Mit kombinierter Kraft

von - Leela -
GeschichteMystery / P12
Eddie GB Jake Tracy
18.10.2013
18.10.2013
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Mit kombinierter Kraft

Jake sortierte gerade das Bücherregal vernünftig auf, als das Ansabone ging. Er hielt sofort in der Arbeit inne, konnte aber nicht verhindern, daß Ansabone das Gespräch bereits annahm.
      „Sie sind hier komplett falsch! Egal was Sie wollen. Insbesondere, wenn es um Geister geht! Hihihi… Hmpft!“
      Jake stutzte kurz, als Ansabone sich fast selbst verschluckte und nahm das Gespräch an. „Jake Kong, Ghostbusterbüro! Was kann ich für Sie tun? – Tasha!“
      Nun switchte auch er überrascht um, doch da begann sie bereits gepreßt: „Jake, auf dem Uni-Campus gibt es richtig Ärger! Ich weiß nicht, was das ist, aber es sind auf jeden Fall Geistererscheinungen, und ich fürchte, von der gefährlichen Sorte! Das ganze Uni-Gelände wird gerade evakuiert, ich befürchte aber, daß die Geister hier nicht ewig bleiben werden! Könnt ihr herkommen?“
      „Ja, natürlich! Sind schon auf dem Weg!“ erwiderte er beunruhigt. Damit beendeten sie das Gespräch, und Jake rief, diesmal mit rasendem Herzen: „Auf geht’s Ghostbuster!“
      Diese Strategie, den anderen auf schnellstmöglichem Wege Bescheid zu geben funktionierte: Eddy und Tracy stürmten nur Sekunden später zu ihm in’s Büro.
      „Ein neuer Auftrag?“ fragte Eddy.
      „Etwas gefährliches?“ setzte Tracy hinzu, als er Jakes Miene sah.
      „Es ist ernst! Tasha hat gerade angerufen! Geisterärger auf dem Campus der Uni – richtiger Geisterärger!“
      Eddy stockte der Atem. „Worauf warten wir noch?“

Wenige Augenblicke später saßen die drei umgezogen und gerüstet im Ghostbuggy, und GB startete durch.
      „Hat sie schon näheres erwähnt?“ fragte Eddy ruhelos während der Fahrt.
      „Nicht viel. Sie klang sehr angespannt, daher wollte ich nicht viel Zeit vertrödeln. Sie sagte nur, daß die Geister gefährlich zu sein scheinen, und das Uni-Gelände geräumt wird.“
      „Tasha ist angespannt, wenn es um ein Geisterphänomen geht? Das ist ernst, Jake!“
      „Das habe ich auch begriffen, ohne Tasha zu kennen, Eddy!“ gab Jake verbissen zurück.
      „Seht, da!“ Tracy zeigte nach vorne, wo der große Uni-Campus gerade in Sicht kam.
      „Was zur Hölle ist das?“ entfuhr es Jake geschockt, während Eddy sich einen erstickten Aufschrei vernehmen ließ.
      „Die müssen mehrere Meter groß sein!“ entfuhr es Eddy erschüttert.
      „Und ihre Struktur ist ständig in Bewegung!“ erkannte Jake, als er beobachtete, wie den geisterhaften Gebilden neue Arme oder Standbeine wuchsen, sich die spektralen Körper ständig veränderten und immer wieder neue groteske Formen annahmen, während sie über das Parkgelände stapften, das inmitten der Universität lag. „Was ist das für eine Substanz – wenn man bei Geistern überhaupt von Substanz sprechen kann…?“
      „Tasha könnte dir das jetzt bestimmt sagen!“ kommentierte Eddy.
      „Oh… oh…“ ließ sich Tracy vernehmen. „Sehr aggressiv…“
      „Ja, und verdammt kräftig!“ rief Eddy geschockt, als er dabei zusah, wie einer der Geister einfach so aus einer lockeren Bewegung heraus eine niedrige Mauer in Stücke schlug.
      „Da wollt ihr aber nicht runter, oder?“ rief GB panisch.
      „Wir müssen!“ sagte Jake und hielt schon Ausschau nach einem Platz, der etwas geschützt anmutete. „Laßt es uns dort drüben versuchen!“
      GB hielt sich in gebührendem Abstand und ging am Rand des Campus tiefer. Als er aufsetzte, rannte Tasha ihnen bereits entgegen. „Gott sei Dank! Was ich herausfinden konnte ist, daß es sich um Spektralabbildungen kombinierter Energien handelt, die aktiv geworden sind!“ informierte sie die drei gleich ohne weitere Umschweife.
      Die Jungs sahen sie überfordert an.
      „Äh, was?“ fragte Jake noch mal nach.
      Tasha rollte die Augen. „Stell’ dir vor, auf einem Friedhof verbinden sich Stücke verschiedener verstorbener Seelen miteinander und entwickeln ein Eigenleben. Dann hast du so etwas wie das hier! Was auf diese Weise zustande kommt, ist nicht kontrollierbar, weil es ein Gebilde aus verschiedensten Seelenanteilen ist, das in sich nicht stimmig ist. Reicht dir das als Erklärung? Die Viecher zerlegen meine Uni!“
      Eddy wußte, wenn Tasha begann, Geister als »Viecher« zu bezeichnen, dann hatte es Art. Er warf Jake einen auffordernden Blick zu, der ebenfalls bereits reagierte und den Dematerialisator zur Hand nahm.
      „Los, schicken wir diese Seelenpuzzle dorthin, wo sie hingehören!“ rief Jake und lief mit Eddy und Tracy los.
