich meine nicht bei dem Auftrag damals! Ich meine eben, als wir uns unterhalten haben!“
      „Wieso? Tracy kennt die Geschichte doch!“ erwiderte Jake.
      „Auch wieder wahr!“ bemerkte Eddy. „Aber er hätte die Geschichte bestimmt noch ergänzen können!“ setzte er enthusiastisch nach.
      Jake atmete durch. Wurde Eddy eigentlich nie müde? Er selbst hatte mittlerweile jedenfalls schon Probleme, die Augen offenzuhalten.
      „Auf jeden Fall hätte es mehr Spaß gemacht!“ war Eddy sicher. „Immerhin gehörte Tracy zum Team dazu und…“
      „Eddy…“ begann Jake mit zusammengebissenen Zähnen.
      Eddy hielt argwöhnisch inne, da er schon ahnte, was jetzt kam. Es wäre nicht das erste Mal, daß er Jake mit seiner übersprudelnden Art in den Wahnsinn trieb, aber manchmal konnte er einfach nicht anders. Nunja, er würde sich zusammenreißen. „Ja?“
      „Kannst du mir einen Gefallen tun, und das letzte Stück fahren?“ fragte Jake inständig.
      Eddy stockte verblüfft. Damit hatte er nun gar nicht gerechnet. „Äh… Ja, klar!“
      Dankbar bremste Jake das Ghostbuggy ab, damit sie wechseln konnten. „Danke.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Tut mir leid, aber ich bin hundemüde, und mit der Dunkelheit zusammen… Ich habe manchmal das Gefühl, ich sehe die Straße schon nicht mehr.“
      „Ist doch gar kein Thema.“ warf Eddy nun völlig neu konditioniert ein, während er auf die Fahrerseite ging. „Ich fahre ja auch gerne, das weißt du ja.“
      „Ja, aber ich kann mir vorstellen, daß du auch ziemlich müde sein mußt.“ meinte Jake entschuldigend.
      „Och, das geht schon!“ meinte Eddy. „Wenn ich erst mal hinter dem Steuer sitze, bin ich meistens automatisch hellwach. Außerdem bin ich gerade noch viel zu aufgedreht.“
      „Das hoffe ich!“ schaltete sich nun GB ein. „Ich habe kein Interesse daran, daß mich einer von euch Jungs in den Graben setzt! Schon gar nicht in dieser merkwürdigen Finsternis hier!“
      Eddy konnte sich nicht helfen, es klang, als wenn GB sich fürchten würde. Wenn er ehrlich war, konnte er es aber sogar verstehen. Sie waren gerade bei einem dunklen Waldstück angelangt, durch das eine einsame Straße führte, und die Bäume schienen das dumpfe Licht, das noch herrschte, noch mehr zu schlucken. Warum nur hatte Jake sich ausgerechnet diesen Ort zum wechseln aussuchen müssen?
      Jake schien das alles nicht einmal mehr richtig zu bemerken, als er sich auf die Beifahrerseite setzte, und es sich halbwegs gemütlich machte zum Schlafen.
      Etwas beklommen versuchte Eddy, dieses plötzliche unheimliche Gefühl abzuschütteln und startete das Ghostbuggy. „Okay, laß uns zusehen, daß wir hier wieder rauskommen.“ murmelte er, mehr für sich selbst, und auf einmal war seine ganze Euphorie und Redelust verschwunden, was nichts damit zu tun hatte, daß Jake bereits langsam in’s Traumland entschlummerte.
      Gemächlich fuhren sie weiter, nicht zu schnell, da auch Eddy Probleme hatte die Straße zu sehen – und das war bei ihm nicht dem Umstand geschuldet, daß er übermüdet war. „Die hätten hier gerne ein paar Straßenlaternen anbringen können!“ bemerkte er nervös, als er in den dunklen Tunnel fuhr, der sich optisch vor ihnen auftat.
      „Schlag das mal beim Stadtamt vor!“ stimmte GB zu.
      Sie waren ein Stück gefahren, auf dem Eddy sich immer wieder genau umsah, und nur wenig später sahen sie vor sich Dunkelheit, und hinter sich ebenfalls. Irgendwann konnte Eddy nicht mehr anders. „J-j-jake…?“
      Als sein Partner nicht reagierte, stupfte er ihn an, und Jake fuhr leicht aus dem Schlaf. „Was…?“
      „Ich weiß, es ist gerade nicht in deinem Sinne, aber können wir uns etwas unterhalten?“ bat Eddy.
      Jake mußte sich erst mal orientieren und verdrehte die Augen. „Meine Güte, Eddy. Ich habe dir schon mal gesagt, du bist zu alt, um dich im Dunklen zu fürchten!“
      „M-mag sein, aber im Moment kann ich es nicht abstellen!“ gab Eddy stockend zurück.
      „E-ehrlich gesagt, ich bin auch kein Neuwagen mehr, aber i-ich habe auch Angst!“ gestand GB.
      „Ach du meine Güte!“ entfuhr es Jake. „Jetzt habe ich gleich zwei Therapie-Patienten!“
      „Leute…“ keuchte GB plötzlich. „Ich höre etwas, hinter uns!“
      „Jetzt werd’ mir nicht paranoid!“ erklärte Jake scharf, vor allem, als Eddy sich neben ihm schon auf diese Aussage hin merklich anspannte.
