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A Walk On Earth

GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
16.10.2013
29.07.2014
32
46.449
1
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39 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.10.2013 1.751
 
(lange ist's her, deswegen gibt es auch ein längeres chap. hoffe es gefällt, hf)



Es herrschte Unruhe bei den Skittern. Auch die unüberhörbaren Schritte der Mechs lagen uns in den Ohren wie Trommelschläge einer Hundertschaft. Ich sah mich um, doch der Knall musste von oberhalb, von draußen gekommen sein.

Liam zog mich zu sich und legte mir einen Gegenstand in die Hand. Als ich den kugelförmigen Sprengkörper herumdrehte, erklärte Liam bereits den Plan.
„Das Chaos müssen wir nutzen.“ Liam blickte in die Runde, von Hal zu Dai und wieder zu mir. „Darauf warte ich schon viel zu lange. Kate, wirf die Granate dort hinüber. Wenn ich das Zeichen gebe.“
Mit einer Hand pointierte er die Stelle. Ich spürte das Nicken von Dai hinter mir. Wahrscheinlich war dem smarten Kämpfer die Idee von Liam längst klar.
„Hal, Kate. Wenn sie explodiert, wegdrehen, ducken.“
Ich hörte seiner ruhigen, aber lauten Stimme in diesem Chaos nur halbherzig zu. Die Handgranate fühlte sich an als wäre es ein rohes Ei - dass ich gleich fallen lassen würde. So nervös war ich lange nicht mehr. Nicht zu fest zudrücken. Meine Finger verkrampften. Dabei wollte ich nichts lieber als aus diesem Käfig hinaus.

Ich wurde herumgedreht, Liam drückte mich in den Rücken, um mich ans andere Ende zu schieben. Dann ließ er los. Seine Berührung war weg. „Mit einem kräftigen Wurf. Alles klar?“
„Warum ich?“
„Weil du deinen zarten Arm am weitesten durch das Käfiggitter stecken und somit am besten für einen Wurf ausholen kannst.“
Ich besah die Granate in meiner Hand, beäugte skeptisch den Käfig und blickte nach hinten. Die Männer rüsteten ihre Waffen. Liam besprach noch etwas mit Hal und Dai. Ob er ahnte, dass ich ein Auge auf Hal geworfen hatte? Ich seufzte und drehte mich zurück zu den Metallstreben. Liam war einer der wenigen Menschen, vor denen ich echten Respekt hatte. Nicht bloß wegen seiner kämpferischen Fähigkeiten, auch im menschlichen Sinne. Konzentration. Ich beruhigte meine Atmung. Kampf und Befreiung waren jetzt wichtiger als alles andere. Dabei fühlte ich mich so schwach. Umzingelt von Männern und ihren Adrenalin durchpumpten Körpern, von geladenen Waffen, von Gefühlen, derer ich mich kaum beherrschen konnte und eingeschlossen in einem Metallkäfig, der bewacht wurde von Aliens, die gerade wie aufgescheuchte Savannengazellen durch die Halle stürmten.
Oberhalb hörte man Schüsse und einen weiteren Knall. Immerhin, ich hielt eine Granate in meiner Hand.

Das Zeichen kam schnell und Liam behielt Recht. Ich konnte die Granate punktgenau an ihr Ziel werfen. Gerade in dem Moment als ein Mech vorbeikam. Ein paar Sekunden und alles war vorbei. Der Mech drehte sich dem rollenden Gegenstand zu und legte zum Schuss an. Als der Laserstrahl des Mech aufleuchtete, explodierte die Granate explodierte und der Mech wurde gegen die Käfigwand geschleudert. Das unzerstörbare Metall des Mechs verbog den Rahmen unseres Käfigs wie Spaghetti. Die Streben sprangen von der Decke und gab unter dem Gewicht des Monsters nach. Ich konnte gerade noch zur Seite springen als der Mech angeflogen kam. Dröhnend begrub er die Metallstreben unter sich.
„Liam!“
Fluchend starrte ich mit geballten Fäusten zu Liam. Er hat gewusst, dass das passieren würde.
„Deine Reaktion ist nach wie vor atemberaubend.“ Mit ein paar großen Schritten war er bei mir angelangt. Er drückte mir meine MP 5 mit den Worten ‘Übrigens, schön, dass du so gut drauf aufgepasst hast.‘ in die Hand und sprang dann auf den am rückenliegenden Mech. Liam hatte sich eine neue Waffe zugelegt, kein Schmuckstück wie seine ehemalige Maschinenpistole, aber eine Waffe mit hoher Durchschlagskraft. Er versetzte dem Mech ein paar Kugeln direkt unter die Metallschürze. Die Lichter der Alienmaschine flackerten, zuckten und erloschen schließlich.
Ich grummelte noch, da sprang Dai bereits an mir vorbei, auf den Mech und in den Gang hinaus. Hal stieß mich sanft von hinten an.
„Na los. Wir müssen die anderen befreien, und dann nichts wie raus hier.“


- - - - - - - - - -

Wir erledigten viele Skitter, verdammt viele. Wir waren mehr als ein Dutzend gute Kämpfer. Ein paar von ihnen fanden ihre Waffen, die ihnen die Aliens abgenommen hatten. Ein paar der Gefangenen hatten sich in ihren Zellen Klingen geschmiedet, aus allem was sie zur Verfügung hatten.
Ich sah diese messerähnliche Gegenstände in die Rachen von Skitters verschwinden. Ein besonders gut trainierter Mexikaner stieß seine blanke Hand in einen der Aliens. Das Viech war von oben auf ihn herabgesprungen. So schnell konnte ich meinen Abzugsfinger gar nicht betätigten, da zog der Mexikaner bereits seinen Arm wieder heraus, blutüberströmt und von den qualvollen Klängen des verendenden Skitters begleitet. Er blickte mich grinsend an. „So geht das, mi querida.“

Es war ein Martyrium zwischen all den Maschinen und unbekannten Geräten hindurch, zwischen alienhaften Verarbeitungen. Es waren unbekannte Gerüche dabei. Ich hatte keine Zeit die Sachen näher zu betrachten, aber ein großer Teil der Dinge war nicht von Menschenhand erschaffen. Womöglich war an dem Gerücht doch etwas dran. Womöglich wurden hier doch Masken für Skitter gebaut.
„Kate!“ Liam rief meinen Namen und meine Beine reagierten bereits automatisch. „In Bewegung bleiben.“

Noch mehr Aliens wurden ins Jenseits befördert. Unsere Truppe näherte sich einer Treppe, die uns nach oben führen könnte. Hinaus in die Welt. Unsere Flucht schien zu klappen.
Bis es Dai als erstes erwischte.

„Muni ist alle.“
Ich fluchte, denn meine Munition neigte sich ebenfalls dem Ende zu. Es erinnerte mich an meine Liste, ein kleiner zerknüllter Zettel. Ich hatte lange nicht mehr einen Blick darauf geworfen. Es gab keinen Anlass. Mein Einsiedlerleben schien wie das fertiggeschriebene Kapitel eines Geschichtsbuches. Dennoch wusste ich jeden einzelnen der zehn Punkte auswendig. Und Nummer fünf sprach von eben jener Situation. Kugeln in deinem Gewehr sollten dich beschützen. Aber wir steckten alle im gleichen Boot. Mehr noch. Das massige Gefühl von Schuld thronte über mir. Ich war diejenige, die Dai und Hal, aber auch Rover, in dieses Gebiet geführt hatte. Andererseits ist es jedem seine eigene Entscheidung und Verantwortung, ob-
„Skitter!“
Ich drehte mich herum und schoss über den Kopf von Dai hinweg. Ein weiteres Alienviech fiel zu Boden.
Dai fuhr sich durch die Haare, über die gerade meine tödliche Kugel geflogen war. „Das war ‘ne verdammt knappe Aktion.“
Trotz der widrigen Umstände konnte ich ein schiefes Lächeln nicht unterdrücken. „Ja. Haarscharf.“


- - - - - - - - - -

Wir rannten weiter bis wir auf die Gerüsttreppe stießen. Sie führte an der Wand entlang, machte einen Knick zu einer Art Brücke, dessen Boden ebenfalls nur aus Metallstreben bestand, und diese führte direkt zur Tür in die Freiheit. Jemand stand bereits dort. Das Sonnenlicht hinter ihm ließ das Gesicht in einem Schatten verschwinden. Ich konnte nicht erkennen wer das war. Ich wusste nur, es war ein Mensch. Und die Skitter flogen auch ihm entgegen wie die Moskitos.
Aber ein Viech nach dem anderen fiel vom Geländer. Noch jemand tauchte auf und half dem Unbekannten dabei. Der nächste Skitter stürzte metertief hinab und landete wie ein zerkautes Pizzastück neben uns.
„Lecker.“ Ein unbekannter, junger Mann aus einer der anderen Käfigzellen stand an meiner Seite und betrachtete den leblosen Körper. Es war wirklich kein schöner Anblick und verlor mich für ein paar Sekunden in dem Kunstwerk aus Körperflüssigkeiten, grüner Hautfetzen und einem zerschossenen Schädel.
Liam brachte uns wieder auf Trab.
„Da hinauf.“
In hastigen Worten diktierte er den ersten Kämpfer die Treppe hinauf. Als nächstes zog er Hal und eine Frau zu sich. Danach folgte Dai. Einer nach dem anderen begann die Treppe hinauf zu laufen. Wie Hühner auf einem Balken, ein leichtes Ziel für Mechs. Ich drehte mich um. Die anderen brauchten Rückendeckung und solange Munition in meiner Waffe war, hörte ich nicht auf zu schießen. Und zu treffen.

Während ich erneut einen Skitter in die ewigen Jagdgründe brachte, musste ich mir jedoch eingestehen, dass ich langsam selbst gerne auf der Treppe nach oben wäre.
„Es sind zu viele.“, schrie ich Liam zu. Ich konnte zwar ziemlich laut brüllen, aber meine Stimme schien in dem allgemeinen Chaos dennoch zu versinken.
Ich schüttelte den Kopf. Noch ein Skitter.
„Verflucht seid ihr.“, und legte an. Mein Finger zog den Trigger nach hinten und… nichts. Ich zog erneut, aber meine MP 5 schwieg wie am Ende eines Gebets. Keine Munition mehr. Ich drehte sie herum, damit die schwere Seite mit dem Griff und der Munitionshalterung nach vorne zeigte und wartete. Fünf Meter, noch vier.
„Komm nur her du kleiner Skitter.“
Ich hatte schon ganz andere Kaliber vor mir. Etwa das Mistvieh, das mich aus meinem Schlaf gerissen und nach einem kurzen Kampf zwischen Heuballen, durch einen Fetzen voll Alkohol sterben musste. Jetzt war ich munterer denn je.
Drei Meter. Die Skitterbeinchen senkten sich, er schien springen zu wollen. Als der Körper des Skitters sich tatsächlich anhob und sich mir näherte, machte ich einen Schritt zur Seite. Mit einer harschen Bewegung zog ich meine MP 5 wie einen Baseballschläger über den Kopf des Skitters. Der grüne Körper landete am Boden. Als ich erneut auf den zuckenden Körper einschlagen wollte, -der Skitter war bereits dabei wieder aufzustehen-, fiel ein Schuss. Die Muskeln des Skitters entspannten sich von einer Sekunde auf die andere. Eine kleine Lache bildete sich unter seinem Schädel.
Ich schaute auf. Liam hielt seine Waffe auf den Skitter gerichtete, aber sein Blick lag auf mir. „Komm jetzt. Wir sind die letzten.“


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10 Gründe für ein Einsiedlerleben

1.) Man muss sein Essen nicht teilen: schwach und müde, halbe Rationen im Magen. Ich lief auf Sparflamme. Konnte ich Hal oder Dai deswegen böse sein?
2 .) Keine Ablenkung, da keine Männer: Ich hasste ihn. Ich hasste ihn dafür, dass er so süß aussah. Seine Augen mich mit diesem verträumten Blick anstarren konnten und ich keinen Plan hatte was in seinen Gedanken vor sich ging.
3.) Keine menschlichen Verluste: Bist du alleine und triffst auf eine Skitterhorde, so gewinnst du oder du gewinnst nicht. Simple Sache. Ohne Trauer und Leid.
4.) Du gehst dorthin, wo du willst & bleibst solange du magst: du musst dir kein ‚Wir sollten gehen‘ oder ‚In diese Richtung wäre besser‘ anhören und ersparst dir langatmiges diskutieren.
5.) Du verbrauchst deine Kugeln für dein Leben: und musst keine kostbare Munition für jemand aufwenden, der sich womöglich selbst in Schwierigkeiten gebracht hat.
6.) Man kann vor sich her singen: ohne blöde Kommentare von der Seite.
8.) Man muss sich nicht für jede Kugel rechtfertigen: oder sich als Killer und gewissenlose Bestie verurteilen lassen. Im Ernstfall gibt es mich und das Überleben. (Merke: Zögern und Gnade verursachen gefesselte Hände.)
9.) Allein ist Streit unmöglich, ergo: keine zwischenmenschlichen doofen Konflikte: und vor allem keine eifersüchtigen Blicke von Furien, und keine Rache schmiedenden Zungen, die hinter deinem Rücken von Freund zu Feind werden.
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