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A Walk On Earth

GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
16.10.2013
29.07.2014
32
46.449
1
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39 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
16.10.2013 1.150
 
(so, das Ende. hoffe es war halbwegs unterhaltsam und würde mich natürlich auch über letzte reviews freuen gg =)


Captain Weaver war nicht erfreut. Tom Mason war es zum Teil. Er hatte Hal väterlich in die Arme geschlossen und zu meiner Überraschung auch mich mit einer Umarmung empfangen.
Unser Bericht fiel teilweise trocken aus. Es lag sicher daran, dass wir uns nach den Strapazen wie von Blutegeln aussaugt gefühlt haben. Ich verbot mir selbst zu viel über das Gesehene nachzudenken. Wälder, die nur mehr als Friedhöfe für ausgehungerte, zerfressene Tierleichen dienten, und Menschen, einst gelangweilte Büroangestellte, die aus Verzweiflung und Wut zu Kannibalen wurden. Selbst auf der Rückreise zur zweiten Mass konnte mich keine Blutlache, keine vom Wind herangetragenen Schüsse, keine Schreie von Skitters, -und wir hatten viele zu Fall gebracht-, mehr erschüttern. Die Welt war ein Kriegsgebiet. Und so war auch das Gerücht, welches mich erst zu Hal, zur zweiten Mass, und schließlich in den Norden gebracht hatte, keine bloß unbestätigte Info, sondern eine Strategie der Slenders gewesen. Die Spielfiguren, in diesem Fall Liam, wurden ausgenutzt, um die besten Kämpfer vom Schlachtfeld zu ziehen.
Zugleich klebte ein Funken Wahrheit an der Geschichte. Mein Kopf würde niemals eines der Bilder vergessen. Schon gar nicht das letzte Ereignis. Wie ein abgespeichertes Video konnte ich die hochfliegende Maske sehen, wie sie sich gen Himmel drehte, zerplatzte und sein niedergelassener Regen den Skitter sowie den Boden unter dem Alien auslöschte. Je mehr wir darüber gesprochen haben, je mehr Liam und die anderen Kämpfer, die mit uns zur zweiten Massachusetts gereist waren, alle Informationen austauschten; desto weniger wusste ich. Die Anzahl der umherkreisenden Fragezeichen in meinem Kopf wuchs unaufhörlich.

Die Fabrikshalle war zerstört. Gefangene befreit und viele Skitter wie auch Mechs erledigt. Die Schilderung über das Ereignis mit der Maske erzählte ich zum Schluss, detailliert. Dennoch kam von beiden, Weaver und Tom, mehrmaliges Nachhaken und wiederholt die gleichen Fragen. Weder Hal, noch Liam oder Dai, der sich etwas verspätet zu uns gesellte, noch ich hatten Antworten. Wo die Slenders diese Waffenmasken nun bauen würden, war ungewiss. Und ob die Slenders mit neuen Tricks versuchen würden uns Menschen hinters Licht zu führen, war ebenfalls ein Rätsel. Dai wagte zu sagen, dass wir fürs Erste gesiegt hatten. Wir sollten daran festhalten.

Nachdem wir Hal’s Vater und Captain Weaver diese Infos heruntergerattert und uns wie Zitronen auspressen haben lassen, widmete sich Tom den anderen unserer entflohenen Gruppe. Er bot, wie ich erwartet hatte, jedem einen Platz in der zweiten Mass. Ohne Zögern ließ er ihnen eine Mahlzeit bringen und einen Platz zum Ausruhen. Und schließlich war es so. Jeder, der mit uns gekommen war, ist geblieben. Selbst Liam war noch hier.
Das war vor drei Wochen.


Ich lehnte meinen Kopf gegen Hal’s Schulter und nahm einen Schluck aus der Getränkedose. Ein leicht süßlicher Geruch stieg mir in die Nase. Ich kannte das Gesöff nicht, aber es schmeckte kühl und besser als die vielen Liter Wasser, welche ich in den Wochen zu mir genommen hatte.
Hal beobachtete Pope wie er auf der Laderampe seines Wagens stand und den Berserkern sowie ein paar Kindern mal wieder von der Fabrik und dem Kampf erzählte. Dabei hatte Pope den Kampf in der Tankstelle, die Geiselnahme auf der Brücke und die blutige Schlacht im Wald, bei welcher wir Ben verloren geglaubt hatten, gar nicht miterlebt. Das wären Geschichten für ein Lagerfeuer.
Aber mein selbsternannter Pirat hat Talent. Pope schafft es jede noch so kleine Geschichte zu einer magischen Legende aufzubauschen. Und zugegebenermaßen war die Flucht aus der Fabrik mit anschließender Vernichtung des Gebäudes und Explosion der Maske kein alltägliches Manöver.


