[Captain Future] Verlorene Nacht

von cortez11
GeschichteHumor, Sci-Fi / P16
Curtis Newton / Captain Future Ezella Garnie Joan Landor Prof. Simon Wright
18.10.2013
18.10.2013
1
1.232
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
18.10.2013 1.232
 
23:30 h.
Future saß auf der Bettkante in „seinem“ Zimmer, die Vorhänge zur Fensterfront hatte er teilweise gar nicht zugezogen. Wer sollte auch hereinschauen? Das Haus stand alleine, mit neugierigen Blicken war also nicht zu rechnen, und alle anderen hatten sich bereits zurückgezogen. Auch auf dem den gesamten ersten Stock umlaufenden Balkon war niemand zu erwarten, draußen war nur Dunkelheit.
Er horchte in die Stille.
Nein, Ezella würde er nicht hören, was immer der auch tat. Und was der gerade tat, wollte er sich gar nicht vorstellen, Müdigkeit nach einem anstrengenden Tag hin oder her.
Warum hatte er sich überhaupt darauf eingelassen, hierher mitzukommen?
Er stand auf, griff sich ein Handtuch und ging zu der Fensterfront, wo er sich das Handtuch um die Hüften schlang.
Die von der Decke bis zum Boden reichenden Schiebefenster waren auf Schienen gelagert und glitten geräuschlos beiseite, als er eines davon öffnete.

Draußen war es ein wenig kühler; das Geräusch der Wellen und ein leichter Salzgeruch kamen durch die Öffnung herein. Die Seeluft war verlockend, und er trat über die Schwelle und nach draußen an die Brüstung.
Das Wasser dort unten war kaum zu erkennen in der mondlosen Nacht, aber dafür spannten sich funkelnde Sterne über den Horizont, oder besser, dort, wo er ihn vermutete – lauter stecknadelkopfgroße, fahle Lichtpunkte, Milliarden von Kilometern entfernt und nur ein schwaches Abbild ihrer tatsächlichen Glut. Und trotzdem, hier unten wirkten sie irgendwie vertraut auf ihn, fast heimelig, nährten aber sein Gefühl der Einsamkeit.
Er lauschte dem rhythmischen Schlagen und Rauschen der Wellen.
Unaufhörlich, immer wieder liefen sich die Wellen am Ufer aus, und während er angestrengt nach unten schaute, glaubte er, gelegentlichen das fahle Weiß der Schaumkronen erkennen zu können.
Für einen Moment schien die Anspannung von ihm gewichen zu sein, doch als er auf die Fensterfront und die dunkle Öffnung darin blickte, fiel das Gefühl der Einsamkeit wieder über ihn her. Unweigerlich wanderten seine Gedanken zu Joan.

Ein Windstoß ließ einen der Vorhänge kurz hochwehen.
Sofort brandete die alte Hoffung wieder auf. War sie etwa? – aber nein, Unsinn, schalt er sich selbst und versuchte, das Gefühl der plötzlichen Aufregung beiseitezuschieben. Es war eine Illusion, er war alleine.
Einen Moment überlegte er, ob er der Versuchung widerstehen und nicht hineingehen sollte, um nachzusehen, ob sie vielleicht doch noch gekommen und nun in seinem Zimmer sei. Dann schüttelte er den Kopf über sich selbst und wandte sich wieder der Brüstung zu. Seine Fantasie ging gerade mal wieder mit ihm durch...
Verdammt, stand es schon so schlimm mit ihm?
Er rief sich mit Gewalt zur Ordnung. Warum sollte sie? So nah waren sie sich ja überhaupt noch nicht gekommen...
Irgendwo da draußen zwischen Meer und Horizont suchte er sich einen Fixpunkt, den er angestrengt anstarrte, in der Hoffnung, dass sich so seine Gedanken endlich leerten.
Es war absurd.

00:16 h.
„Curtis...?“
Es war Simon, der sich unbemerkt genähert hatte, und Future schrak hoch.
„Hast Du mich erschreckt,“ sagte er und wandte seinen Blick wieder der Dunkelheit zu. „Wie spät ist es eigentlich?“
Simon schwebte näher und verharrte auf Schulterhöhe neben ihm, die Teleskopaugen ebenfalls auf die sternenklare Nacht gerichtet. „Etwa viertel nach zwölf,“ gab der Professor zurück. Seine elektronische Stimme klang ein wenig belustigt. „Ich wollte Dich nur informieren – Joan ist vor wenigen Minuten angekommen, sie ist unten und spricht gerade mit Clarissa.“
„Danke...“ Future schien es, als ob er sich inmitten einer bizarren Geschichte befände, die auf einmal Wirklichkeit geworden war, dabei blickte er auf die Teleskoplinsen, mit denen Simon ihn fixierte, dann wurde er sich plötzlich seines Aufzugs bewusst – fast nackt auf der Brüstung stehend und mit nichts als einem großen weißen Badedtuch bekleidet.
„Ich glaube, ich gehe lieber 'rein,“ sagte er und nickte dem Professor zu.
Simon schaute ihm nach, wie er in der dunklen Fensteröffnung verschwand. Wenn er Schmunzeln gekonnt hätte, er hätte es getan.

