Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

A Walk On Earth

GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
16.10.2013
29.07.2014
32
46.449
1
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
16.10.2013 2.169
 
(heut gibt's den ersten von Kate's 10 Gründen für ein Einsiedlerleben in dieser bitter grausamen Welt.. enjoy gg ,)


Die Schüsse verhallten allmählich in der Tiefe des Waldes. Ich spürte wie das kühle Flusswasser unbarmherzig meinen Körper, sowie den von Sarah umschloss. Ein Stapfen auf den Blättern des Bodens und Knacksen von Ästen näherte sich. Etwas oder jemand kam der Böschung, unter der wir uns befanden bedrohlich nahe. Kein Mech, und dennoch zog sich mein Magen ungemütlich zusammen. Ich hielt die Luft an.
Ein Kopf mit dunklen Haaren und tiefblickenden Augen erschien vor meinem Gesicht. Kopfüber, etwas schmutzig vom Dreck der Erde. Ich biss mir verschreckt auf die Lippen, sah den Jungen völlig perplex an, während der Lauf meiner Waffe gegen seine Stirn gepresst war und meine andere Hand Sarah umfasste.
„Woah. Stop.“ Der fremde Junge hatte keine Hände frei, da er sich an der Böschung oben festkrallte. Daher versuchte er ein sanftmütiges Lächeln aufzusetzen, das mich beruhigen sollte. Wie lieb.
Ich drückte meine Waffe etwas fester gegen seine Stirn. Das Blut in seinem Kopf musste schon unangenehm  drücken von dem langen kopfüberhängen. Bloß weil er seine Füße nicht nassmachen wollte. Tja. Mit ernster Stimme verlangte ich Antworten. „Wie heißt du. Und was machst du hier.“
„Hal Mason.“
Ich schluckte, denn damit hatte ich nicht gerechnet. So prombt wie die Antwort kam, musste ein Funken Wahrheit darin stekcne. Bloß wer sagte in diesen Zeiten noch seinen richtigen Namen? Niemand sprach die Wahrheit. Nein, ich ließ mich nicht aufs Korn nehmen.
„Weiter.“, forderte ich, nach wie vor das geladene Metall gegen seine Stirn gedrückt.
„Ich bin auf Patrouille. Als ich sah wie sich ein Mech verzog, bin ich hierher. Als ich ein konstantes Zittern hörte, war mir klar, dass jemand in der Nähe sein muss.“
Trotz des Flusses hatte er uns gehört. Bemerkenswert.
„Okay.“ Ich senkte meine Waffe. „Hilf ihr hoch.“
Hal hievte Sarah nach oben, zog dann mich hinauf. Es erwies sich gar nicht so einfach, da alle meine Klamotten mit Wasser vollgesogen waren. Als ich endlich wieder auf meinen eigenen Füßen Stand und mich aufrichten konnte, brach es aus mir heraus. „Bist du von allen guten Geistern verlassen worden? Mich so zu erschrecken.“
Doch der fremde Junge reagierte kaum, kümmerte sich stattdessen um die Blutung von Sarah. Hal. Mit seinen überirdisch schönen Augen. Verdammt. Nicht jetzt, nicht ich.
Hal legte die Jacke um Sarah, während meine skeptischen Augen seine Kleidung entlang forschten, die große Waffe geschultert, eine kleine am Gürtel. Dicke, ausgebeulte Taschen an den Hosen, vermutlich mit Munition gefüllt. Er sah auf. „Ich kann euch in Sicherheit bringen.“
Katherine ‚Kate‘ Loomer war am sichersten unter sich, alleine, ohne andere Menschen. Aber Sarah, das arme Ding, brauchte dringendst Hilfe. Ein Nicken meinerseits, nicht ohne meine Waffe mit beiden Händen zu umschließen. Ich wollte meine Absichten klar stellen. Doch der Bursche ignorierte es, er trug das verletzte Mädchen nahe an seinem Brustkorb den Weg entlang.

