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A Walk On Earth

GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
16.10.2013
29.07.2014
32
46.449
1
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16.10.2013 1.375
 
Schweißgebadet, aufrecht sitzend und keuchend habe ich in die schwarze Nacht des Raumes gestarrt. Eine Hand lag auf meinem Bauch, eine Stimme rief meinen Namen. Bis ich realisierte, dass Hal neben mir hockte und versuchte mich wieder in die Wirklichkeit zurückzuholen. Verdammt, hatte ich das alles geträumt? Noch niemals zuvor war so etwas passiert. Tatsächlich liefen mir Tränen aus den Augenwinkeln, ich spürte den besorgten, beinah traumatisierten Blick von Hal auf mir. Endlich blickte ich ihn an.
„Geht schon wieder.“
Meine Stimme klang klein und zaghaft, dabei wollte ich Hal wirklich überzeugen, dass alles okay sei. Ich nickte ihm nochmal zu, betätigte meine Gesichtsmuskeln zu einem eigenartigen Lächeln und verscheuchte ihn zu seinem Schlafsack zurück.
Als mein Kopf wieder flach am Boden lag und ich die Decke des Zimmers anstarrte, als würden Antworten auf mein Gesicht niederdonnern, wusste ich es. Dieser Traum sollte mir etwas zu bedenken geben. Mein Unterbewusstsein wollte mir sagen, dass ich Hal und die anderen schleunigst verlassen sollte. Ich bringe sie alle nur in Gefahr!

Ich zählte ganze drei Mal von 100 herunter, bis ich wieder eingeschlafen war.

Der nächste Tag, putzmunter und in aller Herrgotts Früh war ich nach draußen gegangen. So mies wie ich geschlafen hatte, so energiegeladen war ich dennoch. Die eisige Frischluft flutete meine Lungen und ich ließ mich auf den Boden sinken, grub die Hände in die Erde, die Stiefelspitzen ebenfalls, und begann Liegestütze zu drücken. Danach folgten Sit-ups.
Nach kurzem Ja, ich trainiere regelmäßig. Können wir jetzt? und Sehr eifrig. Und ich auch. von Seiten der Burschen als müssten sie ihre Männlichkeit verteidigen, konnten wir endlich unseren Weg zurück auf den Highway machen. Dabei gingen wir einen anderen Weg entlang, der uns direkt auf eine Landstraße und schließlich die Auffahrt zum Freeway führte.
Allerdings mussten wir durch einen Kleinort durch, das war mir nicht sehr geheuer. Bilder der Kannibalen durchblitzten mein Gehirn.

„Bleibt mal alle stehen.“
Dai hielt eine Hand hoch, während er die Umgebung nach Auffälligkeiten beobachtete.
„Hast du was gehört?“
Ich trat einen Schritt näher an Dai heran, sah allerdings zu Hal zurück, der ebenfalls sein Umfeld beobachtete. Dai nickte.
„Könnte aber auch gar nichts gewesen sein.“
Ich nickte bestätigend und wir verharrten noch für eine weitere Minute. Kein einziges Geräusch drang an unsere Ohren, was im Grunde genommen noch mehr verunsicherte als wie wenn ich einen Mech oder Skitter gehört hätte. Da würde ich zumindest die Gefahr hören und könnte mich drauf vorbereiten. So allerdings schwebte eine potentielle Gefahr in der Luft wie eine Glaskugel, völlig still und schwerelos, und wartete nur darauf, dass jemand mit einem Hammer einen Nagel einschlagen würde, damit sie zersplittern und alles Alienartige und Böse nach außen dringen kann... was sah ich in diesem Moment. Ich machte ein paar Schritte von der Straße runter, auf einen Gehsteig und zu einem Zaun, dessen Bretter auch schon bessere Zeiten gesehen haben. Vorsichtig ließ ich mich auf die Knie, schwang meine MP 5 nach vorne und stütze mich auf. Mit der anderen Hand besah ich den eingedrückten Rasen, oder besser gesagt den Erdfleck, denn grüne Halme gab es hier nicht mehr.
„Hast du was gefunden?“
Hal schrie über die Straße, als müsste jedes der hier stehenden Häuser und dessen Kakerlakenbewohnern seine Worte hören. Wie auffällig kann man eigentlich noch sein…
Ich schüttelte den Kopf, allerdings wich meine Hand nicht von der Spur auf dem Boden vor mir. Es waren Mechabdrücke, diese Kanten und Ecken waren einmalig auf unserer Erde. Meine Finger fuhren durch die Furchen und maßen die Tiefe. Ich fragte mich, wie schwer wohl solche Mechs waren. Und es war ganz sicher ein Mech gewesen. Kein anderes Wesen hatte diese Fußform. Doch die Spur führte in die entgegengesetzte Richtung von uns. Es bedeutete, dass wir dem Mech hätten begegnen müssen. Das ist nicht passiert.

Wahrscheinlich waren die Abdrücke schon älter. Mein Kopf schüttelte sich erneut, als wollte ich selbst mit allem abschließen. Ich nahm meine MP5 wieder in korrekte Haltung an mich, stand auf und lief zu den Jungs zurück.