      Tasha atmete durch und folgte ihnen.
      Von dem Rest der zerschlagenen Mauer aus konnten sie sich einen Überblick verschaffen.
      „Die sind so riesig, Jake!“ bemerkte Eddy decouragiert.
      „Das interessiert mich nicht!“ gab Jake forsch zurück. „Die kriegen jetzt eine Ladung Dematerialisatorfeuer, und dann sind sie Geschichte! Gebt mir Deckung!“
      „Seid vorsichtig!“ bat Tasha, und zum ersten Mal spürte Eddy, daß sie wirklich Angst hatte.
      „Keine Sorge!“ meinte Eddy so ruhig wie möglich und versuchte, nicht schwer zu schlucken. „Wir sind schon mit ganz anderen Sachen fertig geworden.“ Dann ging er mit Tracy zusammen an Jakes Seite, als der sich bereits an das erste Ungetüm heranpirschte, das wütend um sich schlug, und dabei eine der Skulpturen in Stücke schlug.
      Als Jake sich nahe genug wähnte, setzte er zum Schuß an und traf den Geist frontal. Das beruhigende Gefühl der Erleichterung hielt aber nicht lange. Der spektrale Körper leuchtete kurz auf, das war aber auch die einzige Wirkung, die Jake mit seinem Dematerialisator erzielte; – dann drehte sich das Gebilde zu ihm um.
      „Jake, es hat nicht geklappt!“ rief Eddy alarmiert.
      „Das sehe ich!“ rief Jake entsetzt. „Rückzug, schnell!“
      Sie rannten zurück zu Tasha hinter die Mauer, doch da gab sie ihnen bereits mit einer Geste zu verstehen, auf die andere Seite zu laufen, wo ein Stück von ihnen entfernt ein weiterer Stufenabschnitt von einer anderen Mauer war, hinter dem sie Deckung suchen konnten.
      Sie waren kaum ein paar Schritte gerannt, als eine wuchtige Faust den Teil ihrer Deckung zerschlug, hinter dem sie sich gerade noch aufgehalten hatten. Sie dachten bewußt nicht darüber nach, während sie über den Platz rannten, und eine gefühlte Ewigkeit später den vermeintlichen neuen Schutz erreichten.
      Jakes Atem ging keuchend. Jetzt konnte selbst er nicht mehr verbergen, daß seine Courage einen deutlichen Schlag wegbekommen hatte.
      Eddy hatte sich hinter Tracy verschanzt, wohlwissend, daß ihm das im Zweifel auch nichts nützte, in dieser Situation. „Wo sind sie?“
      Jake riskierte einen schnellen Blick und atmete durch. „Im Augenblick weit genug von uns entfernt – hoffe ich.“
      Tasha hatte sich an der Mauer zusammengekauert.
      Eddy versuchte, nun an Tracy vorbei zu ihr herüberzugelangen. So decouragiert hatte er seine Freundin noch nie erlebt. Er war sich nicht sicher, ob es wegen der Uni war, die das Angriffsziel dieser Monstren war, oder ob es wegen der Geister als solches war, und der Tatsache, daß ihr Vernichtungsschlag in die Leere gegangen war. Wahrscheinlich war es wegen beiden. Was er aber wußte war, ihr Gemütszustand war für ihn noch weniger zu ertragen, als die Situation mit den Geisterkolossen.
      Jake beobachtete immer noch zaghaft die unkoordinierten Bewegungen der Gestalten – sechs hatte er mittlerweile gezählt. Dumpfe Schläge erschütterten den Boden, und die Geräusche von zersplitterndem Stein und Glas begleitete sie, während die Wesen unmenschliche Töne von sich gaben. „Das sind schlimmere Kaliber als Prime Evil!“ stellte Jake fest.
      „Prime Evil hat Verstand und Methode!“ sagte Tasha. „Deswegen kann man ihn einschätzen, auch wenn er sehr kreativ werden kann. – Diese hier agieren nicht nach einem nachvollziehbaren Schema. Sie sind einfach, das reicht.“
      „Wie kann so etwas überhaupt zustande kommen?“ fragte Jake erschüttert.
      „Durch verschiedenes – Seelenfragmente, die nicht übergeleitet wurden, oder Restabdrücke der spektralen Energie, die in unserer Welt zurückgeblieben sind, oder wenn sich einfach so Seelenanteile lösen und neu zusammenfinden…“ erwiderte Tasha monoton.
       „Könnten die Seelenanteile der einzelnen… Wesen auch untereinander wechseln?“ fragte Jake weiter.
      „In der Regel nicht. Sie verbinden sich sehr fest, sobald sie eine Eigendynamik entwickeln. Aber sie können auf diese Weise noch wachsen.“ erklärte Tasha.
      „Weißt du auch, wie man so etwas bekämpfen kann?“ fragte Jake, fast schon kleinlaut.
      Tasha sah mutlos auf. „Ich hatte gehofft, der Dematerialisator würde ausreichen.“
      Im Hintergrund hörten sie bereits bedrohliche Laute, die anzeigten, daß sich irgend etwas in ihre Richtung bewegte, und augenblicklich spannten sich alle vier an.
      „Wie gehen wir jetzt weiter vor, Jake?“ fragte Eddy.
      Jake sah Tasha an. „Du gehst erst mal aus dem Gefahrenbereich! Tracy, du begleitest sie. Aber sei vorsichtig, gegen diese Monstren kannst selbst du nichts ausrichten! Setz GB in Alarmbereitschaft, falls wir hier rausmüssen! – Und wir…“ Zu Eddys Leidwesen sah Jake nun ihn an. „… versuchen noch mal, ihnen alles zu geben, was wir haben!“
      „B-bist du sicher, daß das eine gute Idee ist, J-jake?“ brachte Eddy hervor.
      „Hast du eine bessere Idee? Dann raus damit!“ erwiderte Jake verzweifelt. „Ich bin für jeden Vorschlag offen!“
      Eddy atmete durch und verdrehte die Augen.
      „Wir versuchen es gleich noch mal mit dem Dematerialisator und den Geistergranaten. So, und jetzt los!“ Jake gab Tracy und Tasha ein Zeichen, daß sie zum Rückzug ansetzen sollten.
      Tracy und Tasha reagierten sofort und schoben sich zum Ende des Mauerabschnittes vor, von dem aus sie das Gelände überblicken konnten, das sie würden überqueren müssen, um zu dem zertrümmerten Mauerstück zurückzugelangen, von welchen aus sie GB erreichen konnten.
      Jake konzentrierte sich derweil wieder auf das Geschehen in unmittelbarer Nähe, während Eddy die Zähne zusammenbiß, damit sie nicht klapperten.
      „Ich hasse so etwas!“ stieß Eddy hervor.
      Jake sondierte die Lage aufmerksam. „Ich könnte auch drauf verzichten. Aber es ist nun mal unser Job! Bist du bereit?“
      „Willst du eine ehrliche Antwort?“
      Jake nahm das als Zustimmung und gab ihm einen Wink.
      Eddy folgte seinem Partner angespannt. Sie visierten ein Monster an, das gerade mit dem Rücken - oder dem, was man bei dem Wesen vermutlich so nennen konnte - zu ihnen stand.
      „Du kannst doch gut mit den Geistergranaten umgehen!“ zischte Jake. „Schaffst du es, so unter dem Monster durchzuwerfen, daß wir nicht seine Aufmerksamkeit auf uns lenken?“
      „Ich versuch’s!“ Eddy spürte, wie ihm die Finger zitterten, brachte sich aber soweit unter Kontrolle, daß er schnell sein Ghostpack nach dem gewünschten durchsuchen konnte. Verbissen schleuderte er eine Geistergranate unter den mittlerweile drei Standbeinen der Kreatur hindurch. Wie gewünscht detonierte sie auf der anderen Seite des Wesens; zeigte jedoch keine Auswirkungen. Es schien, als würde sie einfach in der Leere verpuffen, ohne das monsterhafte Geisterwesen überhaupt zu tangieren.
      „Selbst das klappt nicht!“ bemerkte Jake geschockt.
      „Und vor allem das mit dem »nicht die Aufmerksamkeit auf uns ziehen« klappt nicht!“ rief Eddy entsetzt.
      Tracy und Tasha verharrten derweil noch immer beobachtend hinter dem Mauervorsprung. Um zur anderen Seite zu kommen, mußten sie ein Stück über offenes Gelände laufen, und die Geister waren eindeutig nicht weit genug entfernt. Vorsichtig versuchten sie, einen günstigen Moment abzupassen. Als nun der Geist, der ihnen am nächsten war von der Geistergranate abgelenkt war, sahen sie die günstigste Chance gekommen und liefen los.
      Als das riesige Gebilde spektraler Energie aber plötzlich bedrohlich in ihre Richtung schwankte, blieb Tasha wie elektrisiert stehen, verlor den Mut und lief wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurück.
      Tracy schnappte erschrocken nach Luft, gestikulierte wild, trat dann aber den Rückzug zur anderen Seite an, bevor ein hammerartiger Auswuchs dort niedersauste, wo er eben noch gestanden hatte. Von dort stellte er entsetzt fest, daß sie nun einige Meter von ihm entfernt war.
      Jake und Eddy beobachteten schockiert, wie die ganze Masse in Bewegung kam, zusammenfloß und sich völlig neu formierte.
      „Jake, was machen wir jetzt?“ rief Eddy panisch. „Wir müssen hier raus!“
      „Wenn wir wenigstens wissen würden, wohin der Geist gleich »sieht«!“ philosophierte Jake und versuchte, den Geist genau zu beobachten, um irgend welche Anhaltspunkte rauszufinden.
      „Bis wir das rausgefunden haben, ist es zu spät!“ argumentierte Eddy nachdrücklich. „Ich bin zu jung zum sterben, und du auch!“
      Etwas widerwillig ließ sich Jake dazu überreden, etwas mehr den Rückzug aus dem Gefahrenbereich der Geistererscheinung anzutreten, während Eddy schon einige Meter zurückgerannt war, und sich erst umdrehte, als seine Überlebensängste es zuließen und sogar einforderten, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen.
      Jake schaute immer wieder zu dem Gebilde zurück, das sich anscheinend noch nicht ganz wieder zusammengefunden hatte, zuckte aber mit Eddy synchron zusammen, als rechts von ihnen ein Stück weiter entfernt eine große Fensterfront zu Bruch ging, die Opfer eines Kameraden ihres Zielobjektes geworden war.
      „J-jake…!“ Mehr brachte Eddy nicht heraus, aber es reichte, um Jake deutlich seine Panik zu vermitteln.
      Jake bemühte sich, Ruhe zu bewahren, obwohl es ihm im Innersten nicht besser ging als seinem Partner. „Ruhig bleiben!“
      „Aber was sollen wir denn machen? Wir haben nichts, was irgend etwas gegen diese… Dinger ausrichtet!“ jammerte Eddy.
      Jakes Miene konnte man anmerken, daß genau das ihm gerade deutliche Magenschmerzen bereitete. „Ich möchte es noch mal mit konzentriertem Dematerialisatorfeuer probieren.“ sagte er. „Ich hoffe, ich kann die Struktur irgendwann zum kollabieren bringen!“
      „Du hoffst?“ Eddys Stimme überschlug sich fast.
      Der Geist begann bereits langsam, sich neu zu formieren, als Jake die Desorientierung des Geistes noch ausnutzen wollte und mutig voranschritt, und Tracy Tasha aufgeregt winkte, um diese Gelegenheit zur Flucht auszunutzen, doch sie wagte es nicht.
      Jake hatte mittlerweile den Dematerialisator im Anschlag, hatte ihn auf die höchste Stufe eingestellt und feuerte, was das Zeug hielt.
      Sowohl Eddy, als auch Tasha und Tracy beobachteten von ihren Positionen aus mit angehaltenem Atem das Geschehen, doch selbst diverse Augenblicke später, stand der Geist noch immer unversehrt, und Jake mußte aufgeben.
      „Siehst du es jetzt ein?“ rief Eddy, fast schon ärgerlich. „Das funktioniert nicht!“
      Jake hatte den Blick verzagt auf das riesige Wesen geheftet, das lediglich einen Moment fluoreszierend dastand und dann wieder in sich zusammenfloß, um eine neue Form anzunehmen, und allein anhand dieser Nuance merkte man ihm an, daß er sich die Niederlage gerade eingestehen mußte.
      Noch schien der Geist mit sich selbst beschäftigt, bildete aber schon wieder neue Arme und Standbeine.
      „Komm’ da weg, Jake!“ rief Eddy ihm aus ein paar Schritt Entfernung zu, was sein Partner nun auch langsam, wie in Trance, tat.
      „Wir brauchen Tracy!“ rief Jake verzweifelt. „Wenn uns jetzt noch irgend etwas helfen kann, dann eine von seinen Erfindungen!“
      Tracy war allerdings noch immer auf Tasha fixiert und versuchte, ihr Mut zu machen, zu ihm herüberzulaufen. Er hatte es noch nie erlebt, daß sie so eingeschüchtert war, und mittlerweile ärgerte er sich über sich selbst, daß er das nicht einkalkuliert hatte. Als der Geist noch dabei war, sich wieder zusammenzufinden, gab er ihr einen erneuten Wink.
      Tasha versuchte, ihren rasenden Puls zu beruhigen und setzte jetzt ein zweites Mal an, um auf die andere Seite zu kommen – doch sie konnte den panikerfüllten Blick nicht von dem Monstrum in ihrer Nähe abwenden, und so bemerkte sie nicht die Unebenheiten im Boden und stürzte nur wenige Meter von ihrer Deckung entfernt.
      Tracy hatte so schnell gar nicht reagieren können, zumal sie viel zu weit voneinander entfernt waren und schlug erschüttert die Hände vor’s Gesicht, während der Koloß sich bereits wie in Zeitlupe drehte.
      Jake und Eddy wichen automatisch zurück, – als der Geist sich plötzlich zur anderen Seite umwandte, und Tasha in’s Visier nahm.
      Den beiden stand synchron das Entsetzen in’s Gesicht geschrieben. Jake schnappte erschrocken nach Luft und erstarrte, als Eddy neben ihm plötzlich in Aktion trat. Völlig verblüfft beobachtete Jake, wie Eddy nicht mehr groß nachdachte, zu Tasha herüberlief und sich schützend über sie warf. Er war so perplex über die Aktion seines Partners, daß er darüber sogar fast den Geist vergaß. Schon während des Sprints, der Jake allein deswegen schon beeindruckte, weil er nie geahnt hatte, daß Eddy so schnell sein könnte, hatte der den Ghostgummer gezogen und feuerte dem Geist eine Ladung Ghostgum entgegen.
      Der Schuß saß perfekt und hatte den gewünschten Erfolg: Der Geist war erst einmal abgelenkt, und die Ghostbuster gewannen ein bißchen Zeit.
      In der Zwischenzeit hatte Eddy sich schützend vor Tasha gestellt und ihr bedeutet, daß sie sich zurückziehen sollte, was sie diesmal auch kommentarlos gerne tat, und sich hinter ihm in die Richtung der Mauer zurückrobbte, allerdings nur so viel, bis sie sich umdrehte und feststellte, daß Eddy ihr nicht folgte. Er war bedächtig ein paar Schritte rückwärts gegangen und hielt verbissen das Monster im Visier.
      „Eddy!“ rief sie angsterfüllt.
      „Geh’ zurück, Tasha!“ wies er sie kompromißlos an.
      „Aber…“ Verzweifelt stellte sie fest, daß ihr Versuch, seine Aufmerksamkeit zu erlangen in’s Leere ging, und sie überlegte innerlich zerrissen, weiter zurückzuweichen, oder an seine Seite zu laufen, egal, wieviel Angst sie vor den monströsen Geistergebilden hatte.
      Jake griff nun von der anderen Seite ein, und Eddy setzte gleich nach. Auch wenn sie die Geister nicht bezwingen konnten, zumindest konnten sie so Zeit gewinnen, um sich zurückziehen zu können, und zumindest das Ghostgum schien den Geist einen Augenblick lang zu beschäftigen.
      Von der rückwärtigen Seite schwang sich nun unvermittelt Tracy von einem Baum aus über den Platz, umfaßte Tasha und beförderte sie mit sich in’s Ghostbuggy, das ein Stück weiter in der Luft stand und auf sie wartete.