Im Bad überlegte Future, was er als nächstes tun sollte.
Dieser merkwürdige Auftrag, der Joans und seine Anwesenheit erforderte – in Tarnung eines Pärchens – lag ihm irgendwie quer im Magen. Nicht, dass er nicht mit Joan zusammen sein wollte, nein... nach all' den widrigen Umständen, den Verrückten, den Skrupellosen und den Durchgeknallten, mit denen er sich abgeben musste, nach all' dem Abschaum, dessen irrwitzge Pläne er hatte vereiteln müssen, erschien ihm dies hier eher wie ein skurriler Scherz. Ein schlechter obendrein.
„Lebenselixier“... ein bescheuerter Name für eine zweifelhafte Substanz...
Obwohl... der Gedanke, Joan zu sehen, hatte ihn wider Willen in Aufregung versetzt.

Joan.
Er sehnte sich so nach ihr.
Sie endlich in die Arme zu nehmen... sie zu halten, sie zu küssen...
Doch spätestens seit dem Fall mit den Elektromenschen ging er in Gedanken immer noch viel weiter. Wie oft hatte er sich ausgemalt, sich vorgestellt – nein, davon geträumt, wie sie in seinem Bett... Und in seinen Träumen war es mit ihr immer besser gewesen als die One-Night-Stands, die er im Laufe der Zeit so angesammelt hatte.
Lass' es, unterbrach er sich selbst.
Du weisst, was passiert, wenn ihr Euch aufeinander einlasst.
Er holte tief Luft, als könne er damit die Bilder in seinem Kopf vertreiben.

00:48 h.
Geh' nicht 'runter. Bleib hier, sagte er sich.
Nein, er wollte sie nicht bedrängen.
Wer weiß, vielleicht empfand sie ja doch nicht das für ihn, was er für sie empfand...? Vielleicht waren es einfach nur seine Hormone, die ihm weismachen wollten, dass Joan im Gegenzug auch etwas für ihn fühlte?
Nein.
Diese Blicke von ihr.
Diese Enttäuschung in ihren Augen, wenn er auf Abstand blieb.
Es schmerzte ihn jedesmal, so zu ihr zu sein, sie so zu sehen. Viel lieber hätte er...

Future ging ein paar Schritte auf und ab, schließlich hinüber zu seinem Bett, setzte sich wieder auf die Kante und stützte den Kopf auf.
Dadurch wurde zwar nichts besser, aber vielleicht würde es ihm gelingen, doch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen...
Er wandte sich kurz um, warf einen Blick auf sein zukünftiges Nachtlager.
Das Bett war eine 2 x 2 m-Spielwiese... und somit bestens geeignet...
Erneut schüttelte er den Kopf über sich selbst. Junge, Junge... bist Du so auf Entzug?
Ja.
Bin ich.
Ich will sie, verdammt noch mal.


Er fragte sich, wo Simon abgeblieben war.
Gottseidank bekam er das hier nicht mit – wie er hier saß und mit sich haderte, völlig durch den Wind und fast krank vor Liebeskummer.
Was einige Tage harter Arbeit mit nur wenig Schlaf doch alles anrichten konnten...

Schließlich stand er auf, ging zum Fenster, das immer noch offen stand. Schaute nach draußen, wieder in der vagen, völlig sinnlosen Hoffnung, dass Joan sich inzwischen vielleicht auf den großen Balkon verirrt haben könnte, doch dort draußen war natürlich niemand.
Logisch. Sie war sicherlich müde und anbetracht ihres morgigen Auftrags wahrscheinlich gleich nach ihrer Ankunft schlafen gegangen.
Er ließ das Fenster auf und ging zurück zum Bett.
Das Handtuch schleuderte er frustriert an die Seite, dann stieg er zwischen die kühlen Laken, von wo aus er stumm an die Decke starrte.
Wieder eine Nacht alleine.
Wieder eine verlorene Nacht, setzte er in Gedanken hinzu.

Missmutig drehte er sich auf die Seite und schloss die Augen.
Morgen früh, wenn sie aufbrachen, um vielleicht ein wenig Licht in diesen seltsamen Fall zu bringen, würde er wenigstens mit ihr zusammen sein – wenn auch mit der üblichen Distanz.
Aber vielleicht war das besser als gar nichts...

02:30 h.
Sch***e.
Review schreiben