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A Walk On Earth

GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
16.10.2013
29.07.2014
32
46.449
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Dieses Kapitel
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16.10.2013 943
 
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„Man sollte ihnen Schilder umhängen. Das Füttern der Tiere ist strengstens verboten.
„Oh ja! Denn hungrige Skitter sind viel kampfeslustiger.“
Stürmisches Lachen und Grölen sowie umhergeworfenen Lobeshymnen begleiteten die Ansagen von Pope und dem Jungen. Das Gerede von Pope’s Bande überfluteten den gesamten Vorplatz. Die durcheinander fallenden Stimmen musste Tom dreimal so laut übertönen.
„Matt!“
Tom rief seinen Jüngsten. Matt war mit Pope und den Berserkern unterwegs gewesen. Ein viel zu großes Sturmgewehr hielt er mit seinen kleinen Händen vor der Brust. Während die Berserker an ihm vorbeizogen und laut wetteiferten, welcher Skittertod der brutalste war, blieb Matt mürrisch stehen. Mit sturem Blick wartete er darauf, dass sein Dad zu ihm kam.
„Kommt jetzt wieder eine Moralpredigt, Dad?“
Tom blieb vor ihm stehen, musterte seinen jüngsten Sohn, dessen Haare sich wild krausten. Matt hatte schon immer seinen älteren Brüdern eifersüchtig hinterher gesehen, wenn sie gegen die Aliens von dannen zogen. Seit er endlich ein Gewehr in Händen halten durfte, wollte er nichts anderes mehr tun. Tom vermisste das helle Kinderlachen und die blitzenden Augen seines Sohnes, wenn er beim Fußball spielen ein Tor geschossen hatte.
„Du weißt längst, was ich davon halte, Matt." Tom ging erst gar nicht auf die Ungehaltenheit seines Jüngsten ein. "Hast du deinen Bruder gesehen?“
Matt ließ den offenen Lauf seiner Waffe gegen den Boden gleiten. Unverkennbar wurde das Gewicht zu viel für den Jungen. Der Raubzug von Pope und seinen Berserkern hatte lange gedauert.
„Hal ist doch mit Dai und dieser Tusse weg. Weißt du doch.“
Tom blickte ihn etwas fassungslos an. Der störrische Gesichtsausdruck von Matt war noch immer nicht erloschen. Matt erwartete nach wie vor eine Standpauke, dass er ohne zu fragen mit Pope davon gezogen war.
„Matt. Ich rede natürlich von Ben.“
Matt schüttelte den Kopf.
„Ja. Ich denke… mh…“ Matt blickte nach oben, seine lockigen Haare fielen leicht nach hinten. „Kein Ahnung, Dad. Vor ein oder zwei Tagen vielleicht.“
„Bist du dir sicher?“ Tom kannte die Gesichtszüge jeder seiner drei Söhne und wusste, wenn sie ihn belogen. Er selbst hatte Ben seit gut einer Woche nicht mehr angetroffen. Der guten Nachricht von Matt wollte er mehr Glauben schenken, doch er hielt sich zurück. Er war besorgt. Obwohl Tom wusste, dass Ben stärker, schneller und resistenter war als ein normaler Mensch – als Vater legten sich die Sorgen um das Wohl der Kinder niemals zur Ruhe. Zugleich brauchte er all seine Kraft für die Menschen der zweiten Mass. Er versuchte erst gar nicht einen unsinnigen Grund aufzustöbern, warum Ben und Matt sich gegen ihren Vater verschwören sollten. Oder nur Ben. Matt stellte für seine Brüder meist nur ein Schutzwall oder ein Alibi dar. Gleich ob Hal sich nachts heimlich aus dem Haus geschlichen hatte, um zu einem Date zu gehen, oder Ben den Sportunterricht schwänzen wollte. Matt war dann niemals alleine zuhause gewesen oder Matt sei plötzlich krank geworden. Die Vergangenheit wischte Tom mit einem Atemzug der kühlen, frischen Luft wieder weg.
„Okay, Matt. Kannst du mir Pope schicken? Ich erwarte ihn drinnen.“

„Tom Mason lässt rufen. Und hier bin ich.“
Pope stand im Türrahmen und verbeugte sich mit vorgehaltener Hand. Tom ignorierte dieses Mal die ungehaltene Leichtigkeit von Pope aus jeder Situation einen Witz zu machen. Die Sache, die er von Pope erwartete, war ihm viel zu bedeutsam.
„Pope. Nimm zwei deiner Berserker. Ihr bekommt Ausrüstung und Nahrung bereitgestellt. Ich habe einen Auftrag für dich.“
Pope verzog keine Miene, schloss die Türe und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen die Wand.
„Ist das auch vom Oberboss höchstpersönlich abgesegnet?“ Am Ende des Satzes setzte Pope sein typisch halblustiges, halbfieses Grinsen auf.
Tom versuchte erneut gelassen zu bleiben. Er ging nicht darauf ein, ob Weaver etwas wusste, sondern fuhr mit näheren Informationen zum Auftrag fort.
„Hör gut zu-“
„Ein Frage noch, Professor. So wie es mir scheint, geht es hier um etwas Persönliches. Ansonsten würde Weaver neben dir stehen. Warum also gerade ich? Als Vertrauensbeziehung kann man das zwischen uns ja nicht gerade bezeichnen.“
Ein flüchtiges Grinsen konnte Tom nicht vermeiden. Tatsächlich gäbe es Menschen in der zweiten Mass, denen Tom deutlich mehr Vertrauen und Loyalität zutraute. Aber Pope hatte scheinbar verstanden, worum es hier ging. Tom machte ihm dem Grund für sein Ansuchen nochmals deutlicher.
„Weil du verrückt genug bist, um diese Mission auf dich zu nehmen.“
Das Interesse von Pope hatte Tom im Sack. Dennoch schien er unzufrieden. Damit er es Tom nicht zu leicht machte, hakte er mit skeptischem Unterton nach.
„Ich könne abhauen. Mit allem was du uns mitgegeben hast, und dein Auftrag wäre… Puff.“ Pope ließ seine Hände wie ein Feuerwerk auseinandergleiten.
Ein paar Schritte ging Tom auf Pope zu. Nach all der Zeit wusste er mit Pope umzugehen. Es benötigte nicht bloß Geduld. Nein, es brauchte Überzeugungsarbeit und allzu oft auch härtere Methoden. Mit einem Haifischlächeln blieb Tom vor Pope stehen.
„Wenn du diesen Auftrag annimmst, dann gibt es kein Abhauen. Tu es, ich find es raus, such dich auf und führ dich zurück in den Graben aus dem du gekrochen bist.“
Pope verzog das Gesicht, dreht sich am Absatz um und verließ den Raum. Er hatte sich erst ein paar Meter entfernt als er erneut die Stimme von Tom hinter sich hörte. Sanfter und besorgter als zuvor.
„Pope. Denke an Brandon und Tanya... Du weißt wie es ist Vater zu sein. Stell dir vor es wäre dein Sohn da draußen.“
Ohne ein Wort zu verlieren oder sich umzudrehen, setzte Pope seinen Weg fort. Weg von Tom Mason, weg von den Erinnerungen, die der Professor in ihm hervorgelockt hat. Seine geliebten Kinder. Ein Stich in seinem Herzen nahm Pope zähneknirschend entgegen, während er seine Entscheidung überdachte.
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