      Dort atmeten sie erst mal durch.
      „Danke, Tracy. Das war grandios!“ keuchte Tasha.
      „Hey und was ist mit mir?“ beschwerte sich GB.
      „Du bist auch grandios!“ ergänzte Tasha, ihrer Stimme merkte man jedoch ihre ganze Anspannung an, denn noch war die Gefahr alles andere als gebannt.
      „Gern geschehen!“ erklärte Tracy knapp. Der Gorilla hielt sich aber nicht lange auf, sondern stürzte sich direkt in das Gefecht, um Jake und Eddy zu unterstützen, die mehr und mehr in die Enge getrieben wurden. Tasha beobachtete das Treiben beklommen über den Rand von GBs Karosserie hinweg.
      Während Jake und Eddy das Wesen zwischen ihnen beschäftigten, versuchte Tracy es nun mit dem Geisterreifen. Sein Wurf verfehlte sein Ziel nicht. Doch auch diese Waffe versagte ihren Dienst, denn er prallte einfach an der geballten spektralen Energie ab und ging Meter weiter zu Boden, ohne dem Geist auch nur eine Reaktion zu entlocken. In dem Moment stand selbst dem Gorilla das pure Entsetzen in’s Gesicht geschrieben.
      In Tasha verkrampfte sich alles. Das merkte auch GB, als sich ihre Finger um seinen Türrahmen klammerten.
      „Da wünscht man sich, man hätte die Ghostbuster nie kennengelernt, was?“ kommentierte GB.
      „Im Moment wünschte ich nur, ich könnte etwas tun!“ widersprach Tasha der Verzweiflung nahe. „Ich hab’ nur Angst um die drei, und bei dem Gedanken, daß meinem Schatz da unten was passiert, liegen mir echt die Nerven blank!“
      Sie konnte nur schwer die Panik aus ihrer Stimme verbannen, und in dem Moment schwieg GB verschämt, als er sich des tieferen Sinns ihrer Worte bewußt wurde. „Okay, laß mal überlegen, was habe ich denn zur Verfügung… Fright Freezer und Wasserkanone werden hier wahrscheinlich nicht so viel bringen. Ich kann noch das Antigeisterspray einsetzen. Ich weiß nur nicht, ob das irgend eine Wirkung hat!“
      „Probieren wir es aus!“ erwiderte Tasha unruhig.
      GB fuhr das Stativ für die Antigeisterspraydusche aus, und gemeinsam sondierten sie, von welcher Seite aus sie am besten angreifen konnten.
      „Laß uns von hinten an die Geister heranfliegen, da haben wir am meisten Deckung und kommen den Jungs nicht in die Quere.“ schlug Tasha vor.
      „Wo ist hinten bei den Bozos?“ erkundigte sich GB.
      „Im Zweifel da, wo sie sich nicht hinbewegen!“ sinnierte Tasha. „Am besten orientieren wir uns einfach so, daß wir von der Seite angreifen, die frei ist. Schließlich wollen wir die Geister erwischen, und nicht die Jungs einnebeln!“
      „Gut, versuchen wir es!“ Etwas beklommen setzte GB sich in Bewegung und flog ein paar unsichere Schleifen, um dem Einzugsbereich der Geister nicht zu nahe zu kommen. In gebührendem Abstand, gerade so, daß sie in Reichweite für den Einsatz des Sprays kamen, hielt GB in der Luft und setzte das Spray ein.
      „Super! Das war eine volle Breitseite, GB!“ freute sich Tasha.
      Der getroffene Geist flackerte leicht, darüber hinaus war die einzige Wirkung, die sie erzielten jedoch, daß sie den Fokus nun auf sich lenkten.
      „Es funktioniert nicht!“ rief GB alarmiert.
      „Rückzug, GB!“ wies Tasha an.
      Das brauchte man GB nicht zweimal zu sagen, und noch in der Luft ging er in den Rückwärtsgang.
      In dem Augenblick reagierte aber Jake und setzte noch einmal den Dematerialisator auf höchster Stufe ein, um den Geist von den beiden abzulenken. Noch während das Geisterspray in der Luft funkelte, schoß Jake mit zusammengebissenen Zähnen durch es hindurch und suchte sich schon einen Fluchtweg. Der Strahl des Dematerialisators erfaßte den Geist und brachte das Geisterspray zum leuchten. Und dann erlebte er eine Überraschung! Die Kombination brachte den Sieg: Der Geist löste sich in einer Explosion auf.
      Jake hatte noch gar nicht ganz begriffen, was da eben passiert war. Auch die anderen brauchten einen Augenblick, um zu verstehen. Erst als sie verblüfft, und noch förmlich desorientiert dastanden, ging ihnen plötzlich, nach und nach, ein Licht auf.
      „Das ist es, GB!“ rief Tasha. „Das Spray oder der Dematerialisator allein können die Geister nicht schaffen, aber kombiniert klappt es! Los, zum nächsten Geist!“
      Nach dem Erfolg war auch GB deutlich enthusiastischer und suchte sich den Geist, der den anderen am nächsten war.
      Jake beobachtete bereits ihre Flugbahn und rannte in die gleiche Richtung.
      Eddy und Tracy schalteten nun auch, und nachdem Eddy den Ghostgummer eingesteckt hatte, warf Tracy ihm den zweiten Dematerialisator zu, bevor er selbst das Geisterspray zur Hand nahm.
      Eddy schaute etwas verunsichert auf die kleine Flasche. „Meinst du, daß es mit der kleinen Sprühflasche klappt…?“
      „Probieren!“ sagte Tracy.
      Beide pirschten sich mit deutlichem Respekt an einen der Geister heran, der gerade in einer skurrilen Bewegung ein viertes Standbein ausfuhr und damit eine Parkbank unter sich dem Erdboden gleichmachte, und Eddy war froh, daß er mit dem Dematerialisator etwas mehr Abstand halten konnte, auch wenn er jetzt schon befürchtete, so schnell gar nicht fliehen zu können, wenn der Geist es auf ihn abgesehen hatte.
      Tracy starrte den meterhohen Koloß hinauf, gab Eddy ein Zeichen und drückte die Sprühflasche ab.
      In dem Moment feuerte Eddy auch schon, und in dem Augenblick, wo der Strahl des Dematerialisators durch das Geisterspray hindurchzischte, schien sich die Kraft zu potenzieren, und riß den Geist förmlich in Stücke, bevor er sich ganz in Wohlgefallen auflöste. Eddy quittierte es mit einem erleichterten Jubelschrei, und der Erfolg schürte seine Euphorie deutlich. „Los, Tracy! Den nächsten!“
      Die Teamarbeit klappte gut, und mit der neuen Strategie erledigten sie einen Geist nach dem anderen. Jake und Tasha hatten mit GBs Hilfe ebenfalls einen weiteren Geist erlegt und suchten sich ein neues Opfer.
      „Wie viele sind es noch?“ rief Jake zu ihr nach oben.
      Tasha sondierte schnell das Gelände. „Ich sehe noch vier!“
      „Das wird wohl stimmen!“ kommentierte GB. „Verstecken können die sich ja schlecht!“
      Für den nächsten Geist mußten sie ein gutes Stück laufen, denn die vier verbliebenen hatten sich über das restliche Gelände verteilt.
      „Ob das mit einer Kombination aus Geistergranaten und Dematerialisator auch gehen würde?“ fragte Eddy, als er und Jake über den Platz zu den nächsten Geistern rannten.
      „Keine Experimente, Eddy!“ rief Jake sofort entschieden.
      „Ich meine ja nur! Oder Geisterspray und Granaten! Wir müssen ja wissen, was funktioniert, falls der Dematerialisator mal ausfällt…“
      „Eddy!“ Jakes Stimme machte deutlich, daß er gerade das jetzt nicht hören wollte. Er bremste gerade ab, da er einen neuen Geist in’s Visier nahm.
      „Vorsicht, Jake, er kommt auf dich zu!“ rief Tasha.
      Jake schüttelte den Moment panikerfüllter Starre ab und versuchte, aus dem Weg des Wesens zu kommen, das eine Art Rüssel entwickelte, so daß es eine Sekunde lang wie ein riesiger Elefant anmutete, der dann aber zu einem neuen Standbein wurde, und zwei weitere Beine zu tentakelartigen Auswüchsen formierte, die rücklings nach dem Ghostbuggy zu greifen drohten.
      GB startete durch auf die andere Seite und gab dem Wesen eine ordentliche Ladung Geisterspray.
      Jake reagierte sofort und setzte mit dem Dematerialisator nach, so daß nur Augenblicke später der Platz zwischen ihnen leer war, und sie einen kurzen Moment durchatmen konnten.
      Tracy hatte den Weg abgekürzt und sich durch einige Bäume geschwungen, bis er zu einem der Geister zu ihrer linken gelangt war. Von einem Baum aus betrachtete er das Trümmerfeld, welches das Ungetüm bereits verursacht hatte: Bänke, Bäume und Skulpturen lagen zerschlagen quer über die aufgewühlte Wiese verteilt, und auch der Brunnen hatte seinen Teil mit abbekommen.
      Er sah sich schnell nach Eddy um, der kurz ehrfürchtig stehen geblieben war, als er an dem Monstrum emporsah, das wie eine riesige gedrehte Säule mit einem enormen Hammer als Kopf dastand, als wolle es damit im nächsten Moment auf ihn niedersausen. „Tracy…!“
      „Schon da!“ rief Tracy, der nur darauf wartete, die Sprühflasche einzusetzen.
      Eddy schluckte schwer, nahm all seinen Mut zusammen und rannte auf das Ungetüm zu – die Panik packte ihn aber, als er sich in seinen schlimmsten Befürchtungen bestätigt sah. „Tracy, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt!“ schrie er panisch, als sich der Hammer erst in Zeitlupe, dann immer schneller werdend auf ihn herabstürzte. Er wartete auch gar nicht länger ab, bis er den Dematerialisator einsetzte.
      Tracy nutzte die Vorgabe aus und sprühte das Geisterspray direkt in den Strahl.
      In einer riesigen leuchtenden Fontäne zerriß es die Struktur, kurz bevor das riesige Hammerwesen Gelegenheit bekam, den mittlerweile mit über den Kopf geschlagenen Armen, zitternd am Boden kauernden Eddy zu treffen.
      Besorgt sprang Tracy an Eddys Seite, der schon zusammenzuckte, als der Gorilla nur beruhigend eine Hand auf seine Schulter legte. „Alles ist gut!“ meinte Tracy ruhig.
      Jetzt erst wagte Eddy es, sich langsam wieder aufzurichten. „Okay! Jake hat Recht! Keine Experimente!“ stimmte er nun im Nachhinein noch, dafür mit voller Überzeugung zu.
      Tracy half Eddy hoch, dann sahen sie sich nach den letzten Gespensterwesen um.
      Jake und Tasha hatten eines der beiden verbliebenen anvisiert, das bereits auf der Terrasse der Caféteria am Ende des Campus wütete und Sonnenschirme durch die Gegend warf.
      „Vorsichtig, GB!“ mahnte Tasha. „Flieg nicht zu nah an die Gebäude, sonst brichst du dir noch einen Flügel!“
      „Aber wie soll ich denn vernünftig an das Ding da rankommen?“ beschwerte sich GB.
      „Geht es von weiter oben? Oder du landest auf der Terrasse!“
      „Ich bin doch nicht verrückt!“ rief GB aus. „Ich setze mich doch nicht freiwillig selbst auf die Servierplatte!“
      „Die Terrasse geht bis zur anderen Seite des Gebäudes! Wir müßten genug Spielraum haben, um einen Bodenangriff wagen zu können!“ erklärte Tasha.
      „Na, dein Wort in den Ohren aller Autogötter!“ bemerkte GB und flog zur anderen Seite der Terrasse, um so viel Raum wie möglich zwischen sich und das spektrale Ungetüm zu bringen.
      Jake rannte derweil vom Campus aus auf die Terrasse zu und versuchte, die Lage zu überblicken. Jetzt hatten sie das mehrfüßige Wesen zwischen sich, und als sie Blickkontakt hatten, begann GB mit dem Angriff, fuhr auf das Wesen zu und verpaßte ihm eine Ladung Geisterspray.
      Für Jake war es diesmal eine leichte Übung; mittlerweile machte es ihm richtig Spaß, die Giganten in’s Geisterreich zu schicken. Zufrieden beobachtete er, wie sich sein Opfer im Strahl des Dematerialisators auflöste. Er sah sich zur anderen Seite um. In der Ferne konnte er sehen, daß Tracy und Eddy das letzte Opfer anvisierten. „Ich werde mal sehen, ob ich Eddy noch unterstützen kann!“ rief er Tasha und GB zu.
      „Gut, wir fliegen eben noch eine Runde und schauen, ob wir wirklich alle erwischt haben!“ rief Tasha zurück. „Sollten wir noch einen finden, melden wir dir das, sonst warten wir vorne, okay?“
      Jake nickte, dann trennten sie sich, um ihren Aufgaben nachzugehen.
      Als Jake bei Eddy ankam, hatte der bereits alles im Griff. Tracy hatte wieder einen Angriff aus größerer Höhe gestartet und das Geisterspray von einem der Bäume aus auf das dampfwalzenartige Monstrum ausgelöst. Diesmal konnte Eddy deutlich professioneller die Sache abwickeln und schoß dem Geist souverän eine Ladung Dematerialisatorenergie entgegen, die zusammen mit dem Spray dem Wesen den Vernichtungsschlag lieferte.
      Anschließend sahen sich die beiden erst einmal vorsichtig um; es beruhigte Eddy aber allein schon, als er Jake in aller Ruhe auf sich zukommen sah.
      In der Ferne ging GB bereits runter, und Jake erläuterte: „Anscheinend war’s das, Jungs. Tasha und GB haben das Gelände eben noch sondiert, wenn sie uns keine Meldung mehr geben, haben wir alle erwischt!“
      Eddy konnte sein Glück kaum fassen. Manchmal fragte er sich, ob es ihm allein so ging, daß ihn diese Aufträge sämtliche Nerven abforderten, oder ob er einfach derjenige war, der es am meisten von ihnen zeigte. Tracy und Jake wirkten relativ ruhig, doch er war sich sicher, auch die beiden mußten von diesem Einsatz noch immer erschüttert sein.
      Als sie alle Ziele erledigt hatten, atmeten die drei erst einmal tief durch. Dann lächelten sie.
      „Wir haben es geschafft!“ meinte Eddy, mit deutlichem Stolz in der Stimme.
      „Da könnte nicht mehr Wahrheit drinstecken!“ lächelte Jake. „Wir haben es geschafft! Zusammen, mit einer perfekten Teamarbeit!“ Dann setzte er nach: „Aber daß Tasha noch lebt, ist eindeutig dein Verdienst, Eddy!“ Er sah seinen Partner deutlich ehrfürchtig an. „Ich bin wirklich beeindruckt!“ gestand er ohne jeden Neid ein. „Das war unglaublich, was du da durchgezogen hast, Eddy!“
      Eddy erwiderte seinen Blick tiefgründig, und ohne sich den Luxus zu gönnen, stolz über das Lob zu sein. „Entschuldige, wenn es um Tasha geht, mache ich keine Kompromisse! Ich lasse mir doch nicht das wegnehmen, was mir alles im Leben bedeutet!“
      Jake lächelte nur. Ja, das hatte er gemerkt. In dem Moment war alles zweitrangig, Angst, Unsicherheit… Und auch sein Lob war nicht wichtig. Er hätte gar nicht anders handeln können, und es zählte nur, daß Tasha nichts passiert war. Trotzdem verspürte er eine deutliche Ehrfurcht vor seinem Partner, die in dieser Aktion ihren Gipfel gefunden hatte.
      Gemeinsam gingen sie zum Ghostbuggy herüber, und als sie näher kamen, lief Eddy Tasha entgegen.
      Sie sprang bereits aus dem Buggy, lief auf ihn zu, und kurz darauf nahmen sie sich erst einmal erleichtert in die Arme.
      Jake und Tracy kamen gemächlicher zu ihnen herüber.
      „Ihr ward grandios!“ lobte Jake.
      Tasha grinste verlegen, während sie sich in Eddys Arme schmiegte. „Das war GBs Verdienst. Ich hatte gar nichts damit zu tun!“
      „Na klar!“ widersprach GB. „Das war eine Gemeinschaftsarbeit!“
      „Du hattest die Idee, und sie auch ausgeführt!“ erinnerte Tasha.
