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A Walk On Earth

GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
16.10.2013
29.07.2014
32
46.449
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Dieses Kapitel
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16.10.2013 1.331
 
(sorry für die längere Pause. hoffe es gefällt, have fun)


Der Satz schien an den Ohren von Tom Mason festzuhängen.
Ich habe kein Problem einige Zeit lang die zweite Mass zu verlassen. Am Ende tue ich es, um die Menschen zu beschützen!, so die Worte seines ältesten Sohnes.
Hal betrachtete seinen Vater nachdenklich. Möglicherweise rätselte sein Dad darüber, welche Gründe hinter dem Abhauen seines Sohnes wirklich zu stecken schienen. Doch es war nicht Maggie, die Hal von der zweiten Mass vertrieb. Oder besser gesagt, sie war nicht die einzige Motivation. Tom hingegen schien die Trennung von Maggie als wahren Grund zu sehen. Als Vater sah er sich in der Pflicht seinen Sohn von kurzfristigen, wenig überdachten und emotional gelenkten Entscheidungen abhalten zu müssen. Dachte er zumindest.
„Wir brauchen dich hier. Das weißt du, Hal. Wenn Kate gehen mö-“
„Kate tut..“ Hal hielt inne, versuchte sich zu beruhigen. „Okay, weißt du was. Schick noch jemanden mit. Kate wird nicht zwei Kämpfer umlegen oder entführen... oder welche Zweifel dich sonst noch plagen.“
Hal wirkte wirklich verärgert. Ich kannte diesen Gesichtsausdruck von ihm noch gar nicht.
Tom schwieg und überlegte, versuchte seinen Sohn zu verstehen. Es war kurze Zeit still um sie herum, die meisten Personen waren nach drinnen gepilgert, um sich ihre Essensration zu holen. Da verfingen sich Toms Augen an einem Punkt. Hal drehte sich herum, um zu sehen was sein Vater erblickt hatte.
Mich. Sarah, die neben mir saß, und mich hatten die beiden erblickt, wie wir beide frische Luft genossen und Sonnenenergie auf unserer Haut tankten. Ein Arm von mir lag um Sarah, während das kleine Mädchen die Augen geschlossen hatte, um die Sonnenstrahlen in ihrem Gesicht intensiver zu spüren. Es war ein unwirkliches Bild, vor allem für Tom. So gar nicht die Kate, die die meisten hier, einschließlich Hals Vater, so misstrauisch beäugten. Die so verkorkst und einsiedlerisch war.
Plötzlich tauchten weitere Kinder auf und hielten mir einen Fussball unter die Nase. Ich winkte erst ab, schielte nochmal zu Hal und seinem Dad. Dann sprang ich doch von den Kisten und ließ mich auf ein kurzes Spiel ein.

Ich spürte aber bei jeder meiner Bewegungen den stechenden Blick von Hals Vater im Rücken.
„Sie kann sich jeder Zeit der zweiten Mass, oder Zivilisation wie sie es bezeichnet, anschließen. Aber du-“, wobei Toms Blick wieder zu seinem Sohn glitt, „schließt dich ihr nicht an.“
Es war wie ein Drahtseil, das sich während des gesamten Gespräches zusehends gespannt hatte. Sein Vater machte Hal rasend. Das innere Seil riss. Hal schnappte sich eine halbleer getrunkene Bierflasche, die auf einer nahestehenden Inventarbox gestanden hatte, und warf sie wütend Richtung Wald. Als Hal sich wieder umdrehte, fixierte er erst meinen verdutzten Blick aus der Ferne und sah dann zu seinem Vater, der die Arme über den Kopf gerissen hatte und seinen Sohn nicht weniger entgeister ansah als ich.
„Hal-“
„Nein, Dad. Ich kann gut auf mich aufpassen. Und ich glaube Kate, und vertraue ihr. Ich werde ihr helfen. Punkt.“
Hal machte eine Pause, die Augen wechselten zwischen seinem Vater und meiner Wenigkeit hin und her. Es rührte sich zwar kein schlechtes Gewissen bei mir, aber Sorgen, eine Familie würde wegen mir zerbrechen, taten sich schon auf...

„Ich muss das tun.“ Hal sprach mit ruhiger Stimme. „Besteht auch nur die kleinste Chance das etwas dran ist… mehr als ein bodenloses Gerücht… Dad, ich muss das tun...“
Beinah hilflos sah er nun seinen Vater an. „Für uns alle. So wie du auf Ben und Matt, und mich aufgepasst hast.“
Tatsächlich konnte ich beobachten wie Hal auf seinen Vater einredete und schließlich, nach ein paar Sekunden der Stille, ein Nicken von Tom Mason folgte.
„Okay. Aber ich heiße es trotzdem nicht für gut.“
„Damit kann ich leben. Sir.“ Hal grinste seinen Vater an, der nun ebenfalls lächelte, und beide wussten, dass die Sorge sich nie wieder zu sehen für eine lange Zeit ihr Wegbegleiter sein wird.
„Dai wird euch begleiten. Es muss ja kein völliges Suizidkommando sein.“
Hal lachte auf. „Braucht ihr seine Fähigkeiten nicht hier?“
Tom sagte nichts mehr, es schmerzte bereits jetzt seinen ältesten Sohn bald verabschieden zu müssen. In der Ungewissheit verbleibend, sich je wieder in dieser Welt anzutreffen.
Hal erhob eine Hand zum Griff und sein Vater schlug ein. Die Entscheidung war besiegelt.

Das war der Moment, an dem ich angerannt kam. Kleine Schweißperlen standen mir auf der Stirn, von der Sonne, dem Fussball spielen und dem Mitzittern des so intensiv gestikulierend geführten Gespräches zwischen Vater und Sohn. Achso und, mein Gott, war ich schlecht. Kein einziges Tor hatte ich versenkt.
Aber meine Mundwinkel wollten aus unerklärlichen Gründen nicht aufhören zu lächeln. Nicht das Fussballspiel, vielmehr der Gesichtsausdruck von Hal als ich näher kam, brachte mich zum Lächeln.
„Hatte schon vergessen, wie schwer es ist kleine Kinder zu beschäftigen.“
Tom sah mich irritiert an. „Du meinst, mit ihnen spielen? Spaß haben?“
Ich wollte jetzt wirklich keine Zwist anfangen. Beschäftigen, Spaß haben, ist doch alles dasselbe. Es war vielleicht eine schlecht Wortwahl von mir. Aber ich erwiderte Toms Blick verbissen. Er hatte Hal ganz schön in Rage gebracht, während ihres Gespräches und das fand ich gar nicht lustig.
„Wie auch immer.“ Meine Augen glitten zu Hal. „Und?“
Er bestätigte mit entschlossenem Kopfnicken. Ein komisches Gefühl machte sich in mir breit. Freude, Angst, alles zusammen. Ich sah wieder zu den spielenden Kindern, die ganz außer Atem waren und deren Welt abgesehen von Aliens gar nicht mal so übel war. Als Kind stellt man sich keine blöden Fragen, die einen bis in den Schlaf hinein kaum eine Ruhe lassen.
Mein Blick richtete sich wieder zu Tom, eindeutig der Vater von Hal. Ein Kämpfer, intelligent und gut aussehend. Schade eigentlich, dass wir uns nicht so richtig auf der selben Wellenlänge bewegen.
„Passen sie gut auf Sarah auf.“
„Versteht sich von selbst.“
Tom nickte, um seine Worte zu unterstützen. „Ich wiederhole mein Angebot  an dich, Kate. Du kannst gerne bei uns bleiben.“
Ich winkte mit einer Hand ab, lächelte trotzdem.
„Nein, wirklich nicht. Es klingt vielleicht blöd, aber wenn ich mich einsam fühle, dann nur wenn ich unter zu vielen Menschen bin. Es geht einfach nicht.“
Und in den Norden musste ich auch. Das schuldete ich Liam.
Hal und Tom sahen sich an, und schließlich äußerte sich Tom.
„Ich verstehe.“
Es klang aufrichtig. Ich bezweifelte zwar, dass Tom Mason nachvollziehen konnte, wie ich mir hier in der zweiten Mass fühlte. Aber für mich bedeutete es jedenfalls den Aufbruch. Und wie ich später zu meinem Unmut erfuhr, zu dritt. Naja, mal sehen. Nach allem was mir Hal erzählte, konnte Dai richtig gut schießen und war ansonsten ein unauffälliger Typ. Hej. Es hätte auch mein selbsternannter Pirat sein können…

Während ich meine Sachen aus meinem Nachtlager zusammensuchte und in meiner Jacke sowie dem abgeschlissenen Rucksack verstaute, begleiteten Zeilen eines Liedes meine Gedanken. Entsinne ich mich recht, entstammen die Worte aus The Giant von Anthrax. An die Melodie kann ich mich nicht mehr erinnern, aber an diese Zeilen.
I have to win, I never lose
I'll have my way, you have to choose
War all the time, so fucking fierce
War all the time, what do I fear?

Die Worte schienen mir passend für den Aufbruch in den Norden. Schon morgen sah die Welt anders aus. Keine zweite Mass. Wir würden auf uns alleine gestellt sein. Endlich wieder, schrie eine kleine Stimme in meinem Magen, hüpfend, endlich wieder ungezwungene Freiheit.
Doch inzwischen läuteten auch andere Geräusche meine Gefühle an, berauschend wie das Aufprallen der Meereswellen am ewigen Sand der Küsten. Etwas Neues hat sich ergeben in meinem Leben, und das war Begleitung. Weggefährten für die Einsiedlerin… meine Lippen pressten sich aufeinander, als mir bewusst wurde, dass bisher keiner meiner Gesellschaften überlebt hatte. Außer Sarah. Selbst ihr Überleben war gerade noch wie das Ziehen einer Notbremse gewesen, Rettung in allerletzter Minute. Wenn ich Hal wirklich so gern hatte, wie die kleinen nicht mehr zu ignorierenden Flatterinsekten in meinem Bauch andeuteten, wieso tat ich ihm dann diese Reise an?
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