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Das Leben nach dem Sturm

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Brooke Davis Dan Scott Haley James Scott Lucas Scott Nathan Scott
20.10.2013
10.03.2014
16
14.787
 
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20.10.2013 1.140
 
Lucas

Ich wachte allmählich auf.
Alles drehte sich in meinem Kopf und er schmerzte fürchterlich.
Ich lag auf dem Bauch, mein Shirt neben mir, und ich streckte mich.
Alles tat weh. Ich wusste noch nicht mal, wie ich es hierher geschafft hatte.
Ich griff wie von alleine zu meinem Nachtkästchen, wo immer eine Flasche stand, doch ich griff ins leere.
Verdutzt hob ich meinen Kopf und sofort ging der Schmerz wie ein Blitz hindurch.
Ich öffnete meine Augen und blinzelte.
Keine Flasche. Und es war erst 8.15 Uhr.
Ich setzte mich auf und fuhr mir durch die Haare. Wo war meine Flasche?
,,Mom?“, rief ich, doch keine Antwort. ,,Mom?!“, rief ich nun etwas lauter, und endlich kam jemand.
Doch es war nicht meine Mutter, sondern Keith.
,,Auch schon wach?“, sagte er und ich murmelte: ,,Ach, lass mich doch.“
Keith lachte. ,,Du bist echt unmöglich! Los, steh auf.“
,,Vergiss es“, sagte ich und schloss kurz meine Augen, damit sich nicht mehr alles drehte.
,,Steh auf!“, befahl Keith und ich wurde wütend. ,,Verdammt, was willst du, Keith?!“
Er schüttelte den Kopf. ,,Du sollst endlich aufstehen und dein Leben wieder in den Griff kriegen! Schau dich doch mal an! Schau dich mal um! Du hast die Hälfte der Schulstunden seit drei Monaten verpasst, du spielst kein Basketball, du behandelst deine Mitmenschen schrecklich!“
,,Den Stoff hole ich schon nach und ich spiele Basketball, Keith! Nur halt nicht mehr bei den Ravens! Und…“, sagte ich, doch zu seinem dritten Argument fiel mir keine passende Antwort ein.
Keith fuhr sich übers Gesicht. ,,Oh Gott Luke, ich hab langsam die Schnauze voll. Deine Mutter hat vielleicht genug Geduld, doch mir reicht’s! Krieg dein Leben wieder in den Griff, Luke!“
Damit schlug er die Tür zu und lies mich alleine.
Ich schluckte. In den letzten Monaten hatte mich Keith noch nie angeschrien. Doch er hatte Recht.
Aber ich wollte nicht aufstehen, und ich konnte auch nicht. Ich hatte einfach keine Lust.
Aber ich musste.
Also rappelte ich mich auf und suchte in meinem Schrank nach sauberen Klamotten.
Meine Mutter hatte sie wie üblich säuberlich aufgeräumt. Früher hatte ich das getan.
Ich nahm frische Sachen heraus und verschwand im Bad.
Ich stieg in die Dusche. Es tat unglaublich gut.
Ich ließ den Wasserstrahl in mein Gesicht spritzen und wusch mir meine Haare.
Sollte ich heute zum Unterricht gehen, oder…nein, ich würde hingehen.
Das war ich Keith und meiner Mutter schuldig-und Brooke.
Ich bekam Panik. Was würde sie sagen?
Sie hatte sich in den letzten Monaten so gut um mich gekümmert, und ich hab sie nur angeschrien und mich nicht bedankt.
Mich wunderte es, dass sie nicht Schluss gemacht hatte.
Ich war mit Duschen fertig und zog mich an.
Das Gefühl von den frischen Klamotten und dem Shampoo war unbeschreiblich. Es fühlte sich wie ein neues Leben an. Dabei war es mein altes Leben.
Ich föhnte mir die Haare gerade trocken, als es an der Tür klopfte und Keith die Tür aufmachte.
Als er mich sah, musste er kurz lächeln.
,,Was?“, fragte ich und er zuckte mit den Schultern.
,,Nichts. Das ist es gerade.“
Er klopfte mir auf die Schulter, dann verschwand er.
,,Keith?“, rief ich und er kam zurück. ,,Ja?“
,,Es tut mir leid, wie ich in der letzten Zeit drauf war.“
