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Please don't make me love you

von Julesxx
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
15.10.2013
15.10.2013
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So, hier mal etwas, was schon Ewigkeiten halb fertig auf meiner festplatte rumgedümpelt hat und jetzt endlich mal zu Ende geschrieben wurde! Ich bin gespannt, was ihr sagt!


Please don’t make me love you


Mina brauchte sich gar nicht umzudrehen, um zu wissen, dass er wieder da war. Sie konnte es spüren. Jede Faser ihres Körpers nahm seine Präsenz war. Und es löste merkwürdige Gefühle in ihr aus. Eine fremde Sehnsucht, die Mina sich nicht erklären konnte; den Wunsch sich umzudrehen und in seine eisblauen Augen zu sehen, die sie so eingefangen hatten; Verlangen, nach seiner dunklen und dennoch weichen Stimme, seiner Nähe, nach ihm und Angst – aber keine Angst vor ihm, dem fremden, gefährlichen Wesen, sondern Angst um ihn. Den Mann. Sie wusste wohin Jonathan, van Helsing und die anderen gegangen waren und was ihr Ziel war – sie wollten ihn vernichten. Er war in Gefahr. Und hier war er es noch vielmehr als irgendwo sonst. Wenn sie zurück kommen sollten… Energisch versuchte Mina diese Gedanken zu verbannen. Sie durfte das nicht denken! Sich nicht um ihn sorgen! Er war kein Mensch! Er war ein Teufel! Er hatte ihre beste Freundin getötet! Er würde sie genauso töten! Und doch… Sie drehte sich um und sah ihn an der Treppe stehen, eine Hand auf das Geländer gelegt, ein sehnsüchtiger, warmer Glanz in seinen Augen – oder bildete sie sich das ein? War es nur einer seiner Tricks? Der Doktor hatte ihr gesagt, wie gerissen er war. Wie viele Talente er besaß und wie er die Menschen manipulieren konnte. So ein Wesen kannte nur ein Gefühl: Durst, ewigen Durst nach Blut. Und trotzdem, wie er dort stand, sah er gar nicht wie ein Teufel aus. Eher wie ein sehr attraktiver Mann. Das dunkle, kurze Haar, die hohe, schlanke Gestalt und das ebenmäßige Gesicht mit diesen wundervollen Augen. Augen, die sie so sehnsüchtig musterten. Wünschte er sich ebenfalls, sie in die Arme ziehen zu können, so wie sie es sich wünschte?

Ohne dass Mina es sich bewusst war, trat sie einen langsamen Schritt auf ihn zu. Sein Gesicht verzog sich zu der Andeutung eines Lächelns. Ja, er lächelte tatsächlich und das Glänzen seiner Augen wurde sogar noch stärker. Er wirkte überhaupt nicht bedrohlich in diesem Moment. Nur ruhig und entspannt, abwartend, aber nicht lauernd oder gefährlich. Mina konnte keinerlei Gefahr von ihm ausgehen spüren. „Warum bist du hier?“ flüsterte sie leise. Er hob den Kopf und schien aus einer seltsamen Art von Trance zu erwachen. Fast wie ein Tagträumer, den man plötzlich aus seinen Gedanken riss. „Ich musste dich sehen.“ Antwortete er leise und Mina spürte den vertrauten Schauer bei seinen Worten. In ihr stiegen Gefühle auf, die sie nicht haben sollte, nicht durfte. Nicht gegenüber jemand anderem als Jonathan, ihrem Ehemann,und ganz sicher nicht gegenüber ihm, der noch nicht einmal ein Mensch war. Sie wich einen halben Schritt zurück, erschrocken über ihre eigenen Gedanken. Er lächelte und Mina hatte das Gefühl, als würde er direkt auf den Grund ihres Herzens sehen.

„Warum?“ hauchte sie, ihre Stimme ein wenig zu hoch. „Weil ich das gleiche fühle, wie du.“ Antwortete er und Mina wich noch einmal zurück. Nein. Er manipulierte sie. Er konnte nicht fühlen. Er war ein Monster, ein Geschöpf des Teufels, er lebte nicht – wie konnte er dann fühlen?

„Mina.“ Seine Stimme war sanft und riss sie aus ihren Gedanken. Sie blieb stehen und beobachtete, wie er die Treppe hinunter kam und langsam auf sie zu ging. Und auch jetzt sah sie in den geschmeidigen Bewegungen keinen Angreifer oder Feind. Ihr Herz schlug zu schnell, aber das nicht aus Angst. Sie fürchtete ihn nicht, obwohl jede Zelle ihres Gehirns das verlangte. Ihr Verstand wollte ihn fürchten, aber sie konnte es nicht. Ihre Augen sahen kein totes, teuflisches Wesen, sondern einen Mann wie jeder andere.

„Das bin ich auch.“ Flüsterte er rau. „Ich mag kein Mensch mehr sein, aber ich bin immer noch ein Mann wie jeder andere.“ Murmelte er.  Mina schaute ihm in die Augen und fragte sich, woher er ihre Gedanken kannte. Hatte er sie erraten? Oder konnte er ihre Gedanken lesen? Ihre Überlegungen wurde jäh unterbrochen als im unteren Teil des Hauses eine Tür zufiel. Mina schrak zusammen. Sie waren zurück! Und er war hier!

„Du musst gehen! Wenn sie dich finden, dann…“ Mina trat ohne zu überlegen auf ihn zu und legte ihre Hände gegen seine Brust als wollte sie ihn wegschieben, aber das tat sie nicht. „Mina… Sie sind nicht zurück…“ murmelte er beruhigend und legte seine Hände sanft an ihre Arme. Sein scharfes Gehör verriet ihm genau, was im unteren Teil des Hauses vor sich ging. Der Wind hatte eine Tür zu gedrückt, mehr war nicht passiert. Außer Mina, dem Personal  und ihm war niemand im Haus. „Nicht?“ widerholte Mina und beruhigte sich ein wenig. Er schüttelte den Kopf. „Nein. Es war nur der Wind…“ sagte er. „Woher weißt du…?“ Er lächelte. „Ich kann es hören…“ murmelte er und er sah die Erkenntnis in Minas Augen. Ja, er war kein Mensch. Und das wurde ihr gerade wieder richtig bewusst. Aber deswegen konnte er trotzdem etwas fühlen.

Als ihre Panik, gleich von Jonathan, dem Professor und  den anderen beiden Männern entdeckt zu werden, sich etwas legte, spürte sie erst, in welcher Situation sie sich befand. Sie stand direkt vor ihm, ihre Hände lagen auf seiner Brust. Unter ihren Fingern spürte sie den kühlen Batist und darunter seinen nicht weniger kühlen Körper. Sie war ihm zu nahe. Ihr Herz beschleunigte sich sofort wieder, aber aus anderen Gründen als der Angst von vor noch wenigen Minuten. Es war seine Nähe. Auch wenn sie keinen Herzschlag spüren konnte, so fühlte er sich trotzdem nicht tot an. Sondern sehr lebendig. Und sie ließ seine Nähe auch alles andere als kalt.
Seine blauen Augen schauten sie abwartend an und schließlich beugte er sich über sie und küsste sie. Mina blieb der Atem weg, als sie die kühlen Lippen auf ihren eigenen spürte. Ihr Verstand protestierte sofort. Das durfte sie nicht tun. Aber es fühlte sich gut an. Bevor es ihr bewusst war, hatte sie den Kuss bereits erwidert. Ihre Knie wurden weich und sie schmiegte sich instinktiv an ihn. Ihre Hände wanderten von der Mitte seiner Brust nach unten, strichen über den weichen Stoff des schwarzen Hemdes und legten sich sanft um seine Hüften. Hitze durchflutete ihren Körper und ein Verlangen, das sie bist jetzt nicht gekannt hatte, ergriff von ihr Besitz. Die Küsse wurden hungriger und Mina drängte sich enger an den Körper dieses eigentlich gefährlichen Geschöpfs. In ihr tobte ein wahrer Sturm von Gefühlen, den Mina so nicht kannte. Jonathan hatte nie etwas Ähnliches in ihr ausgelöst.

Er spürte wie Minas Widerstand innerhalb von Sekunden dahin schmolz. Ihr Körper war weich und nachgiebig und sie schmiegte sich eng in seine Arme. Er konnte sich ein siegessicheres Lächeln nicht verkneifen. Die Leidenschaft, die sie gerade zeigte hatte ihr Ehemann nie in ihr auslösen können. Mit einem mentalen Befehl verschloss er die Tür und drängte Mina dann in Richtung des Bettes. Der Hunger, der in ihm tobte war nicht der nach Blut, sondern nach der Frau in seinen Armen. Der Hunger eines Mannes, nicht der eines Monsters. Er konnte sich nicht erinnern, wann er sich das letzte Mal so lebendig gefühlt hatte…

Mina spürte den weichen Stoff der Laken unter sich und öffnete überrascht die Augen. Sie lag halb auf dem Bett, mit ihm über sich, aber anstatt ihn wegzustoßen oder abzuwehren, zog sie ihn nur wieder zu sich heran. Jonathan war völlig aus ihren Gedanken verschwunden. Alle Gedanken galten dem Mann, der sie gerade so hungrig küsste.

Sie ließ ihre Hände unter dem Mantel über seinen Rücken gleiten und spürte den fließenden Stoff und die harten Muskelstränge unter ihren Fingern. Die Kühle seines Körpers war angenehm gegen ihre heiße Haut, aber sie ließ ihre Leidenschaft nicht abebben. Ihre Hände begannen ungeduldig an seinen Kleidern zu zerren und schließlich fiel der Mantel auf den Boden. Mina seufzte auf und ihre Hände fanden schnell die Knöpfe an seinem Hemd. Bevor sie diese allerdings ebenfalls öffnen konnte, spürte sie die kühlen Lippen an ihrem Hals und erstarrte.

Er ließ seine Lippen hungrig über die weiche Haut an ihrer Kehle wandern und gab ein tiefes Knurren von sich. Er konnte das Blut pulsieren fühlen und roch ihre Erregung, die schwer im Raum hing. All das fachte seinen Hunger nur noch mehr an. Mina erstarrte unter ihm und spannte jeden Muskel in ihrem Körper an. Natürlich. Ihre Instinkte sagten ihr, dass er gefährlich war. Seine Lippen an ihrer Kehle bedeuteten den Tod, aber nicht im Moment. Und nicht für sie. Sein Hunger war ein anderer, auch wenn es ihm schwer fiel, diese dunkle Seite zurück zu drängen. Aber das war Mina. Und sie war etwas Besonderes. Schon als der das Foto von ihr bei diesem Anwaltsgehilfen gefunden hatte, hatte er gespürt, dass er diese Frau kennenlernen musste. Irgendetwas an ihr hatte ihn stärker angezogen, als es Blut allein jemals vermochte. Mit sanften Küssen über ihren Hals brachte er Mina schließlich dazu, sich wieder zu entspannen. Gleichzeitig hatten seine Hände begonnen, die umständlichen Schnüre und Häkchen an ihrem Kleid zu lösen. Der Stoff bauschte sich unter seinen Fingern und verhinderte es, dass er sie so spüren konnte, wie er es sich wünschte. Er musste sie davon befreien, bevor er wahnsinnig wurde.

Mina zitterte, als sie spürte, wie die Schnürung ihres Kleides lockerer wurde und kühle Hände über ihren Rücken strichen. Für einen winzigen Augenblick flammte ein schlechtes Gewissen in ihr auf. Das was hier gerade geschah war gegen jede Moral. Er war noch nicht einmal ein Mensch! Und trotzdem zog sie ihn nur wieder zu sich und hoffte, er würde sie endlich aus diesem Kleid befreien. Dieser Berg an Stoff störte. Sie wollte ihn endlich nah bei sich spüren.

Er knurrte und verfluchte die Mode der Zeit. Frauen, deren Körper unter Tonnen von schwerem Stoff verborgen und dann noch in ein Korsett gezwängt wurden. Nur mit Mühe hielt er sich davon ab, den Stoff einfach zu zerreißen. Stattdessen zwang er sich selbst zur Geduld.

Mina bäumte sich ihm entgegen, als er es schließlich schaffte, ihr das Kleid von den Schultern zu schieben. Der schwere Stoff glitt über ihren Oberkörper nach unten und schließlich auch über ihre Hüften, bis er auf dem Boden landete. Sie hielt unwillkürlich den Atem an und sah schüchtern auf. Ihr unsicherer Blick traf auf den hungrigen auf stahlblauen Augen. Sie wusste jetzt, was van Helsing gemeint hatte, als er von der ewigen Gier gesprochen hatte. Aber in seinem Blick lag nicht dir Gier nach ihrem Blut, sondern nach ihrem Körper. Pures Begehren blitzte in den blauen Tiefen auf und ließ sie sich selbstsicherer fühlen.

Ihre Hand glitt über seine Brust und das halb offene Hemd, bevor sie ihn sanft in die Kissen drückte und sich aufsetzte. Dass er sich nicht widersetzte, sagte ihr genug. Nur sein Blick lag auf ihr und hielt den ihren fest. Sie schluckte noch einmal, dann griff sie nach hinten und begann möglichst langsam auch die Schnürung an ihrem Korsett zu lösen. Je mehr es sich lockerte, desto begehrlicher wurde sein Blick. Minas Herzschlag beschleunigte sich noch weiter und ihr Atem ging schneller. Gleichzeitig fingen ihre Finger an zu zittern und sie verhedderte sich mit den Schnüren.
„Shhh…“ Er hatte sich wieder aufgerichtet und ließ seine Arme in ihren Rücken gleiten, wo er die Verschnürung geschickt lockerte und ihr das Korsett schließlich abstreifte. Angesichts seiner geschickten Hände, fragte Mina sich plötzlich, wie viele Frauen sich schon in dieser Situation befunden hatten.

„Keine, die mir so viel bedeutet hat.“ Lautete die geraunte Antwort, als er sie wieder auf das Bett zurück drückte und ihren Hals mit Küssen bedeckte. Dieses Mal hatte sie keine Angst. Er würde sie nicht beißen. Nicht jetzt. Ihr Atem zitterte und sie krallte ihre Finger in den dunklen Stoff seines Hemdes. Wieso trug er das noch? Während eine Hand in seinen Nack fuhr, öffnete die andere die restlichen Hemdknöpfe mit hektischer Ungeduld. Innerhalb von Sekunden landete der schwarze Stoff neben ihren eigenen Kleidungsstücken.

Sie hielt inne, als sie seinen Oberkörper vor sich sah. Er war blass, ja, aber ebenso perfekt. Und er sah nicht anders aus, als andere Männer, soweit sie das beurteilen konnte. Sehnige Muskeln, nicht zu viel, zeichneten sich unter der Haut ab. Gleich einer Raubkatze. Kräftig, aber elegant.

Gedankenverloren ließ sie ihre Finger darüber wandern und spürte einen nur allzu menschlichen Schauer und seinen heftigen Atem, obwohl er sicher keine Luft benötigte. Eine Reaktion auf ihre Nähe vielleicht?

Er antwortete nicht, aber der Kuss, den er ihr kurz darauf gab, reichte ihr. Hungrig, leidenschaftlich, voller Erwartung während seine Hände sich in den dünnen Stoff ihres Unterkleids krallten und die Konturen ihres Körpers nachzeichneten. Schließlich zog er es ihr einfach über den Kopf und hielt dann den Atem an.

Vor ihm erstreckte sich eine Schönheit, die er so noch nie gesehen hatte. Helle, makellose Haut. Sein Blick glitt hungrig über jedes Detail ihres Körpers und prägte es sich genau ein. Sie war wie einem Gemälde entstiegen. Eine Schöpfung der großen Meister, von denen sich Bildbände in seiner Bibliothek tummelten. Gertenschlank und trotzdem voll Weiblichkeit. Welchem Irrsinn verdankte er es, dass ihr perfekter Körper in ein Korsett gezwängt und von ausladenden Roben bedeckt wurde?

Eine sanfte Gänsehaut überzog ihren Körper und rissen ihn aus seiner starren Bewunderung. War ihr kalt? Nie zuvor hatte ihn das gekümmert, aber jetzt. Bei Mina. Sie sollte sich wohl fühlen. Sie war nicht einfach nur irgendeine Frau, an der er erst seine durch und durch männlichen Gelüste stillte und danach den Durst auf Blut. Nein, das hier bedeutete etwas. Er hatte keinen Herzschlag mehr, aber er konnte fühlen. Er fühlte wieder, seit er Mina gesehen hatte.

Schnell sah er auf. Ihre dunklen Augen lagen auf ihm und eine Hand streckte sich nach ihm aus. Langsam fuhr sie über sein Gesicht und er beugte sich wieder zu ihr. „Ich habe nie etwas Schöneres gesehen…“ murmelte er bewundernd und küsste ihren ganzen Körper.

Sie verlor jegliches Gefühl für Zeit und Raum. Ihre ganzen Sinne konzentrierten sich nur noch auf das, was sie fühlte, roch, sah und hörte. Seine Hände, die ihren Körper erforschten; sein kühler Körper auf ihrem; die weiche Haut mit harten Muskelsträngen darunter; sein Duft nach einer klaren Winternacht; dieses unglaubliche Blau seiner Augen, dass sie zu verbrennen schien; das Geräusch seines Atems und sein leises Stöhnen, wann immer sie sich traute, ihm dieselben Liebkosungen zuteilwerden zu lassen.

Ein heiseres Keuchen entfuhr ihr, als er ihre Körper endlich vereinigte und sich in ihr zu bewegen begann. Sie bäumte sich auf, ihm entgegen und versuchte ihm noch näher zu sein.

Mina wand sich unter ihm und seufzte leise. Ihre Augen waren geschlossen und durch ihre halb geöffneten Lippen entkam ihr heißer Atem, während ihre Hände sich in seinen Rücken und seine Schultern krallten. Sein Blick veränderte sich und seine zweite Seite erwachte, je mehr ihm die Kontrolle entglitt. Hungrig hefteten sich seine Augen auf ihre Kehle und sein Mund wurde trocken, bei der puren Fantasie ihres Blutes.

Nein! Er wandte den Kopf ab! Das war Mina! Er würde sie nicht verletzen! Nicht jetzt! Nicht dieses Mal! Er stöhnte auf, vor Hunger, vor purer Frustration und dem verzweifelten Versuch, die Kontrolle nicht zu verlieren. Er durfte es nicht…

Ein Duft, wie er ihn noch nie gerochen hatte erreichte seine Sinne und ließ ihn die Augen aufreißen. Mina sah ihn an. Aus einem kleinen Schnitt an ihrem Handgelenk quoll Blut. Er wusste nicht, wie sie sich die Verletzung zugefügt hatte, aber sie brachte sich damit in Todesgefahr. Wusste sie das denn nicht? Kümmerte sie das gar nicht?

Hart presste er die Zähne aufeinander, so dass es schmerzte und kämpfte gegen das unbändige Verlangen an. Er versuche nicht zu atmen, aber der Duft saß in seiner Erinnerung. Nach einem warmen Sommertag, Kräutern und Wildblumen, dem Meer. Er sah sie wieder an und beobachtete dann gebannt, wie ein einzelner Blutstropfen über ihren Arm lief. Langsam die makellose Haut färbte.

„Nimm es…“ hauchte Mina leise und ließ  seine mühsam aufrecht erhaltene Beherrschung zu Staub zerfallen. Mit einer schnellen Bewegung nahm seine Zunge den einzelnen Blutstropfen auf, bevor sein Mund sich über der Wunde schloss. Minas Blut reizte all seine Sinne aufs Äußerste. Es schmeckte nach allem, was ihm verboten war und machte es damit zu der wundervollsten Essenz aller Zeiten. Er spürte seine Beherrschung schwinden und stöhnte heiser auf, aber auch auf Mina hatte diese zusätzliche Verbindung Einfluss: Ihr Atem beschleunigte sich und ihr Körper verkrampfte sich, bevor sie unter atemlosen Stöhnen in seinen Armen erbebte und ihn mit sich in diesen Strudel aus Leidenschaft riss.

Benebelt von seinem rausch schaffte er es gerade noch, ihr Handgelenk wieder freizugeben, bevor er für einige Zeit in einen erlösten Dämmerzustand abglitt.

###

Mina erwachte mit klopfendem Herzen und sah sich um. Sie war in ihrem Bett und sie trug ihr Nachthemd. Das Zimmer war leer und nur auf dem Nachttisch stand eine Kerze, die fast heruntergebrannt war und flackerndes Licht an die Wände warf. Ihre Kleidung neben dem Bett was verschwunden. War es alles nur ein Traum gewesen? Es hatte sich so real angefühlt… Und tief in sich meinte sie, immer noch das Echo des Geschehenen spüren zu können. Ein winziger Rest seiner Präsenz. Sie zog die Decke enger um sich und sah strich sich nervös, das Haar aus dem Gesicht. Da bemerkte sie es. Ein schmaler, weißer Verband um ihr Handgelenk. Sie wickelte ihn ab und fand darunter einen schmalen Schnitt. Den Schnitt, den sie sich selbst zugefügt hatte, als sie das Begehren in seinem Blick sah und erkannte, dass es nicht nur ihrem Körper galt. Sie lächelte. Kein Traum. Er hatte vielleicht alle anderen Spuren beseitigt, aber diese eine hatte er ihr gelassen. Und die Gewissheit in ihrem Herzen: van Helsing hatte Unrecht. Er war kein gewissenloses Monster. Und sie würde nicht zulassen, dass er als solches vernichtet wurde. Nicht, wenn es einen anderen Weg gab…




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