Ich schritt neben her, schweigsam. Immer wieder spähte ich den Weg entlang, zwischen den Bäumen hindurch, und nach hinten, um schließlich meinen Blick wieder nach vorne zu richten und seine Kleidung zu begutachten. Mir fiel etwas auf. „Wo hast du deinen Proviant? In einem Lager?“
Er lächelte mich von der Seite an, sah wieder zu Sarah, und gab eine viel zu kurze Antwort. „Ich zeig euch unseren Proviant.“
Da war das Wort. Es ließ meinen Puls hochschnellen. Unseren. Es gab also noch mehr menschliche Artgenossen. Klar, er hatte ja erwähnt, er sei auf Patrouille. Ein Einzelner macht das nicht, wäre etwas sinnfrei. Also andere Menschen. Egal, ich durfte mich nicht aufhalten lassen, ich wollte in den Norden ziehen. Die Zeit drängte. Wie schlimm konnte es schon sein? Fünf, sechs weitere Personen vielleicht? Die größte Gruppe, die mir begegnet war, bestand aus zehn Erwachsenen und zwei Kindern. Hal jedenfalls schien keiner von denen zu sein, die sich in dem Kleinort aufgehalten haben. Außerdem vertrug ich mal wieder eine Durchfütterung. Und Rover auch. Ich spürte seine Nähe ab dem Moment, an dem Hal mich auf den Waldboden gezogen hatte. Hal hatte ihn bis jetzt nicht bemerkt. Wenn Rover wollte, würde keiner der anderen ihn auch nur einmal zu Gesicht bekommen.

Wir kamen aus dem Wald heraus. Fünf Minuten noch, erklärte Hal, und zeigte mit einem Finger wage die Richtung als Luftlinie. Dorthin mussten wir also, ich nickte. Hal ging zügig. Sarahs Kleidung war ebenfalls völlig durchnässt und sie selbst nur noch ein schlaffer Körper, sicher nicht wenig Kilos. Und dennoch, Hal blieb nicht ein einziges Mal stehen.

Er schaffte es sogar mich mit Smalltalk, einer überbewertete Freundlichkeit aus einer vergangenen Welt, zu nerven. „Nette Waffe im Übrigen.“
Meine Augen schielten flüchtig zu Hal hinüber, aber sein Gesicht war auf die Straße vor ihm gerichtet. Zeitweilig schien er den Zustand von Sarah zu studieren, doch sie wirkte wie eine schlafende Prinzessin in seinen Armen, weit weg von dieser grausamen Welt.
Ich hielt meine MP5 halb gen Boden gerichtet, suchte die totgeschrotteten Autowracks nach Anzeichen von Skittern oder anderem Getier ab. Die Luft schien rein.
„Danke.“
„Wo bekommt man solche noch her?“
„Gar nicht.“
Er schien sich mit Waffentechnik auszukennen, ansonsten hätte er dieses Kompliment nicht gemacht. Hübsch und klug also. Meine freien Fingerkuppen spürten das Kalt des Metalls. Entwickelte man erst einmal das Gefühl des Handlings für diese Waffe, versprach sie seinem Besitzer, oder Besitzerin, unglaubliche Genauigkeit und einen geringen Rückstoß. Selbst die Kadenz war bemerkenswert. Mir wurde erklärt, er hatte mir erklärt, dass dieses Modell von Heckler und Koch, eine MP 5 A2, allerdings unter einer starren Schulterstütze litt. Was weiß ich, jedenfalls hat es schon verdammt oft das Leben eines Skitters ausgeknipst. Ganz mein Ding!
„Redest nicht viel, mh?“
Als meine Ohren diesen Satz vernahmen, stoppten meine Füße so abrupt, dass ich es selbst kaum steuern konnte. Ich biss mich auf die Zunge. Konnte ich mein Temperament in Zaum halten? Aber ich wollte es gar nicht. Mein Stolz war verletzt; wie war ich bloß in diese Situation geraten? Hilfe! Ich wollte bloß wieder alleine sein. Mich nicht unterhalten müssen, oder grübeln darüber, ob ich diesem Junge trauen konnte! Aber eventuell lag es auch an Sarah, sie lag mir doch mehr am Herzen als ich es mir je gewünscht habe.
„Ich bevorzuge ein Einsiedlerleben.“ Meine Augen fixierten die seinen und er schien sich nicht dagegen wehren zu wollen. „Ich habe zehn gute Gründe dafür. Und ich bevorzuge es, ja, ich bevorzuge wenige Worte.“
Dass ich dieses Wunderwerk einer Waffe, meine MP 5, von Liam hatte, brauchte erst mal keiner zu wissen. Beizeiten konnte ich es noch erklären.
Es war köstlich wie Hal mich nun ansah, gezwungenermaßen musste ich ehrlich lächeln. Erst meine bittere, spitze Zunge und jetzt ein Lächeln auf den Lippen, als hätten die Bäume selbst einen Witz geflüstert.
Hal nickte verständnisvoll, und wir nahmen unseren Weg zu seiner Gruppe wieder auf. Sarah fiel zunehmend in einen Tiefschlaf. Hal sah das Mädchen so besorgt an als kenne er sie bereits jahrelang. Es war ein guter Mensch, und in jedem Fall einer meiner intelligenteren Gefährten. Während wir weiter gingen, zog ich Bilanz über meine verschiedenen, lustigen Wegbegleiter. Denn so sehr ich ein Einsiedlerleben präferierte, so wenig wurde es mir gegönnt...

