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A Walk On Earth

GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
16.10.2013
29.07.2014
32
46.449
1
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
16.10.2013 1.268
 
(kurz paar Infos zur story.. es spielt etwa mitte der 2 Staffel; von Charleston ist (noch) nicht die Rede, stattdessen gibts ein anderes bodenloses Gerücht… genauso plötzlich zu Ohren gekommen, führt ebenso in den Norden, und bietet gleichfalls keine Gewissheit.. aber: nach Charleston lockt die Hoffnung. Was Kate mitbringt, erzählt von einer Gefahr…
freue mich immer über reviews, gedanken, wünsche.. und ansonsten hoffe ich es gefällt und unterhält =) ..ja und Disclaimer wie immer, alle bekannten Charaktere gehören nicht mehr etc... gg ..have fun ,)



Der Skitter gab komische Laute von sich, trippelte mit allen Beinen immer näher. Die beiden anderen Arme streckte er schon gierig nach mir aus. Ich krabbelte rückwärts wie ein Käfer. Das Viech hatte mich im Schlaf überrascht – bemerkenswert, denn ich hatte eigentlich einen leichten, sensiblen Schlaf.
So schnell ich konnte hielt ich ihm meine MP5 unter seine hässliche Nase, doch es schlug mir die Waffe aus der Hand. Ein erbostes Ej kam aus meinem Mund, während ich mir meinen Weg in die hinterste Ecke der Heuscheune bahnte. Rückwärts und nach wie vor auf allen vieren. Der Skitter schien keinen Stress zu haben und genoss es langsam auf mich zu zukommen.
Ich versuchte ruhig zu bleiben, griff zu meinem Hosenbund. „Shit!“ Erneut ein erboster Ausruf. Der Morgen fing gar nicht toll an. Suchend erblickte ich meinen Messergürtelbund, den ich gestern Abend so selbstsicher und lässig über einen Strohsack geworfen hatte. Ich würde mich selbst hauen, hätte der Skitter nicht einen Laut ausgestoßen, der mir das Trommelfell fast zerriss.
„Jetzt wird’s ernst, mh?“ Ich hörte wie zittrig meine Stimme schon war. Mein Geist war starrsinnig und kampfbereit, aber mein Körper wusste es besser.
Das Blut in meinem Leib erhitzte sich, meine Hände wurden schwitzend und der Puls schneller. Der Skitter hielt inne und schüttelte seinen Kopf, neigte ihn nach rechts und links. Ich ergriff die Chance. Hastig sah ich mich um und erblickte die weiße Glasflasche gut einen Meter von mir, zwischen zwei Heuballen eingeklemmt. Meine Augen stets auf den grünbraunen Skitter gerichtet, krabbelte ich näher zu den Heuballen.
Meine Hände griffen nach hinten, immer weiter. Plötzlich war Ende, kein Weiterkommen. Mit dem Rücken an die Heuballen gelehnt, starrte ich den Alien an. Er kam näher, bis sein Kopf über meinem war und ich ihn von unten ansehen musste. „Immerhin schlatzt du nicht wie mein Hund Rover.“ Blöde Sprüche verhalfen mir zur Ruhe, und schenkten mir Zeit. Wo war Rover eigentlich? Verdammt. Die Augen des Skitters verengten sich schlitzartig, der Kopf neigte sich zur Seite und er schien konzentriert auf die komischen Laute, die ich von mir gab.
Während ich den Skitter anstarrte, suchte ich blind die eingeklemmte Flasche. Endlich. Eilig zog ich sie heraus, schraubte den Verschluss herunter und schon schoss der Geruch in meine Nase. „Verdammt.“ Normalerweise würde ich das nicht tun, sondern hätte es mir selbst genehmigt.
Der Skitter schrie auf, setzte seinen Körper auf die letzten Beine und stieg nach oben wie Pferde es auch tun. Jetzt oder nie. Ich riss mir mein Halstuch herunter, nahm die Flasche und schüttete was das Zeug hielt darüber. Als der Skitter wieder auf seinen Beinen landete und so nahe kam, das sein Gesicht beinahe meine Nase berührte, warf ich ihm das Tuch über sein hübsches Köpfchen.

