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A Walk On Earth

GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
16.10.2013
29.07.2014
32
46.449
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16.10.2013 841
 
Ich hätte nie gedacht, dass gerade Pope, und auch Maggie, dass gerade diese beiden uns aus einer Misere befreien würden. Pope, der selbst eine Schwierigkeit nach der anderen sät und dessen große Klappe keinen Urlaub kennt. Und Maggie. Naja, Maggie eben. Sie hielt die Stellung, machte dann einen Vorstoß und als ich bei Hal ankam, flüchteten bereits die letzten Ausreißer aus dem Tor hinaus in den Wald hinein.
Maggie winkte uns zu sich. Wir stürmten los, ließen die Kiesel unter unseren Füßen zur Seite springen und landeten geräuschvoll neben der Blondine und dem rieseigen Müllberg von Metall und Schutt. Ihre großen Augen begutachteten in Millisekunden erst mich, dann Hal. Es war die letzte Deckungsmöglichkeit vor dem Ausgang, dem Tor in die Freiheit. Danach hieß es laufen, laufen, laufen.
Vollautomatisch schwenkten meine Arme die Waffe herum und knallten einem von Narben gezeichneten Skitter ab. Das Viech wollte sich von hinten an uns heranmachen. Maggie starrte kurz zu dem toten Leib. „Wir dürfen keine Zeit verlieren.“
Ich war der gleichen Auffassung. Gerade als ich aufspringen und uns den Weg auf die letzten Meter ebnen wollte, hielt mich Hal zurück. Er zog mich brutal zurück auf den Boden, seinen Arm fest um meine schmale Taille und drückte mich ganz dicht an sich. Mein Ellbogen krachte mit Höchstgeschwindigkeit in seine Nieren. Der Griff lockerte sich und ich drehte mich herum. Im nächsten Moment bereute ich die Aktion. Es war Instinkt gewesen. Ein Tier, das man in die Enge treibt, war zu allem fähig und genau so hatte ich mich eben gefühlt. Gestresst. Allerdings hatte ich Hal punktgenau auf seine Wunde geschlagen. Ein Knall ertönte hinter mir. Ich zuckte zusammen.

Ich traute mich kaum Hal in die Augen zu sehen. Trotz des schmerzverzogenen Gesichtes deutete Hal an meiner Schulter vorbei. Ich folgte der angedeuteten Richtung, meine Hand sanft auf seine Brust gelegt. Ich spürte sein Herz beben, und hoffe der zugefügte Schmerz würde ihn nicht allzu sehr belasten.
Ein Berserker befand sich noch auf dem Areal. Er hatte eine ein paar hundert Gramm schwere Granate zu einem Skitterduo geworfen. Nur wenige Meter von uns entfernt. Die Splitter hätten mich schwer verletzt.
Ich wandte meinen Blick zurück zu Hal. Es war der volle Rausch von Adrenalin oder das schmutzige, schweißverklebte Gesicht mit den dunklen, verträumten Augen. Als meine Lippen die seinen berührte, knipste die Umgebung das Licht aus. Erst das Rütteln von Maggie ließ uns wieder zu Sinnen kommen. Mein Blick haftete in Hal’s Augen, mein Gesicht wenige Zentimeter von seinem entfernt.
„Hej ihr beiden Turteltauben. Hört ihr das?“
Maggie’s raue Tonlage duldete keinen Aufschub. Ich rutschte von Hal herunter und setzte meine Waffe in die korrekte Haltung. Meine Ohren waren gespitzt. Ein unbekanntes Sirren. Ich stierte hoch, unbewusst krallte sich meine Abzugshand in die Jacke von Hal.
Nach allem was mir hier begegnet und passiert war, hatte ich an dem Gerücht gezweifelt. Mit Sicherheit gab es keine Masken, die sich Skitter für den Kampf aufrüsten ließen. Es wurde hier nichts entwickelt, dass die Nervenstränge in den Rachen der Alienviecher schützte. Nichts, was nach ihrem Tod auf den Boden fallen und sich pulverisieren würde wie Napalm. Eine List hatten die Fischköpfe in die Welt gesetzt. Und ich war darauf reingefallen.
Dachte ich.

Ein Skitter hatte die Granatexplosion überlebt. Seine rechte Seite war zerfetzt, hing teilweise herunter. Das Viech schwankte. Gleichdarauf sackte das grüne Monster zu Boden als wäre es ein Halloweenkostüm. Die nächste Szene könnte aus einer Sciencefiction TV-Serie stammen, so abstrus wirkte es in meinen Augen. Weder Maggie noch Hal wagten laut zu atmen, geschweige denn zu reden. Im seitlichen Blickwinkel erkannte ich bloß, wie Maggie ihre Waffe zum Feuern bereithielt.
Der Skitterleib lag einfach da, als plötzlich etwas ein paar Meter nach oben flog. Es war aus seinem Kiefer hervorgesprungen, ein kleines rundliches Ding, dass mir bisher nicht aufgefallen war. So sehr war ich auf die Beschreibung der Masken fixiert gewesen, die in dem Gerücht vorgekommen sind.

Das kleine Ding wirkte unscheinbar, in der gleichen grünen, krustigen Formation wie die Skitterhaut. Das handgroße Objekt flog hinauf, bis es gut sechs Meter über dem Boden schwebte. Ohne viel Getöse zerplatzte es. Eine silberne Staubwolke fiel in Schneeflockenmanier zu Boden. Der Körper des Skitters begann bei der ersten Berührung mit dem Pulver zu verätzen. Jedes einzelne Element, aus dem das Alienviech zu bestehen schien, wurde ausgelöscht. Auch der Boden ließ allem Anschein nach ein paar Zentimeter Erde. Uneben und ungleichförmig formte sich ein seichter Krater an der Stelle, an welcher eben noch ein Skitter seine letzte Grabstätte gefunden hatte.
„Als würde jemand mit einem unsichtbaren Hammer zuschlagen.“
Ich blinzelte zu Maggie und blickte zurück zu dem Geschehen. Ein Traum, ein furchtbarer Alptraum. War das eine Prototypfassung? War das eine Maske, und in welchem Entwicklungsstadium? Sollten wir rennen?
„Sollten wir rennen?“ Meine Augen blickten fiebernd zu Hal und er riss mich in der nächsten Sekunde auf die Beine. Maggie sprang auf, wir hielten uns die Waffen vor die Brust und liefen los. Hal und Maggie hatte es also auch gesehen. Es war kein Traum.
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