Eine Gefährtin, die war gleich am Anfang zu mir gestoßen. Meine Nachbarin. Eine nervige kleine Lady, mitte dreißig und schien in einer Welt aus Modemagazinen und ihrem Beauty Salon hin und her gewechselt zu haben. Der Einmarsch der Aliens war verblüffenderweise bloß so schlimm wie ein abgebrochener Nagel für sie. Sie wetterte und zeterte über die ‚Unschönlinge‘, aber schien kaum größere Angst vor ihnen zu haben. Wahrscheinlich lag es daran, dass sie keine Kinder hatte, und die Liste ihrer Toyboys war sowieso so lang, dass sie nicht einmal gewusst hätte, wo mit der Trauer oder der Angst um diese oder jene Person zu beginnen.
Naja. Vielleicht lag ihre Beherrschtheit auch darin, dass ich ihr jeden Skitter vom Hals hielt. Ich hatte die Arbeit, Essen zu besorgen, Unterkunft. Töten. Und sie laberte mich den ganzen Tag voll.
Eines Nachts wurden wir überrascht und ich verlor sie. Das Fazit: Sie war diejenige, die mich zu meinen zehn Gründen des besseren Einsiedlerlebens führte.
Wer noch? Ahja. Eine junge Libanesin. Schwanger. Alle ihre Weggefährten sind bei einem Mechangriff getötet worden und sie hatte man verschont. Womöglich, weil diese Alienviecher ihr Kind haben wollen, sobald es die Welt erblickt. Was sie niemals würde zulassen, versicherte sie mir stetig. Leider starb sie bei der Geburt, und ihr Kind genauso. Ich muss sagen, durch diese junge, lebensfrohe und auf ihre Weise kämpferische Frau hätte ich beinahe das Alleine sein verlernt!

Doch wenn man allein unterwegs war konnte man sich auf seine Umgebung konzentrieren. Skitters fliegen nicht. Sie gehen am Boden und machen Geräusche. Nach der Geburt, dem Verlust, hatte ich wieder Zeit meinen Gedanken nachzuhängen als es Schlag auf Schlag kam. Erst gesellte sich ein schlaksiger, langbeiniger Mann zu mir. Ein Schlitzohr, der versucht hatte mich zu bestehlen und mittels einem Drohschuss an seinem Ohr vorbei, unterließ und doch lieber das Weite suchte.
Ein Veteran der kanadischen Army. Er hörte nicht auf grausame Geschichten aus Kriegszeiten zu erzählen, aber ich lernte wenigstens etwas über Schlachtstrategien. Naja, und eines Tages, wir waren in einen Kampf gegen Skitter und Mechs verwickelt, da lief er geradewegs in die Arme eines Mech. Wer weiß, was er empfunden hat. Vielleicht hatte er endlich seinen Frieden gefunden.