      „Ja, aber du hast mich erst darauf gebracht, und das ganze koordiniert!“
      „Auf jeden Fall hat es uns gerettet!“ brachte Jake es auf den Punkt.
      „Ja! Wer weiß, wo wir ohne euch jetzt wären!“ stimmte Eddy dankbar und erleichtert zu.
      Jake wechselte mit Tasha einen Blick. „Dann haben wir alle erwischt?“
      „Sieht so aus. GB und ich konnten keine weiteren mehr sehen.“ erwiderte sie.
      „Das war mit Abstand einer der gruseligsten Aufträge, die wir hatten!“ bekannte das Ghostbuggy.
      „Aber das hat gezeigt, daß es immer eine Lösung gibt! Man darf nur nicht aufgeben, und muß viel mehr rumprobieren!“ sagte Tasha.
      Jake schmunzelte. „So wie Opa Kong es auch immer sagt: Man ist erst geschlagen, wenn man aufgibt!“
      „Ob wir das auch gegen Prime Evil einsetzen können?“ überlegte Eddy.
      „Einen Versuch wäre es beim nächsten Mal wert!“ bestätigte Jake. „Da hätten wir auch früher mal drauf kommen können; mit dem Dematerialisator und Futuras Stein hat es damals ja auch geklappt!“
      „Probieren es beim nächsten Mal!“ versprach Tracy.
      So langsam setzte eine beruhigende Stille ein. Jetzt erst sahen sie sich um und sahen den Campus in Trümmern liegen.
      Tasha sagte nichts, doch es war ihr anzusehen, daß es sie tief traf, ihr geliebtes Uni-Gelände in diesem Zustand zu sehen.
      Ohne Worte trat Jake an ihre Seite und legte tröstend den Arm um sie. Er wußte, daß es ihr gerade das Herz brechen mußte. Eddy stand noch immer von der anderen Seite bei ihr, und Tracy konnte sich nicht nehmen lassen, ihr tröstend über die Wange zu streichen.
      Sie konnte nicht anders als zu lächeln ob der Fürsorge.
      „Laßt uns eben Bericht erstatten, und dann fahren wir nach Hause.“ schlug Jake vor.
      Die anderen nickten.
      Als GB startete, tat sich das volle Ausmaß der Katastrophe unter ihnen auf, und nun wurde auch den Jungs erst richtig bewußt, wie unermeßlich der Schaden war: Mauern, Bänke, Skulpturen, Bäume… Sogar Fensterfronten und ganze Mauerteile von den Universitätsgebäuden waren komplett zerstört.
      „Wo kamen diese… Kreaturen her?“ fragte sich Eddy.
      Er erwartete eigentlich keine Antwort, doch Tasha erklärte: „Ich vermute, das hier ist altes Friedhofsgelände gewesen. Man müßte einmal näher darüber nachrecherchieren, aber dann würde alles Sinn ergeben. Durch die Arbeiten, um den Platz hier zu errichten, könnten Hunderte von Seelen verstümmelt worden sein, und über die Jahre haben sich Seelenanteile zusammengefunden, die aber nicht zusammengehörten.“ Sie merkte, wie sich den Jungs bei ihrer Erzählung langsam aber sicher der Magen umdrehte. Trotzdem fuhr sie fort: „Mit der Zeit hat sich da eine Energie zusammengeballt, bis sie unkontrollierbar geworden ist und ausgebrochen ist.“
      „Heißt das, das könnte immer wieder passieren?“ fragte Eddy unbehaglich.
      „Theoretisch ja, solange genug spektrale Energie im Boden ist.“ bestätigte Tasha. „Nicht umsonst heißt es, man soll Totenstätten nicht stören – das gilt nicht nur für alte Indianerfriedhöfe!“
      Jetzt schauderte es den Jungs erst Recht.
      „Jetzt weiß ich aber, woher das kommt.“ bemerkte Eddy. „Die Indianer waren uns da wahrscheinlich schon ein gutes Stück voraus!“
      „Nicht nur das!“ warf Tasha ein. „Frag’ mich nicht, was passiert, wenn da auch noch Magie in’s Spiel kommt!“
      „Naja, wir wissen ja jetzt, wie wir diese Dinger bekämpfen können.“ meinte Jake, und es sollte beruhigend klingen, was ihm aber nicht ganz gelang.
      „Ich bin eher dafür, daß wir versuchen, schon präventiv etwas zu unternehmen!“ meinte Eddy unbehaglich. „Ich möchte so etwas ungerne noch mal erleben!“
      „Eddy hat Recht!“ Tasha lehnte sich auf dem Polster vor. „In der nächsten Zeit werden hier erst mal Aufräumarbeiten stattfinden. Tracy, wollen wir die Zeit nutzen und versuchen, den Boden zu untersuchen und gegebenenfalls zu bereinigen?“
      „Oki Doki!“ sagte Tracy sofort zu.
      „Das machen wir alle!“ bestimmte Jake. „Aber jetzt möchte ich erst mal nur nach Hause, unter die Dusche, und dann nichts weiter als relaxen!“
      Die anderen wechselten zustimmende Blicke. „Gute Idee!“
      „Da mache ich mit!“ rief GB. „Fahren wir auf dem Rückweg durch die Waschanlage?“



(Anm. d. Aut.: Bezüge zu den Cartoonfolgen »Die Freiheitsstatue« und »Hexenprobleme«)
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