Der Freeway war deutlich besser als jeder Kleinort. Klar, man hatte kaum Deckung. Andererseits siehst du deine Feinde gleich kommen, von vorne und hinten. Hier konnte uns nichts überraschen, deswegen ließen wir es etwas ruhiger angehen. Rover streifte am Pannenstreifen entlang, die Jungs und ich marschierten eher mitten auf den breiten Fahrstreifen, der so völlig ohne Autos total lächerlich groß und nutzlos wirkte. Irgendwie verloren. Wie die paar Personen, die ihnjetzt als Fußweg verwendeten.
Dai schritt mal wieder voraus, und Hal mit mir hintennach.
Wir quatschten gerade über seine ganzen Xbox und Computerspiele, als mir ein kleiner glänzender Gegenstand entgegenblitzte. Rover schritt gerade daran vorbei. Prombt ließ ich Hal ohne ein Wort stehen, um mich zu dem Gegenstand zu bewegen.

Ich kniete mich hin, ließ dabei die Waffe über meine Schulter rutschen und legte sie neben mir am Boden. Er hatte einen Knick und war leicht abgeschabt, dennoch sah der Becher gut aus. Ich grinste.
Ohne den Rucksack herunter zu nehmen, ließ ich mich in den Schneidersitz fallen und zog den Becher an mich heran. Ich lebe, oder lebte, zwar nach Grund Nummer 6 meines Einsiedlerlebens, aber was solls.
„Mal sehn, ob ich es noch kann“, murmelten meine Lippen vor sich hin, während ich leise eine Melodie zu summen begann und mich an den Text zu erinnern versuchte.
Mit einem Mal ging es wie von selbst. Meine Hände klatschten zusammen, ich klopfte rhythmisch auf den Becher, drehte ihn in der Luft, stellte ihn wieder hin und sang dabei die passenden Liedzeilen. Ich verlor mich völlig in der Musik – bis ich Hal’s Schuhe vor mir sah. Abrupt hielt ich inne, sowohl mit dem Gesang als auch den Händen, die stocksteif den Becher umkrallten.
„Was wird das, wenn’s fertig ist?“
Halbentgeistert blickte ich Hal an. Ich machte eine Gestik, die nochmals nachfragte, ob er wirklich keine Ahnung habe.
Er hatte keine Ahnung.
„Der Cup Song. Hal… wo hast du denn gelebt vor der Endzeit?“
Ich lachte ihn goldigst an, und begann erneut zu singen. Hal murmelte etwas, schätze er meinte, er habe in irgendwelchen Shooter-Game Welten gelebt und keine doofen Becher als Instrumente missbraucht. Mir egal.
„Singst total gut.“
Hal lächelte mich entschuldigend an, und ich sang weiter, während meine Augen sein Lächeln strahlend erwiderten. Meine Güte, ich war echt nicht mehr Herr meiner Sinne.
Rover, der bisher neben mir gesessen hatte, stand plötzlich auf und trabte davon.
„Da. Dein Hund verzieht sich auch schon… bei deinen Gesangskünsten.“
Dai deutete auf Rover, mit einem fetten belustigten Grinsen im Gesicht.
Böse funkelnd schielte ich zu dem Asiaten rüber.
„Mach’s besser.“
Dai zuckte mit den Schultern, und begann tatsächlich ein Lied vor sich her zu flöten. Aber nicht irgendeines, nein. Nein! Natürlich konnte sich Dai den Spaß nicht nehmen lassen und zog Hal und mich auf.
„When the moon, hits your eye, like a big pizza pie.. that's amore…“
Ich blicke ihn mit einer solchen Entschlossenheit an, ihm den Hals umzudrehen, dass Dai bloß lachen konnte. Er schritt rückwärts, weiterhin den Song von Dean Martin vor sich hin summend. Schließlich drehte er sich wieder Richtung Norden und entfernte sich allmählich von uns.
„So kenne ich Dai gar nicht.“
Hal sah ihm nach. Scheinbar versuchte er den Augenkontakt zu mir zu vermeiden, weil es ihm genauso peinlich war wie mir. Dabei habe ich mir Dai als ruhigen Wegbegleiter erklären lassen… Hm, ich entsann mich wieder der Nummer 6 auf meiner Liste guter Gründe für ein Einsiedlerleben. Aber ich verspürte keinen Drang davon zu laufen, mich loszureißen und durchzuatmen. Nein, ich stand auf, streifte den gröbsten Dreck von meiner Hose, nahm die Waffe wieder an mich und ging schnurstracks an Hal vorbei.
„Lass uns weiterziehen, Cowboy.“
Ich hatte Spaß mit meinen Wegbegleitern. Wer hätte das geahnt.



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10 Gründe für ein Einsiedlerleben
4.) Du gehst dorthin, wo du willst & bleibst solange du magst: du musst dir kein ‚Wir sollten gehen‘ oder ‚In diese Richtung wäre besser‘ anhören und ersparst dir langatmiges diskutieren.
6.) Man kann vor sich her singen: ohne blöde Kommentare von der Seite
9.) Allein ist Streit unmöglich, ergo: keine zwischenmenschlichen doofen Konflikte: und vor allem keine eifersüchtigen Blicke von Furien, und keine Rache schmiedenden Zungen, die hinter deinem Rücken von Freund zu Feind werden.
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