      Eddy warf vorsichtshalber einen Blick in den Rückspiegel, da schnappte er plötzlich geschockt nach Luft. „Jake, bitte dreh dich um und sag’ mir, daß das nur ein Trugbild meiner paranoiden Phantasie ist!“
      Jake warf ihm einen zweifelnden Blick zu, tat ihm aber den Gefallen, und in dem Moment, als er nach hinten sah, war es mit seinen Nerven ebenfalls durch. Sein Schrei verklang in der Dunkelheit, als er ein riesiges, mit Zähnen bewaffnetes Maul sah, das genau das Tunnelende umfaßte, aus dem sie gerade kamen, und das schnell auf sie zukam. „Woh, schneller, GB, schneller!“
      „Wer ist denn jetzt paranoid?“ gab GB mit zusammengebissenen Zähnen zurück, während er sich bemühte, der Aufforderung Folge zu leisten, ohne die Straße aus dem Blick zu verlieren.
      Eddy krallte sich am Lenkrad fest und schrie, was das Zeug hergab, als die Zähne mit rasender Geschwindigkeit auf sie zukamen, und bald schon so nah an GBs Heck waren, daß alle drei das Ende auf sich zukommen sahen.
      Das tat es tatsächlich – doch es war das Ende des Tunnels, das nun langsam in Sicht kam und ihnen einen Hoffnungsschimmer vermittelte.
      „GB, da vorne ist der Ausgang!“ keuchte Eddy. „Gib alles!“
      Als GB des vagen Lichtscheins gewahr wurde, nahm er das zum Ziel und schoß davon, was die Maschine hergab. Mit Rekordgeschwindigkeit passierten sie das letzte Stück des Waldes, und spürten nur noch, wie das Maul hinter ihnen zuschnappte, und im Wald verschwand.
      Sowohl Auto, als auch Insassen brauchten einige Zeit, um sich wieder zu fassen, als sie bald automatisch die Straße weiterrollten. Als die Jungs einen Blick zurückwarfen, schien alles normal; der Eingang zu einem dunklen Stück Weg im Wald, unheimlich, aber nicht wirklich bedrohlich. Doch noch immer spürten sie ihren Puls rasen bei ihrer wirren Erinnerung.
      Jake zeigte zu einer Seite, von der heller Lichtschein kam – wahrscheinlich sogar das Licht, das sie geleitet hatte. „Dort drüben ist eine Raststätte! Laß uns dort halten und uns einen Moment beruhigen!“
      Eddy nickte lediglich als Bestätigung.

Jakes Hände zitterten immer noch ein wenig, als er seine Kaffeetasse nahm. Mehr bekam er nach dem Erlebnis nicht runter.
      „Siehst du, das ist es, warum ich Angst im Dunkeln habe!“ sagte Eddy, als er sich mit seinem Becher zu ihm setzte.
      Jake sah ihn noch immer völlig konfus an. „Haben wir uns das eingebildet?“
      „Wir alle drei?“ fragte Eddy tiefgründig.
      „Naja, ich meine, wir waren alle hundemüde, hatten unsere Sinne nicht mehr ganz beisammen, es war stockfinster, und einer von uns hat damit angefangen. Kann es sein, daß wir uns da eben gewaltig gegenseitig hochgepuscht haben?“
      Eddy schwieg nachdenklich. „Unmöglich ist es nicht…“ wandte er schließlich nach einer Weile ein.
      Jake atmete durch. „So viel dazu!“
      „Austesten werde ich es aber ganz bestimmt trotzdem nicht!“ sagte Eddy sofort. „Und das nächste Mal, wenn wir unsere Dads besuchen, dann nehmen wir ganz gewiß einen anderen Weg!“ bestimmte er.
      Jake mußte nun langsam aber sicher herzlich lachen. Es war ein Lachen der Erleichterung, als er sich bewußt machte, wie albern sie gerade alle drei reagiert hatten. „Eddy. Das nächste Mal wenn wir hier fahren, ist es wahrscheinlich wieder hell und freundlich. Dann merkst selbst du, wie lächerlich das ganze gerade war. Und wenn wir das nächste Mal nicht so spät loskommen, sind wir auch nicht so müde, daß unsere Phantasie mit uns durchgeht. Das war gerade alles nichts weiter als eine Kaskade ungünstiger Umstände, die einfach etwas verworrenes in unserer Wahrnehmung ausgelöst und uns schier in Panik versetzt hat.“
      Eddy schaute noch skeptisch. Er wußte, Jake hatte sicher Recht, doch er fühlte sich trotzdem nicht wohl dabei. „Laß mich das hier erst mal verarbeiten.“ meinte er ausweichend. „Dann gucken wir beim nächsten Mal.“
      „Meinetwegen!“ meinte Jake und trank seinen Kaffee aus. Mittlerweile hatte er wieder die Ruhe weg, und jetzt war er auch wieder hellwach. „So, wenn du möchtest, kann ich jetzt auch wieder fahren.“
      „Gute Idee!“ stimmte Eddy zu. Von Müdigkeit konnte zwar gerade keine Rede sein, aber um selbst zu fahren, war er noch zu erschüttert.
      Jake stellte sich schmunzelnd an seine Seite und legte ihm beruhigend den Arm um die Schultern. „Hey, alles ist gut! Im Dunkeln gibt es keine Monster! Das ist nur unsere Phantasie!“
      Eddy atmete durch. „Das hat meine Mutter früher auch immer schon gesagt.“
      „Und sie hat Recht! Du weißt, Mütter haben immer Recht!“ erklärte Jake.
      Auf diese Weise entlockte er Eddy zumindest ein Lächeln; dann gingen sie zusammen zum Ghostbuggy, und wenig später fuhren sie vom Hof der Raststätte mit dem Namen: »Zur Gefräßigen Finsternis«.



(Anm. d. Aut.: Bezüge zu Live Action-Episode »The Maltese Monkey« und Cartoonfolge »Geisterachterbahn«)
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