Und schließlich und endlich, der Special Forces Typ. Er verriet mir nicht, aus welcher Einheit er entschlüpft war, aber er lehrte mir meine Schießtechnik zu perfektionieren und brachte mir bei, mich richtig anzuschleichen. Liam zeigte mir Tricks zum Überleben, und war der erste, der meine Philosophie des ‚Alleine Leben ist Überleben‘ verstand und unterstützte.
Und er hatte extrem seelenerforschende, grüne Augen, kurzgeschorene Haare und Lippen, die sich niemals hinter einer Kampf-Skimaske verstecken hätten sollten. Von ihm habe ich die MP 5 bekommen. Es war, mal wieder, ein aussichtslos erscheinender Kampf zwischen Mechs und uns. Er schickte mich fort, wollte mir eine Chance geben; seither habe ich ihn nie wieder gesehen. Er war es auch, der mir von dem Gerücht im Norden erzählte. Etwas, das einen heftigen Rückschlag für die Menschen bedeuten würde, sofern wir die Revolution aufrechterhalten und den Planeten Erde wieder als den ‚unsrigen‘ bezeichnen wollen.

Naja, und am Ende noch dieses Mädchen, das per tu nicht von mir und Rover abließ. Rover war nach Liam aufgetaucht, aber lange bevor ich auf Sarah stieß. Ein Mädchen, dessen Leben nun in euren Händen liegt. Ach, du Schande!! Hal hatte mich geradewegs in die Hölle geführt. Wieviele Menschen waren hier auf einer Stelle versammelt? Es schien als gäbe es Kinder, Kämpfer, Zivilisten, Kinder als Kämpfer… Bei jedem normalen Menschen, der solange wie ich schon auf der Reise war, hätten die Augen wohl geleuchtet wie Adventkalenderfenster, die man öffnete. Aber für mich war es ein sinnloser Alptraum.
„Willkommen in der zweiten Massachusetts. Oder einfach zweite Mass.“
„Wieviele-“, stieß ich mit halbgefüllter Lunge aus und versuchte nicht zu hyperventilieren.
„Wir waren mal hundert Kämpfer, und zweihundert Zivilisten. Die Zahlen haben sich mal verringert, mal gesteigert. Aber schätze, es sind nur mehr etwas mehr als die Hälfte. Davon…“
Ich hörte nicht mehr zu, betrachtete bloß die Autos, die Motorräder, die eifrig umherfegenden Männer in Kämpferstiefeln, ihre Waffen umgeschnallt. Böse Blicke, skeptische Augen. Kinder, die lachend zu uns liefen… oder zu Hal. Zelte. Und das Gebäude, eine Halle voll mit alten Hubschraubern und Kleinstflugzeugen, welche sie auch zu bewohnen schienen. Die würden doch nicht sesshaft sein? Vielleicht besser. Wenn ich weiterzog, weiter in den Norden, brauchte ich keine Hundertschaft, die mir folgen würde.

Egal.
Ich atmete, konzentrierter. Hier würde ich bleiben solange ich wollte, oder eben nicht. Ich rief mir Grund Nummer Vier ins Gedächtnis und es beruhigte mich ungemein. Ein guter Grund für ein Einsiedlerleben.
Niemand konnte mich hier festhalten, richtig? Und keiner würde mir folgen, wenn ich gehen würde.
Wobei ich, ich überlegte, ob ich etwas dagegen hätte, wenn Hal... so eine gewisse Zeit lang… aber ob diese Menschen mir überhaupt vertrauen würden, war mir unklar. Ich würde ihnen von dem Gerüchte erzählen, aber mit welcher Reaktion sollte ich rechnen? Lügen wollte ich in keinem Fall erzählen, es betraf schließlich die gesamte Menschheit. Sollte ich bloß Hal vertrauen? Fragen über Fragen plagten mich.

Hal ließ mich stehen und trug Sarah den Platz entlang, da kam bereits eine Frau angerannt. Lange braune Haare, hübsches Gesicht, ein Stethoskop um den Hals. Sie betrachtete das Mädchen in seinen Arm kurz und lotste ihn dann weiter. Er folgte ihr widerspruchslos.
Noch mehr Fragen tauchten auf. So viele Menschen konnten sich nicht einfach organisieren und überleben. Wer hatte hier das sagen? Wenn ich meinen Mund wund reden müsste, dann wenigstens an die Ohren des Chef-Subjekts dieses Camps…


-----
im Laufe der Story wird sich die Liste vervollständigen..

10 Gründe für ein Einsiedlerleben
4.) Du gehst dorthin, wo du willst & bleibst solange du magst: du musst dir kein ‚Wir sollten gehen‘ oder ‚In diese Richtung wäre besser‘ anhören und ersparst dir langatmiges diskutieren.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast