Predators: Diaries of a Raptor

GeschichteAbenteuer, Familie / P12
15.10.2013
22.12.2017
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Das erste Kapitel meiner neuen Dinosaurier Geschichte, an der ich parallel zu meiner Eragon Story "Das Geschenk der Götter" schreibe. Da dies sozusagen ein kompletter Neustart ist, müßt Ihr die alte "Predators" Story vorher nicht unbedingt gelesen haben.

Viel Spaß, beim lesen!
 


Predators: Diaries of a Raptor

Diese Geschichte, die ich euch erzählen werde, ist meine Geschichte...

Und wie bei so vielen Geschichten, die erzählt werden, begann auch sie vor sehr langer... jedoch nicht vergessener Zeit.


In einer Welt, lange bevor die Pyramiden errichtet wurden, bevor die Primaten von den Bäumen hinunterstiegen, um sich als Herrscher über die Welt zu erheben und bevor die Eiszeit, die Erde unter ihrer weißen Decke begrub. Als der mächtige Kontinent Pangaea entzwei brach und die Landmassen auseinander trieben, wurde die Erde von den größten, aber auch sonderbarsten Geschöpfen beherrscht, welche die Natur jemals hervorgebracht hatte... den Dinosauriern.

Wir befinden uns in einem Zeitalter, welches die Menschen heute als "untere Kreide" bezeichnen, wo Erdbeben und Vulkanausbrüche noch etwas ganz alltägliches waren und es nur um eines ging - überleben.

Die Welt war wiedermal einem Wandel unterzogen. Riesige Wassermassen teilten die Kontinente. Das Klima wurde kühler und trockener. Statt üppiger Wälder entstanden nun auch Wüsten und Savannen, bedeckt mit Farnen, Schachtelhalmen und Nadelbäumen. Die Ausmaße dieser gewaltigen Veränderungen wirkten so drastisch auf die Umwelt, daß sie selbst vor den Dinosauriern nicht Halt machten. Neue zuvor noch unbekannte Arten entstanden und die uralten langhalsigen Sauropoden, die in früheren Zeiten die Welt dominierten, verschwanden immer mehr vom Erdball und wurden nach und nach von den Hadrosauriern, Ceratopsiden und Iguanodons verdrängt.

Aber auch die Fleischfressenden Dinosaurier machten eine evolutionäre Entwicklung durch und eine noch junge, aber außergewöhnliche Spezies betrat das Spielfeld des Lebens...

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In einem weit entfernten Land, welches in Abermillionen Jahren einmal den Namen "Nordamerika" tragen würde, nimmt die Geschichte ihren Anfang.

Die Nacht brach über die unebene Steppenlandschaft der Unterkreide herein. Zur damaligen Zeit war die Region von reichhaltiger Vegetation durchzogen, die den verschiedensten Pflanzenfresser Arten als Nahrung dienten. Während die Steppe im Südwesten in eine Halbwüste überging, waren die breiten Flusstäler zu einem sehr großem Teil mit dichten Wäldern bedeckt.

Ein einzelner Leptoceratops inspizierte weitab von seiner Herde entfernt interessiert das Unterholz, da er wußte, daß sich unter der Rinde eines abgestorbenen Baumes eine ganze Menge Insekten befanden, die er versuchte  mit seinen kurzen Krallen freizukratzen. Die kleinen Leptos waren normalerweise blattfressende Dinosaurier, trotzdem verspeisten sie manchmal auch ganz gerne knackige Insekten.

Um dieser späten Abendzeit, war aber auch noch jemand ganz anderes unterwegs, denn aus dem Schutz der Dunkelheit, wurde der Lepto unbemerkt von zwei grünen Augen beobachtet. Sie verfolgten ihn bereits, seitdem er sich von seiner Herde entfernt hatte. Es waren die Augen eines Jägers.
Der Lepto war aber so intensiv mit dem Baumstamm beschäftigt, daß er leichtsinnig wurde und überhaupt nicht mehr auf seine Umgebung achtete. Infolgedessen nahm der unvorsichtige Dinosaurier die drohende Gefahr, die über ihm schwebte, überhaupt nicht wahr. Ein fataler Fehler, wie es sich für ihn schließlich herausstellen sollte!

Der Angriff geschah völlig unerwartet und so plötzlich, daß der kleine Dinosaurier nicht einmal wußte, wer oder was ihn attackierte. Alles was er noch vernahm war ein hartes Zupacken im Genick und ein darauf folgendes lautes Knacken. Nicht einmal einen aufgeschreckten Ton konnte er noch von sich geben, als das Leben in ihm erlosch.

Gebeugt über dem leblosen Körper des unglücklichen Dinosauriers, stand ein zweieinhalb Meter großer Raubsaurier. Er gehörte einer noch recht jungen Spezies von mittelgroßen Fleischfressern an, die irgendwann aus dem hohen Norden auftauchten. Es handelte sich um schlanke leichtfüßige Jäger, die immer in Gruppen oder Rudeln erschienen. Sie waren die von den Pflanzenfressern am meist gefürchtetsten Raubsaurier, da ihre Jagdmethoden absolut unberechenbar waren und sie stets wechselnde Jagdstrategien anwandten um ihre Beute auszutricksen. Die typisch, charakterliche Silhouette identifizierte diesen Dinosaurier schon aus weiter Ferne, aber das außergewöhnlichste Merkmal dieser schnellen Räuber, war die große Raubkralle auf der mittleren Zehe, welche die Form einer Mondsichel hatte. Es gab verschiedene Unterarten dieser Saurier, die sich in Größe und Färbung voneinander unterschieden. Die größten Vertreter dieser Spezies waren die Utahraptoren. Sie und die kleineren Deinonychus kamen in der Gegend am häufigsten vor.
 
Der Name dieses Raubsauriers lautete "Nachtschreiter". Er war ein Alphamännchen eines kleinen Clans von grauschuppigen Utahraptoren. Sie besaßen für Dinosaurier eine außerordentlich hohe Intelligenz und genossen die Gesellschaft unter Ihresgleichen. Die Körper dieser Raptorenart waren mit dunkelgrauen Schuppen bedeckt, während ihre Unterkiefer, sowie die Bäuche weißlich waren. Schwarze tigerähnliche Streifen, die sich vom Kopf über die Arme und Beine, bis hinunter zum Schwanzende zogen, zeichneten ein schönes Muster über ihre Leiber, welches bei jedem Individuum in seiner Einzigartigkeit variierte. Sie verfügten über sehr scharfe, nach vorn gerichtete Augen und konnten selbst noch im Dunklen erstaunlich gut sehen.

Unter normalen Umständen jagte ein Utahraptor nie alleine, doch für einen erfahrenen Dämmerungsjäger, wie Nachtschreiter stellte der kleine Lepto absolut kein Problem dar und benötigte deswegen auch keine Unterstützung von seinem Rudel. Die Jagd bei absoluter Dunkelheit, war seine Naturgabe und er schien beinahe schon mit der Dunkelheit zu verschmelzen.
Um einen ausgewachsenen Utah satt zu bekommen, war der Lepto jedoch viel zu klein und bloß eine Füllung für den hohlen Zahn. Nachtschreiter erlegte die Beute aber ohnehin nicht für sich, sondern für seinen Nachwuchs, der sich jüngst ankündigte. Eins der beiden Eier in seinem Nest begann sich zu bewegen und es würde nicht mehr lange dauern, bis das Dinokind schlüpfen würde. Daher begab sich Nachtschreiter noch zu später Stunde geschwind auf die Jagd, denn schon sehr bald würde im Clan ein weiteres heißhungriges Maul zu stopfen sein.    

Während seiner Abwesenheit bewachten Nachtschreiters Mutter und sein halbwüchsiger Sohn das Nest und waren  in heller Aufregung, als sich das Ei regte. Die meisten Saurier des Rudels schliefen bereits und bekamen das besondere Ereignis überhaupt nicht mit, welches sich um ihnen herum abspielte.
     
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Wer bin ich? Wo bin ich?


Das erste was ich fühlte, als sich mein Bewusstsein entfaltete, war eine Enge um mich herum. Ich verspürte das Bedürfnis mich zu bewegen, meine Glieder auszustrecken, aber irgendetwas hinderte mich daran. Mir gefiel diese Einengung nicht und ich windete mich gegen dieses "Ding", dass mich gefangen hielt.

"Ich will nach 'draußen'!" begann ich zu schreien.


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"Es ruft bereits, Starke Klaue!" sprach Großmutter nervös. "Wo bleibt denn nur dein Vater? Er wird noch das Ausschlüpfen des Kindes verpassen, wenn er nicht bald hier ist!"

"Ist es schon soweit?!" rief Nachtschreiter abgehetzt und legte den Fang neben seinem Nest ab. "Bei allen Urvätern, hat es das Kleine aber eilig! Ich hätte nicht gedacht, dass es noch heute Nacht schlüpfen würde."

"Wundert es dich wirklich, dass sich dein Kind dazu entschließt ausgerechnet Nachts zu schlüpfen?" fragte Großmutter amüsiert und lachte.

Großmutter beugte sich zu dem Ei hinunter und begann behutsam zu singen.

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Ich horchte nach 'draußen', als ich plötzlich eine angenehme, liebevolle Stimme hörte. Was immer auch dort 'draußen' sein mochte, antwortete  meinem Ruf und lies meinen Drang nach Freiheit noch viel größer werden. Sie erfüllte mich mit Wärme und gab mir die Entschlossenheit, mein Gefängnis aufzubrechen.

Mit größter Mühe stieß ich meinen Kopf gegen die widerspenstige Hülle. Zuerst brach sie nicht gänzlich auf, aber es reichte bereits um einen Sprung zu verursachen. Ich versuchte es wieder und immer wieder, so das sich der Riss weiter vergrößerte. Die Stimme war nun ganz nahe bei mir und sie sprach mir Mut zu. Ich begann mit den Beinen zu strampeln und mit einem Mal platzte die Hülle auf. Die Öffnung war nun groß genug, so das ich meinen Kopf hinausstrecken konnte und es endlich schaffte, mich aus der Schale zu zwängen.

Nun lag ich völlig erschöpft im weichen Nest und tätigte meine ersten Atemzüge an der kühlen Luft.


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"Sieh doch, Mutter! Es ist ein Junge!" sprach Nachtschreiter überglücklich. "Starke Klaue, du hast einen kleinen Bruder bekommen!"

"Und er ist wunderschön!" schwärmte Großmutter, als sie das Dinokind von den schleimigen Resten des Eis befreite. "Eines Tages wird er zu einem großen Jäger heranwachsen, dass spüre ich deutlich."

"Er wird noch Bedeutendes vollbringen." stimmte Nachtschreiter zu.

"Ich möchte ihn auch sehen!" beschwerte sich Starke Klaue und versuchte sich zwischen den beiden größeren Raptoren hindurchzuquetschen.

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Ich versuchte meine Augen zu öffnen, aber alles was ich erkennen konnte, waren verschwommene formlose Gestalten. Ich hörte ihre Stimmen, doch ihre Worte ergaben für mich keinen Sinn. Aber ihren Geruch kannte ich ganz genau! Tief in mir wußte ich instinktiv, dass dieser Geruch nur eins bedeuten konnte: Familie!

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So kam ich in diese Welt.

Hätte ich damals bereits gewußt, was mir noch alles bevorstehen würde, währe ich wieder zurück in mein Ei gekrochen, aber mein allerbester Freund, das Schicksal hatte etwas ganz besonderes mit mir vor.

Als wenn ich jemals eine Wahl gehabt hätte...
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