Inzwischen hatten wir einige weitere Kämpfe überstanden. Wir haben Kontakt zu einer zweiten Gruppe aufgenommen, eine Gesellschaft von mehr als fünfzig Menschen. Mit ihnen und ein paar selbstgebastelten, dynamitähnlichen Gebilden würden wir demnächst den großen Raumtransporter der Slenders zerstören. Deswegen bewegte sich Captain Weaver auch wie auf Nadeln und war, abgesehen von wenigen auserwählten Personen, nicht ansprechbar. Die meisten Kämpfer, die bei dieser Aktion mitmachen würden, konnten seit Tagen über nichts anderes reden. Außer Liam. Er verstand sich gut mit Dai, und schien eine große Hilfe beim strategischen Planen des Angriffs.
Anfangs erschien es mir als würde er sich in die Kämpfe stressen, um mir aus dem Weg zu gehen. Ich dachte ernstlich, dass er mir gegenüber und mit der Nähe, die ich zu Hal pflegte, nicht zurechtkam. Doch inzwischen hatten sich alle Zweifel gelegt. Liam war wie ein großer Bruder für mich und er sah es ebenso. Er schätzte meinen Mut und Überlebenswillen, und verstand sich mit Hal und den anderen Kämpfern gut. Er fühlte sich trotz seines einsiedlerischen Kerns, den ich nur allzu gut verstand, und dem Drang jeglicher großen Menschenmenge zu entfliehen, an diesem Platz geborgen.
Liam würde die zweite Mass fürs Erste nicht so schnell verlassen. Insbesondere nachdem ich ihm vertrauensvoll und geduldig erklärt hatte, dass kein weiterer Alienspion in seinem Gehirn saß und er bei mir bleiben sollte. Skepsis und Missmut über diese unfreiwillige Sabotage seines Gehirnes ersetzte er durch unzählige getötete Skitters und Mechs. Er war eine Bereicherung für die zweite Mass und wurde von vielen geschätzt.

Außer von Pope. John Pope’s größte Sorge war die Aufrechterhaltung von seinem Ruf als herausragender Alienkiller. Pope betrachtete Liam als Konkurrenz schlecht hin.
„Der hat Probleme.“, brummte Hal genervt von der Seite.
Er schien meine Gedanken zu lesen. Hal starrte Pope skeptisch an. Wild gestikulierend und durchgehend redete mein selbsternannter Pirat auf sein Publikum ein; als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt. Nichts anderes als seine persönliche Hinterlassenschaft, seine Legende, zu wahren.
Ich schmunzelte unwillkürlich. „Nein. Der ist ein Problem.“
Aber ein Problem, das unsere verdammten Hintern gerettet hatte.

Ich nahm noch einen Schluck und bot Hal die Dose an, er nahm sie ohne Zögern und ich schloss die Augen. Ich sinnierte. Auf der langen Reise hatte ich Argumente für und gegen meine Liste gefunden. Für und gegen ein Einsiedlerleben. Außer Punkt 10. Nummer Zehn wäre ein weiterer Grund für ein Leben ohne Gesellschaft, ohne Zivilisation und Regeln, ohne Streit und Probleme. Doch ich beobachte wie Hal seine Hand durch das Fell von Rover gleiten lässt, und kann mir nichts Schöneres vorstellen als ihm ewig dabei zu zusehen.

Eine Wahrheit lag auf der Hand. Als Einzelgänger wüsste man in einer solch von Krieg beherrschten Welt nicht, ob man bereits der letzte Mensch auf Erden war. Man könnte sich nie sicher sein. Und was würde es für einen Unterschied machen, dachte ich früher.
Unbewusst legt sich meine Hand auf Hal‘s Arm. Eine sanfte Berührung. Kaum ein Mensch könnte mir mehr bedeuten, könnte in mich sehen und Geduld wie auch tiefere Empfindungen aufbringen. Ich fühle mich zuhause und würde dieses Zuhause um jeden Preis beschützen. Eine Welt ohne Heimat ist ein kalter Planet. Das schlägt jeden verdammten Grund für ein Leben als Einsiedlerin. Egal, was noch auf dieser Liste steht. Die Liste brennt.


END.
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