Es war meine letzte – und sehr verzweifelte Chance. Die Idee kommt nicht von irgendwo. Mein Großvater machte das gleiche mit seinen Zuchtsäuen, wenn sie in den Wehen lagen. Oder mit seinen Pferden, wenn sie bei einem Gewitter am durchdrehen waren. Dadurch landeten sie in einem tiefen Schlaf.
Der Skitter schrie auf als das Halstuch auf seinem Gesicht landete. Es musste höllisch in seinen Augen brennen, so wie seine Schreie klangen. Der Schnaps war uralt und hochkonzentriert. Hätte ich ein Streichholz gehabt, hätte ich es wohl auch gezückt. Aber so saß ich da, eng an den Heuballen gepresst und beobachtete wie er wild fuchtelnd mit seinen verkümmerten Greiferchen das Tuch von sich reißen wollte. Es hatte sich – zu meinem Glück – an einem seiner Stoßzähne -oder was auch immer das sein sollte- verheddert. Dieses ungelenkige Mistvieh. Der Skitter wankte, schlug erneut um sich, und schließlich fiel er zu Boden. Alle acht Extremitäten von sich gestreckt. Meine Schnapsidee hat geklappt. Ich hielt den Atem an und wagte mich nicht zu rühren.
Gute fünf Minuten dauerte es, ehe ich mich langsam regte. Vorsichtig beugte ich mich näher zu dem Getier, das keinen Meter vor meinen Füßen lag. Langsam streckte ich meine rechte Hand zu seinem Kopf, auf dem noch immer mein Halstuch lag. Meine Hand zitterte was das Zeug hielt. Erneut hatte ich aufgehört zu atmen, meine Finger berührten den feuchten Stoff. Blitzartig krallte ich das Tuch und zog es weg, behielt dabei den Skitter im Blick. Seine tiefschwarzen Augen waren schlitzförmig zusammengepresst und schienen mich anzustarren. Es war Friedhofsstill in der Scheune. Eine komische Situation. Der Skitter, am Boden, mit allen Vieren, eigentlich Achten von sich gestreckt, und ich so nahe, als ob ich ihn streicheln wollte. Der Schnapsgeruch schien unappetitlich an seiner Haut zu haften und begann in meiner Nase zu beißen. „Schlaf du deinen Rausch aus. Ich hau ab!“

Elegant bewegte ich mich über das Getier hinweg, streifte meinen Gürtel wieder um, zog die HK MP5 aus dem Stroh hervor und trat zum Scheunentor. Ein letzter Blick zurück. Skitter. Sie waren uns Menschen nicht unähnlich. Vier Finger, davon sah einer aus wie ein Daumen. Sechs Beine. Grau-braune Haut. Irgendwo in diesem Viech drinnen steckte etwas anderes – ein Parasit, etwas anderes, bevor es zu einem Skitter wurde. Das habe ich von einer früheren Gefährtin erfahren. Sie redete viel. Ob es stimmte oder bloß irre Gerüchte waren, dessen war ich mir nicht sicher.
„Viel Spaß mit dem Kater!“, rief ich dem blöden Skitter Vieh schließlich zu und verschwand im grünen Dickicht des nahegelegenen Waldes.


Als ich ein paar Meter gerannt war und mir die Kehle brannte, merkte ich was mir fehlte. Ich schrie mir den Hals wund. „Sarah! Saraah!“

Ich stolperte durch den Wald wie eine Irre, und hatte Glück. Das kleine Mädchen hatte sich in der kurzen Zeit weit entfernt. Die Angst trieb Menschen ungeahnte Kräfte ein, selbst für ein sechsjähriges Mädchen gab es keine Grenzen. Stell dir vor ein Skitter sieht dich in aller Herrgotts früh an – da läufst du weit, weit, weit…
Es gefiel mir nicht was ich sah, als ich bei Sarah ankam. Hatte es allerdings noch nie. Ein kleines, unschuldiges Mädchen mit verweinten Augen in dieser grausamen, brutalen Welt. Rover war bei ihr. Immerhin. Ihre Hand lag etwas steif in seinem Fell, beinahe krampfhaft, doch Rover zuckte nicht ein wenig.

Rover war ein Border Collie, ein Schattenhund. Ohne Aufforderung bewegten sie sich gern in der Nähe des Menschen. Er war ein intelligenter Rüde, sehr konzentriert. Seinen richtigen Namen kannte ich nicht, doch Rover gefiel mir ganz gut. Er war mir zugelaufen… doch das ist eine andere Geschichte, die ich beizeiten noch erzählen werde. Der Name schien mir jedenfalls passend, nachdem er so gut in der freien Natur zurechtkam und kämpferisches Blut durch seinen Körper floss.

Ich kniete mich vor die beiden hin, untersuchte sie nach Verletzungen, doch beiden schien es gut zu gehen. Die meiste Zeit strahlte der Köter Ruhe aus, zuweilen konnte er aber auch dominant sein. Doch in diesem Augenblick war er die sanfte Seele selbst, und beruhigte dadurch das kleine Mädchen. Ich dankte ihm dafür, denn ich selbst war etwas unfähig, wenn es um kleine Kinder ging.
Kurz kraulte ich Rover zwischen den Ohren, dann nahm ich Sarah bei der Hand, während ich mein Gewehr auf die andere Seite schulterte. „Komm, Süße.“


Der Tag sollte noch eine ungeahnte Wendung nehmen.
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