Er nickte. ,,Ja, mir auch. Hey, ich hab gerade ein Auto in die Werkstatt geliefert bekommen. Hast du Lust, mir zu helfen?“
,,Ehrlich gesagt…wollte ich in die Schule“, sagte ich und lächelte entschuldigend.
Keith lachte. ,,Wow, kaum schreie ich dich an, änderst du dein halbes Leben, oder was?“
,,Oh man!“, lachte ich und fuhr mir durch die Haare.
,,Nein, ehrlich Luke, das finde ich toll. Dass du deine Einstellung geändert hast, das ist großartig.“
Ich nickte. ,,Danke. Naja, also, wir sehen uns später. Bestell Mom einen schönen Gruß.“
Ich ging aus dem Bad und nahm meinen Rucksack und ging aus dem Haus.
Ich atmete tief durch. Diese Luft hatte ich vermisst.
Nicht die stickige nach Alkohol riechende Luft in meinem Zimmer.
Nein, sondern die eines frühen Morgens. Frisch, kühl, sauber.
Ich ging langsam die Straße entlang, während ich mir Möglichkeiten für Entschuldigungen durchgehen ließ.
Vor allem müsste ich mit Brooke reden. Sie hatte ich am meisten verletzt.
Und dann noch Haley. Ich hatte mich mit ihr seit ewiger Zeit nicht mehr getroffen.
Dann wäre da noch Nathan, den ich mal nach einer Sauferei geschlagen hatte, als er mir mein Glas aus der Hand genommen hatte.
Ich dachte kaum darüber nach, dass ich plötzlich vor der Schule stand.
Jetzt kamen wieder die Aufregung und Panik hoch.
OK, da musste ich durch. Ich war schuld, also musste ich das auch gerade biegen.
Ich ging durch die Tür.
Niemand war auf den Gängen, außer ein paar vereinzelte Schüler, die wohl Freistunde hatten.
OK, dann hatte ich wohl noch etwas Zeit.
Als erstes fiel mir die Bibliothek ein, wo ich früher immer gerne war.
Doch schlagartig überrollte mich die Erinnerung wie eine Filmszene.
Peyton im Krankenhaus, so leblos, so bleich.
Waren immer noch Zeichen da, Merkmale, dass sie da gesessen hatte, und langsam verblutete?
Was hatte sie vor ihrem Tod gedacht? Oder an wen?
Was waren ihre letzten Worte? Was hatte sie als letztes an?
Wann hatte sie zuletzt gelächelt, wann hatte sie zuletzt mit mir geredet….
Ich hatte nicht bemerkt, dass ich seit einer Minute auf einer Stelle stand und an die Wand guckte.
Ich schüttelte den Kopf. Ich musste endlich loslassen.
Ich öffnete die Tür der Schule und rannte heraus.
Ich brauchte einen anderen Ort, wo ich mich wohl fühlte.
Die Turnhalle.
Ich begab mich dort hin und öffnete leise die Tür. Keiner da.
Dann ging ich langsam in die Halle.
Der Geruch der Bälle lag noch in der Luft und meine Schuhe quietschten durch den Boden.
Dann erst nahm ich eine andere Person am anderen Ende der Halle wahr.
Sie saß auf der Tribüne, die Hände im Schoß, und schaute nachdenklich nach unten.
Ich ging leise auf die Tribüne, bis ich nur noch ein paar Meter von ihr entfernt war.
Ich zählte bis drei, dann sagte ich: ,,Hey.“
Sie wirbelte herum, und als sie mich sah, zeigten ihre Augen große Verwirrung.
,,Luke, was…was machst du denn hier…?“
Ich setzte mich neben sie und guckte sie an.
,,Ich hab mein altes Leben vermisst.“
Sie seufzte erleichtert. ,,Ich bin so froh, dass du wieder bei uns bist“, flüsterte sie und ich umarmte meine Freundin.
Als sich Brooke von mir löste, sagte ich: ,,Es tut mir wahnsinnig leid, wie ich in der letzten Zeit drauf war, und dass du alles abbekommen hast. Das hast du nicht verdient!“
Sie schüttelte hastig ihren Kopf. ,,Ich bin nur froh, dass du wieder hier bist.“
Ich drückte sie, dann fragte ich: ,,Was machst du eigentlich hier?“
Sie zuckte mit den Schultern. ,,Das ist jetzt nicht mehr wichtig.“
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